Es ist: 18-10-2017, 08:32
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Könige der Prärie - 15. Teil
Beitrag #1 |

Könige der Prärie - 15. Teil
Sie erreichte Roswell am Nachmittag. Es hatte sich nicht viel verändert, seitdem sie vor einigen Wochen das erste Mal hier gewesen war, lediglich die Luft schien noch stickiger zu sein. Über der Stadt lag die erdrückende Schwüle des Hochsommers. Sie ritt in einem gemächlichen Schritt durch die fast menschenleere Stadt. Die Bewohner suchten in der Kühle ihrer Häuser Schutz vor der sengenden Sonne. Nur aus dem Saloon erklangen Musik und lärmende Stimmen. Ein betrunkener Gast wurde des Hauses verwiesen. Dieses Mal wollte Sina das Etablissement unbedingt meiden. Dem Pfandleiher, der vor seinem Geschäft stand, nickte sie freundlich lächelnd zu. Zuerst erwiderte er den Gruß ebenfalls lächelnd, bevor er sie erkannte und in sein Geschäft floh. Sina grinste schadenfroh. Offensichtlich hatte der Pfandleiher aus seinen Fehlern gelernt. Das Collier ihrer Mutter befand sich wohlverwahrt im Stamm der Apachen.
Plötzlich fiel ihren siedeheiß ein, dass sie ja gar kein Geld bei sich hatte. In der Prärie benötigte sie keines und sie war ja direkt aus dem Fort geflohen, wo man ihr an Wertsachen alles abgenommen hatte. Dies bezog sich hauptsächlich auf ihre Waffen, denn außer ihrem Pferd besaß sie nichts Materielles von Wert.
Die Pistole und das Messer, das sie bei sich trug, hatte sie dem wachhabenden Soldaten abgenommen, als Katie sie befreit hatte. Yuma hatte ihr noch einen Bogen schnitzen wollen, doch sie war vorher davon gelaufen und sich in der Wildnis hauptsächlich von Beeren und Nüssen erlebt, sowie ein wenig Fisch, den sie mit viel Glück im Fluss gefangen hatte. Die verbleibende Munition wollte sie für den Notfall sparen, wenn sie sich verteidigen musste. Sie stieg aus dem Sattel und klopfte Silvers
Hals. Ein wenig ratlos stand sie mitten in der Stadt, die wie ausgestorben schien.
Leise knisterte es unter dem Sattel, als Silver sich bewegte. Sina führte die Stute in eine dämmerige Gasse, wo sie sich unbeobachtet glaubte und nahm dem Pferd den Sattel ab. Wieder raschelte es leise, als sie die dicke Satteldecke befühlte. Warum war ihr das nie zuvor aufgefallen?
Sie drehte die Decke um und bemerkte, dass eine Naht ein wenig geöffnet war. Gerade so, dass man etwas sehr dünnes durch schieben konnte.
Vorsichtig bohrte sie einen Finger hinein, dann einen zweiten und förderte plötzlich mehrere grüne Banknoten von nicht unbeträchtlichem Wert zutage.
„Kluges Mädchen“, seufzte Sina zufrieden mit Gedanken an die Freundin. In weiser Voraussicht hatte Katie das Geld ins Innenleben der Satteldecke genäht. Sina atmete tief ein und presste, ein stummes Dankesgebet murmelnd, die Banknoten an ihre Brust.
„Die Kohle kannst du mir überreichen und den Gaul gleich mit“, hörte sie plötzlich eine schnarrende Stimme hinter sich. Sie hob den Kopf und musste die Augen mit der Hand beschirmen. Die Sonne stand schräg am Himmel und blendete Sina, dass sie den Mann vor sich nur als dunkler Schatten wahrnahm.
„Was möchten Sie von mir?“, knurrte sie zurück. Unwillkürlich tastete sie nach der Pistole, die in ihrem Gürtel steckte.
