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Kai Meyer, Yann Krehl und Ralf Schlüter (02.06.2014)
Geschrieben von Judith
Montag, der 02. Juni 2014

Interview mit Ralf Schlüter, Yann Krehl und Kai Meyer

zum Abschluss von „Das Wolkenvolk“


Literatopia: Hallo Ralf, hallo Yann, hallo Kai! Anfang Juni findet die Comicadaption von “Das Wolkenvolk” mit “Drache und Diamant – Pangu” seinen Abschluss. Wie geht es Euch nach der sechsjährigen Reise? Für Euch, Yann und Kai, ist es sogar schon der zweite Abschlussband dieses Jahr …

schlueter rRalf Schlüter: Also bei mir waren es ja eher sogar sieben Jahre. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die  Arbeit an diesem Projekt nicht einen Tag bereut habe. Auch wenn es für mich manchmal schwer war das Ganze nach Außen zu rechtfertigen („so viel Zeit und Arbeit – für einen Comic!?“). Na ja, ein wenig verrückt muss man wohl auch sein, ein derartiges Projekt anzugehen – gerade in Deutschland. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, in der vieles hätte passieren, das heißt schiefgehen, können. Deshalb bin ich im Moment einfach nur froh, es wirklich bis zum Ende geschafft zu haben. Und das in mehrfacher Hinsicht. Einmal, dass ich mit dazu beitragen konnte, ein Projekt von diesem Umfang in Deutschland wirklich zu realisieren, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. (Wirklich lobenswert, dass Splitter damals den Mut hatte, dieses Wagnis einzugehen ).

Und andererseits vielleicht auch, weil mir dieses Projekt ein wenig die Möglichkeit gab, meine langjährige Leidenschaft fürs visuelle Erzählen endlich mal etwas stärker zum Ausdruck zu bringen. Ach ja, auch wenn´s mal wieder nach der üblichen Lobhudelei klingt, die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hätte nicht besser sein können, stimmt in diesem Fall aber tatsächlich.

Yann Krehl: Mir geht es ähnlich wie nach dem letzten Band von „Frostfeuer“. Die Arbeit an dem Projekt hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber es ist auch schön, dass ich jetzt bald den letzten Band in den Händen halten werde. Mit seinen insgesamt 396 Comicseiten ist das „Das Wolkenvolk“ das größte Projekt, an dem ich bisher gearbeitet habe, und es ist ein gutes Gefühl, es erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Kai Meyer: Ich blicke mit einer gewissen Ehrfurcht auf das, was Ralf und Yann da geleistet haben. Knapp 400 Seiten wären in den USA, bei kleinerem Format, rund 20 reguläre Hefte – so weit kommen sehr viele Serien gar nicht erst. Und für deutsche Verhältnisse ist es erst recht ein Novum: Wie viele vergleichbare Reihen gab es denn, die auf einen solchen Umfang und – noch wichtiger – zu einem runden Abschluss gekommen sind. Viele sind es nicht. Sicher waren da ein paar Reihen mit mehreren Alben, aber bei unseren kommt noch hinzu, dass jedes einzelne über 70 Seiten hat. Üblich sind nicht einmal 50. Das ist also ein ganz schöner Brocken, und für hiesige Verhältnisse eigentlich eine kleine Sensation.

Literatopia: Wie hat es mit „Das Wolkenvolk“ als Comic angefangen?

Kai Meyer: Bei Ehapa war gerade die Adaption meiner „Wellenläufer“-Trilogie nach dem ersten Band eingestellt worden, was damals sehr frustrierend war. Zumal die fertigen Seiten bis zur Hälfte des zweiten Romans bereits vorlagen. Ich hab sie mir später selbst als Buch binden lassen, damit ich so viel „Wellenläufer“-Comic wie möglich im Regal stehen  habe ... Jedenfalls war dadurch die Idee, es daraufhin bei Splitter mit „Das Wolkenvolk“ zu versuchen, ein wenig vorbelastet. Dirk Schulz, der Herausgeber, hat mir zwar versichert, Splitter werde keine Serie abbrechen, aber bei der absehbaren Zeitspanne hätten ja hundert Gründe trotzdem dazu führen können. Ich habe mich also auf der einen Seite gefreut, auf der anderen hatte ich die Sorge, dass das Ganze wieder irgendwann schief gehen könnte. Daran erinnere ich mich noch immer sehr gut. Und dann als nächstes an meine Begeisterung, als die ersten fertigen Seiten kamen.

