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Normale Version: Brandon Sanderson on Writing Science Fiction and Fantasy: #2 / #3 Plot
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Youtube-Vorlesung: Brandon Sanderson on Writing Science Fiction and Fantasy
#2 Plot Part 1 und #3 Plot Part 2

16. Mai - 13. Juni 2020

Es kommt nun die Doppelfolge zum Thema Plot, daher hier mal ein etwas größerer Zeitraum. Falls wir viel früher fertig sind, können wir natürlich auch vorzeitig weiterrücken.

Viel Spaß beim anhören und diskutieren! Read


NACHTRAG:
Sanderson spricht in der Doppelfolge über "Plot Archetypen".
Hier sind zwei Listen von Plot Archetypen:
- Liste und Kurzbeschreibung 20 Master Plots (Ronald Tobias) http://changingminds.org/disciplines/sto..._plots.htm
- Liste und Kurzbeschreibung 7 Basic Plots (Christopher Booker) https://de.wikipedia.org/wiki/The_Seven_Basic_Plots


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Wer Probleme hat, der Vorlesung auf Englisch zu folgen, kann unter "Einstellungen" (Rädchen) englische Untertitel aktivieren.

Übersicht über den Diskussionskreis
Bin gespannt auf eure Meinungen! Read
Habe nun beide Videos geschaut. Dabei fiel mir auf, dass #4 eigentlich auch noch zu dem Themenkomplex gehört, darin werden Fragen zum Thema Plot beantwortet...

Zu den zwei Plot-Vorlesungen:

Das erste Video ist sehr übergreifend gehalten. Sanderson spricht im Prinzip über Anfang - Mitte - Schluss und was diese leisten müssen: ein Versprechen an den Leser (Anfang) - Fortschritt auf den Achsen der Geschichte (Mitte) - "Payoff" (Schluss).

Das zweite Video wird etwas konkreter. Sanderson zeigt, wie er sein Outline (Vorbereitung vor dem Schreiben) gestaltet. Dabei muss er etwas ausholen und über Archetypische Plots sprechen (Meister-Schüler-Plot, Rätsel-Plot, Romance, Heldenreise...). Auch vom Dreiakter spricht er etwas. Auf dieser Grundlage zeigt er dann sein "outline", und ganz ehrlich: Diese letzten 30 Minuten waren es, da hat es bei mir Klick gemacht. Das fand ich sehr hilfreich.

Ich habe bemerkt, dass ich die konkrete Schreiberfahrung von Autoren hilfreich finde. Also so etwas wie:
- Wie sieht Sandersons Outline aus
- Sanderson legt sich ein Wiki für seine Welten an
- Sanderson legt in seinem Outline das Ende fest und erst danach die Schritte, die zu diesem Ende führen
- Sandersons Freundin schreibt jedes Buch zwei Mal: 1x als "discovery writer" aus dem Bauch heraus und danach nochmal von vorne, dieses Mal mit mehr Plan. Faszinierend.

Insgesamt fand ich die Vorlesungen arg anekdotenhaft. Sanderson verliert sich da teils ganz schön in Ausschweifungen über bestimmte Filme / Bücher. Ich hatte den Eindruck, er macht das alles ziemlich spontan. Aber gut, es gab wie oben beschrieben dann doch noch ein paar Punkte, die mich ansprachen.

Was mir sehr geholfen hat war auch die Rolle, die er dem Plot zusprach. Mein "Problem" ist eni wenig, dass ich mich echt verdammt wenig für Handlung interessiere. Ich mag Charaktere und außergewöhnliche Settings und wie sie sich verlieben interagieren ... und bei der Handlung im engeren Sinne habe ich dermaßen oft einfach einen weißen Fleck auf der Hirnlandkarte ... Sanderson aber meint, der Plot muss nicht außergewöhnlich sein bzw. es gibt bestimmte Plot-Architekturen, an die die Menschen gewöhnt sind und die man auch nicht zwingend verlassen muss. Die zugrundeliegende Plot-Struktur ist nicht besonders flexibel. Wichtig sei, dass man sie gut umsetzt, dass man die Geschichte gut erzählt. "Der Autor macht die Idee gut", nicht "die Idee macht den Autor gut". Irgendwie hat mich das beruhigt  Icon_confused 
Ich hatte auch schon zuvor die Idee gehabt, mir einen Roman als "Vorlage" für mein Buch herzunehmen und mich im Aufbau daran zu orientieren. Jetzt denke ich, es könnte sich für mich lohnen, die verschiedenen Archetypen genauer anzusehen und mir daraus "Schablonen" herauszupicken. Die muss ich dann "nur" noch befüllen. Mir fiel dann auch wieder ein, dass es ein Buch namens "20 Master Plots" von Ronald B. Tobias gibt. Ich meine, das wurde auch hier irgendwo mal empfohlen (Sniffu...??).

