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Die zerbrochene Puppe (Judith und Christian Vogt)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 15. November 2013

Feder & Schwert (Oktober 2012)
Taschenbuch, 400 Seiten, 12,99 EUR
ISBN: 978-3-86762-156-4

Genre: Steampunk


Klappentext

Die Physikerin Æmelie von Erlenhofen stellt auf einer Konferenz in Venedig den Prototypen einer Brennstoffzelle vor. Kurz darauf dringen wandelnde Tote in ihre Unterkunft ein und töten die Wissenschaftlerin, der es gerade noch gelingt, ihrem Mann Naðan die Flucht zu ermöglichen. Das Letzte, was sie ihm mit auf den Weg gibt, ist ihre alte Porzellanpuppe, die von nun an Naðans beste Freundin wird, da sie mit der Stimme seiner verstorbenen Frau spricht. Die sterblichen Überreste Æmelies indes verschleppen die wandelnden Kadaver.

Die Polizei kann der Spur bis nach Æsta, einer schwimmenden Stadt auf einem Eisberg, folgen, wo sie sich verliert. Naðan beschließt, weiter nach Æmelies Leiche zu suchen. Mittellos fahndet er zwischen Gewerkschaftlern, Huren und Opiumsüchtigen nach dem Täter.

Eine Odyssee beginnt, in deren Verlauf Naðan zahlreiche Irrungen und Wirrungen durchleben muss, ehe er einem schrecklichen Geheimnis auf die Schliche kommt.


Rezension

Der Künstler Naðan von Erlenhofen ist glücklich mit der Wissenschaftlerin Æmelie verheiratet, die eine neuartige Gasbatterie erfunden hat. Die sogenannte Erlenhofenzelle wird von den Kollegen hochgelobt und für das junge Paar könnte es kaum besser laufen. Doch dann wird Æmelie Opfer eines grausamen Mordanschlags, während Naðan knapp entkommt. Völlig verstört macht er sich auf die Suche nach dem Leichnam seiner Frau und ihren Mördern. Æmelies Puppe Ynge trägt er immer bei sich, denn diese spricht mit ihm. Allerdings scheint niemand außer Naðan sie zu hören. Ganz gleich, ob er vor Trauer verrückt geworden ist oder Ynge tatsächlich spricht, die Puppe ist ihm eine wertvolle Hilfe …

„Die zerbrochene Puppe“ spielt im 19. Jahrhundert einer alternativen Zeitlinie. Amerika wurde noch nicht entdeckt und die Welt befindet sich in den Klauen einer Eiszeit, die andere Schwerpunkte für die technologische und gesellschaftliche Entwicklung gesetzt hat. Luftschiffe schweben über dem deutschen Kaiserreich und der schwimmenden Stadt  Æsta, die auf einem Eisberg gebaut wurde. In Skandinavien baut die Stadt wertvolle Rohstoffe ab – vor allem Aluminium als leichtes Metall ist gefragt. Æsta hegt Ambitionen, sich vom Kaiser loszusagen, während die freiheitsliebenden Friesen Æsta den Krieg erklären. Naðan wird auf seiner Reise in die politischen Konflikte verwickelt, er wird verraten, findet neue Verbündete und wird schließlich von Piraten gerettet.

Dabei ist Naðan als Künstler eher ruhig und sensibel. Seine adlige Herkunft trägt ihr Übriges dazu bei, dass er mit dem rauen Leben nur schwer zurechtkommt. Auf der einen Seite empört er sich über unsittliches Verhalten, auf der anderen überwindet er sich immer wieder selbst und lernt beispielsweise, dass die Friesen nicht einfach nur Barbaren sind. Die Liebe zu seiner toten Frau weckt erstaunliche Kräfte in ihm, wobei Naðan stets im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt. Er ist kein starker Held, dem alles gelingt – viel mehr wird er von seiner Verzweiflung angetrieben und hat oftmals auch das Glück auf seiner Seite. Manchmal aber auch das Pech. Die Geschichte wird aus seiner Sicht erzählt und so gibt es viele Szenen, über die man schmunzeln kann, wenn Naðan beispielsweise den adligen Künstler herauskehrt und sich über die Freizügigkeit von Prostituierten echauffiert.

