Literatopia

Normale Version: Fünf Wörter - reloaded (abgeschlossen)
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Hallo ihr Spielefreudigen,
es ist ja schon ein gewisses Maß an Zeit vergangen, die Sonne scheint immer kürzer und wie ich an den Beiträgen zum Adventskalender sehe, sind einige derzeit in einem Kreativhoch.
Dacher hier ein neuer Anreiz.
Fünf neue jungfreuliche Wörter - leicht passend zur Jahreszeit. Icon_wink

Schnee - Schlitten - Bruch - satt - Tränen

Icon_smile So, ich denke, daraus lässt sich was machen. Icon_smile

Ihr habt doch noch Lust, oder?

LG
Addi


PS: Wer Fragen zum Spiel hat, schaue bitte hier oder wende sich direkt an mich. Icon_smile
So, in Ermangelung
an Beteiligung hier ein kleines Spontanwerk! Icon_smile


David gegen Goliath

Nach einem fetten Essen,
voller Brüste von Gans und Ente
oder gar einer saftigen Keule
einer Eule
schwang sich Lutze, satt und kugelrund,
auf seinen Holzeschlitten Siegemund,
mit einem Wusch war er hinfort,
sauste den Berg hinab.

Doch Oh Weh, was dann geschah,
stand doch in Lutzes Weg
einfach so im Schnee und mittenda
die Linde Winniefred.
Ein lautes Krachen war zu hören,
Oh, was für ein Wehklagen,
was für ein Geschrei,
erhob sich in den Himmel,
als die gute Freda ging Entzwei,
Im Volke flossen Tränen, gleich einem Wolkenbruch,
nur der Lutze, der lachte, weil er gar dachte,
sein Schlitten sei so stark wie ein ganzer Zuch.
Ein Satz in Sachen Jahreszeit

Satt gefärbt sind die Wolkenränder, darunter veröden die letzten Schlittenspuren im Schneematsch, längst schon ist der Glanz aus den Eistränen an den Dachfirsten verschwunden; Kälte umweht die Menschenleere, der Klang schallt zwischen den verriegelten Türen wider, schlägt an zum letzten Einsatz dieses Winters: Wolkenbruch.


und noch ein Satz

Der Schlitten hatte die Tränen satt, deswegen ging er aus Protest im Schnee zu Bruch.


-
Maray schaut hinauf in einem Himmel, der in einem sattem Blau erstrahlte; makellos, ungeschmückt von Wolken und gebadet in das strahlende Licht der Sonne. Sie blinzelte gegen die Helligkeit an und genoss die Wärme auf ihrer Haut. Dennoch ... In eben dieser Zeit fehlte ihr immer etwas: Die Kälte. Wie hatte ihre Mutter einmal gesagt: Du bist ein Winterkind, du gehörst in ein Kleid aus weißen Schneeflocken und einem Gestirn aus kahlen Ästen. Ja, davon träumte sie. Sie vermisste die klare Luft, die spielenden Kinder mit ihren Schlitten auf den Hügeln, den glitzernden Frost auf der Erde ...
Aber das Schlittenfahren, das vermisste sie am Meisten. Sie hatte einmal von einem Mädchen gehört, das im Sommer Schlitten gefahren war. Wie das wohl ging? Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Das würde sie auspropieren!
Kurze Zeit später befand sie sich auf der Wiese, mit einem Holzschlitten unter sich und vor sich eine Bahn aus verstreuten Plastiktüten, die ihre Mutter einmal von Aldi gekauft hatte. Sie hatte die Tüten mit Wasser bespritzt, der Schlauch lag nicht weit von ihr entfernt neben der Haustür. Sie zählte bis drei, dann stieß sie sich mit den Füßen ab. Der Schlitten rutschte auf die Tütenbahn, glitt über das Plastik und sie spürte, wie Wind ihre Wangen strich. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie sich beinahe vorstellen, wie sie einen Schneebedeckten Hang herunter raste. Sie hob die Lider - und kreischte. Sie war von der Bahn abgekommen, der Schlitten schlitterte über trockenes Gras, verhakte sich in einem Maulwurfshügel und kippte zur Seite, genau auf ihr Rechtes Bein. Maray schrie auf und rollte sich seitwärts von dem Holzgefährt ab. Tränen rannen ihr vor Schmerz aus den Augenwinkeln. Nein, das war keine gute Idee gewesen...
Jetzt hatte sie es satt, mit den Schlitten zu fahren.
Alles, wirklich alles, war zu Bruch gegangen: Ihr Spaß, die fröhlichen Gedanken an Winter und auch der Schlitten...
Schnee - Schlitten - Bruch - satt - Tränen

Der Bass dröhnt satt aus den Boxen.
meine Gefühle fahren Schlitten, mein Puls rast und als das Tempo zu hoch wird überschlagen sich meine Gefühle. Ich sauge sie zusammen mit dem Schnee durch den zusammengerollten Fünfer wieder in meinen Körper.
Dann schwanke ich vorwärts nur um nach ein paar Schritten ähnlich einer einsammen Träne den kalten Boden zu küssen. Mein Arm geht zu Bruch, wie mein Leben schon lange zuvor.
aus dem Spiel heraus Icon_wink

