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Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
09-05-2010, 14:40
Beitrag #11
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Und zum letzten Mal: ein 'wohlgemeinter' Gruß nach Münster.

Moin Libertine.

Zitat:Den Stempel gab es für sie, ihm gravierte ein Grabstichel von innen einen Kupferstich gegen die Schädeldecke.
Ich weiß, >Korinthenkacker<, aber trotzdem musste ich den Satz mehrmals lesen. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, was genau ein Grabstichel ist, tendiere ich zu diesem Vorschlag:
Den Stempel gab es für sie, ihm gravierte es von innen einen Kupferstich gegen die Schädeldecke.

Zitat:„Hör mal“, sagte Leo, „du sollst mal hören, das ist Rage Against The Machine.“
Das 'du solltest mal hören' ist meiner Meinung nach identisch mit 'Hör mal'.
Rein technisch gesehen würde ich Dir empfehlen, es wegzulassen, allerdings hadere ich gerade bei wörtlichen Sätzen immer mit solchen Äußerungen meinerseits. Mal im Ernst, die Menschen sprechen nicht immer logisch, oder logisch konsequent, oder geradlinig ...
Beim zweiten Mal habe ich gedacht, dass der Einschub
('...", sagte Leo, "...') im Grunde auch wie eine Sprechpause (seitens Leo) angesehen werden kann, und er danach noch einmal neu anfängt. Jedoch finde ich auch bei der Sichtweise das 'du solltest mal hören' merkwürdig, stimmiger würde ich eher ein 'das musst du hören' empfinden.
(Leo versucht ja, ihn in die Realität zurück zu holen, oder zumindest ihn dort festzuhalten. Da passt 'solltest mal' nicht so sehr wie ein 'musst', okay?)

Zitat:„Killing in the name of ...“, flüsterte Leo.
Warum ein 'flüsterte', und kein 'summte'?

Zitat:Köln. Köln war weit weg von Sascha und Charly, weit weg von Bremen.
Normalerweise kreide ich es an - ja. Aber ich versuche auch immer, abzuschätzen, ob es nicht doch in die jeweilige Geschichte passt, oder in das fragliche Fragment. Hier würde ich es so stehen lassen. (Oder Du machst es genauso kursiv - wenn es Gedanken sind -, wie weiter unten mit dem 'Starr mich nicht an', also soIcon_smile

Köln.
Köln war weit weg von ...


Zitat:Er starrte wieder aus dem Fenster, während Leo weiter Rage Against The Machine hörte. Manchmal sahen die Stromkabel aus wie horizontal Erhängte: viel zu schlaff für Hochspannung, für Fernsehbildschirme, Neonleuchten und Heizungen. Bald konnte man auch Autos mit Strom betreiben. Er dachte an seinen kleinen Nissan, dessen Abwesenheit so präsent war. Sascha. Bestimmt sagte gerade irgendjemand „Du fehlst“, nur weil derjenige das in den letzten Monaten nicht getan hatte; als könnte er sich durch Trauer der Schuld entledigen und nackt und schamlos vor einem frisch geschaufelten Grab stehen, das viel zu leer geblieben war. Starr mich nicht an.
Was mir in diesem Abschnitt gefällt, ist die Kausalität, oder besser gesagt, die Wahrnehmung mit der verknüpften Vergangenheit, die hier sehr gut/analog/geradlinig eingeführt wird. Es besticht und ist auch nicht verquerer, als andere gedachte alltägliche Sachen.
Allerdings finde ich, dass das 'Starr mich nicht so an' in eine neue Zeile gehört, um aussagekräftiger zu wirken - so geht es eventuell unter.

Zitat:„Ich hab mal einen Hasen überfahren, das war krass.“ Der Stöpsel steckte schon wieder halb in Leos Ohr. „Sehr seltsames Gefühl unter den Rädern. Als hätte man da so verlängerte Nerven, die bis in die Reifen gehen.“
Oh ja, sehr schönes (richtiges) Detail.

Zitat:Patrick sagte nichts. Saschas Bild steckte als Schatten in seiner Erinnerung, eingeklemmt zwischen zwei Gedankengängen, zwei losen Enden: einem Keks, den er mit einer Hand aus der Packung ziehen wollte, und einer Freundin, die er besuchen fuhr.
Was ich hier an dieser Stelle sehr gut herausgearbeitet finde, ist die Verwendung der fraglichen Bilder um das Innenleben darzustellen. (Beziehungsweise das Bild von Sascha.) Im Grunde ist sowas (meiner Meinung nach) immer eine heikle und sensible Stelle, aber wie gesagt, hier gut gelöst mit den 'zwei losen Enden'.

Zitat:Sein Fluch war ein Zischen. „Warum zur Hölle wirft sich ein Mensch von einer Autobahnbrücke? Verfluchte Scheiße! Denkt der nicht dran, dass es Menschen gibt, die das dann sehen müssen?!“ Oder hatte Sascha sich deswegen nachts umgebracht: Damit es niemand sah. Ohne daran zu denken, dass Scheinwerfer die Straße ebenso gut erhellten wie Tageslicht – die Straße, die Arme, die Beine, die zerquetscht und zerrissen auf dem Asphalt lagen. Asphalt. Standstreifen, Sicherheitsweste, absperren: Wir müssen absperren, bleib von der Straße weg, ruf die Polizei, zieh die Weste an. Schritte zählen. Und kein Blick zur Straße. Er hörte, wie weitere Autos den Toten überrollten, irgendwann da begann er, ihn Sascha zu nennen.
Hier ist mir (als Leser) der Blocksatz unangenehm aufgefallen. Gut, ich denke, vielleicht ist es um die Hast der jeweiligen Gedanken (und verbindenen Gedankenknoten) wie an einer Kette darzustellen - leider finde ich die Lösung nicht sehr glücklich. Ich versuche mal, es plastischer/verständlicher darzustellen, was ich meine:

Sein Fluch war ein Zischen. (Folgesätze neue Zeile?)
„Warum zur Hölle wirft sich ein Mensch von einer Autobahnbrücke? Verfluchte Scheiße! Denkt der nicht dran, dass es Menschen gibt, die das dann sehen müssen?!“
(Neue Zeile, weil Gedanken? Kursiv?)
Oder hatte Sascha sich deswegen nachts umgebracht: Damit es niemand sah. Ohne daran zu denken, dass Scheinwerfer die Straße ebenso gut erhellten wie Tageslicht – die Straße, die Arme, die Beine, die zerquetscht und zerrissen auf dem Asphalt lagen. Asphalt.
Standstreifen, Sicherheitsweste, absperren: Wir müssen absperren, bleib von der Straße weg, ruf die Polizei, zieh die Weste an. (Ist das ein gesprochener Satz aus der Vergangenheit?)
Schritte zählen. Und kein Blick zur Straße. Er hörte, wie weitere Autos den Toten überrollten, irgendwann da begann er, ihn Sascha zu nennen.

Okay, es ist plastisch, was da passiert, allerdings ist es schwierig, weil ich als Leser nicht weiß, was Gedanken von Patrick, oder was vom neutralen Erzähler kommt. (Und entschuldige, wenn ich den Abschnitt so auseinandergerissen habe.)

Zitat:„Denk mal an was anderes.“ Leo legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Du hattest voll den Schock, aber du hast so verdammt richtig reagiert. Respekt. Ich wäre so durchgedreht.“
Doppelte Verwendung von 'so' - aber ich habe da nochmal drüber nachgedacht und empfinde es als eine Eigenart - eine Floskel - von Leo.

Zitat:Leos Worte waren nicht einmal ein schwacher Trost. „Ich krieg's einfach nicht aus dem Kopf. Das hat sich festgefressen.“
Aus dem Kontext könnte man vermuten, Leo hätte dies gesagt. Ich würde eventuell irgendwo einen Verweis hinabuen/einbauen, dass dies eigentlich Patrick sagt.

Zitat:Das schwarze Hemd spannte so stark über dem Bauch, dass man die Knöpfe fast davon schießen hörte.
Ey Leo, lass den Mann mit dem Bauch in Ruhe. Mrgreen

Zitat:Das schwarze Hemd spannte so stark über dem Bauch, dass man die Knöpfe fast davon schießen hörte. „Oder guck mal, da drüben der Kerl mit dem Aktenkoffer und dem Telefon am Ohr.“ Patrick folgte Leos Blick und sah einen Mittvierziger, der einem Geheimagenten in Pension glich, es fehlten nur Sonnenbrille und Coolness. „Patrick, du lebst noch. Du kannst nichts dafür, dass das passiert ist. Und jetzt lass uns nach Köln fahren und nicht mehr dran denken, okay?“
Ich finde, wenn Du die gesprochenen Sätze jeweils alleine in eine eigene Zeile platzierst, lockerst Du den Block etwas auf, so folgt alles nahtlos hintereinander.
Beispiel:
Das schwarze Hemd spannte so stark über dem Bauch, dass man die Knöpfe fast davon schießen hörte.
„Oder guck mal, da drüben der Kerl mit dem Aktenkoffer und dem Telefon am Ohr.“
Patrick folgte Leos Blick und sah einen Mittvierziger, der einem Geheimagenten in Pension glich, es fehlten nur Sonnenbrille und Coolness. „Patrick, du lebst noch. Du kannst nichts dafür, dass das passiert ist. Und jetzt lass uns nach Köln fahren und nicht mehr dran denken, okay?“

(Falls das hier so gewollt war - okay.)

Zitat:Als könnte er etwas dafür. Er konnte nichts dafür. Nichts.
Hm, das 'Als' impliziert für mich ein 'doch' oder sowas in der Art, irgendwie stört es so, wie es da (alleine) steht. Vorschlag:
Als könnte er etwas dafür. Doch er konnte nichts dafür. Er konnte nichts dafür. Nichts.