Ralf Schlüter: Der Anfang für mich war erst mal zwei Testseiten anzufertigen, nachdem Dirk Schulz mich irgendwann anrief und fragte, ob ich Interesse hätte, bei diesem Projekt als Zeichner einzusteigen. Als die dann von allen abgesegnet wurden, ging es eigentlich gleich mit dem Character Design der Figuren los.

Yann Krehl: Für mich hat alles vor mehr als sieben Jahren mit einer Email angefangen, in der der (damals noch sehr junge) Splitter-Verlag bei mir wegen dem Projekt angefragt hat. Ich habe  zu dieser Zeit gerade  an der Comicadaption von Kais Wellenläufer-Trilogie gearbeitet und war stark daran interessiert, auch „Das Wolkenvolk“ umzusetzen.  Begonnen habe ich mit zwei oder drei Seiten Testscript für Ralf – den ich vor Beginn des Projekts noch nicht kannte – und nachdem klar war, dass alles zusammenpasste, ging es richtig los.

Literatopia: Über den Inhalt von „Pangu“ heißt es „Das Wolkenvolk ist vom Untergang bedroht“ – wie dramatisch wird das Finale?  

Ralf Schlüter: Dramatisch und vor allem bildgewaltig. Drachen, Riesen, Menschen und Monster - die Schlacht um die Welt tobt an mehreren Fronten. Als ich das damals im Roman las, war ich zuerst schon ein wenig eingeschüchtert, solch gigantische Szenarien irgendwann mal zeichnen zu müssen, andererseits empfand ich die Möglichkeit, etwas Derartiges einmal in Comicform umsetzen zu können, aber auch als äußerst aufregende Herausforderung.

Yann Krehl: Auf einer Skala von 1 bis 10? Apokalyptisch.

Literatopia: Kai, wie bist Du dazu gekommen, „Das Wolkenvolk“ im alten China anzusiedeln? Was fasziniert Dich an der Kultur? Und ist Ihre Mythologie geradezu prädestiniert für Fantasygeschichten?

Kai Meyer: Ich wollte gern epische Fantasy schreiben, aber nicht die klassische High Fantasy im Pseudo-Mittelalter-Gewand. Etwas Ähnliches habe ich ein paar Jahre zuvor mit „Die Wellenläufer“ versucht und eine Weile später mit „Die Sturmkönige“. Ich mag viele Elemente der High Fantasy – eine originelle Queste, die gewaltigen Schlachten, das Eingreifen von Fabelwesen und Göttern –, aber mir sind die Welten alle zu austauschbar geworden. Also suchte ich nach den Piraten einen anderen Hintergrund, und beinahe wäre es damals schon der Orient geworden. Ich musste die Entscheidung zwischen dem alten China und dem Arabien aus Tausendundeiner Nacht treffen. Und so wurde es China, zumal ich früher ein großer Fan chinesischer Fantasyfilme war,  „Chinese Ghost Story“, „Zu – Warriors of the Magic Mountains“ und einiger anderer. Ich hab mich heute daran satt gesehen,  aber die Welten, in denen sie spielen, finde ich noch immer faszinierend.

 

wolkenvolk leseprobe3

 

Literatopia: Ralf, hast Du viel recherchieren müssen, um die asiatischen Elemente glaubhaft zu zeichnen?   

Ralf Schlüter: In erster Linie waren es, glaube ich, Kleidung, Waffen und vor allem Landschaften. Neben ein paar Büchern und dem Internet dienten mir aber auch diverse historische, fernöstliche  Schwertkampffilme, zum Teil aus eigener Sammlung. Vor allem als Inspirationsquelle für Kleidung, Waffen und manchmal auch für Kampfchoreographie.

