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Wahnsinn
26-09-2009, 20:00 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23-10-2009 15:42 von Trinity of Chaos.)
Beitrag: #1
Wahnsinn
Hier habe ich eine neue Kurzgeschichte, die mehr oder weniger zufällig entstanden ist. Ich habe einfach mal drauf losgeschrieben und herausgekommen ist ein ernst zu nehmender Beitrag ... In diesem Fall habe ich nach drei Zeilen entschieden, dass es wirklich Inhalt hat.

Wahnsinn

In einer einsamen Ecke ihres Zimmers hockt eine kleine Gestalt. Ein zerrissener Mantel aus räudigem Pelz bedeckt sie beinahe völlig, nur die Haut des beinahe kahlen Kopfes sticht aus der Finsternis.
Die Welt wabert vor den Fenstern und droht mit stickigem Nebel. Eisen durchdringt dieser nicht, das Gitter vor den Stäben wehrt ihn ab. Noch. Aber die Gestalt weiß, dass sie kommen werden, um sie zu quälen. Um sie ein weiteres Mal aus der Welt zu reißen und sich ihres Verstandes zu bemächtigen.
Ein Geräusch dringt durch die klare Atmosphäre. Leise geboren zersticht es nun die wartende Stille als Explosion am Trommelfell der Gestalt. Sie will schreien und ihr Geist windet sich. An den Körper gebunden, wie in kaltes Gestein eingeschlossen, muss er ausharren und sich der Folter unterwerfen. Ein weiteres Geräusch dröhnt heran und die Gestalt stöhnt gepeinigt auf. Sie kommen. Wie ein Donnerschlag hallt es in jeder Faser dieses weltlichen Seins – kratzt an der wahnsinnigen Angst und fährt auf wie wildes Getier, um schließlich auszuklingen.
Kein Rückzug, wie sie weiß. Nur die Vorbereitung auf Schlimmeres. Sie sind da. Unbarmherziges Strahlen schneidet die Dunkelheit und bricht sich als Schmerz an ihrer Netzhaut. Unmöglich, ihnen zu entkommen. Die Ohren zu verschließen ist ihr nicht möglich. Sie muss die grollenden Donner hören, die die Präsenz zu ihr tragen. Auf den schweren Schwingen des Schmerzes erreichen die Geister sie. Es sind grausame Gesellen, die sie hört. Die sie sieht. Weiß ist ihre Gestalt, wie in Unschuld gekleidet ihr mitleidloses Lächeln. Vorfreude auf die Qualen, die sie vortrefflich zu bereiten verstehen, zudem das einzige Gefühl, das die Gestalt bei ihnen sehen kann.
Zu Klauen geformte Hände greifen nach ihr – packen sie – zerquetschen sie – keine Kraft mehr zum Schreien. Jede Stelle des Körpers ist nutzlos geworden, kann sich nicht wehren. Selbst der Gedanke daran verbrauchte sich in der Ewigkeit der Qual. Die grauen Schlieren der Zeit haben jede noch so kleine Erinnerung vergraben und bergen jedes Gefühl, das sie kannte. Sie spürt die tröstliche Kälte und hasst, dass sie den Tod wünscht. Obwohl man dieses Gefühl nicht Hass nennen kann, eher Schatten – es ist keine Kraft mehr zum Denken über. Und so kehrt sich die Welt um, als das Zucken des kleinen Körpers durch die klammen Klauen der Dämonen gebändigt wird, als hunderte Schocks das fleischige Gefängnis leeren. Kaum spürt die Haut das dünne Metall, das sie vorher schützte, erkennt sie, dass sie den Nebel bringen. Die Zeit ist die Herrin der Folter, nun bringt sie das Grauen. Geist wird zu Sturm, Sturm zu Monster – über allem das Übel der Hilflosigkeit.
Durchdringendes Pfeifen durchtrennt zum tausendsten Mal die Trommelfelle und wieder lähmt geistiges Gift alles, was noch in diesem Siechtum übrig ist. Der Schmerz verschwimmt zu dem grellen Licht, das durch die zuckenden, hauchdünnen Lider scheint. Kein Tod erbettelt die Seele, die zum hungernden Wurm verkommen ist – nicht mehr fähig, Nahrung aufzunehmen. Alles ist eines und das eine der unendliche Schmerz. Nach der Ewigkeit ist die Erinnerung an die Reise zu deutlich, um sie zu ertragen. Zum unendlichsten Male verendet der Wurm, denn mehr Kraft gibt es nicht. Die Kälte gilt als der heisere Trost des ruhig liegenden Körpers, der nun befreit von den schrecklichen Gedanken ist.
Und doch folgt dieser Feuer. Brennende Wunden werden gerissen, wo sie schon immer waren, und als die von Eisen gerahmte Dunkelheit den letzten Funken packt, erscheint es als Ende der Erlösung. Keine Erinnerung. Nur Grauen. Das Grauen vor dem nächsten Besuch. Ein Kreischen, das nicht gehört werden sollte. Ein Phönix aus seiner Asche. Krank geboren, nie gestorben. Den Tod gibt es hier nicht. Und in der einsamen Ecke wartet die Gestalt mit der schrecklichen Gewissheit. Sie werden kommen. Der Geist wirft sich nicht mehr gegen die faulen, fleischigen Wände des Gefängnisses. Keine Kraft mehr. Nebel. Nebel und Donner.

