Es ist: 21-07-2017, 15:35
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Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Beitrag #1 |

Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Ich setze eine liebgewordene Tradition hiermit fort und wünsche frohe Weihnachten und ein besinnliches Fest. LGD.

Countdown: Addendum

I n s D u n k l e f e r n e r N ä c h t e

0.1

Der Tag hatte sich im Grau verrannt.
Hoffnungslos gefangen zwischen den massiven Baumstämmen des absterbenden Waldes und dem wolkenverhangenen Himmel. Ein leichter Wind fuhr durch die Baumkronen und zerrte die letzten Überbleibsel des Sommers vom Geäst. Trudelnde Blätter, die den matschigen Boden behutsam zudeckten. Lebendiges Chlorophyll sah anders aus, als das, was da am Boden lag. Schmutziges Braun, gesprenkeltes Grün. Alles in den letzten Zuckungen.
Der Herbst nahm der Farblosigkeit den Glanz. Und die Zeit kratzte am Lack des Wagens, der zwischen den Bäumen auf einem alten schmalen Forstweg stand. Mehr ein angedeuteter Pfad, kaum benutzt und stellenweise bereits wieder mit der Natur verschmolzen. Beinahe genau so, wie das Auto selbst, dass augenscheinlich seine besten Zeiten bereits hinter sich gelassen hatte. Ein blassgelber Horch 100 S Coupé. Zweitürer. Schlammspritzer zierten den unteren Bereich des Fahrzeugs und die Reifen, die Nebelscheinwerfer und das Nummernschild. MSP war darauf noch zu sehen, die nachfolgenden Buchstaben und Zahlen dagegen nicht mehr.
Genau wie die beiden Personen im Inneren des Wagens, die erst bei näherem Hinsehen erkennbar wurden. Auf dem Fahrersitz saß eine Frau mit schulterlangen blonden Haaren, die zu einem Zopf zusammengebunden waren. In ihrem Gesicht hatten sich die dreißig Erdenjahre nicht verewigen können. Im Gegenteil, sie sah jugendlich aus, frisch und bereit für die Zukunft, doch unter der Haut war das Gegenteil der Fall. Die Kinnhaken und Nackenschläge der Vergangenheit hatten Narben auf der Seele hinterlassen, die zwar schmerzten, die sie aber auch mit Stolz trug, denn sonst hätten sie keinen Sinn gehabt.
Sie hieß Evelyn, zumindest wollten das ihre Eltern. Ihre Kollegen dagegen nannten sie Flynn. Und Freunde ... Freunde hatte sie keine mehr.
Sie wusste, dass sie dem verbotenen preußischen Sprichwort entsprach: Mehr Sein als Schein.
Genau wie jetzt: Dunkelblaue Schlaghose, schwarzer Pullover und Stiefel.
Von außen eine Frau, die gerade am Übergang zwischen Rebellion, Mutter und Job schwebte. In Wirklichkeit verbarg sich ein lange Jahre trainierter Körper darunter. Und Mutter wollte sie nie werden.
Sie tippte langsam mit dem Finger auf dem Lenkrad herum. Ihre grünen Augen schauten durch die Windschutzscheibe hinaus in den Wald, beobachteten, musterten jeden Zentimeter, der vor ihnen lag und schenkten jeder Bewegung die Aufmerksamkeit eines Raubtiers, das auf der Lauer lag. Ihr eher längliches Gesicht blieb dennoch mehr ausdruckslos als vielsagend.
Ab und zu verloren sich ihre Blicke auf den Beifahrersitz. Neben einem alten oliven Reichswehr-Parka mit der schwarz-rot-goldenen Mini-Flagge am Oberärmel lag eine Zeitung. Die aktuelle Sonntagsausgabe der MAIN POST vom 02.11.1975.
Auf dem Titelblatt war das Bild eines Schiffes mit der Fahne der UdSSR am Heck zu sehen. In großen Lettern stand darüber: 'Meuterei in der sowjetischen Marine'. Und darunter: 'Das Ende des Kommunismus?'
