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Hosentaschenträume [Nr. I]
06-04-2011, 18:12 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06-04-2011 18:13 von Der Weltenwanderer.)
Beitrag #1
Hosentaschenträume [Nr. I]
Hosentaschenträume [Nr. I]

Zwischenmomente kleben
in Schattenwelten,
warum nicht, mein Held?
Lass Puppen tanzen -
[und?]
bis der Zeitschlag wieder einsetzt.

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27-09-2011, 15:42
Beitrag #2
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
Hallo Welti,
ein Gedicht von dir noch unkommentiert? Eine Unmöglichkeit!
Dabei ist der Titel doch so ... hm, leicht verspielt. Die Hosentaschen, nicht viel Platz, doch jeder hat sie immer dabei, trägt seine Schätze darin, Schlüssel, Geld, ein Foto oder das Lieblingsmatchboxauto.
Nichts davon finde ich jedoch in deinem Gedicht. Es liest sich eher düster nachdenklich. Abgehackt auch.
Es scheint um kostbare Momente zu gehen, die man kaum wahrnimmt, oder zu schnell vergisst, bis sie abgleiten in eine Schattenwelt. Vielleicht eine heimliche Liebe, gestohlene Moment. Die Frage dann, warum nicht mehr, warum nur so wenige Momente, wenn man doch die Macht hätte, Puppen tanzen zu lassen - Menschen zu manipulieren? Eine Traumwelt zwischen den Momenten, unabhängig von der Zeit, denn diese scheint es zu zerstören.
Insgesamt werde ich wenig schlau aus dem Gedicht. Mir gefallen die Worte, doch der Inhalt bleibt verschlossen.

LG
Adsartha

Vielleicht werden wir langsam Teile fremder Biographien. (Meistens geht es um (...), Libertine)

Da baumelt die kleine Spinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]
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30-09-2011, 13:55 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30-09-2011 13:55 von Libertine.)
Beitrag #3
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
Hallo Weltenwanderer,

nachdem Addi mich an dieses Gedicht erinnert hat, will ich es jetzt endlich kommentieren Icon_smile

Hosentaschenträume. Klingt wie eine Streichholzschachtel, die man immer dabei hat, in der ein kleiner Marienkäfer nistet. Ein Traum für zwischendurch, vllt ein Ausflug über die Grenze der Phantasie. Zwei Minuten. Und dann durchatmen und zurück in die Wirklichkeit.
Der Titel gefällt mir sehr gut.

Aber dann?
Dein Gedicht liest sich für mich wie eine Aneinanderreihung von schönen Wörtern, die aber nicht recht zusammenpassen wollen.
Zitat:Zwischenmomente kleben
in Schattenwelten,
Hier klingt etwas Dunkles an - die Zwischenmomente kleben (fest), vllt willst du sagen, dass die Zeit stehen bleibt. Aber dann müsste es doch nur ein Zwischenmomente sein? Denn wenn es mehrere sind, dann muss ja der Moment zwischen den Zwischenmomenten erst passieren. Sonst könnten sie nicht festkleben. Schattenwelten - auch im Plural. Jeder Zwischenmoment in seiner Schattenwelt. Weil im Hellen die Momente, im Schatten die Zwischenmomente sind? Von der Idee her ist mir hier nicht klar, warum du beide Male in den Plural gehst.
Zitat:warum nicht, mein Held?
Ja, das ist dann wie eine Erwiderung auf das Wundern vom Anfang. Warum nicht? Trotzdem stört es irgendwie beim Bildaufbau. Du bist hier ganz in der Zeit, die stillstehen soll (vllt) und dann diese Erwiderung. Ist doch okay, wenn die Zwischenmomente da festkleben. Kein Grund zum Zweifeln. Deswegen würde ich es vllt rauslassen.
Zitat:Lass Puppen tanzen -
Das gefällt mir gut - lass Puppen tanzen (solang es noch geht) in diesem einen unbeobachteten Moment zwischen den Momenten, hier im Schatten - Reich der Möglichkeiten?
Zitat:[und?]
das könnte jemand anders sagen - Erwiderung des Helden.
Aber es passt überhaupt nicht ins Gedicht, bricht mit dem Bild, das du aufgebaut hast. Deswegen würde ich auch diesen Vers rauslassen.
Zitat:bis der Zeitschlag wieder einsetzt.
Um die Brücke zu diesem hier schöner schlagen zu können. Denn Puppen tanzen lassen bis der Zeitschlag einsetzt, darunter kann man sich was vorstellen.

