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Das blutende Land (Klaus N. Frick)
Geschrieben von Nicole
Sonntag, der 07. Januar 2018

Frick Das blutende Land

Knaur Verlag, 1. Auflage, November 2017
Taschenbuch, 537 Seiten,
12,99 Euro [D]
ISBN-13: 978-3-42652-106-9

Genre: Fantasy


Klappentext

Der Krieg ist die Hölle, auch im Land Patlorien.

Das Imperium der Eskoher herrscht mit eiserner Hand über die vormals friedliche Inselwelt. Ihr Banner mit dem Dreizack weht auch über Patlorien, einem von Bauern bewohnten Land. Als dort blutige Aufstände ausbrechen, wird der junge Sardev unversehens in die Kämpfe verwickelt. Er gerät in Gefangenschaft – bei einem der letzten noch lebenden Magier. In einem Zeitalter, in dem sich die Zauberkunst ihrem Ende zuneigt, wird er zum Opfer eines grausamen magischen Experiments: Sardevs Geist wird mit dem eines Wolfes verschmolzen. Fortan soll er den Eskohern als menschliche Waffe dienen. Der Zauberer allerdings verfolgt ganz eigene Ziele, auch wenn das bedeutet, dass er nur er überlebt, und Sardev erweist sich als der Einzige, der ihn aufhalten kann.


Der Autor

Klaus N. Frick, Jahrgang 1963, wohnt in Karlsruhe und arbeitet als Redakteur. Der Fantasy-Literatur ist er als Leser, Rollenspieler und Autor seit den frühen 80er-Jahren verbunden. Das blutende Land ist sein erster großer Fantasy-Roman.


Rezension

Nesh-Tilan, ein junger geltungsbedürftiger Eskoher reist den Fluss Han hinauf, um als Verwalter das von Freibauern bewohnte Land Patloren zu regieren. Mit auf seinem Schiff ist die geheimnisvolle Zarg-Nolesa, die ein Auftrag der Innung der Magier in das karge Hügelland führt. Während die kluge Kriegerin ihrem Auftrag nachgeht, richtet sich der neue Verwalter in seinem Herrschaftssitz ein. In dem Wunsch, sich zu profilieren, bindet er rasch den Gesetzeshüter Shorrn Mekeis in den Auftrag ein, eine aufständische Gruppe an Bauern und Knechten aufzuspüren, die sich der Herrschaft der Eskoher widersetzen. In einem dieser Aufträge wird der 16-jährige Sardev unversehens in die Auseinandersetzungen verwickelt und gefangengenommen. Nach einer Jagd auf einen Geisterwolf ist sein Geist mit der Seele des Wolfs verknüpft. Dies wollen sich ein mysteriöser Zauberer, der in den Alten Bergen seinen Forschungen nachgeht und Zarg-Nolesa zunutze machen. Sardev soll ein Gefäß für die sterbende Magie unter der Bergkette werden. Doch der Magier verfolgt eigene Pläne. Nachdem er die alte Magie geweckt hat, droht er das Reich Patlorien an sich zu reißen. Plötzlich finden sich alle Parteien in einem blutigen Krieg wieder und müssen ihre Befehle und Allianzen überdenken.

Frick lässt sich Zeit, seine Geschichte ins Rollen zu bringen. Obwohl Sardev der Protagonist sein soll, taucht er nach dem Prolog bis zum zweiten Drittel nicht mehr auf. Stattdessen bringt Frick seine Garde an Charakteren in Stellung. Er lässt uns an den Plänen des selbstsüchtigen Verwalters ebenso teilhaben, wie an Zarg-Nolesas Suche nach der alten Magie, die mitunter sehr blutig abläuft. Ebenso lernen wir an der Seite des Raureiters Shorrn Mekeis das Land Patlorien und seine Bewohner kennen. Dies dient zwar der Charakterentwicklung, wirkt aber der Spannung entgegen. Vor allem, da die drei erwähnten Charaktere alles andere als sympathisch gestaltet sind. Sie alle sind um ihren eigenes Wohlergehen, um ihren Aufstieg und ihre Befehle besorgt und scheren sich nicht um das Leid anderer. So wird in Patlorien fleißig gefoltert, während der Leser über so viel Kurzsicht und Unfähigkeit nur den Kopf schütteln kann.

