Es ist: 03-09-2010, 04:37
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Würd' dir gern' ...
19-09-2009, 18:40 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17-08-2010 18:46 von lecoquelicot.)
Beitrag: #1
Würd' dir gern' ...
Würd' dir gern'
mein Herz zu Füßen legen
Würd' dich gern'
mein Schweigen deuten lassen,
Würd' gern' der Stille eine Stimme geben,
Gefühl in Worte fassen

Würd' gern' die Mauer niederreißen,
die mich versperrt, die Schatten wirft,
die man zu greifen nicht vermag
Ich würd' mir gern'
mein Herz entreißen
und es dir zu Füßen legen

Dir mein Herz zu Füßen legen,
doch fehlt ein Herz dafür
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19-09-2009, 22:27
Beitrag: #2
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo lecoquelicot,

dein Gedicht ist genau das, was ich in der Romantikrubrik erwarte. Es geht um Liebe, um Herzen, um Wünsche. Jedenfalls auf den ersten Blick. Die letzte Zeile verdreht alles, aber dazu später.

Das Ich will dem Du seine Zuneigung gestehen, ihm "das Herz zu Füßen legen". Es will, dass das Du sein Schweigen deuten kann - was für mich ebenfalls ein Zeichen der Zuneigung ist. Das Ich möchte sich einer Mauer entledigen - ich vermute es geht hier darum eine Barriere zu überwinden, die zwischen den beiden steht. Vielleicht ist es Ichs Zurückhaltung oder etwas anderes - schließlich gibt es sehr viel, was zwischen einem Verliebten und seinem Schwarm stehen kann. Am Ende aber kommt die Überraschung: das Ich hat gar kein Herz. Wahrscheinlich ist das Ich dem Verlangen jemandem das Herz zu Füßen zu legen schon einmal nachgegangen und hat es nicht wieder zurück bekommen.
Nach dem Lesen der letzten Zeile bekommen auch die Strophen davor einen ganz anderen Sinn. Nun klingt das Ganze nicht mehr wie ein Tagebucheintrag eines verliebten Schulmädchens, das sich nicht traut ihre Gefühle zu gestehen, sondern eher wie eine Entschuldigung an das Du. Jetzt kommt es eher so vor, als sei es gerade das Du, dass in das Ich verliebt ist und nun Ichs Herz zu Füßen gelegt bekommen will. Doch das Ich hat ihm nichts anzubieten.

Ich finde dein Gedicht hat mehr melancholischen, als romantischen Charakter, aber vielleicht liegt es nur daran, wie ich es interpretiert habe und vielleicht ist meine Interpretation ja falsch.

Stilistisch hat mir dein Gedicht am Anfang eher weniger gefallen. Dieser Spruch "Herz zu Füßen legen" klingt in meinen Ohren eher kitschig, als romantisch. Doch am Ende spielst du gerade mit dieser Formulierung und das gibt dem Ganzen etwas überaschende Frische, die mir gefällt. Ich persönlich mag auch diese abgekürzten "würd'"s und "gern'"s nicht, aber das ist ja nur mein eigener Geschmack, deswegen brauchst darauf nicht viel Wert zu legen. Mir gefällt die Formulierung "Schatten wirft, die man zu greifen nicht vermag" - ich finde das klingt so schön fließend. Und ich mag die Wiederholung von "dir mein Herz zu Füßen legen" in der vorletzen Zeile - das schafft auch einen schönen, dramatischen Rhythmus.
Überhaupt finde ich, dass dein Gedicht rhytmisch gut ist. Nur an einer Stelle kommt man raus.
Zitat:Würd' gern‘ die Mauer niederreißen,
die mich versperrt,Schatten wirft,
Hier würde ich rhythmushalber eher "die mich versperrt, die Schatten wirft" schreiben. Da fehlt einfach irgendwas in der Zeile.

Was ich sonst noch anzumerken hätte ist, dass du manchmal gern` anstatt gern' geschrieben hast. Also nicht das Apostroph verwendet hast. Das solltest du ändern, weil es einfach besser aussieht, wenn dort das Apostroph steht, dass dort hingehört. Außerdem fehlen an einer Stell die Leerzeichen:
Zitat:die mich versperrt,Schatten wirft,
Ansonsten habe ich denke ich nichts mehr anzumerken.