Hast du bei diesem Gedicht ein Bild vor Augen, worum es geht? Oder ein Gefühl, dass es vermitteln soll?
So wie ich dein Gedicht lese - lass Puppen tanzen, solang wir nicht den nächsten Moment erreichen - könntest du wie oben beschrieben zwei Verse auslassen. Und dafür vllt noch ein bisschen mehr Atmosphäre bauen.
Nach den ersten beiden Versen ist so ein Bruch - da könnte noch etwas stehen, vllt zwei Zeilen, die eine Konsequenz ziehen, die Beschreibung erweitern, vllt auch nur das Gefühl intensivieren, dass alles still ist, gestockt, innehält. Und dann mit Absatz die tanzenden Puppen und den Zeitschlag. Das mit den Puppen gefällt mir nämlich sehr gut, auch die Idee (die ich darin lese). Nur an der Umsetzung musst du noch etwas pfeilen.

Es liest sich im Moment nicht wie eine Einheit, dein Gedicht. Vllt berücksichtigst du die Vorschläge aber dann auch eher für das nächste Gedicht. Gibt's noch mehr Hosentaschenträume?

Liebe Grüße,
Libertine

... dann schauen wir nach unserm Dachkräuterbeet,
in die Dachrinne haben wir Schnittlauch gesät. (Gerhard Schöne)
Avatar von Eddie Haspelmann
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17-07-2012, 00:30
Beitrag #4
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
*hust*
Also ich ... Smiley_emoticons_blush
Ähem ... *hust*

@Addi
Da ist mein Gedicht doch tatsächlich im Kommentarwettbewerbmarathon bedacht worden (und ich vergesse es einfach ...). Vielen, vielen Dank dafür! Icon_smile
(Warum sagst du denn nichts ...?)

Zitat:Dabei ist der Titel doch so ... hm, leicht verspielt. Die Hosentaschen, nicht viel Platz, doch jeder hat sie immer dabei, trägt seine Schätze darin, Schlüssel, Geld, ein Foto oder das Lieblingsmatchboxauto.
Also der Titel fängt schon einmal das Gefühl ein, dass er vermitteln soll - sehr schön! "Leicht verspielt" klingt allerdings ... eher skeptisch? Ich mag den Titel jedenfalls. Außerdem sollte er was mit dem Inhalt des Gedichts zu tun haben

und nicht:
Zitat:Nichts davon finde ich jedoch in deinem Gedicht.

Zitat:Es liest sich eher düster nachdenklich
Interessant, welche Wirkung das Wort "Schattenwelten" auf den Leser hat - offenbar gerade in einem so kurzen Gedicht. Im Moment der Niederschreibung erschien mir das Wort eher neutral. Schattenwelten passten, weil sie der Abglanz echter Welten sind - etwas wo nichts ist, oder so. Icon_wink

Zitat:Abgehackt auch.
Das stimmt wohl - aber das ist eine schier unlösbare Aufgabe für mich absoluten Lyrik-Novizen: eine Handvoll Wörter nehmen und so tun, als würden sie zusammen passen.
Passt denn hier das Abgehackte, oder passt es nicht? Hm ... vermutlich würde ein langsames, fließendes Abgleiten besser passen. Also müssten die Verse ineinander übergehen. Dann würde es auch besser zum Titel passen, nicht wahr? Ich glaube allerdings, ich weiß einfach noch nicht, wie ich sowas hinbekomme. (Vielleicht sprechlese ich anders, als andere?)