Wer das vielleicht nicht erkannt hat: Es geht um Tierversuche. Vielleicht ist es mir nicht gut gelungen, aber ich habe mal versucht, mich in so ein Tier hineinzuversetzen. Und da ich bei diesem Thema nicht perfekt informiert bin und es mich interessiert, möchte ich jeden Leser/Kommentator fragen: Wie schätzt ihr das ein? Als viel zu extreme Ansicht oder als "möglich" im Sinne von: Wenn Tiere so denken können, etc ... Oder eine allgemeine Einschätzung des Textes in diesem Zusammenhang. Für Aufmerksamkeit und Kommentare jeder Art bedanke ich mich schon einmal!

Als sie sich in die Nische drückte, um ihren Verfolgern zu entkommen, hielt sie es in ihren Händen. Sie konnte nichts sehen, fühlte aber zwei glatte, rechteckige Formen - Buchdeckel. Da glommen matt die Buchstaben des Titels auf:
Deine Welt, deine Geschichte
Als sie die Seiten aufschlug und las, da wurde sie gerettet in eine andere Welt - ihre Welt
Cmdr. W. T. Riker: "Das Schicksal beschützt Narren, kleine Kinder - und Schiffe mit dem Namen Enterprise"
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27-09-2009, 17:57
Beitrag: #2
RE: Wahnsinn
Hi Trinity,

ich will hier mal nicht auf einzelne Textpassagen eingehen und Sätze auseinander pflücken. Zum sprachlichen lass dir nur gesagt sein: mir hat's gefallen, war flüssig zu lesen und
Zitat:Vielleicht ist es mir nicht gut gelungen,
...doch, ist es. Und zwar sehr eindringlich.
Zitat:Wenn Tiere so denken können,

Ob und wie Tiere denken können, weiß ich nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Schmerzen fühlen und vielleicht auch die Ungerechtigkeit, die dahinter steckt. Ich glaube nicht, dass ein Versuchstier nach einem ausgeführtem Versuch einfach fröhlich im Käfig weiterlebt und vergisst, was ihm gerade angetan wurde. Tiere haben ein Erinnerungsvermögen, wie groß das hängt wahrscheinlich vom Tier selber ab.
Meiner Meinung nach sind Tierversuche ein sehr schwieriges Thema. Einerseits ist die Forschung durch Tierversuche unglaublich weitgekommen, andererseits muss man auch mal sehen zu welchem Preis. Was gibt einem Forscher das Recht, eine, seiner Meinung nach, niedere Lebensform, für seine Zwecke zu missbrauchen?
Auch ist die Forschung wohl mittelerweile auch so weit, dass es für die meisten Versuche künstliche Alternativen gibt.
Ich denke mal, dass deine Geschichte hier noch viele Disskussionen und Meinungsäußerungen anregen wird.

Ein trauriges Thema eindringlich dargestellt und mich zum Nachdenken gebracht.

LG

Glory

"Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch trauriger ist es, keine zu sein."

-Peter Altenberger-
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27-09-2009, 19:16
Beitrag: #3
RE: Wahnsinn
Hi Glory,

erst einmal lieben Dank für diesen äußerst positiven Kommentar!
Ich freue mich, dass es dir gefallen hat und dass es seinen Sinn erfüllt und dich zum Nachdenken angeregt hat. Damit ist bestätigt, dass diese Geschichte in diesem Topic gut aufgehoben ist.
Zitat:Ich denke mal, dass deine Geschichte hier noch viele Disskussionen und Meinungsäußerungen anregen wird.
Das hoffe ich doch!
Das traurige Schicksal, von dem man in der Presse momentan, glaube ich, relativ wenig mitbekommt, sollte jedem klar sein - vor allem den Endverbraucher der getesteten Produkte!