Ob Ynge tatsächlich sprechen kann oder nur in Naðans von Trauer vernebelten Geist spricht, bleibt lange ein großes Geheimnis. Die Puppe spricht mit der Stimme seiner Frau und kommentiert Naðans Handlungen, gibt ihm Ratschläge oder streitet auch mit ihm. Manchmal scheint sie die Stimme seiner Vernunft zu sein, dann wieder die Stimme seiner eifersüchtigen Ehefrau – denn Naðan als trauernder Witwer scheint auf viele Damen anziehend zu wirken. Andererseits gelangt er auch in Kreise, wo die Frauen freizügiger sind. Ein wenig wundert man sich aber schon über seine erotischen Erlebnisse, die zwar stets niveauvoll geschildert werden, aber im Anbetracht seines Verlustes und der abenteuerlichen Geschichte seltsam deplatziert wirken.  Sprachlich liest sich der Roman grandios und zeitgemäß. Judith Vogt erzeugt eine dichte Atmosphäre, die den Leser mitreißt – und viele kleine und große Katastrophen halten die Geschichte bis auf wenige zu lang geratene Atempausen spannend.

Viele Details machen „Die zerbrochene Puppe“ zu einem stimmungsvollen Lesevergnügen:  Naðan zeichnet und malt regelmäßig und bei den technischen Besonderheiten der Steampunkwelt wurde das richtige Maß zwischen Erläuterungen und Unwissenheit gefunden. Naðan ist eben in erster Linie Künstler und versteht maximal die Hälfte von den Dingen, an denen seine Frau geforscht hat. Was er weiß, gibt er den Leser weiter, und so staunt man über die Fortschrittlichkeit und behält gleichzeitig die Magie der bizarren Maschinen. Die Technologie liegt dabei – wohl dank des Physikstudiums von Christian Vogt – meist im Rahmen des physikalisch Möglichen, doch es gibt auch Erfindungen, die eher in den Bereich der Fantasy gehören. Beispielsweise die Shellys – Automaten, die aus Leichen gebaut wurden und als Killer eingesetzt werden.

Die Eiszeit verleiht dem Setting einen besonderen  Charme, den die Autoren gerne hätten weiter ausreizen können. Eis und Schnee sind zwar durchweg vorhanden, doch bei den Szenen, die draußen spielen, hätten die Umgebungsbeschreibungen üppiger ausfallen können. Man hat das Gefühl, nur einen Bruchteil dessen gesehen zu haben, was diese Eiszeit-Steampunkwelt ausmacht. Wer nicht genug bekommen kann, sollte einen Blick auf die kommende Anthologie „Eis und Dampf“ werfen, in welcher die Welt von „Die zerbrochene Puppe“ durch Kurzgeschichten ergänzt werden soll.  „Die zerbrochene Puppe“ wurde jedenfalls vollkommen zu Recht mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.


Fazit

Die Kombination aus Eiszeit und Steampunk funktioniert in „Die zerbrochene Puppe“ einfach wunderbar: Atmosphärisch dicht und mit zeitgemäßer Sprache liefern die Autoren eine packende Story mit einem Protagonisten, der so gar nicht ins Heldenschema passt. Naðan ist beinahe zu vornehm für seine raue Welt, zu unsicher, aber auch verzweifelt und daher entschlossen. Ein mitreißendes Abenteuer, originell und durchweg spannend! 


Pro & Contra

+ besonderer Charme der Eiszeit
+ dichte Steampunkatmosphäre
+ authentischer und ungewöhnlicher Protagonist
+ die sprechende Puppe Ynge
+ origineller Plot
+ schönes, stabiles Taschenbuch

- es hätte gerne noch mehr Eiszeit sein dürfen

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Interview mit Judith und Christian Vogt (November 2013)

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 19. November 2013
 

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