Zitat:Eine Traumwelt zwischen den Momenten, unabhängig von der Zeit, denn diese scheint es zu zerstören.
Denn eigentlich hast du das Gedicht doch sehr gut verstanden - genau darum ging es mir: ich wollte einen Moment einfangen, in dem man einfach nur in die Gegend starrt und die Gedanken sich selbstständig machen - solange man nicht darüber nachdenk, was man gerade macht, bleibt man außerhalb der Zeit und erspinnt sich fremde Welten. Icon_smile

Ich freue mich sehr, sehr, dass du dir die Zeit für meine Verse genommen hast, auch wenn du sooooooooooo lange auf eine Antwort warten musstest (ich bin sicher, dass ich damals im Smiletopic geschrieben habe, dass Kommentatoren, die ich vergessen habe, sich melden sollen Icon_wink).
Aus meiner jetzt doch etwas distanzierteren Warte zu diesem Gedicht ist es nun umso interessanter, deine Gedanken dazu zu lesen.
Ich glaube, wenn ich das nächstemal lyrisiere, dann wird es wieder ein Kurzgedicht - ich meine, es ist echt faszinierend, wie kleine Details Eindrücke verändern.

Danke! (Ich hoffe du bist mir nicht böse) Icon_jump

@Libbi

Das gilt natürlich auch für deinen Kommentar, der genauso lange hier unten schmoren musste, mit Nichtbeachtung gestraft ... dabei freuen mich deine Gedanken zu meinem Gedicht wirklich sehr! Icon_bussi

Zitat:Hosentaschenträume. Klingt wie eine Streichholzschachtel, die man immer dabei hat, in der ein kleiner Marienkäfer nistet. Ein Traum für zwischendurch, vllt ein Ausflug über die Grenze der Phantasie. Zwei Minuten. Und dann durchatmen und zurück in die Wirklichkeit.
Also der Titel scheint echt gut gewählt - nur der Rest des Gedichts passt offenbar nicht so recht dazu. *lacht* Genau wie Addi findest auch du eine wirklich schöne bildliche Umsetzung zu dem Titel. Icon_smile

Zitat:Dein Gedicht liest sich für mich wie eine Aneinanderreihung von schönen Wörtern, die aber nicht recht zusammenpassen wollen.
Das ist die Frage, deren Antwort ich noch finden muss: wo liegt der hauchzarte Unterschied zwischen Gedicht und Aneinanderreihung - ich meine, wenn man sich andere Werke in diesem Subforum anschaut (durchaus auch mal PoLets - sorry PoLet Mrgreen ), wieso sind das nicht blos Aneinanderreihungen von schönen Wörtern. Ist das gerade die absolut falsche Herangehensweise? So wie wenn man Uhren auseinander baut, um das Ticken zu finden? Ich sollte es machen wie im Titel, Augen zu und Gedanken treiben lassen.

Zitat:Hier klingt etwas Dunkles an - die Zwischenmomente kleben (fest), vllt willst du sagen, dass die Zeit stehen bleibt. Aber dann müsste es doch nur ein Zwischenmomente sein? Denn wenn es mehrere sind, dann muss ja der Moment zwischen den Zwischenmomenten erst passieren. Sonst könnten sie nicht festkleben. Schattenwelten - auch im Plural. Jeder Zwischenmoment in seiner Schattenwelt. Weil im Hellen die Momente, im Schatten die Zwischenmomente sind? Von der Idee her ist mir hier nicht klar, warum du beide Male in den Plural gehst.
Warum können nicht mehrere Zwischenmomente zwischen den "normalen Momenten" sein? Ganze Wochen und Monate voller Zwischenmomente? Und warum können sich in diesen Zwischenmomenten nicht viele Schattenwelten auftun? Interessant übrigens, dass auch du "Schattenwelt" als Stimmungsverdüsterer liest - ich merke schon, in Gedichten muss man wirklich aufpassen, was man sagt, sonst nimmt man eine falsche Abzweigung und landet im falschen Stadtteil. Ich hab bei der Schattenwelt eher neutral an das Gegenteil zur Lichtwelt ... also dem, was wir sonst so wahrnehmen gedacht. Außerdem, wenn ich mich recht erinnere, auch ein bisschen an Schattenspieler. Wir lassen Puppen tanzen und spielen mit Schatten an der Wand. Na ja, ich wähle Plural, weil es darum geht, dass zwischen zwei bewussten Momenten soviel Träumerei-Momente liegen können. Icon_wink

