Es ist: 11-12-2017, 14:06
Es ist: 11-12-2017, 14:06 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Stadt -ein Fragment-
Beitrag #1 |

Die Stadt -ein Fragment-
Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, was ich mit diesem Textfragment anfange, oder ob ich es einfach so für sich stehen lasse, aber ich dachte mir, man könnte das ja schonmal der Öffentlichkeit vorwerfen^^
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich es jetzt unter Horror oder Fantasy einstelle oder ob ich mich der Verantwortung durch das kategorisieren als "Sonstiges" entziehe, hab mich aber doch für Horror entschieden.
(Wer die Serie "Die Borgias" gesehen hat, fühlt sich vielleicht etwas an Neapel erinnert. Es hat mich nicht unwesentlich inspiriert^^)

"Es liegt an dieser Stadt."
Grimmiges, aber zustimmendes Schweigen war die Antwort. Nur das Knacken des Kaminfeuers, verhaltenes Husten und der diffuse Teppich aus den Geräuschen einer Taverne, wie dem Klappern von Krügen und Tellern und dem Kratzen von Stuhlbeinen auf dem strohgedeckten Steinboden waren zu hören.
"Sie hat etwas böses an sich. Etwas..."
Der Sprecher legte eine Pause ein, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und schien nach einem Wort zu suchen, dass seinen finsteren Ahnungen gerecht wurde.
"Etwas unheilvolles."
Nicken. Zustimmendes Grunzen. Niemand sprach. Diese Männer waren Soldaten. Sie redeten nicht viel. Wahrscheinlich war noch nie ein siegreiches Heer so wenig in Feierlaune gewesen. Gewiss, sie tranken nicht weniger Wein als nach jeder anderen Belagerung, aber sie tranken ihn anders. Nicht fröhlich, nicht um zu feiern. Sie tranken ihn mit grimmiger Entschlossenheit, als wollten sie etwas schreckliches Ertragen.

Und in der Tat mussten sie etwas Schreckliches ertragen: Die Anwesenheit in dieser Stadt. Gewiss, sie war ihre Kriegsbeute, aber eine faule Beute, tot und giftig.
Eine schwere, drückende Stimmung lag auf der Stadt. Die Sonne schien hier nie richtig aufzugehen, es war beängstigend still in den Straßen. Selbst die Stimmen der Bewohner, eines blassen, hellhaarigen und hageren Menschenschlages schienen nur zum Flüstern fähig zu sein. Und in jeder Stunde schlug die große Stadtuhr in einem tiefen, donnernden Ton, der die Seele erzittern liess und selbst gestandenen Veteranen einen Schauer über den Rücken jagte.

Diese Stadt war still, kalt und abweisend, wie ihre Bewohner. Sie leisteten keinerlei Widerstand, taten was man ihnen sagte, doch ihr gebahren war kalt, distanziert und ruhig. Manch einer der Besatzer hätte sich gewünscht, sie hätten mit Steinen geworfen, sie beschimpft, versucht ihnen im Schlaf die Kehle durchzuschneiden. Alles wäre besser zu ertragen als diese gespenstische Ruhe. Das Heer wäre am liebsten weitergezogen, aber der König bestand darauf, seine Männer um sich zu haben, bis die Verhandlungen über die Kapitulation abgeschlossen waren. Gewiss, es war eine Farce. Die Männer des Königs hielten die Stadt und die Signoria, die Herren dieser Stadt fügte sich bereitwillig den meisten Forderungen. Auch sie waren blass, ruhig und gespenstisch höflich. Doch sie verloren sich in endlosen Debatten über Kleinigkeiten und verzögerten so die Verhandlungen. Sie hielten den König mit einer Liebenswürdigkeit hin, die schal und nach Moder roch, wie alles an dieser Stadt, die ein Mann von Ehre aber nicht abweisen konnte.

Und dann waren da die vielen Seltsamkeiten, die sich in dieser Stadt häuften. Die Bewohner schienen stets zu lächeln, wenn man gerade nicht hinsah. Aus dem Augenwinkel glaubte man stets, ein skeletthaftes, unheimliches Grinsen auf ihren Gesichtern zu sehen, doch sah man ihnen ins Gesicht, blickte einem nur kalte, abweisende Dienstbereitschaft entgegen. Einzig die Herren der Signoria lächelten stets, wenn auch nur mit ihrem Mund. Ihre Augen waren fahl, meist blau und tiefer als die Brunnen dieser Stadt.

