Rezensionen im Dezember (2015)

Liebe LeserInnen,

wir hoffen, Ihr seid gut ins neue Jahr gestartet! Heute wollen wir nochmals einen Blick zurück ins Jahr 2015 werfen und uns gemeinsam anschauen, was rezensionstechnisch im Dezember los war.


Belletristik

Ein Road-Trip der besonderen Art – in "Auf und davon" macht sich der Leser gemeinsam mit Mim auf den Weg von Jackson, Mississippi nach Cleveland, Ohio, um ihre Mutter zu finden. Dabei lernt sich nicht nur die Protagonistin selbst mit jedem Tag besser kennen, auch als Leser erfährt man einiges über sich selbst. David Arnolds Roman ist eher leise, hält aber auch einige actionreiche Momente bereit, macht im Gesamtbild sehr nachdenklich und zeigt auf einfühlsame, aber auch ernste Weise, welche wunderbaren Seiten das Leben haben kann, wenn man sich nur darauf einlässt.

Dass Charlotte Roche gerne provoziert, dürfte für niemanden eine großartige Neuigkeit sein. Auch in ihrem ersten nicht größtenteils autobiographischen Roman zieht sie wieder alle Register – und verlässt dabei eindeutig die Gürtelliniengrenze. Nicht auf positive Weise. "Mädchen für alles" ist anstößig, langweilig, wirr und alles andere als das, was dem Leser versprochen wird. Farblose Charaktere, keine nennenswerte Handlung und eine Protagonistin, die dem Leser statt einigen Lachern eher Würgereize und völliges Unverständnis entlockt. Selbst für Fans ist dieses Buch alles andere als empfehlenswert.

Krimi / Thriller

Mit "In Jener Nacht" liefert Carolin Schairer ihren zweiten Kriminalroman. Im Gegensatz zu anderen Romanen des Genres, in der die Suche nach Beweisen und Täter im Vordergrund stehen, widmet sich In jener Nacht einem Familiendrama und den beteiligten Charakteren. Kunstvoll gestaltet die Autorin das Bild einer gestörten Familie zum einen, und einem traumatisierten Opfer zum anderen. Nicht nur für Kriminalfans empfehlenswert!

In ihrem spannenden und unterhaltsamen Thriller und Kriminalroman "Liebe Mutter, es geht mir gut..." beschreibt Margaret Millar minutiös den Zerfall eines Menschen und demontiert zugleich subversiv und böse das US-amerikanische Ideal der Familie. Sie liefert, psychologisch stimmig, beklemmende Einsichten in die Welt eines Menschen, der in den Wahnsinn abgleitet. Dieser Klassiker des Psychothrillers ist brillant erzählt, dialogstark und mit bissigem Witz, und er entwickelt eine mit dem Thema korrespondierende düstere Atmosphäre.

Science Fiction

"Roter Mars" von Kim Stanley Robinson dürfte selbst unter eingefleischten Science-Fiction Fans nicht jedermanns Sache sein. Weitab von jeglichem Mainstream lässt sich das Buch als einen echten Geheimtipp bezeichnen, man muss bereit sein, sich darauf einzulassen - und man muss es mögen. Wenn man allerdings den Zugang zu diesem Werk findet, bekommt man einen außergewöhnlichen Science-Fiction Roman, dessen komplexe Thematik neue Wege beschreitet und anspruchsvoll und ausgezeichnet nachvollziehbar beschreibt, dass man bei der Kolonisierung einer neuen Welt bei weitem nicht nur mit technischen Problemen zu kämpfen hat.

Songs of Revolution“ ist eine wahnsinnig leidenschaftliche und kreative Dystopie, in der (codierte) Musik als Droge und Kontrollinstrument eingesetzt wird. Emma Trevayne begeistert ihre Leser vor allem mit ihrem authentischen Protagonisten Anthem, der viel ertragen muss, Fehler macht und aus ihnen lernt. Viele originelle Ideen machen die düstere Zukunftsvision zu einem erfrischenden Leseerlebnis, das mitreißt und hungrig auf mehr macht.