Zitat:Er hatte bildlich vor Augen, wie der Vater die Kinder an jeder Station an den Händen festhielt, damit sie nicht aus Neugier durch die Tür nach draußen sprangen und auf einem grauen Bahnhof verloren gingen. Man hätte auch Charly festhalten können, bevor es zu spät gewesen war. Man hätte jeden Baum fällen können, jeden Strick zerreißen. Man hätte ihn aus seinem Blickfeld nehmen können, und Patrick schämte sich für diesen Gedanken. Charly sah viel ruhiger aus als Sascha, aschfahl und wie aus einer anderen Zeit in seinen Morgensport geschnitten. Nicht wie ein plötzlich zu Boden Gefallener; Charly war ein Toter für Anfänger, Sascha Schritt zwei. Er wollte nicht wissen, was als nächstes kommen könnte.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich die Einstreuung der Vergangenheit in Form dieser 'Assoziationsketten' (so nenne ich es mal) als überaus gelungen empfinde, dadurch kommen nicht nur die Personen dem Leser näher, sondern entfalten bei letzterem auch einen 'Aha-Effekt'.

Zitat:„Wusstest du, dass Erhängen ein Glücksgefühl auslöst, weil dein Blut im Kopf gestaut wird und sich das angeblich verdammt gut anfühlt?“
Abseits der alltäglichen Brillenränder, wo nicht geschäftsfähige Personen keinen Zutritt haben, ist diese Tatsache bekannt bei grenzwertigen Aktionen, die hier keine Rubrik haben.

Zitat:Morgensonne und Taschenlampenlicht, als er ihn fand. Am Weserufer. Kurz nach Weihnachten. 110. Er hatte noch nie bei der Polizei angerufen.
Verständnisfrage: Wer hatte bei Sascha die Polizei angerufen?

Zitat:Fünfzehn Minuten im Abseits, einen Schritt neben der Zeit; losgelöst, aber noch nicht freischwebend, als hielte der Strang ihn ebenso nah am Leben wie am Tod.
Auch hier sehr gut dargestellt. Ich hatte mal ein ähnliches literarisches Problem mit Strang, Hängen und Tod - aber dieser Gedanke ist unberücksichtigt geblieben.

Zitat:Leo stand jetzt fast, auch die anderen Fahrgäste drehten sich zu dem Gespräch um, das sich wie eine Druckwelle durch den Waggon presste. Vielleicht werden wir ganz langsam Teile fremder Biographien. „Das darf nicht wahr sein, dass der den jetzt einfach rausschmeißt. Patrick, wir müssen was ...“
Auch hier die gleiche Anmerkung wie oben bei dem Blocksatz.

Zitat:„Also gut. Feiern wir Karneval.“
Das Ende in Form der Umkehrung vom Negativen in eine hoffnungsvolle (vergangenheitsignorierende) Zukunft ist Dir gelungen und rundet die Geschichte ab.

So, generell fällt mir auf, dass Du sehr erfolgreich mit Bildern und deren Assoziationen gespielt hast, um dieses schwierige/komplexe Thema verständlich darzustellen. Allerdings habe ich fälschlicherweise angenommen, dass dies aus den Fingern des Weltenwanderers stammen könnte - es gab zwar jede Menge Fragmente (die eindeutig auf Dich als Schreiber hindeuteten), aber irgendwie, ... der Bauch und so, ... nicht böse sein. Ich dachte eher, dass 'Gewürfelte Zeit' Deinen Händen entsprungen sei.

Kurz: Für mich war dieser Wettbewerbsbeitrag (nach den von mir aufgestellten Bewertungskriterien) die beste Geschichte. Punkt.

Schönes Wochenende
LGD.

... and dread noughts
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14-05-2010, 23:24
Beitrag #12
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo Dread,

ich war sehr gespannt, was du zu dieser Geschichte sagst - und jetzt habe ich auch endlich etwas Zeit, dir anständig zu antworten. Vielen Dank erst einmal für deinen Kommentar! Icon_smile Und dann gleich mal los:

Der Kupferstich-Vorschlag gefällt mir sehr, das übernehme ich direkt. Ich hab an dem Satz recht lange gesessen und irgendwie wollte er nicht unsperriger werden. So ist er jetzt auf jeden Fall etwas "ruhiger".
„Hör mal“, sagte Leo, „du sollst mal hören, das ist Rage Against The Machine.“
Mein Gedanke bei dem Satz ist eher, dass Leo Patrick anspricht und der nicht reagiert, weswegen Leo ihn nochmal "aufrüttelt", indem er sagt "du sollst mal hören", das kommt anscheinend nicht recht raus. Ich hab mal drei Punkte eingefügt, vielleicht ist es dann besser.

„Killing in the name of ...“, flüsterte Leo.
Leo flüstert, weil so ein Mitsprechen ist, er flüstert den Text mit, ganz leise: Killing in the name of

Köln. Köln war weit weg von Sascha und Charly, weit weg von Bremen.
"Köln" ist zwar ein Gedanke, aber nur ein halber, also nicht so intensiv wie "Starr mich nicht an", deswegen würde ich es als Anstoß, eher als Gedankenblitz denn als Gedanke so stehen lassen. Das "Starr mich nicht an" würde ich auch lieber in der Zeile behalten, als direkte Reaktion auf das voran Gedachte, nicht so plötzlich im Vordergrund, sondern eher ständig im Hintergrund.

Zitat:Was ich hier an dieser Stelle sehr gut herausgearbeitet finde, ist die Verwendung der fraglichen Bilder um das Innenleben darzustellen. (Beziehungsweise das Bild von Sascha.) Im Grunde ist sowas (meiner Meinung nach) immer eine heikle und sensible Stelle, aber wie gesagt, hier gut gelöst mit den 'zwei losen Enden'.
Wow, das freut mich Icon_smile

Den Blocksatz-Satz ziehe ich ein bisschen auseinander. Genauso weiter unten auch. Mir geht es nur allgemein so, dass ich nicht gern so viel durch die Gegend "kursive", weil das die "zweite Dimension" dann so belastet und ihr irgendwie das Besondere nimmt.

Zitat:Abseits der alltäglichen Brillenränder, wo nicht geschäftsfähige Personen keinen Zutritt haben, ist diese Tatsache bekannt bei grenzwertigen Aktionen, die hier keine Rubrik haben.
Ja. Und unfreiwillig löst es ähnliche Reaktionen aus.

Zitat:Verständnisfrage: Wer hatte bei Sascha die Polizei angerufen?
Jemand, vielleicht Patrick, vielleicht derjenige, der vor ihm Sascha überfahren hat.

Zitat:So, generell fällt mir auf, dass Du sehr erfolgreich mit Bildern und deren Assoziationen gespielt hast, um dieses schwierige/komplexe Thema verständlich darzustellen.
Das freut mich sehr, wie auch die Bemerkungen zu einigen Stellen im Speziellen Icon_smile
Wie kamst du darauf, die Geschichten so zuzuordnen, wie du es getan hast? In Wws Geschichte steckt so viel Magie, das kann eigentlich nicht von mir sein *g*

Ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne)
Avatar von Eddie Haspelmann
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15-05-2010, 00:41 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15-05-2010 00:53 von Dreadnoughts.)
Beitrag #13
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Moin Moin - kleine Rückmeldung, wenns genehm ist.

Zitat:Mir geht es nur allgemein so, dass ich nicht gern so viel durch die Gegend "kursive", weil das die "zweite Dimension" dann so belastet und ihr irgendwie das Besondere nimmt.
Ich weiß. *seufz*
Irgendwann ist meine 'kursive' Phase auch wieder vorbei, keine Panik. Mrgreen

Zitat:Wie kamst du darauf, die Geschichten so zuzuordnen, wie du es getan hast? In Wws Geschichte steckt so viel Magie, das kann eigentlich nicht von mir sein *g*
Rede Dich nicht raus. Aus dem Kopf des Bauches rezitiert:
Auf ... einem anderen Forum gab es auch eine Art Fantasywelt namens 'Lichtbringer', und so weit ich mich erinnern kann, hast Du dort ein (oder zwei?) Geschichten vom Stapel gelassen. Zudem hast Du auch beim Athalem-Wettbewerb mitgemacht ... und nicht zu vergessen, die eine Welt auf ... dem anderen Forum, wo eine Stadt die Hauptrolle spielte. (Ich kann mich noch daran erinnern, dass 'Rick' die Stadt dem Erdboden gleich gemacht hat - und Mike war sauer auf ihn. Da hattest Du auch Deine Finger im Spiel, also ... bei ... Mensch, wie hieß die Stadt noch? War auf jeden Fall ein komischer Name ... hm.)
Jedenfalls:
Du scheust Dich nicht, Träume aus Pappkartons auferstehen zu lassen, auch wenn am Anfang zuerst nur die lyrischen Dus und ichs im Vordergrund standen. (Ich glaube, damals hatten es Dir besonders die 'Verprosaiierung' von Sprichwörtern/metaphorischen Sätzen angetan.)
Also: Warum nicht?

LGD

Edit:
Ich habs: Das war 'Neu-Gomorrha' (richtig geschrieben?)

... and dread noughts
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27-05-2010, 23:32
Beitrag #14
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo Dread,

entschuldige, die kleine Rückantwort hier hatte ich glatt vergessen.

Okay, wenn man sich Lichtbringer anschaut, hast du vielleicht recht ... aber das war etwas anderes, weil die Welt schon stand und nicht ausgedacht werden musste. Das stresst nämlich so bei Fantasy Icon_wink
Und Neu-Gomorra hatte nichts mit Fantasy zu tun, das war ein Spannungs-Projekt und - wenn die Nostalgie erlaubt ist - das beste Forenprojekt, was ich bisher "erlebt" habe. So schade, dass sich das irgendwann verloren hat.
Aber gut, es ist nicht völlig abwegig, aber die Story hier ist naheliegender Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
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Avatar von Eddie Haspelmann
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31-07-2010, 18:32
Beitrag #15
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hey du! Icon_smile

Hier nun der langerwartete Kommentar von mir ... für mich gehörte diese Geschichte zu den besten des Wettbewerbs, also umso besser, dass sie in meiner Rubrik steht.

