Literatopia

Normale Version: Sektor 42: Paradiesische Hölle
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Info: Dies ist ein Überbleibsel aus dem Schreibrollenspiel "Sektor 42" im Literaturportal.
Mitschreiber sind gerne gesehen, man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Icon_smile Falls ihr noch Fragen habt, meldet euch am besten per PM bei mir oder Saryn.



-dread/William Maka:

William Maka wachte vom Gesang der seltsamen Vögel auf, der trotz seiner anfänglichen Fremdartigkeit etwas Vertrautes geworden war. Die Strahlen der weißen Sonne kitzelten seine Haut, wo die Bewohner keine Schatten warfen.
Maka stand auf und streckte sich. Wie lange waren sie nun schon hier gestrandet? Während er ins Wasser watete, versuchte er sich zu erinnern, doch es fiel ihm schwer. Wahrscheinlich war es auch nicht weiter wichtig. Hier fehlte es ihnen an nichts; Redcap und Maka waren übereingekommen, das sichere Versteck, das dieser Planet bot, so lange zu nutzen wir irgend möglich.
Ein schillernder, schlanker Fisch streifte Wills Fußgelenk, um dann nach einer Spinne zu schnappen, die unsicher über die Wasseroberfläche huschte. Blitzschnell schoss die Hand des Kopfgeldjägers nach vorne und umschloss das Tier mit einem eisernen Griff, doch die glitschigen Schuppen retteten ihm das Leben. Maka fluchte und ließ sich langsam ins Wasser sinken. Halb schwimmend, halb kriechend verfolgte er den verängstigten Fisch, bis dieser im Schatten einer Felswand versuchte, sich in den Schlamm zu graben.
Der zweite Angriff war erfolgreicher. Maka holte aus, um seine Beute mit einem kräftigen Schlag gegen die Felswand zu töten, doch dann erstarrte er. Vor ihm ragte kein gewöhnlicher Fels in die Höhe, sondern einer der Bewohner.

Maka war nicht der einzige Passagier der Gambit Queen gewesen, der nach der Landung auf dem unbekannten Planeten voll Ehrfurcht vor der riesigen Felsformation stehen geblieben war, die ihren Landeplatz markierte.
Der ganze Planet schien mit den ungewöhnlichen Felsen übersät zu sein und obwohl sie nicht die geringste Ähnlichkeit mit Menschen oder Tieren hatten, hatte niemand gelacht, als Fyn die Felsen scherzhaft die "Bewohner" des Planeten genannt hatte.
Wenn er in der Nähe eines Bewohners war, meinte Maka die Missbilligung dieser Formationen zu spüren. Er fühlte sich wie ein Eindringling, schuldig, fremd.

Der Fisch entglitt seiner Hand. Mit einem Schaudern wand Maka sich von dem Felsen ab und ging zurück ans Ufer, wo der gerade aufgestandene Walter dabei war, ein Feuer zu entzünden.


