Literatopia

Normale Version: Sektor 42: Das Versteck
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
So, hier mal die zwiete laufende Geschichte aus dem Sci-Fi-Rollenspiel aus dem seligen LP Icon_wink
Zur Einführung:
die Geschichte ist eng mit "Paradiesische Hölle" Verknüpft, spielt aber etwas später (weshalb Maka auch in beiden Geschichten auftauchen kann)
Ansonsten gilt alles, was Dread schon vorher gesagt hat


Forum: Sektor 42
Thema: Geschichte: Das Versteck
--------------------------------

coco:
„Verdammt, wo sind wir hier?“ Nur mit Mühe konnte Lilifer die Tränen zurückhalten. Sie hatte Angst, nein, sie stand kurz vor einer Panikattacke. Aus ihren dürren Händen, die sich an die Armlehnen ihres Polstersessels klammerten, traten schneeweiße Knöchel hervor. „Ich will nach Hause!“ Der erste salzige Tropfen rann ihre zerschrammte Wange hinab.
„Olle Heulsuse!“, rief ihre erwachsene Schwester von der Navigationskonsole herüber. Rosaly war gar nicht erst wieder aufgestanden, nachdem die Fehlfunktion des Antriebs sie auf den Boden geschleudert hatte. Zwischen zersplittertem Zierrat und Dampfwolken aus dem überforderten Kühlsystem hockte sie auf der Brücke und starrte durch die Frontscheibe. Der Panorama-Bildschirm war nun vollends durchsichtig, sämtliche Kontrollen hatten sich für einen System-Neustart abgeschaltet. „Sei doch einfach mal still, damit ich in Ruhe diesen ... überhitzten Mist reparieren kann!“ Auch bei Rosaly lagen die Nerven blank, doch sie hatte sich im Griff und schraubte konsequent ein verkohltes Bauteil nach dem anderen aus der Schalttafel. „Kannst du dir zwei Zahlen merken? Dann geh mal ins Ersatzteillager und hol die Kisten 284 und 3367!“
Als die kleine Nervensäge von der Brücke verschwunden war, atmete Rosaly auf. Es war doch alles halb so wild! Irgendein Problem hatte sie aus dem Hyperraum geworfen. Okay, sie hatten keine Ahnung, wo in der Galaxis sie sein mochten. Na und? Schon morgen würden sie in einen Orbit um Stratfort fallen. Sobald der Hyperraum-Antrieb wieder lief, regelte sich alles von selbst.
Nur fünf Minuten waren ihr gegönnt, schoben sich die Türen wieder auseinander. „3367 ist da“, sagte Lilifer, „aber die andere Kiste ... sieh selbst, da ist nicht mehr viel übrig.“
Scheiße! Ersatzteil-Einheit 284 musste direkt neben einem glühenden Lüftungsschacht gelegen haben. Die Seitenteile waren von der Hitze verbogen, der Deckel klapperte offen obenauf. Was den Inhalt betraf, waren drei oder vier Teile unbeschädigt. Natürlich waren es genau die Teile, die sie nicht brauchte.
Doppelscheiße! Stumm saß die junge Frau auf der Brücke des geliehenen Raumgleiters; staubiger Dampf ließ ihr Haar in schmierig-nassen Strähnen herab hängen, während die bleiche Notbeleuchtung mit ihrem Nagellack spielte. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie an einem Ort gestrandet waren, an dem jemand sie zufällig finden konnte, war nahe null.
**** Bordcomputer einsatzbereit. ****
Frische Farben auf der Frontscheibe ließen sie aufschauen. Das voll funktionsfähige Navigationssystem berechnete gerade ihre Koordinaten. Gut, wenigstens das war noch heile.
**** Ein bewohnbarer Planet ist in wenigen Stunden erreichbar. ****
„Na schön, wozu diese Information?“
**** Der Sauerstoff wird für zwei Personen maximal eine Woche ausreichen. ****
Zehn Stunden später hing der grüne Planet so groß im Bild, dass man die Wolken zählen konnte. Da Lilifer endlich nicht mehr flennte, konnte Rosaly sich einigermaßen auf die Oberflächenstrukturen konzentrieren. „Computer, was sind das für grau-braune Muster in Planquadrat D5?“
**** Während des Landeanflugs werde ich erneut scannen. ****
**** Bild aktualisiert. ****
**** Leite konstanten Sinkflug ein. ****
**** Bild aktualisiert. ****
**** Bild aktualisiert. ****
Aus dem bräunlichen Fünfeck bildeten sich Klötze heraus, eckige Gebäude, dazwischen sandgelbe Wege. Eine Kolonie! Wenn sie nicht in der Wildnis verrecken wollten, bevor jemand ihren schwachen Notruf-Sender aufspürte, war diese Siedlung ihre wahrscheinlich einzige Chance.
„Gibt es in der Nähe des Dorfes einen Landeplatz?“
**** Der Sandboden könnte bei einer Landung eine für die Einwohner gefährliche Staubwolke aufwirbeln. Soll ich auf dem Fluss aufsetzen? ****
Die Kolonie lag nur wenige hundert Meter von einem breiten Wasserlauf entfernt. Etwas braunes verband den Strand mit den Häusern, eventuell sowas wie ein Bohlendamm.
„Ja, mach das!“
Bei der Wasserung dröhnte die Schiffshülle, Wind und Wellen rissen an der Cosmic Butterfly. Dann ein kurzer Ruck und von dem Lärm blieb nur ein leises Rauschen zurück. Das Schiff hatte seinen Anker versenkt. Vor der Frontscheibe plätscherte türkisblaues Wasser an einen grün schillernden Strand.
**** Über den Notausstieg im Dach könnt ihr jetzt hinaus. Der Abstand zwischen Plattform und Festland beträgt 0,85 Meter. Ihr seid in der Lage sein, diese Lücke ohne Hilfsmittel zu überspringen. ****
Von der Frischluft musste Rosaly schon nach zwei Sekunden husten. Ein Krampf schüttelte ihre Lunge, bis sie keuchend auf dem Dach der Cosmic Butterfly kniete und langsam, ganz langsam wieder zu Atem kam. Irgendwas war in der Luft, aber sie schien sich schnell daran zu gewöhnen. Aber wer waren die vier Humanoiden am Ufer? Holzdiehlen klapperten unter eiligen Füßen, als eine zweite Vierergruppe vom Dorf herbei rannte. Dort standen sie und starrten - Rosaly richtitete sich auf und starrte zurück. Welche Sprache mochen sie wohl verstehen? Unsicher hob sie die rechte Hand zum interstellaren Friedensgruß.

