Literatopia

Normale Version: Im Regen geboren (Ausstieg)
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« 4. (nirgendwo) Mutter


Ausstieg: Hinter dem Feuer

Leah fühlte sich wie ein Strichmännchen, dessen Rückgrat am Hals abgeknickt war. In ihrem Nacken saß Schmerz, Taubheit füllte Arme und Beine. Sie hob den Kopf ein Stück, woraufhin ihre Augen sofort wieder zuklappten. Mühsam öffnete sie die Lider erneut und erblickte ein Wohnhaus vor sich, dessen Fassade tiefschwarz gefleckt war. Die Scheiben der Fenster waren gesprungen, als hätte die Zeit daran gefressen und niemand darauf aufgepasst. Sie fokussierte eines und atmete tief durch.
Als Leah den Kopf gegen die Wand lehnte, hörte sie Staub durch ihre Hirnwindungen rieseln. Erst als sie mit der Hand nach einem Ohr griff, spürte sie, dass es nur der Sand war, der in ihrem Gehör klebte. Der Backstein massierte ihren Hinterkopf. Langsam kroch die Betäubung aus ihren Gliedmaßen.
In einer Pfütze neben ihr trieb ein Zigarettenstummel, räkelte sich für Sekunden in der Morgensonne und ging unter. Sie legte eine Hand in das Wasser und spürte den Staub aus ihren Poren kriechen.
Dann kauerte sie sich wieder zusammen, der Wind zerrte an ihrer Gestalt, als wollte er sie in die Fremde ziehen. Doch sie blieb sitzen, richtete den Blick wieder auf das Fenster und wartete auf die letzte Sonnenwärme dieses Herbstes. Ihr Kopf begann zu arbeiten.
Ein Spaziergang, ortlos, zeitlos früher, Schritte auf Schottergründen. Ein Sommerklang lag ihr im Ohr und sie ordnete die Töne Bildern zu, die nicht einmal mehr Erinnerung waren. In ihren Gedanken malte sich eine Puppe in ihren Arm; sie lächelte, ehe ein Auto hupend vorbeizog und sie mit Pfützenwasser bespritzte.
Ein Abendbrotstisch, Spiegeleier mit Speckwürfeln und Zitronenlimonade. Müde Gespräche über vergangene Stunden, Bewegendes und das Wetter. Dann ein Gutenachtkuss und vor dem Fenster das Licht einer Straßenlampe, halbmondgleich.
Einsamkeit zuckte durch ihre Fingerspitzen; der Impuls breitete sich durch die Venen aus, bis er in ihrem Bauch angelangt war. Für immer nicht mehr. Sie presste die Lider erneut aufeinander und wollte sie nicht mehr öffnen, wollte verschwinden; bewegungslos. Im festen Glauben, sie müsste nur so lange wie möglich unsichtbar bleiben, um es zu schaffen, drückte sie den Kopf fester gegen die Backsteinmauer hinter sich.
Ob, und was wenn, sie doch wieder aufwachte? Ob, und was wenn, sie doch jemand sah? Ob, und was wenn, sie doch nicht verschwand. Ihr Körper ruhte.

Spitzhackige Schritte auf Asphalt näherten sich, zielsicher. Das Geräusch wurde lauter, Zeitschläge auf abgelaufenen Wegen. Lauter, immer lauter, immer schneller. Immer näher.
Plötzlich verstummten die Schritte. Mandarinenduft.
Leah spannte die Schultern in Erwartung an. Unsichtbar in sich.
Ein Räuspern, das Gefühl, beobachtet zu sein, und schließlich eine Frauenstimme.
„Bist du Leah?“
Sie wand sich aus ihrer Bewegungslosigkeit, blickte auf. Der Fremden fehlten die Konturen, verwischte Gesichtszüge geschmückt mit Igelaugen.
„Bist du Leah?“
Sie betrachtete die Frau noch ein paar Sekunden. Tiefbraunes Haarkleid, schwarzer Trauermantel. Das fremde Gesicht beugte sich zu ihr hinunter. Eine Hand ruhte auf ihrer Schulter.
„Leah?“
Sie schloss die Augen, atmete tief durch, dann nickte sie vorsichtig.
Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort, ihre Füße folgten nach. Weil Stillstand Tod wäre.

