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Unendlichkeit (überarbeitet)
02-01-2010, 01:44 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02-01-2010 01:55 von Dreadnoughts.)
Beitrag: #21
RE: Unendlichkeit (überarbeitet)
Moin nochmal, holde Lady.

Ich könnte schwören, ich hätte Deine diese Geschichte schonmal kommentiert. Hm, ...

Anmerkungen:
Zitat:Nebelverhangen liegt das Watt vor ihm. Das Meer hat sich zurückgezogen, zeigt der Welt ein Mosaik aus Wasser und Matsch. Die Gezeiten haben ihre Abdrücke im Sand hinterlassen, Muster auf den Meeresboden gemalt. Er sitzt am grünen Strand, lauscht dem Plätschern der letzten Wellen und schmeckt den salzigen Wind auf seinen Lippen. Im Priel paddeln, Seite an Seite, ein paar Enten und über ihm kreischt eine weiße Möwe. Er genießt diesen friedlichen Augenblick der Ruhe, doch dann gibt der Nebel den Blick auf die Vergangenheit frei und mit der Erinnerung kommt auch das Meer zurück.

Der Anfang ist sehr dicht geschrieben, aber auch wenn die BIlder hier sehr eindringlich sind, das Format ist es nicht. Vorschlag: Ein wenig entzerren.

Nebelverhangen liegt das Watt vor ihm.
Das Meer hat sich zurückgezogen, zeigt der Welt ein Mosaik aus Wasser und Matsch. Die Gezeiten haben ihre Abdrücke im Sand hinterlassen, Muster auf den Meeresboden gemalt.
Er sitzt am grünen Strand, lauscht dem Plätschern der letzten Wellen und schmeckt den salzigen Wind auf seinen Lippen. Im Priel paddeln, Seite an Seite, ein paar Enten und über ihm kreischt eine weiße Möwe. Er genießt diesen friedlichen Augenblick der Ruhe, doch dann gibt der Nebel den Blick auf die Vergangenheit frei und mit der Erinnerung kommt auch das Meer zurück.


(Man könnte natürlich auch darüber nachdenken, in Satz vier ein 'und' einzubauen, das würde sich runder anhören. VorschlagIcon_smile

Das Meer hat sich zurückgezogen, zeigt der Welt ein Mosaik aus Wasser und Matsch. Die Gezeiten haben ihre Abdrücke im Sand hinterlassen und Muster auf den Meeresboden gemalt.

Zitat:Plötzlich greift sich eine Woge wie eine kalte, eiserne Faust den kleinen Jungen und zieht ihn mit sich. Er fällt in die stürmische, unbarmherzige See, paddelt mit seinen dünnen Armen um sein Leben, schreit nach seinem Vater, doch die Göttin des Meeres hatte beschlossen, ihn zu sich zu holen. Immer wieder taucht Yannik auf, kann Luft holen, doch schon im nächsten Moment zerrt ihn die nächste Woge mit sich. Einen Atemzug später ist er endgültig in der dunklen Unendlichkeit versunken.

Auch diese Szene liest sich sehr plastisch, allerdings meine ich, brauchst Du die Erwähnung des markierten Satzelementes nicht, denn es unterbricht (meiner Meinung nach) den Fluss vor den Augen. Beispiel 'ohne':

Plötzlich greift sich eine Woge wie eine kalte, eiserne Faust den kleinen Jungen und zieht ihn mit sich. Er fällt in die stürmische, unbarmherzige See, paddelt mit seinen dünnen Armen um sein Leben, schreit nach seinem Vater. Immer wieder taucht Yannik auf, kann Luft holen, doch schon im nächsten Moment zerrt ihn die nächste Woge mit sich. Einen Atemzug später ist er endgültig in der dunklen Unendlichkeit versunken.

Zitat:Dann kommt die Erinnerung zurück, an die vergangene Nacht und an das verlorene Leben seines Kindes. Und mit der Erinnerung kommt der Nebel. Der Nebel, der sich um seinen Verstand legt, seine Seele einhüllt und sein Herz vor dem Schmerz bewahrt.

Sehr einfühlsam und auch hier hast Du (analog zu 'Baumwächter') eine ganz eigene Sanftheit in Deine Geschichte hineingelegt. In Anbetracht der tosenden See, der mörderischen Wellen ... klingt es nicht nach einer ungerechten Umwelt, sondern hat den hauch von Schicksal in sich. Vielleicht kommt es aus Deinem Schreiberherzen durch die tippenden Finger zum Vorschein - ich weiß es nicht, aber es 'ist' sanft. Ich habe hier meterhohe Wellen vor Augen, ein kleines Bott, winzig in Anbetracht der unbändigen Urgewalt. Und doch keine reißerische Instrumental-Kino-Musik wie aus irgendeinem Roland-Emmerich-Film. Nein, eher Mike Oldfield. Oder Enya: A Day without Rain.

