Literatopia

Normale Version: Monster
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Hallo, an alle.
Ich dachte mir,ich mache mal den Anfang und starte mit einer Fantasy-Geschichte der etwas anderen Art, denn meine Hauptfigur ist kein richtiger Mensch, sondern ein Monster. Die Geschichte spukt mir schon seit etwas längerer Zeit im Kopf herum, und ich freue mich auf eure Ideen.
Ich beginne mit einem kleinen Vorwort und schreibe dann ein paar Sätze des Anfanges.
Wer Lust hat, springt ein.

(Die Welt will ich hier nicht so genau festlegen. Alles ist erlaubt, auch wenn ich so süße kleine Elfen gerne vermeiden würde. Ich denke an ein etwas düsteres Szenario - ein mit Kriegsnarben übersätes Land zum Beispiel.)

Zu der Geschichte


Vorwort

Meine Familie hat mich verstoßen,
während das Blut der Geburt noch auf meiner Haut trocknete.
Sie fragen, warum?
Dann kommen sie näher! Ich zeige es ihnen.
Oh, sie weichen zurück!
Ja, ich bin ein Monster.
Mein rechter Arm ist schwarz wie die Nacht und klauenbewährt,
katzenähnliche Pranken zieren meine Beine,
und auf der Stirn wachsen mir zwei spitze Hörner.
Mit den Zähnen in meinem Mund kann ich das zäheste Fleisch zerreißen,
und aus meinem Rücken ragen Furcht erregende knöcherne Auswüchse.
Ja, ich bin ein Monster!
Trotzdem lag das Schicksal der Welt einmal auf meinen Schultern.
Sie wollen wissen, warum?
Dann setzen sie sich!
Ich werde es ihnen erzählen.
1 Kapitel
Ein eisiger Wind strich über die Hochebenen von Trilien. Roh und Unbarmherzig pfügte er sich durch die kargen Hügel und riss alles mit sich, das sich nicht eng genug gegen die Hänge duckte.
Leben war in diesen Landstrichen rar gesät. Alles, was die Möglickeit hatte sich irgendwie zu bewegen, war schon lange verschwunden, und nur ein paar horstige Gräser, hartnäckig und stur in ihrer Art, boten dem Wetter noch die Stirn.

I[align=justify]n den alten Sagen der Händler hieß es, die Hochebenen wären verflucht. Des Nachts, wenn der Wind ruhte, und die Wolken reglos den Mond verhüllten, so sagten sie, stiegen Dämonen aus ihren felsigen Löchern und suchten sich ein nährendes Opfer aus den Karawanen, die durch die Täler zogen.
Auch heute hatte es wieder ein Opfer gegeben - ein junger Ochse -, und während die Händler sich durch das laute Brüllen verängstigt in ihren Wagen verbarrikadiert hatten, schritt der Dämon blutverschmiert mit seiner Beute von dannen.
Gestärkt und die Reste seines Abendmahl hinter sich herzerrend, kehrte er in seine karge Behausung zurück.
"Da bist du ja wieder.", keuchte der alte Mann hasserfüllt. "Ich dachte sie hätten dich endlich erwischt." Er spuckte aus.
"Ich habe dir etwas zu essen mitgebracht." antwortete der Dämon niedergedrückt. Der Ochse landete vor der Bettstatt des alten.
Dieser schrie auf. "Bist du völlig wahnsinnig?! Nimm das Ding weg!" Der Alte begann zu Husten.
"Aber du musst etwas essen.", widersprach der Dämon und erntete dafür einen konsternierten Blick aus blutunterlaufenen Augen.
"Warum sollte ich?" fragte der Alte röchelnd. "Diese Krankheit bietet mir die Möglichkeit endlich von dir wegzukommen. Zu lange habe ich mich schon um dich gekümmert, aus Achtung vor meinem Herrn. Ich habe geschworen auf dich aufzupassen und dich nicht zu verlassen. Das habe ich getan. Fünfzehn lange Jahre lang!" regte er sich auf. Ein heftiger Hustenanfall beutelte seinen Körper. Blut fiel auf den Boden. "Der Tod ...", röchelte er angestrengt, "... ist das Beste was mir passieren kann." Der Alte sackte erschöpft zurück auf sein Lager und schloss die Augen.
Der Dämon betrachtete ihn eine Weile schweigend, sah zu wie sich die ausgemergelte Brust schwer hob und senkte. Eine Welle des Hasses loderte in ihm auf, doch er drängte sie zurück - wie jedes Mal, denn der Alte war alles, dass er hatte.
"Du stirbst.", bemerkte er, so als wäre ihm die Tatsache gerade erst bewusst geworden.
"Ja, ich sterbe." stimmte der Alte gelassen zu.
"Dann sag mir, wer ich bin woher ich komme!"
Der Alte gackerte fröhlich. Seine dünnen Lider fuhren nach oben. "Warum sollte ich das tun?", fragte er. "Denkst du, deine Familie würde dich freudig in die Arme schließen?" Er grinste spöttisch. "Die Heimkehr der verlorenen Tochter. Pah. Du wirst schön hier bleiben ... Hier, in dieser verfluchten Einöde. Für eine Ausgeburt wie dich gibt es keinen besseren Ort." erkärte er und schloss die Augen.
Nach einem Moment der Stille ergriff er noch einmal das Wort. "Glaub mir, Mädchen!", sagte er beinahe sanft. "Hier bist du wirklich am besten aufgehoben. Dämonen wie du, sind da draußen nicht gerne gesehen."