Kurz gesagt, auch wenn ich die Vorlesung objektiv nicht so gut fand, hat sie mich trotzdem weitergebracht. Vor allem alles, was den Perfektionismus zerballert, hilft mir immer sehr viel weiter. Zum Beispiel die Anekdote, dass es eine Autorin gibt, die ihre Bücher einfach zwei Mal schreibt, weil sie es beim ersten Mal halt einfach nicht sofort gut kann. Ich muss da mal ein bisschen probieren, was für mich passt, hab mir einige Anregungen mitgenommen... das wichtigste: ich fühl mich wieder motiviert Icon_smile
Du scheinst jetzt ungefähr gleich weit wie ich zu sein, Ichigo.


Zitat:Insgesamt fand ich die Vorlesungen arg anekdotenhaft. Sanderson verliert sich da teils ganz schön in Ausschweifungen über bestimmte Filme / Bücher. Ich hatte den Eindruck, er macht das alles ziemlich spontan. Aber gut, es gab wie oben beschrieben dann doch noch ein paar Punkte, die mich ansprachen.

Ich habe das Problem, dass er vieles durch die Fragen seiner Student*innen abdeckt. Finde ich okay, da die ja zum Lernen da sind, doch dadurch eignen sich die Vorlesungen nur bedingt, da er von allein gefühlmäßig 30% Theorie reinbringt und die dann anhand von exemplarischen Antworten auf die Fragen seiner Klasse veranschaulicht. Darum schaue ich die Videos nur nebenbei (oder im Moment gar nicht), weil für die 1 Stunde ziemlich wenig Input rumkommt.

Zitat:Mir fiel dann auch wieder ein, dass es ein Buch namens "20 Master Plots" von Ronald B. Tobias gibt. Ich meine, das wurde auch hier irgendwo mal empfohlen (Sniffu...??).

Ich glaube, das hast du nicht von mir. Was ich empfehlen kann, ist Anatomy of Story von John Truby, ab Seite 66 wird auf Archetypen der Figuren eingegangen.

Zitat:Zum Beispiel die Anekdote, dass es eine Autorin gibt, die ihre Bücher einfach zwei Mal schreibt, weil sie es beim ersten Mal halt einfach nicht sofort gut kann.

Ich schreibe meine Romane nicht von A bis Z neu, aber ich überarbeite sie sooft, dass da sicher schon mehrere Bücher entstanden sind, während ich auf der Suche nach "dem einen" bin. Icon_wink  Perfektionismus ist mies, zwei Dinge helfen mir da immer, mich von meiner perfektionistischen Veranlagung zu distanzieren:
  • Keine Angst vorm Löschen. Kein Wort ist in Stein gemeißelt, Back-ups lassen sich locker erstellen, man kann nur gewinnen, wenn man offen für Veränderungen ist
  • Die anderen sind nicht perfekt. Das, was bei anderen so leicht ausschaut, ist das Produkt von jahrelanger Arbeit und Durchhaltevermögen plus dann einem mehrköpfigen Team (Lektorat, Korrektorat etc.), das nach außen nie so offen kommuniziert wird, sodass leicht das Bild einer Person entsteht, die über Nacht eine tolle Geschichte aus dem Ärmel geschüttelt hat. Sich mit so einer idealisierten Form eines*r Autor*in zu vergleichen, ist verheerend.
Dann wurde "20 Master Plots" vielleicht in einem anderen Schreibratgeber empfohlen ... Es hat auf Amazon auf jeden Fall auch gute Bewertungen, wobei einige meinen, es sei ein bisschen oberflächlich. Mag sein dass auch Googeln reicht, allerdings hab ich sowas echt gern als Buch vor mir liegen .... Mal schauen!

Wenn Sanderson sehr viel über Fragen macht, dann bin ich mal gespannt auf dir nächste Folgev Fragen und Antworten zum Thema Plot.