Liebe Grüße,
Trinity

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28-09-2009, 02:04
Beitrag: #4
RE: Wahnsinn
kosmetik zum beispiel! Smiley_frown
gruß, sigurd

Literatur hat mich gelehrt, wie wenig ich weiß - und wie viel ich zu wissen glaubte. Icon_confused
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28-09-2009, 18:33
Beitrag: #5
RE: Wahnsinn
Oder Parfüms, glaube ich, auch ...
Wer Genaueres nachlesen will, sollte hier mal nachlesen. Wer wusste, dass auch für Mars Tierversuche stattfinden/-fanden?

Grüße,
Trinity

Als sie sich in die Nische drückte, um ihren Verfolgern zu entkommen, hielt sie es in ihren Händen. Sie konnte nichts sehen, fühlte aber zwei glatte, rechteckige Formen - Buchdeckel. Da glommen matt die Buchstaben des Titels auf:
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04-10-2009, 22:51
Beitrag: #6
RE: Wahnsinn
Hi Trinity!

(*pssssst* du hast einen Kommi ubersehen, weil deine Freundin direkt darunter gpostet hat Icon_winkIcon_winkIcon_wink)

Zitat:In einer einsamen Ecke ihres Zimmer hockt eine kleine Gestalt.
Zimmers

Zitat:Die Welt wabert vor den Fenstern und droht mit stickigem Nebel. Eisen durchdringen diese nicht, das Gitter vor den Stäben wehrt ihn ab.
Die Welt durchdringt das Eisen nicht und der Nebel wird durch ein Gitter abgewehrt? (Ich fand den Satz etwas schwer verständlich, weil direkt zwei Bezüge drin sind)

Zitat:Leise geboren zersticht es nun die wartende Stille als Explosion an ihrem Trommelfell.
Du hast bis hier hin etwas zu oft "sie" hintereinander benutzt ... hier wäre vielleicht "am Trommelfell der Gestalt" angebracht. Icon_smile

Zitat:Wie ein Donnerschlag hallt in jeder Faser dieses weltlichen Seins
Hier fehlt glaube ich ein "es" ^^

Zitat:kratzt an der wahnsinnigen Angst und fährt auf wie wildes Getier, um schließlich auszuklingen.
Sehr schöne Formulierung.

Zitat:Weiß ist ihre Gestalt, wie in Unschuld gekleidet ihr mitleidloses Lächeln.
Gelungener Vergleich, finde ich!

Zitat:Obwohl man Hass dieses Gefühl nicht nennen kann
Würde ich vom Klang her etwas umstellen: "Obwohl man dieses Gefühl nicht (wirklich) Hass nennen kann"

Zitat:Den Tod gibt es hier nicht. Und in der einsamen Ecke wartet die Gestalt mit der schrecklichen Gewissheit. Sie werden kommen. Der Geist wirft sich nicht mehr gegen die faulen, fleischigen Wände des Gefängnisses. Keine Kraft mehr. Nebel. Nebel und Donner.
Starkes Ende.

Zunächst zum Sprachlichen. Bis auf ein paar (angemerkte) Kleinigkeiten, hat mir deine Sprache hier sehr gut gefallen, vor allem, als die Peiniger die Gestalt holen, bringst du einige wirklich gelungene Bilder ein, die die ganze Bandbreite an Grausamkeiten gut in Worte fasssen. Das langsame Quasisterben des Geistes unter dauernder Qual, bis eigentlich nur noch der resignierte Körper zurück bleibt.

Inhaltlich wird angemessen klar, worauf du hinaus willst. (Nebel, Licht, Elektroschocks ... du wirst nicht spezifischer, aber ich finde so reicht es) Du behandelst das ganze etwas surreal ... es bleibt unklar, ob es jetzt um ein Tier geht (Pelz) oder vielleicht doch um einen Menschen (Mantel) der von noch "höheren" Wesen gequält wird. Unverständnis und Angst sind wohl die beherrschenden Gefühle, es kommt hier nicht darauf an, ob das so realistisch ist, denn du darfst als Autor natürlich zuspitzen, übertreiben, oder auch einfach nur schonungslos offen sein. Icon_wink
Es ist ein Abriss, eine Kurzgeschichte halt, Ausschnitt aus einem Leben, das kaum noch lebenswert erscheint. Natürlich, du betrachtest die Sache nur von einer Seite, aber warum mal nicht in das Tier schlüpfen, an dem die Versuche durchgeführt werden? Du stellst den Text ja nicht umsonst ins "Nachdenkliche", er soll nachdenklich machen, nicht eine klar gegliederte Diskussion über das Problem Tierversuche führen.