Persephone

Guten Abend Libbi
Das Ende deiner Geschichte verwirrt mich, das heißt, wenn dies das Ende sein soll. Also ich versuche mal zu konstruieren. Die Fremde ist die Mutter und hilft Leah. Aber die Mutter ist doch gestorben. Für mich macht das Ende irgendwie keinen richtigen Sinn. Bitte da um Erklärung. Sei mir nicht böse Kleines, ich kann beim besten Willen nicht sagen, ob gut oder schlecht. Ich bin nur total verwirrt

Sollte dies deine Absicht gewesen sein, muss ich sagen: Seht gut. Setzen.

Liebe Grüße Persephone
Hallo Persephone,

na, das ging ja fix :D
Oh je, aber so verwirrt? Nein, das ist doch ganz einfach: Das ist eine Fremde - Leahs Mutter ist tot, da gibt es kein Zurück. Und Leah wurde gesucht, wie mir verschiedentlich schon gesagt wurde. Nun, wieso sollte sie nicht jemand finden? Dort sitzen sehen, am Morgen, wissen, wie sie ungefähr ausschaut und sie mitnehmen, sehend, wie traumatisiert sie ist.
So ist das gedacht. Oder hat man das Gefühl, die Frau müsste bekannt sein?
Besser?

Liebe Grüße,
Libertine
Hallo Libbi,

das Ende nehme ich an?

Mir gefällt es nicht ganz so. Es ist mir einfach zu kurz. Du beschreibst die Umgebung, Erinnerungen und irgendwie passt das für mich alles nicht. Es ist wie aus der Geschichte heraus gelöst. Keine richtige Verbindung mehr zu dem geschehenen. Darüber verliert sie keinen Gedanken.

Ich nehme an, dass wie bei dem abgebrannten Haus ist? Das wäre dann für mich die Einzige Verbindung.
Der letzte Absatz ist ganz gut, aber enthält mir zu wenig Informationen und Gefühl. Vielleicht wolltest du erreichen, dass Leah wie taub wirkt, dann hast du das geschafft, was mir persönlich aber nicht gefällt. Und die Frau ist mir etwas zu fremd, zu weit weg. Sie soll sicher so wirken, aber irgendwie gefällt mir das nicht so.

Gesamtfazit:

Als einzelne Teile, gefallen sie mir bis auf den letzte wirklich gut, als Gesamtgeschichte ist es mir zu viel. Er passiert zu viel auf zu wenig Platz. Zu viele Informationen, die ich jetzt im Nachhinein schwer sortieren kann.

Und so richtig verstanden, warum sie das Haus angezündet hat, habe ich leider auch nicht.

Ich habe gerade erst ein Buch gelesen, wo ich mich ähnlich gefühlt habe wie jetzt nach deiner Geschichte. Es war an sich sehr langatmig, Erklärungen kamen erst auf den letzten 50 Seiten und doch bleibt bei mir eine leere, denn es werden viel komplexere Dinge angesprochen, die nicht geklärt werden. Es war eher wie ein Beginn, als wie ein abgeschlossenes Buch und ich bin total unzufrieden. Deine Geschichte kommt mir vor wie die letzten 50 Seiten. Mir sind noch zu viele Fragezeichen. Neue ungeklärte Dinge und ich bin irgendwie unzufrieden.

Ich hoffe du nimmst dir das negative nicht so zu Herzen.

Liebe Grüße

Shaddowlino
Hey Kleines!

