|
Neulich im Gespräch
|
|
21-09-2009, 14:07
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24-01-2010 17:29 von Sigurd.)
Beitrag: #1
|
|||
|
|||
|
Neulich im Gespräch
Hallo, hier mein "Zwei-Mann-Theaterstück" mit aktuellem Thema!
Sohn: Du Papa! Vater: Ja? S: Was ist eigentlich die Finanzkrise? V: Hm, wie soll ich dir das erklären? Es ist, wenn sich die Banken die eigenen Taschen mit Geld vollstopfen, anstatt ihre Aufgaben zu erfüllen, und es dann zum Zusammenbruch kommt. S: Warum machen die das? V: Wegen der Gier! S: Ja aber, wenn dann ein Zusammenbruch kommt? V: Ist denen egal. Wir bezahlen das ja, wenn´ s schief geht; mit den Steuern. S: Das ist aber ungerecht. Und wieviel müssen wir da bezahlen? V: Kannst du dir eine Zahl mit 12 Nullen vorstellen: 2000 000 000 000 - man sagt 2 Billionen dazu, wenn man solch eine Summe in den Mund nimmt. S: Aber soviel Geld haben wir doch gar nicht. V: Nicht auf einmal, da hast du recht. Ich bezahle jetzt schon dafür. Du, wenn du mal arbeitest, zahlst dann weiter. Und schließlich zahlen deine Kinder und die Kinder von deinen Kindern… S: Wundert sich… Aber dann lügen die doch im Fernsehen, wenn sie sagen, dass die Krise schon bald vorbei sei. V: Das sagen die Politiker nur, weil bald Wahlen sind und weil sie Stimmen brauchen. Wenn die Wahl vorbei ist, ist die Krise wieder da; wahrscheinlich noch viel schlimmer. S: Noch schlimmer? V: Ja! Die Banken und die Politiker wissen schon lange, dass da faule Geschäfte gemacht werden. Aber sie haben nichts gesagt und immer schön weiter gemacht, um sich so viel Geld wie möglich in die Taschen zu stopfen. S: Was sind denn faule Geschäfte? V: Man hat Leuten Kredit, also Geld gegeben, das sie gar nicht zurück zahlen können. Und daraus haben die Banken dann Finanzpakete geschnürt und sie an andere Banken in der ganzen Welt verkauft. Und diese Banken haben die Pakete dann an die Kunden weiter verkauft und die sind jetzt angeschmiert und haben alles Geld verloren. S: Finanzpakete? V: Man kann aus Krediten Pakete schnüren; und die kommen dann wiederum in andere Pakete und die in wieder größere Pakete; so machen die das. Und dann werden diese "Pakete" auf dem Finanzmarkt verkauft. S: Aber da blickt doch keiner mehr durch. V: Lächelnd…, klopft seinem Sohn anerkennend auf die Schulter. Du hast es verstanden, mein Junge! S: Dann heißt das also: Die Banken haben aus Gier Pakete geschnürt; mit Krediten, die nicht zurück gezahlt werden können; haben sie in der ganzen Welt verkauft und damit die Krise ausgelöst? V: Bravo! So schön hat das bis jetzt noch keiner gesagt. Umarmt seinen Sohn und klopft ihm wohlwollend auf die Schulter… S: Und wieso müssen wir das jetzt bezahlen? V: Weil es immer der einfachste Weg ist, das Volk dafür in Anspruch zu nehmen. Die Banken haben den Staat erpresst: Entweder ihr unterstützt uns, oder das ganze Land geht unter. Und jetzt machen sie wieder "gute Geschäfte" und müssen trotzdem nichts zurück zahlen. S: Wieso denn? V: Weil die Politiker nicht den Mut haben, es von ihnen zu verlangen. Eine Pause entsteht..., bis der Sohn meint: S: Onkel Hermann hat mal gesagt, dass Politiker sowieso immer das Blaue vom Himmel versprechen. Und später, wenn sie gewählt sind erklären sie, dass es leider doch nicht geht... V: Lacht… Da hat er nicht unrecht. S: Dann können wir also nichts tun, wegen der Krise, außer bezahlen? V: Wir könnten uns gemeinsam, das ganze Volk, dagegen wehren. S: Und warum tun wir das nicht? V: Zuckt mit den Schultern... Das ist eine gute Frage, mein Junge. Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. |
