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Bernd Perplies (10.09.2010)
Geschrieben von Judith
Donnerstag, der 09. September 2010
Interview mit Bernd Perplies

Literatopia: Hallo Bernd! Erzähl doch bitte für alle, die Dich noch nicht kennen, ein bisschen von Dir. Wie wurde Literatur zu Deiner großen Leidenschaft? Und was reizt Dich gerade an der Phantastik?

Bernd Perplies: Ich denke, ich bin ein Mensch, der von Geburt an sehr reich mit Fantasie gesegnet wurde. Solange ich mich erinnern kann, habe ich Geschichten gemocht, in denen Ritter und Drachen und fremde Welten eine Rolle spielten. Als kleines Kind habe ich mit meinen Eltern „interaktive“ Gute-Nacht-Geschichten durchlebt. In der 4. Klasse habe ich bei der Deutschklausur überzogen, weil ich unbedingt noch mehr aus einem seltsamen Zauberreich erzählen wollte. Kaum dass ich lesen konnte, habe ich die halbe Dorfbibliothek verschlungen, darunter auch die ganzen dicken schwarzen Ueberreuter-Bände von Wolfgang und Heike Hohlbein. Ab der Mittelstufe entwickelte ich dann mit Freunden Pen-und-Paper-Rollenspiele, für die ich wiederum Kurzgeschichten schrieb. All das ging organisch ineinander über und hat mich zu dem gemacht, was ich bin: ein begeisterter Leser und Verfasser phantastischer Literatur.

Literatopia: Kommen wir gleich zur „Magierdämmerung“, Deinem aktuellen Romanprojekt. Im Prolog befinden wir uns auf dem Unterwasserboot „Nautilus“, das der Erbauer dem Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ entlehnt hat. Der Roman spielt im ausklingenden 19. Jahrhundert. Was fasziniert Dich an dieser Zeit? Kann man die „Magierdämmerung“ dem Steampunk zuordnen?

Bernd Perplies: Das ausgehende 19. Jahrhundert war – gerade für die Abenteuerliteratur – eine wundervoll produktive Epoche. Bram Stoker, Arthur Conan Doyle, H. G. Wells und Jules Verne (um nur ein paar zu nennen) schufen Geschichten, die heute allesamt als Klassiker der Phantastik gelten. Es war auch gesellschaftlich und technologisch eine faszinierende Zeit: Auf der einen Seite ebneten Errungenschaften wie die Telegrafie, das Automobil oder Elektrizität den Weg in die Moderne. Auf der anderen Seite existierten überall noch weiße Flecken auf der Landkarte, die den Forscherdrang und die Fantasie der Menschen anregte. Auch wenn weder das eine noch das andere explizit Thema in der „Magierdämmerung“ ist, zieht sich dieses Aufeinanderprallen von Technik und Mysterium doch wie ein roter Faden durch die Romane.

Ob die Trilogie „Steampunk“ ist, hängt davon ab, wie der Begriff definiert wird. Der engen, ursprünglichen Definition als Variante der Science-Fiction, in der es um fantastische Technik in einer pseudoviktorianischen Zeit geht, werden die Romane wohl nicht gerecht. Im Laufe der letzten Jahre wurde dieser Begriff jedoch meines Erachtens durchlässig und öffnete sich auch Dingen wie der Magie und wundersamen Wesen. In diesen neuen „modernen Steampunk“ ordnet sich die „Magierdämmerung“ recht gut ein.

Literatopia: Hast du Jules Vernes Roman gelesen oder kennst Du die echte Nautilus nur aus Verfilmungen? Und welche ähnlichen Werke gefallen Dir?

Bernd Perplies: Ich habe das Buch sogar mehrfach gelesen, und die Disney-Verfilmung aus dem Jahr 1954 zählte eine Weile zu meinen Lieblingsfilmen. Natürlich kenne ich auch etliche der anderen „Klassiker“, sowohl in gedruckter als auch in verfilmter Form: „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „Fünf Wochen im Ballon“, „Krieg der Welten“, „Die ersten Menschen auf dem Mond“. Vieles davon wird in „Magierdämmerung“ z. T. in winzigen Zitaten geehrt. Manche der Romane werden auch ganz offen, aber ohne einfach nur das Original zu kopieren, in die Handlung integriert – wie im Falle der Nautilus beispielsweise.