Zitat:Ja, das ist dann wie eine Erwiderung auf das Wundern vom Anfang. Warum nicht? Trotzdem stört es irgendwie beim Bildaufbau. Du bist hier ganz in der Zeit, die stillstehen soll (vllt) und dann diese Erwiderung. Ist doch okay, wenn die Zwischenmomente da festkleben. Kein Grund zum Zweifeln. Deswegen würde ich es vllt rauslassen.
Es sollte eigentlich keine Erwiederung auf Zweifel sein, sondern ein "ich lass mich jetzt fallen" tief hinein in die Schattenmomente. Also so ein "denk nicht drüber nach, sondern lass los". Warum halt nicht. Icon_wink

Zitat:Das gefällt mir gut - lass Puppen tanzen (solang es noch geht) in diesem einen unbeobachteten Moment zwischen den Momenten, hier im Schatten - Reich der Möglichkeiten?
Genau. Icon_smile

Zitat:das könnte jemand anders sagen - Erwiderung des Helden.
Aber es passt überhaupt nicht ins Gedicht, bricht mit dem Bild, das du aufgebaut hast. Deswegen würde ich auch diesen Vers rauslassen.
Gedacht war es nicht als Erwiderung, sondern als Umschreibung eines Atemholens, einer Verheißung (jetzt kann so viel kommen), nur dass es abbricht, denn der Zeitschlag setzt wieder ein. Weil man hochschreckt, weil zB. der Ellebogen von der Stütze gerutscht ist, oder sich die Geräusche des Zuges verändert haben (andere Gleise).
Aber du hast schon recht - es macht das Gedicht abgehackter, als es sein müsste - vielleicht fand ich es auch zu cool, eckige Klammern zu benutzen. Und es ist keine kluge Idee, Dinge in Gedichte zu packen, nur weil man sie cool findet, oder? *lacht*

Wenn ich die Interaktionsverse rausnehme, wie du vorgeschlagen hast, und damit das Insichgekehrtsein stärker herausstelle, sieht der Rohbau so aus:

Hosentaschenträume [Nr. Ia]
Zwischenmomente kleben,
in Schattenwelten.
Lass Puppen tanzen,
bis der Zeitschlag wieder einsetzt.

Ich muss sagen, mir gefällt mittlerweile der letzte Vers nicht mehr - er ist so typisch ich. So umständlich und klobig irgendwie, auch wenn "Zeitschlag" keine schlechte Wortschöpfung ist *sich selbst auf die Schulter klopft* Mrgreen

Jetzt würde ich vielleicht sowas schreiben:

Hosentaschenträume [Nr. Ib]
(Tick.)
Zwischenmomente kleben,
in Schattenwelten.
Lass Puppen tanzen.
(Tack.)

Jetzt so als Schnellschuss. Man könnte aus Schattenwelten auch Nebenwelten oder Scherenschnittwelten machen ...

Hosentaschenträume [Nr. Ic]
Zwischenmomente kleben,
in Scherenschnittwelten.
Lass Puppen tanzen!
(Tack.)

(Tick ist bewusst weg.)

Vielleicht ist Lyrik auch einfach nichts für mich?

Zitat:Hast du bei diesem Gedicht ein Bild vor Augen, worum es geht? Oder ein Gefühl, dass es vermitteln soll?
Hab ein Bild vor Augen - irgendwo im Zug zwischen Anfang und Ende. Monotones Rattern, Mann schaut aus dem Fenster. Mann sieht aber nichts. Stattdessen spinnt das Bewusstsein von alleine Momente zu Weltengebäuden. Es sind unbeobachtete Momente, die einem nachher länger vorkamen, als sie eigentlich waren. Ein Reich der Möglichkeiten. Ich mag diese Momente. Icon_smile

Zitat:Das mit den Puppen gefällt mir nämlich sehr gut, auch die Idee (die ich darin lese).
Was genau ist denn die Idee, die du darin liest? Das was du schon oben zu den Puppen schreibst? Das traf doch sehr genau, was ich mir darunter vorgestellt habe.