Sie starrte auf das Datum, minutenlang, während sie sich unbewusst am rechten Oberarm kratzte. Dann fuhr ihr Blick gedankenverloren über die anderen Schlagzeilen. 'Lillemors Frauenbuchladen in München eröffnet.' 'Betriebsunfall im Urankraftwerk Gundremmingen.' 'Neuer Asteroid von sowjetischer Astronomin entdeckt.'
Beim letzten Artikel blieb ihr Blick hängen.
'... Asteroid, der zur Eos-Gruppe gehört', las sie, 'wird nach Antoine de Saint-Exupéry (1900-1948) benannt, der durch seine im Krieg geschriebenen Erzählung >Der kleine Prinz< weltweit Berühmtheit erlangte.'
Ein kurzlebiges Lächeln umspielte ihre Lippen, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Wald hinter den Scheiben. Und auf jede Bewegung.
Die andere Frau hatte es sich auf der Rückbank bequem gemacht, auch wenn es mehr ein gequetschtes Liegen war. Die Beine in Richtung Beifahrerseite angewinkelt, den Kopf mit den dunkelbraunen Haaren hinter Flynn wegen dem schrägen Heck leicht zur Seite geneigt.
Sie nannte sich Charly. Und diejenigen, die sie mit Charleen ansprachen, änderten meistens kurz danach ihre Meinung, wenn ihre Fäuste mal wieder schneller reagierten als ihre Zunge.
Im Gegensatz zur Fahrerin trug sie die inneren Spuren der Zeit nicht mit Stolz oder wie eine Auszeichnung. Sie schloss sie tief im Keller ihrer Seele ab und warf den Schlüssel in den obligatorischen Mülleimer am Ende des Ganges.
Es waren zwar zwei völlig verschiedene Konzepte, die die beiden Frauen damit verfolgten, doch äußerlich schien das Ergebnis gleich zu sein. Auch wenn Charly neben einem weißen Pullover (unter einer braunen Jacke) und den dunklen Stiefeln eine schwarze Cordhose trug.
So wie jetzt lag sie dort schon seit Stunden und starrte auf den Klapprechner, der auf ihrem Schoß lag. Auf dem Bildschirm war eine Datei zu sehen, die den Titel 'Enzykondatenbank Nr. 426.161' trug. Ab und zu fuhr sie mit dem Zeigefinger über das Touchpad und öffnete ein Dokument, in das sie stichpunktartige Sätze hinein schrieb.
"Scheiße ist das kalt", murmelte Charly.
"Es sind zehn Grad draußen", antwortete Flynn.
"Du weißt, was ich meine."
"Soll ich mir eine Standheizung aus den Rippen schneiden?" Flynn wandte sich von der Welt da draußen ab und drehte sich zu ihr um. "Ist sie bald fertig?"
Charly ließ sowohl Datenbank als auch Dokument verschwinden. Ein schwarzer Desktop mit einem Z-S und einem AG im Hintergrund erschien. Darüber befanden sich drei kleine, sich überlappende, Fenster: Eine Radarkarte mit dem Horch am Rand und einem alten Haus in der Mitte. Im zweiten Fenster sah man verschiedene Kameraaufnahmen des Waldes, die sich nacheinander ablösten. Nummer drei blieb schwarz mit dem Hinweis 'Verbindung Ortungschip 03 gestört'.
Charly näherte sich mit dem Mund dem Mikrophon am rechten oberen Rand des Bildschirms.
"Allison?", sagte sie, doch es kam keine Reaktion aus den Lautsprechern. Stattdessen sahen sie auf der Radarkarte, wie ein roter Punkt erschien. Sekunden später kam ein zweiter dazu.
"Scheiße", murmelte Charly. "Er kommt."
"Wie lange braucht er?"
"Zehn Minuten? Vielleicht acht?"
Flynn überlegte, schneller als jeder andere Mensch auf der Welt. Schon als kleines Mädchen hatte ihr Kopf besser gearbeitet als alle anderen. So wie immer wägte sie verschiedene Lösungen gegeneinander ab, konzentrierte sich dabei auf den Erfolg, der unbestreitbar nicht in Gefahr gebracht werden durfte. Nach drei Sekunden griff sie entschlossen nach dem Parka und öffnete die Tür.
"Versuch es weiter", sagte sie zu Charlie und stieg aus. "Ich hol sie da raus."

