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Grab der Träume
07-03-2011, 18:57
Beitrag #1
Grab der Träume
...

In diesen Nächten tanzen kalte Sterne starre Reigen.
Am Grab der Träume suchen Schatten nach Vergangenheit,
verloren, längst zerrissen von der Hysterie der Zeit.
Die Stille herrscht am Grab und selbst die Eulen schweigen
Ein Traum zerbricht im Streit um seine Einzigartigkeit.


...

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Hyperion am Bellarmin

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08-03-2011, 19:17
Beitrag #2
RE: Grab der Träume
Hallo demon,

vorweg - also surreal oder phantastisch finde ich es nicht, eher stark melancholisch Icon_smile ...

Klanglich liest es sich seeehr schön, nur in der letzten Zeile ist eigentlich eine Silbe zu viel (das "seine"), aber eine elegante Lösung fällt mir nicht ein. Das "Einzigartigkeit" sollte nämlich stehen bleiben, das passt wunderbar. Am besten hat mir aber die "Hysterie der Zeit" gefallen.

Rein formtechnisch finde ich so lange Zeilen nicht so gut. Ich würde es aufteilen in kompaktere und dafür längere Strophen, aber das ist Geschmackssache. Wenn es dir so gefällt, lass es gerne so. Nur um es lyrischer aussehen zu lassen, würde ich es eben etwas zerrücken *g* ...

Die Punkte am Anfang und Ende finde ich überflüssig - braucht es die? Ich finde das Gedicht mit klarem Punkt viel ausdrucksstärker, als wenn sich da so Pünktchen drum herum verlieren.

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)
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25-03-2011, 00:19 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25-03-2011 00:20 von demon17.)
Beitrag #3
RE: Grab der Träume
Hallo Zack,

was soll ich dazu sagen. Die Inspiration von 6 Monaten reicht grade mal für einen Fünfzeiler. Die langen Zeilen brauche ich nun mal für die getragene Wirkung. Ich stehe auf Siebenheber und die sind inzwischen genau ausgezählt. Das dauert natürlich seine drei, vier Kritiken. Ich merke das ja meistens erst nach der Veröffentlichung. Icon_ugly Die Punkte sind eigentlich nur dazu da, damit etwas Platz vor und nach den Zeilen bleibt. Also nur ein Layout und keine inhaltliche Geschichte.

Danke für Deinen netten Kommentar.

demon17

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Hyperion am Bellarmin

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30-03-2011, 04:18
Beitrag #4
RE: Grab der Träume
Hallo demon,

Zitat:Grab der Träume
Ein sehr eindringlicher Titel, der mich doch recht stark anzog. Viel kann sich dahinter verbergen und gleichzeitig ist es ein abstrakter Begriff.

Zunächst erzeugst du mit dem ersten Vers eine düstere Stimmung - getragen von der Kälte, so kehrst du die eigentlich Positive Textur von tanzenden Sternen um.

Zitat:Am Grab der Träume suchen Schatten nach Vergangenheit,
verloren, längst zerrissen von der Hysterie der Zeit.
Dann folgt der (für mich) Kern des Gedichts. Du nimmst den Titel sozusagen beim Wort und stellst den Leser an das Grab der Träume - für mich eine gedachte Sammelstelle für alle die naiven und hoffnunsvollen Träume, die sich so viele Leute machen, während sie leben. Ich denke nicht "Schlafträume" sondern Träume im Sinne von Hoffnungen, von Wünschen, sind gemeint. Doch von viel zu vielen ist nichts geblieben. Unsere hecktische, hetzende Gesellschaft löscht sie aus, Menschen bleiben in unserer darwinistischen Gesellschaft auf der Strecke, sie müssen ihre Träume eben begraben und das nehmen, was sie kriegen können. Jedenfalls ein sehr eindringliches, prägsames Bild.

Zitat:Ein Traum zerbricht im Streit um seine Einzigartigkeit.
Dieser letzte Vers bricht allerdings aus für mich. Warum bringst du den hier? Er passt einmal nicht in deine Struktur, dein Reimschema. Du hast einen "umarmenden Reim gewählt" und hüllst damit sehr schön den Kern deines Gedichts in äußere Eindrücke - dann schließt du aufeinmal an den "umarmten" Reim noch einen an, allerdings außerhalb. Für mich passt es einfach nicht.

Ich hoffe mein Kommentar hilft dir weiter!

Viele Grüße vom Wanderer

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten
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27-03-2012, 12:46
Beitrag #5
RE: Grab der Träume
Hallo Wanderer,

leider habe ich Deinen Kommentar erst jetzt entdeckt. Du hast das Gedicht sehr schön interpretiert. Ich fühle mich verstanden. Die letzte Zeile soll dem Ganzen noch das i Tüpfelchen aufsetzen. Selbst um die Träume wird gestritten und das vertragen sie nicht. Weiterhin stellt sie eine Kritik an dem konformistischen Streben nach Individualimsus dar, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, da es sich viel zu sehr an den Anderen orientiert. Außerdem trage ich der Tatsache Rechnung, das es viele kulturell vermittelte Instantträume gibt, auch scheint die Auswahl eher bregrenzt zu sein. Träume brauchen Unbefangenheit und Muße und das Streben unsere Träume zu verwirklichen, vernichtet viele davon durch Stress und die Trivialität des Altags, der zur Orientierung am Materiellen verleitet. Was ich zur Form noch zu sagen habe. Ich lege viel Wert auf sie und habe Jahre daran gesetzt sie erlernen, jedoch breche ich sie machmal bewusst ein Stück weit auf, da sie nicht zum Kerker des Sinnes werden darf, sondern diesen eher wie eine Vase unterstützen soll. Es gibt doch auch asymetrische Vasen, nicht wahr?

Liebe Grüße

demon17

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Hyperion am Bellarmin

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