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Das Rote Palais: Die Totenwächterin von Helene Henke
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10-04-2009, 23:52
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10-04-2009 23:58 von Helene.)
Beitrag: #1
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Das Rote Palais: Die Totenwächterin von Helene Henke
Obwohl mein Erstling fast ein Jahr alt ist, möchte ich ihn euch ebenfalls gerne vorstellen. Zumal Teil zwei "Das Rote Palais: Der Gottvampir" im Juli 2009 folgen wird.
Inhalt "Das Rote Palais: Die Totenwächterin" Sieben Verlag Wenn Menschen in Konflikte mit Vampiren geraten, wenden sie sich an die Detektivin Leyla Barth. Deutschland plant den Vampirismus zu legalisieren, doch es gibt Widerstände auf beiden Seiten. Die Polizei bittet Leyla um Mithilfe bei der Aufklärung mysteriöser Morde an Vampiren. Das Multiplexkino Aurodom gerät ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Es ist in fester Hand des Meistervampires der Stadt. Er setzt den Charme eines vollendeten, fünfhundert Jahre alten Gentlemans ein, um Leyla für sich zu gewinnen. Hat er mit den Morden zu tun? Die Ermittlungen führen Leyla zu Thetania e.V., einer als Verein getarnten Sekte, die sich den Schönheits- und Jugendwahn der Menschen zunutze macht. Leseprobe: Wie erwartet fand sie dort eine Akte mit Fahndungsfotos und eine Notiz von Rolf, mit der Bitte die Aussage von Rudger zu übernehmen. Sein Erscheinen auf dem Revier hatte demnach nichts mit den gestrigen Ereignissen zu tun. Rudger erwiderte ihren Gruß mit einem Nicken und nahm auf der anderen Seite des Tisches Platz. Leyla saß mit dem Rücken zu der Glasscheibe, hinter der sich das Großraumbüro befand und beobachtete, wie Rudger die Fahndungsbilder sichtete. Er blätterte mit bedachten Bewegungen in der Akte und betrachtete jedes Bild mit ruhiger Konzentration. Zum ersten Mal fühlte sie sich befangen in seiner Gegenwart, was vermutlich mit den Ereignissen am Vorabend im Aurodom zusammenhing. Sie dachte an Evelyn, an Vincent und an den Kuss auf der Bühne. Es hatte sich etwas zwischen ihnen verändert. Leyla richtete sich in ihrem Stuhl auf und straffte die Schultern. Das half ihr dabei, ihre Gedanken zu ordnen. „Warum helfen Sie der Polizei?“ Augenblicklich spürte sie Hitze aufwallen, als sie errötete. Die Frage war ihr rausgerutscht. Das war ihr noch nie passiert. Schließlich erklärte Rudger sich nicht zum ersten Mal dazu bereit, der Polizei bei Fahndungen behilflich zu sein. Er blickte sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und klappte die Akte auf dem Tisch zu. Seine Mundwinkel zuckten. „Ich revanchiere mich.“ Er machte eine kurze Pause und forschte in ihrem Gesicht. „Eure Gesetze waren bislang von Vorteil für mich. Mir gefällt diese Entwicklung der Zivilisation, weil sie Ordnung schafft.“ „Und die Polizei vom Roten Palais fernhält.“ Sie stellte erleichtert fest, dass sie ihre Fassung wiederzugewinnen schien. Er lächelte und nickte. „Ihre Kollegen beobachten uns“, bemerkte er und blickte an ihr vorbei durch die Glasscheibe. „Ja, sie haben einen Heidenspaß, doch in Wahrheit haben sie Angst vor Ihnen.“ „So? Wovor fürchten sie sich?“ Er spreizte die Finger wie Fächer auf der Tischplatte und lehnte sich zurück. Das kalte Neonlicht brach sich in seinem Siegelring und ließ ihn funkeln. „Sie glauben, dass Vampire die Weltherrschaft übernehmen wollen.“ Langsam beugte er sich vor, wie jemand, der seinem Gegenüber etwas zuflüstern will. Seine Hände schoben sich über die Tischplatte in ihre Richtung. Ihre Fingerspitzen kribbelten und sie widerstand dem Impuls ihre Hände zurückzuziehen. Die Luft im Raum schien zu knistern als hätte sie sich statisch aufgeladen. Die Härchen auf Leylas Armen richteten sich auf. „Die Weltherrschaft? Wir sind die Herrscher der Nacht, meine Liebe und das werden wir auch bleiben. Der Tag ist uns verwehrt. Vampire sind weder organisiert noch kontrollierbar.