*

Nur ein herbstlicher Wald. Gefangen im viel zu grauen Tag. Es war so andächtig ruhig, dass sie die Tür sogar leise schloss, während sie innerlich Charly beipflichtete: Es war tatsächlich sehr kalt für die angezeigten zehn Grad. Aber in Anbetracht der Lage war das anscheinend völlig normal.
Sie warf sich den Parka über und ging los.
Vorsichtig, während sie den Blick abwechselnd über die Kronen, die Stämme und schließlich den Boden gleiten ließ. Nur keine falschen Bewegungen. Die Laubblätter waren wie ein dicker Teppich und verschluckten die Schritte. Ein Grund, warum sie vor einigen Stunden diesen knisterfreien Weg angelegt hatten. Unauffällig konnten sie sich durch den Wald bewegen, ohne Gefahr zu laufen, sich durch Geräusche zu verraten.
Der Pfad, der nur durch genaues Hinschauen zu erraten war, führte beinahe gerade vom Forstweg zu einem Haus, das geschätzte hundertfünfzig Meter entfernt war. Je näher sie kam, desto mehr fiel es auf, dass das Haus eher eine alte Ruine darstellte. Das Dach hatte bereits mehr Ziegel verloren als behalten. Die Fenster waren eingeschlagen, die Mauern brüchig. Die offene Eingangstür dagegen sah relativ unversehrt aus.
Flynn sah sich noch einmal prüfend um, bevor sie ins Haus trat. Knirschender alter Dielenboden. Ein zerlöcherter Teppich. Umgeworfene Stühle und ein Tisch, der von einer Axt halbherzig getötet worden war. Staubfäden hingen von der Decke und der Wind fuhr durch die zerklüfteten Überreste der Glasscheiben.
Sie hielt sich nicht lange damit auf, das Innere zu erkunden, da sie es schon kannte. Unter der Treppe, die nach oben in den ersten Stock führte, sah sie die Tür zum Keller. Die Farbe auf dem Holz blätterte bereits ab, nur die Klinke glänzte.
Flynn öffnete die Tür, griff in die Tasche des Parkas und holte eine kleine Taschenlampe hervor. Nachdem sie sie angeknipst hatte, leuchtete sie in das Dunkel hinein. Mehrere Stufen, die recht steil nach unten führten.
Sie sparte sich den Ruf nach Allison, trat ein zwei Stufen hinab, bevor sie vorsichtig und leise die knarrende Kellertür hinter sich schloss. Danach tanzte nur noch der Lichtkegel der Lampe durch die Finsternis, während sie Stufe für Stufe nach unten ging.
Die Treppe. Der Keller. Die kleinen schmalen Fenster nach draußen blieben dunkel. Das Haus war in den letzten Jahren einige Zentimeter abgesunken, und es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wald die Ruine verschlucken würde.
Es roch modrig hier unten, durchsetzt von Fäulnis und Scheiße. Zwischen Graffitis (die eher einzelne Worte, als Kunstwerke darstellten) an den Wänden konnte man die einzelnen Steine noch erkennen, während das Licht sich suchend umsah.
Der Kellerraum umfasste die gesamte Fläche des Hauses. In der Mitte stand ein dicker Holzpfeiler, der die Last des restlichen Hauses auf sich nahm. Er sah dabei nicht so aus, als würde er den Zusammensturz noch lange aufhalten können. An drei Seiten der Kellerwand befanden sich - ab den Fenstern im Uhrzeigersinn gesehen - eine Couch mit einer schmutzigen Decke, mehrere Kommoden in unterschiedlich guten Zuständen und ein Holztisch, auf dem wild verstreut Zeitungen lagen. Darunter konnte man einen Reisekoffer erkennen, der schon bessere Tage gesehen hatte.
Unter ihren Stiefeln knirschte es und ein kurzer Schwenk mit der Lampe nach unten zeigte ihr, dass der Boden zuletzt vor Jahrzehnten gefegt worden war.
Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die vierte Seite der Kellerwand. Dort befand sich kein Mauerwerk, sondern eine anderthalb Meter hohe Holzvertäfelung mit breiten (aber morschen) Brettern, die mehr halbherzig als tatsächlich gewollt begonnen, aber nie vollendet worden war.
"Allison?", flüsterte sie.
Hinter der Vertäfelung hörte sie erst ein Stöhnen, dann ein "Hier."
Sie leuchtete auf drei der Bretter, schob sie zur Seite und kletterte durch die Lücke. Direkt dahinter befand sich ein kleiner Raum, sehr niedrig, der erst im nächsten Augenblick als halb eingestürzter alter Kohlenbunker zu erkennen war.
Das Licht wanderte nach links, leuchtete auf die Frau, die im Dunkeln auf einem der Trümmerstücke hinter der Vertäfelung saß. Die langen Ärmel des schwarzen Shirts hatte sie hochgekrämpelt und auf ihren Oberschenkeln lag eine schwarze Lederjacke, wie sie Punker gerne trugen. Von der dunklen Hose war nur der nietenbesetzte Gürtel zu sehen, der Rest verlor sich in der Dunkelheit außerhalb des Lichts. Ihr Gesicht war leicht verrußt und das Haar zu einem Zopf zusammengebunden, wobei das Rot darin zu einem schmutzigen Braun geworden war.
Ihre blauen Augen starrten Flynn verwundert von der Seite an, während das Licht über ihren Körper glitt. Über die Arme, die Hände mit den vielen silbernen Ringen an den Fingern hin zu einem kleineren Klapprechner auf ihrem Schoß. Von dort stahl sich ein dickeres Kabel zu einem Dreibein vor ihr, auf dem eine VHS-Videokamera montiert war. Das Okular befand sich genau vor einem kleinen unscheinbaren Loch in der Vertäfelung.
"Was soll das?", flüsterte Allison. "Ich bin noch nicht fertig."
"Wie lange brauchst Du noch?"
"Drei, vier Minuten."
"Geht das nicht schneller?"
"Wieso?"
Es knackte in Flynns Ohr und innerhalb von Millisekunden ahnte sie, warum Allison sich nicht gemeldet hatte. Die Wände waren zu dick. Die Sendeleistung zu niedrig. Oder beides.
Sie schob es in ihrem Kopf in die Ecke, wo sich Dinge befanden, die sie nach ihrer Rückkehr
unbedingt ansprechen sollte - als sie von oben Geräusche hörten. Knackende Dielen.
Es war zu spät.
Allisons Augen wurden größer, der Atem setzte aus und ihre Hände begannen zu zittern.
"Scheiße ... Er ist schon da?"
Sie wollte den Klapprechner hastig auf den Boden legen und aufstehen, wegrennen, einfach nur weg - doch Flynn packte ihre linke Hand und hielt sie fest.
"Das geht jetzt nicht mehr", flüsterte sie. "Wir müssen hier bleiben."
"Lass mich los!"
"Sei ruhig!"
"Nein, bitte ..."
"Reiß Dich zusammen!"
Doch bevor Allison etwas erwidern konnte, hörten sie die knarrende Kellertür. Gefolgt von mehreren Schritten, die die Stufen hinunter kamen.