Und das ist jetzt das Ende? Wirklich vorbei? Blöde Frage eigentlich, der Schluss ist nicht nur ein Wort, ist ein Schlusstrich, da ist es vorbei, das Leben, das seltsame, sinnentleerte, das brennt und Schmerzen macht, das nicht verstehen macht und blutende Worte. Einfach so. Vorbei. Zumindest ist der erste Schritt getan, die Füßchen bewegen sich wieder, fangen laufen an und Leah hat zum Glück nicht vergessen, wie das geht. Sie hat nur eine kleine Pause gemacht und auch wenn es nach außen hin den Anschein hatte, dass die Bewegung fehlte, ich habe irgendwie trotzdem den Eindruck, als käme sie von einer weiten Reise zurück. Als wäre sie die ganze Zeit gelaufen, weil sie jetzt immer noch so außer atem ist. Mmh... also doch nicht ganz reglos. Nicht ganz tot. Vielleicht manchmal. Totgefleckte Realität.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass da einer kommt und nimmt sie bei der Hand. So fällt es leichter, auch wirklich mitzugehen, wenn eine Hand da ist, die ein bisschen anschubst, damit man nicht sofort über die eigenen Füße stolpert und erneut hängen bleibt. Es ist einfach schön, wenn jemand da ist, der auffängt und stützt, der einfach da ist. Wie die Frau. Auch wenn ich sie nicht kenne. Und nicht weiß, was sie vorhat.
Kommt Leah jetzt ins Heim? Oje... das wäre nicht gut. Nein. Gar nicht gut. Obwohl... noch schlimmer wäre wohl, sie zu Chamälion zu bringen. Auch wenn der interessante Ideen hat, ein merkwürdiger aber beachtenswerter Mensch ist - für die Seele eines fast-Kindest sind diese Gedanken Gift, die Überzeugungen Ballast, der immer weiter nach unten zieht. Vielleicht kommt eines Tages der Moment, an dem die beiden froh sind, Großvater und Enkelin zu sein, aber jetzt ist das noch zu früh. Sie reißen sich doch nur gegenseitig die Wunden wieder auf, dabei haben sie schon viel zu viel Blut verloren.

Leah kehrt also zurück ins Leben. Ich weiß nicht, ein kleines bisschen hat mich gestört, dass das einfach so geht. Dass da nur die Frau zu kommen braucht und plötzlich WOW! alles wieder auf dem Weg, alles eine neue Chance und voller Zuversicht - wo der Rest der Geschichte so düster und hoffnungslos ist. Das ist wie als würde so eine Wunschfee kommen. Und Wunschfeen sind in solchen Wirklichkeiten verboten! Ich meine jetzt nicht, dass du die Geschichte ganz umschreiben sollst, dass da kein Happy End passt... Im Gegenteil, ich finde ein Happy End sogar schön, aber lass sie vielleicht einfach ein bisschen mehr zögern.
Und eventuell solltest du den letzten Satz ein wenig an das vorherige angleichen. Also nicht durchweg positiv:
Zitat:Dann führte die Fremde sie fort. Zurück ins Leben.
Das hört sich so problemlos an, als wäre es nichts weiter. Aber Leah hat die Welt gesehen wie sie ist, wenn alles furchtbar dunkel ist. Da zweifelt man im ersten Moment eher dran, dass die Sonne echt ist. Man rennt nicht einfach darauf zu, weil man weiß, dass es weh tut, sie wieder nicht zu erreichen. Mmh... aber wie könnte man das schreiben. Vielleicht etwas wie "Zurück auf den Weg ins Leben"Irgendwie in der Art. Weiß auch nicht. Scheiße. Ja ja, erst Vorschläge machen und dann keine Ahnung von der Umsetzung:icon_stumm:. ICh bin mir sicher, du findest schon was! Oder erklärst mir halt, warum das so einfach geht, obwohl Leben meist schwierig ist.

Ansonsten aber alles wieder wunderschön, so was wie Duftkerzen für die Nase, eben irgendwas gutes für die Augen. Zum draufgucken und Zeit vergessen und müde sowieso nicht, weil den ganzen Tag im Zug gepennt und einfach schön, dass es da ist, dass ich jetzt was zum lesen hatte. Was zum aufsaugen und gleichzeitig drin ertrinken. Was eine paradoxe Vorstellung!Mrgreen

Hat mir einfach gut gefallen -> die ersten vier Teile waren einfach klasse und durchweg nur genial, erfüllt meine (gestehe: recht hohen) Erwartungen wirklich bis auf's letzte... einfach super gerne mitverfolgt:icon_thumbs1:. Der letzte hinkt ein bisschen hinterher, ist aber keineswegs schlecht... halt eben nicht ganz so gut wie die anderen. Insegsamt durchgängig verspielt-melancholisches Zusammenspiel der Atmosphäre, das durch die Losgelöstheit von der Wirklichkeit besticht (dadurch einzigartig wird). Außerdem weißt du ja, dass ich deine Wortspiele und Satzerfindungen einfach nur liebe. Hast du einfach super hinbekommen!