Literatopia: Auch das sagenumwobene Atlantis spielt anfangs eine wichtige Rolle, schließlich beginnt in diesen Ruinen die Veränderung der magischen Welt. Inwiefern wird Atlantis wichtig für den Verlauf des Romans sein? Und wie sieht Dein persönliches Atlantis aus? Wie viel von den Sagen hast Du für Deinen eigenen Entwurf übernommen, was verändert?

Bernd Perplies: Die Insel ist der Dreh- und Angelpunkt des Konflikts zwischen den verschiedenen Magierfraktionen, die in der Trilogie auftreten. Sie ist zwar fern von London, aber die Auswirkungen ihres Auftauchens nach dem Öffnen der Wahren Quelle der Magie bestimmt das Handeln aller Figuren auf die eine oder andere Art und Weise.

Mein „Atlantis“ bezieht sich dabei eigentlich nur auf den Ursprung des Mythos, nämlich Platons Dialog „Timaios“. Allerdings drehe ich den Spieß – im Gegensatz zu den meisten Atlantis-Romanen – insofern um, als dass ich nicht versuche, die Existenz von Platons Atlantis zu bestätigen, sondern ich (oder vielmehr der Magier Wellington) sage explizit, dass es Atlantis – wie man es kennt – nicht gibt! Wellington fasst das wie folgt zusammen: „Platons Atlantis existiert nicht. Ein gewaltiges Reich, groß wie ein halber Kontinent, existiert nicht. Es gibt jedoch – oder vielmehr gab es vor Tausenden von Jahren – ein kleines Eiland inmitten des Atlantiks, dessen Einfluss von enormer Bedeutung war, wenngleich auch nicht in politisch-militärischem Sinne. Und wie Platons von den Göttern verfluchtes Inselreich versank auch dieser Stadtstaat binnen eines Tages und einer Nacht in den Fluten der aufgewühlten See.“

Literatopia: Im ersten Kapitel erlebt man ein nächtliches London, die Straßen erhellt von Gaslampen. Die Beschreibungen wirken sehr authentisch – sind sie es auch? Hast Du intensiv recherchiert, vielleicht London besucht, um Dir ein genaues Bild zu machen? Oder sind Straßennamen etc. zwar passend aber doch eher frei erfunden?

Bernd Perplies: Ich würde sagen, sie sind im Rahmen der Möglichkeiten eines achtzig Jahre später Geborenen authentisch. Ich habe mit einem Stadtplan von 1897 gearbeitet, d.h. alle Straßennamen sind absolut echt. Und ich habe via „Google Street View“ so gut wie alle vorkommenden Schauplätze virtuell besucht und geschaut, ob dort noch Gebäude aus der damaligen Zeit stehen, die man in den Roman einbauen könnte. Der Fleischmarkt am Smithfield, die Polizeiwache am Snow Hill, das Wohnhaus des exzentrischen Magierdandys Jupiter Holmes, sogar die Gasse, in der Jonathan auf Dunholm trifft, gibt es alle wirklich. (Hm … vielleicht sollte ich einen Deal mit einem Anbieter von London-Trips machen … „Lesereise mit Sightseeing der Originalschauplätze“ …)

Literatopia: In Deinem neuen Roman zeichnet sich ein Magier dadurch aus, die Fäden, die die Welt zusammenhalten, sehen und manipulieren zu können. Eine Aura nimmt er beispielsweise als Fadenwerk wahr. Was hat es mit diesen Fäden auf sich?

Bernd Perplies: Grundlage für das Fadenwerk war eine Erinnerung an meinen Physikunterricht in der Schule. Ich fand den Gedanken damals faszinierend, dass wir nicht deshalb sehen können, weil unsere Augen aktiv etwas dazu beitragen würden, sondern weil Licht von der Sonne oder einer Lampe von Oberflächen reflektiert wird und in unsere Augen fällt. Es existiert also eine Verbindung zwischen den Dingen um mich herum und meinen Augen: in Form von Lichtstrahlen. Weitergedacht gibt es natürlich auch noch „Verbindungen“ in Form von Schallwellen, Wärmestrahlen und einigem mehr. Phantastisch vereinfacht wurde daraus das Fadenwerk, das diese Verbindungen sichtbar macht und das der kundige Magier nicht nur sehen, sondern auch mehr oder minder gut manipulieren kann.

Literatopia: Zu Beginn des Romans besucht ein kleiner Junge mit seinem Onkel eine Zaubershow. Während der Erwachsene sich köstlich amüsiert, versucht der Junge die Tricks zu durchschauen, was ihm recht gut gelingt. Wie sieht es bei Dir aus? Kannst Du Dich für Zaubertricks begeistern?