-Saryn/Captain Redcap

Als Redcap die Bugluke der Skipper Lady verließ und die Leiter zum grasbewachsenen Boden des Planeten hinabkletterte, waren Jeh'Ka und Charlie gerade damit beschäftigt, eine Kiste aus der Bauchluke des Schiffes hinabzulassen.
Bei der Flucht von Elysium hatte ein Asteroid die Schiene einer der Schotts verbogen. Nach mehrmaligem Benutzen hatte der Mechanismus dann mit einem Mal geklemmt, was aber erst aufgefallen war, als sie vom Hyperraumsturm in die Umlaufbahn des Planeten geschleudert worden waren. Redcap dachte mit einem Schaudern daran zurück, wie es für einige Augenblicke - die die längsten in seinem Leben sein sollten - ganz so ausgesehen hatte, als würde die Jeh'Ka die Lady nicht mehr fangen können. Glücklicherweise hatte der Chazon wieder einmal bewiesen, dass er trotz seiner muskulösen Statur vor allen Dingen im Pilotensitz in seinem Element war.
Redcap verbrachte noch einen Moment damit, sich zu strecken - dabei stellte er wieder einmal fest, dass er ein warmes Klima wie dieses insgeheim bei jeder Reise durchs All vermisste - bevor er sich fast schon widerwillig zu Charlie und Jeh'Ka begab.
Der Ladekran hatte die Kiste gerade auf dem Boden abgesetzt und glitt jetzt an Charlie vorbei, der auf der Kante des Luks saß, wieder ins Innere des Schiffes. Jeh'Ka löste die Verschraubungen der Kiste mit dem entsprechenden Werkzeug und grüßte Redcap mit einem Nicken. Unter dem Deckel der Kiste kamen vier quaderförmige Pakete aus Kunststoffplanen zum Vorschein, bei denen es sich um Instantzelte handelte, die sich mithilfe einer integrierten Druckflasche innerhalb von Sekunden aufstellen ließen.
Bisher hatten sie die Nächte an Bord der Lady verbracht, waren aber schließlich darin übereingekommen, dass es energiesparender war, das wundervolle Klima auszunutzen und in den Zelten oder gleich unter freiem Himmel zu schlafen. Da sie nicht wusste, wie lange sie noch hier säßen, war es nur logisch, den Energieverbrauch noch weiter herunterzuschrauben. Sie hatten schon keine der Schiffsrationen mehr gegessen, seit Maka erklärt hatte, dass sie mehr als genug Nahrung durch Jagd und Fischfang aufbringen konnten. Der Kopfgeldjäger war an einem Morgen mit einem der Pulsgewehre der Crew losgezogen und wenig später mit zwei hirschähnlichen Tieren auf den Schultern wiedergekommen, die sich nicht nur als essbar, sondern auch als wohlschmeckend und nahrhaft erwiesen.
Noch vor nicht allzu langer Zeit, hätte der Gedanke, dass Maka in der Nähe von Redcaps Crew bewaffnet herumlief, Redcap regelrecht verängstigt, aber nach der Episode in Elysium, hatte er weniger Bedenken. Diese Sicherheit erwuchs natürlich auch aus der Gewissheit, dass Makas Leben von Redcaps Unversehrtheit abhing.
Jedenfalls mangelte es ihnen an nichts. Sie hatten sogar mithilfe einer Orbitalsonde die ungefähre Position ihres Aufenthaltsortes rausfinden können, auch wenn sie überrascht feststellen müssten, dass das System in dem sie sich befanden auf sämtlichen Sternenkarten als absolut unbewohnbar und unberechenbaren Gravitationsanomalien unterworfen gekennzeichnet war.
Das war ebenso ein Rätsel, wie die Identität der mysteriösen Angreifer, die sie zur Flucht von Indigo Dawn gezwungen hatten. Maka schien ebenfalls nicht zu wissen, um wen es sich dabei gehandelt hatte.
"Wo ist ROM," fragte Redcap in Charlies Richtung, der eine zweite Kiste am Kran befestigt hatte und wieder dazu überging, seine Beine frei aus der Luke baumeln zu lassen.
"Im Vault," gab Charlie zurück. Er ließ geistesabwesend einen Schraubenschlüssel zwischen seinen Fingern tanzen, griff aber bald daneben, sodass das Werkzeug ins Gras fiel. Mit einem missbilligenden Gesichtsausdruck saß er einen Moment da, bevor er sich an der Kette des Krans hinabließ.
Als Vault - also als Tresorraum, aber auch als Grabkammer, übersetzte man wörtlich - bezeichnete die Crew den geheimen Raum zwischen den Triebwerken der Lady der allerhand Hacking-Computer und Hilfsmittel zum Abhören oder Eindringen in fremde Systeme beinhaltete. ROM verbrachte seit ihrer Ankunft viel Zeit in dem Raum, immer einem weiteren Geheimnis auf der Spur, an dem die Crew und die Passagiere des Schiffes ohne ihn wohl gar nicht zu rätseln hätten. ROM hatte im Speicher der Lady Überreste einer ähnlichen Textnachricht gefunden, wie der,die sie bei der Flucht von Elysium empfangen hatten und das, obwohl diese eigentlich gelöscht worden war.
Er hatte eine Entdeckung gemacht, die Redcap zwar für interessant, aber nicht so wichtig hielt, wie ROM. Nach einigem rumprobieren hatte der findige Technikspezialist herausgefunden, dass die Nachricht nur auf den ersten Blick keinen Sinn machte. Auf den zweiten war sie ein Code, den er zumindest teilweise hatte knacken können und der in der Tat sehr seltsam war.
ROM hatte erstaunt davon berichtet, dass er weder Koordinaten noch einen Hilferuf gefunden hatte, sondern einen Vers:

Every sentence has its reason
At the end there is the plight
Waiting in the darkest night
To amerce for age old treason
"27. Januar 758, Sternzeit 13 / 024, Tag 227 seit Aufbruch von Saran Aujunumur. Flotte weiterhin auf Kurs, voraussichtliche Ankunft auf Taran III in 67 Tagen. Keine weiteren Vorkommnisse. Heil dem Kaiser, seine Gnade scheine auf uns."
Ein kurz aufleuchtender Balken zeigte die erfolgreiche Übertragung an. Es war mindestens der 100. Bericht dieser Art, den Maruk Ritualde schon ans Hauptquartier auf Saran Aujunumur geschickt hatte. Das bewies, die Galaxis war ruhig, die Kolonien des Imperiums tüchtig, zufrieden und ohne Ansprüche. Man könnte die Reise bisher sogar als langweilig bezeichnen, doch das wäre in Ritualdes Augen ein Frevel. Jeder kaiserliche Auftrag war wichtig und hatte seinen Sinn, wobei dieser hier genauso gut mehr Probleme hätten schaffen können. Die Kolonien blieben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Basisplaneten wie für die Hauptstadt und gerade da die Kolonisten fern vom Licht des Kaisers hausten, mussten sie um ihren Schutz durch die Armee wissen, selbst hier draußen.
Ritualde klappte den Sendeport zu, streckte sich einmal kurz in seinem Sessel und schlenderte dann langsam zum großen Fenster, dass sich beinahe auf der gesamten Länge seines Quartiers erstreckte und freien Blick ins All gewährte. Es waren unzählige winzige Sterne, die ihn aus der Ferne anleuchteten. Unzählige Systeme, Planeten, Völker ... scheinbar totale Ruhe. Doch Ritualde hatte in seinen beinahe 20 Jahren Militärdienst für das Imperium gelernt, keiner noch so großen Stille zu trauen. Der Weltraum schien friedlich, doch er war voller Gefahren, wie ein Vulkan, der hunderte von Jahren scheinbar ausgebrannt dastand und plötzlich in einem einzigen Ausbruch ganze Städte vernichten konnte. Ritualde hatte seine Stellung immer als eine Art Frühwarnsystem gesehen. Das leise Brodeln, vereinzelt rollend Steine oder leichte Beben frühzeitig erkennen und den Vulkan ersticken, bevor er ausbrach. 'Frieden sichern', dachte er, 'das war sein oberstes Ziel. Frieden innerhalb wie außerhalb des Kaiserreichs.'
Der metallisch klingende Alarmton des Transmitters ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken.
„Ja?“, fragte er barsch.
„General Ritualde?“, erklang die Stimme seines ersten Offiziers im Raum.
„Sprechen Sie!“
„General, unsere Langstreckensensoren haben Lebewesen auf der Außenkolonie Narojan entdeckt.“
Ritualde zog die Augenbrauen hoch.
„Die Kolonisten?“
„128 Kolonisten registriert. Der Planet ist nur minimal besiedelt, alles Minenarbeiter, unter der Oberfläche lebend. Sie wurden informiert, sind aber anscheinend bisher weder selbst entdeckt worden, noch haben ihre Sensoren die Eindringlinge erfasst.“
„Siedler?“, fragte Ritualde
„Unmöglich zu sagen bisher. Zumindest keine Armee, dafür sind die Signale zu schwach. Es könnte sich auch um Gestrandete handeln.
Ritualde nickte. Er hätte es ahnen müssen, dass diese Reise doch nicht ohne Zwischenfälle ablaufen sollte. Der Fall war klar. Unautorisierte Besucher, wer immer es auch war, konnten nicht geduldet werden und mussten genauer untersucht werden. Sein Befehl kam prompt.
„Die Flotte soll Kurs auf Narojan nehmen. Hypergeschwindigkeit. Ich komme sofort an Deck.“
„Jawohl, General“
Als das grüne Licht des Transmitters erlosch, saß Ritualde schon wieder am Schreibtisch um einen neuen Bericht zu verfassen. Während er schrieb, bemerkte er wie das Flaggschiff langsam Richtung Narojan beidrehte.
[Bild: 6908310132.jpg]