|||
|
24-09-2009, 17:06
Beitrag: #2
|
|||
|
|||
|
RE: Neulich im Gespräch
Hallo Sigurd,
hier stellst Du dem Kommentator zwei Aufgaben, eine zur Politik und eine zur literarischen Gestaltung. Zunächst möchte ich zur Politik etwas bemerken. Die Finanzkrise kann man so abhandeln, schließlich ist der Gesprächspartner ein Kind. Bei den Parteien kann man geteilter Meinung sein. Du schlägst Dich zunächst auf die Seite der Linken, revidierst Dich, die würde (an der Macht) nicht halten, was sie verspricht. Das ist nicht korrekt. Sie ist im Bund nicht an der Macht. Ist sie es im Land, muss sie sich an Bundesgesetze halten, denn: Bundesrecht bricht Landesrecht. Nun könnte man der Linken vorwerfen, dass sie sich wider besseren Wissens an Landesregierungen beteiligt - dort kann sie sich gar nicht entfalten, wie sie wollte. Aber weiter will ich die Diskussion in einem Literaturforum nicht treiben. Die literarische Gestaltung finde ich gut. Die Probleme werden in der knappen Darstellung einer Unterhaltung mit einem Kind gut auf den Punkt gebracht. Im Vergleich mit langweiligen Artikeln in den Zeitungen bringst Du erfrischend einfach dem Leser die Probleme nahe, vor denen die heutige Gesellschaft steht. Ich beglückwünsche Dich zu Deinem Mut, in diesem Forum einen solchen Text einzustellen. Und für Leute, die über solche Texte die Nase rümpfen, möchte ich noch bemerken: Kurt Tucholsky hat solche Texte in seiner Zeit auch geschrieben. Und ist doch der Literatur zugehörig, oder? Gern gelesen. Gruß Klaus |
|||
|
24-09-2009, 23:17
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29-09-2009 23:03 von Sigurd.)
Beitrag: #3
|
|||
|
|||
|
RE: Neulich im Gespräch
hi kbusc,
kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich über deinen kommi gefreut habe - dachte (nach einer Weile abwarten), dass das vielleicht keinen menschen interessiert. Zitat:Die Finanzkrise kann man so abhandeln, schließlich ist der Gesprächspartner ein Kind. Bei den Parteien kann man geteilter Meinung sein. Du schlägst Dich zunächst auf die Seite der Linken, revidierst Dich, die würde (an der Macht) nicht halten, was sie verspricht. Das ist nicht korrekt. Sie ist im Bund nicht an der Macht. Ist sie es im Land, muss sie sich an Bundesgesetze halten, denn: Bundesrecht bricht Landesrecht. Nun könnte man der Linken vorwerfen, dass sie sich wider besseren Wissens an Landesregierungen beteiligt - dort kann sie sich gar nicht entfalten, wie sie wollte. Aber weiter will ich die Diskussion in einem Literaturforum nicht treiben. da hast du natürlich recht. ich wollte eigentlich zum ausdruck bringen, dass man - in seiner verzweiflung über die zustände - links wählen in erwägung ziehen könnte; damit die partei den einzug in den bundestag schafft und etwas ändert. aber dann, was ja allzu menschlich ist, zweifelt man wieder; nicht zuletzt deswegen, weil man politikern grundsätzlich nicht trauen kann - schon gar nicht im wahlkampf. ich hab die stelle aber inzwischen geändert und die linke raus genommen. Zitat:Die literarische Gestaltung finde ich gut. Die Probleme werden in der knappen Darstellung einer Unterhaltung mit einem Kind gut auf den Punkt gebracht. Im Vergleich mit langweiligen Artikeln in den Zeitungen bringst Du erfrischend einfach dem Leser die Probleme nahe, vor denen die heutige Gesellschaft steht. du hast zu 100% erfasst, was ich damit bezwecken wollte und auf welche weise. Zitat:Ich beglückwünsche Dich zu Deinem Mut, in diesem Forum einen solchen Text einzustellen. Und für Leute, die über solche Texte die Nase rümpfen, möchte ich noch bemerken: Kurt Tucholsky