Die Brunnen...Es gab hunderte. Aber aus nur einem guten Dutzend konnte man Trinken. Die anderen waren "ungesund". So nannten es die Städter. Am ersten Tag war ein gutes Dutzend Männer gestorben, weil sie aus "ungesunden" Brunnen getrunken hatten. Die Bewohner äußerten sich nur dazu, wenn man sie darauf ansprach. Und selbst dann beschränkten sich ihre Äußerungen auf Sätze wie "Ich tränke daraus nicht.". Schliesslich versahen die Städter alle gesunden Brunnen mit einem Zeichen und es war vorerst gut.

Dann die Galgen...an jeder Straßenkreuzung stand einer, wenn man die Städter aber danach fragte, beschwor jeder einzelne, seit einem guten Jahrzehnt sein niemand mehr gehängt worden und wenn, dann auf dem Platz vor der Festung der Signoria. Trotzdem standen die Galgen da.
Auch gab es keine Vögel in der Stadt, nur Krähen. Überhaupt waren alle Tiere in dieser Stadt verwachsen, krank oder abgemagert. Nicht einer von hundert streunenden Hunden hatte noch alle vier Beine, die Pferde waren magere, boshafte Tiere, die nach allem schnappten was sich rührte.

Und dann dieser Spruch: "Starke Orte fressen die Schwachen."
Er schien an jedem Haus, an jeder Kirche, an jedem Brunnen zu stehen. Über den Stadttoren, über den Tresen der Wirtshäuser, an den Decken der Bordelle. Er war überall. Auch glaubte man ihn oft aus dem Mund der Städter zu hören, doch stets nur leise, so gerade eben oder im vorbeigehen. Und sprach man sie darauf an, zuckten sie mit den Schultern und bestritten, auch nur einen Ton gesagt zu haben.

Das Heer war eine Woche erst in der Stadt, als die ersten Männer krank wurden. Sie litten an Fieber, Schwäche und Wahnvorstellungen, manche bluteten aus Mund und Nase, andere erblindeten. Nicht bei zweien von ihnen verlief die Seuche gleich. Die Signoria gab eine Erklärung ab, die nahen Sümpfe hätten diese Wirkung gelegentlich auf Fremdländer und man bemühe sich, die Verhandlungen zu einem raschen Ende zu führen.
Wer nicht krank wurde, wurde zusehends nervöser. Paranoid, andere wurden Aggressiv. Mancher viel ganz dem Wahnsinn anheim, redete wirres Zeug über "böse Orte", "verfluchte Mauern" und "kranken Stein", doch selbst die, die noch bei klarem Verstand waren, spürten, dass etwas böses von der Stadt ausging. Auch häufte sich die Zahl der Prügeleien, welche immer öfter auch einen tödlichen Ausgang nahmen. Die Hauptleute bemühten sich um Disziplin in der Truppe, doch die meisten von ihnen litten am Fieber, waren nichtmehr bei Sinnen oder hatten sich, wie manch anderer einen Strick genommen.

Zu Beginn der zweiten Woche erhielt der König eine Einladung in die Festung der Signoria. Man habe eine Kapitulation ausgearbeitet, die nur noch unterschrieben werden musste und das sollte nach einem festlichen Bankett zuEhren der Sieger geschehen.
Der König und was von seinen Hauptleuten geblieben war begaben sich bei Einbruch der Dunkelheit zur Festung der Stadt, wurden von einer Ehrengarde in Emfang genommen und in das Speisezimmer geleitet.
Es war eine Obszönität. Die meisten Stadtstaaten pflegten eine gewisse Dekadenz und auch im Speisezimmer des Königs schmückte manch pikante Szene die Wände und die Decke. Doch dies...Auf den Fresken vermischten sich Grausamkeit und Fleischeslust, waren ebensoviele Putten und Kurtisanen wie Dämonen und Ungeheur zu sehen. Und vor und unter dieser Mischung aus Totentanz und Bacchanal saß die Signoria, fahle Herren in edler Kleidung, die ihn respektvoll an ihrer Tafel Willkommen hießen.
Man aß, man trank, man lachte. Doch zum ersten mal, so schien es dem König, schienen die besiegten Herren wirkliche Freude zu zeigen, während der König, ein lebenslustiger und kraftvoller Mann wie das Abbild einer Leiche auf seinem Stuhl saß, kaum einen Bissen herunterbrachte und fasziniert und entsetzt auf die Fresken starrte.
Nach dem Essen erhob sich das Haupt der Signoria, ein fahler Mann mit blassgrünen Augen, blondem Haar und schwarzem Rock. Er bot ihm an, ihn zu dem Palais zurückzubringen, den er bezogen hatte und führte den blassen, abwesenden König hinaus.
Die beiden Potentaten schritten durch die Straßen und während der Herr der Signoria sich über den Glanz seiner Stadt ausliess, über ihre an Siegen reiche Geschichte und ihren Reichtum schritten sie durch die schmutzigen, nach Pest und Tod riechenden Straßen, vorbei an...

