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Wir haben doch nur noch uns beide
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03-05-2008, 22:47
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28-12-2008 15:27 von Teja.)
Beitrag: #1
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Wir haben doch nur noch uns beide
„Ich habe mich entschieden!“
Er hatte nicht gehört, wie sie die Küche betreten hatte, aber er schrak nicht auf sondern starrte weiter aus dem Fenster in die Dunkelheit, beobachtete die schattenschwarzen Wolken. Das würde sie aufregen. „Hast du gehört? Schau mich bitte wenigstens an, wenn ich dir sage, dass ich dich verlasse.“ Sie räusperte sich, um ihre Stimme wieder unter Kontrolle zu bringen, die trotz ihrer Bemühungen unruhig geklungen hatte. „Und wenn es nur dazu gut ist, mir die Illusion zu erhalten, dass ich dir noch etwas bedeute.“ Ihre Worte ließen ihn widerwillig aufstehen und sich umdrehen. Er erwartete diesen Moment schon Monate, vielleicht Jahre, und war vorbereitet. Groß, den Kopf erhoben, die Hände vor dem Morgenmantel gefaltet, stand sie zwischen Ablage und Herd an die Arbeitsplatte gelehnt, wie sie es als Teenager, der vor Schönheit, Kraft und Ideen strotzte, auch getan hatte. Jetzt war sie nur noch eine alte Frau, aus deren Körper und Geist alle Illusion und Pracht gewichen waren. Sie sah aus wie seine Gedanken. Der verbitterte Zug um den Mund, die Runzeln der vielen Jahre auf dem Hals und die Stirn in Falten. Krähenfüße und haarlose Lider. Nur ihre Augen waren noch wie damals, als sie ihn so oft voller Freude angesehen hatte. Heute glänzten sie vielleicht ein letztes Mal seinetwegen. „Du hast dich also endlich entschieden. Du willst weg. Du ziehst aus“, fasste er zusammen. „Oder willst du mich rauswerfen?“ „Ich habe mit dem Gedanken gespielt, selbst hier drin zu bleiben.“ Sie seufzte und es kam ihm vor, als ob sie erst noch Kraft für den nächsten Satz sammeln musste. „Aber hier erinnert mich alles an dich“, stieß sie hervor. „Ich würde das nicht ertragen. Deswegen werde ich gehen.“ Ihre Augen fixierten ihn, blinzelten dabei und er musste sich anstrengen, ihrem wässrigen Blick stand zu halten, während er am Rand seines Sichtfelds sah, wie sie ihre Hände knetete. Er holte verbal aus. „Wohin willst du?“ Und stieß zu. „Zu deiner Mutter?“ Er lachte bitter. „Du bist gemein“, sagte sie nach einer Weile abgehackt und nur annähernd melodisch wie die künstliche Stimme eines Navigationsgeräts. Er zwang sich, die Frau erneut anzusehen. Wirres, graues Haar hing kraftlos an ihrem Kopf herab bis auf die Schultern und er merkte erst jetzt, wie dünn es in den letzten Jahren geworden war. Ihr Duft, der einmal betörend und verlockend gewesen war, erinnerte ihn nur noch an Medikamente, käsige Ausdünstungen und Warzen im Gesicht. Sie knetete noch immer ihre schlanken Hände, die ihn einmal ungeahnte Universen hatte erkunden lassen, die ihn ans Ende der Welt und darüber hinaus gebracht hatten. Jetzt widerten sie ihn ob ihrer Knochigkeit und Flecken nur noch an. Er nahm einen Schluck schwarzer Bitternis und stellte den Kaffeebecher wieder auf die Ablage aus Kunststoff in Tränenblechoptik. „Ich gehe, aber ich liebe dich noch immer, Edgar.“ Sie hob die Hand ins Gesicht, rieb mit Zeigefinger und Daumen über die geschlossenen Augen bis zur Nase und wischte sich eine entkommene Träne von der Wange. „Ich kann nicht anders, es ist wie eine liebe Gewohnheit.“ Ihr klägliches Lächeln ließ ihn trocken schlucken, bevor sie weitersprach. „Ich habe dich so oft gebeten, deine Verbitterung nicht an mir auszulassen, mit mir zusammenzuleben als ob nichts geschehen sei. Aber es ist nur schlimmer geworden. Jeden Tag. Bis sich deine Verbitterung in Gemeinheit verwandelt hat. Als ob ich an allem Schuld wäre.“ Wieder eine Träne, wieder wischte sie sie weg. „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber das kann und will ich nicht mehr erdulden. Ich lasse dich jetzt allein. Ganz allein.“ „Dann geh doch endlich. Bitte.“ „Es macht dir ehrlich nichts aus?“ Während ihrer Worte wechselte ihre Stimme mehrfach die Tonlage. In ihren Augen sah er Überraschung, Unglauben und ein Flehen, dem er nicht nachgeben wollte. „Ob ich mit dir oder ohne dich allein bin, wo ist der Unterschied?“ „Wir beide sind seit über fünfzig Jahren zusammen und ich wollte meinen Lebensabend mit dir verbringen, will ich noch immer.“ Clara liefen Tränen über die Wangen. „Ich wollte das auch. Aber nicht so. Und darum will ich es jetzt nicht mehr. Ich will nur noch meine Ruhe. Meine Ruhe vor dir und allem anderen.“ „Und aus dem Fenster schauen wie jeden einzelnen Tag in den Jahren, die wir schon allein sind?“ „Ja. Genau das.“ Er bemerkte ein graues Haar, das ihr unter der Nase wuchs und geschnitten oder ausgezupft gehörte. „Jetzt geh bitte. Zieh endlich aus.“ „Es bedeutet dir also wirklich nichts mehr?“ „Nein. Welche Bedeutung sollte es noch haben?“ „Wir haben uns geliebt, mehr als fünf Jahrzehnte. Wir haben unsere Kinder großgezogen und sollten uns jetzt bei der Vorbereitung auf den letzten Weg unterstützen.“ „Schau dich um. Wo sind die Kinder? Wo ist unsere Liebe?“ Er breitete hilflos die Arme aus. „Und den letzten Gang trete ich mittlerweile lieber alleine an. Ich muss ihn sowieso alleine gehen.“ „Wir bedeutet dir wirklich nichts mehr, oder?“ Er ging zur Luke und öffnete sie. „Geh’ jetzt. Bitte.“ „Ja.“ Sie machte sich nicht mehr die Mühe, sich die Tränen abzuwischen. „Ich werde nicht zurückkommen, ohne dass du um Verzeihung bittest. Ich würde dich verlassen, auch wenn du der letzte Mann auf Erden wärst. Der Mann, den ich liebe, würde diese Niederlage so kurz vor dem Ende abwenden.“ „Wen interessiert das schon.“ Er kicherte. „Wenn du dich frisierst, findest du vielleicht noch jemanden, der bei dir bleiben will.“ Gezwungen lachte er, während sie mit gebeugtem Haupt an ihm vorüber schlurfte und die schweren Schuhe kaum den Kontakt zum Stahlboden verloren. Er wollte die Luke schon schließen, ließ es aber. Warum wusste er nicht. Seine Frau verließ ihn, so kurz vor dem Ende. Ja, und? Was machte das jetzt noch aus? Es war ihm egal. Sie war ihm egal. Er selbst war sich egal. Als sie drei Schritte gegangen war, drehte sie sich um. „Wir haben doch nur noch uns beide. Komm mich holen, wie du mich schon einmal geholt hast. Im Anzug, mit Blumen in den Händen und Träumen im Kopf. Bitte.