coco:
Gar nicht allzu weit entfernt, auf halbem Weg zum benachbarten Sonnensystem, lümmelte der Kapitän der Pellenore deprimiert in seinem Sessel und fluchte leise vor sich hin. Erst vor vier Tagen hatte man ihn und die Crew wieder an Bord gelassen, nachdem dutzende Sicherheitsleute den Luxusliner mehr auwseinander genommen als repariert hatten. Die Triebwerke hatten sie komplett gegen ältere Modelle ausgetauscht, angeblich mussten sie die guten Motoren zur irgendeiner Untersuchung bringen.
Und was passierte, kaum dass er wieder das Sagen hatte?! Eine Anomalie oder eine Panne, egal, jedenfalls war das Schiff am Hinterteil der Welt gestrandet. Zum Glück ohne Passagiere.
„Schon rausgefunden, wo bei allen Raumgeistern wir sind?“, fragte er den Matrosen an der dritten Konsole von links.
„Nun ja“, der Matrose starrte angestrengt auf seine Bildschirme, „im Prinzip sind wir immer auf der Oberfläche des Hyperraums. Mit nur einem Sprung kämen wir jederzeit zurück...“
„...lass das Gelaber“, herrschte er den Dilletanten an, „inzwischen weiß wirklich jeder, dass der olle Antrieb erst in zehn Stunden wieder funktioniert.“
Wenn überhaupt. Wenn man ihnen die schrottreifen Maschinen absichtlich installiert hätte, um den Luxusliner quasi im All zu versenken, hätte ihn das kaum gewundert. Schließlich war die Pellenore hoch versichert, angesichts der veralteten Ersatzantriebe sogar weit über ihrem tatsächlichen Wert.

Saryn:
Das sonore Dröhnen der Triebwerke war verstummt. Die letzten beiden Male in Erinnerung, da die Pellenore einen Sprung vollzogen hatte im Hinterkopf, erhob sich der letzte Passagier des Luxusliners und verließ vorsichtig sein Versteck. Der Mann, der auf den Passagierlisten als Trent Adams eingetragen war, atmete erleichtert auf, als er durch die großen Panoramafenster des Schiffes wieder das Weltall erblickte.
Alles wieder normal. Kein weißes Glühen.
Er schauderte am ganzen Leib, als er sich an das erinnerte, was ohne Zweifel die schlimmste Situation in seinem Leben gewesen war.
Dann rief er sich zur Ruhe.
Für soetwas war keine Zeit. Es galt herauszufinden, wo er sich befand. Wo das Schiff sich befand.
Der Mann, der wusste, was die Hyperraumanomalie ausgelöst hatte - auch wenn das Warum fehlte - holte ein letztes Mal tief Luft, bevor er damit begann den Gang entlang zu schleichen.
Hätte er einen Blick auf das Display des elektronischen Schlosses geworfen, das die Tür seines Versteckes zuvor verriegelt hatte, hätte er etwas entdeckt, dass - halt, nein!
Selbst wenn er es gesehen hätte, er hätte nichts damit anzufangen gewusst.
Die Zeichen waren da.
Doch niemand las sie.
HUO O8D2M O6MF

coco:
Kirjas Masalo Variy, erfahrener Kreuzfahrt-Kapitän und Chef der Pellenore, hockte nebem seinem terranischen Schiffskoch auf einer Plastiktonne im Lagerraum und hörte den Inventur-Zahlen zu.
„Die meisten Besatzungsmitglieder sollten sowieso mal wieder heilfasten“, fand der Erdling. „Ich muss die täglichen Rationen auf ein Drittel reduzieren, damit wir zwei Wochen durchhalten.“
Da sie lediglich einen Sprung nach Marin geplant hatten, wo das Schiff wieder fit für die nächste Tour gemacht werden sollte, war so gut wie nichts Essbares an Bord. Auf den Treibhaus-Decks gammelten nur ein paar Gewächse von der letzten Kreuzfahrt vor sich hin, neue Pflanzungen waren erst für den Stopp auf Marin geplant gewesen.
Seufzend tippte er sein Telco an, um die Brücke zu kontaktieren. „Ist ein Planet mit Typ-1-Biosphäre in Reichweite? Wir könnten neues Grünzeug gebrauchen.“