„Das würde ich unterlassen, kleines Fräulein. Sonst kommt der liebe Onkel noch auf die Idee, sich mehr zu nehmen als dein Pferd und dein Geld.“ Er lachte auf widerliche Art. In Sina kochte der Zorn hoch. Konnten diese miesen Kerle denn an nichts anderes denken?
„Leg den Sattel zurück auf den Gaul und schick das Biest zu mir. Dann lasse ich dich auch gehen“, forderte der Kerl sie auf.
„Hey, lass die Kleine in Ruhe“, hörte sie plötzlich eine vertraute Stimme, gefolgt von dem scharfen Klicken, das eine Waffe entsichert. Dixon. Innerlich jubelte Sina. Er war im richtigen Augenblick gekommen. Erstaunt drehte sich der Kerl um. „Aber das Pferd und das Geld.“ Verwundert bemerkte Sina, dass er anfing zu stammeln. „Sie hat einen Haufen Banknoten bei sich.“
„Die gehen dich nichts an. Lass das Mädchen gehen“, antwortete Dixon.
Der Bandit gab sich geschlagen. Ganz wie du willst, B…“ Weiter kam er nicht. Ein Schuss zerriss die schwüle Stille. Der Bandit zuckte zusammen und stürzte rücklings zu Boden.
Sina packte ihr Pferd bei den Zügeln und führte die aufgeschreckte Stute aus der engen Gasse, wobei sie den Toten mit den Fußspitzen zur Seite schieben musste.
„Warum haben Sie ihn erschossen, Mister Dixon? Er hat doch aufgegeben“, fragte sie direkt heraus.
Dixon mied ihren Blick. „Nun, verborgen vor dir, hat er einen Revolver gezogen und wollte schießen.“
Sina warf einen Blick über die Schulter. In dem dämmerigen Licht der abgelegenen Gasse konnte sie nicht viel erkennen. Ihre Augen hatten sich schon wieder an das grelle Sonnenlicht gewöhnt, doch ein leises Stimmchen in ihrem Kopf behauptete, dass Dixon log. Er schien den Mann gekannt zu haben und wollte ihn daran hindern, etwas zu sagen, dass er lieber vor Sina verschwieg. Deshalb musste der Kerl sterben und nicht etwa, weil er Sina angegriffen hatte. Sie beschloss auf der Hut zu sein und ihm den wahren Grund für ihre Rückkehr nach Roswell nicht zu nennen, bis sie herausgefunden hatte, was er im Schilde führte.
„Auf Sie bin ich ja gar nicht gut zu sprechen, Mister Dixon.“ Sina zog einen Schmollmund.
„Warum denn nicht?“, lächelte er mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Nun, weil sie mich so schmählich im Stich gelassen haben.“
Fragend runzelte er die Stirn.
„Am Fluss, bei den Apachen“, half Sina im auf die Sprünge.
Dixon tat, als erinnere er sich. „Ich wusste, dass ihr in Sicherheit seid. Der Junge war der Sohn des Apachenhäuptlings. Taim hat euch bestimmt vor Dankbarkeit die Füße geküsst, dass ihr seinem Spross das Leben gerettet habt.“
Sina sah ihn scharf an, bevor sie kurz nickte. Plötzlich fand sie es seltsam, dass er so schnell zur Stelle war, als sie Yuma vom Strick befreiten. Damals war sie einfach nur froh gewesen, dass er da war und sie vor den Banditen beschützte, doch im Zusammenhang mit dem Mord und sie konnte es nicht anders heißen, betrachtete sie Dixon in einem völlig neuen Licht.
„Ich musste doch in Erfahrung bringen, was der Häuptling der Lakota plant“, warf Dixon sich stolz in die Brust.
„Und was plant er?“, erkundigte Sina sich.
„Ich schlage vor, das besprechen wir bei einem gemeinsamen Abendessen“, antwortete Dixon, ohne auf ihre Frage einzugehen. „Schließlich habe ich noch eine Schuld zu begleichen.“ Er zwinkerte ihr mit einem charmanten Lächeln zu.