“ Jetzt weinte sie hemmungslos, die Worte immer wieder von einem Schluchzen unterbrochen. Seine Zunge zog sich zusammen und sein Schlund wurde schlagartig trocken. Er antwortete nicht. Endlich drehte sich Clara um und ging auf das Modul der Russen zu. Edgar schloss die Tür und ging zum Fenster zurück. Sie war verletzt und er war schuld daran. Es tat ihm nicht weh, verantwortlich zu sein, aber wenn sie weinte, spürte er noch etwas. Es war ihm noch nie einfach gefallen, seine Frau weinen zu sehen und er hatte sich auch darum viele Jahre bemüht, sie zum Strahlen zu bringen, ihr Freude auf das Gesicht zu zaubern, egal wie schlecht ihre persönliche Situation gerade war. Es hatte gedauert, bis er die Absurdität der Lage realisiert hatte, und damit war ihre Freude sinnlos geworden und er hatte aufgehört. Zuerst damit, sich zu bemühen, dann damit, sich mit ihr zu beschäftigen und dann damit, sie überhaupt zu beachten. Er setzte sich wieder ans Fenster und sah hinab, folgte mit den Augen den über der Oberfläche vorbeiziehenden schattenschwarzen Wolken und versank in seine düsteren Gedanken. Er begann am Anfang: Sie waren das erste Ehepaar im All gewesen und die alleinige Besatzung der ISS II, als der Komet einschlug. "Teja, die Geschichte lebt aus sich selbst, nicht durch nachträgliche Rechtfertigungsversuche des Autors. Hast du etwas zu sagen, musst du es gleich hinein schreiben!" Die Götter der Germanen auf Tejas hilflose Erklärungsversuche, was damals in der Geschichte der Ostgoten schief gegangen ist. |
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06-05-2008, 10:52
Beitrag: #2
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hallo Teja,
ich habe mich ein wenig verspätet, aber nun bin ich da und bereit, mich deiner Geschichte zu widmen. Du in Emotionen, das habe ich nicht mehr erwartet. *g* Ich freue mich sehr, dass du es gewagt hast - mal schauen, was dabei herausgekommen ist. (Eigentlich habe ich die Geschichte ja schon gelesen und war doch im ersten Moment ein bisschen fertig - einige Tage vorher kam "Deep Impact" im Fernsehen und ich habe mal wieder Rotz und Wasser geheult ob des Themas ... na, egal. Ich schaff das hier schon. Es hat wieder etwas mit SF zu tun - zumindest mit dem Weltall -, ich habe früher gar nicht so registriert, wie vernarrt du in SF bist ... Ein eher ungewohntes Genre für mich, aber das macht ja nichts. Ich geh mal gleich zum Text, um nicht das Ende der Geschichte in meiner Zusammenfassung vorwegzunehmen, denn die Geschichte wird einem ja erst so richtig klar, wenn man den letzten Satz gelesen hat ... Zitat:Er hatte nicht gehört, wie sie die Küche betreten hatte, aber er schrak nicht auf und starrte weiter aus dem Fenster in die Dunkelheit, beobachtete die schattenschwarzen Wolken. Das würde sie aufregen.Oha, hab ich hier gedacht. Der Typ scheint ja nicht so gut auf die Frau - seine eigene wahrscheinlich - zu sprechen zu sein. *g* Jetzt im Nachhinein muss ich bei den "schattenschwarzen Wolken" ganz schön schlucken ... Ich würde, glaube ich, nichts anderes tun als diese Wolken zu beobachten. Zu schauen, ob sich irgendwo ein Riss auftut. *schauder* Zitat:Er erwartete diesen Moment schon Monate, vielleicht Jahre und war vorbereitet.Komma nach "Jahre". Zitat:Sie sah aus, wie seine Gedanken.Ohne Komma, bitte ... Dann ist das ein wahnsinnig eindringlicher Satz. Zitat:Krähenfüße und haarlose Wimpern.Wimpern sind doch die Haare an den Augen, demzufolge können Wimpern nicht haarlos sein. Wimpernlose Augen oder haarlose Augen oder ... Augen ohne Wimpern oder so ... Oder irre ich mich? Sagt man das so? Zitat:Heute glänzten sie vielleicht ein letztes Mal wegen ihm.Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. "seinetwegen" ! Zitat:Er holte verbal aus.Ooooooh, der Typ ist aber verbittert! Ab dem Satz hab ich mir gedacht, irgendwas stimmt nicht. Ich war schon so schlau zu denken, dass die Mutter wohl tot ist. Aber bin ich da schon auf die ganze Wahrheit gekommen? Ich weiß es nicht mehr. Zitat:Er zwang sich, die Frau erneut anzusehen.Ist es Absicht, dass da nicht "seine" Frau steht? Vielleicht, um die Distanz zwischen ihnen deutlich zu machen? Zitat:„Ich habe dich so oft gebeten, deine Verbitterung nicht an mir auszulassen, mit mir zusammenzuleben als ob nichts geschehen sei. Aber es ist nur schlimmer geworden. Jeden Tag. Bis sich deine Verbitterung in Gemeinheit verwandelt hat. Als ob ich an allem Schuld wäre.“Kann man denn überhaupt anderes tun als zu verbittern - in ihrer Lage? Ich wage es nicht, mir vorzustellen, wie das sein muss ... Übrigens eine schöne Entwicklung hier. Schritt für Schritt, Wort für Wort, wie Bausteine, die aufeinander aufbauen, oder wie Lampen, die nach und nach angezündet werden, sodass am Ende alles zu sehen ist. Zitat:Meine Ruhe vor Dir und allem anderen.“dir Zitat:„Wir haben uns geliebt, mehr als fünf Jahrzehnte. Wir haben unsere Kinder großgezogen und sollten uns jetzt bei der Vorbereitung auf den letzten Weg unterstützen.“Wie alt sind die denn? Und wie lange sind die schon da oben? Passt das mit den "großgezogenen" Kindern denn? Es gibt doch bestimmt ein Höchstalter für Astronauten, oder? Zitat:Ich würde dich verlassen, auch wenn du der letzte Mann auf Erden wärst.Naja, ist er ja, ne? Nur nicht "auf Erden" ... Zitat:Im Anzug, mit Blumen in den Händen und Träume im Kopf.Träumen Zitat:Endlich drehte sich Clara um und ging auf das Modul der Russen zu. Ja, und spätestens hier war es dann klar. Auch wenn die Einsamkeit der beiden schon die ganze Geschichte über durchgeklungen hat. Zitat:Es war ihm noch nie einfach gefallen, seine Frau weinen zu sehen und er hatte sich auch darum viele Jahre bemüht, sie zum Strahlen zu bringen, ihr Freude auf das Gesicht zu zaubern, egal wie schlecht die Lage war.Für eines der beiden findest du bestimmt ein Synoym. Zitat:Er setzte sich wieder ans Fenster und sah hinab, folgte mit den Augen den über der Oberfläche vorbeiziehenden schattenschwarzen Wolken und versank in seinen düstesten Gedanken. Sie waren das erste Ehepaar im All gewesen und die alleinige Besatzung der ISS II, als der Komet einschlug. Deine Geschichte spielt sicher in der Zukunft, oder? Noch einmal meine Frage, wie lange sie schon da oben sind. Denn irgendwann bricht doch die Versorgung zusammen. Womit wird die ISSII angetrieben? Und das Essen? Ist doch auch nicht unbegrenzt da, weil die