Als es still geworden war, wagten sich die ersten Männer aus ihren Wagen, bewaffnet mit Dolchen und Jagdbögen. Der eisige Wind pfiff zwischen den Planen hindurch und trug den Geruch von frischem Blut über die Ebene. Meldred zog seinen Mantel enger um sich und stapfte zu einer Gruppe Händler hinüber, die im flackernden Schein von Teerfackeln berieten, was zu tun sei.
"Der Dämon wird wiederkommen! Wir sind verdammt, wenn wir nicht sofort weiterreisen." sagte einer der Händler, ein kräftiger Mann mit vor Angst geweiteten Augen.
"Aber die Tiere sind schwach. Wenn wir sie jetzt weitertreiben, kommen wir nicht bis ins Tal, bevor die ersten zusammenbrechen."
"Wir müssen uns bewaffnen und den Dämon aufspüren. Wenn er gegessen hat, wird er träge sein und leicht ..."
Abruptes Schweigen kehrte ein, als die Männer Meldred bemerkten. In ihren Augen las er Ablehnung und Feindseligkeit, doch ihre Haut stank nach Angst. Sicher fragten sich viele von ihnen, ob nicht der geheimnisvolle Reisende mit dem Auftauchen des Dämons zu tun hatte. Sein bleiches, ausgemergeltes Gesicht gab keinen Anlass zu Vertrauen.
Als Meldred sprach, war seine Stimme leise und raschelnd wie altes Papier. Die Männer rückten unmerklich näher zusammen und Meldred konnte spüren, dass er ihnen kalte Schauer über die Rücken jagte.
"Ich weiß nicht viel über Dämonen." Ein Lächeln zuckte über seine Mundwinkel. Es war ihm egal, ob sie es bemerkten. "Aber wenn dieser Dämon auf Menschenfleisch aus gewesen wäre, hätte er sich kaum mit einem alten Ochsen zufrieden gegeben. Uns droht keine Gefahr. Und sollte der Dämon - wenn es denn tatsächlich ein Dämon ist, und nicht nur ein wildes Tier, wiederkommen, so werden wir ihn mit unseren Waffen begrüßen."
Einige der Männer nickten und murmelten zustimmend, doch der, der zuerst gesprochen hatte, zischte verächtlich.
"Unsinn!", rief er. "Das war eine Warnung. Wenn wir sein Gebiet nicht verlassen, wird der Dämon wiederkommen um uns alle zu töten. Dann werden uns unsere Waffen nicht helfen, denn die Bestie ist unverwundbar!"
"Gunnar hat Recht." Fiel der Führer der Karawane, ein Kriegsveteran namens Ifrick, ein. "Wir können hier nicht bleiben. Aber im Dunkeln aufzubrechen ist zu gefährlich. Wir stellen Wachen auf und ziehen im Morgengrauen weiter."
Die anderen Männer waren einverstanden und der Kreis löste sich auf. Meldred blieb noch eine kurze Weile stehen und sah zum Mond hinauf. Die Sichel war dünn, noch viele Tage bis Vollmond.