...an Leichenkarren, auf denen die Opfer der Seuche lagen. Soldaten des Königs zumeist.
...an verwirrten Männern, die von kranken Steinen und bösen Mauern faselten und vor dem edlen, fahlen Herren schreiend davonrannten.
...an Soldaten, die sich um die Galgen scharten, um ihre Kameraden an den Strick zu bringen.

Und all das sah der König, mit dem selben, verstörten Blick, mit dem er die Fresken betrachtet hatte, unfähig etwas zu tun, oder zu sagen, wie eingesponnen von den wortreichen Lobgesängen seines Begleiters. Und als sie das königliche Quartier erreichten, an den Wachen vorbeizogen, die da in ihrem eigenen Blut lagen, da schritt der König wie ein Schlafwandler zu seinem Schreibtisch und nahm eine Feder, während der fahle Meiser der Stadt das Pergament ausbreitete.

Und nachdem der König seine Kapitulation unterschrieben hatte, rollte der Fahle das Pergament zusammen, lächelte und sprach:
"Starke Orte fressen die Schwachen. Und was sie nicht fressen, machen sie zu ihresgleichen."

Als der König schliesslich wieder allein war, blickte er aus dem Fenster, zu den Resten seines Heeres und griff mit zitternden Händen nach seinem Schwert...
"Kranke Steine...Böse Orte...", murmelte er.
"Und was sie nicht fressen..."

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Beitrag #2 |

RE: Die Stadt -ein Fragment-
Hallo Nephren-ka,

ich weiß nicht, ob ich dich im Vorstellungsthread schon begrüßt habe, deshalb geh ich mal auf Nummer sicher: willkommen in Literatopia Icon_smile

Hab schon gelesen, dass du ein Lovecraft-Fan bist und, bevor ich ins Detail gehe, was eine Geschichte anbelangt, kann ich schon sagen, dass man das in deinem Schreibstil merkt.
Liest du Lovecraft auf Deutsch oder Englisch?

Eine kleine Anmerkung noch:
Trenne deine Einleitung am besten vom eigentlichen Text, durch einen langen Unterstrich zum Beispiel. Hilft er Übersicht.

Zitat:"Es liegt an dieser Stadt."
Grimmiges, aber zustimmendes Schweigen war die Antwort. Nur das Knacken des Kaminfeuers, verhaltenes Husten und der diffuse Teppich aus den Geräuschen einer Taverne, wie dem Klappern von Krügen und Tellern und dem Kratzen von Stuhlbeinen auf dem strohgedeckten Steinboden waren zu hören.
Gefällt mir schonmal gut. Normalerweise würde ich den Adjektiv-Überschuss anmerken, aber da das ja eine Lovecraft-Hommage werden soll (denke ich), kann ich das schlecht bemängeln^^
Ich finde allerdings, dass der letzte Teil ("wie dem Klappern [...] Steinboden") den Lesefluss stört. Du könntest ihn entweder ganz weglassen, oder ihn anders verpacken. Wenn ich dir ein Beispiel geben darf:
"Nur das Knacken des Kaminfeuers und verhaltenes Husten war über dem diffusen Teppich der Tavernengeräusche zu hören. Krüge und Teller klapperten, Stuhlbeine kratzten über den strohgedeckten Steinboden."
Das beseitigt den lästigen "wie"-Einschub, der mMn umständlich ist und sich nicht schön liest.

Zitat:"Sie hat etwas böses an sich. Etwas..."
Der Sprecher legte eine Pause ein, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und schien nach einem Wort zu suchen, dass seinen finsteren Ahnungen gerecht wurde.
"Etwas unheilvolles."
Da der Sprecher derjenige ist, der handelt, solltest du den Zeilensprung nach und vor der wörtlichen Rede weglassen.