Rakete, die zur Raumstation führt, ja auch nicht zu schwer beladen sein darf. Es klingt so, als wären sie schon jahrzehntelang dort oben. Wie groß war der Komet, d.h. wie lange wird die Erde unbewohnbar sein? Ach, selbst wenn sich die Wolken verziehen würden, sie kämen eh nicht mehr zur Erde runter, wie auch. Ich mochte diesen Aspekt an deiner Geschichte am meisten. Der Streit, die Trennung, waren für mich nur Mittel zum Zweck. Der große Gedanke dahinter, der ist viel interessanter. Und verursacht mir Übelkeit, weil Asteroiden und Kometen zu meinen größten Ängsten gehören, ja, das klingt lächerlich, aber ich kann es nicht ändern. Eine sehr interessante Geschichte mit kaum Fehlern und wenn du mir noch die Fragen beantworten kannst, bin ich ganz zufrieden. *g* Ich wünsche dir einen schönen Tag, Lilly Sender: RTL Show: Der Schwächste fliegt Frage: Wenn die Intelligenz einer Person mit 'Bohnenstroh' verglichen wird, ist die Person dann dumm oder klug? Antwort Kandidat Alexander: Klug. Lillys Werke |
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09-05-2008, 02:55
Beitrag: #3
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hey Teja,
Geschichten über eine Welt, die weiß, dass das Ende kommt. Beinahe da ist, alles ist bereits getan und hier sind nun auch noch die letzten fehlenden Worte. Die Sekunden vor den Untergang, bei dem es keine Hoffnung mehr auf einen Neuanfang gibt. Die beiden Menschen sind einfach zu alt, um noch einmal von vorne anfangen zu können und sie wissen es. Ob es dann schwerer ist, lebewohl zu sagen? Ob es nach so langer Zeit noch mehr weh tut? Wieviel Hoffnung bleibt dann noch? Ihre Liebe ist ein ganzes Leben, sie haben soviel damit aufgebaut, soviel gemeinsam durchgemacht - die meisten Erinnerungen sind gefüllt mit dem "Wir", sie haben vermutlich vergessen, wie es ist, allein zu sein. Ich denke, es wird ziemlich hart, damit klarzukommen, auch wenn sie - jeder für sich - schon lange einsam waren. Der letzte Schritt ist immer schwer, egal, was davor passiert ist. Die Worte kaum zu finden, mit denen man aus der Sache rauskommt, ohne zuviel kaputtzumachen, ohne alles zu leugnen, was da zwischen ihnen war. Man merkt ja deutlich, dass Clara alles dafür geben würde, noch ein bisschen Zeit geschenkt zu bekommen. Bei ihm bleiben zu dürfen. Aber ich verstehe auch, warum sie das so nicht mehr kann. Jeden Tag sieht sie ihn und sieht ihm an, dass er sie schon lange verlassen hat, nur, dass er trotzdem einfach da geblieben ist. Das stelle ich mir härter vor, als wegzugehen. Mit jedem Blick gleichzeitig die Liebe zu sehen, die all die Jahre überdauert hat und gleichzeitig, dass man sie verloren hat. Da sitzt dieser Mann und tötet jedes Gefühl, jede Erinnerung, tötet ihr Herz gleich mit. Es ist ihr bestimmt nicht leicht gefallen, einen Entschluss zu fassen, sicherlich macht sie diesen ganzen Terror schon eine Zeit lang mit. Ich finde es irgendwie mutig, an dieser Stelle zu sich selbst zu stehen und endlich einen klaren Schlussstrich darunter zu setzen. Es ist sicher das beste für die beiden. Sie muss sich seinen Anblick nicht mehr geben und er braucht ihre Anwesenheit nicht zu ertragen. Ich denke, für ihn war sie schon lange vorher weg. Trotzdem stimmt es traurig, dass sie nach all den Jahren keinen Weg mehr finden. Ihr Leben steht bereits unter dem Zeichen des Todes, viel liegt nicht mehr vor ihnen, sie haben es geschafft, können zurückschauen auf lebenswerte Jahre. Arbeit, Familie, Liebe, alles war da. Nur, wo ist es jetzt? Wenn sie jetzt zurückblicken, was ist dann noch übrig von diesem Leben? Können sie es sich überhaupt noch anschauen, wenn die gemeinsamen Bilder plötzlich weh tun, weil man dann immer wieder den Partner sieht und das, was sie einmal gehabt haben? Ich weiß, das hört sich jetzt ein bisschen gemein an, aber vielleicht ist es sogar gut, dass sie die meiste Zeit ihres Leben schon hinter sich haben. Wenn alles in ihnen nur noch traurig und einsam ist, dann können sie sich wenigstens sagen, dass es nicht lange dauern wird. Aber ihr Alter ist auch so eine Sache... Es ist einfach scheiße, wenn man so etwas aufgibt, wenn es in die Brüche geht. Weil man tausendmal durch die Scheiße gegangen ist und es irgendwie geschafft hat. Gemeinsam gekämpft hat. So viel überlebt hat, die Liebe durch die Zeit gerettet hat. Es gibt so verdammt viele Menschen, die so etwas nie etwas hatten oder nie haben werden. Die immer scheitern, verlassen werden, verloren gehen... Deine beiden Menschen hatten da etwas ganz besonders und es regt mich irgendwie auf, dass sie sich nicht mehr darum gekümmert haben! Ich meine - sie haben so lange durchgehalten. Die Frau... okay, sie hat's wenigstens versucht. Aber er hat einfach alles weg geschmissen, als wäre es nie etwas wert gewesen. Am liebsten würde ich seinen Kopf gegen die Wand schlagen, bis er begreift, was er da kaputtgemacht hat. Er scheint nicht mal daran zu denken, dass er einen Fehler gemacht hat. Auch wenn es wirklich schön gewesen wäre, wenn sie es zusammen geschafft hätten, die Trennung war jetzt nicht wirklich eine einzige, große Blödheit. Manchmal ist es besser, man trennt sich, bevor man aneinander zu Grunde geht. Dein Thema mochte ich und die Umsetzung hast du auch gut hinbekommen, ich bin auf jeden Fall zufrieden mit den Worten, die da stehen, mit dem Gefühl, das sie wecken. Man kann schließlich nicht oft in das Leben zweier Menschen in diesem Alter hineinschauen, sieht nur das Lächeln bei der goldenen Hochzeit und denkt sich - boah, die sind so lange zusammen, die haben sicher das große Glück gefunden. Du zeigst hier, dass es hinter der Fassade auch anders aussehen kann. Das es nicht die perfekte, große Liebe sein muss, wenn man so lange miteinander ausgehalten ist. Man vergisst einfach viel zu gerne die Probleme, die schlechten Seiten. Zum Beispiel, wie der Mann hier, der seine Frau nicht mehr so attraktiv findet im Alter. Oder die Tatsache, dass es kaum noch neues zu entdecken gibt, weil man viel zu lange zu nahe beieinander war. Eine Geschichte, die ein ganz gewöhnliches Leben beschreibt, wie hinter jeder verschlossenen Türe zugehen könnte, die aber durchaus nicht gewöhnlich ist. Nur den letzten Satz hättest du sicher weglassen können, in meinen Augen hat er nicht richtig zum Rest gepasst. Woran das jetzt genau gelegen hat, weiß ich nicht, aber er ist beim Lesen irgendwie rausgefallen. Ohne