Mit Perfektionismus meine ich im Moment alles, was mich davon ABHÄLT zu schreiben ... Ich komme ja gar nicht so weit dass ich mich im Überarbeiten verlieren könnte, weil ich schon vorher denke, ich müsste alles besser machen und mehr vorbereiten und dann bleibt alles stecken.
Aber ich nähere mich der Sache ... Im Moment habe ich mir eine Woche Texturlaub verordnet, aber nächste Woche geht es wieder weiter, ich muss nur mal schauen wie eigentlich ...

Sanderson meint ja in einem der Plot Videos, dass sich viele seiner Bücher aus mehreren Ideen speisen, die er kombiniert. Das brachte mich auf die Idee, Ideenfragmente nicht nacheinander auf einen Zettel runterzulisten, sondern stattdessen auf Kärtchen zu schreiben. Die könnte man dann vor sich ausschütten und hin und her schieben, was zueinander passen könnte.

Im Moment hab ich allerdings gar nicht das Bedürfnis nach ganz neuen Ideen, sondern eher danach, die alten Ideen auszuarbeiten. Muss mal überlegen wie ich das mache. Könnte evtl gut passen, pro Projekt ein weißes Heft zu holen, in das ich dann wild kritzeln kann. Denn bis ich die Übersetzung und Kurzgeschichte abgeschlossen habe, bleiben Romane definitiv in der Brainstorming Phase.
Das mit den Heften hab ich tatsächlich von Anfang an gemacht. Kaum was geschrieben bisher, aber schon ein Stapel Hefte auf meinem Schreibtisch, für jedes Projekt eines. Dazu Ideenfragmente auf Karteikarten...? Probiere ich aus, sobald es sich lohnt.
Wie viele Projekte hast du?

Ich bin noch nicht sicher mit den Heften ... Mal schauen mal schauen. So viel zu probieren.
Zitat:[...] weil ich schon vorher denke, ich müsste alles besser machen und mehr vorbereiten und dann bleibt alles stecken.

Man muss sich einfach von der Idee verabschieden, es gäbe ein Perfekt. Ich weiß, das ist alles andere als einfach. Frag dich doch mal, woher kommt dieser Anspruch, allzeit das Beste herauszuholen? Bei mir resultiert er aus Vergleichen mit anderen. Sobald ich das mal ausgeblendet habe, fällt es mir wesentlich leichter, einfach drauf loszuschreiben, weil ich dann völlig losgelöst in der Geschichte versinken kann.

Das, was ihr über Hefte und Karteikarten löst, mache ich mit Datenbanken bzw. Dokumente. Für mich ist das ein viel übersichtlicheres Medium, meine Notizen lassen sich so besser strukturieren und auch durchsuchen.
Zitat:Das, was ihr über Hefte und Karteikarten löst, mache ich mit Datenbanken bzw. Dokumente. Für mich ist das ein viel übersichtlicheres Medium, meine Notizen lassen sich so besser strukturieren und auch durchsuchen.
Wenn ich mir eine Welt aufbaue, werd ich mir auch eine Datenbank anlegen, sobald es sich lohnt. Es ist definitiv übersichtlicher. Trotzdem bin ich altmodisch, ich schreibe lieber auf gutem alten Papier, zu Hause sogar oft mit Tintenfass und Feder  Icon_ugly

Zitat:Wie viele Projekte hast du?
Ichigo, da gibt's bei mir zwei Kategorien, die man unterscheiden muss. Ich hab 7 solcher Hefte, aber die meisten sind nicht über eine Beschriftung auf dem Umschlag hinausgekommen. Eines, wo wirklich eine Menge Rechercheergebnisse drinnen stehen, und ein weiteres Projekt ohne Heft.
Ich muss die Zwei Seelen befriedigen: Den Träumer (discovery writer, Kreativling, pantser) und den Planer.

Ein Heft stelle ich mir als Ort vor, wo der Träumer kritzeln darf (malen, brainstormen, Dinge einkleben, mit Silben spielen, mit Ideen spielen ... Oder auch mal drauf losschreiben, aber ohne Bewertung.

Die Bewertung beginnt erst beim Planer, der kann sich daraus ziehen was ihm brauchbar scheint und das zusammenführen. Dafür ist der loseBlattOrdner oder auch Dateien wahrscheinlich voll okay, aber der Träumee fühlt sich in dem Setting einfach nicht wohl Icon_smile
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