Zitat:Nicken. Zustimmendes Grunzen. Niemand sprach. Diese Männer waren Soldaten. Sie redeten nicht viel. Wahrscheinlich war noch nie ein siegreiches Heer so wenig in Feierlaune gewesen.
Ich weiß ja nicht, wie sehr du auf lovecraftsche Prosa abzielst, aber hier empfinde ich die Sätze dafür sehr kurz. Abgesehen davon gefällt mir das stilistisch aber sehr gut. Erinnert mich an die Black Company Reihe von Glen Cook. Weiß nicht, ob du davon schonmal gehört hast, aber die sind größtenteils in diesem Stil verfasst. Sehr gut zu lesen.
Äh ja, zurück zum Thema ...

Zitat:wollten sie etwas schreckliches Ertragen.
"wollten sie etwas Schreckliches ertragen"

Zitat:Und in der Tat mussten sie etwas Schreckliches ertragen:
Hm, ich denke mal, diese Wiederholung ist Absicht, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie funktioniert. Vielleicht versuchst du, dich weiter vom Wortlaut zu lösen. Oder du kürzt den Satz. Das einzige, was mir einfiele, wäre:
"wollten sie etwas schreckliches Ertragen.

Und Schreckliches ertrugen sie."
Naja ...

Zitat:Gewiss, sie war ihre Kriegsbeute, aber eine faule Beute, tot und giftig.
Pro

Zitat:Selbst die Stimmen der Bewohner, eines blassen, hellhaarigen und hageren Menschenschlages schienen [...]
Wenn du den Einschub mit Komma einleitest, musst du ihn auch so ausleiten. Denke ich ... ^^
"Selbst die Stimmen der Bewohner, eines blassen, hellhaarigen und hageren Menschenschlages, schienen [...]"

Zitat:Und in jeder Stunde schlug die große Stadtuhr in einem tiefen, donnernden Ton, der die Seele erzittern liess und selbst gestandenen Veteranen einen Schauer über den Rücken jagte.
Ich denke, es muss "zu jeder Stunde" heißen.
Außerdem: auch in der Neuen Rechtschreibung ist es "ließ", nicht "liess".

Zitat:Diese Stadt war still, kalt und abweisend, wie ihre Bewohner.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, vor das "wie" gehört hier kein Komma.
Ein kleiner Vorschlag, was die Satzmelodie angeht: vielleicht kannst du ihn etwas verlängern. Meine Idee wäre:
"Diese Stadt war still, kalt und abweisend, darin stand sie ihren Bewohnern in nichts nach."

Zitat:Sie leisteten keinerlei Widerstand, taten was man ihnen sagte, doch ihr gebahren war kalt, distanziert und ruhig.
Dieser Satz ist problematisch, weil er sich wieder auf die Bewohner bezieht, du aber einen neuen Absatz angefangen und mit einem Fokus auf die Stadt eingeleitet hast. Ich persönlich habe erwartet, dass es jetzt um die Stadt geht, nicht wieder um die Bewohner.
Vorschläge:
1) lass den ersten Satz des Absatzes weg und erzähl einfach direkt über die Bewohner
2) fang einfach keinen neuen Absatz an; der Satz über die Stadt ist zwar dann immer noch ein leichter Stolperstein, aber nicht so sehr.
3) pack die Informationen über die Bewohner in den Absatz davor, leite einen neuen Absatz mit dem Satz über die Stadt ein und erzähle uns darin ein wenig über diese.

Zitat:[...] und die Signoria, die Herren dieser Stadt fügte sich bereitwillig den meisten Forderungen [...]
"[...] und die Signoria, die Herrin dieser Stadt, fügte sich bereitwillig den meisten Forderungen [...]"

Zitat:Auch sie waren blass, ruhig und gespenstisch höflich. Doch sie verloren sich in endlosen Debatten über Kleinigkeiten und verzögerten so die Verhandlungen.
Hm, kann es sein, dass du in dem Satz, den ich zuletzt angemerkt habe, etwas vergessen hast? Soll es etwas in der Art von "die Signoria und die Herren dieser Stadt" heißen? Schließlich hast du jetzt wieder den Plural drin.

Zitat:Sie hielten den König mit einer Liebenswürdigkeit hin, die schal und nach Moder roch, wie alles an dieser Stadt, die ein Mann von Ehre aber nicht abweisen konnte.
Der Satz ist ein bisschen verknotet. Vorschlag:
"Sie hielten den König mit einer Liebenswürdigkeit (Freundlichkeit?) hin, die kein Mann von Ehre ablehnen konnte, die aber ebenso nach Moder roch, wie alles in dieser Stadt."
Ich finde auch persönlich, dass etwas nicht schal und nach Moder riechen kann, aber das liegt vielleicht auch an mir^^

Zitat:Aus dem Augenwinkel glaubte man stets, ein skeletthaftes, unheimliches Grinsen
Ich finde "skeletthaft" deutlich stärker als "unheimlich", welches du ohne Probleme rauslassen könntest.