“ Seine gedämpfte Stimme war sandig und überzog Leylas Haut mit einem Prickeln. Irgendetwas berührte sie, streichelte zärtlich über sie hinweg und erreichte jeden Winkel ihres Körpers. Sie fühlte ihr Innerstes nach außen kehren. Schnell warf sie einen prüfenden Blick auf seine Hände. Sie lagen nach wie vor regungslos auf der Tischplatte. „Doch das Wichtigste ist, wir sind nicht daran interessiert.“ Er machte eine Pause und sah sie intensiv an. Heiße und kalte Schauer fuhren im Wechsel über ihren Rücken. Das Atmen fiel ihr schwer. Meine Güte, sah der Mann gut aus. Der Gedanke war einfach da. Unerwartet aufgetaucht aus ihrem Unterbewusstsein entzog er sich jeglicher nüchterner Überlegung. Sie schob ihre feuchten Hände unauffällig über die Tischplatte, um eine kühlere Stelle zu erwischen. „Das hört sich an, als seien Vampire schlicht zu bequem dazu?“ Erleichtert vernahm sie, dass ihre Stimme fest und sachlich klang. Er musste aufgestanden sein, denn sein Gesicht befand sich nun unmittelbar vor ihr. Für einige Sekunden starrte sie auf den verlockenden Schwung seiner Lippen. Samtweiche Lippen deren fester Druck ihren Verstand benebelt hatte. Es war nur ein Kuss gewesen, nicht von Bedeutung sondern eine Showeinlage. Vermutlich stand jeden Abend eine Frau aus dem Publikum auf der Bühne und erlag dem betörenden Charme des Meistervampirs. Sie räusperte sich und schaffte es nicht zurückzuweichen. „Wir leben doch schon ewig, mina Fagreþæ. Es besteht keine Notwendigkeit uns mit großen Taten ein unvergessliches Denkmal zu setzen. Dieser Ehrgeiz ist eine menschliche Eigenart.“ Während er sprach blitzten ebenmäßige Zahnreihen zwischen seinen Lippen. Seine Reißzähne waren selbst auf diese kurze Distanz nicht zu sehen. Sie wollte ihn nicht anstarren, doch anders schaffte sie es nicht, die aufsteigende Panik und den instinktiven Drang nach Flucht zu unterdrücken. „Die Menschen hetzen durch das Leben, um eine Antwort auf die Sinnfrage ihrer Existenz zu finden. Wir hingegen sind Wesen der Leidenschaft und des Genusses.“ Sein Gesicht zog sich so schnell zurück, dass Leyla erschrak. Seine halbgeschlossenen Lider öffneten sich in Zeitlupe und ehe sie sich versah, versank sie in seinem tiefen Blick. Das Zimmer um sie herum verschwand im Nebel. Es blieb nichts anderes als das unergründliche Mitternachtsblau seiner Augen. Ein brennendes Verlangen keimte in ihr auf und ließ den Moment so intim erscheinen, als hätte er sie in Gedanken hier vor den Augen ihrer Kollegen auf den Tisch geworfen und mit ihr geschlafen. Zum Glück sahen die Männer hinter der Glasscheibe lediglich zwei Leute, die sich in einem harmlosen Gespräch gegenübersaßen. Mit aller Kraft entriss sie sich seinem Blick und schaute auf die Wanduhr hinter ihm, nur um sich zu beweisen, dass sie dazu in der Lage war. Mit einem tiefen Atemzug löste sich die Anspannung in ihrem Hals. „Das reicht. Lassen Sie die Spielchen, Meister.“ Sie zog ihre Hände zurück und verschränkte sie vor der Brust. Obwohl sie innerlich kochte, setzte sie ihr engelhaftestes Lächeln auf und wartete auf seine Reaktion. „Es ist dieses Mal niemand dabei“, sagte er. „Bitte?“ Ihr Blick fiel auf die Akte, die er über den Tisch schob. Sein plötzlicher Stimmungswechsel überkam sie wie ein eiskalter Regenschauer. Dabei wurde immer von Frauen behauptet, dass sie zu schnell von einem Thema zum anderen wechselten und man ihnen nur mit Mühen folgen konnte. Solche Leute sollten sich mal mit einem Meistervampir unterhalten. „In Ordnung. Danke. Ich werde es Kommissar Fuhrmann ausrichten.“ Leyla erhob sich gleichzeitig mit ihm. „Wir sehen uns morgen Abend“, sagte er und begab sich zur Tür. Er würde wie üblich die Kellertür des Präsidiums aufsuchen und von dort aus die stillgelegte Unterführung benutzen. Leyla stieß die Luft aus und blickte noch eine Weile auf die geschlossene Tür. Es ärgerte sie, dass er in der Lage war, in ihr derart wechselhafte Emotionen auszulösen und sie gleichzeitig zu faszinieren. Morgen Abend, wiederholte sie in Gedanken seine Worte. Soviel von mir Herzliche Grüße Helene Henke |
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