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Normale Version: Brandon Sanderson on Writing Science Fiction and Fantasy: #4 Perspektiven
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Youtube-Vorlesung: Brandon Sanderson on Writing Science Fiction and Fantasy
Video #4

20. Juni - 30. Juni 2020


Teil 1 (bis Minute 38): Plot Q&A
Sanderson beantwortet Fragen der Studierenden zum Thema Plot. Wer in Eile ist, kann das guten Gewissens überspringen oder sich die interessant erscheinenden Fragen herauspicken. Hier ist eine Liste der Fragen, die Sanderson abarbeitet:
0:41 How long is too long for an introduction?
6:49Can you give us a master list of all the plot archetypes? (Antwort: Nein)
9:42 How can I more effectively nest plots and not make them feel like diversions?
17:25 How can I avoid cliche plot twists?
24:15 Can a story be episodic and still keep you turning the page?
27:27 Does there always have to be a twist?
31:27 How can I tell if it's my character or my plot that needs to change? Also advice on overcoming writer's block for newer writers

Welche der Fragen interessieren euch?
Hättet ihr noch andere Fragen gestellt? Icon_smile


Teil 2 (ab Minute 38): Mini-Vorlesung "Perspektive"

Die letzten zwanzig Minuten des Videos gibt Sanderson so etwas wie eine Mini-Vorlesung zum Thema "Perspektive". Diese war im Forum ja schon häufiger Gegenstand von Fragen (Welche Perspektive wählte ich?), Problemen und Stolpersteinen. Daher bin ich nun gespannt, ob euch die Vorlesung noch den ein oder anderen Aha-Effekt bringt Icon_smile


Viel Spaß beim anhören und diskutieren! Read



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Wer Probleme hat, der Vorlesung auf Englisch zu folgen, kann unter "Einstellungen" (Rädchen) englische Untertitel aktivieren.

Übersicht über den Diskussionskreis
Okidoki, habs gleich angeschaut.
Leider aus meiner Sicht eine schwache Folge.

Eine Liste der Plot Archetypen wäre auch genau meine Frage gewesen und ich musste echt mal ordentlich die Augen rollen, dass Sanderson eine solche Liste NICHT hat. Alter, du hältst JEDES Jahr diesen Kurs, da würde sich etwas Vorbereitung und Unterlagen schon echt lohnen! Grrr. So was mag ich gar nicht. "Ich bin so klug, ich muss mich nicht vorbereiten."

Außerdem hätte er auch mal kurz auf Google gehen können, denn es gibt durchaus Listen im Internet:
- Liste und Kurzbeschreibung 20 Master Plots (Ronald Tobias)
- Liste und Kurzbeschreibung 7 Basic Plots (Christopher Booker)

Naja, Sanderson war in den drei vorangegangenen Videos so hilfreich und nett motivierend, dass ich ihm vermutlich nicht lange grollen kann.



Zur Mini-Vorlesung über Perspektiven:

Ich hatte mir davon was erhofft, weil das ja so oft Thema im Forum war. Ist aber aus meiner Sicht nicht wirklich hilfreich.
Wer das Video ansieht und verwirrt ist von den verschiedenen Perspektiven, die er darstellt: Die drei wichtigsten sind

- "Flashback / 1st person": Erste Person (Ich-Erzählung) als Rückblende. Hier weiß der Leser in der Regel, dass der Erzähler am Ende der Geschichte noch leben wird, sonst könnte er die Geschichte ja nicht erzählen. Man kann aber schön mit dem Kontrast zwischen dem jungen Protagonisten in der Vergangenheit und dem alten Protagonisten in der Gegenwart spielen. Wie jeder Ich-Erzähler kriegt man eine sehr persönliche, intime Erzählweise.

- "Cinematic / 1st person": Erste Person (Ich-Erzählung) aus dem Moment heraus, d.h. man erlebt mit dem Protagonisten gemeinsam die Geschichte, als ob sie gerade passiert. Sanderson meint, diese Erzählweise sei in der Regel im Präsens verfasst, ich halte das für ein Gerücht, da die allermeisten Bücher in der Vergangenheitsform erzählt sind. Auch hier natürlich wieder die intime Erzählweise.

