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Die Verführung des Dichters
02-09-2009, 21:53 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04-11-2009 19:32 von Dante.)
Beitrag: #1
Die Verführung des Dichters
Ich weiß wieder nicht, ob diese Geschichte wirklich in Emotionen passt. Falls nicht, tuts mir leid, aber ich habe auf den ersten Blick keine bessere Kategorie gefunden.

Das kommt dabei heraus, wenn wir im Unterricht über "artistisch-gehobenen Sprachgebrauch" reden. Icon_smile

Ich glaube, wer den Werther von Goethe mag, wird auch dieses hier lieben.

Die Verführung des Dichters

Elysisch dein Anblick, doch drakonisch deine Strafen, oh Herrin der Dunkelheit! Wie ich dich fand, nein, wie du mich fandest, aufspürtest, als ich, ziellos und wirr in den schmutzigen Gassen umherirrend meine Nacht zu verbringen gedachte!
Ja, ich Narr hatte nichts besseres zu tun als zu so später Stunde meiner Gier nach Tabak nachzugeben, meinem niederen Drang nach Nikotin, den ich schon seit Jahren nicht zu zügeln vermag.
So nahte ich nun wieder, schwankender Gestalt, torkelte Richtung Tankstelle, dem verschmutzten, degenerierten und sich selbst durch seine eigene, flackernde Neonreklame geradezu narzisstisch beleuchtenden Sammelpferch für Verkommenheit aller Art!
Doch kurz bevor ich die unsicheren Schritte meines unvollkommenen Leibes näher an diesen primitiven Pfuhl lenken konnte – da vernahm ich dich, deinen Ruf, deine engelsgleiche Stimme, wie du mich, einer Königin, nein, Kaiserin gleich vor deinen Thron zitiertest!

Und ich –
Ich folge dir!