Zitat:mit Dank an den Federlehrling und den Weltenwanderer,
deren Gedächtnisse so viel besser sind als meins
Sehr gerne Icon_smile ... auch wenn es eine sehr seltsame SMS war. *g*

Zitat:Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Ein interessanter Titel ... herausstechend, eigen. Klingt nach Banalität nach "eigentlich ist es egal worum es geht". Mal sehen wie sich das in den Text einfügen lässt.

Zitat:Er nannte den einen Sascha und den anderen Charly.
Ich bin an diesen ersten Satz mit dem Gedanken herangegangen, dass es irgendwie um Erhängen gehen muss ... ich musste sofort an einen Psychokiller denken, der seinen Opfern Namen gibt - nachdem sie tot sind. Das mit dem Namen geben und nach dem Tod war ja gar nicht so falsch.

Zitat:Als hätte ihnen der winzige Augenblick, in dem sich ihre Existenzen berührten, einen Stempel auf die Nase gedrückt, gegen den sie sich nicht mehr wehren konnten.
Ein tolles Bild. Allerdings kommt es ein bisschen schwer heraus: wenn man unvoreingenommen an die Geschichte herangeht, dann ist nicht ganz klar wessen Existenzen sich hier berühren. Meine erste Vermutung war, die Existenzen von Charly und Sascha ... später wird natürlich klar, es sind die Existenzen von den beiden jeweils und dem Leben des Ich-Erzählers. Ich würde daher vielleicht "..., in dem ihre Existenzen seine berührten, ..." daraus machen.

Zitat:Den Stempel gab es für sie, ihm gravierte ein Grabstichel von innen einen Kupferstich gegen die Schädeldecke.
Ich finde dieses Bild kombiniert eine eingebrannte Erinnerung mit rasenden Kopfschmerzen. *g* Sehr passend. Vor allem weil der Grabstichel direkt noch das "Grab" im Namen trägt (auch wenn das eher vom Verb "graben" und weniger vom "Grab" kommt, das allerdings auch vom Verb "graben" kommt o.O). Es beschreibt sehr genau was du meinst, die Erinnerung ist da, felsenfest, geradezu schon ein Bestandteil seines Wesens geworden (so fühlt es sich für ihn zumindest an - die eigene Schädeldecke wird zum "Foto"), vor allem ist ein solcher Kupferstich weit beständiger als jedes Blatt Papier, jedes Foto. Wie gemacht für die Ewigkeit, so ließt sich das ... und sie scheint sich andauernd in sein Warnehmungsfeld zu drängen.

Zitat:Der Zug schnitt eine Schneise in die deutsche Landschaft. Graue Felder, Strommasten, schwarze Vögel, ein Himmel, der eine Grimasse zog. Der Wind kämmte durch die kahlen Baumkronen wie ein flüchtiger Friseur. Es war zum Heulen.
Krass. Du hast soeben, sozusagen im Vorbeigehen, ein detailgetreues Bild der Ruhrpottlandschaft in semi-lyrischer Sprache verfasst. Darin finde ich verdammt viele verregnete Zugfahrten wieder. "Es war zum Heulen" -> passt ja zur Grundstimmung des Prots vermutlich nimmt er deshalb die Landschaft auch besonders negativ wahr.
Das der Zug eine Schneise durch die Landschaft zieht, dieses Gefühl hab ich auch immer. Es ist oft so, als wäre der Zug eine eigene abgetrennte Landschaft, die sich zwischen die anderen beiden, links und rechts schiebt.

Zitat:„Killing in the name of ...“, flüsterte Leo.
Ich frage mich gerade, ob man etwas dahinein interpretieren kann, dass er genau jetzt genau dieses Lied hört ... *songtext anguckt* hm ...

Zitat:Manchmal sahen die Stromkabel aus wie horizontal Erhängte: viel zu schlaff für Hochspannung, für Fernsehbildschirme, Neonleuchten und Heizungen.
Toll. Irgendwie gefällt mir dieses Bild ungemein! Die Kombination "horizontal Erhängt" hat tieferer Betrachtung verdient *g*. Interessant, dass unser Prot in der Landschaft Erhängte ausmacht ... wirft kein gutes Licht auf sein Seelenheil ... und fügt sich perfekt in den weiteren Verlauf der Geschichte. Vielleicht kann man das Bild, dass er in den Strommasten ausmacht, besser auf ihn übertragen, als zunächst gedacht ... den zu schlaff für Hochspannung, das ist der Prot auch. Das Kupferstichereignis hat ihn sehr zugesetzt, wie es scheint.

Zitat:Bald konnte man auch Autos mit Strom betreiben. Er dachte an seinen kleinen Nissan, dessen Abwesenheit so präsent war. Sascha.
Was für eine Überleitung ... Von Strommasten, zu mit Strom betriebenen Autos, zu seinem eigenen Auto mit dem er, wie wir später erfahren, (den vermutlich bereits toten) Sascha überfährt. Fast schon bruchlanderisch zielsicher.

Zitat:Bestimmt sagte gerade irgendjemand „Du fehlst“, nur weil derjenige das in den letzten Monaten nicht getan hatte; als könnte er sich durch Trauer der Schuld entledigen und nackt und schamlos vor einem frisch geschaufelten Grab stehen, das viel zu leer geblieben war. Starr mich nicht an.
Ganz starke Stelle. Die Heuchelei die manchmal (viel zu oft) auf einer Beerdigung durchscheint angeprangert ... gleichzeitig Hinweise gegeben, was mit Sascha passiert ist (nicht viel ist von ihm übrig geblieben). Und dann der kursive Satz, wie als Antwort auf die Frage "warum ist das Grab so leer", als käme es dem Prot so vor, als würden die vorwurfsvollen Blicke der Heuchler auf ihm ruhen, er der doch scheinbar so viel echter trauert, als sie. (Bis hierhin hätte man noch denken können, er hätte Sasche vorsätzlich getötet ... aber es gab immer mehr Hinweise, die dagegen sprechen)
Weg aus Bremen, weil ihn da alles anzustarren scheint? Verschwinden in der Anonymität der feiernden Masse Kölns, um auf andere Gedanken zu kommen? Hauptsache Verschwinden.

Zitat:„Ich hab mal einen Hasen überfahren, das war krass.“ Der Stöpsel steckte schon wieder halb in Leos Ohr. „Sehr seltsames Gefühl unter den Rädern. Als hätte man da so verlängerte Nerven, die bis in die Reifen gehen.“
Was für eine dämliche Aussage (ab hier ist klar, Patrick hat "Sascha" irgendwie überfahren) ... wie kann man denn den Tod eines Hasen mit dem eines Menschen vergleichen? Und dann noch das Messer in der Wunde herumdrehen und Patrick daran erinnern, wie es sich angefühlt hat. Wenn man die Menschen nicht kennen würde, würde man niemals glauben, dass sie so taktlos sein können.

Zitat:Saschas Bild steckte als Schatten in seiner Erinnerung, eingeklemmt zwischen zwei Gedankengängen, zwei losen Enden: einem Keks, den er mit einer Hand aus der Packung ziehen wollte, und einer Freundin, die er besuchen fuhr.
Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, ob der wohl zu Gewissensbissen führt? (Wenn ich aufmerksamer gewesen wäre, hätte ich dann noch bremsen können?) Tolle Beschreibung. Perfekt zum Hineinfühlen in die Situation. Besonders gut hast du so das Abrupte eines solchen Unfalls dargestellt, das Überraschende. Patrick rechnet niemals mit soetwas und umso härter trifft es ihn dann.

Zitat:Warum zur Hölle wirft sich ein Mensch von einer Autobahnbrücke? Verfluchte Scheiße! Denkt der nicht dran, dass es Menschen gibt, die das dann sehen müssen?!
Dieser Gedankengang kommt mir auch manchmal ... wenn die Züge Verspätung haben, wegen jemandem der auf die Gleise gesprungen ist. Es muss unglaublich schrecklich sein, wenn du jemanden da stehen siehst und als Zugführer weist, der Bremsweg ist zu lang.

Zitat:Damit es niemand sah. Ohne daran zu denken, dass Scheinwerfer die Straße ebenso gut erhellten wie Tageslicht – die Straße, die Arme, die Beine, die zerquetscht und zerrissen auf dem Asphalt lagen. Asphalt. Standstreifen, Sicherheitsweste, absperren: Wir müssen absperren, bleib von der Straße weg, ruf die Polizei, zieh die Weste an. Schritte zählen. Und kein Blick zur Straße. Er hörte, wie weitere Autos den Toten überrollten, irgendwann da begann er, ihn Sascha zu nennen.
Und hier sehr schön in die Beschreibung der Ereignisse übergeleitet. Es kommt ganz natürlich, aus einem Gedankengang heraus. Und die "abgehackte" Beschreibung malt die Unwirklichkeit in der Patrick alles erlebt, den Schockzustand, der sich seiner bemächtigt hat. Was noch funktioniert sind Automatismen, von der Polizei angeleitet.
Kleine Anmerkung "da" ist eigentlich eine Ortsangabe, keine Zeitangabe. Wenn ich ganz genau lese, stolpere ich darüber. Alternative wäre vielleicht: "irgendwann zu diesem Zeitpunkt ..." aber das ist natürlich sperriger. Hm ... "irgendwann dann" wäre auch richtig, beißt sich aber etwas mit dem "irgendwann" (wir wollen ja keine Binnenreime).


Zitat:Schau mal, siehst du den Typ dahinten. Der sieht auch aus, als hätte er sich festgefressen.
*g* Plumper Ablenkungsversuch.