Ich weiß nicht genau, ob mir dein Gedicht gefallen hat. Mir gefällt die Idee und diese Überraschung am Ende, die einen dazu auffordert das Gedicht mit der neugewonnen Erkenntnis noch einmal zu lesen. Anderseits kann ich mich doch nicht recht mit dieser "Herz zu Füßen legen" Sache anfreunden. Ich finde die Formulierung einfach zu abgenutzt, aber das ja nur mein Geschmack. Außerdem ist das ganze Gedicht darauf aufgebaut, daher ist diese Kritik eher zwecklos. Was du vielleicht verbessern könntest, um dein Gedicht etwas zu pimpen, wäre es etwas mehr Farbe reinzubringen - mehr originelle, sprachliche Bilder, die Ichs Gefühl (oder in dem Fall auch Ichs Nicht-Gefühl) zum Ausdruck bringen.

So, ich denke ich habe nichts mehr zu sagen.

Liebe Grüße,
Meluse

Buchstabensuppe
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17-08-2010, 18:46
Beitrag: #3
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo,

nach einiger Zeit bin ich ja doch wieder hier gelandet. Deine Interpretation gefällt mir und ist an manchen Stellen sehr zutreffend, so viel wie man den Worten entnehmen kann ohne den Gedanken zu kennen.

Das mit dem Apostroph ist mir gar nicht aufgefallen, danke.

In der Tat, ich kann dir zustimmen das diese Formulierung eher kitschig als wirklich romantisch ist. Doch ich fand sie passend, da sie meiner Sicht nach stark im Kontrast zum eigentlichen Sinn des Gedichtes steht. Möglicherweise bedarf weiterer Erklärung (die ich an dieser Stelle nicht geben möchte) um meinen Gedankengang zu verstehen.

Danke für die Antwort, ich werde deine Änderungsvorschläge berücksichtigen.

Liebe Grüße

Man kann nur auf die Füße gestellt werden, gehen muss man selbst. Und wenn man dennoch glaubt stehen bleiben zu müssen wird man ja doch vom Leben mitgerissen; denn das Leben lässt nur die Toten stehen bleiben.
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17-08-2010, 23:17 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17-08-2010 23:29 von Sigurd.)
Beitrag: #4
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo Lecoquelicot!

Rein sprachlich betrachtet, müsste man bei diesem Gedicht das Versmaß vereinheitlichen. (Versmaß = ist Länge der einzelen Zeilen) Du fängst in der ersten Strophe richtig an - aber dann geht es kreuz und quer und man kommt aus dem Lesefluss. Das Metrum des Gedichtes ist nicht mehr vorhanden. Im Einzelnen:

Zitat:Würd' dir gern'
mein Herz zu Füßen legen
Würd' dich gern'
mein Schweigen deuten lassen,
Würd' gern' der Stille eine Stimme geben,
Gefühl in Worte fassen

Regelmäßiger könnte die erste Strophe so aussehen:

Würd' ich gern'
dir mein Herz zu Füßen legen.
Würd' ich gern´
dich mein Schweigen deuten lassen.
Würd' ich gern´
der Stille eine Stimme geben.
Würd´ich gern´
Gefühl in Worte fassen.


die zweite Strophe läuft aus dem Ruder; auch hier wäre mehr Regelmäßigkeit angebracht:

Zitat:Würd' gern' die Mauer niederreißen,
die mich versperrt, die Schatten wirft,
die man zu greifen nicht vermag
Ich würd' mir gern'
mein Herz entreißen
und es dir zu Füßen legen

Sie könnte so aussehen:

Würd' ich gern'
die Mauer niederreißen.
die mich trennt, die Schatten wirft.
Würd´ich gern
mir´s Herz entreißen
das zu greifen, ich nicht vermag.
Würd' ich gern',
würd´ ich gern
es dir zu Füßen legen.


Das ist nur als Vorschlag gedacht, wie man es machen könnte. Es ist auch mehr in sprachlicher Hinsicht gemeint. Bezogen auf Versmaß und Regelmäßigkeit. Das "Würd ich gern" als wiederkehrendes Element hält das Gedicht zusammen und wirkt wie ein Mantra. Ich hoffe, du kannst etwas damit anfangen.

Gruß, Sigurd

Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. Icon_confused
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18-08-2010, 13:07
Beitrag: #5
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo lecoquelicot!

