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Drood (Dan Simmons)
Geschrieben von Dennis
Samstag, der 14. November 2009
drood.jpg

Heyne Verlag (Oktober 2009)
gebunden mit Schutzumschlag und Leseband
976 Seiten, EUR 24,95
ISBN: 978-3453265981

Genre: Historik


Klappentext

London im Jahr 1865.

Bei einem dramatischen Eisenbahnunglück finden etliche Menschen den Tod. Unter den Passagieren, die die Katastrophe überleben, ist der bekannteste Schriftsteller Englands, wenn nicht der ganzen Welt: Charles Dickens.

Nach dem Unfall ist Dickens nicht mehr derselbe. Immer öfter taucht er in die Londoner Unterwelt ab, besessen von einem mysteriösen Mann namens Drood, dem er an der Unglücksstelle begegnet ist.

Aber ist dieser Drood überhaupt ein Mensch?


Rezension

Dan Simmons, dem man sonst eher in der Science-Fiction begegnet, wagt sich mit „Drood“ in die zeitlich genau entgegengesetzte Richtung und lässt das London der Viktorianischen Epoche wieder aufleben.
Dabei ist das ganze Buch aus Sicht des Schriftstellers Wilkie Collins geschrieben, der tatsächlich existiert hat. Dabei ist es so konzipiert, dass dieser Schriftsteller die geschilderten Ereignisse gezielt für „den Leser aus einer unerreichbar fernen Zukunft“, also jemanden aus unserer heutigen Zeit, niedergeschrieben hat. Durch diesen geschickten Schachzug interagiert der Erzähler, Wilkie Collins, einerseits immer wieder mit dem Leser, gibt Denkanstöße, lenkt Gedanken in bestimmte Bahnen. Andererseits ist es ihm dadurch möglich, immer wieder aufschlussreiche Details über das Leben im London des 19. Jahrhunderts zu liefern, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Details, die jemand, der 150 Jahre später lebt, natürlich braucht, die damals aber so selbstverständlich waren, dass sie in einem Roman aus der damaligen Zeit keine Erwähnung gefunden hätten.

wilkie-collins.jpgMit Wilkie Collins hat sich Simmons hinsichtlich der Charaktergestaltung, einem Merkmal, das in all seinen Werken maßgeblich ist, selbst übertroffen. Als guter Freund des weltberühmten Autors Charles Dickens erfährt dieser von der merkwürdigen Gestalt „Drood“, die Dickens seit dem Zugunglück immer wieder heimsucht. Die Nachforschungen, die die beiden daraufhin anstellen, führen sie mitten in die verruchtesten Winkel Londons, auf abgelegene Friedhöfe, unterirdische Katakomben, Opiumhöhlen.
Was folgt, ist eine bildhafte Schilderung von Collins Leben, in dem Drood immer stärker den Mittelpunkt einnimmt. Trotzdem erfährt der Leser auch eine Menge über seinen Alltag als Autor, über seinen Freund Charles Dickens und über das Leben und Leiden im viktorianischen London. Der berichtende Erzählstil lässt dabei den Roman besonders authentisch wirken. Collins erzählt weitestgehend chronologisch, fügt aber hin und wieder Ereignisse aus der Vergangenheit ein oder greift etwas vorweg, was dem Bericht sowohl Realität als auch eine gewisse Spontanität verleiht. Durch eine gelungene Leserführung kommt in dieser Hinsicht aber nie Verwirrung auf.

Geradezu meisterhaft fängt Simmons auch mit seinem Schreibstil das Flair der Epoche ein. Beinahe ist man versucht zu glauben, dass es sich bei „Drood“ tatsächlich um den Bericht eines Autors aus dieser handelt, was dem ganzen Buch natürlich einen besonderen Charme gibt. Dass Simons sich dabei nicht scheut, Begriffe der damaligen Zeit zu verwenden, die längst in Vergessenheit geraten sind und diese dann eigens in einer Tabelle im Anhang zu erklären, verstärkt diesen nur noch.
Aus den bildhaften Schilderungen und der Intensität, mit der Simmons dem Leser zu jeder Zeit des Romans lebhafte Bilder auf dessen geistige Leinwand zaubert, sprechen gleichermaßen schriftstellerisches Können wie Begeisterung für das Thema.
Letztere ist wohl auch notwendig für ein Buch, das von derartigem Rechercheaufwand zeugt. Seien es die Schriftsteller Dickens und Collins, seien es die damals gebräuchlichen Umgangsformen, das Stadtbild von London oder andere charakteristische Merkmale des 19. Jahrhunderts – alles wirkt glaubhaft und gewissenhaft recherchiert.

charlesdickens.jpgAuch wenn anfangs Charles Dickens das zentrale Thema des Romans scheint, so ist doch eigentlich der Protagonist und Erzähler – Wilkie Collins – das bei weitem spannendere Thema. Simmons zeichnet ein Bild von einem angesehenen Mann, der aber stets im Schatten des großartigen Charles Dickens steht und als Erzähler anfangs nur wenige Informationen über sich selber preisgibt.
Erst im Laufe des Romans wird dem Leser bewusst, welch Dramatische Figur der Ich-Erzähler eigentlich ist, geplagt von Gicht, Minderwertigkeitsgefühlen und – nicht zuletzt – von ausgewachsenen Wahnvorstellungen. Denn wenn dem Leser schließlich klar wird, dass Wilklie Collins vielleicht gar nicht so glaubhaft ist, wie er anfangs schien – freimütig gibt er zu, regelmäßig Opium in im Verlaufe des Buchs immer größeren Konzentrationen einzunehmen, gewinnt der Roman eine weitere spannende Ebene hinzu. Immer öfter sieht man sich mit der Frage konfrontiert, ob man gerade von einer Opiumphantasie oder von realen Gegebenheiten liest, merkt, wie Simmons regelrecht mit dem Leser spielt, wenn er die Grenzen zwischen Einbildung und Realität verschwimmen lässt. Und auch der Wandel, dem die Figur Collins im Laufe der Geschichte unterworfen ist, liest sich spannend und vermag zu beeindrucken.

Bei „Drood“ liegt der Schwerpunkt also noch stärker als sonst bei der Ausgestaltung der Charaktere und der Analyse ihrer Taten. Hierfür tritt die Handlung deutlich in den Hintergrund, kommt aber dennoch nicht zu kurz. Für all jene, die eher das temporeiche Vorantreiben der Handlung zu schätzen wissen, dürfte „Drood“ wohl etwas zu bedächtig sein.


Fazit

„Drood“ vereint alle Stärken von Dan Simmons in sich und lässt das 19. Jahrhundert vor dem geistigen Auge des Lesers lebendig werden. Mit stimmigem Schreibstil erzählt er die Geschichte des Verhältnisses zweier Autoren und schafft mit Wilkie Collins einen ausgesprochen interessanten Protagonisten, dessen Lebensgeschichte mal glücklich, mal traurig, dramatisch, gar mysteriös ist.


Pro und Kontra

+ authentische Erzählweise
+ gelungene Idee, einen Autor des 19. Jahrhunderts zum Protagonisten zu machen
+ sehr guter und stimmiger Schreibstil
+ interessante Charaktere
+ glaubhafte Schilderung der Lebensweise der viktorianischen Epoche
+ aufwendig recherchiert

o Handlung tritt hinter die Charaktere
o ausschweifende Erzählweise

Wertung: sterne5.gif

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 02. Dezember 2011
 

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