In einem blauen Kleid, das sich wie eine zweite Haut um ihren schlanken Körper schmiegte, die langen blonden Haare hochgesteckt, saß Sina an einem runden Tisch im teuersten Hotel der Stadt Roswell. Rosen verströmten einen angenehmen Duft. Palmen in Töpfen zauberten ein exotisches Flair und eine Kapelle spielte bekannte Musikstücke.
Ihr gegenüber, in einem maßgeschneiderten Anzug saß Dixon und erwies sich als unterhaltsamer Gesprächspartner. Die Nische, in der sich ihr Tisch befand, bot ihnen Schutz vor neugierigen Blicken. Vorsichtig nippte Sina an ihrem Champagner. Eine französische Marke, die in hohen, geschliffenen Gläsern serviert wurde. Das edle Getränk prickelte auf der Zunge und stieg ihr beinahe zu Kopf. Sie musterte Dixon. Er gab sich freundlich, doch machte er keinen Hehl daraus, ein erklärter Feind der roten Rasse zu sein.
„Nun Sina“, fragte er, nachdem der Kellner die Austern serviert hatte. „Was führt dich denn nach Roswell zurück?“
Sorgfältig stellte sie ihr Glas auf den Tisch, dessen Platte aus dunklem Ebenholz mit weißem Damast bedeckt war. Sie schaute sich mit einem kurzen Blick um. Überall sah sie Damen und Herren, die in Kleider aus feinen Stoffen gehüllt und mit teuren Schmuck behängt waren. Sina selbst trug Diamantohrringe, die das Kerzenlicht hundertfach brachen und in allen Farben funkelten. Um den Hals wand sich eine ebensolche Kette, die sie fast an das Collier ihrer Mutter erinnerte. Die weißen Handschuhe, die sie trug, zogen sich hoch bis über den Ellenbogen. Sina nahm eine Auster und beträufelte sie mit Zitronensaft. Beinahe glaubte sie sich zurück in Deutschland, im vornehmen Kreis der Aristokraten zu sein. Lediglich die Sprache erinnerte sie daran, dass sie sich zehntausende Meilen entfernt in Amerika befand. Verstohlen zog sie die Füße aus den engen Schuhen, die passend zum Kleid waren und bewegte die schmerzenden Zehen.
„Vielleicht finde ich eine Perle“, lächelte sie sie, statt Dixons Frage zu beantworten. Das leicht nach Meersalz schmeckende Muschelfleisch würgte sie mit Anstand hinunter. Fünf weitere Kollegen warteten darauf, ebenfalls verspeist zu werden. Sina dachte an den frischen Fisch, den Yuma am Stock über einem einfachen Feuer für sie gebraten hatte und der so köstlich geschmeckt hatte. Hatte sie Durst, so trank sie frisches Quellwasser, das den Stamm versorgte. Hier in diesem fast schon vulgären Luxus wurde ihr nur von den Austern schlecht und der Champagner verursachte Kopfschmerzen. Das war nicht mehr ihre Welt. Sie war wie einer der Mustangs, die am Fuße der Berge ihre Weideplätze hatten. Frei und ungebunden gehörte sie in die Prärie. Doch sie musste Schmierenkomödie spielen und so tun, als wäre sie das vornehme Fräulein, das nach einem Ausflug in die Wildnis mit fliegenden Fahnen zurück an den ihr bestimmten Platz floh. Sie musste alles leugnen, was ihr lieb war.
Dixon hatte ein Geheimnis und Sina war sehr erpicht darauf, selbiges herauszufinden.
„Du warst die Indianer wohl überdrüssig“, lachte Dixon und seine Miene hatte etwas von einem Raubtier auf der Lauer. Er leerte sein Champagnerglas und sprach den Austern mit gutem Appetit zu. Seine Augen streiften Sina auf fast schon intime Weise.