Zitat:Hier wurden die Städte nur durch Ortsschilder, Bahnansagen und Fußgängerbrücken getrennt.
Genau das selbe habe ich schon von Leuten aus Niedersachsen gehört, die völlig geschockt durch den Pott gefahren sind. Icon_wink

Zitat:Die Stimme eines Kindes brach Patricks Blick aus dem Fenster.
Wie gut! Mit dem kleinen Verb vermittelst du, wie gebannt Patrick aus dem Fenster gestarrt hat, wie wahrscheinlich sein Blick abwesend war und seine Gedanken ganz wo anders ... dann reißt ihn die Stimme eines Kindes zurück in die Zugrealität ... ein Kind, das Gegenteil von einem Toten? Leben und schützende Naivität gegen Tod und bitterer Ernst? (Die Keksszene ist für mich Kontrast zu den Erlebnissen, die Patrick hatte und vielleicht ein erster Haltegriff zurück in die Realität?)

Zitat:Die Bahn verließ den Bahnhof, die parallelen Gleise verschwanden und verteilten Ziele über das Land.
Wow.

Zitat:Meistens ging es um Kekse oder etwas in der Art. Meistens reichte ein Streichholz zur Explosion.
Da taucht er auf, der Titel. Gar nicht so leicht ihn gescheit zu interpretieren ... Schließen wir mal vom zweiten Satz auf den ersten: ein Streichholz reicht aus, um eine Explosion auszulösen. Eine Kleinigkeit ist vollkommen genug, wenn die Umstände stimmen (hast du hier versucht das abgedroschene überlaufende Fass zu vermeiden? Icon_smile)
Genauso der Keks? Der Keks, den Patrick in dem Moment aus der Tüte holte, als er lieber hätte ausweichen sollen?
Ein Keks ist eigentlich etwas sehr Banales und doch reichte er aus, um Patrick jede Chance zu nehmen, auszuweichen.

Zitat:Er hatte bildlich vor Augen, wie der Vater die Kinder an jeder Station an den Händen festhielt, damit sie nicht aus Neugier durch die Tür nach draußen sprangen und auf einem grauen Bahnhof verloren gingen. Man hätte auch Charly festhalten können, bevor es zu spät gewesen war.
Ich finde genial, wie du es schaffst, Patricks Gedankengänge an das Geschehen im Zug anzubinden. Es gibt immer einen Anstoß der Patrick die Bilder wieder vor Augen führt, er monologisiert nicht einfach vor sich hin. Dadurch wirkt die Geschichte flüssig, zusammenhängend.

Zitat:Charly war ein Toter für Anfänger, Sascha Schritt zwei. Er wollte nicht wissen, was als nächstes kommen könnte.
Wenn man das komuliert ließt: das Schicksal hat Patrick richtig übel mitgespielt. (Tote für Anfänger, Tote für Fortgeschrittene, wir haben alles da, aber für die Experten-Toten brauchen Sie 'ne Bescheinigung vom Seelendoc, aber dafür gibts die Fahrkarte in die Anstalt gratis dazu)

Zitat:„Wusstest du, dass Erhängen ein Glücksgefühl auslöst, weil dein Blut im Kopf gestaut wird und sich das angeblich verdammt gut anfühlt?“
*g* also eigentlich löst der Sauerstoffmangel das Glücksgefühl aus und nicht das gestaute Blut. Da hat wohl einer in Rechtsmedizin nicht aufgepasst!

Zitat:„Du stirbst nämlich gar nicht, weil dir der Sauerstoff ausgeht, sondern weil kein Blut mehr nachkommt.
Aber dann stirbst du doch trotzdem an Sauerstoffmangel im Gehirn (wo kein Blut da kein Sauerstoff) *klugscheißt* :p

Zitat:„Sie können gar nichts, Sie haben sich hier strafbar gemacht.“
Dazu sag ich jetzt mal nichts. Mrgreen

Zitat:Fünfzehn Minuten im Abseits, einen Schritt neben der Zeit; losgelöst, aber noch nicht freischwebend, als hielte der Strang ihn ebenso nah am Leben wie am Tod.
Tolle Stelle. Der Strang als Konstante in einem ungewissen Moment irgendwo zwischen Leben und Tod. Toll.

Zitat:Das war ihr Problem, ihr Fehler. Und jetzt war es auch Patricks, weil ihre Gesichter sich mit Namen in seinem Kopf zu Menschen vermischt hatten, an die er nicht aufhören konnte, zu denken.
Ich finde diese Stelle ein wenig klobig. Ich glaube das liegt daran, weil es mir wie eine Wiederholung vorkommt, wenn du uns sagst, dass Patrick nicht aufhören konnte an die beiden zu denken. Denn das haben wir als Leser definitiv mitbekommen. Icon_wink Ich werde deshalb diesen letzten Teilsatz einfach weglassen (wie gesagt, das ist dem Leser klar) und einfach nur die Bilder sprechen lassen.

Zitat:Vielleicht werden wir ganz langsam Teile fremder Biographien. „Das darf nicht wahr sein, dass der den jetzt einfach rausschmeißt. Patrick, wir müssen was ...“
… arrangieren.
Da schaltete Patrick ab.
Ja vielleicht werden wird das, vielleicht können wir uns nicht dagegen wehren und eigentlich kann man nichts mehr ändern, auch nicht am Tod von zwei unbekannten Personen die nun Teil von Patricks Biographie sind, sowie er sozusagen der abschließende Teil ihrer eigen ist.
Was ist aber der Auslöser für diesen Gedanken? Leon steht auf, Leo handelt, Leo will sich einmischen auch er wird so Teil einer fremden Biographie ... oder schickt sich zumindest dazu an. Und Patrick findet anscheinend ein Puzzelteil, das ihm noch gefehlt hat.
Es passiert einfach. Ist das die Antwort?

Zitat:Er schaltete die Menschen ab, den Schwarzfahrer ab, den Schaffner ab, dann Leo, Sascha, Charly, zog die Taschenlampe aus dem Rucksack und leuchtete sich wie ein Gespenst ins Gesicht.
„Also gut. Feiern wir Karneval.“
Für einen Moment gab es nur ihn und diesen Satz.
Dann kamen die Geräusche zurück. Es war Januar und das Jahr noch ein Meer.
Alles auf Anfang, rebooted, so wie man einen Rechner neu hochfährt, wenn er spinnt. Und dann öffnet sich Patrick endlich wieder die Welt, die vorher nur eingeengtes Grauen war.
Ein schönes, ein hoffnungsvolles Ende (zumindest lese ich das darin). Konzentriert dann auch im Gedichtzitat: du stehst am Anfang (des Jahres) und alle Möglichkeiten stehen dir noch offen.

Hm, was soll ich sagen. Mir hat diese Geschichte - erstmal vom handwerklichen her - sehr gut gefallen. Du flechtest Bilder in den Text ein, die oft eine unglaublich treffende Verdrehung von Sprache sind, die mich manchmal einfach nur genießen lassen. Ich hab (für mich) ein oder zwei Unsauberkeiten bei der Wortwahl und beim Satzaufbau gefunden. Ansonsten konnte man sich wunderbar auf den Textfluß konzentrieren. Schön. Icon_smile

Jetzt zum Inhalt: Ich weiß noch, dass mir der Geschichte beim ersten Lesen für den Wettbewerb irgendwas gefehlt hat. Irgend ein besonderer Knackpunkt - glaub ich. Jetzt denke ich, dass das daran lag, weil mir einige Verknüpfungen beim gesamtbetrachtenden Lesen nicht klar geworden sind. Wenn ich nun alles intensiv durchgehe, eine befriedigende Erklärung für die Kekse finde und das Ende auseinandernehme (ich glaube, ich war anfangs gar nicht sicher, ob es ein positives Ende ist, oder ob er nur komplett durchdreht *ggg*), jetzt fehlt mir auf einmal nichts mehr. Der Knackpunkt liegt in dem einen Moment in den Leo Patrick darauf bringt, dass es gar nicht anders geht, dass sich nichts ändern lässt und dass es auch gut so ist, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen (zumindest interpretiere ich diese Stelle so). Ein Gedanke der es wert ist geteilt zu werden (und deshalb schon Bestandteil von Signaturen geworden ist Icon_wink). In der Geschichte geht es sozusagen um ein ausgerenktes Gelenk. Es schmerzt wenn man es belasten will, es schränkt in der Bewegungsfähigkeit ein und wenn es heilen will, tut das auch weh.
Aber eigentlich braucht man nur einen entscheidenden Ruck und es "rastet" wieder ein.
Deine Frage war: alles redet von den Opfern, aber was ist mit den Menschen die sie finden, sehen, zum Werkzeug gemacht werden. Sind sie nicht auch Opfer? Und wie kommen sie damit klar?
Es hat sich definitiv gelohnt, diese Geschichte zu schreiben ... und sie zu lesen.

Viele Grüße vom Wanderer

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
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24-08-2010, 01:05
Beitrag #16
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo Weltenwanderer,

es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht ... jetzt steht der Kommi hier schon drei Wochen ohne Antwort. Also los, und erstmal: Vielen Dank für deinen Kommentar, in all seiner Ausführlichkeit und Interpretationsfreude!