Redcap fand ROM tatsächlich im Vault - was nicht verwunderlich war und ihn dazu brachte, sich die Frage zu stellen, wieso er nicht auf die Idee gekommen war, dort als erstes zu suchen.
Nachdem er die Wandplatte beiseite geschoben hatte und die Leiter hinabgestiegen war, entdeckte er ROM, der über der Haupttastatur zusammengesunken vor sich hinschnarchte.
Redcap weckte ihn ohne viel Federlesen. ROM hatte selbst Schuld, dass er nicht genug Schlaf bekam und es gab nunmal jetzt wichtigeres.
Als der Techniker wach wurde, blickte er Redcap mit verquollenen Augen entgegen.
"Bist du aufnahmefähig?"
ROM nickte verschlafen.
"Hör zu:
die Orbitalsonde mit der wir unsere Position bestimmt haben, hat soeben ein Signal aufgefangen. Ich möchte, dass du deine Spielereien für einen Augenblick beiseite lässt und versuchst, es zu identifizieren, damit wir wissen, was wir damit anfangen sollen." Er drückte ihm den Datenchip in die Hand. "Walter denkt, es könnte sich um ein Langstreckensignal handeln und ich glaube er könnte recht haben, aber ich will mehr Daten. Wenn möglich bestimme Senderichtung und Sendeort. Vermutlich sitzt das Ding auf einem der Monde und scannt die Oberfläche nach Anomalien. Als großer Metallklotz auf einem unbewohnten Planeten fällt die Queen da sicher auf. Wenn wir damit recht haben, müssen wir unbedingt wissen, wohin es gesendet hat und optimalerweise auch, woher es kommt. Vielleicht kann man am Sendeprofil ja erkennen, welcher Bauart es ist."

_____________


Das rote Blinken der Sensorkonsole zog die Aufmerksamkeit von Arkas D'unn auf sich. Als ranghöchster Offizier an Bord, hatte er das Kommando, auch wenn dieses Kommando nur aus den vier anderen NIS-Agenten bestand, die mit ihm an Bord der Spectre waren.
Der Tiefraumspäher befand sich auf einer Routinemission am Rande der Sektoren 42, 35, 346 und 99.
[Bild: 5709282259.jpg]
Es war eine von vielen Einheiten, die in den Sektoren, die an Pelta grenzten, nach eventuellen Feindkontakten suchen sollten und bisher war alles ereignislos gewesen.
Die Langstreckensensoren des Schiffes scannten nach bestimmten Signalen, wobei sie Allianzkommunikation automatisch ausfilterten. Alle anderen Signale waren viel interessanter:
Triebwerksemmissionen in der Intensität, wie sie Schlachtschiffe aussandten, Niedrigfrequenzfunk, wie verdeckte Spezialeinheiten sie verwenden würden, Langstreckensensorprofile, Gravitationsanomalien, derart sie von Abfangschiffen erzeugt wurden, die andere Raumschiffe mit ihren Gravitationsfeldgeneratoren aus dem Hyperraum ziehen konnten.
Diesmal war es eine Funkübertragung, die lediglich Daten enthielt, noch dazu verschlüsselt. Der Schiffscomputer brauchte nur einen Moment um ihn als saranisch zu identifizieren. D'unn setzte einige Codebrecher auf ihn an und die Hochleistungsrechner des Spionageschiffes begannen mit ihrer Arbeit. Noch konnte er nicht sagen, wie lange es brauchen würde, also dachte D'unn über die Situation nach.
Sie befanden sich am nächsten an Sektor 99 und das Saranische Imperium war in galaktischen Maßstäben gesprochen in der Nähe, aber dies hier war de facto neutrales Gebiet. Woher kam die Sendung und wohin wurde sie geschickt?
Er sah sich auf der Kommandobrücke um und zum wiederholten Mal kam es ihm in den Sinn, dass er die Brückenfenster vermisste. Die Spectre war ein hochmodernes Schiff, darauf konzipiert Abstrahlung jederart zu vermeiden, damit es nahezu unsichtbar war auf den Sensoren. Ein Brückenfenster hätte zuviel elektronische Abstrahlung und Hitzemuster verursacht, deshalb war die Brücke komplett von einer Panzerung umgeben und im Innersten des Schiffes installiert. Bei ausgeschalteten Triebwerken konnte das schwarzlackierte Schiff vor dem dunklen Nichts des Alls ebenfalls praktisch nicht entdeckt werden.
Er überlegte noch einen Moment, bevor er seine Crew zu sich rief. Unter ihnen waren zwei Menschen, zwei Chazon (mit D'unn selbst) und ein Ongkai. Gemeinsam berieten sie einige Minuten, und beschlossen dann zu warten, bis das Signal entschlüsselt worden war, bevor sie handelten.
Als es soweit war, machte sich Überraschung breit. Der Inhalt war weiterhin unverständlich bis auf die Koordinatenangaben des Sendeortes. Auf galaktischen Karten war das System als unbewohnbar ausgegeben und es stellte sich die Frage, was das Imperium dort wollte.
Was es auch war, die Sendung allein rechtfertigte schon eine genauere Untersuchung.