Zitat:Es liest sich im Moment nicht wie eine Einheit, dein Gedicht. Vllt berücksichtigst du die Vorschläge aber dann auch eher für das nächste Gedicht. Gibt's noch mehr Hosentaschenträume?
Ich frage mich, ob ich auch irgendwann erkenne, wo eine Bruch ist und wie das Gedicht zur Einheit wird. Übungssache? Talent? Es kommen bestimmt noch mehr Hosentaschenträume - ich finde die Idee eines Zyklus irgendwie cool, auch wenn, oder gerade weil es vielleicht ein bisschen vermessen ist, gleich mit so was anzufangen. *lacht*

Ich danke dir sehr für deinen Kommentar! Ich hab gerade auch wieder Lust bekommen auf Lyrik, zumindest sie ein bisschen zu kommentieren. Bestimmt findet sich ab und zu die Zeit. Icon_smile Dankeschön!

Liebe Grüße an euch zwei und danke für's Warten! Wait

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17-07-2012, 13:56
Beitrag #5
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
Ja was...?!
Icon_shocked
Der WWanderer lyrisiert???
Icon_smile
Heja WWanderer...-ists für Dich ok, dass ich Deinen namen auf diese art stutze? (Welti finde ich so Waldemar-Hartmann-schwül...- und das original ist mir bei öfterem gebrauch zu lang! Smiley_emoticons_blush )-...fein.

Ein 6silbiges titelwort...man merkt, das Du von der prosa kommst Icon_lol...-
andererseits: 'Hosentaschen, die frauenkoffer der männer'.
Mit nie gehörten namen auf streichholzheftchen + telefonnummern, rostenden glückscentstücken, zu herzen verbogenen büroklammern, vollgerotzten servietten, visitenkarten von nie getroffenen inhabern, fahrrad-notfall-flickzeug-kit, minitaschenlampe, taschenmesser, einem beleg vom letzten bierkauf, dem dazugehörigen kronkorken, dem rest des abgerissenen schmürsenkels...oder auch
mit einem kamm, einem -das haltbarkeitsdatum überschrittenen- tomatensamentütchen, einem päckchen ohropax, einem souvenir aus sand von Lu...- äh, ja...Icon_ugly
gut.
Hier habe ich es mit träumen zu tun. Also beisplsws.
mit einem panzerquartett, bundesliga-sammelkarten, kontoauszügen, sexkontaktanzeigen, einem lottozettel, einer wünschelrute...-
ok, ich höre an dieser stelle mal auf. Mrgreen

Zitat:Hosentaschenträume [Nr. I]

Zwischenmomente kleben
in Schattenwelten,
warum nicht, mein Held?
Lass Puppen tanzen -
[und?]
bis der Zeitschlag wieder einsetzt.

