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Nachbeben (1/6)
16-10-2008, 15:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08-01-2009 16:32 von Lilly.)
Beitrag: #1
Nachbeben (1/6)
Nachbeben
(Living Life)

1


Januar 2000


07.01.2000

Der Knall. Dieser bis in die Unendlichkeit hallende Knall. Und die Schwärze in ihren Augen. So tief. So undurchdringlich. Ein Schreien, irgendwo in der Ferne, Kaskaden von Schmerz auf dem Untergrund der schwarzen Unendlichkeit. Mit mir in der Hölle schmoren, mit mir, ihr alle, ihr alle und du ganz besonders. In der Hölle. Mit mir.
Die Augen so fest zukneifend, dass vor seinen Lidern grelle Punkte aufleuchteten, setzte Philipp die Flasche an die Lippen und kippte einen weiteren Schluck Bier in sich hinein. Ein entfernter Teil in ihm klärte ihn ironisch darüber auf, wie sinnlos und paradox der Versuch war, das versengende Feuer, das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass dieser das Feuer nur noch mehr zum Lodern brachte?
Philipp verpasste der Stimme einen imaginären, aber saftigen Kinnhaken und hoffte, sie zumindest für eine kleine Weile zum Schweigen zu bringen.
Mit mir, ihr alle.
Gleich noch einen Schluck hinterher, auf dem Tisch vor ihm standen bereits einige leere Flaschen.
Wie spät war es? Er trug seine Armbanduhr nicht und wenn er versuchte, auf die Digitalanzeige des Videorecorders zu blicken, verschwamm alles vor seinen Augen. Weil er Alkohol überhaupt nicht vertrug. Er trank selten - eigentlich nie.
Zehn Uhr, vielleicht elf. Nach einer weiteren schlaflosen Nacht hatte er jedes Zeitgefühl verloren. Es war ihm egal. Er schüttete sich ein Bier nach dem anderen hinein, Hauptsache, er fühlte nicht diese …
Schwarze Unendlichkeit, ohne Halt, ohne Endstation, ohne Leben und überall Schmerz. Ein Knall, so laut, dass es ihm schier das Trommelfell zerreißt. Ein Knall in der Schwärze und es ist vorbei. Kein Halt mehr, kein Zurück mehr, kein Leben mehr. Vorbei.
Wann war er das letzte Mal unter der Dusche gewesen? Hatte sich rasiert oder etwas Frisches angezogen? Wie lange war es her, seitdem er das letzte Mal arbeiten gegangen war?
Die Antworten auf diese Fragen war ihm gleich, doch das kapierten sie nicht, niemand verstand es. Oder ihn. Wie auch. Wie viele Leute wussten Bescheid, weniger als eine Hand voll, weniger als -
In der Hölle schmoren.
Philipp zuckte zusammen, so real erschien ihm die Stimme in seinem Kopf. Als würde er neben ihm stehen, ihn anlächeln mit dem so hämischen Lächeln, das er auf den Lippen getragen hatte.
Ruckartig riss er den Kopf zur Seite, doch der Platz neben ihm war leer, niemand stand dort. Seine Freundin und seine Cousine waren in der Küche, das wusste er, unterhielten sich gedämpft, ahnungslos und von Sorgen und Fragen zerfressen. Immer und überall diese Fragen.
Was ist los mit dir, Philipp?
Warum gehst du nicht zur Arbeit, Philipp?
Warum trinkst du, Philipp?
Warum redest du nicht mit uns, Philipp?
Was ist passiert, Philipp?
Warum kümmerst du dich nicht um deinen Sohn, Philipp?
Wo treibst du dich ständig herum, Philipp?
Was ist los was ist los was ist los was ist los was ist los wassisLOSwassisLOSwassisLOS???

Eigentlich war ihm klar, dass Sabine jedes Recht hatte, besorgt zu sein, wütend und verwirrt. Und normalerweise hätte er sich zumindest gewünscht, ihr etwas von der Last zu nehmen und auf seine eigenen Schultern zu packen. Doch diesmal waren seine Schultern ausgebucht, restlos ausgebucht, kein Platz für gar nichts darauf, und sein Verstand nicht scharf genug, um seine Freundin zu trösten. Seit Tagen fühlte er sich der Welt nur noch zur Hälfte zugehörig - wenn das überhaupt reichte.
Er konnte Sabine und Lara leise miteinander sprechen hören, ohne dass er die Worte verstand. Laras Anwesenheit zu ertragen fiel ihm genauso schwer, wie nicht zu trinken. Und wie sollte er nicht trinken, wenn seine Cousine sich ständig hier aufhielt, in seiner Wohnung, weil sie Sabines beste Freundin war, weil sie einsam war, weil sie verletzt war, weil sie verlassen worden war. Ja, das dachte sie zumindest, und wo holte man sich Trost und Zuspruch, wenn nicht bei seiner besten Freundin, aber konnten die beiden verdammt noch mal nicht woanders hingehen, um sich zu trösten und einander gut zuzureden? Warum hier, wo er, einem Tiger im Käfig gleich, vor sich hinvegetierte und sie ihn in seinem Elend beschauen konnten wie im Zoo?
„Halt die Klappe, Mann!”, brüllte er, als er die verhassten Worte erneut in sein Gehirn flüsterte. Wie aufs Kommando verstummte das Gespräch in der Küche. Einige Momente später tauchte erst Sabine, hinter ihr Lara, in der Wohnzimmertür auf.
„Matthieu schläft”, sagte Sabine und sah ihn entgeistert an. Die folgende Frage konnte Philipp bereits innerlich mitsprechen und es kotzte ihn so an, die Worte zu vernehmen.
„Was ist los mit -”
„Halt die Klappe!”
Dieses Mal wussten alle drei, wer gemeint war. Sabine zuckte zurück, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen. Schützend schob Lara sie hinter sich, bevor sie selbst einige Schritte ins Wohnzimmer trat und beinahe flehentlich die Hände hob.
„Philipp, bitte … Bitte sag es uns doch endlich … Ich meine - das ist doch kein Zustand! Du lässt dich hängen, scherst dich einen Dreck um deine Umwelt, säufst dich zu und das täglich - was hast du nur? Irgendwas ist doch passiert! Glaubst du nicht, es wäre besser, wenn -”
„Besser?!” Philipp gab ein höhnendes Geräusch von sich. Dann stand er schwankend auf und zeigte mit dem Finger auf seine Cousine. Ohne seine Stimme zu senken, sagte er: „Du hast doch überhaupt keine Ahnung, wovon du redest, du dummes, naives Ding! Einmal reden und schon hängt die Welt wieder voller Geigen? Sonst noch was?!”
Im Laufen stieß er sich das Knie am Wohnzimmertisch und fluchte laut, während er weiter auf Lara zuging. Diese wich keinen Millimeter von der Stelle. Ihr pausbäckiges Gesicht mit der sonst so gesunden Gesichtsfarbe wirkte blass, aber entschieden. Mit zusammengekniffenem Mund und einem entschlossenen Ausdruck in den Augen sah sie ihm entgegen. Selbst als er sie an den Schultern packte und kurz, aber umso heftiger schüttelte, sodass ihr das dunkle Haar ins Gesicht fiel, gab sie nicht nach.
„Wie wäre es, wenn du dich um deinen eigenen Scheiß kümmern würdest, anstatt mir deine ungebetenen Ratschläge aufs Auge zu drücken? Weißt du, was ich wirklich lustig finde? Dass du allen deine guten Ratschläge aufdrängst, dich aber selbst nie, nie, nie daran hältst! Das ist wirklich zum Schreien!”
„Warum bist du nur so sauer auf mich?” Nun war es Lara, die schrie. „Was habe ich nur getan, dass du ständig ausrastest, wenn ich hier bin? Was habe ich dir getan, bitteschön! Was habe ich falsch gemacht, Philipp?!”
„Er ist wach.” Sabines resignierte Stimme hielt Philipp davon ab, Lara eine erbitterte Entgegnung ins Gesicht zu schleudern. Draußen im Schlafzimmer hörte er das Baby weinen. Wie immer, wenn er seine Stimme erhob.
Plötzlich wusste er, dass er es keinen Tag - keine Stunde - länger aushalten würde. Er musste es loswerden. Er musste sich seiner Freundin endlich anvertrauen.
„Zieh Matthieu an und mach dich vom Acker”, sagte er, an seine Cousine gewandt. „Geh mit ihm spazieren. Ich muss mit Sabine sprechen.”
Halb war ihm klar, dass Lara seiner harschen Bitte nur folgen würde, weil sie wusste, wie sehr sich ihre beste Freundin danach sehnte, endlich den Grund für Philipps Verhalten zu erfahren. Und eine Antwort auf ihre verzweifelten Fragen zu erhalten. Nur deshalb sparte sie sich eine heftige Gegenbemerkung und ging stattdessen, nach einem Blick zu Sabine, die ihr kaum merklich zunickte, aus dem Zimmer.
Philipp wartete, bis das Schreien des Babys verstummt war. Sabine regte sich nicht. Er fragte sich, ob sie insgeheim nicht längst wusste, was er ihr sagen würde. So oft hatte sie gefragt, was in der Nacht vor vier Tagen geschehen war - was sie getan hatten, um der Bedrohung, die von dem Anruf an diesem Abend ausgegangen war, Herr zu werden. Er hatte ihr nie eine Antwort gegeben. Gar nichts hatte er dazu gesagt, sondern mit seinem Schweigen versucht, den Abend aus ihrem Gedächtnis zu streichen. Natürlich vergebens.
Sie sahen einander an. Der Blick ihrer sanften, blauen Augen, wie klare Seen, ruhte auf seinem Gesicht.
Sie hatte Abschaum wie ihn nicht verdient.
Er wandte den Blick ab. Dann drehte er sich ganz weg von ihr. Die Wand anstarrend, sagte er tonlos: „Wir haben Stefan an den Strand gebracht. Dann habe ich ihn erschossen. Er stürzte mir in die Waffe und ich habe geschossen und er starb.”