Augenblicke später fuhren die Triebwerke des grob dreieckigen Schiffes hoch und es änderte den Kurs. Dann vollführte es einen Hyperraumsprung
Die bunten Schuppen der gefangenen Fische glitzerten in der hellen Sonne und über der Hitze der Flammen begannen sie, kleine Blasen zu werfen, als die flüssigen Bestandteile ihres Mittagessens verdampften.
"Und diese Fische sind sicher essbar?" Fragte Walter skeptisch.
"Der Chemoscanner sagt ja. Aber vielleicht enthalten sie ja ein unbekanntes Gift." William Maka hob in gespieltem Ernst die Augenbrauen. "Um ganz sicher zu gehen, sollten sie vielleicht ein paar Tage abwarten und sehen, was mit mir passiert. Sie können sich ja so lange von den ausgezeichneten Trockenrationen der Queen ernähren, lieber Walter."
Walter runzelte mit leichter Verärgerung die Stirn und nahm dann einen halbwegs normal aussehenden Fisch vom Feuer, um ihn vorsichtig mit einem Messer zu sezieren.
Maka biss in eines der roten, dreieckigen Exemplare, die er zu seinen persönlichen Favoriten gekürt hatte, da sie kaum Gräten und einen besonders hohen Eiweißgehalt aufwiesen.
"Ah, da kommt ja Kapitän Redcap." Walter schien erleichtert. William Maka war offensichtlich nicht gerade der Konversationspartner, den er sich wünschte.
Redcap ließ sich neben sie ans Feuer fallen und griff wahlols nach einem der aufgespießten Fische. Seine Stirn wies eine kaum sichtbare Falte auf, die sich immer dann zeigte, wenn er besorgt war.
"Was gibt's, 'Boss'?" Fragte Maka ein wenig spöttisch. Obwohl Redcap der Captain war, schien er seine hohe Rangstellung und seine Respekt einflößende Ausstrahlung zu verlieren, sobald er den Planeten betrat. Da er als einziger eine detaillierte Survivalausbildung hatte, war Maka an der Oberfläche eindeutig der Entscheidungsträger. Wahrscheinlich hielten Redcap und seine Crew sich deshalb die meiste Zeit auf dem Schiff auf. "Stimmt irgendwas nicht? Ist vielleicht die Schiffstoilette verstopft?"
Redcap schüttelte abwesend den Kopf. Er schien weder Makas Spott noch seine Worte richtig zu registrieren.
"Nichts. Es ist nur ..." Der Satz endete im Nichts und Redcaps Blick folgte ihm. Maka konnte den Captain beinahe denken hören. Genaugenommen wusste er nicht, ob die Gedanken des Outlaws nicht tatsächlich in seinem Kopf herumspukten. Seit Tagen hörte Maka Stimmen, was nichts ungewöhnliches wahr. Ungewöhnlich war nur, dass er niemanden sah. Keine Gestalt in einer Robe tauchte auf, kein Schatten in der Nacht. Auch verstand Maka nicht, was die Stimmen sagten. Es war einfach Interferenz, als würde man Hunderten von Gesprächen auf einmal lauschen. Nur eine Stimme war lauter als die anderen und gelegentlich gelang es Maka, das eine oder andere Wort aufzuschnappen.
plight ... waiting ... treason ...
Jemand räusperte sich und riss sowohl Maka als auch Redcap aus ihren Gedanken. Walter stand auf.
"Ich werde dann mal ins Schiff gehen und ... die sanitären Anlagen benutzen, wenn es gestattet ist."
"Jaja, nur zu." Entgegnete Redcap, immer noch ein wenig abwesend. "Sie können das Schiff betreten und verlassen, wann immer sie wollen Walter. Sie müssen nicht um Erlaubnis fragen."
Walter nickte und ging zum Schiff. Gerade, als er die Luke öffnen wollte, flog sie von innen so heftig auf, dass sie gegen die Außenwand schmetterte. Jeh'Ka benutzte nicht die Leiter, sondern stieß seinen muskulösen Körper mit Katzenartiger Grazie von der Schwelle ab, um wie ein Geschoss auf das Feuer zuzurasen. Im selben Augenblick ertönte ein Fauchen, das schmerzhaft an Williams Trommelfellen zerrte und die Luft um sie herum begann zu flimmern.
"Alle ins Schiff!" Schrie Jeh'Ka aus vollem Hals, und Maka konnte ihn über den ohrenbetäubenden Lärm kaum hören.
Zwei mannsgroße, chromfarbene Eier schlugen simultan ins Wasser und in den Boden nahe einem der 'Bewohner' ein. Maka wurde von dem Stoß von den Füßen geworfen und den anderen ging es nicht besser.
Die beiden Geschosse wandelten die Energie des Aufschlages in kontrollierte Explosionen um, um ihre harten Panzer zu sprengen. William Maka kannte diese Art von Landebooten. Kaiserliche Interventionstruppen, robotisierte nicht tödliche Kontrolleinheiten.