Zitat:unheimliches Grinsen auf ihren Gesichtern zu sehen, doch sah man ihnen ins Gesicht, blickte einem nur kalte, abweisende Dienstbereitschaft entgegen.
Die Wiederholung fällt hier recht stark ins Auge. Außerdem, was ist abweisende Dienstbereitschaft? Widerwillige Dienstbereitschaft?

Zitat:Einzig die Herren der Signoria lächelten stets,
Jetzt bin ich vollkommen verwirrt. Was genau ist die Bedeutung von "Signoria"?

Zitat:Ihre Augen waren fahl, meist blau und tiefer als die Brunnen dieser Stadt.

Die Brunnen...Es gab hunderte.
Hier gefallen mir Wortlaut und Überleitung sehr gut Icon_smile Pro
Aber vor und nach die "..." gehört jeweils ein Leerzeichen, siehe auch hier.

Zitat:Die anderen waren "ungesund". So nannten es die Städter.
Vorschlag: "Die anderen waren "ungesund", so nannten es die Städter."
Liest sich mMn flüssiger.

Zitat:"Ich tränke daraus nicht.".
Bin mir selbst nicht ganz sicher, aber ich meine, es müsste so heißen:
"Ich tränke daraus nicht".
Verweise dich wieder hier hin.

Zitat:Schliesslich versahen die Städter alle gesunden Brunnen mit einem Zeichen und es war vorerst gut.
"und es war vorerst gut", finde ich sehr umgangsprachlich, umso mehr in einer Lovecraft-Homage.
Hab aber leider auch gerade keinen Lösungsvorschlag.

Zitat:Dann die Galgen...an
s.o.

Zitat:an jeder Straßenkreuzung stand einer, wenn man die Städter aber danach fragte, beschwor jeder einzelne,
Vorschlag: "Sie standen an jeder Straßenkreuzung, fragte man die Städter aber danach, beschworen sie[...]"

Zitat:Auch gab es keine Vögel in der Stadt, nur Krähen.
Vorschlag: "Auch gab es keine Vögel in der Stadt außer Krähen."

Zitat:Das Heer war eine Woche erst in der Stadt
"Das Heer war erst (seit) eine® Woche in der Stadt"

Zitat:Die Signoria gab eine Erklärung ab, die nahen Sümpfe hätten diese Wirkung gelegentlich auf Fremdländer [...]
Vorschlag: "Die Signoria gab eine Erklärung ab: die nahen Sümpfe hätten diese Wirkung gelegentlich auf Fremdländer [...]"

Zitat:Wer nicht krank wurde, wurde zusehends nervöser. Paranoid, andere wurden Aggressiv.
"Wer nicht krank wurde, wurde zusehends nervöser, paranoid, andere wurden aggressiv."

Zitat:Mancher viel ganz
"Mancher fiel ganz"

Zitat:etwas böses von der Stadt ausging.
"etwas Böses von der Stadt ausging."

Zitat:doch die meisten von ihnen litten am Fieber
Vorschlag: "doch die meisten von ihnen litten ebenfalls am Fieber"

Zitat:oder hatten sich, wie manch anderer einen Strick genommen
"oder hatten sich, wie manch anderer, einen Strick genommen"

Zitat:die nur noch unterschrieben werden musste
"die nur noch unterschrieben werden müsse"

Zitat:einem festlichen Bankett zuEhren

Zitat:der Dunkelheit zur Festung der Stadt,
Da bisher alles in der Stadt spielte und die Festung erwähnt wurde, kannst du den Zusatz "der Stadt" weglassen.

Zitat:wurden von einer Ehrengarde in Emfang genommen und in das Speisezimmer geleitet.
Passiv ist nicht schön zu lesen. Wenn möglich, vermeide es. Das würde dann in etwa so aussehen: "dort empfing sie eine Ehrengarde und geleitete sie ins Speisezimmer."
"Speisezimmer" klingt übrigens sehr klein. "Speisesaal" vielleicht?

Zitat:Doch dies...Auf den
s.o.

Zitat:die ihn respektvoll an ihrer Tafel Willkommen hießen.
"ihn" = "den König"? Mir ist klar, was der Bezug ist, aber da er schon länger nicht aufgetaucht ist, ist es rein von der Textseite her nicht klar.