Als die Wagenburg enger gezogen und mehr Fackeln entzündet wurden, ging Meldred zu der Stelle, an der der Ochse gestorben war. Eine Spur duftenden Blutes entfernte sich vom Lager und Meldred folgte ihr.
"Wer bist du?" Murmelte er. "Wer bist du nur?"
Eine Erschütterung lies Jorel aus ihrem Schlaf erwachen, das Schiff war in einen Hafen eingelaufen. Verschlafen rieb sie sich die Augen und sah sich um. Unter Deck war es finster, das schwache Licht einer Fackel deute den Weg nach oben. Jorel strich sich ihre langen schwarzen Haare zu Recht und verbarg sie dann unter der Kapuze ihres Mantels. Ein tobendes Geschrei drang vom Deck zu ihr herab. Sie wurde neugierig, leise schlich sie die Treppen empor und warf einen Blick aus der kleinen Bodenluke. Wie lange hatte sie hier unten geschlafen? Gewiss ihre Reise war lang, zu lang. Ein starker Arm packte sie und zog sie empor. „Lauer nicht hier herum, hilf lieber das Schiff mit abzuladen und dann verschwinde.“ Jorel nickte kurz, löste sich aus dem harten Griff des Mannes und ging hinüber zu den Säcken, an denen sich schon eine ganze Horde an Männern zu schaffen machte.

Langsam wurde es hell, die schwache Sichel des Mondes war nur noch zu erahnen. Jorel zog den Mantel eng um ihren Körper, um eine Barriere für den Wind zu schaffen. Sie hatte das Schiff und den Hafen weit hinter sich gelassen. Die Stadt in der sie gelandet war, war sehr groß und überfüllt, wie sie fand. So bald sie ein paar Sachen erledigt hatte würde sie die Stadt schnellst möglich wieder verlassen. Sie wollte kein Aufsehen erregen, noch nicht, daher war es besser solche Städte wie diese zu meiden.
Ihr Magen knurrte, schon seid Tagen hatten sie furchtbaren Hunger. Als sie so durch die Straßen schlich und der Duft von frisch gebackenen und gepökelten Fleisch ihr in die Nase stieg hielt sie es kaum noch aus. Von weiten sah sie den Marktplatz, von dem wohl der herrliche Duft ausging. Mit der Kapuze weit ins Gesicht gezogen stellte sie sich an die Seite eines Standes. Frisches Brot, ihr lief das Wasser im Mund zusammen. Die Marktfrau war abgelenkt, ein älterer Herr kaufte einen Berg an Brötchen, Broten und Kuchen, das war der passende Moment. Jorel streckte schnell ihren Arm aus und lies eins der Brötchen in der Tasche ihres Mantels verschwinden, ein weiteres hielt sie in der Hand und biss hinein. Es war köstlich, als sie den ersten Bissen hinunter geschlungen hatte und sich auf den Weg machen wollte, ertönte ein schrilles Geschrei „Da ein Dieb … fasst ihn“, eine junge Frau schrie laut und deutete mit ihren Zeigefinger auf Jorel, so dass bald sämtliche Blicke auf sie gerichtet waren. Jorel rannte los, sie hatte jedoch bald eine kleine Traube von Männern hinter sich. Sie wusste es, sie war noch nie eine gute Diebin gewesen, schnell lies sie auch das zweite Brötchen in der Manteltasche verschwinden und bog an der nächsten Ecke ab. Sie lief so schnell sie konnte, bog ab, rannte weiter, sprang über Karrenfahrer die auf dem Weg zum Marktplatz waren. Noch immer hörte sie das Geschrei ihrer Verfolger. Da eine Dachluke, Jorel sprang und zog sich mit ihren langen Armen nach oben, mit geduckter Haltung huschte sie über die Ziegel, sprang auf einen Vorsprung und verschwand hinter Schornsteinen und Dächern. Schließlich wurde sie langsamer und hielt inne, hinter einen Schornstein lies sie sich runter rutschen und atmete durch, ihre Seiten stachen und die Füße schmerzten. Sie musste grinsen, es war doch jedes Mal eine neue Herausforderung. Es war Zeit das sie sich auf den Weg machte. Der Lärm auf den Straßen hatte sich gelegt, jedenfalls hier. Sie sprang von dem Dach und landete weich und lautlos auf ihren Füßen in einer neben Gasse.
Als sie die Stadt hinter sich gelassen hatte und keine weiteren Verfolger auf sich aufmerksam gemacht hatte, atmete sie erleichtert durch. Ein Stück lief sie noch die Straße entlang, bog dann jedoch in den Wald ab, der seine Füße nicht weit entfernt der Straße ausstreckte. Der Wind strich durch die Bäume und bog Gräser und Sträucher. Jorel nahm unter einen Baum platz, zog eines der Brötchen aus ihrer Manteltasche hervor und biss genüsslich hinein, ihre Reise würde sie später fortsetzen …
Der alte Mann war tot.
Die Dämonin hockte neben dem dem leblosen Leib, ließ ihre Augen über die von der Zeit zerklüfteten Züge, über die in Gram geborenen Falten um Mund und Augen wandern und horchte in sich hinein.
Ein Gefühl von Erleichterung wwar da in ihr, aber auch Angst und Trauer, denn jetzt war sie ganz allein. Ohne jeglichen Hinweis auf ihre wahre Identität.
Bedrückt seufzte sie ein letztes Mal auf. Dann packte sie die Decke, in die sich der Alte eingewickelt hatte und zerrte die Leiche zum Ausgang der Höhle.
Das fahle Licht des Mondes stand hoch am Himmel, die trockenen Gräser raschelten ängstlich in den tödlichen Winden, während sie Schritt für Schritt über die Ebenen wanderte, um einen guten Platz für die Reste des Alten zu finden.