coco:
Nach drei Wochen reinem Durchhalten auf der Pellenore - die letzte davon verdiente eher die Bezeichnung „hirnloses vegetieren“ - hatten sie schließlich einen einigermaßen lebensfreundlichen Planeten entdeckt. Freundlich klang eigentlich zu gut, der Planet war gerade genug lebensakzeptierend. Nach den ersten zaghaften Versuchen, sich mit der Atmosphäre anzufreunden, hatte die Crew einstimmig beschlossen, so lange an Bord zu bleiben, wie die Luftaufbereitung funktionierte. Nur um Essbares heranzuschaffen, verließen sie alle paar Tage in Dreiergruppen den ehemaligen Luxusliner, sicher verpackt in dicke Raumanzüge.
Auf solch einem Ausflug befand sich Kirjas, als ihm zum x-ten Mal die seltsamen Zeichen durch den Kopf gingen, die ein beschädigtes Türschloss seit dem Unfall anzeigte.
HUO O8D2M O6MF
Einmal pro Woche waren er und seine zwei Begleiter an der Reihe. Sie verließen das Schiff durch die vertraute Reihe von Sicherheitstoren und Schleusen, von denen die vorletzte sich nicht mehr bewegte, sondern nur noch konstant diese drei Buchstabengruppen auf dem Keypad anzeigte.
„Kapitän, es ist unglaublich!“ Der Steuermann meldete sich zu Wort. „Diese Pflanze ernten wir jeden Tag und schon wieder ist sie über Nacht komplett nachgewachsen. Man könnte meinen, sie weiß, dass wir sie brauchen.“
Was für ein Romantiker! Kirjas schüttelte den Kopf und meinte ironisch „Du fühlst dich fast zuhause, was? Ab morgen redest du mit den Bäumen.“
Während er die frischen, hell bunt gemusterten Blätter (sie nannten es längst „Hippiekraut“) abschnitt, drehten sich in seinem Kopf die Kurven und Striche der Buchstabe. HUO O8D2M O6MF - bist du eine Zeichnung, wenn denn die Schrifttype stimmt? Oder drei Befehle aus einem Programm des Bordcomputers? Schon erwischte er sich dabei, wie er in den irren Mustern der farbigen Blattadern nach ebendiesen Buchstaben suchte. Vielleicht eine chemische Formel?
Wieder machte der Steuermann witzige Sprüche. „Sogar nach fast vier Wochen schmeckt das Zeugs noch lecker. Wir sollten es nach unserer Rettung kultivieren.“
Nach unserer Rettung ... wieso bauten sie sich nicht einfach ein Häuschen am Waldrand? Die Sache mit der ätzenden Luft ließ sich bestimmt irgendwie regeln. Mit seinem üblichen, resignierten Schweigen pflückte Kirjas ein paar pelzige Pilze und veruscte isch darüber zu freuen, dass hier unten fast alle Pflanzen essbar waren. Es war sogar noch besser: Die meisten giftigen Sorten erkannte man an der leuchtend rosanen Farbe. Ein Planet, wie aus einem kindlichen Fiebertraum ... HUO O8D2M O6MF ... sie gingen zurück zu Pellenore. Wieder streifte Kirjas' Blick den rätselhaften Code, der laut dem Maschinisten keine schlichte Fehlermeldung sein konnte, dessen Ursprung aber selbst dem Experten unklar blieb.
„Reagiert endlich etwas auf unsere Notrufe?“, fragte er den Matrosen an der Funkstation.
„Nicht wirklich“, erwiderte der, „auf einer Frequenz haben wir zwar ein Signal, das kein Rauschen sein kann, aber die Daten machen keinen Sinn.“
Der Kapitän trat hinter ihn, um auf den Bildschirm zu sehen. „Zeig mal her“, sagte er und versuchte dabei, mehr freundlich als hoffnungslos zu klingen.
Der entschlüsselte Datenstrom verschlug ihm den Atem. In endloser Folge, wahrscheinlich schon seit Stunden, wieder der Funkkanal dieselbe Zeichenfolge: ... HUO O8D2M O6MF HUO O8D2M O6MF HUO O8D2M O6MF ...

dread:
Das Flimmern des Hyperraums verschwand und wurde durch die Sicht auf einen kleinen, grünen Planeten ersetzt. William Kiders Finger flugen über die leuchtenden Kontrollen. Jeder Sensor reagierte ohne Verzögerung und detaillierte Anzeigen offenbarten mehr über den Planeten als der Kapitän eines zivilen Schiffes je erfahren hätte.
„Schade um dich, Schätzchen.“, sagte Will und tätschelte die Armaturen.“Schöne, chazonische Expertenarbeit.“
Nach kurzer Zeit hatte er einen geeigneten Punkt auf der riesigen Planetenoberfläche gefunden. Wasser, wahrscheinlich Nahrung und nicht all zu weit von der einzigen Siedlung entfernt. Er programmierte die Zielkoordinaten, dann zog er sich die luftfilternde Maske seines Anzugs über, schnallte sich fest und leitete eine vorbereitete Befehlssequenz ein.
„Achtung.“ Warnte eine Stimme mit chazonischem Akzent. „Autodestruktion wird eingeleitet. Bitte bestätigen.“
„Captain William Kider bestätigt die Autodestruktion.“ Antwortete Kider, wobei er sich das Wort 'Captain' auf der Zunge zergehen ließ. Zwar war er vor allem deshalb der Captain, weil das Schiff nur für eine Person konstruiert war, aber das änderte nichts an der Würde des Titels, fand er.
„Autodestruktion in dreißig Sekunden. Evakuieren sie das Schiff.“
Gehorsam zog Kider an einem Hebel und drückte den Kopf in das Schaumkissen. Mit einem Ruck sprengte sich die Kommandokapsel vom Rest des Schiffes und leitete mit einem einzigen, genau berechneten Antriebsstoß den Flug Richtung Planeten ein. Dreißig Sekunden später implodierte hinter ihm der Rumpf des nagelneuen Chazon Schiffes. Es versetzte ihm einen leichten Stich, doch die Befehle waren eindeutig.
„Ich komme!“, teilte Kider dem Planeten mit.
[Bild: 5sg8l.jpg]

