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Nachruf auf Terry Pratchett
Geschrieben von Markus
Donnerstag, der 12. März 2015

AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.
Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the black desert under the endless night.
(Quelle: Rhianna Pratchett (@rhipratchett) 12. März 2015)


Es war in den 90er Jahren, ich ging noch zur Schule, da fiel mir ein Buch in die Hände mit dem Titel MacBest, Autor war Terry Pratchett. Unsicher, was mich erwarten würde, begann ich zu lesen. Nach der ersten halben Seite war jeder Zweifel zerstreut und ich hatte zum ersten Mal Tränen in den Augen. Wie könnte es auch anders sein bei Textzeilen wie: „Wann soll´n wir drei uns wiedersehen? - Tja, ich hätte nächsten Dienstag Zeit.“ Besser kann keine Anspielung auf William Shakespeare sein.

Dies war meine erste Begegnung mit Oma Wetterwachs, Nanny Ogg, Magrat Knobloch und der Scheibenwelt im Besonderen. Kaum ausgelesen, griff ich schon zum nächsten Roman der Reihe und so ging es fortan immer weiter. So lernte ich Rincewind, den unfähigen Zaubberer (ja, das ist richtig geschrieben, zumindest wenn man nach dem Hut der betreffenden Person geht, auf der dies genauso steht), Kommandeur Mumm, Nobby Nobbs, Hauptmann Karotte, Feucht von Lipwig, den Mönch, den Tod, der immer in Großbuchstaben spricht, und all die anderen kennen. Jeder von ihnen hat stets dafür gesorgt, dass ich ein paar vergnügliche Stunden der Realität entfliehen und in einen wahrhaft wundersamen und absurden Kosmos abtauchen konnte, der von der unsrigen Welt gar nicht so weit entfernt ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Terry Pratchett verstand es wie kein Zweiter, unsere Welt in seinen Romanen satirisch zu spiegeln und die Absurditäten von Politik und Wirtschaft aufzuzeigen. Unvergessen werden mit Sicherheit jene Szenen mit dem Patrizier bleiben, in denen er Politik und Wirtschaft erklärt. Terry Pratchetts Talent war ein ganz besonderes. Bis jetzt kann ihm kein Autor das Wasser reichen, wenn es um satirische und humorvolle Fantasy geht. Für sich genommen ist er ein genauso großer Humorist wie ein Loriot und wird mit Sicherheit eine ebenso große Lücke hinterlassen. Die Fußstapfen, die beide hinterlassen, dürften schwer von einer Person zu füllen sein.

Um das Jahr 2000 herum, hatte ich das große Glück ihn bei einer Autogrammstunden bei einem Dortmunder Buchhändler erleben zu dürfen. Die Angestellten und der Leiter der Filiale dieser großen Buchhandelskette unterschätzten völlig den Andrang, der dort herrschte. Um 16 Uhr sollte die Autogrammstunde beginnen, um 14.30 Uhr war ich da, kaufte die englische Ausgabe zweier Bücher von ihm und konnte direkt an der Kasse stehen bleiben, die sich auf der anderen Seite des Gebäudes befand. Dabei hatte ich noch Glück, am Ende wand sich die Schlange mehrmals durch die Etage. Die eine veranschlagte Stunde für Autogramme war utopisch. Den Angestellten klappte die Kinnlade herunter. Trotzdem, und das machte Terry Pratchett so sympathisch, nahm er sich für jeden seiner Fans Zeit. Sprach kurz mit ihnen, signierte Bücher und blieb stets freundlich. Gegen halb sechs war ich an der Reihe ein Autogramm zu bekommen, wohlgemerkt eine halbe Stunde nach dem offiziellen Ende, und angesichts der Menschenmenge hinter mir, dürfte er gut und gerne bis sieben Uhr noch dagesessen und signiert haben. Er kümmerte sich wirklich um seine Fans, ließ sie nicht im Regen stehen, nachdem sie lange geduldig gewartet haben. Zudem hatte er für jedes seiner Bücher einen eigenen Signierspruch und verlieh so den Romanen immer etwas besonderes mit seiner Unterschrift.

Leider erkrankte er dann an einer schweren Form von Alzheimer, die ihn immer weniger schreiben ließ und ihn stark einschränkte, zuletzt musste er seine Romane diktieren und konnte sie nicht mehr selbst tippen. Dennoch behielt er seinen Humor bei und ließ sich nicht unterkriegen. Als Beweis kann seine folgende Aussage angesehen werden: „Ich würde den Hintern eines toten Maulwurfs essen, wenn mir damit geholfen wäre.“

Heute hat die Krankheit leider gewonnen und er musste dem Tod, den er zu einem der beliebtesten Charaktere in seinen Romanen gemacht hat, folgen. Er mag zwar jetzt nicht mehr schreiben können, aber Rincewind, Mumm und Co. werden unsterblich bleiben und damit auch Sir Terry Pratchett selbst, der bei den meisten Menschen einen Platz im Herzen haben dürfte, die einmal einen seiner Romane aufgeschlagen und über ihn herzlich gelacht haben.

Mir bleibt nur noch eins zu tun. Nämlich ihn mit einem Zitat aus "Wahre Helden" zu verabschieden.

„Wir, die wir sterben werden, wollen es gar nicht!“

Mach´s gut Sir Terry. Und wer weiß, vielleicht triffst du ja jetzt auf all die Personen, die du immer so herrlich treffend beschrieben hast. Der Tod hat nun jedenfalls die beste Begleitung, die man sich wünschen kann.

- Markus

 

Terry Pratchett auf Literatopia:

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 12. März 2015
 

Kommentare  

#3 NachrufAngelika 2015-03-18 09:58
Hallo Markus,

einen wirklich wunderschönen Nachruf hast du da verfasst. Ich kannte Sir Terry bisher nur von zwei Romanen, doch auch die haben mich sehr für ihn eingenommen. Wahrlich ein Schicksalsschla g, die Demenz - so häufig sie inzwischen auch seien mag. Als großer Fan vom Gevatter, möchte ich mich dir herzlich anschließen: "Der Tod hat nun jedenfalls die beste Begleitung, die man sich wünschen kann."

- Angelika
#2 Ein wirklich toller Autor, der leider zu früh gegangen istChristophs Schmökerstube 2015-03-13 10:17
Ich liebe seine Bücher und sein Schreibstil war einfach richtig genial.

Einen sehr schönen Nachruf hast du hier geschrieben. Seine Geschichten wird man glaube ich nie vergessen können. Die Welt die er geschaffen hat ist einfach zu einmalig.
#1 RipLaksikus 2015-03-12 23:41
Guter Nachruf, könnte meine Gedanken zu ihm nicht besser ausdrücken

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