*

Charly hatte auf dem Klapprechner drei kleine Fenster auf dem Bildschirm offen.
Nummer 2 und 3 zeigten ihr weiterhin die Radarkarte und die fehlerhafte Verbindungsmeldung zu den Kolleginnen. Im Fenster Nummer 1 versuchte das Programm gerade ein beschädigtes Video zu laden. Seit einigen Minuten. Nur gemächlich stieg die Prozentzahl dabei an.
Sie konzentrierte sich auf die Radarkarte. Alles soweit in Ordnung. Die beiden roten Punkte näherten sich dem Haus und traten schließlich ein. Wenn alles genauso ablief wie geplant, würde es keine Probleme geben.
Charly kniff für einen Moment die Augen zusammen. Warum auch immer die Verbindung abgebrochen war, sie mussten jetzt da durch. Vermutlich war das Haus massiver abgeschirmt als angenommen. Wenigstens war Allison jetzt nicht mehr alleine. Sie waren zu zweit im Versteck. Und sicher.
Obwohl, was war schon sicher?, dachte sie. Das hier ist verdammtes Neuland.
Charly seufzte, dann wandte sie sich wieder dem Video zu, dass endlich abgespielt werden konnte. Die ersten Minuten blieb das Fenster dunkel und tonlos, und sie wurde leicht ungeduldig. Auch wenn sie das Video bereits kannte, musste sie es sich unbedingt nochmals anschauen. Wobei es weniger ein klarer Gedanke war als ein Bauchgefühl. Irgendwas, das sie vielleicht übersehen hatte.
Nur was?
Als die Geräuschlosigkeit im Film verschwand, hörte sie zuerst nur ein Keuchen, zusammen mit klappernden Zähnen und einem fehlerhaften Piepenton.
Gefolgt von einer männlichen Stimme.
"Scheiße", murmelte diese. Abwechselnd fern und nah. "Blödes Mistding."
Dann wurde die Dunkelheit von Wolken abgelöst, die tief hingen und dabei die Sterne aussperrten.
Wie ein unendlicher Strom aus Gedankenwindungen zogen sie im Video am dunklen Abendhimmel ihre Bahnen und drückten alleine durch ihr Vorhandensein aufs Gemüt. Zusätzlich zum Schnee, der das weite Land fest im Griff hatte.
Es handelte sich um einen Film, der von einem MobTel aufgenommen wurde, was nicht nur durch das Wackeln des Bildes ersichtlich war. Es zeigte flache weiße Ebenen, umrahmt von dunklen Wäldern, durchzogen von Eisenbahnschienen und verwaisten Straßen. Eine schlafende Winterlandschaft, liegend in ihren eigenen Träumen vom fernen Sommer.
"Na endlich!", rief der Mann und richtete das Gerät auf einen Punkt in der Ferne. "Da sind sie ja!"
Scheinwerfer von Autos waren plötzlich in der Ferne zu sehen, die sich rasend schnell mit Sirenengeheul und Blaulicht näherten, und dann abrupt abbremsten. Autotüren wurden hastig geöffnet und unachtsam zugeschlagen. Mehrere kleine Taschenlampen leuchteten wie Lichtschwerter auf und bohrten sich durch die Nacht, während sie sich unaufhaltsam näherten. Mehrere Jedis, eine ganze Armee. Querfeldein durch die schneebedeckten Felder. Die meisten verteilten sich, nur zwei behielten ihren Kurs bei, bis sie vor dem MobTel stehen blieben.
Eine bullige Person und eine schlankere. Hinter dem Taschenlampenlicht nichtssagende neutrale Gesichtsausdrücke, die in grünen Uniformen steckten: Barett auf dem Kopf, Bomberjacken mit der Aufschrift 'Bundespolizei', Armeehosen mit Beintaschen und Kampfstiefeln.
Der bullige Mann senkte die Taschenlampe und zeigte auf das MobTel.
"Machen Sie das Ding aus!"
"Kann ich nicht", rief der Besitzer. "Geht nicht aus!"
"Dann halten sie es weg!"
Das Bild glitt nach unten, vorbei an einer orangefarbenen Warnweste und zeigte die Stiefel des Besitzers, die bereits tief im Schnee versunken waren. Abseits davon hörte Charly die Stimmen der Kollegen.
"Polizeistabskommissar Frederik Szymanska, Bundespolizeipräsidium", sagte der Bullige und hielt dem Besitzer anscheinend seinen Dienstausweis in Form einer kleinen Plastikkarte hin, bevor er auch seine Begleiterin vorstellte. "Kommissar Laura Insterwald. Bundespolizeiinspektion Chemnitz."
"Streckenwärter Walter Curnow", sagte der Besitzer. "Schienenüberwachung Meerane."
"Sie haben angerufen?", fragte Szymanska.
"Also, eigentlich habe ich den Notruf der normalen Polizei gewählt", meinte Curnow verdutzt. "Und nicht den der Bundespolizei."
"Die Kollegen haben uns verständigt, weil wir in diesem Fall zuständig sind."
"In diesem Fall?"
"Länderübergreifendes Gewaltverbrechen in Serie", antwortete Szymanska. "Daher eine Bundesangelegenheit."
"Oh ..." Die Stimme des Streckenwärters schien nicht ganz überzeugt zu sein. "... okay."
"Wo ist der Tatort?"
"Da hinten", antwortete Curnow und zeigte außerhalb des Bildes auf einen Punkt. "Das Bordpersonal des ICE 'Von Seydlitz' meldete, dass jemand einen Koffer aus dem Zug geworfen hatte."
"Und?"
"Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht und ..."
Curnow seufzte. "Tut mir leid. Ich ... muss ich nochmal dahin?"
"Nein", antwortete der Stabskommissar. "Ist das ein dienstliches MobTel?"
"Es gehört der Bundesbahn, ja", antwortete der Streckenwärter. "Besondere Vorkommnisse muss ich mit dem Ding dokumentieren."
"Sie haben alles seit Ihrem Eintreffen hier aufgenommen?"
"Ja. Kann es, wie gesagt, nur nicht mehr aus machen. Wieso?"

