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Uns fielen Gesichter zu
15-11-2008, 13:31 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17-12-2008 16:41 von poLet.)
Beitrag #1
Uns fielen Gesichter zu
Uns fielen Gesichter zu
die sprachlos blieben
mimisch gedrängt
ums Erkennungsmal

uns schoben die Berge her
wo Heimlichkeiten
lidhaften Schluss
zulassen | banal

ließen uns die Schriften leer
zurück|gehalten
Grabplattenschwur

uns passieren Leben nur

"Now when all the bandits that you turned your other cheek to
All lay down their bandanas and complain
And you want somebody you don't have to speak to
Won't you come see me, Queen Jane?
Oh, won't you come see me, Queen Jane?"
Aus: "Queen Jane approximately", Bob Dylan
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30-11-2008, 14:10
Beitrag #2
RE: Uns fielen Gesichter zu
Hallo poLet,

Schade, daß Dein Gedicht bis dato ohne Kommentar bleiben mußte, aber nicht verwunderlich. Im Gegensatz zu ... sagen wir mal ... 80% der hier eingestellten "Werke" liegt mit Deinem Gedicht ein Stück hochwertiger Lyrik vor mir, das man erst einmal verdauen muß. Und das geht eher schwer, wenn man nicht weiß, was eine Metapher ist Icon_wink

Uns fielen Gesichter zu - allein der Titel ist stark und verwirrt, so wie viele Deiner Bilder. Ich muß gleich anmerken, ich bin keine große Interpretationskünstlerin, ein Gedicht erzeugt zwar ein Gefühl in mir und Deines ein besonders starkes, doch ich kann dieses Gefühl meist nicht zur Genüge zu Papier (bzw. zu Tastatur) bringen. Außerdem ist mir das Ratespiel "Hier meint der Dichter, daß..." schon seit Schulzeiten zuwider. Bitte begnüge Dich damit, daß mir Dein Gedicht gefällt!

zwei Anmerkungen hätte ich dennoch:

Zitat:ließen uns die Schriften leer
Warum schreibst Du hier nicht: uns ließen die Schriften leer, um in "die Form", die Du allen Deinen Strophen gegeben hast, weiterhin zu passen. Ich sehe keinen zureichenden Grund, oder hängt das irgendwie mit dem "banal" zusammen?

Zitat:uns passieren leben nur
uns passieren Leben nur. ich verstehe die Zweideutigkeit des Passierens und somit auch die zwei Einsätze des Lebens, doch es liest sich irgendwie falsch.

Schade finde ich auch, daß Du dem Gedicht keinen eigenständigen Titel gegeben hast, sondern die erste Zeile der (in meinen Augen am Besten gelungenen) ersten Strophe als Titel hernimmst und sozusagen durch die Formatierung die Stärke des Gedichtanfangs zergatscht.

Auf Wiederlesen!
t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran
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14-12-2008, 14:53 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14-12-2008 14:54 von bianca.)
Beitrag #3
RE: Uns fielen Gesichter zu
Hallo poLet,

hui, hier gibst du dem Leser eine schwere kost Icon_wink

Erst einmal finde ich es interessant, dass du den Titel mit in das Gedicht einbaust, das ist mir allerdings noch nie untergekommen *lach* und auch deine Zeichensetzung ist ungewohnt, macht aber neugierig.
Jede einzelne Strophe zu interpretieren ist recht schwierig, da ich denke, dein Gedicht ergibt nur im Ganzen einen Zusammenhang, zumindest in meinen Augen. In deinen Worten etwas zu lesen, erscheint ebenfalls anfangs schwierig, da du eine sehr geheimnisvolle, bildliche und mit metaphern angereicherte Sprache gewählt hast. Auf der einen Seite liebe ich es, Gedichte "auszupacken", sprich, hinter den Worten zu lesen, auf der anderen Seite macht es das Gedicht um sehr vieles unnahbarer. Was nicht heißt, dass es das Gedicht dadurch schlechter macht Icon_wink
So, jetzt aber zu Wesentlichen: Ich glaube, du gehst hier ein wenig auf die Gesellschaft ein. Irgendwie habe ich das Gefühl, du willst ausdrücken, wie unbedeutend der Einzelne darin werden kann. Und ja, das würde sehr traurig sein, dadurch eine passende und verständliche Rubrik, die du gewählt hast. Insgesammt kann ich sagen, dass mir dein Gedicht sehr gut gefallen hat. Auch wenn ich beim ersten Durchlesen vor einem Fragezeichen stand, was den Inhalt betraf, so konnte ich da schon sagen, dass es mir rein vom Sprachlichen und vom Aufbau gut gefallen hat.
Es liest sich auf jeden Fall sehr schön. ^^
Also: gerne gelesen

liebe grüße
bianca

"kein Mann ist so stark wie eine Frau, die schwach wird" (Hans Holt)
Biancas kleine Werke
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17-12-2008, 16:40
Beitrag #4
RE: Uns fielen Gesichter zu
Schönen tach, Talblick!