- "Limited omniscient / 3rd person": Dritte Person (er / sie). In dieser Erzählweise ist es relativ leicht, in verschiedene Köpfe reinzuschauen. (Beim Ich-Erzähler dagegen ist es komisch, wenn der Leser mehrere Personen aus der ich-Perspektive erlebt.) Sanderson nennt es "limited omniscient" (begrenzt allwissend), weil man eben nicht nur EINEN subjektiven Erzähler hat, sondern auf die Informationen von mehreren Personen zugreifen kann - nur nicht alle auf einmal, sondern einer nach dem anderen. Man springt nacheinander in verschiedene Köpfe, NICHT in alle gleichzeitig. Ich finde es trotzdem seltsam, die Perspektive auch nur annähernd als allwissend anzusehen, da jede der Figuren sehr subjektiv sein kann und da der Autor meist auch nicht in alle springt, sondern in eine Auswahl.

Joa, aus meiner Sicht ist diese Folge vernachlässigbar. Cowsleep 

Ich hoffe die nächsten werden wieder besser. Ich bin auf jeden Fall schon ziemlich gespannt, was Sanderson als ausgesprochener SciFiNerd zum Thema WorldBuilding sagt!
Der Zeitraum neigt sich schon wieder dem Ende zu. Ist noch jemand dabei?

Da ich das Thema Perspektive fürs Forum eigentlich sehr wichtig finde, hab ich mal ein bisschen gegoogelt, aber so richtig glücklich bin ich nicht mit dem Suchergebnis. Ich weiß auch nicht warum Artikel auf Deutsch so gerne alles so kompliziert machen ... Habt ihr vielleicht einen guten Artikel gefunden? An was orientiert ihr euch in Sachen Perspektive?
Wenn die alle so kompliziert sind, musst du vielleicht einfach mal selber einen einfachen schreiben Icon_wink
Zitat:Da ich das Thema Perspektive fürs Forum eigentlich sehr wichtig finde, hab ich mal ein bisschen gegoogelt, aber so richtig glücklich bin ich nicht mit dem Suchergebnis. Ich weiß auch nicht warum Artikel auf Deutsch so gerne alles so kompliziert machen ... Habt ihr vielleicht einen guten Artikel gefunden? An was orientiert ihr euch in Sachen Perspektive?


Perspektive ist für die Schreibenden sicherlich wichtig, aber hast du schon mal bewusst Bücher aus der Buchhandlung auf den Aspekt Perspektive abgeklopft? In zeitgenössischer Literatur wird die Ich-Perspektive relativ sauber umgesetzt - wobei man sagen muss, das ist auch die Perspektive, in der ein Fehler am offensichtlichsten ins Auge sticht. Doch auch hier finden sich immer wieder Fehler, die als solche nicht erkannt, sondern toleriert werden. Formulierungen wie "Ohne es zu merken, habe ich das und das getan" - na was denn nun? Wenn du es nicht gemerkt hast, kannst du es auch nicht beschreiben. Oder auch generell die Informationen, die beschrieben werden, sind oftmals nicht authentisch, zB. in der eigenen Beschreibung. Die wenigsten Menschen werden ohne Zusammenhang sagen "Ich band mein schwarzes Haar zusammen" und dennoch sind solche Formulierungen gang und gäbe.

Die Abgrenzung zwischen auktorial und personal ist schwierig, was vielleicht auch daran liegt, dass auch hier wieder die zeitgenössische Literatur ungenau ist. (Ich habe schon lange keinen "Klassiker" mehr gelesen, kann mir aber vorstellen, dass man früher normativer war. Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass man auktoriale Perspektive oft in englisch- und deutschsprachiger Literatur des 19. Jhdts. und früher antreffen kann. Aber auch in anderen europäischen Sprachen, da ja das Element der Aufklärung lange vorherrschend war und eine allwissende Stimme ein beliebtes Stilmittel war)

Aber ja, ich kann deinen Eindruck bestätigen, dass Perspektiven entweder stiefmütterlich oder unzubefriedigend behandelt werden. Darum kann ich dir hier keine Quellen nennen. Generell gilt: Wer erzählt? Ein Ego (= Ich-Erzähler*in), das die Welt nur aus eigenen Augen betrachten und erleben kann; eine oder mehrere Figuren, die du ans Mikro lässt (= personal), die mithilfe des inneren Monologes und Gedankensplitter der ersten Person eigentlich in nichts nachstehen; oder jemand, der die Geschichte nicht erlebt, sondern nur nacherzählt (= auktorial).
Wenn das mal geklärt ist, musst du dich bei jedem einzelnen Satz fragen - Kann meine Erählfigur das wissen? Und ja, wie würde sie darüber denken?