Was mir auffällt, ganz gleich und zuerst und ganz ins auge springend, sind die []. Zwomal. Als nummerierung des traums und später im gedicht als frage. Nun frage ich mich, ob diese [] eine bedeutung hat oder nicht.
Doch langsam.
"Zwischenmomente kleben
in Schattenwelten,
warum nicht, mein Held?
"
Das schwierig zu durchschauende hier ist die wendung von einer expliziten beobachtung, die eigentlich nur von ganz außen kommen kann, diese wertung einer situation: "Zwischenmomente kleben / in Schattenwelten", hin zu einer persönlichen anrede: "warum nicht, mein Held?" Freilich kannst Du das so machen, ich glaube nach längerem lesen löst sich das vielleicht auch auf, aber auf den ersten blick thront hier eher ein widerspruch.
(Oder es handelt sich beim "Helden" um ein mitglied von literatopia, dann ists klar! Icon_ugly )
Aber vielleicht darf ich Dein gedicht auch gar nicht so detailversessen lesen.
Mit einer 'entfernteren sichtweise' entdecke ich:
eine verlassenheit. Eine art vergeblichkeit, von der ich selbst ja so 'gerne' schreibe. Ein kurzer moment, die hände in den hosentaschen vergraben, ein kurzer blitz bewusstsein, der traum, den man zu finden sucht, lautet 'bedeutung', stelle ich mir eine disco vor...hauche vor bedeutung, weil ich eben blickkontakt mit dieser 'tanzenden puppe' hatte, die ich so niemals nennen würde, doch jetzt passt es, ja, die puppe mit der langen mähne tanzt für mich, nur dass sie das wahrscheinlich nie erkennen wird...- ich bedeute!
[Und?]
Ja! Genau! Das ist es. Dieses [Nr.1] [Und?]!!!
So wie ich es lese ist es wunderbar zerschmetternd, grausam schön!
Nein, schön ist ein falsches wort, aber die grausamkeit, mit der Du hier die träume platzen lässt, ist filigran. 'Filigran'? Nein, auch nicht. Es ist eher lapidar, banal. Simpel. EINFACH SO.
[Und?]
Das bringt alles zurück auf einen leeren charakter.
Und dieser findet im grunde keinen ausgang...- ein flüchtiger traum von bedeutung, die puppen tanzen und er lächelt, hat die hände in den hosentaschen vergraben, cool, unantastbar, lächelnd im diffusen lichtgeschwader, aber nur
Zitat:bis der Zeitschlag wieder einsetzt.
Ja.
So habe ich Dein gedicht begriffen. Für mich.
Muss ich jetzt schreiben, dass ich es gut finde?
Nö.
Aber würde gerne mehr von Dir im LYRIKATELIER sehen. Icon_smile
Da komm ich auf geschichten, meine güte...Smiley_emoticons_blush
poLet

"Now when all the bandits that you turned your other cheek to
All lay down their bandanas and complain
And you want somebody you don't have to speak to
Won't you come see me, Queen Jane?
Oh, won't you come see me, Queen Jane?"
Aus: "Queen Jane approximately", Bob Dylan
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17-07-2012, 23:43
Beitrag #6
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
PoLet! Du hier?

Zitat:Heja WWanderer...-ists für Dich ok, dass ich Deinen namen auf diese art stutze? (Welti finde ich so Waldemar-Hartmann-schwül...- und das original ist mir bei öfterem gebrauch zu lang! Smiley_emoticons_blush )-...fein.
Du darfst meinen Namen gerne so stutzen, wenn du willst - ich weise allerdings darauf hin, dass ernsthafte Abkürzer (zB. Dread) mich meist 'WW' nennen. Mrgreen

Zitat:Ein 6silbiges titelwort...man merkt, das Du von der prosa kommst Icon_lol
Öhm ... Smiley_emoticons_blush jetzt hast du mich ertappt - ich fand den Titel ja eigentlich sehr lyrisch muss ich sagen. Und ich mag das Bild irgendwie. Was sind Hosentaschenträume? Träume in Hosentaschen oder Träume von jemanden, der seine Hände in den Hosentaschen hat (oder gar nichts von beiden?) o.O

Zitat:Hosentaschen, die frauenkoffer der männer'.
Mit nie gehörten namen auf streichholzheftchen + telefonnummern, rostenden glückscentstücken, zu herzen verbogenen büroklammern, vollgerotzten servietten, visitenkarten von nie getroffenen inhabern, fahrrad-notfall-flickzeug-kit, minitaschenlampe, taschenmesser, einem beleg vom letzten bierkauf, dem dazugehörigen kronkorken, dem rest des abgerissenen schmürsenkels...oder auch
mit einem kamm, einem -das haltbarkeitsdatum überschrittenen- tomatensamentütchen, einem päckchen ohropax, einem souvenir aus sand von Lu...- äh, ja...Icon_ugly
gut.
Hier habe ich es mit träumen zu tun. Also beisplsws.
mit einem panzerquartett, bundesliga-sammelkarten, kontoauszügen, sexkontaktanzeigen, einem lottozettel, einer wünschelrute...-
* Der Weltenwanderer findet sich darin irgendwie wieder ...
Mrgreen
Ich glaube "Hosentaschen, die frauenkoffer der männer" trifft es schon sehr sehr gut.