Saryn:
Trent Adams beobachtete zum wiederholten Mal, wie drei Crewmitglieder in den Luftschleusen verschwanden. Es war das 7. Mal in drei Wochen, immer nur diese drei.
Adams Beobachtungen nach gab es noch zwei weitere Crewmitglieder, die schienen aber nicht mit hinaus zu müssen. Sie befanden sich die meiste Zeit auf der Brücke, wo sie sich widerum mit den drei anderen abwechselten. 12 Stunden-Schichten, immer zwei Mann an den Konsolen, einer wie auf Reserve am Kartentisch.
Er verließ sein Versteck, als er hörte, wie das kleine Notshuttle der Pellenore andockte, dass die Crew benutzten um zum Planeten zu gelangen.
Adams hatte sich die grüne Kugel aufmerksam angesehen, hatte sich sogar in einer Nacht an den Kartentisch geschlichen und ihre Position abgerufen, aber noch immer wusste er nicht, wo sie sich befanden.
Hinzu kam der weiße Nebel, der über Teilen seiner Erinnerungen lag.
Es war keine Amnesie, da war er sich sicher. Vielmehr gab es Lücken in seiner Erinnerung.
Er wusste wer er war, wusste, dass er auf Marin als Händler für gebrauchte Zivilraumer gearbeitet hatte. Er wusste, dass er verheiratet gewesen war, seine Frau aber vor 5 Jahren bei einem Gleiterunfall gestorben war.
Was fehlte war die Erinnerung daran, wie er an Bord des Luxuliners gekommen war. Irgendwann war er einfach erwacht, hatte beim Umsehen erkannt, an Bord eines Schiffes zu sein. Draußen auf den Gängen hatte er durch die Panoramafenster in ein Nichts gestarrt, das weder das des Normalraums, noch des Hyperraums war, sondern ... weiß. Nur weiß, strahlend hell.
Kurz bevor die Dinge höllische Dimensionen angenommen hatten. Das Bild verschwand, bevor er es greifen konnte. Nur die Erinnerung blieb, ein vages Gefühl von akuter Angst.
Und dann war da noch etwas anderes, dass...
Er schüttelte den Kopf.
Nicht jetzt.
Vorsichtig bewegte er sich durch den Gang. Den Göttern sei Dank, war die Pellenore so alt, dass die Besatzung nicht von einer KI unterstützt wurde, wie es in den letzten Jahren üblich geworden war, sondern bloß von einem „dummen“ Bordcomputer, sonst wäre er vermutlich schon lange entdeckt worden.
Zögerlich fanden seine Finger den länglichen, glatten Schockstab, der an seinem Gürtel hing. Er erinnerte sich an den Mann, dem er ihn abgenommen hatte, bevor die Pellenore das zweite Mal gesprungen war. Er erinnerte sich an das Gesicht, dass...
Nicht jetzt.
Er drückte ein kleines Schott auf und glitt in den Wartungsschacht dahinter. Dann begann der Abstieg in die Eingeweide des Schiffes. Näher zum Ziel, so hoffte er.
Zu welchem Ziel auch immer...