Zitat:Die Scheibe eines Fensters war gesprungen, als hätte die Zeit daran gefressen und niemand darauf aufgepasst.
Den Vergleich finde ich einfach schön... so kindlich-bedauernd, als hätten Fensterscheiben einfach jemanden verdient, der auf sie aufpasst. Als müsste das so sein und diese eine Fensterscheibe ist jetzt tot, weil das niemand gemacht hat -> verdammt, wem kann man jetzt die Schuld dafür geben???:rolleyes: Wirkt irgendwie sehr niedlich. Halt die Art von Umschreibungen, die ich so sehr genieße *freu*.
Zitat:Dann ein Gutenachtkuss und vor dem Fenster das Licht einer Straßenlampe, halbmondgleich.
"Halbmondgleich" ist einfach ein wahnsinnig tolles Wort und passt zu dem Schluss dieses Satzes einfach wie die Faust auf's Auge. Besser hättest du es wohl kaum machen können. Ich finde diese "Familien-Idylle-Halluziantion ohnehin sehr gelungen und faszinierend. Weil man hier sieht, dass die Bilder, die man doch so nah am Herzen halten wollte, mit der Zeit doch nach und nach verblassen. Wenn man später draufschaut, dann findet man nicht mehr das, wonach man so sehr gesucht hat, dessen man sich so sicher war. Irgendwie auch sehr traurig. Mama & Papa; zu Hause -> Worte, die Leah aus ihrer Gegenwart größtenteils streichen sollte, wenn sie wirklich zurück ins Leben will. Wenn man entschlossen ist, nach vorne zu schauen, sollte man sich nicht hinter dem Rücken einen Strick aus der Vergangenheit drehen.
Zitat:Leah wand sich aus ihrer Bewegungslosigkeit, blickte auf. Der Fremden fehlten die Konturen, verwischte Gesichtszüge geschmückt mit Igelaugen.
Auch wenn die Frau eine Fremde ist und Leah eigentlich etwas misstrauischer hätte sein sollen, sie war mir ab diesem Satz irgendwie sympathisch. Selbst, dass Leah sie noch nicht voll und ganz wahrnimmt kann mich da nicht mehr von abbringen. Ich finde es einfach gut, dass hier jemand hilft, selbst wenn man unter einer schönen warmen Decke leider keine Probleme ersticken kann. Und auch die Eltern bleiben tot, das alte zu Hause verloren. Aber es ist doch okay, dass jemand da ist. Jemand, der nicht so durchgeknallt ist wie Chamälion und die Sache durch Worte nur noch schlimmer macht. Das Gefühl von Sicherheit, wenn auch nur für einen Augenblick.
Lieblingswort: "Igelaugen" - total geil, so sweet!!!

(Hoffentlich packt dich jetzt der Schreibflash und wir können bald wieder auf etwas Neues aus deiner Feder hoffen:icon_buch:.
Ganz ganz liebe Grüße,
Icon_bussiLain
Liebe Grüße
Hallo Libbi,

