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Markus Heitz (04.02.2015)
Geschrieben von Markus
Dienstag, der 03. Februar 2015

Interview mit Markus Heitz

geführt von Markus Drevermann im Rahmen des Piper Fantasy-Treffens

HeitzCopyrightMartinHoehnekleinLiteratopia: Wie bist Du zum Schreiben gekommen? R.A. Salvatore, Autor der Dunkelelfsaga, antwortete darauf mal ganz lapidar: „Ich hatte keine Bücher mehr zum Lesen. Und habe deswegen angefangen, selbst welche zu schreiben.“

Markus Heitz: Ich habe als Kind/Jugendlicher einfach viel gelesen, es gab also kein traumatisches Erlebnis oder Ereignis. Ich wollte nach ganz vielen Büchern quer durch die Bank einfach auch eigene Geschichten erzählen, weil ich es so spannend fand Geschichten zu erzählen oder was ich mir ausgedacht habe. Und das begann mit 13/14 und hat seitdem nicht mehr aufgehört. Das Gute am Schreiben ist, dass Du alle Möglichkeiten hast, die Du haben willst. Das Einzige, was mich limitiert ist die Vorstellungskraft. Und das war es. Ansonsten kann ich mich austoben, wo immer ich will. Und das ist das Schöne an der Schreiberei.

Literatopia: Was ich ganz schön fand, Du hast vorhin erwähnt, dass Du Rollenspieler warst. Welches System, wenn ich fragen darf? Und Spielleiter oder Spieler?

Markus Heitz: Also angefangen haben wir, weil wir ganz am Anfang kein Englisch konnten, natürlich mit Das schwarze Auge, weil es das Einzige deutsche Regelwerk zu Beginn war und später, mit steigenden Englischkenntnissen, ging es weiter mit AD&D, HârnMaster, RoleMaster, Warhammer Fantasy, Twilight 2000, Traveller, Vampire....

Literatopia: Masquerade oder Dark Ages?

Markus Heitz: Damals gab es im Englischen nur Masquerade und Dark Ages kam später. Also wir haben mit den klassischen Sachen angefangen.

Literatopia: Welchen Clan hast Du gespielt? Das würde mich persönlich interessieren.

Markus Heitz: Ich war Spielleiter. (lacht)

Auf die Frage zurückzukommen mehr Spielleiter oder Spieler; Ich war, glaube ich, überwiegend Spielleiter, denn das ist im Grunde nichts anderes als Erzählen. Nur hat man eine Gruppe, die soll Rätsel lösen, die soll Action haben, die soll auch ein bisschen Angst haben um die Charaktere. Und weil Du auch als Spielleiter, obwohl Du denkst, Du bist vorbereitet, immer wieder improvisieren musst, weil die anderen ja doch immer etwas Unerwartetes tun – das ist der Vorteil gegenüber einem Computerprogramm, Du kannst als Spielleiter immer auf irgendwas reagieren. Der Computer ist halt nur auf X-Wege programmiert und das war's. Also aktuell, das wird sich bestimmt auch noch ändern. Und das war auch wieder die perfekte Vorbereitung, auf das, was ich heute mache.

Literatopia: Wie hast Du Dich damals vorbereitet? Ich weiß, von mir selbst, ich mache das normalerweise so: Ich überlege mir die Figuren und werfe die Leute rein und gucke was passiert. Habe zwar auch eine gewisse Idee, wo ich hin will, aber den Weg habe ich generell nicht genau abgesteckt.

Markus Heitz: Genau. Du musst halt gucken, zumindest ich habe das so gemacht, auf was die kommen. Ganz am Anfang waren es die vorgefertigten Module, weil sie noch keine Ahnung hatten bzw. nicht regelsicher waren, aber wenn Du weißt was Rollenspiel ist, und weißt, dass die auf Dinge kommen, die ich mir nie ausdenken könnte. Also Schach spielen funktioniert nicht. Man unterstellt ja manchen Schachspielern, dass sie fünf Züge im voraus denken, das geht einfach nicht. Selbst Computer sind ja jahrelang daran gescheitert, gescheit, also gut Schach zu spielen. Ich hatte natürlich einen groben Plot des Abenteuers, hatte verschiedene Lösungswege für mich ausgedacht, war aber immer bereit andere zuzulassen, wenn sie plausibel waren. Also wenn sie mich mit irgendwas überraschten, wo ich gedacht habe, „Ok, wäre ich nicht drauf gekommen, funktioniert aber in dem Fall“, habe ich das zugelassen.