Winterkinder

Ich bin ein Winterkind, ein Schneewanderer, ich blicke meinen Spuren gerne nach, wenn sie sich hinter mir verlaufen. Die Welt ist ein See in dieser Zeit, ein zugefrorener, und ich kann darauf gehen, vorsichtig, mich eher vorwärts tasten als voranzuschreiten. Die Bäume wirken zerrupft, so auseinander gezerrt und bloßgestellt, als würde sich die Kälte für die Sattheit des kommenden Frühlings im Voraus rächen.
Ich bin ein Winterkind, selten blicke ich mich an, bin so kalt, mit blassroten Fingern und gefrorenen Ohren. Die Spiegel, die mein Gesicht zeigen könnten, verzerren es nur, kaum ein Fleck in diesem See unter mir, der nicht einen Riss zeigen würde, an manchen Stellen gar einen Bruch. Taubheit umgibt mich, am Wegrand liegt ein zerbrochener Schlitten und kurz muss ich an dich denken, deine spröden Lippen, den dicken Schneeanzug und deine klare Stimme, die die Blöße der Natur im Dezember kleidete.
Ich weiß noch, wie wir Ausflüge unternahmen, ausflogen, in eine Welt, die Freiheit bedeutete. Wir Kinder, wir Alltagsfremden, wir Frostliebenden. Ich weiß noch, wie wir bei der ersten Schneeflocke vor die Tür rannten, du den Holzschlitten am Band hinter dir her ziehend, und ich dir deine Mütze auf den Kopf setzend. Ich weiß noch, wie wir in diesem Wald ankamen, wie unberührt die Eisfläche war und wie zerkratzt wir sie zurückließen. Selten endeten die Tage vor der Dunkelheit und als ich mich in den Schatten fürchtete, hast du gelacht, gelacht, und plötzlich schienen wir Schneewanderer zu sein, für den Weg zurück bestimmt. Wir erzählten uns Geschichten, erfanden uns als Abenteurer, die sich verlaufen hatten, erdachten einen Feind im Hintergrund und interpretierten das Rauschen des Windes als seinen Atem.
Eines Tages bist du gestürzt, mitten in diesen Atem hinein, hinaus aus dem Spiel. Und ich blieb stehen, wie angewurzelt in einer Welt, die entwurzelt schien, blieb stehen und wusste nicht, wo das Spiel aufhört und die Zeit wieder beginnt.

Es ist keine Zeit für Tränen, hast du oft gesagt, als ich dir sagte, es tut mir Leid.
Nur dass du nicht wusstest, dass ich ein Winterkind blieb, jenseits der Spiele, der Phantasien. Immernoch ein Schneewanderer auf den Wegen, die wir erfanden.


-
Vor uns erstreckt sich eine Winterlandschaft. Sanft geschwungene Hügel, schneebedeckt und unwirtlich. Gemeinsam durchqueren wir die Täler und erklimmen die Hügel. Schon seit Wochen sind wir unterwegs und allmählich haben sich unsere Augen an dem weiß sattgesehen. Doch wir kämpfen uns immer weiter voran, schlittern Hügel hinab und nähern uns stetig unserem Ziel. So hoffen wir. Dann sehen wir es vor uns. Das Dorf. Unter einer Schneedecke begraben, mit rauchenden, wärmespendenden Kaminen. Endlich trennen uns nur noch wenige Schritte von unserem zu Hause. Mit letzter Kraft klopfen wir an die Tür und können endlich in die Arme unserer Familie fallen. Mit Stolz sehen sie uns an, auch wir können den Tränenausbruch nicht mehr aufhalten. Wir sind wieder vereint.
Schlittenfahren durchs Internet

Diese etwas seltsame, aber ob der Regulatorien dieses Spieles durchaus angebrachte Methaphorik, trifft wohl am besten auf die beiden ehemals dicksten Freunde, GoogleBot und den Yahoo!_Slurp zu. In einer ihrer seltenen Pausen saßen sie also gemeinsam im Schnee, als ersterer sich die etwas flapsige Frage "Heute schon gegooglet?", nicht verkneifen konnte. Die Frage war sicher nicht beleidigend gemeint, eher als näckischer Affront, fast schon freundschaftlich, jedoch sah sich der Yahoo!_Slurp in seiner Eitelkeit gekränkt und antwortete: "Ich googele nicht!" Diese Antwort wiederum, nun sicher nicht mehr als näckischer Affront gedacht, aber auch bei weitem nicht als Boshaftigkeit zu werten, wurde aber von GoogleBot als eben solche aufgefasst und er sagte: "Ach ja? Aber alle googlen! Dein Provinzyahooschnickschnack interessiert bald eh keinen mehr! Ich hab schon die ganze Erde gegooglet, du Affe!" "Ich habs satt,", so der Yahoo!_Slurp, "nur weil du 'ne stinkreiche Polit- und Wirtschaftslobby hast, die dir für deine lausigen Dienste den Arsch vergoldet, denkst du wohl du wärst was besseres, Penner!"
Das Gespräch dauerte wohl noch eine Zeit lang und verschärfte sich auch im Tenor, aber das wesentliche habe ich bereits beschrieben. Fazit ist, das dieser Tag das Ende ihrer Freundschaft bedeutete und sie weinten sich keine Träne nach.
Schade eigentlich, denn man sagt, dass sie sich hier auf der Seite immer wieder gesehen haben sollen, geredet haben sie aber seitdem kein Wort mehr miteinander...