nun ist der Weg, den wir zusammen mit Leah gegangen sind, also am Ende angelangt. "Hinter dem Feuer", da hab ich wirklich gedacht, es gäbe einen Rückblick auf die Nacht, in der sie das Haus angezündet hat. Gab es aber nicht.
Stattdessen sehen wir Leah, die an den Ort des Geschehens zurückgekehrt ist, und dort einfach wartet; wartet auf das, was folgen wird. Ich glaube nicht, dass sie sich Gedanken darüber macht, was genau das sein wird. Es ist eh egal - Mutter ist tot. Vater ist tot. Ihr engster Vertrauter hat den höchsten Verrat an ihr begangen.
Ich möchte nicht wissen, was aus Leah wird, denn ich glaube nicht, dass es etwas Gutes werden kann. Und genau deshalb finde ich auch den letzten Satz nicht so passend - "zurück ins Leben", ja, okay. Aber wird es wirklich ein Leben werden, das zu leben sich lohnt? Ich sehe Heime, Psychiatrien und ein Leben voller Ungewissheit und Instabilität auf Leah zukommen. Vielleicht liegt es an meiner momentanen Stimmung, aber das Ende war mir hierfür zu positiv.
Ich gehe davon aus, dass es eine Frau vom Jugendamt ist, die da schließlich auftaucht und Leah unter die Arme greift. Sobald sie herausgefunden haben, dass das Mädchen selbst für den Brand verantwortlich ist, wird sie weggesperrt werden.

Ich bin froh, dass das hier nur eine Geschichte ist. Das muss ich mir manchmal bei Filmen auch sagen: Ist nur ein Film. Dem toten Hund geht es gut, dem Kind auch, niemand ist gestorben und sie haben alle noch die Chance, einmal Disneyland zu sehen.

Für deine Leah wird das Leben nie wieder ein Disneyland sein.

So, und bevor ich mich noch mehr runterziehe, halt ich den Mund und widme mich lieber dem (kurzen Stück) Text. Icon_wink

Zitat:Mühsam öffnete sie die Lider erneut und erblickte ein Wohnhaus vor sich, dessen Fassade tiefschwarz gefleckt war. Die Scheibe eines Fensters war gesprungen, als hätte die Zeit daran gefressen und niemand darauf aufgepasst.
Nur eine zersprungene Scheibe, nicht alle Scheiben zersprungen?

Zitat:Als Leah den Kopf gegen die Wand lehnte, hörte sie Staub durch ihre Hirnwindungen rieseln. Erst als sie mit der Hand nach einem Ohr griff, spürte sie, dass es nur der Sand war, der in ihrem Gehör klebte.
Das finde ich gut. *g* Ein klitzekleiner Funken Humor in dieser ansonsten doch recht trostlosen Situation.

Zitat:In ihren Gedanken malte sich eine Puppe in ihren Arm; sie lächelte, ehe ein Auto hupend vorbeizog und sie mit Pfützenwasser bespritzte.
Ein Abendbrotstisch, Spiegeleier mit Speck und Zitronenlimonade
Ein schönes Bild, vor allem die Formulierung mit der Puppe gefällt mir.
Aber: Spiegelei mit Speck? Meinst du so Würfel oder diese Baconstreifen? Wenn du nämlich Würfel im Kopf hast, hab ich Rührei im Kopf. Zu Spiegelei passen keine Speckwürfel, wo sollen die denn hin?
Das ist ziemlich traurig. Leah denkt an alles, was sie einmal hatte, und was nie zurückkommen wird. Wie bitter muss das sein.

Zitat:Einsamkeit zuckte durch ihre Fingerspitzen; der Impuls breitete sich durch die Venen aus, bis er in ihrem Bauch angelangt war. Sie presste die Lider erneut aufeinander und wollte sie nicht mehr öffnen, wollte verschwinden; bewegungslos. Im festen Glauben, sie müsste nur so lange wie möglich unsichtbar bleiben, um es zu schaffen, drückte sie den Kopf fester gegen die Backsteinmauer hinter sich
Vielleicht kannst du hier dieses Endgültige, dieses "Nie mehr" noch ein bisschen emotionaler ausdrücken? Einsamkeit ist ja schon ganz gut, aber das ist nur ein Wort. Und reicht mir hier nicht ganz.
Es sei denn, es ist der Deckmantel der inneren Taubheit, des Traumas, des Schocks.

Zitat:Ob, und was wenn, sie doch wieder aufwachte? Ob, und was wenn, sie doch jemand sah? Ob, und was wenn, sie doch nicht verschwand.
Vorschlag:
Ob - und was wenn - sie doch wieder aufwachte? Ob - und was wenn - sie doch jemand sah? Ob - und was wenn - sie doch nicht verschwand?
(Ist es Absicht, dass der dritte Satz kein Fragezeichen hat?)