„Die Wildnis ist nichts für eine junge Dame wie dich. Du gehörst in einen Salon, umgeben von Luxus und Dienern, wie es dir zusteht.“
Sina tupfte sich den Mund ab. Sie wollte möglichst wenig sagen und dafür umso mehr erfahren. Männer hörten sich gerne reden, am liebsten über sich selbst. Eine kluge Frau konnte ihnen dabei so manches Geheimnis entlocken, wenn sie es nur ein wenig geschickt anstellte und so klimperte sie nur unschuldig mit den Augenlidern. Wie zufällig berührten seine Fingerspitzen die ihren und schnell zog er seine Hand wieder zurück. Er spielte das Spiel fast ebenso geschickt wie sie, doch sie ließ sich nicht von ihm täuschen. Sie nahm ihr Champagnerglas in die Hand und legte die Lippen auf den Rand. Unter ihren dichten Wimpern beobachtete sie den Mann ihr gegenüber scharf.
„Du solltest in einer Villa leben. Das ist dir bestimmt“, bekräftigte er noch einmal und beugte sich vor. „Bald habe ich die Mittel und Möglichkeit, dir das alles zu geben.“ Seine Stimme nahm einen verschwörerischen Ton an, während es Sina nur mit allergrößter Mühe gelang, nicht die Augen zu verdrehen. Männer, sie waren doch immer gleich.
Dixon goss sich noch ein Glas Champagner ein, während sie auf den nächsten Gang warteten. Der livrierte Kellner brachte Wein.
„Bald werde ich reich sein. Sehr reich sogar“, nahm Dixon das Gespräch wieder auf. Gelangweilt nahm Sina einen Schluck Champagner.
Dixon, der dem Alkohol sehr zugesprochen hatte, wurde redselig. „Auf meinem Zimmer oben im Hotel liegt ein Stück Papier, das mehr wert als eine Goldmiene ist“, prahlte er.
Sina horchte auf. „Was ist das für ein Papier?“, fragte sie mit unschuldigem Blick und beugte sich ein wenig vor, sodass Dixon ihren weißen Brustansatz aus der Nähe bewundern durfte.
Er grinste nur und schenkte ihr Wein ein, der im Kristallglas rubinrot leuchtete. „Das meine Schöne, ist mein kleines Geheimnis.“ Seine Zunge wurde zunehmend schwerer, der Champagner schien ihm doch nicht zu sehr zu bekommen. Sina gab dem Kellner einen kleinen Wink und sofort wurde eine zweite Flasche gebracht.
„Mir kannst du es doch sagen“, lächelte Sina. Bittend schaute sie ihn an, während ihr Fuß ganz zufällig sein Bein unter dem Tisch streifte.
Energisch schüttelte der den Kopf. „Das ist noch streng geheim, aber du wirst es nicht bereuen, wenn …“
„Wenn was?“ Ihr Ton war schärfer als beabsichtigt. Sie glaubte schon, zu ahnen, auf was er hinaus wollte. Doch sofort ruderte sie zurück. Auch dieses Opfer war sie bereit zu bringen, wenn es den Apachen zu ihrem Recht und Katie zu ihrer Freiheit verhalf. Die Erinnerungen an die intimen Stunden mit Yuma schob sie ganz weit von sich. Sentimentalitäten hatten hier keinen Raum.
„Ich bin doch immer so furchtbar neugierig, Mister Dixon.“ Sie sprach in einem vertraulichen Ton. „Bitte, verraten sie mir doch nur ein ganz klein wenig. Nur so viel.“ Mit Daumen und Zeigefinger zeigte sie, wie viel. Dixon brach in schallendes Gelächter aus, dass einige der frisierten Damenköpfe sich schockiert umwandten. „Frauen. Immer neugierig.“ Scherzhaft drohte er mit dem Finger.
„Och“, machet Sina und schaute ihn bittend durch die dichten Wimpern an.
„Also gut“, gab er nach. „Aber das muss ein Geheimnis bleiben.“ Er war bester Laune.