"Ich beschlagnahme das Gerät hiermit", sagte Szymanska. "Meine Kollegen bei den Fahrzeugen da hinten werden Ihnen dafür einen Beleg ausstellen."
"Okay", meinte der Streckenwärter verdutzt und das Bild wackelte wieder, als er das MobTel dem Bundespolizisten reichte. "Von mir aus."
Doch bevor er losgehen konnte, hielt ihn der Stabskommissar am Arm fest.
"Eine Frage noch Herr Curnow: Haben Sie am Tatort irgendwas verändert?"
Schweigen. Man konnte sehen, wie der Blick im müden und halbdunklen Gesicht des Streckenwärters nach unten rutschte.
"Hab ihn nur aufgemacht", sagte er leise. "Und ..."
Der Rest des Satzes ging auf dem Bildschirm im Schweigen unter, bis Symanska ihm schließlich auf die Schulter klopfte.
"Schon gut", sagte er. "Gehen Sie. Wir reden später."

*

Flynn hatte die Bretter so leise es ging zurückgeschoben und sich hingehockt. Sehen konnte sie nichts, nur hören: Allison, wie sie versuchte, ruhig und konzentriert zu atmen. Dann die zwei Personen. Eine davon war ungefähr 20. Die andere wesentlich jünger. Details, die sie bereits wussten ohne hinzuschauen. Die Stimmen, beide männlich, näherten sich langsam.
"Und das ist wirklich Dein Haus?", sagte der Jüngere und ging langsam durch den Kellerraum. Beinahe vorsichtig.
"Ja, meins", sagte der Ältere. "Habs auch schön eingerichtet, oder nicht?"
"Eine Couch?" Die Schritte des Jüngeren beschleunigten sich, dann hörten sie, wie er sich auf das Möbelstück setzte. "Riecht ein bisschen komisch."
"Alt. Mehr nicht."
"Und was ist da?"
, fragte der Junge.
"Was?"
"Na, da hinter der Vertäfelung."

Der Lichtkegel wanderte von der anderen Seite am Holz vorbei. Flynn konnte es spüren, wie sich Allisons Herz verkrampfte und sie aufhörte, zu atmen. Verschmolzen mit der Dunkelheit zu einer Statue. Und doch viel zu lebendig dafür.
Bitte, dachte sie. Lass Sie ruhig bleiben.
Es war schließlich nicht geplant gewesen, dass irgendjemand hier unten sein sollte.
Sie zwang die Gedanken zurück. Später. Hoffen. Daumen drücken. Es gab Schlimmeres. Wenn das Licht durch das kleine Loch auf das Okular fiel beispielsweise.
"Da waren Kohlebunker", sagte der Ältere. "Sind aber schon seit Ewigkeiten zu."
Der Lichtkegel wanderte weg. Sie hörte, wie er in der Kommode etwas suchte und dann ein Feuerzeug betätigte.
"Hast Du kein Strom in Deinem Haus?", fragte der Jüngere.
"Kerzen sind billiger."
Flynn hörte, wie er mehrere davon anzündete und auf den Tisch stellte. Stille folgte, bis sich der Junge räusperte.
"Das ist mir ein bisschen unheimlich."
"Brauch es nicht"
, sagte der Ältere. Da sie nichts weiter gehört hatte, nahm Flynn an, dass er noch vor der Couch stand. Wahrscheinlich unentschlossen, abwägend. Die Hände in den Hosentaschen vergraben.
"Und was wolltest Du mir zeigen?"
"Ein Spiel."
"Und was für ein Spiel?"
"Rate-Spiel."
"Ich weiß nicht. Bin nicht so gut im Raten."