Zitat:Zurück ins Leben.

Dazu hab ich ja schon was gesagt. Icon_wink

Die Geschichte hat mich deprimiert. Aber das ist okay, es ist eine traurige Geschichte. Da passen auch gar keine guten Gefühle. Ich bin trotzdem stolz auf dich, weil du das mit der Handlung jetzt richtig gut hinbekommst und ich merke, dass du dich weiterentwickelt hast. Dafür ein :icon_thumbs1: und ich hab diese Geschichte - auch wenn sie mich deprimiert - sehr gern gelesen.

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag,

Lilly
Hallo Libby,

wow ... Stille. Schweigendes Nachenken. Gedankliches Kreisen, und dann ... wieder Stille.

Leah kann einem leid tun. Traumatisiert. Verloren. Schuldig und doch nicht. Am Ende ein Hoffnungsschimmer, jemand der ihr die Hand entgegenstreckt und vielleicht helfen kann.

In meinen Augen war sie "verführt" von den Gedanken - dem Sein - ihres Großvaters. (Kommt im übrigen so wie die Stelle bei Star Wars "Ich bin Dein Vater, Luke" - witzig, die Schwester hieß auch Leah *grins)

Hat mir insgesamt wieder mal gut gefallen. Du zwingst mich immer den Grips beim lesen anzuschalten. Das ist ungewohnt und anstrengend, aber am Ende immer lohnenswert *grins*

Was ich nicht ganz verstanden habe:
Chamäleon - ihr Großvater - und ihre Mutter, die auch bei einem Brand starb. Vielleicht weil er (der Großvater) zu dem Zeitpunkt mit dem Streichholz spielte? Weil er die Beziehung zwischen Leahs Vater und seiner Tochter nicht für gut hieß?

Gerne gelesen!
Gruß
Shadow
Hallo Libbi,

Zitat:Ihr Kopf begann zu arbeiten.
In ihrem Kopf ... ? - Meinst du das?

Zitat:Ein Spaziergang, ortlos, zeitlos früher, Schritte auf Schottergründen. Ein Sommerklang lag ihr im Ohr und sie ordnete die Töne Bildern zu, die nicht einmal mehr Erinnerung waren. In ihren Gedanken malte sich eine Puppe in ihren Arm; sie lächelte, ehe ein Auto hupend vorbeizog und sie mit Pfützenwasser bespritzte.
Die Puppe, kann es sein, dass du dir schon einmal erwähnt hattest. War die nicht in einem Schrank, im Haus gewesen? Wenn ja, finde ich schön, dass du hier dieses Detail wieder aufgreifst.

Zitat:Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort.
Zurück ins Leben.
Uiii - ja das klingt positiv. Ich habe vorhin gemeint, die Geschichte endet mit dem letzten Kapitel, der Ausstieg ist für mich etwas gesondertes, hier aber, kündet er von Zukunft von einer neuen Zeit, - würde sich sogar eignen, den Leser in eine Folgegeschichte mitzunehmen. Der Ausstieg enttäuscht mich nicht. Den letzten Absatz fand ich vielleicht, wenn ich ganz pingelig sein will, ein wenig zu kurz, bzw. das ganze Kapitel, aber es war lange nichts vorhanden, was mir die Freude am Lesen getrübt hätte. Schön gemacht, hier geht es in die Zukunft. Zurück ins Leben.
Ich sehe keine Heime, keine dunkle Zukunft. Ich sehe eine Scheiß Gerichtsverhandlung!!! Leah wird bei der Frau sein, bleiben, oder eben auf einem Pflegeplatz, meinetwegen. Sie wird lange dran arbeite und wenn die Wahrheit ans Licht kommt, wird Opa auf der Gerichtsbank hocken und blöd schauen. *grins* Ja, genau so wird das gemacht. Du hast zwar Leah als ein ganz verzweifeltes Mädchen dargestellt, aber m. M. nach ist sie verdammt stark, denn sie hat es überlebt, überstanden. Sich nicht vor ein Auto geworden, sie hat geatmet und getrotzt so gut es ging. Das macht sie für mich zu einer sehr starken Person, der ich zutraue, ein weiteres Leben zu bestreiten. Leah wird in meinen Augen erwachsen und sie wird sich holen, was ihr genommen wurde. Glück. Sie muss es sich holen, allein schön für das Wissen, dass Vater und Mutter sich nichts anderes gewünscht hätten. Ein steiniger Weg. Depressionen, Seelenschmerz, .... aber ein Weg, der ins Licht führen kann.