Zitat:Ich würde daher vielleicht "..., in dem ihre Existenzen seine berührten, ..." daraus machen.
Ja, stimmt schon. Auch wenn dieses "seine" nicht so schön spritzig klingt ... aber ich hab's mal geändert.
Zitat:Du hast soeben, sozusagen im Vorbeigehen, ein detailgetreues Bild der Ruhrpottlandschaft in semi-lyrischer Sprache verfasst. Darin finde ich verdammt viele verregnete Zugfahrten wieder. (...) Dass der Zug eine Schneise durch die Landschaft zieht, dieses Gefühl hab ich auch immer. Es ist oft so, als wäre der Zug eine eigene abgetrennte Landschaft, die sich zwischen die anderen beiden, links und rechts schiebt.
Vor allem scheint der Zug, aber in beide Richtungen von Hamm aus, wie die einzige Bewegung, die's da gibt. Sonst bewegt sich alles in einem Radius von zehn Metern, mal eine Landstraße mit Autos, die NordWestBahnen überholen, aber sonst? Aber das hier ist eigentlich weniger Ruhrpott (der ist das mit den Brücken), sondern mehr Westfalen. Und Maisfelder, die würden heute dabei stehen Icon_wink
Zitat:Ganz starke Stelle. Die Heuchelei die manchmal (viel zu oft) auf einer Beerdigung durchscheint angeprangert ... gleichzeitig Hinweise gegeben, was mit Sascha passiert ist (nicht viel ist von ihm übrig geblieben).
Gut dass das nicht andersrum rüberkommt. Ich hatte beim Schreiben kurz Sorge, dass der Satz (Bestimmt sagte gerade irgendjemand "du fehlst") zu polemisch daher kommen würde. Und zu Bremen und Köln: Letztendlich hat ein Besuch in Bremen für die Anfangsstadt und die Kenntnisse der Strecke Bielefeld/Münster - Hamm - Köln für die Zielstadt gesorgt*g*
Zitat:wie kann man denn den Tod eines Hasen mit dem eines Menschen vergleichen? Und dann noch das Messer in der Wunde herumdrehen und Patrick daran erinnern, wie es sich angefühlt hat. Wenn man die Menschen nicht kennen würde, würde man niemals glauben, dass sie so taktlos sein können.
Ist aber - nahezu - so gesprochen worden. Oder so berichtet. Hab's nicht "im Original" gehört, sondern nur im Fremdschämen danach *lacht*
Zitat:Besonders gut hast du so das Abrupte eines solchen Unfalls dargestellt, das Überraschende. Patrick rechnet niemals mit soetwas und umso härter trifft es ihn dann.
Das ist auch der Grund, weswegen ich so ungern allein Auto fahre ... Aber letzten Endes ist es hier so: Egal, was er gemacht hätte, Sascha wäre gesprungen. Es ist ja dann egal, wer ihn überfährt und wahrscheinlich geht jeder damit anders um, aber für Sascha unterscheiden sich die Wagen vielleicht nur nach ihrer Größe. Oder Geschwindigkeit.
Zitat:Kleine Anmerkung "da" ist eigentlich eine Ortsangabe, keine Zeitangabe.
Aber wenn man schreibt: "Da passierte es: Das Haus brach zusammen", dann ist "Da" ja auch keine Ortsangabe, sondern zeitlich - ähnlich wie "plötzlich", nur eben etwas unplötzlicher.
Zitat:Ich finde genial, wie du es schaffst, Patricks Gedankengänge an das Geschehen im Zug anzubinden. Es gibt immer einen Anstoß der Patrick die Bilder wieder vor Augen führt, er monologisiert nicht einfach vor sich hin. Dadurch wirkt die Geschichte flüssig, zusammenhängend.
Danke Icon_smile Auch wenn diese Verbindungen der Geschichte wahrscheinlich die absolute Konstruktion verleihen, was einen auch stören kann, aber ich mag diese Verbindungen von Denken und Umgebung sehr gern, auch wenn es bei mir meist andersrum ist: Ich konzentriere mich dann einfach voll auf das Gespräch der anderen, wenn's halbwegs interessant ist (ist's meist nicht) oder schalte ganz ab. Aber Patrick hat ja keinen MP3-Player *g*
Zitat:(Tote für Anfänger, Tote für Fortgeschrittene, wir haben alles da, aber für die Experten-Toten brauchen Sie 'ne Bescheinigung vom Seelendoc, aber dafür gibts die Fahrkarte in die Anstalt gratis dazu)
Icon_wink
Zitat:also eigentlich löst der Sauerstoffmangel das Glücksgefühl aus und nicht das gestaute Blut. Da hat wohl einer in Rechtsmedizin nicht aufgepasst!
Zitat:Aber dann stirbst du doch trotzdem an Sauerstoffmangel im Gehirn (wo kein Blut da kein Sauerstoff)
Anscheinend hat mir da jemand mit Gedächtnis nur die halbe Wahrheit übermittelt. Aber weißte was: Da kann ich nichts für, wenn sich Patrick falsch informiert. So. Und dazu:
Zitat:„Sie können gar nichts, Sie haben sich hier strafbar gemacht.“
Der Satz steht da extra für dich, damit du schreiben kannst (oder denken), welche Gesetze man wälzen könnte und wieso man trotzdem bezahlen sollte. Tja. Man darf da vielleicht auch den Aspekt "natürliche Unfreundlichkeit westfälischer Fahrgäste und Fahrgastkontrolleure" nicht vergessen.
Zitat:Ich glaube das liegt daran, weil es mir wie eine Wiederholung vorkommt, wenn du uns sagst, dass Patrick nicht aufhören konnte an die beiden zu denken. Denn das haben wir als Leser definitiv mitbekommen.
Okay.
Zitat:Es passiert einfach. Ist das die Antwort?
Ja. Die beste, die diese Geschichte liefert.
Zitat:Mir hat diese Geschichte - erstmal vom handwerklichen her - sehr gut gefallen. Du flechtest Bilder in den Text ein, die oft eine unglaublich treffende Verdrehung von Sprache sind, die mich manchmal einfach nur genießen lassen.
Das freut mich sehr Icon_smile
Und noch mehr das:
Zitat:Wenn ich nun alles intensiv durchgehe, eine befriedigende Erklärung für die Kekse finde und das Ende auseinandernehme (...), jetzt fehlt mir auf einmal nichts mehr. Der Knackpunkt liegt in dem einen Moment in den Leo Patrick darauf bringt, dass es gar nicht anders geht, dass sich nichts ändern lässt und dass es auch gut so ist, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen
Zitat:Deine Frage war: alles redet von den Opfern, aber was ist mit den Menschen die sie finden, sehen, zum Werkzeug gemacht werden. Sind sie nicht auch Opfer? Und wie kommen sie damit klar?
Ach, Opfer ... ich mag das Wort überhaupt nicht mehr, seit das in jeder Herz- und Nierenlage für "hilflose Menschen" benutzt wird. Klar, Opfer höherer Gewalten, von Naturkatastrophen, Planungsfehlern, Terroranschlägen, von Sozialstaat, Hartz und Guido Westerwelle. Hm, ich weiß nicht, das Wort ist so strapaziert, dass jeder Opfer ist. Das hat hiermit nichts zu tun, ich weiß ja, was du ausdrücken willst. Aber es klingt immer so, als könnte niemand etwas dafür. Und das ist das Traurige. Vielleicht geht es weniger um Opfer und mehr um einen Schmetterlingsschlag. Da reißt's nicht so viele Türme mit ein.

Freut mich sehr, dass es dir so gut gefallen hat! Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne)
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18-09-2011, 21:07 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19-09-2011 09:00 von jadeaugen.)
Beitrag #17
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hey Libbi,

ich muss gestehen, schon vor Längerem in deinem Werkeverzeichnis geschnüffelt zu haben und dabei über diesen Text gestolpert zu sein - allerdings hatte ich bisher davon Abstand genommen, ihn zu kommentieren, weil ich mir nicht sicher war (und bin), ob dir der Text nicht zu alt ist, um ihn ausgraben zu lassen.
Im Rahmen des Wettbewerbes, aber auch, weil ich den Text wirklich gut und empfehlenswert finde (um das vorweg zu nehmen). Und weil ich dir gerne einen Kommentar zurück geben möchte, nachdem du mich mit so viel Aufmerksamkeit beehrt hast Smiley_emoticons_blush

Angezogen hat mich bei der Geschichte vor allem der Titel, wir scheinen da einen wirklich ähnlichen Geschmack zu haben. Schon für sich stehend find ich ihn herrlich unaufgeregt, betont undramatisch, und er entlockt direkt ein leichtes Schmunzeln, bevor man sich an den Text wagt. Nach dem Lesen mochte ich den Titel noch mehr, weil er so schön aus der Geschichte heraus erwächst und integriert ist, einen echten Bezug hat. Zudem kann ich bei einem so ernsten und emotionalen Thema, wie du es aufgreifst, nur noch einmal betonen, dass mich die fehlende Dramatik, der fehlende Pathos an dem Titel wirklich begeistert. Denn ja, meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art. Ob das Sterben und der Tod das absurd oder skurril erscheinen lassen, bleibt wohl noch immer im Auge des Betrachters, für mich ist es aus der Position des Beobachters ein schöner Gedanke, das nicht so zu sehen.
In deiner Geschichte habe ich für mich keinen Text darüber gesehen, wie absurd das Alltagsleben nach solchen Grenzerlebnissen scheint - natürlich kann man das da lesen, kann sehen, wie stark solche Erlebnisse unser Inneres verändern können und immer präsent bleiben. Ich habe in dieser Kurzgeschichte eher das Sinnbild davon gesehen, wie sehr das große Ganze des Lebens von beidem geprägt wird, sowohl von Flachem als auch von Tiefem, von Schönem und Schrecklichem. Es erinnert so schön daran, dass jeder von Zeit zu Zeit solche Eindrücke, Erlebnisse und Gefühle zu tragen hat, die den Alltag so völlig nichtig scheinen lassen, die sich in jede Fuge fressen und uns überall überrollen. Die in unsere Leben verwebt werden, auch wenn sie vielleicht, wie in deiner Geschichte, eigentlich nichts mit unserem Leben zu tun hatten. Das finde ich besonders schön, diese Darstellung davon, wie plötzlich sowas in unser Leben einbrechen kann, ohne dass wir Schuld daran haben. Und auch, dass Selbstmörder nicht nur ihr eigenes Leben und das ihrer Angehörigen in den Händen halten.

