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Würd' dir gern' ...
19-09-2009, 18:40 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19-09-2009 18:44 von lecoquelicot.)
Beitrag: #1
Würd' dir gern' ...
Würd' dir gern'
mein Herz zu Füßen legen
Würd' dich gern‘
mein Schweigen deuten lassen,
Würd' gern' der Stille eine Stimme geben,
Gefühl in Worte fassen

Würd' gern‘ die Mauer niederreißen,
die mich versperrt,Schatten wirft,
die man zu greifen nicht vermag
Ich würd' mir gern‘
mein Herz entreißen
und es dir zu Füßen legen

Dir mein Herz zu Füßen legen,
doch fehlt ein Herz dafür
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19-09-2009, 22:27
Beitrag: #2
RE: Würd' dir gern' ...
Hallo lecoquelicot,

dein Gedicht ist genau das, was ich in der Romantikrubrik erwarte. Es geht um Liebe, um Herzen, um Wünsche. Jedenfalls auf den ersten Blick. Die letzte Zeile verdreht alles, aber dazu später.

Das Ich will dem Du seine Zuneigung gestehen, ihm "das Herz zu Füßen legen". Es will, dass das Du sein Schweigen deuten kann - was für mich ebenfalls ein Zeichen der Zuneigung ist. Das Ich möchte sich einer Mauer entledigen - ich vermute es geht hier darum eine Barriere zu überwinden, die zwischen den beiden steht. Vielleicht ist es Ichs Zurückhaltung oder etwas anderes - schließlich gibt es sehr viel, was zwischen einem Verliebten und seinem Schwarm stehen kann. Am Ende aber kommt die Überraschung: das Ich hat gar kein Herz. Wahrscheinlich ist das Ich dem Verlangen jemandem das Herz zu Füßen zu legen schon einmal nachgegangen und hat es nicht wieder zurück bekommen.
Nach dem Lesen der letzten Zeile bekommen auch die Strophen davor einen ganz anderen Sinn. Nun klingt das Ganze nicht mehr wie ein Tagebucheintrag eines verliebten Schulmädchens, das sich nicht traut ihre Gefühle zu gestehen, sondern eher wie eine Entschuldigung an das Du. Jetzt kommt es eher so vor, als sei es gerade das Du, dass in das Ich verliebt ist und nun Ichs Herz zu Füßen gelegt bekommen will. Doch das Ich hat ihm nichts anzubieten.

Ich finde dein Gedicht hat mehr melancholischen, als romantischen Charakter, aber vielleicht liegt es nur daran, wie ich es interpretiert habe und vielleicht ist meine Interpretation ja falsch.

Stilistisch hat mir dein Gedicht am Anfang eher weniger gefallen. Dieser Spruch "Herz zu Füßen legen" klingt in meinen Ohren eher kitschig, als romantisch. Doch am Ende spielst du gerade mit dieser Formulierung und das gibt dem Ganzen etwas überaschende Frische, die mir gefällt. Ich persönlich mag auch diese abgekürzten "würd'"s und "gern'"s nicht, aber das ist ja nur mein eigener Geschmack, deswegen brauchst darauf nicht viel Wert zu legen. Mir gefällt die Formulierung "Schatten wirft, die man zu greifen nicht vermag" - ich finde das klingt so schön fließend. Und ich mag die Wiederholung von "dir mein Herz zu Füßen legen" in der vorletzen Zeile - das schafft auch einen schönen, dramatischen Rhythmus.
Überhaupt finde ich, dass dein Gedicht rhytmisch gut ist. Nur an einer Stelle kommt man raus.
Zitat:Würd' gern‘ die Mauer niederreißen,
die mich versperrt,Schatten wirft,
Hier würde ich rhythmushalber eher "die mich versperrt, die Schatten wirft" schreiben. Da fehlt einfach irgendwas in der Zeile.

Was ich sonst noch anzumerken hätte ist, dass du manchmal gern` anstatt gern' geschrieben hast. Also nicht das Apostroph verwendet hast. Das solltest du ändern, weil es einfach besser aussieht, wenn dort das Apostroph steht, dass dort hingehört. Außerdem fehlen an einer Stell die Leerzeichen:
Zitat:die mich versperrt,Schatten wirft,
Ansonsten habe ich denke ich nichts mehr anzumerken.

Ich weiß nicht genau, ob mir dein Gedicht gefallen hat. Mir gefällt die Idee und diese Überraschung am Ende, die einen dazu auffordert das Gedicht mit der neugewonnen Erkenntnis noch einmal zu lesen. Anderseits kann ich mich doch nicht recht mit dieser "Herz zu Füßen legen" Sache anfreunden. Ich finde die Formulierung einfach zu abgenutzt, aber das ja nur mein Geschmack. Außerdem ist das ganze Gedicht darauf aufgebaut, daher ist diese Kritik eher zwecklos. Was du vielleicht verbessern könntest, um dein Gedicht etwas zu pimpen, wäre es etwas mehr Farbe reinzubringen - mehr originelle, sprachliche Bilder, die Ichs Gefühl (oder in dem Fall auch Ichs Nicht-Gefühl) zum Ausdruck bringen.

So, ich denke ich habe nichts mehr zu sagen.

Liebe Grüße,
Meluse

Buchstabensuppe
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