So, 'Unendlichkeit' ist für mich eher eine Momentaufnahme, aber die ist sehr fein gezeichnet. Stumme Leinwandbilder - aber nur deswegen so stumm, weil der Nebel die anklagenden Schreie verdeckt.


LGD.

Wir glauben, wir machen Erfahrungen - aber Erfahrungen machen uns.
... and dread noughts
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02-01-2010, 15:20
Beitrag: #22
RE: Unendlichkeit (überarbeitet)
Moin Dread,

die Geschichte ist schon nicht mehr ganz so frisch, kann also sein, dass du die schonmal in einem anderen Forum kommentiert hast. Icon_wink

Zitat:Der Anfang ist sehr dicht geschrieben, aber auch wenn die BIlder hier sehr eindringlich sind, das Format ist es nicht. Vorschlag: Ein wenig entzerren.
Der Vorschlag mit den Absätzen gefällt mir sehr gut, ich denke, dass werde ich so übernehmen.
Ansonsten muss ich nochmal genauer über deine Vorschläge nachdenken, trotzdem danke dafür. Icon_smile

Zitat:In Anbetracht der tosenden See, der mörderischen Wellen ... klingt es nicht nach einer ungerechten Umwelt, sondern hat den hauch von Schicksal in sich. Vielleicht kommt es aus Deinem Schreiberherzen durch die tippenden Finger zum Vorschein - ich weiß es nicht, aber es 'ist' sanft. Ich habe hier meterhohe Wellen vor Augen, ein kleines Bott, winzig in Anbetracht der unbändigen Urgewalt.

Ich weiss gar nicht, wie es das gemacht habe. Aber dieser Hauch von Schicksal den du herausgelesen hast, gefällt mir sehr gut darin. Nun, ich liebe das Meer vielleicht schimmert ja genau das zwischen den Buchstaben heraus und ich wollte die See hier jetzt auch nicht als möderisch, als den Mörder darstellen, sondern als Urgewalt. Deshalb freut es mich besonders, dass du das alles vor Augen hattest, denn genau das wollte ich erreichen.

Zitat:So, 'Unendlichkeit' ist für mich eher eine Momentaufnahme, aber die ist sehr fein gezeichnet. Stumme Leinwandbilder - aber nur deswegen so stumm, weil der Nebel die anklagenden Schreie verdeckt.

Genauso wollte ich, dass die Geschichte wahrgenommen wird. Icon_jump

Vielen Dank für deinen Kommentar und für die netten Worte die du zu meiner Geschichte gefunden hast. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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02-01-2010, 16:47 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02-01-2010 16:48 von Glory.)
Beitrag: #23
RE: Unendlichkeit (überarbeitet)
Hallo Lady,

also die erste Version der Geschichte kenne ich nicht, aber diese hat mich *schnief* echt berührt.
Zitat:Das Meer hat sich zurückgezogen, zeigt der Welt ein Mosaik aus Wasser und Matsch.
Bin kein großer Fan von Landschaftsbeschreibungen aber das ist echt schön geschrieben.
Zitat:Yannik hat gerade seinen siebten Geburtstag gefeiert.
Argh, das macht das Ganze ja umso schlimmer.
Zitat:Seine beiden Passagiere geben schnell auf, ihm ihren Willen aufzwingen zu wollen. Ole und Yannik ringen mit den Elementen um ihr Leben.
Ich hatte ja schon so eine böse Vorahnung. Die Harmonie an Bord war einach zu harmonisch. War ja klar, dass irgendwas passieren muss.
Zitat:Plötzlich greift sich eine Woge wie eine kalte, eiserne Faust den kleinen Jungen und zieht ihn mit sich.[/quote
Bei dieser Stelle hatte ich tatsächlich eine riesige Faust vor Augen, bestehend aus Wasser, die sich um den armen Jungen krallt.
[quote]doch die Göttin des Meeres hatte beschlossen, ihn zu sich zu holen.
Die Stelle hat schon so etwas Endgültiges. Mir war klar, das Yannik nicht überleben wird, aber hier hatte ich dann die Bestätigung.
Zitat:War er schuld daran, dass Yannik fort war? Hätte er besser auf ihn aufpassen sollen? War er ein schlechter Vater?
Die Fragen passen für mich nicht so ganz in den Kontext. Die erste macht noch Sinn, aber die letzte klingt für mich eher nach allgemeiner Erziehung und nicht nach dem Vorfall auf See.
Zitat:Manchmal sitzt er alleine am Strand, aber nur dann, wenn sich die Wellen in die Unendlichkeit zurückgezogen haben und das Watt nebelverhangen vor ihm liegt.
Smiley_frown Waaah, ist das traurig.