hat solche Texte in seiner Zeit auch geschrieben. Und ist doch der Literatur zugehörig, oder? ob das mut war, weiß ich nicht - wohl eher ein anliegen. schon angesichts dessen, dass uns durch all die verschleiernden worte der politiker die tragweite der sache gar nicht richtig bewußt ist - zumindest hat man den eindruck. schlagwort: die krise ist bald überwunden! grenzt ja fast an einen witz - wenn man bedenkt, wie lange wir dafür bezahlen werden. wie auch immer: dein kommentar hat mich jedenfalls gefreut. hgruß, sigurd Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. |
|||
|
20-12-2009, 10:28
Beitrag: #4
|
|||
|
|||
|
RE: Neulich im Gespräch
Hallo Sigurd,
gerade habe ich Deinen Text gelesen und bin auch, wie Klaus, von der Art ergriffen, wie Du dieses komplexe Problem in einer einfachen Szene darstellst und auch auf den Leser gut rüberbringst. Die List des Autors liegt vermutlich in dem Spiel mit den verschiedenen Perspektiven. Der Sohn hat einen unverfälschten, ich möchte sagen: naiven Blickwinkel. Das Kind, denn als solches spricht und argumentiert er, kann nicht lügen. In einem solchen Gespräch ist ja auch keine Lüge denkbar, denn der Vater wird ja durch die naiven Fragen des Sohnes selbst dazu provoziert, nachzudenken, und die Sache auf einen Punkt zu bringen. Durch das Spiel mit diesen Perspektiven kommt die Wahrheit und die Aussage gut ans Licht. Vor allem steckt dann im Schlusssatz eine starke Pointe: Das ganze Volk sich dagegen wehren. Und warum tun wir das nicht? Das ist eine gute Frage. Diese Pointe enthält natürlich auch einen Appell. Der Leser denkt nun weiter. Worin könnte eine solche Lösung bestehen? Es gibt da verschiedene Antworten. Die Geschichte hat uns verschiedene Spielmöglichkeiten gelehrt, wie sich ein Volk wehren kann. Eine kleine Basisdemokratie in unserem Nachbarland kennt die Volksentscheide. Allerdings kann sich darin dann eben auch eine gewisse Intoleranz manifestieren, wenn der Bau von Minaretts abgelehnt wird. Im Jahre 1789 gab es bekanntlich in Frankreich die große Revolution mit all den bekannten grausamen Begleiterscheinungen. Bei jeder Revolution fließt Blut. Und das kann kein ehrlich denkender und gerecht fühlender Mensch wollen. Welche anderen Möglichkeiten wären noch denkbar? Sollte man in der Organisation der Finanzschauplätze und -märkte etwas ändern? Darf man das, kann man das, lassen sie es sich gefallen? Wie verwandelt sich ein Staat, wenn er hier gewaltsam eingreift, durch Gesetzgebung, oder wenn er Monopole an sich reißt? Alles kann man nur mit Fragezeichen durchspielen. Gern gelesen. Hans Werner |
|||
|
20-12-2009, 11:23
Beitrag: #5
|
|||
|
|||
|
RE: Neulich im Gespräch
Ich kann irgendwie deinem Text auch recht viel abgewinnen. Nur ist mir an einer Stelle aufgefallen das der Vater das Wort Kredite verwendet.Komischerweise kennt der Sohn anscheinend das Wort. Ich (man kann ja immernur für sich sprechen) kannte das Wort: Kredit, noch nicht in dem Altern in dem der Sohn in meiner vorstellung ist.
Das Wort kann man bestimmt noch vereinfachen. @ Hans Werner Sicher hast du schon von den Ideen von Mahad Magandi gehört. Nicht jede Revolution muss blutig sein. Der Staat braucht uns zum Überleben, unsere Steuern. Nehmen wir diese ihm (also einfach keine Steuern mehr zahlen, mit der Begründung man wolle diese Politik nicht unterstüzen.) bis der Staat zusammenbricht. So etwas hatten wir neulich auch irgendwo in der Schule wo das gelungen ist...sollte ich es noch finden hilft mir Tante Edit |
|||
|
20-12-2009, 13:38
Beitrag: #6
|
|||
|
|||
|
RE: Neulich im Gespräch
Hallo Sigurd!