Literatopia: Also hast Du es auch so gemacht, Dinge, die Dir die Spieler angeboten haben, selbst aufzugreifen und weiterzuführen.

Markus Heitz: Klar, logisch.

Literatopia: Passiert Dir das beim Schreiben auch? Dass Deine Charaktere...

Markus Heitz: Nein, nein. Da bin ich brutal. Auch zu den eigenen Charakteren. Es gibt die Plotter und die Bauchschreiber. Ich war schon immer mehr der Plotter. Also wenn ich von Romanen rede. Bei Kurzgeschichten ist alles erlaubt. Du springst in irgendwas rein, bist nach paar Seiten wieder fertig und guckst einfach, was passiert. Bei Romanen fühle ich mich besser, wenn ich planen kann, was ich auch tue, aber nie so sklavisch. Ich habe meinen Plot liegen, 8/9 Din A4 Seiten Stichpunkte, wo was passiert und wo welcher Charakter ist, erlaube mir aber innerhalb der Handlung Dinge zu variieren. Ich drehe dann das ganze System an verschiedenen Rädchen nach, so dass ich immer noch ankomme. Wenn ein Charakter Tendenzen hat, nicht das zu tun, was ich vorgesehen habe..., da bringe ich dann den Vergleich mit den Hundebesitzern: Es gibt Leute, die gehen vor die Tür, machen den Hund los und der rennt irgendwohin und irgendwann schreit der Besitzer: „Das hat er noch nie gemacht.“ Ich wäre dann mehr der Typ mit der Laufleine. Du gibst also dem Hund gefühlte Freiheit.

Der Charakter hat die Freiheit sich innerhalb des Möglichen zu bewegen, kann auch mal jetzt zum Baum gehen, zum Gegenstand, er kann rumtollen oder sonst irgendwas, was jetzt nicht vorgesehen war, aber er folgt mir immer noch und wenn ich weitergehe, muss er mitgehen.

Das mache ich allein deshalb schon, damit ich mein Romanende auch so hinkriege, wie ich mir das vorgenommen habe. Wie gesagt, ich variiere, aber werde es nicht zulassen, dass Charaktere mir den Roman umschreiben. Was passieren kann, ist allerdings folgendes: Im Albae-Band kommt am Anfang eine Dienerin vor, die für ein geringes Vergehen brutalst bestraft wird, und eigentlich vorgesehen war, diese Szene nicht zu überleben. Ich habe beim Schreiben aber gemerkt: „Ach nö, lass die mal im Spiel, die stelle ich irgendwo seitlich hin, die macht nichts kaputt. Vielleicht kann ich die immer noch nutzen.“ Und die zog sich tatsächlich bis zum Schluss durch den Roman. Das war okay. Weil sie den Fluss nicht gestört hat. Sie hat sich perfekt eingepasst und das getan, was ich mehr oder weniger wollte. Das war perfekt. So etwas ist okay.

Literatopia: Du hast vorhin auch gesagt, dass Du Deine Leser gerne schockst. Dass du zum Beispiel einen Charakter, den Deine Leser als Hauptcharakter vermuten, umbringst.

Markus Heitz: Ähm ja, das kann schon passieren.

Literatopia: Das hat mich irgendwie ein bisschen an Joss Whedon erinnert, der da auch eine diebische Freude dran hat. Macht Dir das wirklich Spaß, nach dem Motto „Ich lege euch rein“ oder ist das mehr so, dass es dann ganz gut passt?

Markus Heitz: Nö, es passt ganz gut und: Kenne die Regel und breche sie. Oder besser: Du weißt, der Leser geht immer mit einer gewissen Erwartung an einen Roman heran und wenn Du Dir die Mühe machst, über mehrere Seiten Charaktere darzustellen, die irgendwohin kommen, scheinbar eine Mission haben, von der der Leser absolut überzeugt ist und die verschwinden dann oder kriegen plötzlich eine andere Mission oder so, - dann ist genau das passiert, was ich erreichen wollte. Ich bewege mich in einer klassischen Erzählung, die Dramen hat, ihre Gegebenheiten, mache aber Twists und Veränderungen, die den Leser praktisch trotzdem überraschen, obwohl sie mit was ganz anderem gerechnet hatten. Und ja, das ist wichtig, auch für mich.