Sigurd

Ich könnte ihn auch einfach irgendwo liegen lassen, dachte sie, für die wilden Tiere. Was macht es einem Toten schon aus, was weiter mit seinem Körper geschieht. Er ist ja nicht mehr da drinnen in diesen Leib. Und dass sein Geist oder seine Seele von oben zuguckt, ist doch bloß ein Ammenmärchen. Sie lief weiter, die enorme Last des Leichnams schwer hinter sich her ziehend, so dass sie hin und wieder anhalten mußte, um Luft zu schöpfen und zu verschnaufen.

Mein Gott, lange hielt sie das nicht mehr durch. Und was mache ich, wenn plötzlich Fremde auftauchen und mir ans Leder wollen? Dann bin ich vielleicht längst zu entkräftet, um das Schwert zu ziehen und mich zu verteidigen. Dann bin ich selbst tot, eh ich mich versehe. Sie hielt wieder einen Moment an und verschnaufte. Dann verstärkte sie den Griff noch, mit dem sie das Leichentuch festhielt, und zog die schwere Fracht weiter - in Richtung eines kleinen Hügels, der ein Stück entfernt von ihr aufgetaucht war. Bis dahin wird es gerade noch gehen, dachte sie.

Angekommen, musste sie sich einen Moment hinsetzen, um sich zu erholen. Dabei behielt sie die Umgegend genauestens im Auge. In solchen Momenten tauchten Feinde mit Vorliebe auf, um einem den Garaus zu machen. Aber wie das so ist: Wenn man drauf vorbereitet ist, lässt sich dann doch keiner blicken.

Schließlich stand sie auf, grub ein Loch in die unvermutet weiche Erde des Hügels und legte den toten Mann hinein. Dann sprach sie eine Art Gebet, sah ihm ein letztes Mal ins Gesicht und begann das Grab mit Erde zuzuschütten ... Es gibt doch einen Grund, eine Leiche nicht einfach den wilden Tieren zu überlassen, dachte sie dabei: Respekt vor dem Toten, also auch vor dem leblosen Körper, der einmal sein Haus gewesen war.