Bernd Perplies: Ich würde nicht sagen, dass ich ein großer Fan von Zauberdarbietungen bin, zumal man so etwas heutzutage ja kaum noch zu sehen bekommt. Aber ich ähnele insofern diesem Jungen, als dass ich ebenso neugierig bin zu erfahren, was hinter Phänomenen, die auf den ersten Blick wundersam erscheinen, wirklich steckt. Kurioserweise war ich wenige Wochen, nachdem ich die Szene geschrieben hatte, auf einer Hochzeit zu Gast, bei der ein Freund des Brautpaars als Zauberer auftrat. Und genau wie der Junge fand ich es fast reizvoller, herauszufinden, wie die Tricks funktionieren, als mich an den Tricks selbst zu erfreuen.

Literatopia: Wenige Seiten später erlebt man bereits den ersten Kampf vor der Kulisse einer dunklen Markthalle. Schreibst Du derart actionreiche Szenen gerne oder empfindest Du sie eher als schwierig? Worauf meinst Du, muss ein Autor achten, damit es nicht überzogen, vielleicht sogar lächerlich rüberkommt?

Bernd Perplies: Es kommt auf die Szene an und auf die Tagesform. Generell fällt es mir leichter, eine Szene, sei es ein Dialog oder Action, zu beschreiben, die ich vor meinem inneren Auge als Film ablaufen lassen kann. Manchmal kann ich dieses Kopfkino einfacher heraufbeschwören, manchmal habe ich mehr Schwierigkeiten.

Ab wann Action überzogen oder lächerlich wirkt, fällt mir schwer zu beurteilen. Ich lese praktisch nur Phantastik und schreibe nur Phantastik – und Magie bzw. Hightech erlauben eine Menge Zeug, das normalerweise völlig unmöglich wäre. Zugegeben gerate auch ich manchmal innerlich an meine Grenzen. Wenn z.B. – das sieht man in den letzten Jahren immer öfter im Kino – normale Menschen, und seien es Helden, in der Manier von Animefiguren unverwundbar und mit gewaltiger Kraft und Agilität über die Leinwand springen, wirkt das bisweilen doch etwas „over the top“.

Ich finde, es ist wichtig im Auge zu behalten, dass hier immer noch Menschen kämpfen. Und Menschen, auch wenn sie Magier sind oder ein Superheldenkostüm tragen, halten nur eine gewisse Menge an körperlicher Belastung aus, bevor sie schlicht und ergreifend erschöpft und zerschlagen sind. Das versuche ich immer im Blick zu behalten, wenn ich Actionszenen schreibe.

Literatopia: Erzähl uns doch ein bisschen von Deiner Trilogie um „Tarean“. Könnte man sie der High Fantasy á la Tolkien zuordnen? Hexenmeister, Schwerter und Kristalldrachen lassen jedenfalls darauf schließen. Welche klassischen Fantasyelemente finden sich in der Trilogie?

Bernd Perplies: „Tarean“ ist in meinen Augen eine Mischung aus High Fantasy und Action Adventure. Ich hatte vom Tonfall weniger Tolkien im Hinterkopf, als ich die Romane schrieb, als „Indiana Jones“ oder „Star Wars“. Ja, es gibt Drachen, böse Hexer, epische Schlachten und die klassische Heldenqueste. Es findet sich aber auch viel augenzwinkernder Humor zwischen den Figuren, etwa dem Jungen Tarean und dem Irrlicht Moosbeere oder der Albenschurkin Auril und ihrem Werbärenkompagnon Brom.

Die Atmosphäre changiert immer wieder von dramatisch, auch tragisch, zu leicht und humorvoll. Dass ihnen dieser Spagat so gut gelingt, liebe ich so an den Unterhaltungsfilmen der 1980er – neben den genannten beispielsweise auch „Ghostbusters“ oder „Terminator 2“ –, als deren geistiges Kind ich die „Tarean“-Trilogie verstehe.

Literatopia: Wie entwickelt sich Tarean in den drei Romanen? Und wie sehr ist er Dir als Autor ans Herz gewachsen? Gewöhnt man sich so sehr an einen Charakter, dass man bei neuen Projekten aufpassen muss, ihn nicht in neuem Gewand wieder aufleben zu lassen? Oder lässt Du alte Protagonisten einfach hinter Dir?