Fantasy

Emily St. John Mandel erzählt in "Das Licht der letzten Tage" vom Neubeginn der Menschheit nach einer Pandemie. Sie verbindet über Rückblenden zwei Zeitebenen (vor/während der Pandemie und danach) miteinander und beschreibt mehr eine Sammlung von Tableaus, als dass sie eine handlungsbestimmte Geschichte erzählen würde. Ein seltsamer Hybrid aus einem guten Gesellschaftsroman und einem weniger geglückten Werk der Fantasy (postapokalyptische spekulative Fiktion ohne SciFi-Komponente).

Nachdem Lauren Kate mit dem ersten Band "Teardrop" große Hoffnungen geweckt hat, lässt "Waterfall" den Leser ziemlich enttäuscht zurück. Im Grunde besteht die Geschichte nur aus dem beschwerlichen Weg zu Solon und seiner versteckten Behausung, vielen langwierigen Gesprächen und einem Showdown, der eigentlich keiner ist. Der Storyaufbau ist eher wirr und wirkt die meiste Zeit wie hingeklatscht. Einzig ein paar der Charaktere können den Lesespaß etwas erhöhen, doch bei weitem nicht ausreichend, um den zweiten und abschließenden Band der Dilogie zu einem echten Lesevergnügen zu machen. Trotz der wunderschönen Aufmachung nur denjenigen zu empfehlen, die unbedingt wissen möchten, wie es mit Eureka weitergeht.

Comic

"Golden Dogs – Fanny" von Griffo und Desberg ist ein sehr guter Auftaktband. Atmosphäre und Geschichte passen zusammen und sorgen für reichlich Spannung. Sollten die folgenden Bände jetzt nicht völlig einbrechen, ist Golden Dogs mit Sicherheit zu den wirklich guten Thrillern im Comicbereich zu rechnen.

"Crissis Tagebücher" von Joris Chamblain und Aurélie Neyret ist ein wunderbares Buch zum Vor- und Mitlesen oder ganz einfach selber lesen, welches uns an unsere eigene Kindheit erinnert und voller Leichtigkeit steckt. Kaufen, lesen und darin versinken!

Manga

Nach recht schwachen Einstiegskapiteln wartet „Dusk Maiden of Amnesia“ von Maybe mit unheimlichen Begebenheiten auf, die sehr geschickt aufgelöst werden und bei denen Teiichi und Yuko zeigen können, wie gut sich ihre ganz unterschiedlichen Charaktere ergänzen. Von der angepriesenen Lovestory spürt man noch wenig, allerdings ist das Geplänkel der beiden vorerst unterhaltsam genug. 

Sweet amoris – Die geheimnisvolle SMS“ vom Trio ChiNoMiko, Xian Nu und Migato Sen Chu ist etwas erfrischend Neues. Es macht Spaß, die Charaktere selbst lenken zu dürfen und man ist gespannt, wohin sich diese Art der Mange-Erzählung noch entwickeln wird. Fans des Online-Spiels dürfen einige Parallelen finden und werden sicher mehr Spaß an diesem Band haben als Leser ohne Vorwissen.


Am Ende des Jahres sind leider einige Bücher liegen geblieben, die wir in den kommenden zwei Monaten abarbeiten möchten. Ihr könnt Euch also auf viele spannende Rezensionen freuen - und die nächsten tollen Neuerscheinungen stehen auch noch an :) ...

Wie immer beinhaltet unser Rückblick nur eine Auswahl von Titeln, die wir für besonders empfehlenswert halten oder auch solche, die unsere Erwartungen enttäuscht haben. Ihr seid natürlich wieder herzlich dazu eingeladen, unser umfangreiches Rezensions-Archiv zu besuchen.

Wir wünschen Euch viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr und natürlich viele schöne Lesestunden!

Euer LiteratopiaTeam