Stilisch eine Top - Geschichte. Es war sehr sehr schön zu lesen und auch sehr lesenswert. Mach weiter so, lass dich nicht aufhalten und stürme mit deinen Gedanken die leeren Zetteln, die vor dir liegen. Es zahlt sich nämlich aus!

Ich danke für die Gelegenheit, die Geschichte lesen zu können!
Liebe Grüße,
Sternchen
Hallo alle miteinander!

Ich bin ja ganz baff, wegen der Zahlreichigkeit (??) der Kommentare. Vielen Dank! Icon_smile

Mit dem Ende hatten einige von euch Probleme und ich schließe mich, was den letzten (Ab-)Satz betrifft, ein. Mein Problem an der Stelle war: Wie lang mache ich dieses Treffen? Wann geht sie mit? Das strecke ich noch ein wenig, etwas mehr Misstrauen auf Seiten Leahs. Den letzten Satz behalte ich inhaltlich so bei, sprachlich lässt sich da was drehen. Mir geht es darum, dass es weitergeht, dass sie aufsteht. Dass der Satz so positiv ankommt, hätte ich nicht gedacht. Okay - verdacht. Ich schau mal, was sich machen lässt Icon_wink.

zu shaddow:
Schade, dass dir das Ende nicht so zugesagt hat. Aber wie gesagt - ich arbeite dran. Spätestens Ende der Woche.
Herausgelöst aus der Geschichte soll es schon sein; das Ende des vierten Teils steht mit Absicht wie ein Abschluss für sich da. Da kann es hier nicht einfach weitergehen, sondern anders, tauber sein. Ist also beabsichtigt, auch wenn es dir nicht so gut gefallen hat.
Zitat:Als einzelne Teile, gefallen sie mir bis auf den letzte wirklich gut, als Gesamtgeschichte ist es mir zu viel. Er passiert zu viel auf zu wenig Platz. Zu viele Informationen, die ich jetzt im Nachhinein schwer sortieren kann.
Das ist dann schon ein bisschen problematischer für mich. Weil ich mir selbst den Anspruch gestellt habe, dass diese Geschichte verständlich ist. Ich hätte allerdings das Gefühl gehabt, es wäre langatmig geworden, hätte ich es weitergestreckt. Insgesamt zumindest. Denn alles Wesentliche ist bereits passiert und muss nur erzählt werden.
Sie hat das Haus angezündet, weil sie schon immer einen Drang zum (Selbst-)Zerstörerischen hatte und Chamäleon sie insofern darin bestärkt hat, als dass er sie davon überzeugt hat, dass es ihr besser geht, wenn sie diesem Drang nachgeht. Als er sie soweit gebracht hat, musste er nur noch den Tag manipulieren, damit sie das Haus anzündet, wenn ihr Vater drin ist, weil er ihn dafür verantwortlich macht, dass seine Tochter (Leahs Mutter) nicht mehr lebt.
Was mich interessieren würde, ist, welche Fragen zum Beispiel offen geblieben sind. Vielleicht bin ich auch einfach zu verschlüsselt vorgegangen. Mir fehlt dafür das Gefühl, weil ich immer befürchte, es wird langweilig für den Leser, wenn es für mich beim Schreiben langweilig wird.
Danke auf jeden Fall, dass du es gelesen hast, und für deine Meinung dazu Icon_smile.