Die kunstvolle Verknüpfung zwischen Alltäglichkeit und Unaussprechlichem, zwischen Bahnfahrt und Grenzerlebnis fand ich hervorragend, sowohl konzeptionell als auch in der Umsetzung. Sicher, an einigen Stellen liest es sich beim ersten Mal nicht ganz flüssig, da der Leser sehr schnell zwischen den Situationen schalten muss, meiner Meinung nach kann man das den Lesern aber zumuten.
Deine Sprache, die genauso wie der Titel so schön unaufgeregt und ohne Kitsch und Pathos daherkommt, gefällt mir gerade für dieses Thema sehr. Manchmal gleitest du allerdings zu sehr in Jugendsprache und Flapsigkeit ab - ich finde die Dialoge nicht übertrieben, ich kenne einige, die so reden würden, aber weniger wäre hier für mich mehr gewesen. So kann es nicht richtig auf den Leser wirken, wie unpassend das Verhältnis Sprache/Emotion ist.

Nunja, was schwafele ich hier vor mich hin... kurz gesagt: Ich werde hier nicht groß herumkritisieren oder mich an kleinen Formulierungen stoßen. Stattdessen kann ich dir einfach sagen: Diese Geschichte hat mir sehr gefallen und ich habe diese Grundidee bisher noch nie so gut umgesetzt gesehen. Ein ganz großes Kompliment dafür.

Schreib mal wieder, Geschichten wie diese braucht es Icon_bussi

Grüße,
Jade

Geschreibselerinnerungshilfe
--- öffne die tür dem nein // sollen die vögel doch fliegen ---
--- Le Clézio ---


When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy.’ They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.
- John Lennon -
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19-09-2011, 08:21
Beitrag #18
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo Libbi,

ich stelle fest, ich habe diese Geschichte noch nicht kommentiert. Schaden über mein Haupt, also dann legen wir los! Du solltest übrigens wieder mehr schreiben, sofern du ein bisschen Zeit erübrigen kannst. Machst das nämlich immer sehr gut, auch wenn für mich, manchmal, wirr. *lach*

Er nannte den einen Sascha und den anderen Charly. Sie kannten sich nicht; er kannte Sascha nicht, er kannte Charly nicht, Sascha kannte Charly nicht und Charly Sascha erst recht nicht.
=> hehe, diesen Beginn hab ich noch gut im Kopf. Echt klasse!

Mit großer Wahrscheinlichkeit waren das nicht einmal ihre wirklichen Namen, es waren die, die zu ihren Gesichtern passten.
=> hmm, .. mit Sascha verbinde ich ja was weicheres und bei Charly, ... *lach* nen Schäferhund und einen wundervollen Zeichentrick aus meiner Jugend.

Als hätte ihnen der winzige Augenblick, in dem sich ihre Existenzen berührten, einen Stempel auf die Nase gedrückt, gegen den sie sich nicht mehr wehren konnten.
=> Sehr fein!

Den Stempel gab es für sie, ihm gravierte ein Grabstichel von innen einen Kupferstich gegen die Schädeldecke.

=> *Augenbrauen hochzieht* Wie bitte?

Verschwinden war eine gute, eine naheliegende Idee.
„Hör mal“, sagte Leo, „du sollst mal hören, das ist Rage Against The Machine.“
Der Zug schnitt eine Schneise in die deutsche Landschaft.
=> ich rekapituliere. Wir sitzen im Zug in Deutschland mit Charly, Sascha und Leo, der Rage Against The Machine liebt. Soweit so gut. Sie kennen sich nicht. Niemand kennt niemand nicht. Eine unverfängliche Zugfahrt, scheinbar. Bisher.

Graue Felder, Strommasten, schwarze Vögel, ein Himmel, der eine Grimasse zog.
=> sehr stark!

Der Wind kämmte durch die kahlen Baumkronen wie ein flüchtiger Friseur. Es war zum Heulen.
=> Das Wetter, der Wind, oder was ist so zum heulen?

„Halt die Fresse, Leo, halt einfach mal für einen Moment die Fresse, okay?“
=> Wer sagt das? Charly, wenn ich an die Namen denke? Mrgreen

Köln. Köln war weit weg von Sascha und Charly, weit weg von Bremen. Er starrte wieder aus dem Fenster, während Leo weiter Rage Against The Machine hörte.
=> hmm, ist doch ein bisschen verwirrend. Wer ist das "er" jetzt. Eine vierte Person? Aber wir hatten doch Anfangs nur drei, oder hab ich etwas verschwitzt?

Sascha. Bestimmt sagte gerade irgendjemand „Du fehlst“, nur weil derjenige das in den letzten Monaten nicht getan hatte; als könnte er sich durch Trauer der Schuld entledigen und nackt und schamlos vor einem frisch geschaufelten Grab stehen, das viel zu leer geblieben war.
=> Okay, erst wirr, aber dann gehts. Ich frag mich nur, ... also "Sascha" kann ich nicht einordnen. Oder doch: Sascha starrt Leo an? Oder nein, Sascha könnte Patrick anstarren. Die vierte Person von der wir jetzt - genau genommen - das erste mal hören.

„Hey, Patrick“, wandte sich Leo wieder an ihn und zog die Stecker aus den Ohren. „Tut mir Leid, okay, ich hab's einfach kurz vergessen. Scheiße, Mann ...“
=> Was vergessen, dass er ihn nicht anstarren soll?

„Sehr seltsames Gefühl unter den Rädern. Als hätte man da so verlängerte Nerven, die bis in die Reifen gehen.“
=> hä? Icon_lachtot

Patrick sagte nichts. Saschas Bild steckte als Schatten in seiner Erinnerung, eingeklemmt zwischen zwei Gedankengängen, zwei losen Enden: einem Keks, den er mit einer Hand aus der Packung ziehen wollte, und einer Freundin, die er besuchen fuhr.
=> Find ich toll!

Sein Fluch war ein Zischen. „Warum zur Hölle wirft sich ein Mensch von einer Autobahnbrücke? Verfluchte Scheiße! Denkt der nicht dran, dass es Menschen gibt, die das dann sehen müssen?!“
=> Der Dialog ist ganz schön fordernd. Daran hat er gedacht, weil? Wegen der Freundin, die er besuchen fährt?

Oder hatte Sascha sich deswegen nachts umgebracht: Damit es niemand sah. Ohne daran zu denken, dass Scheinwerfer die Straße ebenso gut erhellten wie Tageslicht – die Straße, die Arme, die Beine, die zerquetscht und zerrissen auf dem Asphalt lagen.
=> Sascha hat sich umgebracht? Macht Sinn, denn reden tun rückblickend betrchtet nur Patrick und Leo. Die echten Freunde. Der eine, der aus dem Fenster starrt und der andere, der Musik hört. Beide im Zug. Nach Köln. Köln ist weit weg von Sascha und Charly. Weit weg von Bremen. Hmmm.

Leos Worte waren nicht einmal ein schwacher Trost. „Ich krieg's einfach nicht aus dem Kopf. Das hat sich festgefressen.“
=> Also Patrick hat Sascha überfahren? Nachdem der sich von einer Autobahnbrücke geworfen hat? *das Gesicht verzieht und feststellt, immer noch zu rätseln*

Patrick folgte Leos Blick und sah einen Mittvierziger, der einem Geheimagenten in Pension glich, es fehlten nur Sonnenbrille und Coolness.
=> *lach*

Er konnte nichts dafür. Nichts. Jeder andere hätte an seiner Stelle sein können, hätte Sascha überfahren können, hätte Charly finden können.
=> Jetzt ist wieder alles klar. Ich finds eigentlich sehr interessant dich zu lesen, vor allem: jedes Wort. Sich Zeit zu nehmen, hilft bei dir sehr, sehr viel. Wenn man die Geschichte versucht Wort für Wort zu verstehen, gehts um einiges besser und mit Druck dann schon mal gar nicht. Du baust merkwürdig auf. Fängst erst so an, als würden drei im Zug sitzen. Man denkt an ein Abteil, sieht den Zug, das Grau aus dem Fenster. Nach Köln. Dann wird klar, Patrick hatte ne echte Pechsträhne. Er hat Sascha überfahren und Charly nach dem Brückensprung gefunden. Jetzt auf der Flucht? Nach Köln. Weit weg von Bremen.

Hier wurden die Städte nur durch Ortsschilder, Bahnansagen und Fußgängerbrücken getrennt.

=> Pro

Meistens ging es um Kekse oder etwas in der Art. Meistens reichte ein Streichholz zur Explosion.
=> Was für ein Satz-Duell!

Charly sah viel ruhiger aus als Sascha, aschfahl und wie aus einer anderen Zeit in seinen Morgensport geschnitten. Nicht wie ein plötzlich zu Boden Gefallener; Charly war ein Toter für Anfänger, Sascha Schritt zwei.
=> Was für Gedankengänge ... o.O

Er wollte nicht wissen, was als nächstes kommen könnte.
=> alle guten Dinge sind ... drei? Mrgreen

„Wusstest du, dass Erhängen ein Glücksgefühl auslöst, weil dein Blut im Kopf gestaut wird und sich das angeblich verdammt gut anfühlt?“
=> stärker als das Ersticken? Icon_irre

Ein viel zu fremder Anblick, ein zu gestelltes Bild, in dem nicht klar war, wer den Statisten, wer den Hauptdarsteller mimte.
=> Pro

Charly. Später erfuhr er, dass Charly schon mehrere Tage am Strang hing. Nach fünfzehn Minuten stand das Herz still.
=> Von der Brücke gesprungen, um sich zu erhängen und das Pech gehabt, dass das Genick nicht bricht? Autsch. Fünfzehn Minuten? - Großes Pech. Wobei? Vielleicht auch "Glück"? Stimmt. Patrick dreht echt am Rad.

Saschas Tod war ein sofortiger. Es war nach dem Sprung zu wenig von ihm übrig geblieben, als dass seine Verletzungen noch mit dem Leben vereinbar gewesen wären.
=> Auch gesprungen, oder hab ich was vertauscht?

Er war nicht mit dem Leben vereinbar, seine ganze Gestalt nicht, und Charlys auch nicht. Das war ihr Problem, ihr Fehler. Und jetzt war es auch Patricks, weil ihre Gesichter sich mit Namen in seinem Kopf zu Menschen vermischt hatten, an die er nicht aufhören konnte, zu denken.
=> Dafür, dass er sie nicht kannte, ja, haben sie in seinem Kopf ganz schon Gestalt angenommen ...