Anna wünschte sich an einen anderen Ort. Nicht einmal hier, in ihrem eigenen Zimmer, schien es garantiert zu sein, dass sie nicht ausflippen würde. Es half nichts, wenn sie die Jalousien herunterließ, um die Welt aus ihrem Leben auszuschließen. Es nützte nichts, die Tür verschlossen zu halten, denn so konnte sie zwar kontrollieren, wer ihr Zimmer betrat, doch nicht, was. Erinnerungen. Gedanken. Klänge aus ihrem Kopf. Schreie. Das Toben des Meeres, das Tosen des Windes. Kälte, die sich von innen nach außen fraß, einen eisigen Film auf ihr hinterließ und sie lähmte wie eine Spinne ihre Opfer.
Hätte es leichter für sie sein sollen? Es war schließlich nicht das erste Mal gewesen, dass sie einem Menschen beim Sterben „geholfen” hatte. Nur zu gut erinnerte sich an den vergangenen November. Erinnerte sich daran, was sie getan hatte.

Die für den Fall Chabowski zuständigen Kriminalbeamten waren bei ihr zu Hause und haben ihre Mutter gewarnt, dass Sergeji nach seiner unglücklichen Flucht aus der Haftanstalt möglicherweise versuchen könnte, zu Anna Kontakt aufzunehmen. Sie haben sogar erwogen, sie beschatten zu lassen, um so Hinweise auf seinen Verbleib zu erhalten. Doch Anna hat es geschafft, sie davon zu überzeugen, dass sie geschützt genug sei. Niemand ihrer Familie werde sie aus den Augen lassen, bis ihr früherer Peiniger wieder gefasst und sicher hinter Gittern säße. Ihre Mutter hat sich Sorgen gemacht, Annas Argumente jedoch bestätigt. Und weil die Polizei sparen muss - zumindest denkt Anna das -, entscheiden sich die Beamten dagegen, Leute zu ihrem Schutz abzustellen.
Was die Kripo nicht wissen kann und Anna weder ihrer Mutter noch ihren Geschwistern und Freunden erzählt hat, ist, dass es längst geschehen ist. Dass er der Versuchung tatsächlich nicht widerstehen konnte, sich bei ihr zu melden. Großkotziger, sich selbst überschätzender, in Sicherheit wiegender Mistkerl.
Sie hat sich mit ihm verabredet, an diesem Abend - ganz allein hat sie sich auf den Weg gemacht. Nein, einen Begleiter hat sie. Doch es ist kein Mensch.
Sie weiß nicht, ob er sie verfolgen lässt, um sicher zu gehen, dass sie nicht mit der Polizei anrückt, doch sie bezweifelt es. In seiner Erinnerung ist Anna ein verängstigtes, hilfloses Mädchen, das sich nicht gegen seine Taten zu wehren weiß. In seiner Erinnerung kann sie nicht einmal schreien.
Die Wehrlosigkeit war es, die ihn gereizt hat. Wahrscheinlich ist das üblich, doch Anna wird die Erinnerung an den Ausdruck in seinen Augen nicht los, wenn sie geweint hat. Seine Gefühle gingen über pure Freude hinaus.
Es war ihm ein Genuss, sie leiden zu sehen.
Es wird ihr ein Genuss sein, dem Leiden ein Ende zu setzen. Und Angst hat sie schon lange nicht mehr. Irgendwann hat sie einen Entschluss gefasst. Den Entschluss, über sich selbst hinauszuwachsen und der Welt keine Chance mehr zu geben, ihre Schwachstellen herauszufinden und diese für ihre Zwecke auszunutzen.
Anna ist jetzt stark.
Anna weiß jetzt, wie sie sich wehren muss.