Zitat:während der König, ein lebenslustiger und kraftvoller Mann wie das Abbild einer Leiche auf seinem Stuhl saß
"während der König, ein lebenslustiger und kraftvoller Mann, wie das Abbild einer Leiche auf seinem Stuhl saß"
Ohne das Komma ist der König lebenlustig und kraftvoll wie das Abbild einer Leiche Icon_wink

Zitat:Er bot ihm an, ihn zu dem Palais zurückzubringen, den er bezogen hatte und führte den blassen, abwesenden König hinaus.
s.o. Bezug ist unklar.
Vorschlag: "Er bot dem König an, ihn zu dem Palais zurückzubringen, den er bezogen hatte und führte den blassen, abwesenden König hinaus."
Was du dann mit dem zweiten "König" machst, weiß ich allerdings auch nicht.^^

Zitat:seiner Stadt ausliess
s.o.

Zitat:über ihre an Siegen reiche Geschichte und ihren Reichtum schritten sie
"über ihre an Siegen reiche Geschichte und ihren Reichtum, schritten sie"

Zitat:...an Leichenkarren, auf denen die Opfer der Seuche lagen. Soldaten des Königs zumeist.
...an verwirrten Männern, die von kranken Steinen und bösen Mauern faselten und vor dem edlen, fahlen Herren schreiend davonrannten.
...an Soldaten, die sich um die Galgen scharten, um ihre Kameraden an den Strick zu bringen.
Gefällt mir sehr gut, weil es die ganze Geschichte mit Schwung in eine gewisse Albtraumhaftigkeit versetzt. Nur ein Vorschlag zur ersten Zeile:
es ist die einzige, in der du zwei Sätze hast, was dem Gesamteindruck etwas schadet.
Vorschlag: "an Leichenkarren, auf denen sich die Soldaten türmten, die die Seuche dahingerafft hatte."
Außerdem: Leerzeichen hinter die "..."

Zitat:Schwert...
s.o.

Zitat:"Kranke Steine...Böse Orte...", murmelte er.
"Und was sie nicht fressen..."
Kein Zeilenwechsel nach "murmelte er."

Aaaalso.
Mir gefiel die Geschichte beim ersten Lesen schon gut, der Eindruck hat sich jetzt bestätigt. Lovecrafts Sprachgewalt erreichst du zwar nicht, aber die befremdliche Atmosphäre ist wirklich ein Volltreffer. Erinnert mich in dieser Hinsicht ein wenig an "The Doom That Came to Sarnath", auch wenn die Thematik eine andere ist. Aber die seltsame Entrücktheit, die sich zum Ende der Geschichte hin schließlich steigert, passt sehr gut.

Du solltest allerdings stark auf Zeichensetzung achten, gerade was Kommata anbelangt. Ein falsch gesetztes Komma macht den besten Lesefluss kaputt.
Gleiches gilt für die Bezüge. Da deine Textstruktur recht übersichtlich geraten ist, hatte ich nie Verständnisprobleme, dennoch fällt auf, wenn ein Bezug unklar ist und das ist einfach unschön.

Tja, alles in allem kann ich sagen, dass deine Geschichte mir gefallen hat. Man merkt, wer dein Vorbild ist.

MfG,
Saryn

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Beitrag #3 |

RE: Die Stadt -ein Fragment-
Danke erstmal für die Begrüßung und die (im ganzen ja doch positive^^) Manöverkritik^^

Ich lese ihn meist auf Deutsch, obwohl ich mal eine Seite gefunden hatte, auf der es den Originaltext von fast allen Texten online gab...Wenn ich sie nur wiederfände...

Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es eine Hommage ist...ich kaspere noch etwas mit meiner persönlichen Stilfindung herum, daher ist der Text stilistisch auch in sich noch nicht so ganz geschlossen. Streckenweise ist er natürlich von Lovecraft inspiriert, das kann ich kaum leugnen^^, aber gerade was die Adjektivflut angeht, experimentiere ich noch...Ich versuche ein bisschen was von Lovecrafts Panoramablick mit meiner etwas zügigeren Erzählgeschwindigkeit in Einklang zu bringen...das hapert hier noch etwas.

Was mir beim nochmaligen Lesen auffällt, ist, dass ichs nochmal hätte Korrekturlesen sollen >.< Ich sollte mir das endlich mal angewöhnen...Hätte man ein paar ärgerliche Mankos mit vermeiden können...

