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VI03: Mein kleiner Mond
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11-11-2008, 01:59
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11-11-2008 02:14 von talblick.)
Beitrag #1
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VI03: Mein kleiner Mond
Mein kleiner Mond
Ein schmaler Strich aus Licht zieht sich zwischen hier und wirklich - Du ziehst ihn nach, um immer wieder innezuhalten mit der Frage nach dem Ob, dem Wo. Vielleicht? Viel Licht. Viel nicht. Unbeantwortet ins Dunkel verläuft sich jede Erwiderung, jeder Widerstand, wieder und wieder. Die Kulissen abgedunkelt, kreisen nur wir, konzentrisch konzentriert und können bis zum Morgen bleiben bis die auf Widerruf gestohlene Zeit sich drohend materialisiert. Der Mond zur Warnung auf die Mauer gegenüber gespießt, vom Horizont geworfen. Sternenhimmel getilgt, den Du mir offenbart: geleugnet, geneidet, geraubt, ein in Helligkeit verschlucktes Hologramm. Es bleibt ein Hauch von Dir bei mir. 11. November 08 Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright) Prinzessin von Kagran |
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12-11-2008, 23:54
Beitrag #2
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RE: VI03: Mein kleiner Mond
Hallo talblick,
manchmal ist es seltsam, wie lange man wortlos mit dem Bild eines Gedichts im Kopf bleiben kann, das sich nicht in Buchstaben lösen will. Und wie lange man mit sich ringen kann, einen Kommentar mit so einem Satz zu beginnen. Aber vielleicht muss das so. Dein Gedicht trägt eine ganz eigene Stimmung, eine ständige Bedeutungsverschiebung. Man ist sich fast sicher, Ich redet mit einem Menschen, da schweift der Blick zum Titel und der Mond ist wieder Ansprechpartner - und schon zeigt sich der Mond als Erdtrabant und wenn man so will als Trabant von jedem, der auf der Erde ist, und das Bild interpretiert sich zurück auf eine Beziehungsebene. Und so ging es mir beim Lesen fast versweise. Es liest sich harmonisch und doch entfremdet; als wäre die Nacht eine Auflösung von Ort- und Zeitdifferenzen, als gäbe es genau betrachtet nur einen Ort, an dem sich Mond und Ich treffen können. Aber eben nur kurz, nur bedingt, auf einem schmalen Strich aus Licht, Tagüberrest, doch mehr und weniger zugleich. Bei Tag verliert sich Mond, verkommt ebenfalls zum Hologramm, Teil des Bildes, das die Nacht vorspielte - oder das der Tag versteckt, das weiß man bei Sternenhimmeln nie so genau. Mir gefällt dein Gedicht sehr; der Titel hat etwas Behutsames, das die Unsicherheit, dieses Hin und Her im Gedicht etwas tilgt. Auch die Wut am Ende, als die Nacht vorbei ist und Mond verschwindet, als wäre er schuld daran, dass die Nacht vergeht. Ob er's ist? Die eingeschobene, kursive Zeile zeigt den Charakter, für den Mond am Ende angeklagt wird (Vielleicht? Viel Licht. Viel nicht) Hell und dunkel zugleich, es scheint immer alles gleichzeitig zu sein in diesem Gedicht, Bedeutung, Zeit, Ort, aufgelöst in der Nacht wie eine Brausetablette. Gelungen. Zitat:und können bis zum Morgen bleibenbleiben, ... (geht schließlich mit einer Konjunktion weiter) Zitat:die auf Widerruf gestohlene ZeitDiese Formulierung ist sehr schön, eine von vielen sehr schönen. Zitat:Es bleibt ein Hauch von DirIch musste unwillkürlich an eine Zeile denken, die mich immer wieder zum Lächeln bringt: Ich geh jetzt in mich, und wenn ich wieder rauskomm, bin ich außer mir - und bei dir. (Dota Kehr - Mediomelo) Liebe Grüße, Libertine ... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet, in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne) Avatar von Eddie Haspelmann |
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13-11-2008, 01:32
Beitrag #3
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RE: VI03: Mein kleiner Mond
Hallo Libertine,
komisch, gerade Dein Einleitungssatz hat mich stutzig gemacht und sehr nachdenklich... wie lange man wortlos mit dem Bild eines Gedichts im Kopf bleiben kann, das sich nicht in Buchstaben lösen will. - Du weißt ja, glaube ich, in welcher Zeit (also, Zeitspanne) das Gedicht entstanden ist, wie (also, auf welche Art) ich mir ein nicht näher bezeichenbares "alles" sozusagen von der Seele geschrieben haben und dann, sozusagen noch tintenfeucht hier hereingeworfen habe, unredigiert sozusagen ins kalte Wasser. Und jetzt, wo ich es mir immer und immer wieder durchlese fange ich salbst an, Dinge darin zu sehen, die vorher, beim Schreiben noch nicht da waren oder zumindest nicht in dieser Form, in dieser Gewichtung... To cut a long story short: ich kann Deine Gedanken absolut nachvollziehen. Zitat:Man ist sich fast sicher, Ich redet mit einem Menschen, da schweift der Blick zum Titel und der Mond ist wieder Ansprechpartner - und schon zeigt sich der Mond als Erdtrabant und wenn man so will als Trabant von jedem, der auf der Erde ist, und das Bild interpretiert sich zurück auf eine Beziehungsebene.Ja, das war beabsichtigt. Für mich persönlich hat der Mond auch eine starke Doppel- bzw. Mehrfachbedeutung - man sehe es also als Metapher, als Himmelskörper oder Kosename wie es gerade beliebt... Zitat:als wäre die Nacht eine Auflösung von Ort- und Zeitdifferenzen, als gäbe es genau betrachtet nur einen Ort, an dem sich Mond und Ich treffen können.Das hast Du schön gesagt. Und gut ausgedrückt, was ich sagen wollte! Die "auf Widerruf gestohlene Zeit" habe ich übrigens nur geliehen, von Ingeborg Bachmann. Die stundet ihre Zeit auf Widerruf. Aber es war passend. Entschuldige. Zitat:Ich musste unwillkürlich an eine Zeile denken, die mich immer wieder zum Lächeln bringt:Schon komisch, die Assoziation dürfte ein sehr alter Hut sein. Ich mußte - beim Nochmallesen, anfangs war es mir gar nicht aufgefallen, an eine Zeile von den Helden denken: Ich stehe völlig neben mir, nicht glücklich weil nicht neben dir (...) Ich bin außer dir gar nicht hier. Vielen Dank, daß Du Dich mit meinem Gedicht befaßt hast und natürlich auch für die lobenden Worte. Auf Wiederlesen! t. Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright) Prinzessin von Kagran |
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