Ich möchte mich für die knapp 60% Deines kommentars bedanken,
& auf die restlichen -sagen wir- mindestens 38% Deiner anmerkungen
gerne eingehen! Icon_wink
Zitat:Warum schreibst Du hier nicht: uns ließen die Schriften leer, um in "die Form", die Du allen Deinen Strophen gegeben hast, weiterhin zu passen. Ich sehe keinen zureichenden Grund, oder hängt das irgendwie mit dem "banal" zusammen?
- jawohl! - Wobei das "uns" an dieser stelle das problem darstellen könnte...
die 'form', die Du meinst, wird ja im letzten vers wieder aufgenommen, um
das gedicht abzuschließen/-runden.
Zitat:uns passieren Leben nur. ich verstehe die Zweideutigkeit des Passierens und somit auch die zwei Einsätze des Lebens, doch es liest sich irgendwie falsch.
- auch: ja! Du hast zweifellos recht! Es ist so falsch, also werde ich ein
großes "L" hinein...äh...tippen!
Zitat:Schade finde ich auch, daß Du dem Gedicht keinen eigenständigen Titel gegeben hast
- (diesmalIcon_smile nö. Ich kann Dein "schade-finden" nicht nachvollziehen, von grundauf nicht, aber auch hier: es könnte die 'angeschriebene' banalität verstärken oder denunzieren, ich halte es für wichtig!
Herzlichst Danke für Deinen schönen kommentar & die beschäftigung mit
meinen zeilen!

Auch schönen tach, Bianca!
Zitat:Erst einmal finde ich es interessant, dass du den Titel mit in das Gedicht einbaust, das ist mir allerdings noch nie untergekommen *lach* und auch deine Zeichensetzung ist ungewohnt, macht aber neugierig.
- so? Ehrlich gesagt, ich halte beides für nicht besonders extravagant.
Nennen wir sie stilmittel, die gibt es aber schon seit jahrzehnten...aber wenn neugier beim leser rauskommt, ist ja alles gut! Icon_cool
Zitat:Ich glaube, du gehst hier ein wenig auf die Gesellschaft ein. Irgendwie habe ich das Gefühl, du willst ausdrücken, wie unbedeutend der Einzelne darin werden kann.
- jain...beim schreiben schwebte mir schon eine paarbeziehung vor -(nu, für die ganz vereinsamten vielleicht schon ein stück 'gesellschaft!)-, aber mal dahingestellt; es beherbergt eine unbestimmte passivität -würde ich sagen!-, die am ende zugleich abstoßend & versöhnlich sein kann...& jedes "wir sind" in frage stellt.
Jedenfalls: ich bin poLet
& sage Dir ebenso herzlich Danke!
Schön, dass es Dir gefallen hat!

Euch beiden, grüße,
poLet

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13-02-2009, 20:12
Beitrag #5
RE: Uns fielen Gesichter zu
Hallo poLet,

habe ich das echt noch nicht kommentiert? Sehr seltsam, bin stark davon ausgegangen, dass ... weil, es ist wirklich eins meiner absoluten Lieblingsgedichte von dir. Durch und durch gelungen! *wow* ...

Zugegebenermaßen bin ich etwas sprachlos - so eigentümlich die Stimmung, der Titel, der zugleich erste Gedichtzeile ist. Dieses unfassbare Fremdsein, Entfremden, Wegsehen, Verlieren ... so lapidar festgestellt, einfach so ... keine Ahnung, eine leise Wahrheit, die einem das Herz zusammendrückt.

Und diesmal ohne Vergangenheit, obwohl in deinen Gedichten irgendwie immer etwas leicht "historisches" mitschwingt - doch diesmal ganz nah, in der Gegenwart, in diesem Moment.

Die zweite Strophe find ich am stärksten ... einfach nur: WOW!

Ja, kein hilfreicher Kommentar, aber vielleicht freust du dich einfach Icon_wink ...

Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)
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20-02-2009, 02:37
Beitrag #6
RE: Uns fielen Gesichter zu
Icon_jump
...freut mich, Zack!

Um Dir das herz wieder etwas zu öffnen:
es handelt sich bei allem missverstehen & widersprechen um sich verpassende
worte, um leere kammern, die beieinander liegen.
Du hast recht, das präsens ist wichtig in diesem gedicht.
Reduktion auf eine ungeschminkte essenz,
eine existenz des "wir" jenseits der sprache.

Mir fiel ein gesicht zu,
das Dich grüßt,
poLet

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