Zwei spinnenartige Roboter entfalteten sich aus den Schalen heraus, bewaffnet mit Universalstrahlenkanonen und Fixierungsapparaturen, die selbst William Maka oder den muskulösen Chazon zu Boden zwingen könnten, wenn sie sie zu fassen kriegten.
Mit einem sirrenden Klicken rasten die Einheiten auf sie zu. Maka rollte sich in Richtung des Sees, wo das Wasser einen Teil der Lähmungsstrahlen absorbieren würde und riss gleichzeitig an einem kleinen Draht, der in seinen Oberarm eingelassen war. Ein flimmernder Schutzschild baute sich um den Kopfgeldjäger auf, doch der Akku würde nicht lange halten. Drei Minuten, vielleicht vier, um zwei Kampfdroiden lahm zu legen und das Pulsgewehr lag bei den Zelten.
Ohne Blitz, Knall oder sonstige sichtbaren Nebeneffekte fielen die Körper der anderen in sich zusammen. Dann schwangen die Strahlenkanonen in Makas Richtung.
Charlie war noch im Schiff, als es geschah. Er bekam den Einschlag der Maschinen nur anhand der Druckwelle mit, die sie durch den Boden und die Landestützen des Schiffes sandten.
Als er zum Überwachungsmonitor der Ladeluke hastete, überkam ihn kalte Furcht. Er musste mit ansehen, wie die spinnenbeinigen Roboter über die Crew und Passagiere der Queen herfielen. Im ersten Moment drohte aus dieser Angst sogar Panik zu werden, als er glaubte, seine Freunde sterben zu sehen, aber dann erkannte er, dass die Maschinen bloß Lähmungswaffen einsetzten.
Dennoch, die anderen waren in großer Gefahr, denn wer immer die Maschinen geschickt hatte, hatte nicht unbedingt friedliche Dinge im Sinn.
Er konnte nicht sagen, ob die Maschinen alle von ihnen erwischten, denn die Kamera war in einem ungünstigen Winkel unter dem Rumpf des Schiffes angebracht und diente eigentlich auch nur dazu, Fracht im Weltall kontolliert aufnehmen zu können.
In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Was ging dort draußen vor und - viel wichtiger - was sollte er tun? Als erstes musste er das Schff verriegeln. Gott sei Dank ging das über eine nahe Konsole. Es war eines der Notfallprogramme, die ROM erstellt hatte um die Queen besser abzusichern, als es bei der Werkausstattung der Aethersprite Raumfrachter der Fall war.
Mit einem lauten metallischen Schlag rasteten überall im Schiff zeitgleich die Lukensperren ein. Was jetzt?
ROM! Er war sicher noch im Vault. Sollte er ihn holen? Nein, besser nicht. ROM war vor allem Techniker und hatte im Gegensatz zu den anderen Crewmitgliedern nie in seinem Leben eine militärische oder zivile Kampfausbildung erhalten. Er wusste wie man eine Waffe hielt und abfeuerte, aber er war weder en guter Schütze, noch wäre er im Kampf - sollte es denn dazu kommen - gegen die Maschinen eine Hilfe. Außerdem war Charlie sich ziemlich sicher, dass die Notfallsperrung des Schiffes auch die Vault verriegelt hätte. Die Lebenserhaltungssysteme würden den Raum weiterhin mit Luft versorgen, aber vorerst saß ROM fest. Charlie konnte sich sogar gut vorstellen, dass der Techniker - die Kopfhörer auf den Ohren - nicht einmal etwas von der Notschließung oder dem Angriff mitbekommen hatte.
Blieb eine Sache:
was sollte er gegen die Roboter tun? Er warf noch einen Blick auf den Lukenmonitor. Zur Zeit war nur eine der Maschinen zu erkennen. Dann hastete er in Richtung Waffenkammer.
Er blieb eine Sekunde vor den Sturmgewehren stehen, die in ihren Halterungen in der Innebeleuchtung matt glänzten, dann griff er sich das Plasmagewehr aus der Ladehaltung. Die Ladeanzeige blinkte kurz grün auf und zeigte an, dass der Munitionsvorrat voll geladen war. Damit hatte das Gewehr genug Munition für etwa dreieinhalbhundert Schuss. Im Gegensatz zu den Pulsgewehren war es zudem wahrscheinlicher, dass es was gegen die Maschinen ausrichten konnte.
Mit eiligen Schritten bewegte er sich zur Brücke.
Dort zeigten die Schirme die volle Szenerie:
die Crew, die auf der Wiese lag, regungslos. Eine der Maschinen bewachte sie und Charlie konnte erkennen, dass aus ihrer Spitze eine Reihe von Überwachungssystemen ausgefahren worden war, die ihre Opfer begutachteten. Wo die zweite Maschine war wusste er nicht. Sie war jedenfalls nicht auf den Schirmen zu sehen.
Er überlegte einen Augenblick ob er es wagen konnte, die Waffensysteme des Schiffes auf die Maschine ausrichten sollte, entschied sich aber dagegen. Dafür war der Roboter der Crew zu nahe.
Was konnte er also tun?
Und wo war die zweite Spinne?

