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Liebesgeständnis
18-09-2009, 23:26 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29-09-2009 12:37 von Eltair.)
Beitrag: #1
Liebesgeständnis
Schweigend meine Lippen,
versiegelt deine Worte.

Ein Geheimnis geprägt von Schatten,
sowie der Last der Zeit.

Du streichelst meine Wunden,
gibst mir Kraft an schwachen Tagen.

Flüsterst Geschichten der Vergangenheit
wenn ich nachts in deinen Armen liege.

So alt,
und doch so jung.

So weise,
und klug.

Küsst mich.
Mein Mund bleibt andern gegenüber stumm.

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.
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28-09-2009, 22:35
Beitrag: #2
RE: Liebesgeständnis
Hallo Eltair,

gerade habe ich Dein Gedicht gelesen und fühle mich davon angesprochen, weil es mich reizt, denn es setzt dem klaren Verständnis Widerstände entgegen. Das ist vielleicht nicht schlecht, macht das Gedicht aber auch schwierig.

Fangen wir am Anfang an.

Zitat:Schweigend meine Lippen,
versiegelt deine Worte.

Ein Geheimnis geprägt von Schatten,
sowie der Last der Zeit.

Das ist reine Nennungstechnik, die die Sätze sind bewusst verkürzt. Wer "versiegelt"? Die Worte sind bereits "versiegelt", parallel dazu sind die Lippen "schweigend". Gerne würde man dem Verb ein Subjekt zuordnen. Das geht aber grammatikalisch nicht. Es müsste heißen "versiegeln". Das soll es aber nicht. Die harte Fügung besteht darin, dass das Partizip "versiegelt" vorangestellt ist. Ebenfalls ist der folgende Zweizeiler reine Nennungstechnik: Ein Geheimnis - es steht da, handelt nicht, sondern erhält nur Appositionen: geprägt von. Nun aber ist es von zwei Dingen geprägt: von Schatten (= wohl Vergangenes) und der Last der Zeit (hier fehlt das "von", aber es muss gleichgeordnet sein).

Die folgenden beiden Zeilengruppen wirken daher in ihrer Klarheit wie eine Erlösung:

Zitat:Du streichelst meine Wunden,
gibst mir Kraft an schwachen Tagen.

Flüsterst Geschichten der Vergangenheit
wenn ich nachts in deinen Armen liege.

Jetzt sind die Sätze einem "Du" zugeordnet. Man hat als Leser jetzt endlich das Gefühl, in einen verständlichen Sinn hineingenommen zu sein. Die Verben suggerieren zärtliche Nähe: streichelst und flüsterst, und haben zugleich eine gewissen lautmalerische Wirkung: man hört das leise Sprechen in den Konsonanten lst und rst. Warum aber sind die Geschichten aus der "Vergangenheit"? Warum ist der Trost rückwärtsgewandt?

Am Schluss geht das Gedicht wieder zur Verrätselung über:

Zitat:So alt,
und doch so jung.

So weise,
und klug.

Küsst mich.
Mein Mund bleibt andern gegenübern stumm.

Wer ist "alt", wer ist "weise und klug"? Das liebende Du? Wohl anzunehmen. "Küsst mich", also dritte Person Singular im Präsens. Das liebende Du muss es sein, das küsst. Viel eher würde man beim flüchtigen Lesen das t der Verbform überhören und lesen: "küss mich." In der Schlusszeile scheint sich wohl ein kleiner Fehler eingeschlichen zu haben: es muss heißen: "andern gegenüber".

Liebe® Eltair, hoffentlich bin ich mit meinen Sätzen und Zergliederungsversuchen Dir nicht auf die Nerven gegangen. Aber ein solches Gedicht provoziert solche Fragen. Jedes Gedicht soll ja doch auch beim Wort genommen werden.

Liebe Grüße

Hans Werner
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29-09-2009, 12:35 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29-09-2009 12:36 von Eltair.)
Beitrag: #3
RE: Liebesgeständnis
Hallo Hans Werner,

vielen Dank für deinen Zeitaufwand meinem Gedicht gegenüber.

Hier nun meine Erklärungen für dich, damit, falls überhaupt noch,
die Zeilen dich nicht mehr in Finsternis tappen lassen.

Folgendes:

Es geht darum, dass das Ich ein Geheimnis des Du erfahren hat, und mit ihren versiegelten Lippen verspricht, still zu schweigen. Denn wie erwähnt, es ist ein altes Geheimnis, geprägt von Zeit und auch so manchen Schatten.

Das Du erzählt von dieser Zeit, man weiß nicht was, womöglich, wie es dazu kam?

Und das Ich fühlt sich verstanden, genießt es, Zeit mit dem Du zu verbringen.

Wie du richtig gemeint hast, weise und klug, beides gilt dem Du.

Ich dachte, mit den kleinen Wörtern hätte ich mich verraten, wie es scheint aber doch nicht, *gg*.

Ein 'Mann', (Da ich eine Frau bin, ;-)), so alt und doch so jungt, weise und klug. Ein Geheimnis geprägt von Zeit?
Fast einem Dorian Gray gleich.

Hmm. was könnte das sein? ;-)


Ganz liebe Grüße,

und ich habe noch NIE jemanden erlebt, der etwas so auseinander nimmt, (Im durchaus positiven Sinn, auch wenn ich gestehen muss, ich war nicht sooo schlecht in Deutsch, aber ich habe dennoch nicht immer alles verstanden, *gg*)

Herzlichst seist du gegrüßt,

Eltair

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.
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