zu Lain:
Ja, das ist Ende, und "Totgefleckte Realität." klingt ganz toll dafür.
Zitat:wenn jemand da ist, der auffängt und stützt, der einfach da ist. Wie die Frau. Auch wenn ich sie nicht kenne. Und nicht weiß, was sie vorhat.
Das ist jetzt eine Interpretation, dass das irgendeine gute Frau ist, die sie mitnimmt - aber, das hat dich ja auch ein bisschen gestört, das durchweg Positive, ist es nicht klar, dass Leah gefunden wird, wenn sie vor ihrer eigenen Haustür herumsitzt? Sie muss nur lang genug warten und dann wird schon jemand gucken kommen. Wenn ich es mir recht überlege, sollte sie vielleicht auch Absperrband sehen und dann kommt eben jemand. Es ist nur so, dass sie gefunden wird. Was dann passiert, bleibt offen. Ja und zum Schlusssatz, siehe oben. Danke für deinen Vorschlag, Dreadnoughts holt an dieser Stelle seinen Baukasten. Ich geh Regentropfen sammeln.
Zitat:Auch wenn der interessante Ideen hat, ein merkwürdiger aber beachtenswerter Mensch ist
*lacht* beachtenswert? achtenswert? verachtenswert?
Ich befürchte fast, da wird es kein Wiedersehen mit Lächeln geben - dafür ist es zu viel. Zumal sie ihn nie als Großvater kannte, sondern nur als Vertrauten und dann als Verräter. Da wäre jetzt nicht etwas wie Blut, das verbindet. Eher blindes Blut.
Zitat:Insegsamt durchgängig verspielt-melancholisches Zusammenspiel der Atmosphäre, das durch die Losgelöstheit von der Wirklichkeit besticht
Klingt wie die Bewertung eines Kochrezepts *grinst*
Zitat:die Bilder, die man doch so nah am Herzen halten wollte, mit der Zeit doch nach und nach verblassen. Wenn man später draufschaut, dann findet man nicht mehr das, wonach man so sehr gesucht hat, dessen man sich so sicher war.
Ja, genau darum ging es hier. Was sie behält, hält nicht lange und irgendwann - ist es weg. Hinter dem Rücken einen Strick daraus drehen - sehr geil!
Der Schreibflash kommt hoffentlich bald wieder. Nein, ohne hoffentlich. Mittlerweile bin ich da wieder guter Dinge *freu*

Die anderen Antworten kommen später, nicht wundern, heute Abend dann oder sonst morgen.
Liebe Grüße,
Libertine
Hi Libertine,

einen super Schluss hast du da. Kein Gemeuchel oder rührseliges oder Happy End. Sondern ein Ende, sehr realitätsnah, sehr echt, irgendwie … alltäglich, wenn man von solchen Situationen als alltäglich sprechen kann. Das was da passiert, ist das logischste der Welt, das traumatisierte Opfer wird gefunden und versorgt, so banal, dass es vielleicht das einzig richtige Ende für eine solche Geschichte ist.
Super.
Leah tut mir leid, sie wird mit der Schuld und dem Trauma fertig werden müssen, und wenn sie kann, sollte sie die psychologische Betreuung in Anspruch nehmen, die man ihr anbieten wird.

Zum Text als solchem hab ich nicht viel zu sagen, nur hier:
Zitat:Als Leah den Kopf gegen die Wand lehnte, hörte sie Staub durch ihre Hirnwindungen rieseln.
Finde ich, dass es ein bisschen viel des Guten und der Bilder, Gedanken und Vergleiche ist.

Und der letzte Absatz. Ich denke, er käme besser rüber wenn du alles rausmachen würdest, was Gedanken, Gefühle und Beschreibungen.

So ungefähr. *nach unten zeigt
Das ist vielleicht ein bisschen zu krass, aber da kommt das Ende schneller, die Normalität beginnt früher und es zieht sich nicht so hin. Ähm. Du weißt, was ich meine?

Spitzhackige Schritte näherten sich und Leah spannte die Schultern an.
„Bist du Leah?“
Leah blickte auf.
„Bist du Leah?“
Sie betrachtete die Frau ein paar Sekunden, dann nickte sie vorsichtig.
Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern geworfen. Dann führte die Fremde sie fort.
Zurück ins Leben.

So, eine schöne, tiefe Geschichte.
Gerne gelesen.

CU,
Teja
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