_____________

[Bild: 5909315253.jpg]

Am Rande des Systems 737-214 fiel die Spectre aus der Überlichtgeschwindigkeit. Sofort erfassten die Sensoren ein das größere Schiff, dass sich ebenfalls dem Urpsrung der abgefangenen Sensorkoordinaten näherte. Es war groß, größer als die Spectre mit ihren kanpp zweihundert Metern.
Was ging hier vor sich?
D'unn beschloss, dass dies herauszufinden, das Risiko wert war, näher heranzufliegen.
Kurz zündeten die Triebwerke des Schiffes,dann glitt es langsam und wie unsichtbar auf Kurs.
"General? Der angeforderte Bericht steht nun bereit."
Ritualde nickte. Auf dem Hauptbildschirm der Kommandobrücke flackerte die in den Datenbanken gespeicherten Aufnahme ihres Zieles auf, ein langsam rotierender grün-blauer Planet. Gleichzeitig ertönte die Computerstimme.
"Narojan. S-Klasse Planet. Position 732 / 665, Center Rim. Seit dem 13.3.741 Außenkolonie des Saranischen Imperiums, bestätigt durch den Handelsvertrag 741.15.02 mit der GAFV, als anerkannt kategorisiert. 128 Kolonisten auf dem südlichen Kontinent II registriert, alle unter Tage lebend. Die Kolonie wird ausschließlich zum Bergbau genutzt. Rohstoffe: Trilizium, Titanium. Fördermenge Jahr 757: 26,5 Mio t. Der Planet war bei Kolonisierung unbesiedelt, allerdings lassen Forschungsarbeiten des Imperialministeriums für Wirtschaft auf eine urzeitliche Besiedlung schließen."
Auf dem Bildschirm erschien für einige Sekunde das Bild einer seltsam geformten Felsformation, umgeben von Dschungel.
"Es wurd keinerlei intelligentes Leben registriert, schließen imperiale Archäologen auf eine unbekannte Naturkatastrophe. In der Zeit der Kolonisierung keine Vorkommnisse gemeldet. Bericht Ende."
Der Bildschirm gab wieder den Blick auf den verzerrten Weltraum frei, den die Thordok I mit Hypergeschwindigkeit durchraste.
Der erste Offizier, Commander Leyr blickte Ritualde erwartungsvoll an, doch dieser schwieg.
"Klingt nicht so, als ob der Planet ein Problem darstellt.", sagte er nach einigen Sekunden allgemeinen Schweigens.
Ritualdes Miene verdüsterte sich.
"Warten wir es ab."

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"General, 4 der 6 erfassten Lebensformen sind ruhig gestellt."
Leutnant Shaira Walon, zweiter taktischer Offizier der Thorok I, sprach wie immer sachlich und kühl. Das dunkle Haar zu einem strengen Zopf nach hinten gebunden, hatte sie bei ihrer Rede weder aufgesehen noch sich sonst irgendwie unterbrechen lassen. Ihr schnellen Finger steuerten das Sichtfeld und die Bewegungen des 2. Aufklärungsdroiden mit. Im nächsten Moment allerdings fixierte die Kamera des Roboters einen Mann, der sich als Schutz zum Wasser zurückgezogen hatte.
"Identifizierung!", erklang der barsche Befehl Ritualdes.
Das gespeicherte Bild des Unbekannten erschien mit auf dem Hauptbildschirm. Dann...
"Identifizierung unmöglich.", erklang die Computerstimme.
"Suche auf die vorhandenen Datenbänke der GAFV ausdehnen!"
"Identifizierung unmöglich."
Ritualde schüttelte kurz den Kopf. Dies waren defintiv keine legalen Siedler eines mit dem Imperium allierten oder bekannten Planeten. Obwohl das Saranische Imperium kein Mitglied der GAVF war, bestand doch durch mehrere Assozierungsverträge so etwas wie eine "wohlwollende Neutralität", was dem Imperium gerade bei der Verbrechensbekämpfung entgegen kam.
"General, wir haben ihren Orbitalsensor entdeckt und erfasst.", unterbrach der Offizier neben Walon, Ltd. Commander Tsar, 1. taktischer Offizier der Thordok I, die Grübeleien Ritualdes.
Dieser nickte nur kurz, dann zerstörte eine kurze Plasmasalve den unter dem Schiff schwebenden Sensor.
"Zumindest werden sie nun niemanden um Hilfe holen können", stellte Leyr zufrieden fest.
Tsar, ein hochgewachsener, schlanker Mann mit dunklen, langen Haaren, typisch für Saran Khoris (einem der Basisplaneten des Imperiums) schüttelte mit gerunzelter Stirn den Kopf.
"Ich fürchte, wir sind schon zu spät. Meine Sensoren haben für einen Moment eine ungewöhnliche Fluktuation im Raum festgestellt, konnten aber weder ein Schiff, noch irgendetwas anderes registrieren. Das Signal ist vollständig verschwunden, doch es war da!"
Ritualde stand energisch auf und wandte sich an seinen 1. Offizier.
"Es wird nicht so langweilig, wie sie denken, Leyr. Hier stimmt etwas nicht, dessen bin ich sicher. Unsere Schilde auf Maximum. Ich möchte nicht in einen Hinterhalt geraten, von wem auch immer. Signalisieren Sie dem Rest der Flotte, sie soll von ihrem ursprünglichen Kurs abweichen und hierher kommen. Sie sollen den Planeten umkreuzen. Ich möchte, dass hier niemand landet oder startet ohne unsere Erlaubnis! Ltd. Walon, fangen Sie mir diese Eindringlinge, aber verletzen Sie sie nicht! Wir müssen wissen, wer das ist und was sie hier wollen."