Zögerlich erst, dann immer energischer durch das Geflecht finsterer Nebenstraßen und Gassen eilend, deinem Gesang folgend, wie eine Nachtfalter, der auf die einzige Lichtquelle weit und breit zufliegt, auf Wärme und Geborgenheit hoffend!
Ich renne, meine Muskeln brennen wie unauslöschliches Feuer, doch ich nehme nichts davon wahr, zu viel Wonne pumpt das lodernde Herz in mein Gehirn, und welch größere Qual ist es doch, von dir getrennt zu sein, Engel, Walküre! Bist du gekommen, mich heimzurufen in das himmlische Reich hochdroben?
Da! –
Endlich! –
Endlich biege ich um die letzte Ecke, die mir den Blick nahezu bösartig verstellt, und erblicke dich!
Dieser Augenblick brennt sich in mein Gedächtnis ein und lässt mein gesamtes Sein bis zu diesem einen, vollkommenen Moment zusammenschrumpfen, verblassen, verkommen zu einem Scheinleben in den stinkenden Eingeweiden dieser Stadt, geführt wie ein Schlafwandler auf seiner nächtlichen Reise ins Verderben.
Wie göttergleich du aussiehst, Wundervolle!
Deine alabasterfarbene Haut glänzt im kalten Mondesschein wie das purste, reinste Licht, welches in seiner Perfektion nicht auf dieser niederen Welt zu finden ist. Ich wanke, volltrunken von deinem Anblick, oh Göttin, näher heran, und deine Präsenz umfängt mich ganz und gar wie eine wohlige, warme Decke im tiefsten Winter.
Dein Korsett aus nachtdunklem Leder schmiegt sich an deine perfekte Figur, warm und weich, umspielt deine Brüste, die so wohlgeformt sind, dass sich selbst der gottesfürchtigste und frigideste Mann bei ihrem Anblick versündigen muss, denn sie sind die Äpfel, aus denen die Sünde erst geboren wurde! Fast kann ich den Geruch des Leders, gemischt mit deinem betäubenden, süßen Duft riechen – ja, ich sauge ihn in mich ein, bis er mich erfüllt, ausfüllt und alle Erinnerung an anderes auslöscht. Deine unermesslich langen Beine, makellos weiß und nur von dem schwarzen, sich im Nachtwind wiegenden Rock bedeckt, der mir unablässig die schönsten Vorstellungen trauter Zweisamkeit eingibt, vor denen ich wegen deiner engelsgleichen Erscheinung zurückschrecken muss – diese Beine, sie verzaubern mich!
Immer näher komme ich dir, und ich würde alles für dich tun, Herrin, würdest du mir nur den Befehl dazu erteilen, ich wäre dein willigster Diener, dein Sklave!
Oh, dein überirdisches, langes seidiges Haar, welches, schwarz wie Ebenholz, dein perfektes Gesicht umrahmt – auf diesen elfengleichen Zügen kann ich – darf ich es wagen, zu glauben, zu hoffen, ich unwürdiger Erdensohn? – Freude erkennen! Ja, auf deinen blutroten, vollen und geschwungenen Lippen, deren Anblick allein schon ein ganzes Menschengeschlecht verzaubern könnte, spielt ein wundersüßes Lächeln!
Endlich, ich bin bei ihr, der fleischgewordenen Gottheit, endlich bin ich ihr so nahe, dass ich sie berühren könnte – doch ich wage es nicht! Ich stehe direkt vor ihr, und doch kann ich nichts weiter tun als mich vor Lust und Leidenschaft zu verzehren –
Da!
Sie breitet ihre Arme aus, umfängt mich – und drückt ihre vollkommenen Lippen auf die meinen! Ein Kuss! Ich armer Sterblicher bettle um die Ewigkeit, um diesen einen Moment für immer auskosten zu können. Oh Herrin, ich tue alles, was ihr von mir verlangt, nur, um noch einen Atemzug von meiner lächerlichen Zeit länger bei dir verbringen zu dürfen –
Sie küsst meinen Hals, Feuer durchpeitscht meine Venen –
Aber –
Was ist das? Spüre ich ihre Zähne?
Ja…
Sie beißt mich!
Reißt mir den Hals auf!
Doch ich – ich spüre nur Glückseligkeit, obwohl sie mich vernichtet.
Meine Herrin labt sich an mir, und mir wird endlich das zuteil, was sonst niemandem auf dieser armen Erde jemals vergönnt sein mag, denn ich werde Teil einer Gottheit sein –
Lüstern leckt sie sich meinen roten Lebenssaft von ihren vollen Lippen –
Sie macht mich geil, ich leide Qualen –
Und dann beginnt sie wieder, von mir zu trinken, wie aus einem Weinpokal.
Mir wird kalt, meine Kraft und mein Bewusstsein schwinden, doch, oh arme Welt: Ich sterbe in dem Wissen, dass ich das größte aller Wunder gesehen habe, und dieses Gefühl ist über all meine jahrelange Worthascherei erhaben …

---

Als das Poetenherz endlich aufhörte zu schlagen und die Vampirin an einer trockenen Arterie saugte, warf sie den vollkommen blutleeren Körper achtlos zwischen die Mülltonnen des Hinterhofs, auf den sie ihr Opfer mit ihrem Sirenengesang gelockt hatte. Sie seufzte und wischte sich mit einem bestickten Taschentuch aus feinster Seide den letzten Rest der roten Flüssigkeit aus den Mundwinkeln.
Dann sprach sie leise in die tiefe Nacht:
„Super, wieder so ein verkrachter Vorstadtdichter. Verflucht, gibt’s die denn überall? Ihr Blut mag zwar gut sein, aber ihr Maul muss man denen immer doppelt und dreifach stopfen…“

Mit einem letzten, verachtenden Blick auf den Toten wandte sie sich um und verschmolz mit den Schatten.

"Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt." - Mark Twain

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03-09-2009, 20:00
Beitrag: #2
RE: Die Verführung des Dichters
Hi Dante!