Vielleicht werden wir ganz langsam Teile fremder Biographien.
=> wow! Pro

"Es war Januar und das Jahr noch ein Meer." - Eigentlich ist das ganze Leben ein Meer. Die Jahre. Die davor und danach. Alles. Und ein Meer schwemmt auch mal schreckliche Dinge an, wenn man so will. In dem Fall Patrick direkt vor die Füße. Wie es sein kann, das Strandgut des Lebens aufzusammeln - vor allem solches - hast du sehr, sehr schön dargestellt. Ich will fast sagen: subtil. Ohne Schnörkel, ohne große Umschreibung, sondern eher verdreht wie das Leben - von hinten nach vorn aufgeknüpft. Patrick wird für den Leser Stück für Stück begreifbarer, auch, wenn es ein bisschen dauert, die Geschichte zu verstehen. Vorallem der Beginn trägt zu Verwirrung bei, wie du sicher bemerkt hast, aber ich unterstelle dir ganz einfach Absicht. Ich glaub du magst es, dass deine Leser kein leichtes Spiel haben. Und warum auch nicht? Die Thematik an sich ist recht schwerverdaulich gewählt, unaufdringlich geschildert - wie ich finde - und gerade das macht es besonders. Das Zurücksehen, Zurückverstehen, im Vergleich zum jetzt. Zu der Bahnfahrt, die einfach im Hintergrund bleibt, wie vieles andere. Weil das gesehene zu verstörend ist. Das Patrick den beiden Namen gegeben hat, damit auch mehr Charakter, find ich toll gemacht übrigens. Es ist für ihn sicherlich auch ein Schritt in Richtung Verarbeiten, der es grundsätzlich nichts leichter macht. Leicht wäre es, zu verdrängen. Etwas, dass deinem Protagonisten so gar nicht gelingen will und sollte man das überhaupt? Ist nicht gerade Patrick in seiner Ansicht, seiner emotionslosen Ader, vielleicht viel emotionaler? Wie du siehst, stell ich mir gerade viele verquere Fragen, die im Grunde aber nur einen Schluss zulassen: ich mag deine Art, Geschichten zu schreiben, auch wenn sie immer wieder ein bisschen anstrengend ist. Trotzdem: Libbi-Geschichten sind immer was Besonderes, das garantiert der Name schon fast. Und auch hier hast du dich toll bewiesen und bietest eine sehr lesenswerte Geschichte, die man schon mehrfach lesen muss, um sie "schmecken" zu können. Ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein.

Von mir ein (sprachlich sowie inhaltlich): Pro

Gerne gelesen,
Sternchen

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Das ist Literatopia, unser 'Planet', unsere Zuflucht. Die kann uns niemand wegnehmen, ehrlich. Hier haben wir uns. - Dread
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19-09-2011, 12:28
Beitrag #19
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo ihr Beiden,

vielen lieben Dank für eure Kommentare! Icon_smile
Auch wenn die Geschichte schon älter ist und schon einige Kommentare bekommen hat, freue ich mich sehr darüber, zu hören, wie sie auf euch wirkt.
Und spätestens für den Schreibwettbewerb muss ich ja wieder was schreiben - mit dem Ziel, dieses Mal nicht zwei Tage vor Abgabe in zwei, drei Stunden etwas runterzurattern ... mir fällt es nur oft schwer, Themen zu finden, über die ich schreiben möchte. Es soll ja auch etwas aussagen, denn einfach Geschichten erzählen kann ich nicht. Deshalb habe ich auch seit Längerem nicht mehr geschrieben Icon_wink. Aber vllt wird es ja wieder. Bei den ganzen Geschichten, die ich im Moment lese, kriege ich schon wieder Lust *lacht*

zu jade:
Ich war sehr gespannt, was du sagst - weil du (zumindest soweit ich weiß) noch nichts von mir gelesen hast und das einen Kommentar verspricht, in dem kein "typisch Libbi" vorkommt *lacht*
Zitat:Angezogen hat mich bei der Geschichte vor allem der Titel, wir scheinen da einen wirklich ähnlichen Geschmack zu haben.
Ich mag Titel, in denen man schon etwas lesen kann, die auf der einen Seite etwas verraten, neugierig auf die Geschichte machen. Titel, die keine Gemeinplätze sind. Freut mich sehr, dass dir dieser hier gefällt Icon_smile
Zitat:Ich habe in dieser Kurzgeschichte eher das Sinnbild davon gesehen, wie sehr das große Ganze des Lebens von beidem geprägt wird, sowohl von Flachem als auch von Tiefem, von Schönem und Schrecklichem. Es erinnert so schön daran, dass jeder von Zeit zu Zeit solche Eindrücke, Erlebnisse und Gefühle zu tragen hat, die den Alltag so völlig nichtig scheinen lassen, die sich in jede Fuge fressen und uns überall überrollen.
Mir gefällt, wie du die Geschichte liest.
Manchmal frage ich mich: Was bleibt dann von der Erfahrung, die man gemacht hat? Meistens verlebt es sich - ist vllt auch besser so. Irgendwann wird es leichter darüber zu sprechen.
Zitat:Manchmal gleitest du allerdings zu sehr in Jugendsprache und Flapsigkeit ab - ich finde die Dialoge nicht übertrieben, ich kenne einige, die so reden würden, aber weniger wäre hier für mich mehr gewesen. So kann es nicht richtig auf den Leser wirken, wie unpassend das Verhältnis Sprache/Emotion ist.
Ja, das stimmt vielleicht. Beim nächsten Mal gibt's etwas weniger Jugendsprache. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass der Dialog unrealistisch wirkt - oder eben total raussticht. Wenigstens scheint das nicht komplett der Fall zu sein.
Zitat:Diese Geschichte hat mir sehr gefallen und ich habe diese Grundidee bisher noch nie so gut umgesetzt gesehen. Ein ganz großes Kompliment dafür.
Wow, danke. Das ist ein sehr schönes Lob Icon_smile

zu Sternchen:
Hm, ich dachte auch, du hättest die Geschichte schon kommentiert. Aber umso schöner für mich jetzt, denn so hab ich deinen Kommentar nach einem eher nervigen Vormittag als Trostpflaster gekriegt Icon_smile
Es ist sehr interessant zu sehen, wie du den Anfang gelesen hast. Addi hat auch direkt an zwei Hunde gedacht.
Ist für dich am Anfang wirklich nicht rausgekommen, dass nur Patrick und Leo im Zug sitzen und die anderen beiden nur in Patricks Kopf existieren? Patrick denkt darüber nach und Leo gibt ein paar unqualifizierte Kommentare dazu ab. Das Gespräch ist also auch nur ein Dialog. Eigentlich dachte ich, das würde soweit rauskommen.
Zitat:Sascha hat sich umgebracht? Macht Sinn, denn reden tun rückblickend betrchtet nur Patrick und Leo. Die echten Freunde. Der eine, der aus dem Fenster starrt und der andere, der Musik hört. Beide im Zug. Nach Köln. Köln ist weit weg von Sascha und Charly. Weit weg von Bremen. Hmmm.
Ja, genau. Sascha ist von einer Brücke gesprungen und Patrick saß im zweiten Auto, das ihn überfuhr. Charly hat sich im Wald erhängt und Patrick war der Jogger, der ihn gefunden hat. Das ist die ganze Geschichte. Komm, das kann man erkennen Icon_smile
[Ja, tust du dann auch Icon_smile ]
Zitat:Ich finds eigentlich sehr interessant dich zu lesen, vor allem: jedes Wort. Sich Zeit zu nehmen, hilft bei dir sehr, sehr viel. Wenn man die Geschichte versucht Wort für Wort zu verstehen, gehts um einiges besser und mit Druck dann schon mal gar nicht. Du baust merkwürdig auf.
Weißt du was: Ich hab bei dieser Geschichte wirklich gedacht: Yay, die ist voll verständlich. Du hast geschrieben, wie's ist. Nix Kriptisches. Alles ist klar, der Anfang vllt ein bisschen durcheinander, aber ansonsten. Das checkt jeder, die Geschichte kann man mal runterlesen. Und das habe ich bei allen "jüngeren" Geschichten gedacht. Vllt sollen meine Geschichten einfach nicht so sein Icon_wink
Wie du den Anfang siehst, habe ich ihn noch gar nicht gesehen. Interessant Icon_smile
Zitat:„Wusstest du, dass Erhängen ein Glücksgefühl auslöst, weil dein Blut im Kopf gestaut wird und sich das angeblich verdammt gut anfühlt?“
=> stärker als das Ersticken?
Ja. Für manche Leute gehört das auch zu erotischen Abenteuern.
Zitat:Charly. Später erfuhr er, dass Charly schon mehrere Tage am Strang hing. Nach fünfzehn Minuten stand das Herz still.
Von der Brücke gesprungen, um sich zu erhängen und das Pech gehabt, dass das Genick nicht bricht? Autsch. Fünfzehn Minuten? - Großes Pech. Wobei? Vielleicht auch "Glück"? Stimmt. Patrick dreht echt am Rad.
Stop. Wieso von der Brücke gesprungen, um sich zu erhängen? Nee nee, nicht die Chars durcheinander werfen!
Zitat:Wie du siehst, stell ich mir gerade viele verquere Fragen, die im Grunde aber nur einen Schluss zulassen: ich mag deine Art, Geschichten zu schreiben, auch wenn sie immer wieder ein bisschen anstrengend ist.
Schön, dass die Geschichte etwas bewirkt - zum Nachdenken anregt. Oder zumindest zu ein paar Gedanken. Und wie gesagt - nicht anstrengend versuch ich, jedes Mal, und das ist das Ergebnis. Ich finde sie nicht anstrengend. Aber man merkt wohl, dass er ich nicht von vorne nach hinten durchschreiben kann, sondern immer portionsweise weitermache.