("Der Rest der Flotte" sind 4 kleinere Imperialkreuzer, die zusammen mit der Thordok I die Flottenstaffel 5: "Die Falken" bildet.)
Einer der Interventionsroboter kam auf William Maka zu und hielt nur kurz inne, um seine Kamera auf den Kopfgeldjäger auszurichten. Dann surrten Servomotoren und die Strahlenkanone verschwand im inneren Panzer des Roboterleibes, nur um von einer anderen Waffe ersetzt zu werden. Maka erkannte einen Plasmawerfer, vermutlich Klasse drei, und sein letztes Bisschen Zuversicht schwand. Der Schild würde höchstens einem, höchstens zwei Schüssen standhalten und auch das Wasser konnte ihn vor Plasma nicht schützen. Maka sprintete los, auf den am nächsten gelegenen Bewohner zu, in der Hoffnung dort Deckung zu finden.
Ein Kreischen ertönte und eine Plasmaladung jagte über Makas Kopf hinweg um dann in den Bewohner einzuschlagen. Felssplitter spritzten von Makas Schutzschild ab und die Druckwelle warf ihn zu Boden. Als er sich wieder aufrichten konnte, war der Spinnenroboter schon über ihm, das Geschütz auf seinen Kopf gerichtet. Maka sank auf die Knie und faltete die Hände hinter dem Kopf. Es war nicht das erste mal, dass er von kaiserlichen Truppen gefangen genommen wurde.
"Objekt gesichert, General.", sagte Ltd. Walon, diesmal nicht ohne leichte Genugtung mit Blick auf den Gefangenen, der Sekunden zuvor durch automatisch vorschießende Fiberseile von der Robotorspinne an den Händen gefesselt wurde.
Tsar, der die Kontrolle über die zweite Spinne übernommen hatte, untersuchte hektisch seinen Bildschirm, der, wie bei Walon auch, alles zeigte, was der Robotor durch sein künstliches Auge sehen konnte.
"Einer von ihnen ist immer noch bewegungsfähig, aber nicht zu entdecken. Er muss sich in ihr Schiff zurückgezogen haben."
"Ihre Panzerung wird unseren Plasmawerfern nicht standhalten.", stellte Walon wieder sachlich fest.
Ritualde schüttelte kurz den Kopf und stand auf.
"Das wird nicht nötig sein, Leutnant. Übertragung."

Die Robotorspinnen, die sich beide zur Gambit Queen gedreht hatten, hielten in ihren Bewegungen inne. Eine kleine Klappe ließ eine Antenne erscheinen.
"Eindringlinge!", schalte die raue Stimme Ritualdes über die Lichtung, "Mein Name ist General Maruk Ritualde, Flottengeneral der Staffel 5 vom Saranischen Imperium. Sie haben sich des unerlaubten Landens und Aufenthalts auf einer saranischen Kolonie schuldig gemacht. Kommen sie unbewaffnet aus dem Schiff, so dass wir sie zur weiteren Untersuchung hochbeamen können. Jeglicher Widerstand wird als Feindseligkeit betrachtet und entsprechend beantwortet werden! Wir beginnen mit dem Hochbeamen der Gefangenen."

Ritualde nickte dem Offizier hinter ihm zu. Dieser drückte ein paar Knöpfe, doch nichts geschah.
"Ich kann sie nicht erfassen, General."
"Versuchen Sie es noch einmal!"
Auch der zweite Versuch scheiterte.
"Unsere Sensoren können nichts erfassen.", sagte Tsar kopfschüttelnd, "Aber ich registriere weder ein Tarnfeld noch irgendeine Schutzvorrichtung. Es scheint alles normal, doch ihre Signatur ist für die Sensoren einfach nicht erreichbar."
"Haben Sie eine Erklärung?", fragte Ritualde ruhig.
"Keine, General. Es ist so, als ob der Planet selbst unsere Sensoren blockiere. Aber das ist unmöglich. Es existiert kein bekanntes Material oder Gestein, welches so etwas ausrichten könnte."
"Versuchen Sie es weiter, Tsar! Wir müssen genaueres über die Beschaffenheit des Planeten wissen, wenn wir ein Außenteam hinunterschicken wollen. Ltd. Walon, halten Sie den Gefangenen weiter unter Kontrolle. Commander Leyr, übernehmen Sie die zweite Spinne und schützen Sie Walon. Wir werden sehen, wie die verbleibende Person im Schiff reagiert!"
Im Inneren der Kommandobrücke der Queen lief Charlie nervös hin und her, seine Gedanken überschlugen sich. Was sollte er bloß tun? Die Funknachricht des saranischen Schiffes hatte ihn erst recht außer Fassung gebracht. Konnte er seine Freunde überhaupt noch retten? Und wo war Maka? Charlie war sich sicher, dass die Maschinen ihn nicht erwischt hatte, jedenfalls nicht bei der ersten Attacke.