Zitat:Was mir auffällt, ganz gleich und zuerst und ganz ins auge springend, sind die []
Sehr interessant - ich fühle mich ein bisschen wie ein Wissenschaftler, der 'einfach mal gemacht hat' und jetzt guckt, was dieses bewirkt hat und was passiert, wenn man jenes weglässt. Die Kommentare vor dir haben mir gezeigt, was für eine große Rolle das Wort 'Schattenwelten' für die Stimmung des Gedichts spielt.
Dir springen die eckigen Klammern ins Gesicht - was für Möglichkeiten mit Sprache zu spielen! (Das geht übrigens auch in Prosa, aber viele Leser ignorieren das dann ... warum?)
Wären runde Klammern eigentlich genauso auffällig gewesen? Wohl nicht - vielleicht weil sie zu "üblich" sind?

Zitat:Das schwierig zu durchschauende hier ist die wendung von einer expliziten beobachtung, die eigentlich nur von ganz außen kommen kann, diese wertung einer situation: "Zwischenmomente kleben / in Schattenwelten", hin zu einer persönlichen anrede: "warum nicht, mein Held?" Freilich kannst Du das so machen, ich glaube nach längerem lesen löst sich das vielleicht auch auf, aber auf den ersten blick thront hier eher ein widerspruch.
Theoretisch könnte doch auch das lyrische Ich, dass hier den Helden anspricht, vorher die Situation beschrieben haben? Ist da wirklich ein so großer Widerspruch? Aber auch deinen geschätzten Vorkommentatoren ist diese Stelle aufgestoßen. Hm, hm ... für mich war es halt eine Aufforderung (DA! Sieh nur! Zwischenmomente kleben in Schattenwelten! Das ist deine Chance. - in sehr überspitzt formuliert Icon_wink)

Zitat:Mit einer 'entfernteren sichtweise' entdecke ich:
eine verlassenheit. Eine art vergeblichkeit, von der ich selbst ja so 'gerne' schreibe. Ein kurzer moment, die hände in den hosentaschen vergraben, ein kurzer blitz bewusstsein, der traum, den man zu finden sucht, lautet 'bedeutung', stelle ich mir eine disco vor...hauche vor bedeutung, weil ich eben blickkontakt mit dieser 'tanzenden puppe' hatte, die ich so niemals nennen würde, doch jetzt passt es, ja, die puppe mit der langen mähne tanzt für mich, nur dass sie das wahrscheinlich nie erkennen wird...- ich bedeute!
[Und?]
Ja! Genau! Das ist es. Dieses [Nr.1] [Und?]!!!
So wie ich es lese ist es wunderbar zerschmetternd, grausam schön!
Nein, schön ist ein falsches wort, aber die grausamkeit, mit der Du hier die träume platzen lässt, ist filigran. 'Filigran'? Nein, auch nicht. Es ist eher lapidar, banal. Simpel. EINFACH SO.
[Und?]
Das bringt alles zurück auf einen leeren charakter.
Und dieser findet im grunde keinen ausgang...- ein flüchtiger traum von bedeutung, die puppen tanzen und er lächelt, hat die hände in den hosentaschen vergraben, cool, unantastbar, lächelnd im diffusen lichtgeschwader, aber nur
Das möchte ich gerne einfach so stehen lassen. Eine Lesart des Gedichts, die ihre ganz eigene Schönheit hat. Gefällt mir gut, wie du das Gedicht liest (um Libertine zu zitieren).
Und faszinierend, was in so einer Handvoll Wörter alles stecken kann. Wow.