Deshalb: gerne gelesen!

Gruß vom Wanderer

... ihr seid ja nur neidisch, dass ihr die Stimmen nicht hört!

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten
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05-10-2009, 21:04
Beitrag: #7
RE: Wahnsinn
Hi Weltenwanderer!

Sry und ist schon behoben Icon_smile
So, nun hierzu:

Zitat:Die Welt durchdringt das Eisen nicht und der Nebel wird durch ein Gitter abgewehrt? (Ich fand den Satz etwas schwer verständlich, weil direkt zwei Bezüge drin sind)
*sich vor die stirn patsch* Ja, das kommt davon, wenn man die Regeln der Grammatik missachtet. Es muss natürlich heißen: Die Welt wabert vor den Fenstern und droht mit stickigem Nebel. Eisen durchdringt dieser nicht, das Gitter vor den Stäben wehrt ihn ab.

Zitat:Du hast bis hier hin etwas zu oft "sie" hintereinander benutzt ... hier wäre vielleicht "am Trommelfell der Gestalt" angebracht. Icon_smile
Auf jeden Fall *in die Tasten hau und sich ärger, dass so viele Fehler da drin sind*

Zitat: Zitat:kratzt an der wahnsinnigen Angst und fährt auf wie wildes Getier, um schließlich auszuklingen.

Sehr schöne Formulierung.

Zitat:Weiß ist ihre Gestalt, wie in Unschuld gekleidet ihr mitleidloses Lächeln.

Gelungener Vergleich, finde ich!
Danke Icon_cuinlove Da freut sich jedes Schreiberherz. Und der Verstand natürlich auch Icon_wink

Zitat:Würde ich vom Klang her etwas umstellen: "Obwohl man dieses Gefühl nicht (wirklich) Hass nennen kann"
Hast wahrscheinlich Recht ... Ich stelle es um.

Zitat:Starkes Ende.
Dankedankedankedanke *freut sich einen riesigen Keks*

Zitat:Natürlich, du betrachtest die Sache nur von einer Seite, aber warum mal nicht in das Tier schlüpfen, an dem die Versuche durchgeführt werden? Du stellst den Text ja nicht umsonst ins "Nachdenkliche", er soll nachdenklich machen, nicht eine klar gegliederte Diskussion über das Problem Tierversuche führen.

Deshalb: gerne gelesen!
*verneig* Und wieder: danke sehr! Da hat jemand meinen Text so verstanden, wie ich ihn geschrieben habe - das ist nicht häufig der Fall.

Dankende Grüße,
Trinity

Als sie sich in die Nische drückte, um ihren Verfolgern zu entkommen, hielt sie es in ihren Händen. Sie konnte nichts sehen, fühlte aber zwei glatte, rechteckige Formen - Buchdeckel. Da glommen matt die Buchstaben des Titels auf:
Deine Welt, deine Geschichte
Als sie die Seiten aufschlug und las, da wurde sie gerettet in eine andere Welt - ihre Welt
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18-10-2009, 03:47
Beitrag: #8
RE: Wahnsinn
Wahnsinn - Trinity - Gestern 20:00

Hallo Trinity!
Ein ernst zu nehmender Beitrag also. Interessant, dass dir das erst beim Schreiben auffiel. Icon_wink Nun ja, ich stürze mich gleich mal drauf und schaue mir an, was sich hinter diesem Titel verbirgt.

Zitat:In einer einsamen Ecke ihres Zimmer hockt eine kleine Gestalt.
-- Ein schöner Anfang, der Interesse weckt, auch wenn eine nähere Angabe, wer sich hinter "ihre" verbirgt, vielleicht passender gewesen wäre. Zum einen, da es die Prota vorstellt, und zum anderen, weil die kleine Gestalt in späteren Sätzen ebenfalls ein "sie" verlangt, was etwas verwirrt.
Oder bezieht sich das "ihre" auf die Gestalt? Wenn ja, dann passt das unpersönliche "eine" nicht, weil es au zwei verschiedene Gestalten hindeutet.