Sie hatte es nur einigen wenigen Menschen erzählt. Einer von ihnen befand sich gerade bei ihr im Zimmer und hatte die zweite Horrorgeschichte zu verdauen. Anna hoffte, dass es kein Fehler gewesen war, ihn einzuweihen.
Tim war an der Wand unter dem Fenster, an dem er bis vor kurzem gelehnt hatte, hinuntergerutscht und saß nun auf dem Boden, das Gesicht in den Händen vergraben und bis auf ein schweres Atmen keinen Laut von sich gebend. Anna selbst saß - wie immer - auf ihrem Bett, die Knie an den Körper gezogen, und wartete darauf, dass er sich wieder beruhigte. Während sie seine zusammengesunkene Gestalt betrachtete, die sich nicht regen wollte, entschuldigte sie sich in Gedanken bei dem Jungen, der einst ihre erste große Liebe gewesen war und der sie nun vermutlich nicht mehr würde kennen wollen. Wie oft hatte sie ihm Dinge gebeichtet, die sie getan hatte - wie oft hatte er sich schützend an ihre Seite gestellt und sie aufgefangen? Anna konnte es nicht mehr zählen. Tim war - obgleich ihre gemeinsame Geschichte in Schmerz geendet hatte und mit ein Grund gewesen war, dass Anna sich überhaupt so verändert hatte - stets ein Rettungsanker für sie gewesen, ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten.
Am liebsten hätte sie ihm über das halblange, schwarze Haar gestrichen und ihn getröstet - auch wenn sie es war, die nach Trost suchte. Tim war so unschuldig und rein - auf seine ganz eigene Art. Seine grauen Augen, schimmernd und aufmerksam, hatten die Welt niemals erblickt, in der Anna lebte. Wenn auch er in der Vergangenheit durch tiefen Morast hatte waten müssen, bis er trockenes Ufer erreicht hatte, so fehlte ihm doch die Schuld, die Anna tagtäglich mit sich trug. Tim war so gut, wie sie selbst es nie wieder würde sein können. Gut und rechtschaffen und unschuldig.
Er würde ausrasten.
„Es tut mir Leid, Tim”, wisperte sie so leise, dass er es unmöglich gehört haben konnte. Dennoch sah er auf. Bestürzt wurde Anna der Tränen in seinen Augen gewahr. Sie sah auf ihre Knie, während sie spürte, wie ihr Gesicht vor Scham zu glühen begann.
„Was, wenn man seine Leiche findet?” Tims Stimme war kaum mehr als ein Kratzen, vollkommen heiser.
Ohne ihn ansehen zu können, zuckte Anna mit den Schultern.
„Keine Ahnung”, flüsterte sie erstickt.

Außer ihnen ist keine Menschenseele am Hafen; die Leute haben sich angesichts der Temperaturen und des Eisregens in ihre warmen Nester verkrochen und die Kälte ausgesperrt. Fast ist es wie ein Showdown im Wilden Westen, nur dass das hier nicht High Noon ist, sondern fast Mitternacht und Anna ihre Sporen zu Hause gelassen hat.
Er steht da wie der Schwarze Mann in Menschengestalt; groß, kräftig, sich seiner Ausstrahlung bewusst. Die Stimme mit dem starken, russischen Akzent klingt munter, amüsiert. Als wäre zwischen ihnen nie etwas vorgefallen. Wie es ihr gehe, fragt er. Was die Schule mache. Ob sie überrascht sei, ihn zu sehen.
Anna sieht ihn und sieht ihn nicht. In Gedanken ist sie wieder bei ihm, in seiner Wohnung in Leipzig, wo er sie festgehalten hat, qualvolle drei Tage lang. Wo er sie benutzt und verletzt hat. Wo er ihr beigebracht hat, wie es sich anfühlt, sich vor dem Tod zu fürchten. Sie ist wieder im Krankenwagen, wo besorgte Gesichter auf sie herunterschauen und fragen, ob sie wisse, wo sie sich befinde. Ist zu Hause im Bett, von Albträumen gequält und verzweifelt. Ist im Gerichtssaal und hört Sergeji und seinen Bruder laut aussprechen, dass Anna freiwillig bei ihnen gewesen wäre. Dass sie sie nie gegen ihren Willen festgehalten hätten. Ist in Sergejis Augen und sieht sich selbst, während er auf ihr liegt und sich nimmt, was niemals für ihn bestimmt war.
Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie die alte Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht und sie zu lähmen versucht, ihr den Atem raubt und sie wieder wehrlos machen will. Nein, dieses Mal nicht, sagt sie sich und tut, was sie sich in ihren Träumen gewünscht hat, sich selbst aber nie zugetraut hätte.
Sie holt eine Walther PPK Halbautomatik heraus und schießt drei Mal auf Sergeji. Sie sieht ihm dabei in die Augen.
Dieses Mal liegt sie oben.
Sergeji stürzt hinterrücks ins Hafenbecken und taucht nicht mehr auf.
Als sie überzeugt davon ist, dass er tot ist, steckt Anna die Waffe wieder ein und fährt nach Hause.


Sie war so müde. Der Schlaf kam, wenn überhaupt, nur episodisch und vermochte es nicht, ihr Erholung zu spenden. Aus schweren Albträumen wachte sie schweißgebadet auf und auch wenn sie niemals das Licht ausschaltete, war es dunkel in ihr. Nein, die Nacht am Strand und das Danach waren nicht leichter als der Mord an Sergeji. An so etwas konnte man sich nicht gewöhnen, fand sie.
Nach Sergejis Tod war es ihr nicht besser gegangen. Noch immer kam es ihr vor, als wäre es nicht sie selbst gewesen, die sich auf den Weg zum Hafen und zum Tod eines Menschen gemacht hatte. Wenn sie sich an den Abend zurückerinnerte, sah sie sich in einem Nebel, der sich nicht beiseite wischen ließ. Anna war stundenlang, davor und danach, wie in Trance gewesen.
Die Nacht am Strand aber, die hatte sie bewusst erlebt. Und auch wenn ihr ursprünglicher Plan gewesen war, Stefan Funke zu erschießen, um Philipp seine Freiheit zu ermöglichen, war der Tod letztlich nicht auf ihren Wunsch hin gekommen. Nein - sie, Philipp und Patrick hatten sich in letzter Minute dagegen entschieden.
Stefan allein war für seinen Tod verantwortlich.
Sie waren trotzdem Mörder.
„Darf ich mich zu dir setzen …?” Sie stellte die Frage, ohne aufzublicken. Fürchtete sich vor einem Nein. Fürchtete sich davor, dass er sie hassen würde, endgültig und unwiderruflich.
Doch er wies sie nicht ab. „Komm her”, sagte er.
Mit steifen Gliedern kletterte Anna vom Bett und kroch auf dem Dielenboden entlang zum Fenster, unter dem Tim noch immer saß. Sie setzte sich ihm gegenüber und lehnte ihre Stirn auf seine Knie. „Ich glaub, ich kann nicht mehr, Tim”, flüsterte sie.
Sie ließ sich widerstandslos in seine Arme ziehen.


Weiter zu Teil 2

Sender: RTL
Show: Der Schwächste fliegt
Frage: Wenn die Intelligenz einer Person mit 'Bohnenstroh' verglichen wird, ist die Person dann dumm oder klug?
Antwort Kandidat Alexander: Klug.

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16-10-2008, 16:13
Beitrag: #2
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo mein GoldstückIcon_cuinlove,

du hast mich gerade vor einschläfernder Langeweile gerettet. Ich sitze nämlich noch bis 5 auf Arbeit fest, ohne dass es wirklich viel zu tun gab. Noch dazu ist das Wetter sehr ermüdend, passt aber wunderbar zu der Stimmung deiner Geschichte.

Wenige Tage nach Blutsbande. Müsste dann ja eigentlich der 2. oder 3. Januar sein, weil Blutsbande 1999 war.

Dunkelheit aus der sie nicht mehr herauskommen, weder Philipp noch Anna oder Patrick und sie ziehen andere mit hinein. In dem Fall Tim, Annas „Verbündeter“ und ein „Neuling“ und bei Philipp ist es Sabine, seine Sabine.