ihn hätte es mir noch ein bisschen besser gefallen. Zitat:Sie sah aus, wie seine Gedanken.Einer meiner Lieblingssätze. Einfach schöne Worte für eine hässliche Aussage, es wertet sie ab, ohne sie zu beschreiben. Ohne Einzelheiten darzustellen. Ich finde, das ist irgendwie sehr bezeichnend dafür, dass es ihm nichts mehr bedeutet. Er macht sich nicht mal die Gedanken, sie anständig zu beleidigen. Zitat:Er nahm einen Schluck schwarzer Bitternis und stellte den Kaffeebecher wieder auf die Ablage aus Kunststoff in Tränenblechoptik.Noch ein Satz, der mir wahnsinnig gut gefallen hat. Ich glaube, das war die schönste Beschreibung überhaupt in diesem Text. Soviele Bilder und es klingt einfach gut. Ein kleiner Satz, wie Momentaufnahmen. Als hätte ein Fotograf den Finger auf dem Auslöser drauf gehalten, tausend Aufnahmen und hier knallt er die Fotos auf den Tisch - ein zerrissener Augenblick. Fehlerchen: Zitat:Sie knetete noch immer ihre schlanken Hände, die ihn einmal ungeahnte Universen hatte erkunden lassen, die ihn ans Ende der Welt und darüber hinaus gebracht hatten.hatten... Zitat:Er setzte sich wieder ans Fenster und sah hinab, folgte mit den Augen den über der Oberfläche vorbeiziehenden schattenschwarzen Wolken und versank in seinen düstesten Gedanken.düstersten... Liebe Grüße, Lain Schmetterlinge weinen nicht |
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09-05-2008, 21:43
Beitrag: #4
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hallo ihr zwei,
freut mich, dass ihr eure Zeit für die kleine Geschichte geopfert habt. Hab jetzt den ganzen Tag über eure Kommis nachgedacht, über deinen schon länger, Lilly, und ich glaube ihr habt Recht. Ich habe hier zwei Themenkreise übereinander gelegt, die so nicht zueinander passen. Da muss ich mir was besseres einfallen lassen. Es gibt eigentlich nur zwei Hinweise, das Russenmodul und der letzte Satz. Werde beides ändern, dann denke ich, dass die Geschichte besser zu dem passt, was ich als Fragestellung hatte. Die Frage war: Würde sich eine Frau von ihrem Mann trennen, wenn sie sonst nichts mehr hat? Wirklich nichts mehr. Aber das hätte sie auch so, auf der Erde nicht, oder? Also weg mit. So, jetzt zu dir Lilly. Hat 'n paar Tage gedauert, weil ich mir erst über etwas klar werden musste. Und es mittlerweile hier recht stressig ist. Zitat:Du in Emotionen, das habe ich nicht mehr erwartet. lol, ich probiere gerne aus, spiele gerne mit den Gedanken und würde mich hüten, mich auf eine Richtung zu beschränken. *gg Zitat:*g* Ich freue mich sehr, dass du es gewagt hast - mal schauen, was dabei herausgekommen ist.Hm, ich hoffe nach den Änderungen was annehmbareres. Zitat:(Eigentlich habe ich die Geschichte ja schon gelesen und war doch im ersten Moment ein bisschen fertig - einige Tage vorher kam "Deep Impact" im Fernsehen und ich habe mal wieder Rotz und Wasser geheult ob des Themas ... na, egal. Ich schaff das hier schon. )Tapfere Lilly. So kenn ich dich. *Taschentuch reicht Zitat:Es hat wieder etwas mit SF zu tun - zumindest mit dem Weltall -, ich habe früher gar nicht so registriert, wie vernarrt du in SF bist ...Hm, das kommt daher, dass du viele SF-Sachen wohl nicht gesehen hast, die im anderen Forum standen. Und dann gibt es noch die Sachen, die ich nicht mal dort gepostet habe, weil ich sie so schlecht fand. SF ist eigentlich das was ich machen will, aber ich hab da immer noch so meine Probleme (deswegen übe ich ja auch in allen möglichen Rubriken), vor allem bei dem was mir am meisten gefällt, Cyber Punk und Near SF. Zitat:Übrigens eine schöne Entwicklung hier. Schritt für Schritt, Wort für Wort, wie Bausteine, die aufeinander aufbauen, oder wie Lampen, die nach und nach angezündet werden, sodass am Ende alles zu sehen ist.Das war Teil der Übung. Logische Aktionsfolge, keine großen Erklärungen, sondern Gefühle anhand der Handlung und des Dialogs darstellen. Freue mich gerade wahnsinnig, dass dir das aufgefallen ist. Zitat:Ein eher ungewohntes Genre für mich, aber das macht ja nichts.Hihi, der Film, den du erwähnt hast, ist eigentlich ein SF-Film, allerdings sagen die Leute dazu immer "Katastrophen-Film" oder "Thriller" oder sowas. Aber genau genommen ist es SF. Genau wie so viel anderes, das niemand als SF bezeichnen würde. Jurassic Park als kleines Beispiel. Egal, ich fang an zu schwafeln. Zitat:Ich geh mal gleich zum Text, um nicht das Ende der Geschichte in meiner Zusammenfassung vorwegzunehmen, denn die Geschichte wird einem ja erst so richtig klar, wenn man den letzten Satz gelesen hat ...Über diesen Satz habe ich viel gegrübelt. Ja, du hast recht. Das ist die alte Methode, einen Leser irgendwohin zu führen und ihm dann klar zu machen, dass da mehr dahinter steckt. Allerdings habe ich auch eine zweite Antwort gefunden: Die Welt der beiden älteren Menschen ist eigentlich kaputt, egal ob die Welt um sie herum noch existiert oder nicht. Die Geschichte kann alleine stehen, ohne die beiden Hinweise auf die Raumstation und: Vielleicht ist das noch erschütternder, weil realer und tagtäglich passierend. Ich werds mal ändern und schauen, was ich an Reaktionen kriege. Zitat:Ich hasse das Ende. Ehrlich wahr. Und ich frage mich, warum die beiden überhaupt noch leben. Selbstmord ist nicht so unwahrscheinlich in so einer Situation, oder? Aber vielleicht, weil sie zu zweit waren. Und nicht allein.*ggggg Selbstmord? Weiß nicht. Ist wahrscheinlich nicht immer so einfach, egal wie aussichtslos die Lage ist. Und die meisten machen es nicht, auch wenn sie auf einen langsamen und qualvollen Tod warten. Antworten auf deine Fragen sollst du kriegen: Zitat:Deine Geschichte spielt sicher in der Zukunft, oder?Ja, aber nicht in der fernen Zukunft, nur ein paar Jahre. Zitat:Noch einmal meine Frage, wie lange sie schon da oben sind.Irgendwas zwischen zehn und zwanzig Jahren, vielleicht auch nur ein paar jahre. Bei so einem Ereigniss spielt das nicht die große Rolle, denke ich. Oder? Zitat:Denn irgendwann bricht doch die Versorgung zusammen.Strom sollte eigentlich funktionieren, Sauerstoff auch. Mit dem Essen hängt es damit zusammen, was an Rationen vorrätig ist. Und da die Russen erst drei Container hochgeschossen haben ... Zitat:Womit wird die ISSII angetrieben?Kein Antrieb. geostationäre Umlaufbahn. Zitat:Und das Essen? Ist doch auch nicht unbegrenzt da, weil die Rakete, die zur Raumstation führt, ja auch nicht zu schwer