Zum Begriff Signoria: "Die Signoria", bezeichnet in den alten Stadtrepubliken Italiens die Versammlung der adligen und wohlhabenden Familien...quasi ein aristokratischer Stadtrat...hätte ich erläutern müssen...Werds in der 0.2.-Fassung durch einen anderen Begriff ersetzen...Rückblickend betrachtet eine doofe Idee.


Ich werd mich die Tage nochmal dransetzen und die überarbeitete Fassung nochmal vorstellen...Danke nochmal^^

LG
Neph

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Beitrag #4 |

RE: Die Stadt -ein Fragment-
Hallo Nephren-Ka,

ich habe grade gesehen, dass du erst einen Kommi hast. Weisst du das Geheimnis Kommentare zu bekommen ist das Geben und Nehmen. Icon_wink Übrigens habe ich den Beitrag von Saryn nicht gelesen, such dir also einfach das Beste raus, falls ich etwas doppelt anmerken sollte. Es sind übrigens alles Vorschläge, die ich mache, du musst selbst entscheiden, ob sie für deine Geschichte etwas nützen. Aber jetzt zu deiner Geschichte.

Zitat:verhaltenes Husten und der diffuse Teppich aus den Geräuschen einer Taverne,

Das Bild gefällt mir. „Ein Teppich aus Geräuschen“. Icon_cuinlove

Zitat:"Sie hat etwas böses an sich. Etwas..."

Vor die drei Auslassungspunkte muss immer ein Leerzeichen. Es sei denn, du unterbrichst damit das Wort.

Zitat: Diese Stadt war still, kalt und abweisend, wie ihre Bewohner.

Nur so aus Interesse: Wie heißt die Stadt denn? Wenn sie einen Namen hätte, könntest du ihn benutzen um die Wiederholung von „Stadt“ zu vermeiden. Noch ist mir das nicht negativ aufgefallen, also sieh das mehr als Tipp für die Zukunft.

Zitat:die Herren dieser Stadt fügte sich bereitwillig den meisten Forderungen.

fügten

Zitat:Die anderen waren "ungesund". So nannten es die Städter. Am ersten Tag war ein gutes Dutzend Männer gestorben, weil sie aus "ungesunden" Brunnen getrunken hatten.

Wortwiederholung von „ungesund“

Zitat:.". Schliesslich versahen die Städter alle gesunden Brunnen mit einem Zeichen und es war vorerst gut.

Am Anfang ist ein Punkt zuviel. Das Ende klingt etwas ungelenk. Ich hätte den Satz nach „Zeichen“ beendet. Der geneigte Leser versteht dann ja von selbst, dass es dann gut ist.

Zitat:Dann die Galgen...an jeder Straßenkreuzung stand einer, wenn man die Städter aber danach fragte,

Ich bin keine Freundin von diesen drei Punkten. Es wirkt auf mich immer wie Effekthascherei, wie um künstlich Spannung zu erzeugen. Das brauchst du nicht. Mach einen einfachen Punkt und fang einen neuen Satz an. Kurze prägnante Sätze erzeugen noch mehr Effekt. Finde ich jedenfalls.Icon_wink

Zitat:seit einem guten Jahrzehnt sein niemand mehr gehängt worden

sei niemand

Zitat:Auch gab es keine Vögel in der Stadt, nur Krähen.

Sind Krähen keine Vögel? Icon_confused

Zitat: Und dann dieser Spruch: "Starke Orte fressen die Schwachen."

Das klingt etwas ungelenk. Einen Satz mit „und“ anzufangen ist immer etwas ungeschickt. Ich hätte andersherum angefangen, also: „An jedem Haus und … stand der Spruch:“

Zitat:Das Heer war eine Woche erst in der Stadt, als die ersten Männer krank wurden.

Das „erst“ sollte hinter das „war“ oder du könntest es ganz weglassen.

Zitat:Die Signoria gab eine Erklärung ab, die nahen Sümpfe …

Der Satz klingt bisschen komisch. Vorschlag: „… ,dass die nahen Sümpfe …“ Das hat jetzt aber nix mit den Brunnen zu tun, oder? Icon_confused

Zitat:und das sollte nach einem festlichen Bankett zuEhren der Sieger geschehen.

Hier fehlt ein Leerzeichen.