nachtrag:
ach du heilige ..., ich meinte doch auch "den Bruch ihrer Freundschaft", nicht "dass Ende"...
hatt ich mir doch schon alles so überlegt gehabt...
verdammt...
Hallo!
Es ist zwar noch nicht ganz der 14. Januar, an dem ich dieses Thema zeitgleich mit dem anderen, beenden wollte, doch ich denke, ihr nehmt mir das nicht Übel.
Zu den Geschichten. Es war ja diesmal Einiges dabei, was ich sehr schön fand.
Die Länge der meisten Beiträge hingegen, nun ja, Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist, ne? Icon_wink
Nein, nein, wie gesagt, ich freue mich über die Rege Beteiligung und ich verkünde, wer denn nun gewonnen hat, möchte ich dieses Urteil kurz begründen und was zu den einzelnen Werken sagen.

@ Libertine: Dein erster Beitrag (ich meine nicht den Satz Icon_wink) , gefiel mir trotz der Kürze sehr gut, weil er die Worte sehr originell einbindet. Hätte davon gerne mehr gelesen, und voilá, es kam mehr. Icon_smile
Die Winterkinder sind toll, sehr gelungene Bilder und eine kaltweiße Athmosphäre, die einen gefangen nimmt.


@ Bia: Am Anfang fand ich deine Geschichte richtig toll, die Idee mit Tüten ne Rodelbahn zu bauen, genial, dann am Ende flacht das Ganze irgendwie zu dolle ab. Das Ende wird vorhersehbar, und gerade so eine typische "Unfallgeschichte" mit Tränen in den Augen wollte ich vermeiden. Vielleicht lag das am Zeitdruck, der ja durch euer Spiel gegeben war. Ich finde auf jeden Fall, dass du das Ende hättest origineller gestalten können.

@ H. Kehrs: Mal was ganz anderes war deine Geschichte, die Zweckentfremdung des Schnees, der Gefühlstaumel - sehr gelungen. Ein schaler Nachgeschmack bleibt dann doch, eben wie bei bia durch das typische Ende mit dem gebrochenen Arm. Nach dem tollen Anfang wirkt es in meinen Augen irgendwie hingeklatscht, so als hättest du nicht lange überlegt, sondern einfach mal in 5 Minuten was runtergeschrieben.
Wie gesagt, der Ansatz ist toll, aber am Ende hätte ich gerade wegen dem tollen Einstieg was anderes erwartet.

@ Lady: Auch dein kurzer Beitrag hat mir gefallen, wie du das Heimkehren schilderst - sehr schön. Die Kälte und die Freude sind richtig spürbar.
Das große Manko hier, in meinen Augen, ist das abrupte Ende. Wenigstens eine kleine Geschichte dahinter hätte ich mir gewünscht. Wo die Prots und wie lange sie weg waren,warum etc. Da hättest du mehr draus machen können, statt einer Geschichte ist es mehr ein Abriss, was den schönen Eidruck etwas zunichte gemacht hat.

Und schließlich zu Danster aka RETSNAD:
Mal was ganz anderes, die Geschichte unserer ewigen Begleiter Slurpi und Bot. Originell, wie ich es von dir gewohnt bin. Den Dialog hätte ich mir allerdings etwas Spritziger gewünscht. und auch das Saloppe abwürgen und verallgemeinern gerade dann wenn es spannend wird, wirkt lieblos in meinen Augen. Dahingeklatscht. By the way schreibt man neckisch immer noch mit "e" und zur Übersicht bekommt bei einem Dialog jeder Sprecher nen eigenen Absatz, aber das nur am Rande. Icon_wink
Hauptkritikpunkt und Grund für dein völliges Ausscheiden aus dem Wettbewerb ist die Tatsache, dass du ein kleines Wort vergessen hast, nämlich den "Bruch". Icon_wink

Als Sieger küre ich also, Libbi, für ihre originellen Ideen und Wortschöpfungen.
Hier ist dein Pokal.
[Bild: SL00250_.gif]

Und auf den zweiten Platz wähle ich die drei anderen, weil ich an jeder Geschichte nur einen Kritikpunkt hatte, nämlich das Ende und ich mich da beim besten Willen nicht entscheiden kann. Icon_wink
Eure Trophäen Icon_smile

[Bild: kleine_pokale.jpg]

LG
Addi

PS: Libbi, du bist dran. Bin schon gespannt, was du dir so einfallen lässt. Icon_smile