Der Ältere bewegte sich, öffnete die Kommode und nahm etwas heraus.
"Macht aber echt viel Spaß", sagte er. "Vertrau mir."
Eine leise Bewegung hinter Flynn.
Sie drehte sich um, ließ die Lampe bewusst ausgeschaltet. Nur Allisons Umrisse. Ihre Haltung war verkrampft. Der Klapprechner auf ihrem Schoß hatte einen dunklen Hintergrund, der kaum Licht warf, doch es reichte aus um die Panik in ihrer Kollegin zu spüren.
Flynn nahm ihre Hand und drückte sie. Es sollte ein beruhigendes Gefühl vermitteln. Es sollte ihr zeigen, dass sie nicht alleine war. Doch Allisons Hand zitterte. Und zum ersten Mal hoffte sie, dass es schnell vorbei sein möge.
"Ein Kreuzworträtsel?", fragte der Jüngere gerade. "Das ist doch was für alte Leute."
Flynn hörte, wie eine Zeitschrift umgeblättert wurde. Gefolgt vom Klicken eines Kugelschreibers.
"Letzter Planet im Sonnensystem?"
"Ähm, ..., Pluto?"
"Richtig."
Der Kuli kritzelte über Papier. "Erster Mensch auf dem Mond?"
Der Jüngere schnaufte und kratzte sich anscheinend am Kopf.
"Keine Ahnung."
"Wirklich nicht?"
"Nein."
Der Jüngere seufzte. "Doofes Spiel."
"Titow wärs gewesen."
"Ach der!"
"Hm. Ein Erzengel. Schutzpatron des Deutschen Reichs. Name beginnt mit M."
"Reli ist ein blödes Fach."
"Du weißt echt nicht, nach wem Du benannt wurdest?"
"Was? Nein. Weiß nicht."
"Erzengel Michael."

"Das wusste ich nicht."
"Versuchen wir etwas anderes."
"Hm. Und was?"
"Raten. Mach die Augen zu"
, sagte der Ältere. "Ganz fest zu."
"Und dann?"
"Sagst Du mir, was Du riechst. Ich gebe Dir drei Möglichkeiten zur Auswahl, okay"
"Na schön."
Der junge Michael seufzte. "Von mir aus."
Sie hörte ein Tuch, wie es entfaltet wurde. Den Schraubverschluss einer Flasche, die danach umgedreht wurde.
"Erdbeer, Vanille oder Schokolade?"
"Ich riech noch nichts."
"Moment. Besser?"

Man konnte es nicht genau hören, aber Flynn wusste, dass Michael ein Tuch mit Chlorophorm aufs Gesicht gedrückt wurde. Allison legte den Klapprechner plötzlich abrupt zur Seite und wollte an Flynn vorbei, hinaus, anscheinend dem Jungen helfen.
"Nein!", zischte sie, während sie ihre Kollegin packte und ihr den Mund zu hielt. "Nicht!"
Jenseits der Holzvertäfelung hörte sie, wie der Junge sich plötzlich wehrte, lautlos und stumm. Seine Beine traten nach irgendwas. Sein Mund formulierte ein "HM!", das alsbald erstarb.
Und dann leuchtete der Bildschirm des Klapprechners auf. Nicht so hell wie im ersten Moment befürchtet, doch das Bild, was die Kamera übertrug war schlimmer.
Der Körper des Jüngeren war schlaff und leblos. Der Ältere zog ihn von der Couch, hob ihn hoch und legte ihn rücklings auf den Tisch zwischen den Kerzen.
"Du kennst Titow und Michael nicht?", rief er. "Idiot!"
Sie hörten, wie die Schnalle eines Gürtels geöffnet wurde.
Allison wurde unruhiger, versuchte sich von ihrer Kollegin zu befreien, doch vergebens. Flynn blieb eisern.
"Ruhig!", flüsterte sie so leise wie möglich.
"Hm!"
"Ganz. Ruhig."
Flynn spürte Allisons Herzschlag, spürte den Drang in ihr dem kleinen Jungen zu helfen. Doch das durfte sie nicht zulassen. Darauf hatten sie hingearbeitet, hatten so lange gewartet. Die ganzen verfluchten letzten Tage.
Jetzt war es endlich soweit.
Auf dem Bildschirm des Klapprechners sah sie, wie der Ältere den Jungen mit dem Gürtel erwürgte. Kein Röcheln, kein Aufbegehren. Ein leiser Tod.
Dann zog der Ältere dem toten Jungen die Hose herunter. Und sich selbst auch.

*

Die Aufzeichnung des Mobiltelefons ging weiter. Im Bild sah man die Stiefel von Szymanska und Insterwald, wie sie durch den Schnee stapften.
"Das Ding geht ja wirklich nicht aus", meinte sie. "Merkwürdig."
"Dadurch können wir aber den Tatort genauestens festhalten", antwortete er. "Sowas sollten wir auch haben."
"Bei den ganzen Sparmaßnahmen?"