Vielen Dank euch beiden für die Kommentare!
Es freut mich total, dass euch die Geschichte so gut gefällt. Ich mag sie auch Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne)
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19-09-2011, 13:02
Beitrag #20
RE: Meistens geht es um Kekse oder etwas in der Art
Hallo Libbi,

Hm, ich dachte auch, du hättest die Geschichte schon kommentiert. Aber umso schöner für mich jetzt, denn so hab ich deinen Kommentar nach einem eher nervigen Vormittag als Trostpflaster gekriegt
=> Ich freu mich, dass du dich freust!

Es ist sehr interessant zu sehen, wie du den Anfang gelesen hast. Addi hat auch direkt an zwei Hunde gedacht. Ist für dich am Anfang wirklich nicht rausgekommen, dass nur Patrick und Leo im Zug sitzen und die anderen beiden nur in Patricks Kopf existieren?
=> Sag ich dir ganz ehrlich: kein Stück, nicht! Ich hab den Anfang auch mehrmals gelesen. Ich wollts ja verstehen, so richtig. Und wenn ich Wort für Wort lese habe ich:

Er nannte den einen Sascha und den anderen Charly. Sie kannten sich nicht; er kannte Sascha nicht, er kannte Charly nicht, Sascha kannte Charly nicht und Charly Sascha erst recht nicht. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren das nicht einmal ihre wirklichen Namen, es waren die, die zu ihren Gesichtern passten. Als hätte ihnen der winzige Augenblick, in dem sich ihre Existenzen berührten, einen Stempel auf die Nase gedrückt, gegen den sie sich nicht mehr wehren konnten. Den Stempel gab es für sie, ihm gravierte ein Grabstichel von innen einen Kupferstich gegen die Schädeldecke. Verschwinden war eine gute, eine naheliegende Idee.
=> ... hier drei Charaktere. Erstes Bild: drei Leute zusammen, die sich nicht kennen, aber reden, vielleicht Zeit vertreiben? Wo ist hier noch nicht geklärt. Nicht wirklich. Es geht nur ums "verschwinden" bisher. Also Flucht, war mein erster Gedanken. Vielleicht gemeinsam vor etwas? Du beziehst dich ja nicht ganz genau darauf, wie ich finde.

„Hör mal“, sagte Leo, „du sollst mal hören, das ist Rage Against The Machine.“
Der Zug schnitt eine Schneise in die deutsche Landschaft. Graue Felder, Strommasten, schwarze Vögel, ein Himmel, der eine Grimasse zog. Der Wind kämmte durch die kahlen Baumkronen wie ein flüchtiger Friseur. Es war zum Heulen.

=> Da du hier einen Dialog aufgreifst, den ersten, und die erste Person etwas sagt, denkt man den Besitzer des "ER´s" gefunden zu haben. Also in dem Fall Leo. Schließlich kennt man ja vom Anfang her 3 Personen, die nicht Leo heißen. Das ist dann also das "er". "Er" redet mit jemanden von beiden. Also Bild kommt dazu: sie sitzen im Zug. Bisl Umgebung und irgendwas ist zum Heulen. Bis dahin wüsst ich gar nicht, wie ich was anders lesen "könnte"!

„Killing in the name of ...“, flüsterte Leo.
„Halt die Fresse, Leo, halt einfach mal für einen Moment die Fresse, okay?“
„Was ist los, wir fahren nicht nach Köln, um hier Trübsal zu blasen.“
„Nee, ist klar.“

=> Hier gehst du weiter im Dialog. Es ist immer noch Leo, der jetzt mitsingt. Und - als Leser in dem Moment - einer der beiden, die mit ihm im Zug hocken. "Klar" ist für mich der Anfang, wenn man denkt, um was es geht, also absolut und gar nicht.

Köln. Köln war weit weg von Sascha und Charly, weit weg von Bremen. Er starrte wieder aus dem Fenster, während Leo weiter Rage Against The Machine hörte.
=> Und hier zerwirft sich ALLES. Auf einmal ist Sascha und Charly nicht hier sondern weg, in Bremen? Das einzige was im Kopf donnert ist ein HÄ? und im nächsten Satz gehts gleich weiter, weil man merkt, Leo ist nicht "Er", Leo ist jemand anderer. Jemand vierter .... nein doch zweiter, weil die andern zwei ja plötzlich doch nicht anwesend sind. Erst DANACH klärt sich alles Stück für Stück und lässt für mich überhaupt erst ein "in die Geschichte" schlüpfen richtig zu, weil spätestens nach den zwei Sätzen ist man - ich - ganz draußen. Völlig. Zurück bleiben 5000 Fragezeichen im ersten Moment und ein nochmaliges Lesen. Dann ackert man sich nochmals durch den Anfang und gibt auf - durchblickt es - ICH - immer noch nicht. Und so riskiert man mehrere Blicke weiter, lässt sich letztendlich darauf ein und kapiert dann nach und nach was passiert ist. Also so viel mal von mir zum Beginn, mit dem ich schwer zu kämpfen gehabt hab. Deshalb sag ich ja, ich find zu zäumst das Pferd von hinten auf, weil ohne das darunter wäre ich immer noch nicht schlau über das darüber. An sich passt es und letzendlich sehe ich daran sogar einen Reiz, weil man zum denken und rätseln gezwungen ist - und wenn man sich soweit mal geöffnet hat für die Geschichte trifft das eigentlich Thema dann noch tiefer, als es vielleicht der Fall wäre. "Schlecht" find ichs deshalb absolut nicht.

Patrick denkt darüber nach und Leo gibt ein paar unqualifizierte Kommentare dazu ab.
=> ??? *denk Anfang zum 100dersten Mal lesen geht* HAHAHAHAHA! Ja unter den Gesichtspunkten, Libbi. Aber das setzt voraus, dass ich den Beginn als denken wahrnehme. Tue ich aber ganz und gar nicht. Ich bin irgendwie mit diesem Anfang mitten im Geschehen. Mitten im Starren auf Sascha und Charly. Es ist, als würde ich durch Patricks Augen in dem Moment auf Anwesende schauen, die sich gegenüber sitzen, sich nicht kennen, aber Patrick gibt ihnen Namen. Weil man sich vielleicht nicht näher vorstellen will, obwohl man herumzieht. Weil man sich so nahe nicht ist. Nicht sein will - nur eine Gruppe von Jungs, die besseres zu tun haben, als sich vorzustellen, die wissen, dass Namen nicht notwendig sind. So in etwa waren meine Gedanken, war meine Sichtweise. Also wenn du möchtest, dass man den Beginn als Gedanken liest, würd ich im ersten Satz mit etwas kursiven Anfangen, dann ausklingen lassen ins nichtkursive-Gedankengut. hmm, ... - verstehst du mich?

Das Gespräch ist also auch nur ein Dialog. Eigentlich dachte ich, das würde soweit rauskommen.
=> Icon_shocked

Ja, genau. Sascha ist von einer Brücke gesprungen und Patrick saß im zweiten Auto, das ihn überfuhr. Charly hat sich im Wald erhängt und Patrick war der Jogger, der ihn gefunden hat. Das ist die ganze Geschichte. Komm, das kann man erkennen
=> öhm, ja. Mrgreen

Weißt du was: Ich hab bei dieser Geschichte wirklich gedacht: Yay, die ist voll verständlich. Du hast geschrieben, wie's ist. Nix Kriptisches. Alles ist klar, der Anfang vllt ein bisschen durcheinander, aber ansonsten. Das checkt jeder, die Geschichte kann man mal runterlesen. Und das habe ich bei allen "jüngeren" Geschichten gedacht. Vllt sollen meine Geschichten einfach nicht so sein
=> *lach* Arme Libbi, da glaubst du, einfacher gehts nicht und dann kommt so jemand einfach-gestrickter wie ich daher und stell mich nicht nur doof, sondern bins auch noch. Mrgreen Ne, ehrlich, der Anfang ist alles andere als leicht zu checken gewesen für mich. Aber ich habs letztendlich nicht mal so schlecht gefunden. Von daher ... Icon_wink

Ja. Für manche Leute gehört das auch zu erotischen Abenteuern.
=> Doh Dat is mir neu! Ich kann ja mal ausprobieren bei meinem Kerl. Der findet das sicherlich ganz scharf, wenn ich ihn halb erwürge! Icon_lachtot

Stop. Wieso von der Brücke gesprungen, um sich zu erhängen? Nee nee, nicht die Chars durcheinander werfen!

=> Smiley_emoticons_blush

Und wie gesagt - nicht anstrengend versuch ich, jedes Mal, und das ist das Ergebnis. Ich finde sie nicht anstrengend. Aber man merkt wohl, dass er ich nicht von vorne nach hinten durchschreiben kann, sondern immer portionsweise weitermache.
=> Nö, also für mich liegt es schlicht am Aufbau. Der Anfang ist so geschrieben, dass er gedeutet werden kann und je mehr leser du hast, umso mehr werden deuten, is ja klar. Du hast kein Bild gezeichnet, sondern angefangen mit einem Textstück, dass entweder ne Beobachtung ist, oder ein Gedanke. Auch das ist nicht klar definiert. Alles was danach kommt ist "deutlich". Also ich find nicht, dass es an deiner Arbeitsweise liegt. Ehrlich nicht. Eher am Einstieg. Am vermitteln von Klarheit, die ja grad Anfangs - wenn man sie den haben will - wirklich bisl starrer gezeichnet sein kann, um den Leser mal "auszurichten" und in die Spur zu bringen.

Ganz liebe Grüße,
Sternchen

Lesen ist Weisheit. Lesen ist Leben. Denn ohne Phantasie und Worte wäre die Welt zu grau, um sie formen zu können. - Sternchen
Das ist Literatopia, unser 'Planet', unsere Zuflucht. Die kann uns niemand wegnehmen, ehrlich. Hier haben wir uns. - Dread
Viele kleine Sternschnuppen
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