Da dies das erste ist, was ich von dir lese, bin ich natürlich umsogespannter. ^^

Zitat:Doch kurz bevor ich die unsicheren Schritte meiner unvollkommenen Gestalt
Gestalt hast du im Satz davor schonmal ... empfinde ich als Dopplung. Icon_wink In den Stil würde vielleicht "unvollkomenen Leib" passen.

Zitat:von dir getrennt zu sein, Engel, Walküre!
Das "Engel, Walküre" bräuchte noch eine Abtrennung, finde ich. Sei es in Form eines "oh" oder eines "du", oder auch durch einen Spiegelstrich. Mrgreen

Zitat:Dieser Augenblick
Ist so ne halbe Dopplung mit dem "erblickte" aus dem letzten Satz. Alternative vielleicht: "Moment"

Zitat:vollkommenen Moment zusammenschrumpfen
Vielleicht dann hier "Augenblick" das würde weiter weg vom "blickte stehen". Icon_wink

Zitat:Deine alabasterfarbene Haut glänzt im kalten Mondesschein wie das purste, reinste Licht, was in seiner Perfektion nicht auf dieser niederen Welt zu finden ist.
Hm ... wenn dann bitte konsequent: "welches" statt "was" Icon_smile Vom Klang her für mich noch etwas passender wäre "wie es in seiner Perfektion ..."

Zitat:denn sie sind die Äpfel, aus denen die Sünde erst geboren wurde!
Icon_lol

Zitat:langes seidiges Haar, was, schwarz wie Ebenholz
Auch hier scheint mir das "was" nicht ganz in den Stil zu passen.

Zitat:Sie beißt mich!
Reißt mir den Hals auf!
Tz ... immer diese Vamprinen, haben auch keinen Sinn für den Augenblick.

Zitat:„Super, wieder so ein verkrachter Vorstadtdichter. Verflucht, gibt’s die denn überall? Ihr Blut mag zwar gut sein, aber ihr Maul muss man denen immer doppelt und dreifach stopfen…“
Leerzeichen vor den Dreifachpunkten. Icon_smile

Also der schwülstige "Poetenstil" ist dir wirklich gut gelungen. Und darum dreht sich diese Geschichte ja auch. Inhaltlich bietet sie wenig, aber dank der teilweise fast schon lustigen Wortwahl, hab ich sie trotzdem gerne gelesen. Der Gegensatz zwischen Dichter- und Vampirsprache ist gut gelungen, aber nicht besonders überraschend. Icon_wink
Was bleibt zu sagen? Möge mich dieser Stil niemals aus einem Roman anspringen!

Gruß vom Wanderer

... ihr seid ja nur neidisch, dass ihr die Stimmen nicht hört!

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten
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07-09-2009, 10:49
Beitrag: #3
RE: Die Verführung des Dichters
Hallo Dante,

ich find's immer sehr spannend, wenn unsere "Neuen" was einstellen.
Wie immer gilt: Du musst nicht alles übernehmen, sondern natürlich nur das, was dir passend erscheint. Icon_smile
Also los geht's:

Zitat:So nahte ich nun wieder, schwankender Gestalt, torkelte Richtung Tankstelle, dem verschmutzten,

Ah, Tankstelle!. Das bedeutet wir befinden uns im Jetzt. Aufgrund der Sprache hatte ich schon beinah angenommen wir wären irgendwo in früheren Zeiten.

Zitat:Ich renne, meine Muskeln brennen wie unauslöschliches Feuer, doch ich nehme nichts davon wahr, zu viel Wonne pumpt das lodernde Herz in mein Gehirn,

Vom Gefühl her hab ich irgendwie das Gefühl hier stimmt was mit der Zeit nicht. Ich denke du erzählst in der Vergangenheit, da er ja erzählt "wie du mich fandest"

Zitat:Ja…
Sie beißt mich!
Reißt mir den Hals auf!