Szymanska schwieg.
Beinahe bedächtig folgten sie den Spuren des Streckenwärters an den Bahnschienen entlang, kämpften sich dabei durch totes Gestrüpp und tiefen Schnee, dessen Kälte sich durch die Hosenbeine fraß. Die Lichtkegel der Taschenlampen huschten dabei suchend über den Boden, bis sie es fanden.
Ein großer Reisekoffer rückte ins Bild.
Der Reißverschluss an einer Seite geöffnet. Ein Arm schaute heraus, dessen verkrampfte Hand der Inbegriff des Todes zu sein schien. Sie war jung und hatte noch nicht einmal die Blüte des Lebens erreicht.
"Scheiße", murmelte Insterwald, während Szymanska zuerst das nahe Umfeld ableuchtete. Nur die Spuren im Schnee, die sowohl vom Aufprallen des Koffers, als auch vom Streckenwärter stammten. Sonst nichts.
Er trat auf den Koffer zu, hockte sich hin, steckte sich seine Lampe zwischen die Zähne, hielt das MobTel mit der einen Hand und zog den Reißverschluss mit der anderen Gummihand ganz auf. Das Licht der Taschenlampen visierten den Koffer an.
Charly konnte es spüren, wie Szymanska tief Luft holte, die Augen schloss und wahrscheinlich hoffte, dass es nicht das war, wonach es aussah. Ein irrationaler Gedanke, den sie nur zu gut kannte. Hoffnung niemals zu sterben lassen, auch wenn es offenkundig nicht danach aussah.
Dann schlug er den Deckel um und sah hin.
"Verdammt", flüsterte Laura neben ihm und ihr Lichtstrahl drehte sich mit ihr weg.
Man konnte hören, wie sie sich entfernte und dann übergab. Mehrmals. Doch er, ..., er hielt nur das MobTel. Das Bild blieb erstaunlich ruhig. Kein Wackeln, kein Zittern. Nichts.
Im Koffer lag der Rumpf eines kleinen Jungen. Arme und Beine unnatürlich verdreht, sodass sie hineinpassten. Kein Kopf. Keine Kleidung, nackt. Der Rest des Koffers war ausgestopft mit Papierfetzen aus einem Kreuzworträtselbuch.
"Nummer 19", murmelte Szymanska und es klang, als hätte er einen Kampf gegen einen Unsichtbaren verloren. "19 ..."
Laura tauchte wieder neben ihm auf und wischte sich anscheinend mit einem Taschentuch den Mund sauber.
"Scheißkerl", flüsterte sie.
Er schwieg, leuchtete auf einen Papierschnipsel im Inneren des Koffers und nahm ihn heraus. Es zeigte einen Teil eines Kreuzworträtsels, doch die jeweiligen Kästchen waren leer. Stattdessen hatte Jemand zusätzliche Kästchen hingemalt. Handschriftlich in Druckbuchstaben stand am Rand geschrieben:

<SEIT JAHREN ERFOLGLOSER ERMITTLER? Szymanska!>

Sie schwieg neben ihm.
"Diesmal kriege ich Dich", meinte er. "Egal, was ich dafür tun muss."
Charly stoppte die Aufzeichnung und starrte noch einige Sekunden auf die erstarrte Hand des Bundespolizisten, als sich ein leiser Piepton zu Wort meldete.
Sie tippte sie mit dem Finger auf dem Mousepad und öffnete das Fenster zu einer der Überwachungskameras, die in den Bäumen versteckt waren. Ein älterer Junge trat gerade aus dem Haus und schleppte einen großen Reisekoffer hinter sich her. Schnaufend, stöhnend. Soweit sie herausbekommen hatten, musste dies hier und heute der erste Mord gewesen sein.
Aber warum ein Koffer?, fragte sie sich.
So sicher, wie der ältere Junge sich bewegte, hatte er es offensichtlich geplant und alle Eventualitäten berechnet. In ein paar Minuten würde er bei seinem Käfer ankommen, der einen Kilometer vom Haus entfernt auf dem Parkplatz für die Wanderer stand. Dann würde er sich zur Bahnhaltestelle unten im Ort begeben und auf den nächsten Zug nach Frankfurt warten. Nur um den Koffer dann kurz vor Erreichen der Stadtgrenze aus dem Waggon zu werfen.
Sie schaute sich das Haus genauer an, wechselte zu einer Kamera, die das Areal fast direkt von oben zeigte. Dicht bewaldet. Mit Ausnahme des Pfads, der zum Haus führte, standen die Bäume sehr dicht aneinander. Bis auf eine Stelle an der östlichen Seite, die maximal drei Quadratmeter groß war. Auf dem Bild selbst konnte man nicht viel erkennen. Laubhügel, herausgebrochene Steine aus der Mauer.
Wie zufällig angeordnet.
Charly kniff die Augen zusammen und schaute genauer hin.