Bernd Perplies: Tarean ist zu Beginn ein einfacher Junge, der ziemlich isoliert in einer Burg am „Ende der Welt“ lebt. Das schwierige Erbe, mit dem er klarkommen muss, ist die Tatsache, als „Sohn des Fluchbringers“ aufzuwachsen, denn sein Vater half 16 Jahre zuvor dem Invasor und Hexenmeister Calvas versehentlich zum Sieg über die Reiche des Westens, die seitdem unterjocht sind. Im Laufe der drei Romane stellt Tarean sich nicht nur diesem Erbe, er reift auch von einem zornigen Jungen zu einer Art Anführer und trägt wesentlich dazu bei, dass die verschollenen Kristalldrachen und auch der von Calvas zerschlagene Orden der Kristalldrachenritter, denen Tareans Vater seinerzeit angehörte, wieder zurückkehren.

Natürlich wächst einem als Autor so eine Figur im Laufe von knapp 1300 Seiten ans Herz. Aber das betrifft nicht nur Tarean, sondern auch viele der anderen Figuren, mit denen ich sehr gerne unterwegs war – und mit denen ich auch immer wieder auf die Reise gehen würde, wenn mich jemand dazu einladen würde. Ob so eine Figur „in anderem Gewand“ in Folgeromanen wieder auftaucht, ist schwer pauschal zu sagen. Absichtlich sicher nicht. Unbeabsichtigt mag das passieren. Es gibt nur ein begrenztes Ensemble an „Archetypen“, aus denen man Romanfiguren bauen kann. Daher kann der „treue Freund“ durchaus hier ein Werbär und dort ein Londoner Arbeiter sein, der „Mentor“ kann hier als ein Ritter, dort als der Lordmagier eines britischen Zauberzirkels auftreten. Aber letztlich definiert sich eine Figur über ihren konkreten Hintergrund, ihre Sozialisation und die kleine Macken, die man ihr so verpasst, sodass sie sich doch stets ganz „eigen“ anfühlen.

Literatopia: "Das schleichende Grauen" ist ein Abenteuerspielbuch vor dem Hintergrund von Wolfgang Hohlbeins "Hexer"-Universum. Wie sieht dieses Universum aus? Und was ist eigentlich ein „Abenteuerspielbuch“?

Bernd Perplies: „Der Hexer von Salem“ war eine Heftromanserie, die zwischen 1985 und 1987 bei Bastei Lübbe erschien. Sie spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert und basiert als eine Art Pulp-Version auf Charakteren und Figuren des Cthulhu-Mythos des amerikanischen Horror-Schriftstellers H. P. Lovecraft. Dieser Mythos geht – grob vereinfacht – davon aus, dass vor Urzeiten grauenvolle Monstren, die „Großen Alten“, auf der Erde wandelten. Im Laufe der Jahrtausende verschwanden sie und zogen sich an die abgelegensten Orte des Erdballs zurück, um dort zu schlafen, bis „die Sterne richtig stehen“ und irgendwelche irren Kultisten sie aus ihrem Schlummer erwecken. Einzig Ruinen, seltsame Artefakt und antike Schriften erinnern noch an sie und wecken immer wieder die Neugierde von Menschen, die losziehen, um herauszufinden, was es damit auf sich hat (und die nicht selten im Wahnsinn enden).

„Das schleichende Grauen“ nun spielt im Berlin der 1920er Jahre. Es ist die Zeit des fantastischen Films. „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Der Golem“ und „Nosferatu“ lehren die Zuschauer in den Lichtspielhäusern das Fürchten. Auch der Protagonist der Geschichte befindet sich ganz im Banne des Zelluloids und ist in die Hauptstadt gezogen, um beim Film sein Glück zu suchen. Dabei kommt er während der Dreharbeiten zu dem Film „Das schleichende Grauen“ von Regisseur Harry Paul Liebwerk (!) einer Verschwörung von Kultisten auf die Spur, die furchtbare Pläne hegen. Ich sage nur so viel: Es hat was mit Sternen zu tun. :)

Ein Abenteuerspielbuch schlägt die Brücke zwischen Roman und Pen-und-Paper-Rollenspiel. Der Leser selbst wird zur Hauptfigur – man wird in diesen Büchern auch immer mit „Du“ angesprochen – und entscheidet, wie die Geschichte weitergeht. Entsprechend sind diese Bücher nicht in Kapitel unterteilt, die man nacheinander von vorne nach hinten durchliest, sondern in mehrere Hundert nummerierte Abschnitte, anderen Ende sich der Leser immer wieder entscheiden muss, wie die Handlung weitergehen soll. Je nachdem, welche Wahl er trifft, muss er zu einem anderen Abschnitt vor- oder zurückblättern. Das Abenteuer kann sich dabei völlig unterschiedlichen entwickeln.

