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Utopien für Realisten (Rutger Bregman)
Geschrieben von Swantje
Samstag, der 11. November 2017

Rowohlt (September 2017)
Originaltitel: Gratis geld voor iederen: en nog vijf grote ideeeen die de wereld kunnen verandereren
Übersetzerin: Elizabeth Manton, Stephan Gebauer
Hardcover
304 Seiten, 18,00 EUR
ISBN: 978-3-498-00682-2

Genre: Sachbuch


Klappentext

Historischer Fortschritt basierte fast immer auf utopischen Ideen: Noch vor 100 Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass die Sklaverei abgeschafft oder die Demokratie wirklich existieren würde. Doch wie begegnen wir den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, des Familienlebens, des gesamten globalen Gefüges?

Der niederländische Vordenker Rutger Bregman sagt: «Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.»

Wir müssen es wagen, das Unmögliche zu denken, denn nur so finden wir Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Bregman macht deutlich, warum das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Option ist und inwiefern die 15-Stunden-Woche eine Antwort auf die Digitalisierung der Arbeit sein kann. «Alternativlos» ist für Bregman keine Option, sogar die Armut kann abgeschafft werden, wie er am Beispiel einer kanadischen Stadt zeigt. Bregmans Visionen sind inspirierend, seine Energie ist mitreißend; er zeigt: Utopien können schneller Realität werden, als wir denken.


Rezension

Rutger Brennan ist sich der Probleme unserer Zeit – Armut, Ungleichheit, die Bedrohung zahlreicher Jobs durch Automatisierung etc. – sehr bewusst, aber zugleich sieht er auch, wie sich der Lebensstandard großer Teile der Menschheit in nur wenigen Jahrhunderten drastisch verbessert hat und er benennt ein großes Problem, das sonst nicht so viel Beachtung findet: Unsere Unfähigkeit, uns eine bessere Zukunft vorzustellen. Zwar erkennt er all die historischen Beispiele von katastrophalen Versuchen, Utopien zu verwirklichen, an, aber er unterscheidet zwischen der statischen „Blaupause“-Utopie, deren Bewohner dieser mit oft brutalen Mitteln angepasst werden, und dynamischen Utopien, bei denen sich die Ideen den Bedürfnissen der Menschen gemäß wandeln. Und solche Utopien, so seine These, brauchen wir.

Also stellt er gleich mehrere Ideen vor, die auf den ersten Blick unrealistisch klingen, und verweist auf Forschungsergebnisse, die als praktikable und umsetzbare Ideen erscheinen lassen. Ein großer Themenblock ist Armut. Bregman hinterfragt gängige Vorstellungen von Armut und präsentiert Belege dafür, dass Menschen keineswegs arm sind, weil sie die falschen Entscheidungen getroffen haben, sondern dass sie umgekehrt die falschen Entscheidungen treffen, weil sie arm sind – in einigen von ihm zitierten Experimenten hat es sich als verblüffend effektiv erwiesen, Menschen einfach Geld zu geben, sodass sie, befreit von ständigen Geldsorgen und Zukunftsängsten, mehr materielle, aber auch mehr kognitive Ressourcen zur Verfügung hatten, um sich von äußerer Unterstützung unabhängig zu machen. Vor diesem Hintergrund fordert Bregman ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle und übt harsche Kritik an einer „Arbeitslosigkeitsindustrie“, die vorgibt, Arbeitslosen zu helfen, aber sie stattdessen überwacht und entwürdigt und deren Maßnahmen diesen oft nicht helfen, in Jobs zurückzukehren.

Zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen kann er auf eine Reihe von Experimenten verweisen, die oft leider ein vorzeitiges Ende fanden, deren Ergebnisse aber auf den Wert einer solchen Einrichtung hindeuten. Außerdem hat er hier eine ziemlich überraschende historische Anekdote parat: Ausgerechnet der konservative amerikanische Präsident Nixon war einmal kurz davor, eine Form von Sozialleistungen einzuführen, die viele Elemente eines solchen Grundeinkommens hatte. In „Utopien für Realisten“ geht es auch viel um Arbeit. Bregman fordert eine Verkürzung der Arbeitszeit und Konzentration auf wirklich wichtige Jobs, die einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Ebenso stellt er die Frage, welche Formen der Entwicklungshilfe wirklich effektiv sind, um globale Ungleichheit zu beenden und fordert offene Grenzen als einziges wirklich wirksames Mittel.

Bregman schreibt einseitig und durchaus emotional (z.B. übernimmt er genüsslich David Graebers Begriff des „Bullshit-Jobs“), aber, auch wenn er im letzten Kapitel offen eingesteht, dass er, wie alle Menschen dazu neigt, Fakten zu ignorieren, die nicht in sein Weltbild passen, kann er viele seiner Argumente mit den Ergebnissen umfangreicher empirischer Studien unterfüttern. Bei anderen dagegen will ihm das allerdings nicht überzeugend gelingen, da es sich um womöglich ziemlich gute Ideen handelt, die aber noch nicht wirklich erprobt wurden.

Vielleicht gerade weil bei „Utopien für Realisten“ die Wut des Autors auf die herrschenden Verhältnisse und seine Hoffnung darauf, dass sich diese radikal zum Besseren verändern können, durchscheinen, liest sich das Buch alles andere als trocken. Die schon erwähnte überraschende Anekdote ist nicht die einzige kleine historische Geschichte, die überrascht und unterhält, die wissenschaftlichen Ergebnisse sind für Laien verständlich zusammengefasst (was wahrscheinlich sehr auf Kosten der Komplexität und Vollständigkeit geht, aber den Lesefluss fördert. Fußnoten verweisen auf einen umfassenden Anhang aus Anmerkungen und Quellennachweisen, sodass interessierte Leser selbst recherchieren können.


Fazit

In „Utopien für Realisten“ stellt Rutger Bregman den Status Quo und unser Festhalten daran radikal in Frage und entwirft eine Reihe kühner Ideen, wie die Zukunft mehr Wohlstand, Sicherheit, Freizeit und Sinnhaftigkeit für alle bringen kann. Es handelt sich keineswegs um ein neutrales Abwägen, sondern um ein leidenschaftliches Plädoyer für Grundeinkommen, kurze Arbeitszeiten, offene Grenzen usw. Das Buch stellt auch für Laien mühelose Lektüre dar und fordert zum Nachdenken heraus. Es liegt nahe, Bregman in einigen Punkten ein Übermaß an Optimismus zu unterstellen, aber gleichzeitig ist „Utopien für Realisten“ dadurch womöglich genau das richtige Buch für eine Zeit, in der es so vielen an Optimismus und der Bereitschaft fehlt, über echte Alternativen zu unserer derzeitigen Lebensweise nachzudenken, und bekommt eine klare Empfehlung.


Pro und Contra

+ leidenschaftlich und sachkundig geschrieben
+ flüssiger Stil
+ Ergebnisse von Studien knapp und verständlich dargestellt und gut eingebunden
+ Illustration durch manchmal überraschende Anekdoten
+ vermittelt Hoffnung und das Gefühl, dass es Alternativen gibt
+ viel berechtigte Kritik am Status Quo

o Autor bezieht sehr klar Stellung
o das Buch ist relativ kurz

- weitgehender Verzicht auf Darstellung von validen Gegenargumenten
- nicht alle Thesen lassen sich belegen

Wertung:

Lesespaß: 4,5/5
Informationsgehalt: 4/5
Aktualität: 5/5
Verständlichkeit: 5/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 11. November 2017
 

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