coco:
Die ganze Siedlung schien aus dem farbig linierten Holz des Waldes erbaut zu sein. Dünne Streifen von Gelb und Hellbau zogen sich wie gefrorene Rauchfahnen durch die bräunlichen Balken an der Decke, den von dünnem Teppich nur halb verdeckten Boden und den Fensterrahmen, an dem Rosaly stand und das Dorf überblickte. Ein streng gerades Raster von Wegen, die aus nichts als festgewalztem Lehm bestanden, verband die Hütten miteinander. Wo Wagen fahren mussten, lagen zwei regenfeste Holzschienen als Fahrspuren darüber. Grünliches Morgenlicht schimmerte durch den Nebel der vergangenen Nacht und malte eine unwirklich verträumte Szenerie.
Hinter ihr klopfte jemand an die Tür, doch Rosaly reagierte nicht. Er würde sowieso hinein kommen, ob sie „Herein!“ rief oder nicht. Schließlich klickte das Schloss und Merrik, ein Terraner wie die meisten Siedler, kam herein.
„Guten Morgen“, sagte er so selbsterständlich, als würde er eine Kusine besuchen, „du hast dich ja doch noch nicht eingerichtet. Findest du das Zimmer nicht etwas, nun ja ... leer?“
Erst nach ein paar Sekunden Stille drehte sie sich um. „Du weißt doch, ich bin hier nich zuhause und werde es auch nie werden.“
„Komm schon, natürlich bist du hier zuhause!“
Merrik meinte es ehrlich, da war sie fast sicher. Nachdem der Kommunenrat becshlossen hatte, dass niemand den Kontinent verlassen durfte, hatte er sie als dritte Schwester in seinen Haushalt aufgenommen. Denn wer dieses Dorf kannte, der durfte mit seinem Wissen keinesfalls den Planeten verlassen. Die Kommune was ein Versteck - für wen auch immer - und der Rat legte großen Wert darauf, dass es dabei blieb.
Nach nunmehr drei Wochen machte sie sich ernsthafte Sorgen um Lilifer. Die Kleine Nervensäge war allein im Raumschiff zurück geblieben. Das Essen reichte zwar noch für Monate, aber irgendwann musste sie doch da raus. Entweder jemand fand sie - am Strand vor einer Siedlung, die in über zwanzig Jahren nicht entdeckt worden war - oder Rosaly musste zugeben, dass sie nicht allein gekommen war. Dann würde sie ebenfalls hier festsitzen. Wie von weit weg hörte sie wieder Merriks Stimme.
„Hinter dem Wald ist etwas passiert“, wechselte er endlich das Thema. „Ich hatte den Viehhirten immer Tagträume unterstellt, wenn sie von komischem Rascheln im Gebüsch erzählten. Aber gestern Abend war unser heiliger Jiringes-Baum total zerrupft, jemand muss die Blätter vor weniger als einem Tag absichtlich gepflückt haben.“
Fremde im Wald? Sie waren also doch nicht allein gestrandet ... Rosaly musste sich Mühe geben, ein betroffenes Gesicht zu ziehen. Der violett glänzende Jiringes-Baum, eine seltene Unterart, wurde in seltsamen Zeremonien verehrt. Dabei war es doch nur eine von vielen Pflanzen! Sie war auf Jeratev zur Schule gegangen und hielt das alles für hinterwäldlerischen Okkultismus. Aber wenn sie hier zureht kommen wollte, musste sie versuchen, den Mist ernst zu nehmen.

dread:
William Kider warf einen letzten Blick in die reflektierende Oberfläche des Teichs. Seine Implantate waren säuberlich mit Silikon verklebt und nicht von der umgebenden Haut zu unterscheiden. Sein sonst glattes Haar war zerzaust und voller Schmutz, über die linke Wange zog sich ein Kratzer. Einer plötzlichen Eingebung folgend zerriss Kider mit einem Ruck seinen Pilotenoverall an der Brust und schmierte sich noch etwas Erde ins Gesicht. Dann drehte er sich zu der Komamandokapsel um, die mit unfehlbarer Sicherheit auf dem ebenen Bden aufgesetzt hatte.
„Schade um das gute Schiff.“ seufzte Kider. Er drückte auf einen Knopf an seiner Uhr und hielt die Hände schützend vors Gesicht. Eine Sprengladung zerriss die Kapsel und fegte ihn von den Beinen. Ein stechender Schmerz fuhr ihm in die Hüfte. Um so besser. Authentischer.
Bewusstlosigkeit drohte ihn zu übermannen, doch dank seines Trainings ließ er seinen Geist zwischen Licht und Dunkelheit schweben. Die Geräusche in der Umgebung drangen angenehm gedämpft zu ihm und der Schmerz war verschwunden.
Innerlich grinste Will. Es konnte nicht lange dauern, bis er gefunden wurde.

Saryn:
Von Panik überwältigt wachte Trent auf. Er wusste nicht, wann er das Bewusstsein verloren hatte, oder wieviel Zeit seit dem vergangen war. Alles schien zu verschwimmen, nicht nur vor seinen Augen, sondern auch vor seinem Inneren Auge.
Er atmete ein paar Mal tief durch.
Er fühlte sich nicht erschöpft, womit eine mögliche Ursache für seine Ohnmacht wegfiel.
Vorher war er noch nie bewusstlos geworden, jedenfalls nicht, dass er sich erinnern konnte.
Der Schleier vor seinen Augen verschwand, aber der Nebel, der sein Gedächtnis zu beherrschen schien, verdichtete sich bloß.
Mühsam zwang er sich aufzustehen. Seit er die Augen geöffnet hatte waren keine zwei Sekunden vergangen und er stellte überrascht fest, dass sein Körper instinktiv einige grundlegene Aktionen durchlief;
nach dem Schockstab testen. War noch da.
Umgebung erfassen. Wartungsgang, an der Wand ein SchriftzugEbene 3
Überprüfen ob er allein war. Selbstverständlich.
Wovon war er also geweckt worden?
Er verscheuchte den Gedanken mit einer Kühle, die ihn selbst verwunderte. Hatte er schon immer so reagiert?
Egal, dafür war keine Zeit.
Sein Blick erfasste den im Licht der Wartungsbeleuchtung daliegenden Gang vor sich, dann setzte er sich wieder in Bewegung.
Sein Ziel war nahe, das wusste er - wenn er auch nicht sagen konnte, woher diese Gewissheit kam, oder worum es sich bei seinem Ziel handelte.
Laufen.
Handeln.
Darauf kam es an.
Der bewusste Teil seines Selbst stellte mit kühler Distanz fest, wie der Körper sich verhielt, aber er konnte nicht sagen, ob es ein ungewöhnliches Verhalten für das Individuum Trent Adams war oder nicht.
Ohne die ID-Karte in seiner Tasche, hätte dieser Name ihm vemutlich nichteinmal etwas gesagt.
Während er lief, blitzte ein einzelnes Bild in seinem Kopf auf, ein Bruchstück des Traumes, der ihn in seiner Ohnmacht ereilt hatte.
Luftblasen und türkises Licht...