Literatopia: Hörst Du Musik beim Schreiben?

Markus Heitz: Ja, meistens. Überwiegend Soundtracks. Ich bin leidenschaftlicher Soundtracksammler. Das geht auch quer durch die Bank. Klassische Musik höre ich ganz gern. Musik mit Texten nur, wenn es mich in der Stimmung hält. Bei einem Horrorroman läuft z.B. im Hintergrund Sisters of Mercy oder irgendetwas aus der Gruftie-Abteilung. Kein Problem.

Aber wenn ich jetzt zum Beispiel auch in der Gegenwart schreiben würde und es läuft dann zum Beispiel Deichkind, wo Du auf die Texte automatisch hörst, weil sie lustig sind, das lenkt mich dann vom Schreiben ab, so was würde ich dann nicht hören. Zwischendurch als Auflockerung, ohne dass ich schreibe ja. Aber deshalb meistens nur Texte auf die man nicht achten muss, was Englisches oder Hingenuscheltes oder dann eben wirklich instrumental.

Literatopia: Ich hatte den Eindruck, dass Du zur Gothicszene tendierst...

Markus Heitz: Ähm, ja (lacht)

Literatopia: Hast Du durch Dein Schreiben Bands besser kennengelernt?

Markus Heitz: Also als Gruftie, ich bin ja Spätgruftie, wenn man so möchte, das ging erst Anfang der 90er los, habe ich einen lustigen musikalischen Werdegang hinter mir und landete im Endeffekt bei den Grufties. Das Spannende in dem Fall ist, dass Du wirklich mit Bands, die Du eigentlich beim Schreiben hörst, jetzt plötzlich auf der Bühne stehst oder, dass sie Dinge von mir interpretieren. Das ist total abgefahren. Da suche ich immer noch die Kamera, wo ich rein gucken kann und denke: „Das ist jetzt schon sehr schräg, was da gerade passiert.“ Das ist, ja, schon sehr faszinierend.

Literatopia: Also hat es durchaus Vorteile, wenn man die Bands kennenlernen kann.

Markus Heitz: Ja, schon. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen finde ich total spannend. Natürlich sind die kreativ wie ich, aber in anderen Bahnen, die denken anders, die gehen mit ihrem Medium ganz anders um. Wenn man da dann zusammenarbeiten kann oder sie mir zeigen, was sie aus dem gemacht haben, was ich erschaffen habe; sie überarbeiten, sie verändern; das ist total spannend.

Literatopia: Hast Du da schon irgendwelche Projekte mit Bands oder in Aussicht?

Markus Heitz: Qntal hat auf der neuen CD ein Albae-Gedicht vertont, was total cool ist. Die Melodic-Metal-Band Mooncry hat ein Lied über eine Charakterin (Sia/Scylla) aus einem Horroroman geschrieben. Das habe ich auch bei Share-Medien geteilt. Das ist total cool.

Wenn du siehst, das Leute so viel Spaß, so viel Faszination beim Lesen hatten, dass sie sich hinsetzen und sagen: „Boah, da mache ich jetzt einen Song draus oder drüber oder ich bin inspiriert.“ Das ist sehr schön.

Literatopia: Und das Du mal wirklich mit einer Band zusammenarbeitest, in der Form, dass Du ein Buch schreibst und gleichzeitig die CD einer Band dazu entsteht?

Markus Heitz: Das ist in Planung.

Literatopia: Darf man wissen welche Band?

Markus Heitz: Ne, weil es nicht ganz so sicher ist. Wir sind da noch in der Schwebe. Und über Dinge zu reden, die nicht 100 % sicher sind, ist halt schwierig.

Literatopia: Ist es denn eine deutsche Band?

Markus Heitz: Ja!

Literatopia: Hast Du eigentlich immer ein Notizbuch bei Dir?

Markus Heitz: Natürlich. Ich habe immer Notizbücher. Das Buch ist jetzt in meiner Tasche, ich hatte es vorhin auf dem Tisch liegen. Ich traue den modernen Medien, was Dateiaufbewahrung angeht, nur bedingt. Deshalb kommen alle meine Ideen und die ersten Romanskizzen, also die groben Handlungsverläufe und Charaktere, die mir wichtig sind, immer in mein aktuelles schwarzes Notizbuch, von denen es inzwischen sehr viele gibt. Die genaue Ausarbeitung, das Plotten, der ganze Kram geschieht immer direkt im Laptop. Aber die ersten Schritte immer im Notizbuch, weil ich es einfach schöner finde, wenn Du der Hand zugucken kannst, wie jetzt gerade, etwas Neues entsteht, ein neuer Roman, eine neue Welt oder irgend so etwas. Das finde ich beim von Hand entwerfen immer noch schöner.