Wow, das hast du echt total schön und gleichzeitig total tragisch geschrieben. Die Geschichte ist zwar kurz, aber du hast trotzdem alles wichtige rübergebracht und mich mit Ole mitfühlen lassen. Er tut mir richtig leid. Ich wusste zwar schon ziemlich früh, was geschehen wird (glücklicher Siebenjähriger, der sich auf den Segelausflug freut war auch einfach zu schön) aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, fand ich es umso tragischer. Der letzte Satz kommt mir so vor, als wäre Ole in einem Zwiespalt. Er meidet das Meer, aber andererseits kann er ihm auch nicht wirklich böse sein, schließlich kann niemand etwas gegen Naturgewalten ausrichten (und trotzdem macht er sich Vorwürfe) und das Meer selber hat seinen Sohn ja auch nicht mit Absicht umgebracht, um es mal so zu formulieren.
Ich kann also nur wiederholen Smiley_frown und sehr schön geschrieben.

LG

Glory

"Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch trauriger ist es, keine zu sein."

-Peter Altenberger-
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03-01-2010, 14:34
Beitrag: #24
RE: Unendlichkeit (überarbeitet)
Hallo Glory,

freut mich einen Kommentar von dir zu griegen. Dann bin ich mal gespannt, was du dazu zu sagen hast. Icon_smile

Zitat:
Zitat:Das Meer hat sich zurückgezogen, zeigt der Welt ein Mosaik aus Wasser und Matsch.
Bin kein großer Fan von Landschaftsbeschreibungen aber das ist echt schön geschrieben.

Hier gehört die Landschaft einfach zur Geschichte dazu. Ohne sie würde sie in meine Augen nicht funktionieren, daher freut es mich, dass sie dir gefällt.

Zitat:
Zitat:War er schuld daran, dass Yannik fort war? Hätte er besser auf ihn aufpassen sollen? War er ein schlechter Vater?
Die Fragen passen für mich nicht so ganz in den Kontext. Die erste macht noch Sinn, aber die letzte klingt für mich eher nach allgemeiner Erziehung und nicht nach dem Vorfall auf See.

An diesen Fragen hab ich echt schon lange rumgebastelt. Zuerst hatte ich welche von denen ich mir dachte, dass sie seine Verwirrheit zeigen könnten, von denen ich dachte, dass sie ihm zuerst einfielen. Doch das hat auch nicht richtig reingepasst. Jetzt gibt es auf alle nur eine Antwort und zwar: ja. (jedenfalls für Ole in diesem Moment) Du hast recht so richtig passt's nicht in den Kontext, aber eben weil es für alle nur die eine Antwort gibt, lass ich sie erstmal so drin.

Zitat:Die Geschichte ist zwar kurz, aber du hast trotzdem alles wichtige rübergebracht und mich mit Ole mitfühlen lassen.

Freut mich. Das war das wichtigste, dass man mit Ole mitfühlen kann.

Zitat:Ich wusste zwar schon ziemlich früh, was geschehen wird (glücklicher Siebenjähriger, der sich auf den Segelausflug freut war auch einfach zu schön) aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, fand ich es umso tragischer.

Das stimmt. Besonders spannend ist es nicht, man weiss sofort, dass sowas passieren wird, aber darum gings ja auch gar nicht. Icon_wink

Zitat:Er meidet das Meer, aber andererseits kann er ihm auch nicht wirklich böse sein, schließlich kann niemand etwas gegen Naturgewalten ausrichten (und trotzdem macht er sich Vorwürfe) und das Meer selber hat seinen Sohn ja auch nicht mit Absicht umgebracht, um es mal so zu formulieren.

Du sagst es. Genau das wollte ich darstellen. Die Gewalt der Natur, des Meeres, dass (vielleicht auch deswegen) trotzdem eine gewisse Faszination, bzw. Schönheit besitzt.

Vielen Dank für deine positiven Kommentar, aus dem ich rauslesen kann, dass die Geschichte genauso bei dir angekommen ist, wie ich es wollte. Das freut mich immer, wenn die Leser verstehen, was ich sagen wollte. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

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