coco:
Wem auch immer das verwaiste Benutzerprofil gehört hatte, er oder sie hatte zu viele Agentenfilme gesehen. Im privaten Speicher eines Matrosen, der beneidenswerterweise im Urlaub war und diesen „Flug“ nicht miterleben musste, hatte Kirjas eine ganze Sammlung mathematischer Dreistigkeiten gefunden. Leider hatten alle nichts genützt. Nachdem sämtliche Codebrecher, die der Bordcomputer hergab, versagt hatten, griff Kirjas trotzig zu einem Taschentuch, rollte eine Ecke zur Spitze auf und schrieb in den Staub auf seiner Konsole.
Der allgegenwärtige Code, der die Funkempfänger der Pellenore blockierte und selbst die Türschlösser außer Gefecht setzte, musste eine Bedeutung haben. Jedenfalls weigerte er sich, zu glauben, dass der Störsender von einer Fehlfunktion eines fremden, unentdeckten Schiffes im nahen Weltraum ausgelöst wurde oder - nein, daran wollte er nicht denken - unzertrennlicher Teil dieses Planeten war. Kirjas wollte einen Sinn darin entdecken, denn wo ein Inhalt war, da war auch ein Absender und mit einem Absender konnte man Kontakt aufnehmen.
HUO O8D2M O6MF
Die Zeichen drehten sich in seinem Kopf.
HUOO
8D2M
O6MF
H8O
UD6
O2M
OMF
H8O, ein mit Elektronen überfrachtetes Sauerstoffmolekül, das viermal so viele Protonen aufnehmen konnte wie das Wassermolekül H2O? Nein, chemische Formeln waren es wohl doch nicht.
Zehn Ziffern, 26 Buchstaben - ein Stellenwertsystem mit Basis 36? Ja, damit ließ sich rechnen! der Staub unter seinen Fingern war fast gänzlich verschwunden. Auch 'ne gute Art zu putzen... Er drehte sich halb um und schrieb auf der linken Hälfte der Konsole weiter. Bei Ziffern von 0 bis Z waren die Werte der Buchstaben
A = 10
D = 13
F = 15
H = 17
M = 22
O = 23
U = 29
was ziemlich Großes ergab, wenn man die Wörter als Zahlen betrachtete. Sprichwörtlich astronomische Werte. Ja, sehr passend, aus dem All stammten sie schließlich! Der Bordcomputer rechnete und las die Ziffernfolgen vor. Statt blödsinnig mitzuschreiben, ließ Kirjas sie nun auf den leeren Fußboden der Brücke projizieren. Sie füllten die Leere. In der Halle ebenso wie in seinem Kopf.
HUO = 36^2*17 + 36*29 + 23 = 23099
O8D2M = 36^4*23 + 36^3*8 + 36^2*13 + 36*2 + 22 = 39021358
O6MF = 36^3*23 + 36^2*6 + 36*22 + 15 = 1081671
Was würde sich wohl ergeben, wenn man die größte Zahl durch die kleineren teilte?
O8D2M / O6MF / HUO = 0.01562049254564297491
Der Kreuzfahrtkapitän stutzte. Dann rief er via Prioritätskanal seinen Maschinisten herbei.
Zwei Minuten später trat Tenivic neben ihn, seine tiefschwarzen Augen so groß wie Tischtennisbälle, den spitz zulaufenden Rüssel fragend in die Luft gereckt. Da das Maschinistenwesen der Pellenore ein Zwitter war, wusste Kirjas nie genau, wie er ihn in Amtssprache anreden sollte. Also wählte er bevorzugt unpersönliche Worte, die ihm wiederum unhöflich vorkamen. Aber Tenivic war das Gehabe der Terraner gewohnt und steckte es stets mit einem einem rüsselzwirbelnden Grinsen weg.
„Diese Zahlenfolge“, begann Kirjas. „Ist es nicht dieselbe, die dein Prüfgerät heute Morgen angezeigt hat? Als wir den Druckabfall auf Deck 5 analysiert hatten?“
Tenivic überlegte ein paar Sekunden, die glitzernden Punkte verschwanden kurz aus seinen Tischtennisballaugen. Dann ließ der die archivierten Messwerte anzeigen. [0.0156..x[ leuchtete unter dem überdimensionalen Matheheft des Kapitäns auf. Die Genauigkeit reichte nicht aus, um sicher zu gehen, aber auch fünf übereinstimmende Stellen konnten kein Zufall mehr sein.
„Das ist kein Zufall mehr, oder?“ Flüsterte Kirjas aufgeregt. Sehnsüchtig wartete er auf eine Bestätigung, um sich nicht selbst für übergeschnappt zu halten.
„Hmm...“ machte der Maschinist, verschränkte drei seiner acht Tentakel hinter dem Rücken und betrachtete die Rechnung. „Woher kommen diese Zahlen? Moment, waren das nicht ... ach ja, das Türschloss vor meinem Quartier spinnt übrigens auch. Mit demselben Fehlercode.“
„Und? Ist es nicht seltsam?“
„Hmm... wir hatten heute Morgen einen ungeklärten Druckabfall auf einem Deck“, rekapitulierte der Experte, „der sich nach einer Weile von selbst bei circa 0.0156 Athmosphären unter normal stabilisiert hat. Ehrlich gesagt hab ich mich nur gefreut, dass sich das Problem von selbst behoben hat. Aber jetzt...“
„Jemand will uns etwas sagen“, rief Kirjas aufgeregt, „immer wieder diese Zahl, überall...“
„Aber aber, mein lieber Boss“, wieder das rüsselzwirbelnde Grinsen, „die Quelle kann genausogut innerhalb des Schiffs liegen. Ein Virus vielleicht, oder eine magnetische Interferenz rund um eine Arbeitsspeicherblock. Der Speicher ist in die Wände integriert, so dass der Schaden überall auf der Pellenore sitzen kann. Aber wenn du nichts dagegen hast ... na los, kommst du mit?“
„Wohin?“
„Auf Deck 5. Lass uns nochmal alles scannen, jeden verdammten Winkel!“
Tenivic glitzerte mit den Augen, was einem auffordendem Winken gleichkam. Natürlich ließ der Kapitän sich nicht zweimal bitten. Kurz darauf waren sie, bepackt mit einem Koffer voller Messgeräte, auf Deck 5.
Magnetfelder waren nirgendwo zu finden, auch keine unerwarteten Strahlungsquellen oder chemischen Verschmutzungen. Bis auf eine dünne Spur ionisierter Luft. Wie zwei Schulfreunde auf Schnitzeljagd folgten sie der Ionenspur; mal hielt Tenivic den Sensor wie einen Kompass, ein andernmal führte er ihn am ausgestreckten Arm vor sich durch den Flur. Kirjas ging an seiner Seite und beobachtete mit einem Auge den winzigen Bildschirm, auch wenn er nicht aus jeder Zahl wirklich schlau wurde. Der immer stärker ionisierten Luft folgend, erreichten sie schließlich Ebene 3. Plötzlich zuckten sämtliche sieben Ohrmuscheln an den oberen linken Schlangenarmen des Maschinisten.
„Kiri, was war das?“
„Hab nix gehört.“
„Psst...“
Sie lauschten in die Stille, in das ruhig fließende Hintergrundsummen der Lebenserhaltungssysteme. Tenivic stellte nun auch seine rechten Ohren auf, während Kirjas mühsam seinen Neid auf den eleganten Körperbau des Kollegen verdrängte. Sein Volk hätte den Sektor besiedeln sollen, dachte er zum x-ten mal, nicht wir plumpen Terraner. Dabei waren sie längst überall, seine Rasse war fast so weit verbreitet wie die der Erdlinge. Kirjas sah sie nur selten, weil Kreuzfahrten nunmal nicht jedem Volk Spaß machten. Da, ein Rascheln!
„Wieder von links.“
„Worauf warten wir, Vic?“
Mit einer stummen Handgeste aktivierte der Kapitän ein Sperrfeld um Ebene 2 bis 4. Falls es hier einen Eindringling gab, saß er nun in der Falle. Während sie gemeinsam das Lüftungsgitter zu ihrer Linken abschraubten, sprach Kirjas so laut, dass jeder blinde Passagier ihn hören musste:
„Falls Sie keine Sinnestäuschung sind, haben Sie zwei Minuten. Dann werden wir den Sauerstoff aus diesem und den angrenzenden Decks eliminieren lassen.“