„Großes Indianerehrenwort“, schwor Sina und schlug sich mit der Hand auf den Mund. „Da habe ich wohl gerade einen Faux pas begangen.“
Dixon grinste nur. „Das Dokument, welches oben in meinem Zimmer liegt, garantiert mir die Schürfrechte am Land der Apachen.“
Sinas Herz schlug ein paar Takte schneller und auf den Wangen zeigten sich hektische rote Flecken. Wie auch immer er daran gelangt war, es musste das Papier sein, das sie und Yuma gesucht hatten. Gottes Wege waren wirklich unergründlich. Schnell trank sie einen tiefen Schluck Wein, um ihr Nervenkostüm ein wenig zu beruhigen.
Dixon schob ihr Verhalten auf die Aufregung und dem Champagner zurück. Er lehnte sich bequem in seinem Stuhl zurück und faltete die Hände. Seine schwarzen Augen glitzerten. „Auf dem Land gibt es Öl. Ein wahres Meer von dem schwarzen Gold. Ich werde bald ein sehr reicher Mann sein.“
Nachdenklich trank er aus seinem Weinglas. „Mir fehlt nur noch die richtige Frau an meiner Seite.“ Seine Stimme wurde sanft. „Eine Frau wie dich.“
Wie vom Donner gerührt saß Sina auf ihrem Stuhl und wusste im ersten Moment nichts zu sagen, Er war im Begriff, ihr einen Heiratsantrag zu machen.
„Mister Dixon, ich bin mir der Ehre wohl bewusst, die Sie mir da erweisen, aber das kommt so überraschend, dass ich gar nicht weiß, was ich antworten soll“, gab sie zögernd zurück. In ihrem Gehirn fing es an zu arbeiten. Wenn sie ihn jetzt heiratete, dann würden sie die Nacht gemeinsam verbringen.
Yuma. Das Gesicht des jungen Apachen stand ihr so plötzlich vor Augen, dass sie beinahe die Hand ausstreckte, um ihn zu berühren. Fast spürte sie seine zärtlichen Berührungen, die Hände auf ihrer Haut und den Hunger nach seinen Lippen. Dixon würde jegliche Erinnerung daran auslöschen.
„Lass dir Zeit mit deiner Antwort und vielleicht hilft das ja.“ Dixon griff in seine Hosentasche und brachte ein kleines Kästchen zum Vorschein, das er öffnete. Innen war es mit dunkelblauem Samt ausgeschlagen, auf dem ein filigran gearbeiteter Ring lag. Sein Diamant brach das warme Kerzenlicht in hunderte Farben.
Sina entfuhr ein ehrliches „Oh!“
Dixon ging vor ihr auf die Knie. „Sina. Ich bitte dich hiermit, mir die Ehre zu erweisen und meine Frau zu werden.“
Bis zum Schluss hatte sie nicht geglaubt, dass er den Heiratsantrag ernst meinte und sich schon als seine Geliebte gesehen. Sie hatte schon immer gewusst, dass er sie begehrte, doch mit einem Heiratsantrag hatte sie nie gerechnet. Sie hätte auch nicht geglaubt, dass ein Mann wie Dixon überhaupt heiratet, sondern sich eher einige Geliebten hielte. Vielleicht hatte sie ihm doch Unrecht getan und einen Moment hegte sie ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen. Doch dann kam ihr der Mann wieder in den Sinn, den Dixon kaltblütig erschossen hatte und das Dokument, dass Yuma geraubt worden war. Sie kam nicht umhin anzunehmen, dass Dixon auch hier seine Finger im Spiel hatte.
Dixon hatte ja zugeben, dass er das Land der Apachen wollte. Yumas Land. Er wollte es ausbeuten und seines Blutes berauben.
Sie dachte an den jungen Häuptlingssohn. Seine ungewöhnlich grünen Augen und das sanfte Lächeln, das jedes Mal sein junges Gesicht erhellte, wenn er sie sah.
Er liebte sie und Sina war bereit, für ihn das schwere Opfer zu erbringen.