Literatopia: Du übersetzt unter anderem „Star Trek – The Next Generation“ Romane für Cross Cult. Passen solche Romane genau in Dein Interessenfeld oder kannst Du eigentlich mit Star Trek eher weniger anfangen?

Bernd Perplies: Ich paraphrasiere mal einen Satz von Spock aus „Star Trek II: Der Zorn des Khan“: Ich war es und werde es immer sein – ein Freund des „Star Trek“-Universums. :)

Literatopia: Außerdem bist Du auch für Pegasus Spiele als Übersetzer tätig. Welche Spiele nimmst Du Dir dabei vor? Und wie „übersetzt“ man eigentlich ein Spiel? Wo liegt Deiner Meinung nach hier die Herausforderung?

Bernd Perplies: Für Pegasus übersetze ich vor allem kleinere Spielreihen, wie „Mystery Rummy“ und „Zombies!!!“. Dazu kam ich vor einigen Jahren über meine Arbeit als Redakteur des Online-Spieleportals Ringbote.de, und ich sehe diese Arbeit auch heute noch als willkommene Abwechslung für Zwischendurch. Man übersetzt ein Spiel, wie alles andere auch: indem man den englischen Text so überträgt, dass er für den deutschen Leser nicht nur verständlich ist, sondern auch Sinn ergibt. Dabei muss man bei einem Brett- oder Kartenspiel allerdings sehr genau hinschauen, denn bei den Begrifflichkeiten kommt es oft auf Details an. Heißt es in den Regeln „Zug“, „Runde“ oder „Partie“ (alles unterschiedliche Spiel-Zeiteinheiten)? Wie genau wurde – bei einer Spielereihe – ein bestimmter Kartentyp in den früheren Editionen bezeichnet? Muss man „einige“ oder „eine beliebige“ Karte „abwerfen“ oder „ablegen“? Auf solche Kleinigkeiten muss man achten, denn Informationen in Regelheften und/oder auf Spielkarten werden oft extrem verdichtet präsentiert.

Literatopia: Im März warst Du aus der Leipziger Buchmesse auf der Fantasy-Leseinsel vertreten. Wie hat es Dir dort gefallen? Und empfindest Du Leipzig auch als besucherfreundlicher als Frankfurt?

Bernd Perplies: Ich habe jetzt zwei Mal in Leipzig gelesen, und es hat mir jedes Mal viel Spaß gemacht – sowohl die Lesung selbst als auch das Treiben um die Messe herum. Es scheint mit auch so, dass die Leipziger Messe sich stärker an Besucher als an Geschäftsleute richtet. Ein mir bekannter Verleger sagte einmal, dass man nach Leipzig fahre, um sich zu präsentieren, nach Frankfurt, um Deals zu machen. Ein weiteres wichtiges Indiz: Man kann die Bücher, die man überall sieht, auch gleich kaufen! Das geht in Frankfurt nicht, was ich schon immer ein Unding fand. Und auch die Events abends in der Innenstadt finden in Leipzig einen irgendwie charmanteren Rahmen als in der Bankenmetropole Frankfurt. (Aber vielleicht erscheint mir das auch nur so, weil ich in Leipzig jedes Jahr drei Tage lang „Messeurlaub“ mache, während ich die Frankfurter Buchmesse, von Mainz pendelnd, eher wie ein Berufstätiger besuche.)

Literatopia: Du unterhältst seit über drei Jahren einen eigenen Blog. Was finden die Leser dort? Bloggst Du hauptsächlich über Dein Autorenleben oder einfach alles, was Dir interessant und wissenswert erscheint? Und wie regelmäßig kommst Du zum Bloggen?

Bernd Perplies: Ich blogge fast ausschließlich über Dinge, die mit meinem Schreiben zu tun haben. Das können Ankündigungen von Terminen sein, Informationen über neue Buchprojekte oder ein Bericht über ein Con, das ich besucht habe. In manchen Monaten kommen hierbei mehr Einträge zustande, in manchen weniger, je nachdem, was bei mir so passiert. Generell sind es allerdings selten mehr als vier Einträge im Monat.