Saryn:
Der Gang endete vor einem in etwa Menschenhohen Schott, einen halben Meter breit. Sowohl auf Chazon, als auch auf Englisch und einer dritten Sprache, die Trent Adams nicht sicher identifizieren konnte, von der er aber glaubte, dass es Amned war, stand „Kühlsystem-Notfallkontrolle“ auf dem stumpfen Metall.
Ein Zahlenfeld war an der Wand daneben eingelassen.
Wie überall blinkte dort in unregelmäßigen Abständen eine Ziffernfolge.
HUOO
8D2M
O6MF
Er zögerte.
Wenn das Schott verriegelt war, säße er fest. Zum Test drückte er die Taste des Türöffners, doch außer dem Warnton, den ein versteckter Lautsprecher von sich gab, tat sich nichts.
Das durfte nicht sein!
Er musste weiter!
Sein Mund wurde trocken. Das unerklärliche Gefühl in seinem Inneren, das ihn hierhergeführt hatte, wurde stärker, nahezu unwiderstehlich. Er musste weiter!
Mit aller Kraft zwang er es zurück, bis er wieder klar denken konnte. Der Effekt war, dass ihm übel wurde und er sich beinahe übergeben hätte.
Zögernd streckte er die Finger nach dem Tastenfeld aus, als erwartete er, dass sie ein Eigenleben entwickelten und von sich den richtigen Code eingaben.
Ein stechender Kopfschmerz ließ ihn zusammenzucken. Seine Hand ließ den Schockstab fallen, den er bisher gehalten hatte. Er krümmte sich zusammen, als der Schmerz sich ausbreitete, geradezu rasend, fast wie etwas lebendiges. Er hatte das Gefühl, seine Augen würden zerspringen treten und nur mit einem instinktiven, verzweifelten Aufwallen verbliebener Willenskraft, gelang es ihm, sich davon abzuhalten, sie auszukratzen.
Sein Bewusstsein wurde schwarz. Den Bruchteil einer Sekunde, bevor alles verschwand, hatte er ein seltsames Gefühl:
mit einem Mal ergab alles einen Sinn, alles was in den letzten Tagen geschehen war. Er hatte das Gefühl, einen winzigen Blick auf etwas unendlich großes erhascht zu haben, bevor sein Geist in der Dunkelheit ertrank.
Das letzte, was er sah, war eine sinnlose Zeichenfolge, hell und gleißen vor der ewigen Nacht des Weltalls:
αæduwo/βæἕξ
Dann...
....eine Stimme:
„Falls Sie keine Sinnestäuschung...“
Und alles verschwand.