beladen sein darf.Hatten wir schon ... Zitat:Es klingt so, als wären sie schon jahrzehntelang dort oben.Jepp. Zitat:Wie groß war der Komet, d.h. wie lange wird die Erde unbewohnbar sein? Ach, selbst wenn sich die Wolken verziehen würden, sie kämen eh nicht mehr zur Erde runter, wie auch.Aussichtslos. Keine Chance. Zitat:Ich mochte diesen Aspekt an deiner Geschichte am meisten. Der Streit, die Trennung, waren für mich nur Mittel zum Zweck. Der große Gedanke dahinter, der ist viel interessanter.So sollte es eigentlich nicht sein. Denn wie gesagt, die zwei sollten eigentlich denkbar handeln und der Rest ist nur Ambiente. Ich werde den Gedanken nicht vergessen und irgendwann einmal in ein neues Kleid stecken. Und dann hoffentlich den richtigen Rahmen finden. Klasse Kombination, was? Zitat:Eine sehr interessante Geschichte mit kaum FehlernIch habe gute Lehrerinnen und Lehrer. Zitat:Wimpern sind doch die Haare an den AugenGrmpf! Asche auf mein Haupt! Das sind wohl die haarlosen Lider. Zitat:Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.Jetzt weiß ich auch, was der Satz bedeutet ... Zitat:Wie alt sind die denn? Und wie lange sind die schon da oben? Passt das mit den "großgezogenen" Kindern denn? Es gibt doch bestimmt ein Höchstalter für Astronauten, oder?Ja klar gibt es das, aber muss das Bestand haben? Danke für deine aufmerksame Korrektur, die Fehler mach ich morgen oder übermorgen raus. :icon_danke_ATDE: So, Lain, jetzt zu dir. ich freue grad über dein erstes Kommi für mich hier. Hab ja weiter oben aufgeführt, welche Auswirkungen eure beiden Kommis haben. Aber jetzt zu deinen Anmerkungen: Zitat:Die Sekunden vor den Untergang, bei dem es keine Hoffnung mehr auf einen Neuanfang gibt.Jepp, ein Stück Endzeit, persönliche Endzeit, die die beiden hier erleben. Zitat:Ob es dann schwerer ist, lebewohl zu sagen? Ob es nach so langer Zeit noch mehr weh tut?Ich glaube ja. Weil keine Optionen mehr offen sind. Das hier Zitat:Jeden Tag sieht sie ihn und sieht ihm an, dass er sie schon lange verlassen hat, nur, dass er trotzdem einfach da geblieben ist. Das stelle ich mir härter vor, als wegzugehen. und das hier Zitat:Ich denke, für ihn war sie schon lange vorher weg.beschreibt es wohl ziemlich gut und die Frage ist: zieht man in dem Alter besser die Konsequenz, auch wenn danach so gut wie nichts mehr kommt oder wartet man die letzten Tage noch ab, gibt sich nicht die Niederlage des Scheiterns? Schwierig. Zitat:können zurückschauen auf lebenswerte Jahre. Arbeit, Familie, Liebe, alles war da. Nur, wo ist es jetzt?Stimmt. Die Kraft der Erinnerungen ist stark, aber wahrscheinlich nicht so stark wie die Düsternis einer trostlosen Zukunft. Zitat:Aber ihr Alter ist auch so eine Sache... Es ist einfach scheiße, wenn man so etwas aufgibt, wenn es in die Brüche geht. Weil man tausendmal durch die Scheiße gegangen ist und es irgendwie geschafft hat. Gemeinsam gekämpft hat. So viel überlebt hat, die Liebe durch die Zeit gerettet hat. Es gibt so verdammt viele Menschen, die so etwas nie etwas hatten oder nie haben werden. Die immer scheitern, verlassen werden, verloren gehen...Ja, und doch passiert es. Und besonders schlimm ist so etwas wenn einer oder beide keine Möglichkeiten mehr haben, ihr Leben zu gestalten. Zitat:Die Frau... okay, sie hat's wenigstens versucht. Aber er hat einfach alles weg geschmissen, als wäre es nie etwas wert gewesen. Am liebsten würde ich seinen Kopf gegen die Wand schlagen, bis er begreift, was er da kaputtgemacht hat. Er scheint nicht mal daran zu denken, dass er einen Fehler gemacht hat.Begreift er nicht. Er lebt im hier und jetzt, nur das ist wichtig, und die Zukunft ein bisschen. Die Vergangenheit ist vergangen, das hier und jetzt inklusive der Zukunft ist trostlos. Wie reagiert man als Mensch, der immer die Gegenwart genossen hat, auf solche Aussichten? Zitat:Dein Thema mochte ich und die Umsetzung hast du auch gut hinbekommen, ich bin auf jeden Fall zufrieden mit den Worten, die da stehen, mit dem Gefühl, das sie wecken.Danke, Lain, ich freu mich. :icon_danke_ATDE: Zitat:Man kann schließlich nicht oft in das Leben zweier Menschen in diesem Alter hineinschauen, sieht nur das Lächeln bei der goldenen Hochzeit und denkt sich - boah, die sind so lange zusammen, die haben sicher das große Glück gefunden.Ja, und dann lernt man sie tatsächlich kennen, achtet auf ihre Worte, ihr Verhalten und ihre Verhaltensweisen und sieht, welche Kompromisse sie eingegangen sind, welche Opfer sie gebracht haben und dass der andere das überhaupt nicht schätzen gelernt hat. Egal wie lange sie zusammen sind. Zitat:Eine Geschichte, die ein ganz gewöhnliches Leben beschreibt, wie hinter jeder verschlossenen Türe zugehen könnte, die aber durchaus nicht gewöhnlich ist.Danke für dein Lob. Die Geschichte scheint soweit geklappt zu haben. Zitat:Nur den letzten Satz hättest du sicher weglassen können, in meinen Augen hat er nicht richtig zum Rest gepasst. Woran das jetzt genau gelegen hat, weiß ich nicht, aber er ist beim Lesen irgendwie rausgefallen. Ohne ihn hätte es mir noch ein bisschen besser gefallen.Wie gesagt, das werde ich tun. Zitat:Zitat:Dazu kann ich nicht mehr sagen als nur: *strahl Lain, danke für dein Lob und daran, dass du mich an deiner Sichtweise hast teilhaben lassen. War wieder einmal sehr interessant und aufschlussreich. Ich wünsche euch beiden noch ein schönes Wochenende, frohe Feiertage und eine schöne und stressfreie nächste Woche. CU, Teja "Teja, die Geschichte lebt aus sich selbst, nicht durch nachträgliche Rechtfertigungsversuche des Autors. Hast du etwas zu sagen, musst du es gleich hinein schreiben!" Die Götter der Germanen auf Tejas hilflose Erklärungsversuche, was damals in der Geschichte der Ostgoten schief gegangen ist. |
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12-05-2008, 17:31
Beitrag: #5
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hallo Teja