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Beitrag #2 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Hallo Dread,

jahrelang kein Kommentar? Das geht so nicht...
Dass du wiedermal große Atmosphäre produziert hast, muss ich dir ja nicht mehr sagen. Das Thema, nun ja, das wolltest du unlängst abhaken. Insofern weiß ich gar nicht, ob ich es weiter kommentieren soll.

(24-12-2015, 17:59)Dreadnoughts schrieb: Beinahe genau so, wie das Auto selbst, dass augenscheinlich seine besten Zeiten bereits hinter sich gelassen hatte.

Dir zittern die Finger. Oder Deine S-Taste prellt.

(24-12-2015, 17:59)Dreadnoughts schrieb: Das Licht der Taschenlampen visierten den Koffer an.

Das Licht besteht aus vielen Photonen, insofern ist Plural richtig, aber üblich ist eher Singular.

Freitagsgrüße
coco


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Beitrag #3 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Hallo coco.

Viele Tage sind ins Land gegangen, sind im Jahr versandet und haben im Gedächtnis vieler Menschen leider keine Wurzeln geschlagen. Ich könnte auf dieser Welle mitschwimmen, was leicht wäre, aber hier in dem Fall will das nicht funktionieren.

Danke fürs lesen. Das Ding wird irgendwann einmal fertig sein, bestimmt. Nur das Wann entzieht sich meiner Kenntnis. Ob ich das hier im Forum tun werden, weiß ich auch nicht. (Wie ich auch so vieles gerade nicht weiß.) Das Problem ist, dass hier ein Hauch von Tod durch die heiligen Hallen wandert, auch wenn einige wenige Mitglieder noch aktiv sind. Ich bin mir nicht sicher, ob dies aufgrund der Lage draußen in der realen Welt geschieht, oder ob es dem Trend der letzten Jahre folgt.

Wie auch immer, ich habe immer irgendwie versucht, das Leben am leben zu halten, Kommentare zu schreiben, Geschichten herauszukramen oder Aktivitäten zu initiieren, aber irgendwann ist auch bei mir der Gedanke angekommen, dass es zwecklos ist. Aufmunternde Worte, Gesten, Animierungen sind letztendlich versandet, wie auch das Wissen darum, was für ein Ort dies ist, das man hier noch träumen kann. Aber was nutzt das, wenn die meisten nur noch reinschauen, wieder gehen, reinschauen, sich angesprochen fühlen und zumindest für einige Momente sich dem Hier ergeben? Natürlich weiß ich, was sie alle davon abhält: Ich habe hier schon alle Begründungen gehört oder gelesen. Und wenn alle mal ehrlich sind: Es sind keine Begründungen, sondern faule Ausreden.

Ich finde es schade, dass man Talente, die in einem schlummern, irgendwann nicht mehr fördert, genauso wie ich es schade finde, dass man Sachen aufgibt, die man wirklich gut kann. Wofür? Warum? Und warum ich jetzt auch?

Bezüglich der letzten Frage möchte ich eine Antwort auch nicht schuldig bleiben: Zu den oben genannten Punkten kommt hinzu, dass die Welt da draußen den Kopf tot macht, um es klar zu sagen. Ich habe irgendwann aufgegeben, Dinge zu erläutern, Sachverhalte korrekt darzustellen oder Begebenheiten, die nicht beleuchtet werden, zu hinterfragen und auf eben diese hinzuweisen. Ich bin es leid geworden, für korrekte Tatsachen inklusive der Schlüsse daraus verunglimpft zu werden. Ich hatte mal Hoffnung, dass am Ende des Jahres eine andere Zeit eingeläutet wird, so wie es nach dem Mauerfall war, als die 90er Jahre bunt, schrill und schön wurden. Als nirgendwo Gewittersturmwolken am Himmel tanzten, alle Peace and Harmony sangen, und sich ohne zuzukoksen schöne Welten herbeizauberten.

Und für alle anderen, die Geisterleser, die Stummen und Schwerbeschäftigten, die das hier lesen. Es ist jetzt 01:05 Uhr. Ich muss gleich wieder früh aufstehen. Das hat mich eine halbe Stunde gekostet, die gnadenlos von meinem Lebenszeitkonto abgebucht worden ist. Bringt es mich jetzt um? Hätte ich es mir sparen sollen?

Vielleicht, wenn es nicht gerade coco wäre.


LGD.


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Beitrag #4 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Er ist wieder da...


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Beitrag #5 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.1)
Hallo Dread,

das Forum hat kaum noch User, stimmt schon. Aber ich mag es noch. Die Ruhe hat auch etwas Entspanntes; neue Beiträge tauchen nach Tagen statt Minuten auf, dafür stimmt die Qualität. Und die wenigen Aktiven kennt man fast irgendwie persönlich.
Insofern ist es hier wie bei einem lokalen Literatur-Zirkel, nur dass ich niemanden in Echtzeit treffen muss und jederzeit rausgehen kann...
Außerdem kenne ich trotz allem noch keinen besseren Ort um Geschichten auszutauschen.

(19-04-2017, 00:09)Dreadnoughts schrieb: Vielleicht, wenn es nicht gerade coco wäre.

Danke... *rotwerd*

LG
coco


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