Sardev könnte hier einen guten Gegenpol bieten, erhält aber zu selten eine Stimme. Zudem bleibt er insgesamt sehr blass, da er, verschmolzen mit dem Wolf, zu einer Marionette wird. In ihm ist nur Hass und Schmerz, aber keine Tiefe. Zieht der Wolf sich einmal zurück und gibt ihm etwas Freiraum, drängen gleich andere Charaktere in den Vordergrund, um ihm in einem Dialog die Handlung zu erklären oder ihn zu Mord anzustiften. So werden seine Gedanken größtenteils von den Gräueltaten bestimmt, zu denen er gezwungen wird. Gefangen in dem Wolf gelingt es ihm nicht, sich zu widersetzen, so ist er wie der Leser letztendlich nur passiver Beobachter – eine Rolle, aus der er erst gegen Ende ausbrechen kann.   

Letzte Hauptfigur ist der Brodem – zuerst ein See, in dem die Magie brodelt, entwächst aus ihm ein wabernder grauer Nebel, der jegliches Leben verschluckt. Als wäre das nicht schon bedrohlich genug, lässt Frick eine Armee aus toten Kriegern auferstehen. Dieses Totleben steht unter der Kontrolle des Magiers, der es auf grausige Feldzüge ausschickt. Warum er dies tut, bleibt allerdings unklar.

Trotz der vielen Charaktere gelingt es Frick die verschiedenen Stränge zusammenzubringen. Nicht ohne Längen und ohne Abschweife und einige Wiederholungen schafft er es am Ende eine gewaltige Schlacht abzuliefern. Diese begeistert auch durch Fricks realistischen Stil, der alle Sinne einbezieht. Für manchen mag es zu viel sein, ständig über stinkende Gedärme, Kot und Ähnliches zu lesen, die Schreie der Sterbenden in den Ohren zu haben, ihre klaffenden Wunden zu sehen und Sardevs körperliche wie geistige Qualen zu erfahren. Andererseits wird das triste Patloren so zur vollkommenen Leinwand für das harte Leben der Bauern, das Leid und den Krieg.

Beklagenswert ist, dass es keine Karte gibt. Diese hätte gerade in den Vorbereitungen der Schlacht geholfen, wenn Zarg-Nolesas, die durch die weite Hügellandschaft reitet, um den Brodem zu erforschen, oder um nachzuvollziehen, wo sich welcher Charakter grade aufhält. Ebenfalls etwas negativ fällt das Lektorat an zwei, drei Stellen auf. Rechtschreibfehler und so manche Formulierungen, die unfreiwillig komisch sind, lassen einen beim Lesen unnötig stolpern. Auch haben es einige Kontinuitätsfehler in den fertigen Roman geschafft, so erzählt zum Beispiel Zarg-Nolesas einem feindlichen Anführer vom Brodem und dem Zauberer und wundert sich Seiten später, woher dieser davon weiß.


Fazit

"Das blutende Land" verspricht, was es im Titel ankündigt: Krieg und Verderben – dargeboten in realistischen Beschreibungen. Leider benötigt Klaus N. Frick etwas zu lange, um all seine Figuren in Position zu bringen. Im Haufen unsympathischer Charaktere verliert der Protagonist Sardev, der mit einem Wolfgeist verschmolzen wurde und nicht mehr Herr seiner Sinne ist, an Bedeutung. Erst in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte Fahrt auf und nimmt den Leser mit in eine schroffe Welt voll uralter Magie, selbstsüchtigen Herrschern und eilfertigen Söldnern, deren Mangel an Vernunft das Land in den Untergang zu stürzen droht. Fricks Debut ist sicherlich kein schlechter Roman, findet im Angebot der Fantasyromane aber nur einen Platz im Mittelfeld.


Pro/Contra

+ anschaulich beschrieben
+ gut ausgearbeitete Welt

- einige Längen, gerade am Anfang
- ab und an Widersprüche/ Kontinuitätsfehler
- keine Karte
- Ungleichgewicht der Charaktere

Bewertung:sterne3.5

Charaktere: 3/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 07. Januar 2018
 

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