Literatopia: Ich denke mal, man kann sich dann besser reindenken. Wenn man etwas aufgeschrieben hat, ist es immer etwas präsenter, als wenn man es eintippt.

Markus Heitz: Ja, das auch. Das könnte ich jetzt mit dem Smartphone auch machen, aber ich finde es einfach cooler, wenn Du irgendwo sitzt, Dir fällt was ein und Du kannst es sofort notieren. Und es ist so ein Arbeitsfluss der dabei entsteht, aber Du hast es immer schwarz auf weiß vor Augen, aber mit Deiner eigenen Schrift. Das ist total merkwürdig. Es ist also einfach ein Stück persönlicher.

Literatopia: Wer ist für Dich bisher am reizvollsten zu schreiben als Charakter? Überhaupt welche Charaktere? Welche Art von Charakter?

Markus Heitz: Ich mag Charaktere, die nicht so straight sind, also im Sinne von schwarz oder weiß, und die verschiedene Schattierungen haben. Das finde ich am Spannendsten, oder die eine Entwicklung durch alle Bereiche durchmachen. Lodric um die Ulldart-Saga zu nennen, beginnt ja als totaler Versager, schwingt sich hoch, stürzt total ab, um hinterher geläutert zu werden und im Endeffekt als mittelgraue Gestalt herauszukommen. So etwas ist total spannend.

Die Albae aus einer anderen Perspektive zu zeigen, auch das ist eine Herausforderung. So etwas finde ich immer besser. Oder ich überzeichne Charaktere, die sich selbst als gut betrachten, so sehr, dass der Leser rafft: „Ah ne, er hält sich zwar für den Guten, tut aber deswegen Dinge, die man eigentlich nicht tun würde.“ Als Beispiel nenne ich immer gerne Kreuzfahrer, die ja losgezogen sind und sagten: „Jo, ey, wir sind die, die alle retten“, sich dann aber im Grunde benommen haben, wie das Letzte. Nicht nur, aber...

So etwas überzeichnet darzustellen, um es zu demaskieren, das macht extrem viel Spaß.

Literatopia: In Oneiros gibt es Menschen, die vom Tod nicht gesehen werden können. Wieviel ist davon von Dir selbst und wieviel Recherche? Generell auch.

Markus Heitz: Gerade in dem Fall ist es ein altes Märchenmotiv. Es gibt ganz viele alte Märchen, die... Man muss es anders sagen. Ich erzähle Geschichten und bin damit an das klassische Geschichtenerzählen gebunden. Ich rede nicht von experimentellen Romanen oder absolutes Theater, was eigene Formen sind. Das klassische Erzählen bedient sich bei Motiven, die mehr oder weniger immer da sind. Früher wurde gesagt, dass es vierzig Bausteine sind: Held zieht los. Mann liebt Frau. Der Schatz muss gefunden werden. Das Monster muss umgebracht werden und so weiter und sofort.

Und das ist immer gleich. Egal, ob etwas in der Gegenwart spielt, in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Diese Mechanismen des Erzählens funktionieren immer. Und diese Motive zeigen sich auch sowohl in der Bibel, als auch bei Homer und bei aktuellen Krimis. Es ist völlig egal. Weil es immer der gleiche Mechanismus ist. Was nicht schlimm ist.

Dieses Märchenmotiv, Leute, die mit dem Tod kommunizieren können, die ihn sehen, die mit dem Tod verhandeln, die den Tod verarschen indem sie ihn irgendwo reinreiten, ihn dazu bringen ihnen Zugeständnisse zu machen, auch das ist uralt. Wenn man hingeht und dieses Motiv nimmt und zeigt es neu, ist das in dem Fall die Leistung, die der Autor bringen muss. Ich habe ein bekanntes Motiv, möchte es aber neu aufarbeiten und Facetten zeigen, die noch nicht gezeigt wurden. Das ist das Entscheidende für mich.