Philipp verhält sich, wie er sich eigentlich immer verhält. Schließt sich in Stille ein, will sie, sucht sie, braucht sie und will eigentlich nicht wieder heraus. Aber er hat keine andere Wahl. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihn dazu gebracht hat es Sabine zu sagen. Ist es seine Zuneigung zu ihr, die Angst seinen Sohn und Sabine zu verlieren, vielleicht auch die Angst sich selbst zu verlieren? Auf jeden Fall explodiert er in der Stille und muss es ihr sagen. Ich kann wirklich nur sagen, dass ich von Philipp nichts anderes erwartet hat. Ob ich es gut finde, dass er es ihr gesagt hat, weiß ich noch nicht ....

Anna. Anna ist genauso Anna und ich werde sie auch nie mehr mögen können. Es gibt nur sehr wenige Szenen mit Anna, die ich mag. Vielleicht sollte ich wenigstens etwas Mitleid mit ihr haben, was Sergeji ihr angetan hat, aber irgendwie kann ich es nicht. Ich will damit nicht sagen, dass ich ihr das gewünscht habe, so was würde ich niemanden wünschen, aber ich habe auch kein Mitleid mit ihr. Allerdings frage ich mich, ob Anna sonst nicht etwas anders geworden wäre. Nicht so kalt und skrupellos. Ich denke, dass es ihre kalte Art ist, die ich nicht mag. Bei Philipp merke ich noch die Emotionen, die mir bei Anna fehlen. Sie kommt mir manchmal leblos vor, eine Maschine. Nur in wenigen Momenten brechen Emotionen aus ihr heraus und ich erschrecke fast vor der Anna, die sich da zeigt und die ist mir dann doch etwas sympathisch. In dem Fall ist es als sie sich sorgen macht, was sie Tim mit dem „Geheimnis“ aufgeladen hat. Sie wird für einen Augenblick menschlich. Und dann kommt die „Mordszene“ als Gegensatz, wo sie einfach funktioniert.

Spannend finde ich Tim. (Ich finde alle neuen Figuren spannend Icon_wink ) Etwas habe ich ja inzwischen schon anderweitig über ihn erfahren. Er ist doch eins der Kinder, die von ihren Eltern „streng“ erzogen wurde, oder irre ich mich da? (Bin jetzt zu faul nachzusehen, weil ich gerade im Schreibfluss bin). Mal davon abgesehen, dass er Annas erste Liebe zu sein scheint, interessiert mich natürlich schon, warum sie ihm das erzählt und nicht Kai oder jemand anders. Ich lasse mich da aber überraschen.

Abschließend hat mir das Philipp-Stück besser gefallen als das von Anna, aus oben genannten Gründen und jetzt bin ich gespannt wie es weiter geht, dann kann ich dir auch schreiben wie das mit dem gefallen an sich ist Icon_wink

Und jetzt muss ich mich endlich mal Ricky widmen und dem anderen Philipp-Anna-Stück bei dem ich gestern schon fast Tränen in den Augen hatte, als ich mit das Video angesehen bzw. gehört habe.

Liebe Grüße und Icon_bussi

Shaddowlino

P. S. Erste bin! *Dread Zunge rausstreck*

Sei wie du bist und nicht so wie andere dich haben wollen.
Mehr über mich und meine Werke.
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16-10-2008, 16:29
Beitrag: #3
RE: Nachbeben (1/6)
Boah, bist du fix! Icon_shocked Icon_irre Icon_cuinlove Icon_bussi

Hallo, mein Shaddow. Mrgreen

Na, wie fein, dass ich dich gerettet habe und gleich mit profitiere. *fett grins* Ich glaube, so schnell habe ich überhaupt noch nie einen Kommentar bekommen. DANKE!

Zitat:Wenige Tage nach Blutsbande. Müsste dann ja eigentlich der 2. oder 3. Januar sein, weil Blutsbande 1999 war.
*räusper räusper* ... Wie ganz oben steht, ist es der 07. Januar 2000. Icon_wink
Blutsbande war nur im Prolog 1999 (November, als Philipp Stefan niedergeschlagen hat). Die Nacht am Strand war vom 03. auf den 04.01.2000.

Zitat:Dunkelheit aus der sie nicht mehr herauskommen, weder Philipp noch Anna oder Patrick und sie ziehen andere mit hinein. In dem Fall Tim, Annas „Verbündeter“ und ein „Neuling“ und bei Philipp ist es Sabine, seine Sabine.
*nickt* Sie ziehen einfach alle mit sich ... Aber was sollen sie auch anderes tun ...? Es ist Familie ...

Zitat:Ich kann wirklich nur sagen, dass ich von Philipp nichts anderes erwartet hat. Ob ich es gut finde, dass er es ihr gesagt hat, weiß ich noch nicht ....
Mhm, wenn ich an die Konsequenzen denke ... nein, du wirst es, glaube ich, nicht so gut finden.

Zitat:Allerdings frage ich mich, ob Anna sonst nicht etwas anders geworden wäre. Nicht so kalt und skrupellos. Ich denke, dass es ihre kalte Art ist, die ich nicht mag.
Das glaube ich auch. Beides.

Zitat:Nur in wenigen Momenten brechen Emotionen aus ihr heraus und ich erschrecke fast vor der Anna, die sich da zeigt und die ist mir dann doch etwas sympathisch. In dem Fall ist es als sie sich sorgen macht, was sie Tim mit dem „Geheimnis“ aufgeladen hat. Sie wird für einen Augenblick menschlich. Und dann kommt die „Mordszene“ als Gegensatz, wo sie einfach funktioniert.
*freut sich*

Zitat:Er ist doch eins der Kinder, die von ihren Eltern „streng“ erzogen wurde, oder irre ich mich da? (Bin jetzt zu faul nachzusehen, weil ich gerade im Schreibfluss bin).
Das stimmt genau. Tim und Tina, die von Peter Henrich in die Familie aufgenommen wurden, weil er von ihren Eltern die Nase voll hatte (ob es mal flapsig auszudrücken).

Zitat:Mal davon abgesehen, dass er Annas erste Liebe zu sein scheint, interessiert mich natürlich schon, warum sie ihm das erzählt und nicht Kai oder jemand anders. Ich lasse mich da aber überraschen.
Diese Frage wird im Text nicht beantwortet werden bzw. du hast sie dir schon selbst beantwortet: Weil er Annas erste, große Liebe und ihr Vertrauter, Verbündeter ist.
Auch Kai wird am Ende davon erfahren - nur jetzt noch nicht.

Zitat:Und jetzt muss ich mich endlich mal Ricky widmen und dem anderen Philipp-Anna-Stück bei dem ich gestern schon fast Tränen in den Augen hatte, als ich mit das Video angesehen bzw. gehört habe.
Ich bin ganz süchtig nach dem Video ... Kennst du Lost? Kate und Sawyer sind ja so toll. seufz*
Und das Lied passt einfach wie die Faust aufs Auge zu Philipp und Anna. Icon_smile

Bis zum nächsten Teil bzw. heut Abend unter *schnief* du weißt schon,

Lilly

Sender: RTL
Show: Der Schwächste fliegt
Frage: Wenn die Intelligenz einer Person mit 'Bohnenstroh' verglichen wird, ist die Person dann dumm oder klug?
Antwort Kandidat Alexander: Klug.