Wie schon in Schülerbanking verwendest du anscheinend auch hier das Präsens als Zeitform der Geschichte. Das finde ich, wie bereits erwähnt, etwas ungewöhnlich und störend, da unüblich. Gibt es einen spezifischen Grund, warum du nicht wie allgemein üblich im Präteritum schreibst?

Zitat:Ein zerrissener Mantel aus räudigem Pelz bedeckt sie beinahe völlig, nur die Haut des beinahe kahlen Kopfes sticht aus der Finsternis. Die Welt wabert vor den Fenstern und droht mit stickigem Nebel.
-- Erneut das Absatzproblem aus der anderen Geschichte. Aber selbst wenn man sparsam ist, beim Wechsel von der Gestalt zur Welt gehört auf jeden Fall einer. Icon_wink

Zitat: Eisen durchdringen diese nicht, das Gitter vor den Stäben wehrt ihn ab.
-- Du hast "die Welt" im Satz vorher – Einzahl, und "den Nebel" – ebenfalls Einzahl. Hier nun aber hast du "durchdringen diese", was sich auf eine Mehrzahl bezieht und dann später im selben Satz "ihn", was sich, wie ich denke, wieder auf den Nebel bezieht. Insgesamt also mehr als konfus. Da solltest du nochmal drüberschauen und die Bezüge prüfen.

Zitat: Aber die Gestalt weiß, dass sie kommen werden, um sie zu quälen.
-- Hier nun geheimnisvolle "sie". Vielleicht dieselben, die "diese" waren? Wenn ja, würde ich beides irgendwie hervorheben, damit der Leser weiß, dass du dich auf bestimmte Personen und nicht auf Dinge aus den vorherigen Sätzen beziehst.

Zitat: Um sie ein weiteres Mal aus der Welt zu reißen und sich ihres Verstandes zu bemächtigen. Ein Geräusch dringt durch die klare Atmosphäre.
-- Auch hier gehört wieder ein Absatz zwischen die Sätze, da du von den Gedanken der Gestalt, ihren Ängsten zu den Geräuschen wechselst.

Zitat: Wie ein Donnerschlag hallt in jeder Faser dieses weltlichen Seins – kratzt an der wahnsinnigen Angst und fährt auf wie wildes Getier, um schließlich auszuklingen.
-- Da fehlt ein Wort in diesem Satz: "es"
Wie ein Donnerschlag halt es in jeder Faser (...).
-- Die beiden Bilder, eines tierisch und das andere der Vergleich zu einem Wetterphänomen für ein und dasselbe ist übrigens etwas viel für meinen Geschmack und auch verwirrend. So ganz wird mir nicht klar, was nun eigentlich vor sich geht.

Zitat: Unbarmherziges Strahlen schneidet die Dunkelheit und bricht sich als Schmerz an ihrer Netzhaut.
-- Müsste es nicht "unbarmherzige Strahlen" heißen? Denn die Lichtstrahlen durchbrechen die Dunkelheit, das Strahlen kommt eher von der Strahlung aus dem Physikalischen, z.B: Gamma-Strahlen etc.

Zitat: Sie muss die grollenden Donner hören, die die Präsenz zu ihr tragen.
-- Der Donner und die Donnerschläge, oder?

Zitat: Zu Klauen geformte Hände greifen nach ihr – packen sie – zerquetschen sie – keine Kraft mehr zum Schreien. Jede Stelle des Körpers ist nutzlos geworden, kann sich nicht wehren. Selbst der Gedanke daran verbrauchte sich in der Ewigkeit der Qual.
-- Dieser Absatz gefällt mir stilistisch richtig gut. Icon_smile

Zitat: Die grauen Schlieren der Zeit haben jede noch so kleine Erinnerung vergraben und bergen jedes Gefühl, das sie kannte.
-- "bergen" ist vielleicht nicht das richtige Wort hier, da es für finden oder retten steht. So werden zum Beispiel Lawinenopfer geborgen.

Zitat: Und so kehrt sich die Welt um, als das Zucken des kleinen Körpers durch die klammen Klauen der Dämonen gebändigt wird, als hunderte Schocks das fleischige Gefängnis leeren. Kaum spürt die Haut das dünne Metall, das sie vorher schützte, erkennt sie, dass sie den Nebel bringen.
-- Die Gitter sind also der Käfig der Gestalt? Wofür steht dann der Nebel? Und wer oder was bringt den Nebel? Die Schocks oder die Gestalten? Erneut ist da ein "sie" zu dem so recht der Bezug fehlt.