Literatopia: Welche Figur aus „Das Wolkenvolk“ ist Euch besonders ans Herz gewachsen?

Ralf Schlüter: Vielleicht Feiqing, da er trotz seines Kostüms, wie ich finde, noch die größte emotionale Bandbreite zum Ausdruck bringen kann.

wolkenvolk leseprobe1Yann Krehl: Bei mir sind es zwei: Wisperwind und Feiqing. Die Szenen mit diesen beiden Figuren – zum Beispiel der Kampf während dem Gewitter in „Lanze und Licht“ - gehören zu meinen Lieblingsstellen und haben mir sowohl beim Lesen als auch beim Scripten Spaß gemacht.

Kai Meyer: Zum einen mochte ich Nugua sehr, zum anderen ebenfalls Feiqing und Wisperwind. Die Dialoge der beiden habe ich gern geschrieben, vor allem wenn sie ab Band 2 zu zweit unterwegs sind.

Ich mochte die Szene sehr, in der Feiqing herausfindet, dass Wisperwind Angst vor Gewittern hat. Auf relativ wenigen Seiten sagt sie eine Menge über diese beiden Charaktere und ihre Achtung voreinander aus.

Literatopia: Wie war die Resonanz auf „Das Wolkenvolk“? Bis zum krönenden Abschluss hat es ja lange gedauert – habt Ihr Kontakt zu Fans, die Euch die ganzen sechs Jahre treu geblieben sind?

Ralf Schlüter: Ich muss sagen, dass ich mich besonders über die große Resonanz in den Niederlanden gefreut habe, wo sie seit zwei Jahren ja auch veröffentlicht werden. Auf den dortigen Comicfestivals kam ich aus dem Signieren gar nicht mehr heraus und auch etliche Originalseiten von mir wechselten den Besitzer.

Kai Meyer: Ich finde es wieder mal sehr deutsch, dass da unter der Nase einer ewig jammernden Genre- und Comicpresse ein Riesenprojekt gestemmt wurde und dann so gut wie niemand darüber schreibt. Alle heulen immer, dass bei uns keine großen Fantasyfilme gedreht werden können. Aber wenn dann versucht wird, eine visuelle Umsetzung einer erfolgreichen Romantrilogie als Comic auf internationalem Niveau auf die Beine zu stellen, interessieren sich viele Genre-Publikationen mehr für den hundertsten Artikel über den „Hobbit“ oder die Marvel-Superhelden. Und die Comic-Journalisten schreiben eh lieber über Piccolos, die vor fünfzig Jahren erschienen sind, und über tristen Mainstream wie „The Walking Dead“.

wolkenvolk leseprobe4Literatopia: Könnt Ihr noch überschauen, wie viele Arbeitsstunden in den Comic geflossen sind?

Ralf Schlüter: Habe ich eigentlich nie gezählt. Vielleicht könnte man das irgendwie in etwa hochrechnen, aber da Mathe nie so meine Stärke war…

Yann Krehl: Nein, nicht wirklich. Aber ich bin mir sicher, dass „Arbeitsmonate“ die geeignetere Maßeinheit wäre.

Literatopia: Ralf, in sechs Jahren „Das Wolkenvolk“ hast Du sicherlich unzählige Comics signiert – welche Figur wurde sich am häufigsten als Sketch gewünscht?

Ralf Schlüter: Wenn ich so drüber nachdenke – eigentlich sind attraktive, weibliche Figuren immer sehr beliebt. Beim Wolkenvolk waren das in erster Linie Mondkind und die schwertschwingende Wisperwind. Aber natürlich auch Drachen und Monster werden oft gewünscht.

Literatopia: Wie habt Ihr es geschafft, die ganze „Wolkenvolk“-Trilogie in sechs Comicbänden unterzubringen? Wurde viel gekürzt? Oder vielleicht auch Teile der Geschichte umgestellt?