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16-10-2008, 19:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16-10-2008 19:23 von Libertine.)
Beitrag: #4
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo Lilly,

ich habe mich so gefreut, dass du die Geschichte jetzt schon online gestellt hast. Und noch viel mehr darüber, dass sie Nachbeben heißt - dass ich den Titel einfach nur toll finde, weißt du mittlerweile. Er passt einfach genau auf die Geschichte, bzw. auf das, was ich von ihr erwarte: Alle sind geschlaucht, klauben die Reste ihres Hab und Guts zusammen, und mitten hinein bebt es noch einmal, leiser zwar, wahrscheinlich schusslos, aber wenn das letzte Weinglas bis dato nicht zerbrochen ist, dann läuft es jetzt Gefahr, doch noch zu verenden.
Du steigst mit Phil ein, der versucht, seine Erinnerung, seine Wut auf sich selbst, vielmehr vielleicht auch nur das Geräusch des Schusses, in seinem Kopf zu ertränken. Er versucht, mit aller Kraft, nicht da zu sein, sich unter eine Glaskugel zu stellen. Aber es klappt nicht. Da sind Sabine und Lara, die nicht verstehen können, weil er nicht reden kann, da ist Matthieu, der für diese Woche vaterlos schlafen muss. Die Darstellung seiner Gefühle gelingt dir sehr gut, die vielen Wiederholungen zeigen, wie schwer es ihm fällt, die Situation zu begreifen, wirklich zu begreifen, begreifbar zu machen. Ich glaube, das schwerste ist, dass sie sich schon dagegen entschieden hatten, dass sie beschlossen hatten, ihn am Leben zu lassen - und dann ist er doch gestorben, ist der Schuss gefallen. Und dieses Geräusch, der Knall, der ein Leben beendete, besitzt ein Echo, das raumlos nachwirkt, immer weiter und lauter - wie eine Perpetuum Mobile Schallwelle.
Für Anna sieht die Situation ganz anders aus. In ihr scheint weniger der direkte Schock nachzuwirken, sie sucht vielmehr eine Erklärung dafür, sich wie aufgeben zu fühlen. Du führst ein Stück in ihre Vergangenheit, ein dunkles Stück, und wie es klingt, wurzelt auch da ein Teil ihrer Dunkelheitsangst. Vielleicht dachte sie, sie hat Chabowskis Tod verkraftet, dachte, sie wäre stark, starke Anna, und merkt jetzt, in der Stille, die geblieben ist, in der sich ebenfalls ein Schussecho verfängt, dass sie überhaupt nichts verwunden hat. Dass alles noch da ist, noch in ihr, und dass sie damit nicht klar kommt.
Es ist eine extreme Situation, mit der du diese Geschichte beginnst. Ich finde, dir gelingt es sehr gut, die unterschiedlichen Gefühle aufzufangen, diese Hilflosigkeit, die zwischen den Gedanken steht, als würden sie sich - vor allem Anna - am liebsten in eine Zeit zurückversetzen, als alles noch okay war. Sich wiegen in Armen, die sagen: Psch, es ist alles gut, alles gut, du brauchst nicht weinen.
Und gleichzeitig wissen sie beide ganz genau, dass das nicht geht, und das schmerzt noch mehr.

All your dreams are over now.
And all your wings have fallen down.

TV On The Radio - Dreams

Anmerkungen:
Zitat:Schwarze Unendlichkeit, ohne einen Halt, ohne Endstation, ohne Leben, aber mit ganz viel Schmerz.
In den kursiven Teilen gehst du in seine Tiefe. Markiertes klingt ein bisschen schwach, vielleicht: "alles nur Schmerz", "überall nur Schmerz"
Warum schreibst du "ohne einen Halt", nicht "ohne Halt"?
Zitat:Ein Knall in der Schwärze der Unendlichkeit
Hier war es dann zu viel. Die anderen Wiederholungen sind gut platziert, vor allem die "verträgt keinen Alkohol", aber an der Stelle dachte ich beim Lesen "Okay, ich habs verstanden, die Unendlichkeit ist schwarz und er mittendrin ..."
Zitat:Die Antwort auf diese Fragen war ihm gleich
nicht "Antworten auf diese Fragen waren ..."?
Zitat:Warum hier, wo er, einem Tiger im Käfig gleich, vor sich hinvegetierte und sie ihm in seinem Elend beschauen konnten wie im Zoo?
Zitat:Du vegetierst hier vor dich hin, scherst dich einen Dreck um deine Umwelt
Ist es Absicht, dass sie in der gleichen Formulierung von seiner Situation reden?
Mir war es zu dicht aufeinander.
Zitat: Sonst noch was??”
Zitat:Was habe ich falsch gemacht, Philipp??”
"?!" fände ich schöner - auch wenn's hier um den Nachdruck geht, ich finde, es liest sich übertrieben.
Zitat:Die sanften, blauen Augen unter ihrem schwarzen Haar ruhten wie klare Seen auf seinem Gesicht.
Ich versteh, was du meinst, aber hier liest es sich, als würden ihre Augen wirklich auf seinem Gesicht liegen. Also, als würde man zwei Gurkenscheiben darauf legen würde. Etwas anderes, als den Satz zu splitten (in einen Nachsatz wie "Sie waren wie klare Seen"), fällt mir dazu aber leider nicht ein. Und die Möglichkeit wäre nicht schön.
Zitat:„Wir haben Stefan an den Strand gebracht. Dann habe ich ihn erschossen. Er stürzte mir in die Waffe und ich habe geschossen und er starb.”
Himmel, was muss in ihr vorgehen!
Ob sie etwas geahnt hat? Ob sie es befürchtet hat? Ob sie sich zwei Schritte von ihm entfernt oder auf ihn zugeht? Ob sie ihn versteht oder er sie anekelt?

Zu Annas Teil habe ich keine Anmerkungen, wie ich gerade merke Icon_wink.
Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne)
Avatar von Eddie Haspelmann
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16-10-2008, 23:49
Beitrag: #5
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo Libbi,

mein verwirrtes Gehirn dachte gerade, ich hätte dir schon geantwortet und hat einen Schrecken bekommen und fragte sich, wo der Kommentar hin ist ... *gg*

So, hier isse.
Gleich kommentiert und mir eine Freude gemacht und mir den Abschied ein bisschen leichter. Icon_smile So hab ich es gerne, brav, weiter so!
I like having fans, you know ... *gg*
Na ja, wer nicht. Icon_smile

Okay, ehe ich weiter hier dumm rumquatsche, komme ich mal zu Ihrem Kommentar, junge Dame.

Zitat:Und noch viel mehr darüber, dass sie Nachbeben heißt - dass ich den Titel einfach nur toll finde, weißt du mittlerweile. Er passt einfach genau auf die Geschichte, bzw. auf das, was ich von ihr erwarte: Alle sind geschlaucht, klauben die Reste ihres Hab und Guts zusammen, und mitten hinein bebt es noch einmal, leiser zwar, wahrscheinlich schusslos, aber wenn das letzte Weinglas bis dato nicht zerbrochen ist, dann läuft es jetzt Gefahr, doch noch zu verenden.
Ja, ja, ja. *nickt heftig* Genau das habe ich auch von der Geschichte erwartet. Und ich bin froh, dass du mich in meiner Titelwahl beraten hast - der andere wäre zu einfach gewesen. Nachbeben passt. Icon_smile

Zitat:Die Darstellung seiner Gefühle gelingt dir sehr gut, die vielen Wiederholungen zeigen, wie schwer es ihm fällt, die Situation zu begreifen, wirklich zu begreifen, begreifbar zu machen. Ich glaube, das schwerste ist, dass sie sich schon dagegen entschieden hatten, dass sie beschlossen hatten, ihn am Leben zu lassen - und dann ist er doch gestorben, ist der Schuss gefallen. Und dieses Geräusch, der Knall, der ein Leben beendete, besitzt ein Echo, das raumlos nachwirkt, immer weiter und lauter - wie eine Perpetuum Mobile Schallwelle.
Ja, ja, ja. Und auch hier sprichst du mir wieder aus der Seele.
Ein Perpetuum Mobile ... *lach* Ein guter Vergleich!
Und ja - die Tatsache, dass sie sich schon dagegen entschieden hatten und dann doch vor seiner Leiche standen, wiegt schwer.