Vor den drei Auslassungspunkten muss immer ein Leerzeichen rein. Es sei denn, du würdest damit ein Wort unterbrechen.
Oh Icon_gucker Sie ist eine Vampirin?

Du hast hier einen sehr interessanten Stil benutzt, bei dem ich aufmerksam lesen musste. Aber ich fand das gar nicht mal schlecht, zumal du das auch konsequent durchgezogen hast.Icon_smile

Inhaltlich fand ich es okay, auch wenn der Inhalt nicht so viel hergiebt. Ich hab mir zwar schon von Anfang an gedacht, dass was mit der Dame nicht in Ordnung ist, aber das sie eine Vampirin ist, daran hätte ich nicht gedacht. Was ich ein bisschen schade finde ist, dass du erst zum Schluss sagst, dass dein Prot ein Dichter ist. Da wäre es vielleicht ganz schön gewesen, dass vorher schonmal zu wissen.

Ich war schon dabei dir vorzuschlagen sie in die Fantasy-Rubrik verschieben zu lassen, aber irgendwie denke ich, dass man sich dann zu schnell denkt, dass es sich bei ihr um so ein Wesen handelt.Icon_wink

Ich find die Geschichte gelungen. Der Inhalt ist zwar nichts ungewöhnliches, aber der Stil macht sie zu etwas Besonderem.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten
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07-09-2009, 20:10 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08-09-2009 14:00 von Sigurd.)
Beitrag: #4
RE: Die Verführung des Dichters
Zitat:Als das Poetenherz endlich aufhörte zu schlagen und die Vampirin an einer trockenen Arterie saugte, warf sie den vollkommen blutleeren Körper achtlos zwischen die Mülltonnen des Hinterhofs, auf den sie ihr Opfer mit ihrem Sirenengesang gelockt hatte. Sie seufzte und wischte sich mit einem bestickten Taschentuch aus feinster Seide den letzten Rest der roten Flüssigkeit aus den Mundwinkeln. Dann sprach sie leise in die tiefe Nacht: „Super, wieder so ein verkrachter Vorstadtdichter. Verflucht, gibt’s die denn überall? Ihr Blut mag zwar gut sein, aber ihr Maul muss man denen immer doppelt und dreifach stopfen…" Mit einem letzten, verachtenden Blick auf den Toten wandte sie sich um und verschmolz mit den Schatten.

Hi Dante,
diesen letzten Abschnitt finde ich sprachlich am besten; da bist du nicht ganz so "schwülstig" im Stil. Ich glaube ein direkte, bodenständigere Sprache würde deiner Geschichte durchaus bekommen - die ja ansonsten nicht übel ist. Den letzten Abschnitt könnte man noch etwas kürzen - ich tu das mal eben:

Als das Poetenherz endlich aufhörte zu schlagen und die Vampirin an einer trockenen Arterie saugte, warf sie den vollkommen blutleeren Körper achtlos zwischen die Mülltonnen im Hinterhof. Sie seufzte und wischte sich mit einem seidenen Taschentuch den letzten Rest roter Flüssigkeit aus den Mundwinkeln. Dann sprach sie leise in die tiefe Nacht: „Super, wieder so ein verkrachter Vorstadtdichter. Gibt’ s denn die überall? Ihr Blut mag zwar gut sein, aber das Maul muss man ihnen extra stopfen." Mit einem letzten, verachtenden Blick auf den Toten wandte sie sich um und verschmolz mit den Schatten.