„Verzeih mir bitte“, murmelte sie leise.
Dixon horchte auf. „Wie bitte?“
Sina drängte den Gedanken an Yuma zurück in ihr Innerstes. Dixon hatte es nicht anders verdient. Sie würde sich auf sein Spiel einlassen und es nach ihren Regeln spielen. Kaltblütig schaute sie zu ihm auf. „Ja, ich will“, antwortete sie. Ihre Augen funkelten wie Diamanten.
Dixon strahlte über das Gesicht. Er steckte ihr den Ring an den Finger, beugte sich vor und küsste sie zärtlich. Sein Schnurbart kratzte und sie schmeckte den Branntwein in seinem Atem. Aber seine Lippen waren auch fest und warm.
Die anderen Gäste applaudierten begeistert, während der Ober persönlich eine Flasche seines besten Champagners brachte und die Kapelle eine romantische Melodie spielte.
„Wir heiraten im Frühjahr“, bestimmte Dixon sichtlich glücklich. Die Hochzeitsreise geht nach…“
Sina hörte ihm nur mit halben Ohr zu. Im nächsten Frühjahr heiraten? Das bedeutete ja fast noch ein Jahr warten und wertvolle Zeit vergeuden. Sie musste schnellstmöglich an das Dokument kommen.
Dixon, der jetzt ihr Verlobter war, rückte näher zu ihr und hielt ihre Hand fest. Durch den dünnen Stoff ihrer Handschuhe spürte sie die Wärme seiner Lippen, als er ihre Finger küsste. Ein nicht unangenehmes Kribbeln breitete sich von ihrer Körpermitte aus.
„Ich will nicht warten“, antwortete sie und senkte scheinbar verlegen den Blick, damit Dixon nicht sah, was sie dachte. Erstaunen breitete sich auf seiner Miene aus.
„Lass uns sofort heiraten“, bat Sina. Ihre kleine Hand lag leicht auf seinem Arm. „Ich habe mir das immer so erträumt, dass ich mich verliebe und dann durchbrenne und heirate.“ Sie kicherte mädchenhaft.
„Wir sind nicht bei den Wilden“, gab er fast erzürnt zurück.
„Nein“, schüttelte Sina den Kopf und spielte mit dem Ring an ihrem Finger. „Wir sind zivilisierte Menschen, aber die Rothäute sind mir vermutlich schon auf den Fersen.“ Sie zuckte mit den Achseln.
„Ich habe mich auch schon gewundert, dass diese Katie nicht bei dir ist“, antwortete Dixon grimmig und ging ein wenig auf Distanz zu seiner Verlobten.
„Ach die“, Sina gelang es, den Schein zu wahren und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sie hat sich in einen Roten verliebt“, erklärte sie mit kummervoller Miene.
„Habe von der kleinen Hure auch nichts anderes erwartet“, knurrte Dixon zurück und bemerkte nicht Sinas wütender Blick, als die Freundin eine Hure nannte.
„Ich denke, dass sie mich zurückholen möchten, nachdem ich ihnen weggelaufen bin“, setzte sie nach und umklammerte seinen Arm. „Wenn ich erstmal deine Frau bin, können sie mich nicht zwingen, mit ihnen mitzukommen.“ Diese hilfesuchende Geste zeigte Wirkung. Dixon rückte wieder näher zu ihr und legte beschützend einen Arm um ihre Schultern. Er hauchte einen sanften Kuss auf ihre Schläfe. „Morgen früh suchen wir einen Priester auf. Dir wird niemals etwas geschehen, dass verspreche ich dir.“
Sina atmete erleichtert auf. Oben in Dixons Zimmer wartete das für die Apachen so wichtige Papier auf sie.
„Sag mal, wie heißt du eigentlich mit Vornamen?“ Bisher hatte er sich ihr nie richtig vorgestellt.
„Antonio.“ Er ließ das Wort wie eine Herausforderung klingen. Die beiden küssten sich.
 