Zitat: Krank geboren, nie gestorben. Den Tod gibt es hier nicht.
-- Das Wesen wird also getötet und dann wiederbelebt? So verstehe ich es zumindest, auch wenn ich mich frage, wie lange das kraftlose Wesen noch ausharren kann in dieser kalten Welt aus Schmerz und Tod.

Zitat: Der Geist wirft sich nicht mehr gegen die faulen, fleischigen Wände des Gefängnisses. Keine Kraft mehr. Nebel. Nebel und Donner.
-- Nach der Geschichte, die eigentlich ja fast nur aus den Sinneseindrücken des Wesens besteht – bis auf die kleinen Probleme der Bezüge übrigens sehr gut geschrieben – ist dieses Ende mehr als gelungen. In meinen Augen geht es noch etwas besser, wenn du die Geschichte hinter "Keine Kraft mehr." beendest, denn dann wirkt es so richtig rund.
Tierversuche sind ja etwas, zu dem ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis habe, da ich selber als Biologin ja selber schon und wohl auch in Zukunft an und mit Tieren gearbeitet habe. Die Gesetze zum Tierschutz und meine eigenen Erfahrungen sind, dass es so niemandem richtig gefällt, Tieren weh zu tun. Eingriffe in das Leben des Tieres und Tests werden deswegen so minimal wie möglich gehalten und die Schmerzen vermieden oder Eingriffe dann vorgenommen, wenn die Tiere betäubt sind.
Natürlich gibt es Forschungen, die gewisse Schmerzen bzw. Mit Schmerzen verbundene Eingriffe am Tier vornehmen, so zum Beispiel in der ganzen medizinischen Forschung oder den schlechten Beispielen der Kosmetikindustrie, die man von PETA und anderen Organisationen kennt.
Und auch wenn man sich bemüht, Schmerzen zu vermeiden, so kann doch nie mit Sicherheit sagen, ob und wann für das Tier der Schmerz anfängt, sei es nun seelischer oder körperlicher.

Wie auch immer, ich finde Tierversuche sind ein ernstes Thema über das man viel diskutieren kann. Dir ist hier ein guter Einblick gelungen, der bis auf kleine Schwächen, auch einen starken Eindruck bei mir hinterlassen hat – was im Text selbst vielleicht nicht so rüberkam. Icon_wink

LG
Adsartha

PS: Eine Kleinigkeit noch. Der Titel passt für mich nicht so recht – sicher passt Wahnsinn für die Beschreibung des Geisteszustandes der Tiere oder auch der Zustände in einigen Laboren der Welt ganz gut, steht das Wort jedoch so allein, dann verbinde ich damit eher Toll oder Super, halt WAHNSINN!
Das ist vielleicht sehr subjektiv, aber ich wollte dir sagen, was ich beim ersten Lesen dachte, denn auch die Aussage einer Überschrift ist wichtig und sollte von daher eindeutig sein.

If I save time, when do I get it back? (Escape Van, NZ)

Da baumelt die kleine Spinne in ihrem Netz und träumt von ihren Silberfäden ...
[Bild: riverdance.gif]
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18-10-2009, 11:51
Beitrag: #9
RE: Wahnsinn
Hallo Adsartha,

danke erst einmal für diesen Kommentar. Ich muss die einzelne Beantwortung leider auf später verschieben, da ich eigentlich schon wieder los muss, aber ein paar Gedanken habe ich mir schon gemacht, deine Vorschläge sind nämlich gut. Dass du Biologin bist, wusste ich gar nicht, aber dann kommt die Geschichte sicher anders rüber ... Okay, ich sage noch einmal: Danke

Liebe eilige Grüße,
Trinity

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23-10-2009, 15:46 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23-10-2009 15:47 von Trinity of Chaos.)
Beitrag: #10
RE: Wahnsinn
So, ich melde mich mal ausführlicher zurück:

Zu den Kleinigkeiten kann ich ja nicht so viel sagen, aber ich werde das sicher mal überarbeiten und genau darauf achten.
Zu dem Titel:
Die Doppeldeutigkeit ist mehr oder weniger gewollt, da es ja ein zwiegespaltenes Verhältnis ist ... aber wahrscheinlich hast du recht. Ich werde mal sehen, ob ich "Wahnsinnige Gedanken" oder so nehme, da es doch eher eindeutiger ist, oder? Hm ... Aber erst einmal werde ich das wohl so lassen ...

Lieben Dank und liebe Grüße,
Trinity

Tja, so ausführlich ist das ja nicht geworden ... Aber ich glaube, es ist alles gesagt Icon_smile

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