Kürzen! Dadurch kriegt die Sache noch ein wenig mehr Drive. Weiß nicht, ob´s dir gefällt. Der letzte Satz übrigends (von dir) ist wirklich gut. Icon_wink H Gruß, Sigurd

Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. Icon_confused
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08-09-2009, 15:46
Beitrag: #5
RE: Die Verführung des Dichters
Ich danke erstmal für eure Kommentare.
Falls ich etwas unverständlich zu lesen sein sollte, tut es mir Leid, ich bin momentan gesundheitlich angeschlagen und nicht ganz auf der Höhe, aber ich hoffe, dass ihr diese Antwort verstehen werdet. Icon_ugly

Erstmal zum Weltenwanderer (ich mag diesen Namen...)
Größtenteils hast du Recht. außer bei der Abtrennung zwischen Engel und Walküre. Das ist bewusst so gemacht, damit es an den Sturm und Drang erinnert. Ich weiß nicht, wie oft ich sowas schon bei Goethe oder Lessing gelesen habe, daher kommt eigentlich auch dieser von dir angesprochene schwülstige Stil - ich wollte einfach mal schauen, ob ich sowas auch schreiben kann (und zu meinem Erschrecken konnte ich es gut, und es machte mir höllischen Spaß.)

LadyDesBlauenMondes:

Die zeitänderung ist beabsichtigt. Es ist vielleicht etwas schwer zu sehen, aber der Protagonist blickt quasi während er durch die Straßen läuft zurück. Daher zuerst Vergangenheit, dann beim ICH FOLGE! die Gegenwart.
Die Geschichte heißt Die Verführung des Dichters, und so ein Geschwaller erinnert mich sofort anden klassischen Kitschdichter - ich dachte fast schon, meine Pointe mit dem Dichter würde nicht mehr ziehen, da man ab dem ersten Satz schon weiß, dass mein Protagonist ein Dichter ist Icon_smile

Sigurd:
Wenn ich bodenständigere Sprache verwenden würde, wär der Witz an der Sache meiner Meinung nach verloren - es geht ja zum Großteil um dieses Poetengeschwaller. Daher kommt dieser radikale Stilbruch - Poet - Vampirin - auch so gut rüber. Schön, dass dir der Schlusssatz gefällt Icon_smile Der letzte Teil der Geschichte ist quasi mein normaler Schreibstil - ich wollte mit dem Stil davor wie gesagt nur so ein bisschen experimentieren, spielen.

Liebe Grüße euch allen,
Dante

"Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt." - Mark Twain

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06-11-2009, 19:58
Beitrag: #6
RE: Die Verführung des Dichters
Hey Dante,

ich weiß ehrlich nicht, wie ich das mache, aber die letzte Zeit stoße ich immer,
aber wirklich IMMER, auf Vampirgeschichten.
Natürlich lassen diese mein Herz hochjauchzen vor Glück, dass ich so viele entdecke, aber wunderlich ist es dennoch, *gg*.

So, gleich gesagt: Ich war eigentlich auf der Suche nach einer anderen Geschichte, zugegeben, aber als ich den Titel las, dachte ich mir nur, oh ja, das will ich lesen.
Bitte verführe mich, na ja, so auf diese Art, *räusper*. Smiley_emoticons_blush Icon_wink

Und mir hats gefallen.

Ich lasse mich vom Inhalt faszinieren und mache wahrscheinlich deshalb keine Kommentare wegen Rechtschreibung und Dergleichen, weil ich es selbst nicht beherrsche.

Aber mir gefällt der Schreibstil, wobei ich Goethe's Stück nie gelesen habe, und wie gesagt, die Geschichte, trotz traurigem und doch auch wieder nicht traurigem, Ende. *gg*.

So viel zu meinen Schmeicheleien, wieder ein Avatar der mir gefällt, das gibt's doch nicht!

Eltair

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.
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07-11-2009, 12:15
Beitrag: #7
RE: Die Verführung des Dichters
Hallo Eltair,

Vampirgeschichten sind eben ziemlich weit verbreitet, zum Leidwesen der einen und zur Freude der anderen. Icon_wink

Gut zu wissen, dass der Titel gleichsam verführerisch gewirkt hat wie der Sirenengesang der Vampirin. Auch ich lasse mich bei Geschichten immer lieber auf den Inhalt ein, das ist auch beim Schreiben bei mir der Fall. Bloß passiert es mir dann häufig, dass ich eine Handlung zusammenkleistere, die ich persönlich total gut und stimmig finde, die aber andere überhaupt nicht verstehen oder sie gar spannend finden.
Ich glaube, daran muss ich arbeiten ...