Habe wegen dem schönen Wetter das Forum ein wenig schleifen lassen, aber ab Donnerstag soll es ja wieder regnen, dann werde ich öfter aktiv sein. Ich habe vorher schon mal kurz über deine Geschichte gelesen und muss sagen, dass ich vollauf begeistert bin. Das Ende war nicht abzusehen. Aber du schreibst ja auch genail, bin ich nicht anders von dir gewohnt *lol* Zitat:Jetzt war sie nur noch eine alte Frau, aus deren Körper und Geist alle Illusion und Pracht gewichen waren.Er ist doch bestimmt auch nicht jünger, oder? Zitat:„Wir bedeutet dir wirklich nichts mehr, oder?“"Wir" hättest du vll besser kursiv oder fett geschrieben Aaaahhh, ich hab die Geschichte natürlich noch mal gelesen und mir hat das SF Ende viel, viel besser gefallen. Pfleger, Altenheim. Mann, das ist doch kein ungewöhnliches Ende mehr. Könnte jeder haben. 50 Jahre verheiratet. Mann wurde zum A... Hier fehlt die persönliche Tragödie finde ich. Die erste Version war viel, viel besser meiner Meinung nach. Sie hat auch mehr dem Titel entsprochen. Tut mir leid. Die Umsetzung ist natürlich toll, aber dieses Quentchen "Donnerwetter, hätte ich nicht gedacht!", fehlt hier ganz einfach. Viele Grüße Persephone by becoming a monster I rid myself of the pain of being human In der Unterwelt eines Saarländers |
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14-05-2008, 17:16
Beitrag: #6
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hi Persephone,
erstmal vielen Dank, das geht runter wie Öl: Zitat:Ich habe vorher schon mal kurz über deine Geschichte gelesen und muss sagen, dass ich vollauf begeistert bin. Das Ende war nicht abzusehenUnd Zitat:Mann, das ist doch kein ungewöhnliches Ende mehr. Könnte jeder haben Du bist die erste, die beide Versionen gelesen hat und mir Feedback gibt. Zitat:Zitat:Nein, ist er nicht. Aber das ist für ihn nicht so wichtig. Und: Kennst du das, wenn man denkt: Der ist aber alt geworden … und später feststellt, dass man selbst ja auch um diese Spanne älter geworden ist? Zitat:Zitat:Tut mir leid, aber ich hab was gegen fett oder kursiv. Da bin ich ziemlich eigen und altmodisch. Ich denke, eine Geschichte sollte so geschrieben sein, dass man kursiv, fett oder wasweißich nicht braucht, um dem Leser zu zeigen, dass das hier etwas anderes oder wichtiges ist. Wenn man’s richtig schreibt, blickt der Leser, was Vergangenheit, was Traum oder was wichtig ist und dann braucht man die Hilfsmittel nicht. Und: Du hast ja auch gemerkt, dass das „wir“ in dem Satz wichtig ist, ne? Scheint also zu funktionieren. Zitat:Aaaahhh, ich hab die Geschichte natürlich noch mal gelesen und mir hat das SF Ende viel, viel besser gefallen. Pfleger, Altenheim. Mann, das ist doch kein ungewöhnliches Ende mehr. Könnte jeder haben. 50 Jahre verheiratet. Mann wurde zum A... Hier fehlt die persönliche Tragödie finde ich. Die erste Version war viel, viel besser meiner Meinung nach. Sie hat auch mehr dem Titel entsprochen.Danke. Im Ernst. Ich glaube dass ich einen Fehler gemacht habe, indem ich es auf der Station spielen ließ: Ich habe den Leser betrogen. Und zwar deswegen, weil ich den Leser die ganze Zeit im Unklaren lasse, wo das spielt und erst am Schluss mit dem Dampfhammer draufhaue. Das funktioniert als Aha-Effekt ganz gut, aber: Es ist eigentlich Betrug. Bruce Sterling nennt das “The Jar of Tang”: Eine Geschichte, die so arrangiert ist, dass der Autor plötzlich eine Überraschung über das Setting aus dem Hut zaubern kann. (sinngemäß aus: Bruce Sterling, „A Workshop Lexicon”) Und das war hier der Fall. Auf jeden Fall danke ich dir, auch wenn dir die zweite Umsetzung nicht so gefallen hat. Du hast mich meine Entscheidung nochmals überdenken lassen und mir eine Denkaufgabe dagelassen: Wie würde die Geschichte aussehen, wenn ich nicht betrügen würde? Zitat:Könnte jeder haben. 50 Jahre verheiratet. Mann wurde zum A... Hier fehlt die persönliche Tragödie finde ichDie persönliche Tragödie steckt in Deinen Worten. Was denkst du, wie viel Mut und Kraft die Frau nach fünfzig Jahren(!!!) braucht, um sich von ihm zu trennen? In einem Alter, in dem die Lebensgestaltungsmöglichkeiten sehr beschränkt sind, ein neuer Anfang schlecht möglich und nicht besonders dauerhaft ist. Zitat:Das Ende war nicht abzusehen. Aber du schreibst ja auch genail, bin ich nicht anders von dir gewohnt *lol*und Zitat:Tut mir leid. Die Umsetzung ist natürlich toll,Herzlichen Dank für das Lob. Wenn die Umsetzung und das Schreiberische schon mal stimmen, bin ich viel weiter gekommen. Vielen Dank für dein Kommi. CU, Teja "Teja, die Geschichte lebt aus sich selbst, nicht durch nachträgliche Rechtfertigungsversuche des Autors. Hast du etwas zu sagen, musst du es gleich hinein schreiben!" Die Götter der Germanen auf Tejas hilflose Erklärungsversuche, was damals in der Geschichte der Ostgoten schief gegangen ist. |
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14-05-2008, 22:26
Beitrag: #7
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
*meld*
Ich finde die erste Version auch besser, sie hat mich beeindruckt und mit meinem mulmigen, nachdenklichen Gefühl hinterlassen, also Emotionen erzeugt. Die neue Version bleibt mir irgendwie egal. Weil sich so viele Menschen auseinander leben. Ich hab geschrieben, ich hasse das Ende, aber damit meinte ich nur, dass es so intensiv war, dass es mir ein mulmiges Gefühl hinterlassen hat. Was aber im Endeffekt ein Erfolg ist. Betrogen habe ich mich aufgrund des Endes nicht gefühlt, ganz und gar nicht. Das war's auch schon. Lieben Gruß und bis bald, Lilly Sender: RTL Show: Der Schwächste fliegt Frage: Wenn die Intelligenz einer Person mit 'Bohnenstroh' verglichen wird, ist die Person dann dumm oder klug? Antwort Kandidat Alexander: Klug. Lillys Werke |
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15-05-2008, 15:40
Beitrag: #8
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hallo Teja
Ich hab die Geschichte schon gelesen, als es noch eine Raumstation? war (irgednwie sowas, ne? Auf jedenfall haben sie sich eigentlich nur noch beide, und da isses ziemlich krass, den letzten Menschen auf der erde wegzuschicken) - jetzt ist es ein altersheim? Die Frau kommt ihn immer besuchen/wohnt selbst in dem altersheim in dem Zimmer von Edgar, aber fängt jetzt nochmal neu an. Mit dieser Version der Geschichte legst du den Fokus mehr auf den Mut der Frau, in dem Alter noch einen Neuanfang zu machen, auf die energie, die sie hat wei sie versucht, ihr leben umzugestalten, anstatt es bis zum ende in den Bahnen zu lassen, was sicherlich bequemer wäre, wenn es auch sie nicht glücklich machen würde. Anders - mochte ich es lieber. Weil ich überrascht wurde am ende, wobei das, was du sagst, mit dem konstruierten Ende doch irgendwie stimmt - ist mir aber nicht negativ aufgefallen. da lag der Fokus eher auf der Unaußweichlichkeit, sie sind die letzten, sie leben eigentlich