Literatopia: Kommen wir zu den Zwergen, bevor wir sie ganz außen vor lassen. Sind sie für Dich mehr Fluch oder Segen? Also Fluch in dem Sinne, dass Du hauptsächlich mit ihnen identifizierst wirst und teilweise kaum etwas anderes wahrgenommen wird.

Markus Heitz: Ich mein, das ist wie im Musikgeschäft, wenn Du einen Hit hattest. Alle sagen dann „Ja, die anderen Lieder sind eigentlich ganz gut, die kann ich mir gut anhören, aber wenn er den nochmal spielt, oder noch so einen ähnlichen macht, das fände ich total super.“

Ähm, ohne die Zwerge wäre der Erfolg, in der Art und Weise nie dagewesen. Deshalb bin ich froh, dass der Erfolg gekommen ist und Die Zwerge machen auch nach wie vor Spaß, gerade mit sieben Jahren Abstand. Ich habe gemerkt, es war genau der richtige Zeitpunkt, jetzt wieder in die Welt aus Die Zwerge einzutauchen. Es ist natürlich witzig, wenn man an der Kasse erkannt wird. Da wo ich wohne, wissen die meisten Leute oder zumindest viele Leute, was ich beruflich tue. Dann stehe ich an der Kasse, die Kassiererin zieht die EC-Karte durch, guckt auf meinen Namen und sagt: „Ach. Sie sind doch der Zwergemann.“ Was lustig ist, bei 1,89m, die Schuhe hier machen nochmal drei Zentimeter drauf, d.h. Der Zwergemann mit 1,91/1,92m. Das ich noch 30 andere Romane geschrieben habe, war ihr in dem Moment nicht bewusst oder egal. Aber das ist vollkommen in Ordnung. Insofern... ich verdanke den Zwergen sehr viel.

Und ohne Die Zwerge hätte ich auch nicht diese Narrenfreiheit, was gewisse Themen angeht. Denn der Verlag weiß auch genau, der kann erzählen und der weiß, wie man was schreibt.

Literatopia: Ok, war es für Dich der perfekte Zeitpunkt zurückzukommen.

Markus Heitz: Für mich auf alle Fälle.

Literatopia: Weil Du auch wieder eine Geschichte zu erzählen hattest.

Markus Heitz: Genau.

Literatopia: Du hattest keinen Druck und...

Markus Heitz: Genau. Es ergab sich. Ich hatte eine kleine Idee, die einfach da war und habe gedacht, stell die mal dahin, gieße sie ein bisschen, ein bisschen Luft und Licht dran, dann entwickelt die sich. Und durch die Arbeit an den Albae, gerade im vierten Band, hat sich ganz viel herauskristallisiert, wo ich gesagt habe, perfekter Zeitpunkt. Jetzt passt alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Literatopia: Die Verfilmung steht ja noch an und Du wirst höchstwahrscheinlich kaum involviert sein.

Markus Heitz: Also, wie gesagt, die planen immer noch, sie ist nicht vom Tisch und natürlich kann ich etwas dazu sagen, zu Drehbüchern oder sonstigen Sachen. Aber im Endeffekt liegt die komplette Verantwortung und Entscheidung bei diesem Produktionsteam.

Literatopia: Heißt also, Du hast nichts anderes zu tun, als zu sagen „Ich fänd´s toll, wenn es so wäre“ aber...?

Markus Heitz: Genau, ich kann sagen, das wäre gut, das wäre schlecht, aber im Endeffekt, ist das, was sie umsetzen, deren Sache.

Literatopia: Soll es dann auch in der Art wie Game of Thrones werden? Du meintest vorhin, einer von deren Team wäre mit involviert. Sprich: Soll es auch so groß werden, so aufwendig oder wird es dann kleiner?

Markus Heitz: Die planen schon im Stil und in der Art von Game of Thrones, wenn man so möchte. Was natürlich auch mit den entsprechenden Kosten verbunden ist. Und ich vermute auch, das ist mit ein Grund, warum sie so lange dauert. Du musst die Kohle in Europa für so ein Projekt zusammen kriegen. In Amerika gibt es eine andere Konstellation. Du hast Bezahlsender, die laufen wie HBO oder ABC, die richtig tolle, große Produktionen an Serien haben. Bei uns gibt es so etwas nicht. Es gibt jetzt verschiedene Internetanbieter, die etwas anschieben, aber mal gucken, was daraus wird.