Yann Krehl: Um die Geschichte in sechs Comicbänden zu erzählen, mussten ein paar Dinge weggelassen werden. Ganze Szenen wurden dabei aber – bis auf drei oder vier Ausnahmen – nicht gestrichen; meistens hat es genügt, die Dialoge und Aktionen innerhalb der Szenen zu kürzen.  Und auch wenn hier und da die Reihenfolge verändert wurde , so ist die Abfolge der Szenen innerhalb der einzelnen Handlungsstränge gleich geblieben.

Literatopia: Wenn man „Das Wolkenvolk“ mit „Frostfeuer“ vergleicht – was wird schwieriger als Comic umzusetzen?

Yann Krehl: Ich hatte nicht das Gefühl, dass eine der beiden Geschichten schwieriger umzusetzen war, auch wenn es deutliche Unterschiede gab.  „Frostfeuer“ hat weniger Figuren und  spielte beinahe ausschließlich im Grandhotel Aurora. Das hat das Scriptschreiben aber nicht einfacher gemacht , da ich bei den Panelbeschreibungen zur ersten Szene an einem bestimmten Schauplatz bereits alle folgenden Szenen an diesem Ort beachten musste.

 

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„Das Wolkenvolk“ hat im Vergleich zu „Frostfeuer“ deutlich mehr Actionsequenzen, bei denen es nicht immer leicht war, sie unter den gegebenen Platzbeschränkungen umzusetzen.  Auch Drachen, Riesen und Luftschiffe wollen richtig präsentiert werden, und meine Aufgabe war es, Ralf den Platz auf den Seiten zu verschaffen, den man dazu benötigt.  Zudem reisen die Charaktere viel und über längere Zeiträume, und ich habe versucht, dies im Script zu vermitteln ohne andauernd auf Texte der Marke „Einige Tage später“ zurückzugreifen.

wolkenvolk leseprobe7Die Seite, die am schwierigsten umzusetzen war – oder zumindest die, über die wir am längsten diskutiert haben – war übrigens die letzte. (Wer die Bücher kennt, der weiß vermutlich warum.)

Kai Meyer: Ich habe erst gestern wieder eine Mail von einer 13jährigen bekommen, die gerade die Romane gelesen hat und fragt, wer denn da auf der letzten Seite auftaucht. Und ob Feiqing nun Niccolos Vater sei. Solche Zuschriften gab es in den Jahren seit Erscheinen der Bücher sehr, sehr oft. Und mir war es wichtig, dass die Ungewissheit auch am Ende des Comics erhalten bleibt, wo wir ja zwangsläufig zeigen mussten, wen Nugua und Niccolo sehen.

Aber um zumindest die eine Frage klar zu beantworten: Nein, Feiqing ist nicht Niccolos Vater ...

Literatopia: Auch zu „Das Wolkenvolk“ gibt es eine Buchausgabe – gibt es außer dem Format Unterschiede? Und was gefällt Euch persönlich besser: Comicalben oder -bücher?

Ralf Schlüter:  Aus der Sicht des Zeichners gesehen, würde ich vielleicht die Albenform bevorzugen, einfach weil dort die Zeichnungen, allein durch die Größe, in ihrem Detailreichtum besser zum Ausdruck kommen.

Kai Meyer: Ich mag die große Ausgabe lieber. Gerade Ralfs Landschaften sind sehr eindrucksvoll, viele davon gehören – im übertragenen Sinne – auf die große Leinwand.

Literatopia: Herzlichen Dank für das schöne Interview!

 

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Ausschnitte aus "Das Wolkenvolk - Lanze und Licht" und "Das Wolkenvolk - Drache und Diamant": Copyright by Ralf Schlüter / Splitter Verlag

Autorenfotos: Kai Meyer (oben links), Copyright by Martin Steffen / Ralf Schlüter (oben rechts), Copyright by Splitter Verlag

Rezension zu "Das Wolkenvolk - Seide und Schwert"

Rezension zu "Das Wolkenvolk - Lanze und Licht"


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia.de geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 05. Juni 2014
 

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