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(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #2 |

RE: Könige der Prärie - 15. Teil
Hallo Persi,

jetzt wird es ja richtig durchgeknallt! Sie heiratet also spontan diesen stinkenden Banditenboss, um in sein Schlafzimmer zu kommen, wo das Papier liegt. Dann flüchtet sie damit wohl zu den Apachen und heiratet Yuma. Es lebe die Zweckpolygamie!

Mir gefällt, wie plötzlich Sina bemerkt, dass sie aus dem Luxusleben herausgewachsen ist. Alles ist wie sie es kennt, aber genauso das ist inzwischen total eklig. Icon_smile

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: Sie erreichte Roswell am Nachmittag. Es hatte sich nicht viel verändert, seitdem sie vor einigen Wochen das erste Mal hier gewesen war, lediglich die Luft schien noch stickiger zu sein.

Kann es sein, dass sie Roswell mit Santa Fe verwechselt? Bis hierher könnte sie auch letztens einen Ausflug nach Roswell gemacht haben, aber:

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: Dem Pfandleiher, der vor seinem Geschäft stand, nickte sie freundlich lächelnd zu. Zuerst erwiderte er den Gruß ebenfalls lächelnd, bevor er sie erkannte und in sein Geschäft floh. Sina grinste schadenfroh. Offensichtlich hatte der Pfandleiher aus seinen Fehlern gelernt. Das Collier ihrer Mutter befand sich wohlverwahrt im Stamm der Apachen.

Das war doch in Santa Fe, oder? Ansonsten hab ich total den roten Faden verloren.

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: doch sie war vorher davon gelaufen und sich in der Wildnis hauptsächlich von Beeren und Nüssen erlebt

Erlebt? Irgendwas stimmt mit diesem Satz nicht. (Außerdem hätte ich auch Wurzeln gegessen, die sind größer.)

Weiter mit den Vertippern:

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: dass sie den Mann vor sich nur als dunkler Schatten wahrnahm.
als dunklen Schatten

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: etwas zu sagen, dass er lieber vor Sina verschwieg.
S-Buchstaben sind teuer. Steck einen davon gut weg, denn dieses "das" braucht nur ein S.

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: die in Kleider aus feinen Stoffen gehüllt und mit teuren Schmuck behängt waren.
mit teurem Schmuck

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: „Auf meinem Zimmer oben im Hotel liegt ein Stück Papier, das mehr wert als eine Goldmiene ist“, prahlte er.
"Mine" hier ohne ie, denn es geht ja ums Erz. "Miene" mit ie wäre ein Gesichtsausdruck. Icon_smile

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: [size=medium][font=Arial, sans-serif]Dixon schob ihr Verhalten auf die Aufregung und dem Champagner zurück.
den

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: Wie vom Donner gerührt saß Sina auf ihrem Stuhl und wusste im ersten Moment nichts zu sagen, Er war im Begriff, ihr einen Heiratsantrag zu machen.
Das Komma hinter "sagen" sollte bestimmt ein Punkt sein.

(24-05-2017, 16:48)Persephone schrieb: und bemerkte nicht Sinas wütender Blick, als die Freundin eine Hure nannte.
wütenden

Viele Grüße aus der Mittagspause
coco


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Beitrag #3 |

RE: Könige der Prärie - 15. Teil
Hallo Coco, 


Vielen Dank fürs treue Lesen. Ich glaube, manchmal ist es nicht ganz so einfach, meinen wirren Gedanken zu folgen, wenn ich das alles mal objektiv betrachte  Icon_ugly


Zitat:jetzt wird es ja richtig durchgeknallt! Sie heiratet also spontan diesen stinkenden Banditenboss, um in sein Schlafzimmer zu kommen, wo das Papier liegt. Dann flüchtet sie damit wohl zu den Apachen und heiratet Yuma. Es lebe die Zweckpolygamie!
Ich spoilere: Sina wird Yuma nicht heiraten und Dixon hat sie aus zweckdienlichen Gründen geheiratet, obwohl der gar nicht so stinkt und auch ganz gut aussieht. Er ist eben der Bösewicht. 

Zitat:
Zitat:
Dem Pfandleiher, der vor seinem Geschäft stand, nickte sie freundlich lächelnd zu. Zuerst erwiderte er den Gruß ebenfalls lächelnd, bevor er sie erkannte und in sein Geschäft floh. Sina grinste schadenfroh. Offensichtlich hatte der Pfandleiher aus seinen Fehlern gelernt. Das Collier ihrer Mutter befand sich wohlverwahrt im Stamm der Apachen.

Das war doch in Santa Fe, oder? Ansonsten hab ich total den roten Faden verloren.
Muss ich selbst gucken  Icon_confused

Im Übrigen habe ich vor, Teile dieser Geschichte noch einmal zu überarbeiten. Das Ende ist mir noch nicht dramatisch genug und die eine Szene mit dem Soldaten, wo Sakima verletzt wird, muss ich auch neu gestalten. Habe ja bald Urlaub, da kann ich mir Gedanken machen.

Liebe Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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