Ich glaube, wir beide sind uns noch nicht begegnet, aber ich halte mich auch selten hier in der Lyrikfabrik auf - zumindest als Kommentator.
Dieses Werk von dir hat es mir allerdings angetan. Es ist schlicht, aber voller Wahrheit. Liebe im Kampf mit Verzweiflung.
Was mich etwas stört sind die vielen Apostrophe. Auch ist die Zeichensetzung etwas inkonsequent, da du zwar Kommata setzt, aber die Punkte am Ende fehlen.

lecoquelicot schrieb:Würd' dir gern'
mein Herz zu Füßen legen
Würd' dich gern'
mein Schweigen deuten lassen,
Würd' gern' der Stille eine Stimme geben,
Gefühl in Worte fassen
-- Diese Strophe stellt in meinen Augen den Beginn einer Beziehung dar, zumindest den Beginn der Gefühle des Ichs. Es sehnt sich danach, seine Liebe auszusprechen, sehnt sich nach Zweisamkeit, einem Menschen, der es versteht, ohne Worte.
-- Die Wiederholung von "Würd' gern" finde ich sehr gelungen, auch wenn ich das Gedicht persönlich dann nicht noch so genannt hätte. Icon_wink

lecoquelicot schrieb:Würd' gern' die Mauer niederreißen,
die mich versperrt, die Schatten wirft,
die man zu greifen nicht vermag
Ich würd' mir gern'
mein Herz entreißen
und es dir zu Füßen legen
-- Hier sind wir also schon am Ende (der Beziehung). Es scheint, als hätte das Ich es nicht geschafft, seine(n) Angebetete(n) zu erringen. Es geht um Mauern, die es verstellen - es fühlt sich also klein, unsichtbar? Vielleicht auch ein Ereignis, wegen der Schatten?
-- Wieder sehr schön aufgegriffen und weitergeführt, die Handlung. Einziges Manko wäre das Ende, da "das zu Füßen legen" zu bekannt ist. Ja, fast schon ein Klischee. Warum lässt du es nicht etwas anderes mit dem Herzen tun wollen?

lecoquelicot schrieb:Dir mein Herz zu Füßen legen,
doch fehlt ein Herz dafür
-- Du scheinst, wie ich, ein Freund der letzten Zeile zu sein. Am Ende noch einmal mit Schwung den Leser umhauen. *lach*
Warum nicht? Diese Wandlungen sind es, die Lyrik und auch Geschichten erst lesenswert machen, bloß nicht zu vorhersehbar.
-- Da du hier mit der ersten Zeile eine Dopplung eingebaut hast, die in meinen Augen unschön klingt, würde ich die Zeile komplett streichen und einfach mit "doch fehlt ein Herz (dafür)" aufhören.

Liebe Grüße
Adsartha

Vielleicht werden wir ganz langsam Teile fremder Biographien.(Meistens geht es um (...), Libertine)

Da baumelt die kleine Spinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]
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18-08-2010, 14:58
Beitrag: #6
RE: Würd' dir gern' ...
@Sigurd

Deine Idee zum Gedicht ist interessant und gefällt mir gut, allerdings drehst du das "Würd' dir gern'" in ein "Würd' ich gern'" um, was, wie ich finde, die Betonung zu sehr auf das Ich als auf das Du legt. Natürlich geht es um beides gleichermaßen, aber hauptsächlich darum, dass das Ich etwas dem Du geben möchte, es jedoch nicht kann und somit das Du leer ausgeht. Was im Endeffekt der springende Punkt an der Sache ist. Die Wiederholung des "Würd' ich gern'" finde ich ebenso gut, aber für meinen Geschmack ist es zu viel, auch wenn es Regelmäßigkeit in das Gedicht bringt.

Ich werde mir deine Ideen bezüglich dessen durch den Kopf gehen lassen, da du natürlich nicht unrecht hast. Möglicherweise finde ich einen Weg es nach deiner Idee auf meine Art zu ändern. Danke für die Anregung!


@Adsartha

Ebenso dank ich dir für dein Kommentar. Deine Vorschläge gefallen mir auch gut und ich werde sie auf jeden Fall überdenken. Da lässt sich sicher etwas daraus machen.


Liebe Grüße

Man kann nur auf die Füße gestellt werden, gehen muss man selbst. Und wenn man dennoch glaubt stehen bleiben zu müssen wird man ja doch vom Leben mitgerissen; denn das Leben lässt nur die Toten stehen bleiben.
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18-08-2010, 18:08 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18-08-2010 18:10 von Sigurd.)
Beitrag: #7
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo!

Zitat:Ich werde mir deine Ideen bezüglich dessen durch den Kopf gehen lassen, da du natürlich nicht unrecht hast. Möglicherweise finde ich einen Weg es nach deiner Idee auf meine Art zu ändern. Danke für die Anregung!

Ja! Das ist gut.
In dem Sinne wollte ich meinen Kommentar verstanden wissen. Pro

Gruß, Sigurd

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