auf der gleichen Raumstation, können eigendlich sich gar nicht mehr aus dem weg gehen - und sie tut’s doch ... auch edgars grund für seine gleichgültigkeut kommt da raus, genauso wie solche vergleiche wie: "stimme klang wie <technischer Begriff> (weiß die stelle nicht mehr genau). der Edgar is so gemein, irgendwie, er vergleicht sie immer mit früher, ja, gut, sie is halt alt und faltig und da is der Körper nimmer so knackig- der hätt bestimmt gern ne junge blonde Tuss wieder *gg* so kommt er mir vor jetzt, schmeisst sie weg, weil sie nicht mehr attraktiv genug ist für ihn. So ein Assi *g* Gut hast du das Gepsräch, die lebendigkeit der dialoge zwischen den beiden hinbekommen. Beschreibungen /Atmosphäre und Umgebung eher weniger, da hättest du ruhig doch noch etwas mehr Sätze dazu schreiben können. Auch kleine, unbewusste Gesten von ihnen, die gleichzeitig ein bisschen beschreiben, wie sie aussehen ... vllt. kannst du das noch einbauen. Wenn man traurig ist, lässt man die schultern hängen, wütend fuchtelt man mit den Händen rum, oder man streicht sich eine graue Strähne zurück in den mageren dutt oder sowas (hast du ja doch zum teil schon dennoch eine gute, interessante Geschichte über alte Leute und einen Neuanfang. LG |
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15-05-2008, 22:55
Beitrag: #9
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
Hi ihr zwei,
die Antwort für Lilly war schon fertig, als du noch reingerutscht bist, Senf. Ich lass dein Kommi so wie's war, Lilly, und schreib dich drunter, Senf. Okay? Auf jeden Fall macht dieser Thread hier richtig Spaß. Mal so richtig heftig kontrovers diskuttieren. Schön. Hi Lilly, Zitat:*meld**lach* Zitat:Ich finde die erste Version auch besser, sie hat mich beeindruckt und mit meinem mulmigen, nachdenklichen Gefühl hinterlassen, also Emotionen erzeugt.Ja, das paradoxe ist, dass mir die erste auch besser gefällt, sie aber handwerklich nicht richtig ist. Deswegen, weil ich dem Leser keine Chance lasse, zu erahnen, um was es hier geht. In richtig guten Kurzgeschichten hat der Leser immer die Chance, den Ausgang zu erraten, weil es Hinweise gibt, die darauf hindeuten. In meiner Geschichte gibt es keine. Hm. Vielleicht könnte ich ein bisschen Umgebungsbeschreibung reinbringen, die das Manko behebt. Allerdings bin ich dann auch wieder nicht so gut und fit darin, die Hinweise so subtil zu verstecken, dass sie erst beim zweiten Mal lesen zu finden sind. Das wäre natürlich die Krönung. Mike konnte das zum Beispiel recht gut. Kannst du verstehen, was ich mit Betrug meinte? Dass die Vernichtung der Welt eine ganze Kette von Gedanken und Emotionen auslöst, ist klar. Aber das kommt dann nicht aus der Geschichte heraus, sondern nur aus dem Trick, am Ende mit dem Holzhammer draufzuschlagen und zu sagen: Leser, du kennst die Wahrheit nicht. Hier ist sie. Vom Handwerklichen her nicht besonders gut. Zitat:Die neue Version bleibt mir irgendwie egal. Weil sich so viele Menschen auseinander leben.Damit sagst du mir unheimlich viel. Bewert’s nicht über, ich weiß, dass du es nicht so meinst, aber ich bin jetzt mal gemein zu meiner Geschichte und zu mir (ich darf das *ggg) und mache es ein bisschen spitzer: Die Geschichte taugt ohne den letzten Satz nicht besonders viel. Und das kann bei einer guten Geschichte nicht sein. Wenn ich das Setting ändern würde, sie also auf einer Insel ohne Aussicht auf Rettung, leben würden, würde das das Grundproblem auch nicht beseitigen, obwohl es auch die Gedankenkette auslösen würde, auch wenn sie nicht so schrecklich wäre. Zitat:Ich hab geschrieben, ich hasse das Ende, aber damit meinte ich nur, dass es so intensiv war, dass es mir ein mulmiges Gefühl hinterlassen hat. Was aber im Endeffekt ein Erfolg ist.He, wir haben uns schon öfter über diesen Thema ausgetauscht, ne? Deswegen habe ich die Passage auch so verstanden, wie du sie meintest. Das mit dem Erfolg stimmt auch, aber es ist in der Zeit des Nachdenkens eurer Kommis in mir ein Gefühl gewachsen, das sagt: Die Geschichte ist so nicht richtig. Das geht besser. Zitat:Betrogen habe ich mich aufgrund des Endes nicht gefühlt, ganz und gar nicht.Hm. Vergleichs mal mit deiner „Offenen Meer Geschichte“. Da ist das Setting UND der Ablauf ziemlich klar: Jetztzeit, ein Paar, Probleme und Diskussionen (und dadurch ein ansteigender Konflikt), keine Verschleierung, sondern langsame Annäherung an die Ursache, der Höhepunkt am Flughafen, als Luca dann doch noch erscheint, Auflösung (ein offenes Ende zwar, aber das macht in diesem Fall nichts, die Auflösung ist ja, dass sich beide trotz allem so sehr lieben). Handwerklich (und schreiberisch) perfekt. Zitat:Das war's auch schon. Wenn du es ohne Apokalypse besser findest, ist das natürlich deine Entscheidung. Nee, das war’s nicht, jedenfalls nicht für mich. *ggg Ich finde es ohne Apokalyse nicht besser. Nur richtiger. Ich glaube ihr drei habt mich einen Schritt vorwärts gebracht. Hab die Einsicht gewonnen, dass ich nicht hergehen kann, eine Geschichte schreibe, die nur auf einem einzigen Satz aufbaut und die Fakten daraus den Rest der Geschichte unbeachtet lasse. Mal sehen, was ich draus mach. Herzlichen Dank, dass du dich mit einem neuen Kommi noch mal gemeldet hast um mir zu sagen, wie die Geschichte jetzt ist. So, Status ist also jetzt: Mit Auslöschung der Menschheit ist die Geschichte besser, handwerklich aber nicht so gut. *nachdenkt Ich danke dir sehr und wünsch dir was. Hi Senf, Zitat:Ich hab die Geschichte schon gelesen, als es noch eine Raumstation? war (irgednwie sowas, ne? Auf jedenfall haben sie sich eigentlich nur noch beide, und da isses ziemlich krass, den letzten Menschen auf der erde wegzuschicken) - jetzt ist es ein altersheim?Darauf baute die Geschichte auf, den letzten Menschen wegzuschicken. Muss ein schreckliches Gefühl sein. Und: Ja, aus der Raumstation direkt ins Altersheim. *gg Zitat:Mit dieser Version der Geschichte legst du den Fokus mehr auf den Mut der Frau, in dem Alter noch einen Neuanfang zu machen, auf die energie, die sie hat wei sie versucht, ihr leben umzugestalten, anstatt es bis zum ende in den Bahnen zu lassen, was sicherlich bequemer wäre, wenn es auch sie nicht glücklich machen würde.Genau, aber für diese Version taugt die Geschichte nicht. Zitat:Anders - mochte ich es lieber. Warum überrascht mich das jetzt nicht? *fg Zitat:Weil ich überrascht wurde