Literatopia: Welchen Stellenwert hat das Internet für Dich als Autor? Denkst Du, in der Phantastik ist die Präsenz im World Wide Web umso bedeutender, oder stehen da alle Genres gleich?

Bernd Perplies: Für mich ist das Internet zweifellos ein wichtiges Werbeinstrument, denn ich kann mich hier so ausführlich präsentieren wie ich will, wobei die Grenzen nicht durch irgendein Werbebudget, sondern nur durch meine Bereitschaft, Arbeitszeit zu investieren, gesetzt sind. Während es für Autoren, die nicht unbedingt zur Bestsellerriege gehören, eher ungewöhnlich ist, dass sie Anzeigen in namhaften Printmagazinen oder Besprechungen in großen Tageszeitungen erhalten, ist das Internet ein großer, weiter Raum, der einen Jungautor ebenso zu Wort kommen lässt wie einen langjährigen Schriftsteller-Veteranen.

Ob die Phantastik nun eine besonders ausgeprägte Präsenz im Netz hat, kann ich nicht sagen. Als Genre, das sich vor allem an jüngere Leser richtet, ist es sicher prädestinierter für eine Auswertung über virtuelle Kanäle als etwa Bergdoktorromane oder so genannte „hohe“ Literatur. Aber ich nehme an, dass es ebenso viele Communitys für Krimis, historische Romane und Schmachtfetzen gibt, wie für Fantasy oder Science-Fiction.

Literatopia: Welche Bücher finden den Weg in Dein Bücherregal? Welche Genres bevorzugst Du? Und wovon lässt Du Dich beim Bücherkauf beeinflussen (ansprechendes Cover, Klappentext, …)?

Bernd Perplies: Ich lese und sammle fast ausschließlich Science-Fiction. Mag komisch klingen für einen Autor fantastischer Bücher, aber vielleicht ist das eine Art nötiger Ausgleich. Wenn man tagsüber mit dem Schwert in der Hand durch Mittelerde gestapft ist, möchte man abends eben lieber in den Sitz eines Raumschiffcockpits klettern, als noch ein paar Meilen mehr durchs Zauberland zu marschieren.

Literatopia: Beschäftigst Du Dich derzeit vollauf mit der Magierdämmerung oder schwirren Dir schon neue Romanprojekte im Hinterkopf herum? Was hast Du Dir für 2011 vorgenommen? Und wo kann man Dich dieses Jahr noch auf einer Lesung erleben?

Bernd Perplies: In der Tat nimmt die „Magierdämmerung“ (Band 2 und 3, die im Frühjahr und Herbst 2011 erscheinen) im Augenblick einen Großteil meiner Zeit ein. Aber natürlich wird hinter den Kulissen schon über Nachfolgeprojekte gesprochen. Was genau passieren wird, kann ich allerdings noch nicht sagen. Der Schauplatz ist schon sicher: eine große Stadt. Aber ob die Handlung in einer fantastischen Vergangenheit, einer grimmigen Gegenwart oder einer postapokalyptischen Zukunft spielt, muss noch entschieden werden.

Möglichkeiten zur Begegnung mit mir – sei es virtueller oder wirklicher Natur – gibt es in diesem Jahr noch einige, etwa beim Rheinlesen in Köln, den Fantasydays in Düsseldorf und dem Buchmesse-Convent in Dreieich. Details mögen Interessierte meinem Veranstaltungskalender auf Facebook entnehmen, der für alle einsehbar ist.

Literatopia: Herzlichen Dank für das schöne Interview, Bernd!


Homepage von Bernd Perplies (inklusive Bonusmaterial zur Magierdämmerung)

Interview mit Bernd Perplies (2012)

Rezension zu "Imperium der Drachen - Das Blut des Schwarzen Löwen" (Band 1)

Rezension zu "Imperium der Drachen - Kampf um Aidranon" (Band 2)

Rezension zu "Frontiersmen - Höllenflug nach Heaven's Gate" (Band 1)

Rezension zu "Magierdämmerung - Für die Krone" (Band 1)

Rezension zu "Magierdämmerung - Gegen die Zeit" (Band 2)

Rezension zu "Magierdämmerung - In den Abgrund" (Band 3)

Rezension zu "Flammen über Arcadion" (Carya, Band 1)

Rezension zu "Im Schatten des Mondkaisers" (Carya, Band 2)

Rezension zu "Das geraubte Paradies" (Carya, Band 3)


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 24. September 2016
 

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