Zitat:Du führst ein Stück in ihre Vergangenheit, ein dunkles Stück, und wie es klingt, wurzelt auch da ein Teil ihrer Dunkelheitsangst. Vielleicht dachte sie, sie hat Chabowskis Tod verkraftet, dachte, sie wäre stark, starke Anna, und merkt jetzt, in der Stille, die geblieben ist, in der sich ebenfalls ein Schussecho verfängt, dass sie überhaupt nichts verwunden hat. Dass alles noch da ist, noch in ihr, und dass sie damit nicht klar kommt.
Ich würde mich wiederholen. *g*
Saubere Analyse. Ich bin begeistert.

Zitat:All your dreams are over now.
And all your wings have fallen down.

TV On The Radio - Dreams
Passt.
Endlich mal wieder ein Musik-Zitat von Libbi. *freu*

Zitat:In den kursiven Teilen gehst du in seine Tiefe. Markiertes klingt ein bisschen schwach, vielleicht: "alles nur Schmerz", "überall nur Schmerz"
Warum schreibst du "ohne einen Halt", nicht "ohne Halt"?
zu 1.) überall Schmerz gefällt mir. Werde ich so oder ähnlich übernehmen.
zu 2.) Weiß ich nicht. *g* Ich lasse den Artikel weg.

Zitat: Zitat:
Ein Knall in der Schwärze der Unendlichkeit

Hier war es dann zu viel. Die anderen Wiederholungen sind gut platziert, vor allem die "verträgt keinen Alkohol", aber an der Stelle dachte ich beim Lesen "Okay, ich habs verstanden, die Unendlichkeit ist schwarz und er mittendrin ..."
Ist ja gut. *g*
Nein, ernsthaft. Ich schau noch mal drüber. Im Schreibfluss fallen Wiederholungen manchmal nicht so auf.

Zitat: Zitat:
Warum hier, wo er, einem Tiger im Käfig gleich, vor sich hinvegetierte und sie ihm in seinem Elend beschauen konnten wie im Zoo?

Zitat:
Du vegetierst hier vor dich hin, scherst dich einen Dreck um deine Umwelt

Ist es Absicht, dass sie in der gleichen Formulierung von seiner Situation reden?
Mir war es zu dicht aufeinander.

Nein, das war keine Absicht, ich habe es nicht gemerkt. Das zweite werde ich ersetzen.

Zitat: Zitat:
Sonst noch was??”

Zitat:
Was habe ich falsch gemacht, Philipp??”

"?!" fände ich schöner - auch wenn's hier um den Nachdruck geht, ich finde, es liest sich übertrieben.

Das erste, da passt ein ?!
Beim zweiten nicht, da lasse ich die ??

Zitat: Zitat:
Die sanften, blauen Augen unter ihrem schwarzen Haar ruhten wie klare Seen auf seinem Gesicht.

Ich versteh, was du meinst, aber hier liest es sich, als würden ihre Augen wirklich auf seinem Gesicht liegen. Also, als würde man zwei Gurkenscheiben darauf legen würde. Etwas anderes, als den Satz zu splitten (in einen Nachsatz wie "Sie waren wie klare Seen"), fällt mir dazu aber leider nicht ein. Und die Möglichkeit wäre nicht schön.
Ich lass mir was einfallen, denn der Vergleich muss unbedingt drin bleiben. Icon_smile

Zitat:Himmel, was muss in ihr vorgehen!
Ob sie etwas geahnt hat? Ob sie es befürchtet hat? Ob sie sich zwei Schritte von ihm entfernt oder auf ihn zugeht? Ob sie ihn versteht oder er sie anekelt?
Auf die Antworten wirst du wohl warten müssen, liebste Libbi ...

Zitat:Zu Annas Teil habe ich keine Anmerkungen, wie ich gerade merke
Schäm dich aber auch. *entrüstet*
Das heißt, ich hab da nix falsch gemacht. Mrgreen

Was ich nicht zitiert habe, wird bearbeitet.

Hach, ist das schön - endlich kann ich wieder schreiben und krepel nicht so rum in dem Loch ... Die letzten Wochen waren echt erfolgreich. *freu*

Schönen Abend und viel Spaß in Frankfurt und den anderen Kommi beantworte ich am Wochenende. Icon_smile

Lilly

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22-10-2008, 21:36 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22-10-2008 21:36 von AngelOfShadow.)
Beitrag: #6
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo, meine Lil,

als ich Donnerstag Abend gesehen habe, dass du schon wieder (*g*) was Neues eingestellt hast, war ich erst mal ’n bisschen sauer. Denn wann zur Hölle soll ich das denn lesen und kommentieren, wenn ich das ganze Wochenende unterwegs bin? Dann hab ich mir aber gedacht „Wozu hast du denn den Laptop? Auf Bahnfahrten hat man soviel Zeit und du kannst nicht die ganze Strecke den BMK lesen, da wirste ja bekloppt bei.“ Also zog ich mir kurzerhand deine neuen LL-Verbrechen auf den USB-Stick und tada – nun sitz ich hier, auf dem Rückweg vom Treffen, irgendwo zwischen Münster und Osnabrück mit bereits wieder zwanzig Minuten Verspätung, und schreibe dir – vielleicht – gleich noch zwei Kommentare. Erstmal lesen, nech.

Zitat:Dass du allen deine guten Ratschläge aufdrängst, dich aber selbst nie, nie, nie daran hältst!
Das mache ich aber auch so – ich glaube, das macht jeder so. „Gute“ Ratschläge geben ist einfacher, als sie selbst zu befolgen, auch wenn man, solange jemand anders in einer solchen Situation ist, genau weiß, was man sagen und wie man handeln würde – wenn man selbst in diese Situation kommt, hat man das alles vergessen.
Zitat:Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht und sie zu lähmen versucht; ihr den Atem raubt und sie wieder wehrlos machen will.
Reicht hier nicht ein normales Komma?

Noch mehr Hintergründe! Endlich, endlich, endlich! DANKE! Icon_bussi
Wir haben also Philipp und Anna (ich lern’s noch, gib mir Zeit *g*), vier Tage nach der Nacht am Strand, nach dem Mord an Funke, mit Gewissensbissen und zerstörenden Gedanken, sich jeweils einer sehr engen Person anvertrauend. Was ist mit dem dritten im Bunde, wo ist Patrick? Ja, ich weiß, diese Geschichte hat sechs Teile, aber ich werd doch wohl noch fragen dürfen.