Dein Zwei-Mann-Stück lässt mich sehr gespalten zurück. Einerseits schaffst du es, einen komplexen Sachverhalt auf eine Handvoll Ursachen herunterzubrechen und diese Ursachen in einfache Worte zu fassen. Zitat:V: Man hat Leuten Kredite gegeben, die gar kein Geld haben. Und daraus haben die Banken dann Finanzpakete geschnürt und sie den anderen Banken in der ganzen Welt verkauft. Und diese Banken haben die Pakete an die Leute weiter verkauft und die sind jetzt angeschmiert und haben alles Geld verloren.Diese Passage fällt etwas aus dem Rahmen. Das ist recht kompliziert für einen kleinen Jungen, da muss ich mkas recht geben. Als Kind würden sich mir verschiedene Fragen aufwerfen: 1. Was ist ein Kredit? - Jemand leiht einem anderen Geld, weil der etwas bezahlen will/muss, was er sonst nicht bezahlen könnte. 2. Wem soll man denn Kredite geben, wenn nicht Leuten, die gar kein Geld haben? - Viel Spaß, das Problem mit der Kreditwürdigkeit zu erklären ... 3. Finanzpaket? - das erklärst du, auch wenn ich finde, dass ich das Bild mit dem Schnüren für ein Kind zu abstrakt finde. Da kann man Weihnachtspakete schnüren, ok. Aber keine imaginären Kreditpakete! Da stelle ich mir als Kind einen Stapel Papier vor, mit Paketband zusammengeknotet. Vielleicht fällt dir da noch eine kindgerechtere Formulierung ein. Zu der politischen Seite will ich mich nicht äußern, da kann man unterschiedlicher Auffassung sein, insofern lassen mich deine Zeilen ein Wenig hadern. Darum geht es hier aber nicht, auf deine Meinung kommt es hier schließlich an, genauso wie ich mir beim Lesen eine eigene bilden darf. Lass mich inhaltlich allenfalls so kritisieren: Wo sind die Neuigkeiten? Das ist doch soweit alles altbekannt, es ist nicht mal die Wahrheit, die sonst alle verschweigen, sondern es ist die extrahierte Analyse aus den Nachrichten in etwas vereinfachter Sprache. Daher mein Zwiespalt. Liebe Grüße vom Lehrling Über Lehrlinge und Erstlingswerke |
|||
|
24-01-2010, 16:56
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24-01-2010 17:20 von Sigurd.)
Beitrag: #7
|
|||
|
|||
RE: Neulich im Gespräch
Zitat:Lass mich inhaltlich allenfalls so kritisieren: Wo sind die Neuigkeiten? Das ist doch soweit alles altbekannt, es ist nicht mal die Wahrheit, die sonst alle verschweigen, sondern es ist die extrahierte Analyse aus den Nachrichten in etwas vereinfachter Sprache. Daher mein Zwiespalt. Hallo Federlehrling! Meine Antwort kommt etwas spät, aber nun ist sie doch da. Lass mich deine Frage mit einem Zitat von Kbusc beantworten, der das sehr schön auf den Punkt gebracht hat. Zitat:Die literarische Gestaltung finde ich gut. Die Probleme werden in der knappen Darstellung einer Unterhaltung mit einem Kind gut auf den Punkt gebracht. Im Vergleich mit langweiligen Artikeln in den Zeitungen bringst Du erfrischend einfach dem Leser die Probleme nahe, vor denen die heutige Gesellschaft steht. Hier noch das Zitat zu deiner anderen Frage: Zitat:. Wem soll man denn Kredite geben, wenn nicht Leuten, die gar kein Geld haben? - Viel Spaß, das Problem mit der Kreditwürdigkeit zu erklären ... Da hast du natürlich recht. Aber du weißt auch bestimmt, dass sie (im Normalfall) das Geld nur bekommen, wenn sie nachweisen, dass sie es zurück zahlen können. (es wird ein Finanzplan aufgestellt) HGruß,Sigurd Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. |
|||
|
|
Suche
Mitglieder
Kalender
Hilfe