Vier Dutzend Meter unter Charlies Füßen befand sich die saranische Kolonie. Es waren größtenteils Menschen und Maschinen, die hier arbeiteten, dazu ein paar Chazon und noch viel weniger Ongkai. Sie alle bekamen nichts von dem mit, was über ihnen passierte während sie tiefer und tiefer in den Leib des Planeten vordrungen, immer auf der Suche nach wertvollen Rohstoffen um den Reichtum des Imperiums zu mehren.
Sie bekamen aber auch nicht mit, was unter ihnen geschah, Meilen und Meilen unter der Oberfläche des Planeten.

Unter der Kolonie, dort wo die Kruste des Planeten auf dem flüssigen Magma, lag die Kammer.
Eine halbe Meile Metall trennten sie von den heißen Feuerströmen und doch war es hier merkwürdig kalt. Die Kammer war hermetisch abgeriegelt, nichteinmal Staub hatte hier eindringen können.
Im Zentrum der Kammer stand ein runder Podest.
Etwas klackte. Surrte. Ein Licht erschien auf einem lange unbenutzten Bildschirm.

////Interner Datenbank-Abgleich --- Between U6CI2IB COONB 6IU BI66B --- ((Error)) --- Reboot --- HUWF WF HUO OGS HUO O8D2M O6MF --- Confirmed --- ((Error)) --- Reboot//

Der Atem von etwas Gewaltigem schien durch die Kammer zu fegen, als Lüftungsmechanismen gemeinsam mit fast vergessenen Rechenmaschinen ansprangen.

//Rebboot abgeschlossen --- HUWF HUWF HUWF WF HUO OGS HUO O8D2M O6MF --- KJ --- This is HUO OGS HUO O8D2M ends --- KJ KJ KJ --- KJ initialized//

Etwas war ...
erwacht?
Nicht ganz, aber...

//Detec --- Re-Sync --- Erfasst --- Orbitalobjekt erfasst --- Galleone --- unidentifiziert --- Blockiere --- Re-Sync --- iere Sensoren --- Done --- Sync.Error --- ((Error)) --- What has s --- t a thousand yea --- Sync.Error --- Nachricht empfangen --- Absender --- De.Crypt --- nder: LJ --- ((Error)) --- Malfunction --- Re-boot --- Reading Message --- hricht: Schutz der Einri --- facility --- Re.Sync --- höchste Priorität --- LJ Ende// [i]

Ein grünes Licht begann zu Blinken, erst langsam dann schneller, bis es zu einem konstanten Leuchten wurde.

[i]//Leite Wachsequenz ein --- Re.Sync --- Unit 01 rdy --- Uni ---Re.Sync --- Einheit 03 bereit --- ((Error)) --- Re.Sync --- Unit 04 rdy --- Unit 05 rdy --- Unit 06 rdy --- Unit 07 rdy ---//


Nicht unweit der Kammer erwachten mehrere Bewusstsein aus ihrem Schlaf.

//Unit 212 rdy --- Unit 213 rdy ---//
"Das heißt, wir sind in Gefahr?", fragte der Mann auf dem Bildschirm wieder entsetzt.
"Nein!", antwortete Ritualde bestimmt. "Gouverneur Takis, eure Aufgabe ist es, die Kolonisten unter Kontrolle zu halten. Ich möchte keine Panik. Das saranische Militär hat die Situation absolut unter Kontrolle. Bis auf weiteres werdet ihr eure Arbeit weitermachen, wie bisher. Ist das klar?"
"Ja, aber..."
"Das wäre alles. Heil dem Kaiser, seine Gnade erleuchte uns!"
Der Bildschirm erlosch und Ritualde schnaufte genervt. Einige Minuten starrte er nur weiter genervt auf den leeren Bildschirm vor ihm, als wolle er ihn zwingen sich seinem Willen zu beugen. Dann drehte er sich aprupt um und fragte barsch: "Tsar? Irgendwelche Ergebnisse?"
Seit Ritualde mit Gouverneur Takis, dem offiziellen kaiserlichen Verwalter Narojans diskutiert hatte, hatte Tsar unentwegt an seinem Computer herumgetippt, gerechnet und Daten gesammelt. Nun ließt er entmutigt den Kopf sinken.
"Leider nein, General. Ich kann ihnen Daten zur äußeren und inneren Beschaffenheit Narojans geben. Ich habe alle Informationen des Wirtschaftsministeriums durchgesehen, die ich kriegen konnte. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für irgendwelche Anomalien. Wir wissen praktisch nichts über den Planeten."
Ritualdes Miene verdüsterte sich.
"Ich verstehe. Machen Sie dennoch weiter! Commander, ich werde mit einem Außenteam auf den Planeten gehen. Wenn unsere Sensoren nicht durchkommen, müssen wir uns die Gefangenen so holen."
"General, wenn sie in Gefahr geraten, können wir sie nicht heraufbeamen.", antwortete Ley stirnzrunzelnd, "außerdem ist immer noch ein Gefangener im Bord des Schiffes."
"Es sollte kein Problem zu überwältigen, Leyr. Je schneller wir diese Mission beendet haben, umso schneller sind wir hier fort. Es obliegt dem Ministerium für Wirtschaft diesen Planeten dann genauer zu untersuchen, das ist nicht unsere Aufgabe! Walon, sie kommen mit mir. Ley, sie übernehmen das Kommando. Informieren Sie mich sofort, wenn die Flotte hier eintrifft!"
Mit schweren Schritten und noch finsterer Miene als zuvor verließ Ritualde, dicht gefolgt von Ltd. Walon die Brücke der Thordok I.
Kurze Zeit später landete ein kleiner Transporter mit Ritualde, Walon und vier weiteren Soldaten unweit der Gambit Queen.
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