am endeÜberrascht ja, aber nicht vorbereitet. Zitat:was du sagst, mit dem konstruierten Ende doch irgendwie stimmt - ist mir aber nicht negativ aufgefallen.Hm. Zitat:da lag der Fokus eher auf der Unaußweichlichkeit, sie sind die letzten, sie leben eigentlich auf der gleichen Raumstation, können eigendlich sich gar nicht mehr aus dem weg gehen - und sie tut’s doch ...Und sie tut es doch. Genau. Zitat:edgars grund für seine gleichgültigkeut kommt da raus,Ist das ein anderer als in einem Altersheim? Glaube ich nicht. Nur die Dimension der Verzweiflung ist vielleicht größer. Zitat:der Edgar is so gemein, irgendwie, er vergleicht sie immer mit früher, ja, gut, sie is halt alt und faltig und da is der Körper nimmer so knackig- der hätt bestimmt gern ne junge blonde Tuss wieder *gg* so kommt er mir vor jetzt, schmeisst sie weg, weil sie nicht mehr attraktiv genug ist für ihn. So ein Assi *g*hihi. Der sehr ältere Herr will ne junge blonde Tussi? *ggggg Nee, glaub ich nicht. Ich hab eigentlich den Blick auf sie und auf ihr Alter so haben wollen, dass er genauso alt ist und genau die gleichen, wenigen Lebenschancen hat. Junge blonde Tussi. Immer diese Vorurteile. *Kopf schüttelt Zitat:Beschreibungen /Atmosphäre und Umgebung eher weniger, da hättest du ruhig doch noch etwas mehr Sätze dazu schreiben könnenBeschreibungen der Umgebung ist nicht so mein Fach. Werde da wohl dran arbeiten müssen. Zitat:kleine, unbewusste Gesten von ihnen, die gleichzeitig ein bisschen beschreiben, wie sie aussehenHm. Die sollten aber drin sein. Vielelciht bin ich die nicht nochmal durchgegangen. Das wär' schlecht. Zitat:dennoch eine gute, interessante Geschichte über alte Leute und einen Neuanfang. Danke für Dein Kommi, Senfglas, und für die Zeit, die du investiert hast. CU Teja "Teja, die Geschichte lebt aus sich selbst, nicht durch nachträgliche Rechtfertigungsversuche des Autors. Hast du etwas zu sagen, musst du es gleich hinein schreiben!" Die Götter der Germanen auf Tejas hilflose Erklärungsversuche, was damals in der Geschichte der Ostgoten schief gegangen ist. |
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20-05-2008, 15:58
Beitrag: #10
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RE: Wir haben doch nur noch uns beide
hallo teja,
anscheinend habe ich eine überarbeite version deines textes erwischt. leider kenne ich die erste jetzt nicht, sonst hätte ich vergleichen können. aber ich denke mal, dass ein "unvoreingenommener" eindruck bestimmt interessant ist. Zitat:„Zu deiner Mutter?“ oh ein hinweis. ihre mutter scheint nicht mehr am leben zu sein, sonst hätte er das nicht so fies gefragt. oder sie versteht sich nicht mit ihrer mutter und diese möglichkeit bleibt ihr deshalb verschlossen. Zitat:Er nahm einen Schluck schwarzer Bitternis und stellte den Kaffeebecher "schwarze bitternis" ist eine echt tolle beschreibung, ich werde bei meinem nächsten kaffee daran denken. wobei, wenn ich ihn mit milch trinke ist es "hellbraune bitternis" *g* Zitat:„Ich habe dich so oft gebeten, deine Verbitterung nicht an mir auszulassen, mit mir zusammenzuleben als ob nichts geschehen sei. Aber es ist nur schlimmer geworden. Jeden Tag. Bis sich deine Verbitterung in Gemeinheit verwandelt hat. Als ob ich an allem Schuld wäre.“ okay. hier steckt ganz viel begründung drin, warum sie von ihm weg will. er ist gemein zu ihr, aber ich nehme an, eher auf der psychischechen ebene. ich denke mal, es ist dieses typische "auseinanderleben", er scheint sie nicht mehr großartig zu beachten, so wie er es jetzt schon die ganze zeit versucht. ich denke mal er würde jetzt viel líeber seine wolken betrachten, als mit ihr zu reden. Zitat:Ich lasse dich jetzt allein. Ganz allein.“ hier ist eine art wendepunkt. sie kam ja am anfang zu ihn mit dem festen entschluss zu gehen. ihm war es eher gleichgültig. aber ab hier bekam ich das gefühl, dass er sie geradezu rauswerfen will. ich denke, dass sie insgeheim gehofft hat, dass er sie zurückhalten würde. wenn er einen schritt in ihre richtung getan hätte, wäre sie vllt bei ihm geblieben. zumal sie ihn ja noch liebt. Zitat:„Und aus dem Fenster schauen wie jeden einzelnen Tag in den Jahren, die wir schon allein sind?“ allein? warum sind sie allein? sie sind doch zusammen. Zitat:während sie mit gebeugtem Haupt an ihm vorüber schlurfte und die schweren Schuhe kaum den Kontakt zum Stahlboden verloren. die haben stahlboden in ihrer küche? Zitat:Endlich drehte sich Clara um und ging den Gang entlang, am Zimmer der Pfleger vorbei Richtung Lobby. pfleger? lobby? aha. wir scheinen uns in heim zu befinden. gut, dass kann einfach nur daran liegen, dass beide alt sind. interessanterweise kann es aber auch bedeuten, dass edgar irgendeine eine krankheit hat, die dazu führt, dass ihm alles egal ist. da gibts ja die kuriosesten dinge. Zitat:Edgar schloss die Tür und ging zum Fenster zurück hier kannst du ruhig mal nen punkt hinmachen *g* Zitat:aber wenn sie weinte, spürte er noch etwas. hier hab ich mich mal kurz gefragt, ob es nicht doch heißen soll Zitat:schattenschwarzen Wolken und versank in seinen düstesten Gedanken. der letzte satz. ein weiter hinweis darauf, dass er an einer art depression erkrannt ist. zum stil: war, wie gewohnt, alles einfandfrei, schön flüssig zu lesen und ich bin schnell durchgekommen. du beschreibst alles ganz wunderbar, die wolken, clara wie sie da steht. da fällt mir auf, dass du auch ruhig auf edgars innenleben mehr hättest eingehen können. die leere in ihm und auch die wut in ihm, als er clara rauswirft, weil er allein sein will. der inhalt: irgendwie fehlt mir, was besonderes. ich weiss nicht, so geschichten wo sich zwei einfach auseinandergelebt haben, gibts ja öfters. das die zwei sich nach so vielen jahren trennen ist schon ein bisschen ausergewöhnlich. und es ist zwar eine kleine überraschung, dass sie beide in einem heim wohnen, aber damit, dass zu dem besonderem wird, hättest du da näher drauf eingehen müssen. z.b. in der art, das clara "nur" aus dem gemeinsamen zimmer auszieht und gleich darauf im nebenzimmer einzieht, oder in ein anderes heim verlegt wird, sowas in der art. alles in allem, aber interessant. einfach dadurch, weil man solch "alten" menschen so eine trennung im allgemeinen nicht zutraut. lg Lady Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci- Wörterwelten |
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