Willst du mit dieser Geschichte versuchen, dem Leser etwas Mitleid für Anna abzugewinnen? Ich halte sie immer noch für ein Miststück, und ich denke, dass sie das innerlich irgendwo auch schon vor Sergeji war – was auch immer da vorgefallen sein mag. Du lässt das ja ziemlich im Unklaren, auch wenn man sich als Leser so seine ganz eigenen Gedanken macht und sicher Vermutungen hat. Doch ich habe gerade bei LL gelernt, dass Vermutungen nicht viel nützen, weil alles anders kommt, als man gedacht hätte.

Sprachlich ist klar, Fehlerchen ebenfalls – zu beidem brauche ich nichts mehr sagen, sonst werden meine Kommis immer gleich, und das wäre ja auf Dauer langweilig. Vielleicht sollte ich alles einfach nur noch lesen und keine Kommentare mehr schreiben ;o)
Deshalb nur kurz: Ich freu mich, dass du wieder da bist und Phil mitgebracht hast.

Bis gleich unter dem nächsten Teil,
Angelita

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]
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23-10-2008, 21:44
Beitrag: #7
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo Angelita,

da hast du seit Tagen Kommis für mich und enthältst die mir vor. Ich fass es ja nicht. *g*
Also, Mademoiselle - ich danke Ihnen und werde mich jetzt an die Beantwortung schmeißen. Icon_smile

Zitat:als ich Donnerstag Abend gesehen habe, dass du schon wieder (*g*) was Neues eingestellt hast, war ich erst mal ’n bisschen sauer. Denn wann zur Hölle soll ich das denn lesen und kommentieren, wenn ich das ganze Wochenende unterwegs bin?
Irgendwo, irgendwie, findest du schon ein wenig Zeit. Hab da vollstes Vertrauen in dich. Icon_smile
Nun fehlt nur noch deins, ne? Überwinde dein KreaTief, komm zurück in die Welt der Schreibenden, ich möchte etwas Neues lesen! Dann wird es dir auch nicht mehr vorkommen, als würde ich Massen posten.

Zitat: Zitat:
Dass du allen deine guten Ratschläge aufdrängst, dich aber selbst nie, nie, nie daran hältst!

Das mache ich aber auch so – ich glaube, das macht jeder so. „Gute“ Ratschläge geben ist einfacher, als sie selbst zu befolgen, auch wenn man, solange jemand anders in einer solchen Situation ist, genau weiß, was man sagen und wie man handeln würde – wenn man selbst in diese Situation kommt, hat man das alles vergessen.
So bin ich auch. Für andere weiß ich immer soo viel ... für mich selbst - das ist eine andere Geschichte ...

Zitat: Zitat:
Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht und sie zu lähmen versucht; ihr den Atem raubt und sie wieder wehrlos machen will.

Reicht hier nicht ein normales Komma?
Ja, würde auch reichen, denke ich. Aber Semikolon geht auch. Icon_smile

Zitat:Noch mehr Hintergründe! Endlich, endlich, endlich! DANKE!
Mrgreen Bittesehr. Icon_bussi

Zitat:Willst du mit dieser Geschichte versuchen, dem Leser etwas Mitleid für Anna abzugewinnen? Ich halte sie immer noch für ein Miststück, und ich denke, dass sie das innerlich irgendwo auch schon vor Sergeji war – was auch immer da vorgefallen sein mag. Du lässt das ja ziemlich im Unklaren, auch wenn man sich als Leser so seine ganz eigenen Gedanken macht und sicher Vermutungen hat. Doch ich habe gerade bei LL gelernt, dass Vermutungen nicht viel nützen, weil alles anders kommt, als man gedacht hätte.
Nein, kein Mitleid. Nur ein paar Begründungen, warum sie ist, wie sie ist.

So, bis gleich!

Lilly

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23-11-2008, 18:21
Beitrag: #8
RE: Nachbeben (1/6)
Moin Lilly.

Zitat:Ich bin seit ein paar Tagen krank und kann deshalb nicht hundertprozentig mitmachen hier. Ich weiß, dass einige noch auf Antwort zu ihren Kommentaren warten - sie kommen, sobald ich wieder topfit bin.
Na, dann erstmal an dieser Stelle gute Besserung. Ich versuch mich trotzdem mal an Deinem neuen Werk - auch wenn die Antworten etwas länger dauern. Lass Dir Zeit und kuriere Dich erstmal aus, ne?

Zitat:das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass Alkohol das Feuer nur noch mehr zum Lodern brachte?
Alkohol ist schädlich - und hier leider auch durch die doppelte Nennung. Icon_wink Warum nicht die zweite Nennung durch "damit" ersetzen?
Vorschlag:
das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass damit das Feuer nur noch mehr loderte?
Oder:
das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass der Inhalt dieser Flasche das Feuer nur noch mehr zum Lodern brachte?

Zitat:Wie spät war es? Er trug
Das habe ich auch als seine Gedanken gelesen und würde dazu tendieren, es zumindest an den Anfang der nächsten Zeile zu setzen.

Zitat:Hauptsache, er fühlte nicht dieses
Schwarze Unendlichkeit, ohne
"Dieses? Nicht eher "diese", da danach die schwarze Unendlichkeit folgt?

Zitat:weniger als eine Hand voll, weniger als -
Ich weiß. Du bist der Bestsellerautor und ich nur der Leser - aber mal ehrlich: Warum hast Du an den ähnlichen Stellen vorher im Text die berühmten drei Punkte und hier nicht?

Zitat:Einmal reden und schon hängt die Welt wieder voller Geigen? Sonst noch was??”
Der erste Satz klingt nicht nach einer Frage, eher nach einer Feststellung. Und beim zweiten reicht meiner Meinung nach nur ein Fragezeichen. Icon_wink

Zitat:Wir haben Stefan an den Strand gebracht. Dann habe ich ihn erschossen. Er stürzte mir in die Waffe und ich habe geschossen und er starb.”
Hm, wenn man sich die Steigerungen in diesem Text anschaut, dann passt der markierte Satz besser ans Ende - wegen Knalleffekt und so.
Vorschlag:
Wir haben Stefan an den Strand gebracht. Er stürzte mir in die Waffe und ich habe geschossen - ich habe ihn erschossen!"

Zitat:Und Angst hat sie schon lange nicht mehr. Irgendwann hat sie einen Entschluss gefasst. Den Entschluss, über sich selbst hinauszuwachsen und der Welt keine Chance mehr zu geben, ihre Schwachstellen herauszufinden und diese für ihre Zwecke auszunutzen.
Erst wollte ich hier die doppelte Erwähnung von "Entschluss" anmerken - aber nachdem ich eben noch Zigaretten geholt, frischen Kaffee aufgesetzt hatte und dadurch nochmal drüber nachdenken konnte, tendiere ich nun eher dazu, dass als gutes Verbindungswort anzuerkennen. Auch dieser Moment, als ab einer gewissen Stunde Null für Anna nur noch ihre eigenen Regeln gelten, kommt anschaulich rüber.

Zitat:Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht
Ich würde sogar sagen, es ist eine bekannte Angst - die alte, nie wirklich verarbeitete Angst vor diesem ... Mensch? Wie auch immer man ihn nennen mag. Vorschlag:
Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie die alte Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht

Zitat:Sie holt eine Walther PPK Halbautomatik heraus und schießt drei Mal auf Sergeji.
Lilly, hier habe ich echt verzweifelt. Dreimal? DREIMAL???
Mensch, Anna ist eine Frau - eine verletzte, ängstliche, wütende, hassende Frau. -> Sie leert das ganze Magazin!!!
Jede abgefeuerte Patrone ist ein Stück Gewissheit mehr, dass der Dreckskerl wirklich unten bei den Fischen im dunklen Hafenbecken bleibt.