Also, ich kann dir Goethes Faust nur empfehlen. Werther ist ... naja, gewöhnungsbedürftig.

Ich bedanke mich recht herzlich für dein Lob!

Liebe Grüße,
Dante

"Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt." - Mark Twain

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08-11-2009, 03:04
Beitrag: #8
RE: Die Verführung des Dichters
Hey Dante,

genau das ist bei mir beim Schreiben auch.
Es kommt auch vor, dass ich eine total spannende Szene im Kopf habe und wenn ich sie dann aufschreibe, entweder nicht rüber kommt, oder dass ich's klasse finde und beim druchlesen dann gar nicht spannend scheint.

Also, ich weiß was du meinst, *gg*,

habe auch erst eine Geschichte neu bearbeitet, weil die ganzen anderen Versionen nicht sogut ankamen. *gg*.

Es grüßt,

Eltair

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.
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08-01-2010, 00:49
Beitrag: #9
RE: Die Verführung des Dichters
Hallo Dante,

für mich tötet die Vampirin nicht nur den Dichter, sondern auch die Originalität. Eine Vampirgeschichte? So was kann ja momentan vieles retten, aber entweder weißt du nicht, dass du diese Rettung nicht brauchst, oder du bist selbst verführt worden von diesem Schund! Icon_motz
Nein, im Ernst, ich find Vampire auch cool, aber sie passen nicht in die Geschichte.
Als ob man ein Experiment durchführt und als Ergebnis eine Regel abschreibt. Die Wunderlichkeit deiner Sprache kann sich so kaum herauskristallisieren, und am besten im Gedächtnis haftet immer das Ende.
Dein schwülstiger Stil ist so richtig ekelerregend - du sagst, du kannst es gut, und es stimmt auch. Allerdings solltest du ein bisschen kürzen, weil du ab und an den Dichter keine Atempause gönnen willst.
Hier mal die Stellen, die mir aufgefallen sind. Das ist jetzt seeeehr subjektiv:

Zitat:Deine alabasterfarbene Haut glänzt im kalten Mondesschein wie das purste, reinste Licht, welches in seiner Perfektion nicht auf dieser niederen Welt zu finden ist.

Den Nebensatz würde ich streichen

Zitat:Dieser Augenblick brennt sich in mein Gedächtnis ein und lässt mein gesamtes Sein bis zu diesem einen, vollkommenen Moment zusammenschrumpfen, verblassen, verkommen zu einem Scheinleben in den stinkenden Eingeweiden dieser Stadt, geführt wie ein Schlafwandler auf seiner nächtlichen Reise ins Verderben.

Wenn man erst in diesem Stil ein wenig Sicherheit gewonnen hat, gibt man sich gerne der Bilderflut hin. Trotzdem solltest du überlegt mit Metaphern und Vergleichen umgehen.
Auch hier würde ich den letzten Teil des Satzes streichen, denn mMn schwächelt der (das Vorangehende ist so gut)

Zitat:– ja, ich sauge ihn in mich ein, bis er mich erfüllt, ausfüllt und alle Erinnerung an anderes auslöscht.

"alle Erinnerung an anderes auslöscht" klingt auch irgendwie so dahergesagt. Irgendein zentrales Problem findet sich bestimmt in jeder Geschichte und daran muss man sich festbeißen wie ein Terrier Icon_lol


Die Beschreibung dessen, was sich später als, als - na ich sags jetzt mal -, als Vampir entpuppt, ist der beste Teil der Geschichte. Vielleicht bin ich auch grundsätzlich auf gute Beschreibungen neidisch. So und jetzt noch zwei andere Sachen:

Zitat:Ich stehe direkt vor ihr, und doch kann ich nichts weiter tun als mich vor Lust und Leidenschaft zu verzehren –

Direkt klingt hier wirklich "direkt", ein wenig zu modern und konkret für diese altertümliche Sprache.