Literatopia: Schreibst Du schon selbst Drehbücher oder möchtest Du das gerne machen? Also jetzt nicht für Die Zwerge sondern generell für einen Kinofilm. Würdest du das machen?

Markus Heitz: Das wäre überhaupt kein Problem. Wäre ich sofort dabei.

Literatopia: Irgendein bevorzugtes Genre?

Markus Heitz: Also Liebesfilme eher nein. Es sei denn, ich könnte einen Liebesfilm nach zehn Minuten Richtung Horror drehen oder so. Was das wahre Leben vielleicht auch wieder spiegelt. (lacht) Also Action wäre schon cool oder Mystery, in die Richtung. Das würde mir schon gefallen.

Literatopia: Der Comic zu den Zwergen: Hast Du schon Bilder vom zweiten Band gesehen?

Markus Heitz: Ja! Also Ché, der Zeichner, sitzt da dran und hat schon ganz viele Zeichnungen gemacht, aber...

Literatopia: Hält er den Termin dieses Mal?

Markus Heitz: Wie es oft so ist, wenn ein Zeichner... es ist wie bei Autoren. Die wenigsten Autoren können von dem allein leben, was Bücher einbringen, ich habe das Glück, das es bei mir so ist. Man sagt, das sind 3-4 %. Ich war früher auch Journalist im Hauptberuf und habe mir damit mein Brot verdient und habe nebenbei Bücher geschrieben, bis Die Zwerge so eingeschlagen haben. Bei den meisten Comiczeichnern ist es genauso, sie haben einen Hauptjob und wenn sie Glück haben, ist ein Comic irgendwann einigermaßen erfolgreich. Und Ché hat einen Hauptjob und deshalb muss er das nebenbei zeichnen. Wir sind aber guter Dinge.

Literatopia: Letzte Frage, die mich persönlich interessiert. Die Kampfszenen: Schreibst Du sie aus dem Bauch heraus oder hast Du selbst auch mal Erfahrung gesammelt? Jetzt nicht, dass Du Dich mal geprügelt hast, sondern selbst mal Kampfsport betrieben hast. So dass Du eine Ahnung hast, von dem, was Du da beschreibst.

Markus Heitz: Ja, ich habe Karate gemacht. Ziemlich lange, mit Unterbrechungen, dann wieder angefangen. Und insofern weiß ich wie es funktioniert, zumindest was die körperliche Auseinandersetzung angeht. Ich war auch bei der Bundeswehr und mein Hauptgrund war damals: „Ich komme legal an vollautomatische Waffen und kann damit ausprobieren, wie sich das anfühlt mit dem Rumballern.“ Somit weiß ich zumindest, wie der Rückstoß bei einer Halbautomatik, einer Vollautomatik und so etwas ist. Somit weiß ich wenigstens, wie ich darüber schreibe, was ich beschreibe und das ist schon ganz praktisch.

Literatopia: Man merkt beim Lesen auch, dass Deine Kampfszenen nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Relativ häufig merkt man, wenn der Autor nicht selbst mal Kampfsport betrieben hat.

Markus Heitz: Wir haben zwar kein Vollkontakt-Karate gemacht, aber Du musst nur einmal nicht aufpassen und der andere zieht im Kumite durch, bzw. ich kriege ihn nicht mehr rechtzeitig gestoppt oder ich bin auch noch rein gelaufen, ich Idiot, da weißt Du genau: Ein Treffer tut schon so richtig weh und entscheidet im Endeffekt einfach den Kampf. Also ein guter Kampf dauert zwei Sekunden und das war´s. Oder Du gehst einfach. Das ist die Alternative.

Also, mich hat es nie wirklich übel erwischt. Aber es gab immer wieder Fälle, wo Du einfach gemerkt hast, wenn der ein Stück höher getroffen hätte, würde ich jetzt liegen und jemand würde mir einen Eisbeutel holen oder die Füße hochlegen oder sonst irgendwas.

Literatopia: Vielen Dank für das Interview!


Autorenfotos: Copyright by Martin Hoehne (oben), Copyright by Markus Drevermann (unten)

Blogbeitrag zum Piper Fantasy-Treffen

Interview zu "Der Triumph der Zwerge" geführt von Casimir Nasweis

Rezension zu "Die Zwerge"

Interview mit Markus Heitz

Rezension zu "Die Legenden der Albae"


Dieses Interview wurde von Markus Drevermann für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 04. Februar 2015
 

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