Zitat:Doch zum ersten mal, so schien es dem König, schienen die besiegten Herren wirkliche Freude

Wortwiederholung von „schien“

Zitat:Nach dem Essen erhob sich das Haupt der Signoria, ein fahler Mann mit blassgrünen

„das Haupt“ klingt hier seltsam, weil es sich ja auf den Mann bezieht. Wenn ginge vielleicht „Oberhaupt“. Seine Beschreibung wirkt übrigens etwas gezwugen, ich bin inzwischen der Meinung, dass da weniger mehr ist. Also würde ich an der Stelle nur besondere Auffälligkeiten erwähnen und auch nur, wenn der Kerl später nochmal wichtig wird.

Auf mich wirkt der Text, wie ein Märchen was irgendwem erzählt wird. Vielleicht liegt das am Anfang, da beginnst du ja mit den trinkenden Soldaten. Was ich etwas schade finde ist, dass der restliche Text - im Gegensatz dazu - einfach nur erzählt wirkt. Du beschreibst die Stadt nur, anstatt sie uns wirklich zu zeigen. Eine Alternative wäre vielleicht gewesen, entweder direkt aus der Sicht des Königs zu schreiben, wie er das alles erlebt, oder aber aus der Sicht eines Soldaten, der durch die Straßen wandert. Dann könntest du auch Gerüche, geheimnisvolles Geflüster, kalte Winde und all so Sachen einbauen, die eine Geschichte erst lebendig werden lassen. Kurz gesagt: Mehr Atmosphäre aufbauen.

Oder aber, du setzt einen Geschichtenerzähler in eine Kneipe und lässt ihn dieses Märchen von der gescheiterten Stadteroberung erzählen, weil man dann den Text nämlich anders liest. Icon_wink

Soviel zur Umsetzung. Inhaltlich hast du es prima geschafft eine gruselige Stadt aufzubauen, allein schon dadurch, dass die Bewohner gar nicht viel machen. Das ist der Horror den ich mag und ich finde, dass Setting hättest du ruhig noch weiter nutzen können, indem du es auch entsprechend lebendig erzählst.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #5 |

RE: Die Stadt -ein Fragment-
Hallo, 

Leider wieder ein User, der irgendwo in der Versenkung verschwunden ist. Eigentlich schade  Smiley_frown Nichtsdestotrotz werde ich die Geschichte kommentieren, da mich der Titel schon sehr interessiert hat. 

Zitat:Sie hat etwas böses an sich. Etwas..."
Etwas unheilvolles."
Böses und Unheilvolles hier bitte groß. Das zweite etwas würde ich klein schreiben und vielleicht noch drei Punkte davor, denn er beendet ja den Satz. 

Zitat: Die Anwesenheit in dieser Stadt. Gewiss, sie war ihre Kriegsbeute, aber eine faule Beute, tot und giftig. 
Punkt nach Beute. Du schreibst teilweise ziemlich lange Sätze, das macht das Lesen schwieriger. Aufteilen wäre eine gute Idee und ein paar mehr Absätze bitte, vorallem nach der wörtlichen Rede.

Zitat:Sie leisteten keinerlei Widerstand, taten was man ihnen sagte, doch ihr gebahren war kalt, distanziert und ruhig.
Gebahren groß bitte

Zitat:Und dann waren da die vielen Seltsamkeiten, die sich in dieser Stadt häuften. Die Bewohner schienen stets zu lächeln, wenn man gerade nicht hinsah. Aus dem Augenwinkel glaubte man stets, ein skeletthaftes, unheimliches Grinsen auf ihren Gesichtern zu sehen, doch sah man ihnen ins Gesicht, blickte einem nur kalte, abweisende Dienstbereitschaft entgegen. Einzig die Herren der Signoria lächelten stets, wenn auch nur mit ihrem Mund. Ihre Augen waren fahl, meist blau und tiefer als die Brunnen dieser Stadt.
Ich denke eher, sie lächeln freundlich, wenn man hinschaut, um dann ihr wahres Gesicht zu verbergen, das man nur zufällig entdeckt. So auf die Art wäre es für mich logischer, denn sie geben sich ja unterwürfig. Du benutzt ziemlich oft das Wort fahl, bitte mal Synonyme suchen.

Zitat:Und dann dieser Spruch: "Starke Orte fressen die Schwachen." 
Der erste Satz ist, mit Verlaub, sch... Ich würde ihn durch Das unheimliche Motto/ der unheimliche Wahlspruch ersetzen. Passt besser zu deiner Geschichte.

Ich finde dieses Kapitel sehr schön als Epilog. Interessant ist es auf alle Fälle. Leider wurde es nicht fortgeführt. Vielleicht klingeln dir ja die Ohren und du meldest dich zurück.

Würde mich freuen,

Viele Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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