Zitat:Aber würde gerne mehr von Dir im LYRIKATELIER sehen. Icon_smile
Da komm ich auf geschichten, meine güte...Smiley_emoticons_blush
Wenn das jetzt jedes Mal so klappt, dann komme ich gar nicht umhin, mich nocheinmal zu versuchen. Icon_wink Das Problem ist halt, dass ich offenbar Prosaiker durch und durch bin - wenn ich Gedichte schreibe, erscheinen sie mir so starr, so wenig fluide.
Da kann man fast neidisch werden, wenn man sich Trin o'C anschaut, die einfach mal entschieden hat, sie wolle sich an Lyrik versuchen und Großartiges zustande bringt. Während ich hier sitze, mit den Händen in den Hosentaschen sozusagen.
Aber sagen wir es so - irgendwie hat die Beschäftigung mit diesen Gedicht nach der nicht sooo kurzen Zeit durchaus auch wieder Lust auf Lyrik geweckt. Mal schauen, was so kommt, würde ich sagen.

Viele Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar. Hat mich sehr gefreut! Bis zum nächsten Mal könnte man sagen. Icon_smile

- WW

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18-07-2012, 11:39 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18-07-2012 11:41 von poLet.)
Beitrag #7
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
Hej WWanderer,

Zitat:Theoretisch könnte doch auch das lyrische Ich, dass hier den Helden anspricht, vorher die Situation beschrieben haben? Ist da wirklich ein so großer Widerspruch? Aber auch deinen geschätzten Vorkommentatoren ist diese Stelle aufgestoßen. Hm, hm ... für mich war es halt eine Aufforderung (DA! Sieh nur! Zwischenmomente kleben in Schattenwelten! Das ist deine Chance. - in sehr überspitzt formuliert
...sozusagen als 'selbstgespräch'? Oder selbstreflexion? Klar, theoretisch...Icon_fies
Na gut, dann lass mich statt von widerspruch von 'einer gehörigen distanz' sprechen.
Eben die distanz zwischen dem -nicht bös gemeint- lyrisch abhobenen "Zwischenmomente kleben / in Schattenwelten..." und dem saloppen, ja, vielleicht auch selbstironischen "...warum nicht, mein Held?" - Aber ich will ja gar nicht, dass Du da etwas ändern solltest, ich versuche nur meine lesart anzupassen. Icon_wink

Zitat:Das Problem ist halt, dass ich offenbar Prosaiker durch und durch bin - wenn ich Gedichte schreibe, erscheinen sie mir so starr, so wenig fluide.
Da kann man fast neidisch werden, wenn man sich Trin o'C anschaut, die einfach mal entschieden hat, sie wolle sich an Lyrik versuchen und Großartiges zustande bringt. Während ich hier sitze, mit den Händen in den Hosentaschen sozusagen.
Aber sagen wir es so - irgendwie hat die Beschäftigung mit diesen Gedicht nach der nicht sooo kurzen Zeit durchaus auch wieder Lust auf Lyrik geweckt. Mal schauen, was so kommt, würde ich sagen.
- nuja, ich behaupte mal, gedichte bewegen sich in der starre, die Du als autor ihnen gibst.
Aber ist ja auch kein Du musst!
Also, schau Du mal.
Bis dahin vielleicht,
poLet

P.s. edit: ich glaube ich hätte mir auch () genauer angesehen, wenn es nur 2 gäbe...

"Now when all the bandits that you turned your other cheek to
All lay down their bandanas and complain
And you want somebody you don't have to speak to
Won't you come see me, Queen Jane?
Oh, won't you come see me, Queen Jane?"
Aus: "Queen Jane approximately", Bob Dylan
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18-07-2012, 11:50
Beitrag #8
RE: Hosentaschenträume [Nr. I]
Hey PoLet,

Zitat:Na gut, dann lass mich statt von widerspruch von 'einer gehörigen distanz' sprechen.
Akzeptiert. Icon_wink

Zitat:nuja, ich behaupte mal, gedichte bewegen sich in der starre, die Du als autor ihnen gibst.
Ein Satz zum drüber nachdenken.
Irgendwie ist das doch Lyrik: in ein wenig Starre gegossene Fludidität. Man wird sehen. Icon_smile

Vielen Dank noch einmal für deinen Kommentar!
- Wanderer

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