Zitat:Sie macht mich geil, ich leide Qualen –

Noooooooooooooooooooiiiiin, was tust du? "Geil" ist wie ein Schlag ins Gesicht.


Also mir ist bewusst, dass die Vampirin für die Pointe verantwortlich ist. Aber nicht, dass die Pointe nur mit ihr funktioniert. Für mich hätte es jemand aus der wirklichen Welt sein dürfen, der den Dichter vielleicht einfach abknallt, weil er ihn nervt Mrgreen Na ja, vielleicht magst du einfach Fantasy und wirst momentan von Schullektüren zu Tode geschunden, ich kann den Frust verstehen.
Ich hab die Geschichte gern gelesen Icon_smile,

Blatt

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns (Kafka)
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13-01-2010, 16:52
Beitrag: #10
RE: Die Verführung des Dichters
Hallo Blatt, und danke für dein Kommentar.

Erst mal: Nein, es ist keine Vampirgeschichte. Nur weil ein Vampir in einem Stück drin vorkommt, ist es noch lange keine Vampirgeschichte, dazu gehört viel mehr als nur das simple auftauchen eines Blutsaugers. Und hör mir bitte auf mit diesem schändlichen Twilight-Vampir-Hype, sonst brech ich vor den Bildschirm. Icon_ugly

Warum kein Vampir? Ich finde, die Dame passt gut an das Ende dieser kleinen Spielerei. Ich wollte sowieso einen radikalen Bruch mit dem Geschwaller erzeugen, was sich meiner Meinung nach vorher gut entfalten kann, sogar so gut, dass es mir selbst richtig auf den Nerv geht.
Und was sonst sollte so "überirdisch" wirken? Es muss eine Mischung aus mysteriöser Gestalt, Verführung pur, elfengleicher Eleganz und dämonischer Grausamkeit sein. Da eignen sich die guten alten Vampire immer noch am Besten, es sei denn, ich würde eine Art "Großstadtsirene" erfinden. Außerdem werden Frauen, die ihre Männer wechseln wie ihre Nagellackfarbe und sie achtlos beiseitewerfen, nicht ohne Grund "Vamps" genannt.

Atempausen? Ein Dichter braucht keine Atempausen, er atmet Inspiration und produziert Geschwaller!
Nein, ernsthaft, einige Sachen könnte man wegkürzen, das stimmt. Bloß würde da dann bei einigen Sätzen die überwältigende Wirkung geschmälert werden. Ich denke jedenfalls drüber nach, auch weil sich einige Formulierungen im Nachhinein nicht ganz rund anhören.

"Alle Erinnerungen an anderes auslöscht." Hm, stimmt, klingt nicht so toll, aber der Sinn passt perfekt zu einer Art Sirenengesang. Das zentrale Problem ist in dieser Spielerei, die ich wirklich nicht ernsthaft "Geschichte" nennen mag, einfach der blind-blöde Protagonist. Mehr Problematik steckt hier nicht dahinter, dein Terrier würde kaum etwas zum festbeißen finden.

"Sie macht mich geil, ich leide Qualen –"

Das GEIL ist kein neues deutsches Wort. Schlag ins Gesicht hin oder her, dieses Wort gibt es schon länger und stellt keinen Bruch im Gefüge der altertümlichen Sprache dar. Dass es einen Bruch in diesem so zart gewobenen Beschreibungsnetz verursacht, finde ich super, und der Schlag ins Gesicht freut mich daher besonders. (Ich bin fies, nicht wahr? Icon_lol )


Fantasy mag ich gern, und auch mit deiner Vermutung betreffend der Lektüreliste liegst du nicht falsch, obwohl ich den meisten sogar noch etwas positives abgewinnen kann. Icon_wink

Freut mich, dass du so lange durchgehalten und bis zum Ende gelesen hast!

Liebe Grüße,
-- Dante

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