So, *puh* Kapitel 1 also. Und hier Philipp und Anna. Nachbeben nennst Du das? Finde ich vom Titel schon mal sehr gelungen und auch der Anfang ist plastisch und düster. Fällt mir spontan ein altes PC-Spiel ein, wo am Anfang einige Helden die Welt retten - und dann irgendwo in der Milchstraße verschwinden. Fazit: Welt gerettet - aber wer rettet die Retter?
Nicht verstanden habe ich, warum Du Annas Rückblick in der Gegenwartsform geschrieben hast?
So, meine Frau macht eben lecker Crepes und dann gehts gleich weiter. Icon_wink

LG
D.

Wir glauben, wir machen Erfahrungen - aber Erfahrungen machen uns.
... and dread noughts
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02-12-2008, 21:04
Beitrag: #9
RE: Nachbeben (1/6)
Guten Abend, Dread,

entschuldige, dass ich dich so lange hab warten lassen ... Hoffe, du nimmst es mir nicht allzu übel. Your comment was very appreciated!
Nun aber zur Antwort.

Zitat:Alkohol ist schädlich - und hier leider auch durch die doppelte Nennung. Warum nicht die zweite Nennung durch "damit" ersetzen?
Vorschlag:
das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass damit das Feuer nur noch mehr loderte?
Oder:
das in seinem Innern loderte und alles aufzufressen schien, mit Alkohol zu löschen. War ihm denn nicht klar, dass der Inhalt dieser Flasche das Feuer nur noch mehr zum Lodern brachte?
Ich mach es ganz einfach: ... dass er damit das Feuer nur noch mehr zum Lodern brachte?
Danke für den Anreiz!

Zitat: Zitat:
Wie spät war es? Er trug

Das habe ich auch als seine Gedanken gelesen und würde dazu tendieren, es zumindest an den Anfang der nächsten Zeile zu setzen.
Okay.

Zitat: Zitat:
weniger als eine Hand voll, weniger als -

Ich weiß. Du bist der Bestsellerautor und ich nur der Leser - aber mal ehrlich: Warum hast Du an den ähnlichen Stellen vorher im Text die berühmten drei Punkte und hier nicht?
Ähm ... keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich schau noch mal.
Ah, jetzt weiß ich wieder. Weil Stefans "Worte" (in der Hölle schmoren) ihn aus seinen Gedanken reißt, abrupt, unvermittelt.

Zitat: Zitat:
Wir haben Stefan an den Strand gebracht. Dann habe ich ihn erschossen. Er stürzte mir in die Waffe und ich habe geschossen und er starb.”

Hm, wenn man sich die Steigerungen in diesem Text anschaut, dann passt der markierte Satz besser ans Ende - wegen Knalleffekt und so.
Ich mag meine Version.

Zitat:Er hält Abstand, versucht nicht, sich ihr zu nähern, doch trotzdem spürt sie, wie die alte Angst ihre Wirbelsäule hoch kriecht
Super Vorschlag - nehm ich.

Zitat: Zitat:
Sie holt eine Walther PPK Halbautomatik heraus und schießt drei Mal auf Sergeji.

Lilly, hier habe ich echt verzweifelt. Dreimal? DREIMAL???
Mensch, Anna ist eine Frau - eine verletzte, ängstliche, wütende, hassende Frau. -> Sie leert das ganze Magazin!!!
Jede abgefeuerte Patrone ist ein Stück Gewissheit mehr, dass der Dreckskerl wirklich unten bei den Fischen im dunklen Hafenbecken bleibt.
Ich verstehe, was du meinst.
Es war aber so (und mir sehr wichtig), dass er beim Sturz in das Hafenbecken noch gelebt hat und durch Ertrinken gestorben ist.
Wäre er vorher tot gewesen, hätten sich seine Lungen nicht mit Wasser füllen können und er wäre nicht untergegangen.

Zitat:Nicht verstanden habe ich, warum Du Annas Rückblick in der Gegenwartsform geschrieben hast?
Das war aus einem nicht bestimmbaren Gefühl heraus. Es gefiel mir so einfach besser.

Vielen Dank für deinen Kommentar! Wir lesen uns - vielleicht gleich, vielleicht später - so oder so. Icon_wink

Lilly

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Antwort Kandidat Alexander: Klug.

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06-12-2008, 15:47
Beitrag: #10
RE: Nachbeben (1/6)
Hallo Lilly,
immer wieder wenn ich auf "Neue Beiträge anzeigen" geklickt habe. Habe ich eine dieser Nachbebengeschichten gesehen. Sie wurden ja fleißig kommentiert. Jetzt komme ich auch dazu sie mir durchzulesen.

Nachbeben - das klingt schon mal sehr interessant. Klingt nach einer sehr emotionalen Geschichten. Nun, es steht ja auch in der Rubrik.

Erstmal ein paar Anmerkungen:
Zitat:Und es war ihm egal, dass er Alkohol nicht vertrug.
Diese Stelle klingt fast genauso wie eine andere kurz davor. Vielleicht könntest du das umformulieren. Sonst klingt es so doppelt.
Zitat:Was ist los was ist los was ist los was ist los was ist los wassisLOSwassisLOSwassisLOS???
Ja, diese nervigen Was ist los Fragen. Kein Wunder, dass sie ihn stressen. Es gefällt mir, wie du es ohne Leerzeichen dargestellt hast.
Zitat:Warum hier, wo er, einem Tiger im Käfig gleich, vor sich hinvegetierte und sie ihm in seinem Elend beschauen konnten wie im Zoo?
Da hast du M und N verwechselt.

Ich habe diesen Teil der Geschichte gern gelesen. Am meisten gefällt mir diese Atmosphäre - so endgültig, irgendwie trüb und verletzt.
Du hast Erinnerungen und Gedanken in kursiver Schrift eingebaut. Von so was bin ich ein großer Fan. Das macht alles spannender, finde ich.
Der Titel hat nicht zu viel versprochen. Ich vermute das Nachbeben bezieht sich auf die Auswirkungen dieser Morde. Phillipp und Anna scheinen Freunde zu sein. Vielleicht auch Geschwister. Ich habe noch nicht genau verstanden wer Stefan Funke ist, aber ich denke das klärt sich in den weiteren Teilen. Phillip scheint ihn nicht mit Absicht erschossen zu haben. Warum spielen sie eigentlich alle mit Waffen herum? Außerdem frage ich mich wie alt sie alle sind. Irgendwie kommt Anna mir jünger vor. Phillip hat aber schon Kind. Doch ich denke nicht, dass er älter ist, als 26 ... Das wird aber bestimmt schon in den nächsten Teilen klar.
Jedenfalls macht dieser Anfang Lust auf mehr. Aber nicht alles auf einmal. Dafür ist die Atmosphäre zu bedrückend. Das ist jetzt ein Kompliment Icon_rolleyes keine Kritik. Ich mag Geschichten, die so unter die Haut gehen.
Also bis zum nächsten Teil.
Liebe Grüße,
Meluse
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