dread:
Endlich näherten sich Schritte. William Kider kehrte in seinen Körper zurück, wobei er darauf achtete, seinen Puls niedrig zu halten.
Jemand beugte sich über ihn und schüttelte ihn an der Schulter. Kider stöhnte theatralisch.
„Sind sie verletzt, Mister?“ Es war die Stimme eines Mädchens, wahrscheinlich ein Kind aus dem Dorf. Kider schlug die Augen auf und zuckte zurück. Das Mädchen, dass sich über ihn beugte, war sicher nicht aus dem Dorf. Sie trug einen thermalen Raumanzug und untersuchte ihn ungeschickt mit einem Gesundheitsscanner. Sicherheitshalber beschloss Kider, seine Rolle trotzdem zu spielen.
„Wo... Was ist passiert?“
„Sie sind mit dem Raumschiff da hinten abgestürzt. Auf irgendeinem Planeten. Ich bin hier auch gelandet, mit meiner Schwester.“
Na klasse. Je komplizierter desto besser.
„Ist sonst noch jemand hier?“
„Ein Dorf voller Siedler. Sie haben meine Schwester gefangen genommen, aber sie wissen wohl nicht, dass ich hier bin. Manchmal schleich ich mich nachts raus um etwas zu essen zu holen.“
„Wie heißt du denn, Kleine?“
„Lilifer. Und sie brauchen mich gar nicht so herablassend zu behandeln. Ich verstecke mich schon seit der Landung erfolgreich und bin jetzt ein Risiko eingegangen, nur um ihnen das Leben zu retten.“
„Ich dachte, du wolltest etwas zu essen holen.“
„Jedenfalls müssen wir jetzt schnell zum Schiff zurück in mein Versteck, sonst schnappen uns die Siedler auch. Dann machen wir einen Plan, um meine Schwester zu retten, reparieren das Raumschiff und hauen von hier ab.“
Kider kam eine Idee. Er stützte sich auf einen Ellbogen und hielt Lilifer die Hand hin.
„Ok, dann lass uns mal abhauen. Ich bin Will.“
„Können sie denn laufen?“
„Geht schon.“
„Na dann kommen sie! Es wird bald hell!“
Kider folgte dem Mädchen leise durchs Unterholz.

Saryn:
Das erste, was Trent Adams wahrnahm, war ein sich wiederholendes, penentrant regelmäßiges Piepsen. Es war so nervenaufreibend, dass es ihn aus seinem Schlaf - nein, seiner Ohnmacht - geweckt hatte. Irgendwo in seinem Hinterkopf regestrierte er, dass er das Geräusch kannte, sein Bewusstsein konnte oder wollte mit dieser Informartion aber nichts anfangen.
Er fühlte sich erschöpft, wie noch nie zuvor. Sein Geist schien in einer grauen Dunkelheit gefangen zu sein und es dauerte einige Zeit, bis er überhaupt auf die Idee kam, die Augen zu öffnen. Der Vorgang selbst brauchte noch länger und fiel unendlich schwer (am Rande seiner Wahrnehmung registrierte er, dass das Piepsen kaum merklich schneller wurde).
Er konnte jetzt fühlen, wie sein Bewusstsein aus dem Watte-Kokon auftauchte, der es umfangen hatte.
Über sich erkannte er eine klinisch weiße Decke. Für die Pellenore war diese Decke sehr niedrig, aber es bestand kein Zweifel daran, dass er noch auf dem Luxus-Liner war:
das Drängen in seinem Inneren war noch immer da, leiser als zuvor zwar, aber trotzdem nicht zu verdrängen.
Er versuchte sich zu bewegen, stellte aber fest, dass es ihm nicht gelang. Einen Moment lang hielt er es für eine neue Nachwirkung seiner Ohnmachtsanfälle, dann bemerkte er, dass seine Arme und Beine mit Sicherheitsschellen am Gestell des Krankenbettes festgeschnallt waren. Er rüttelte mehrmals an den Fesseln, stellte aber fest, dass es sie nichteinmal hätte lösen können, wenn sein Körper bei vollen Kräften wäre - eine Erkenntnis, die ihn nicht sonderlich überraschte. Der 42. Sektor zählte zu den Randgebieten der Allianz, und genetische Verbesserung war hier nicht verboten und Implantate nicht so verpönt, wie in den Inneren Ringen, aber Trent Adams hatte sich nie welche einsetzen lassen, weil - weil...
Weil?
Wieder eine Frage, von der er spürte, dass die Antwort nur eine Haaresbreite außerhalb seines Erinnerungsvermögen lag, ganz so als könnte er sie sich erklären, wenn er sich nur ein wenig anstrengte.
Ein Geräusch lenkte ihn ab.
Als er den Kopf drehte, blickte er auf die Gestalt eines Nichtmenschen, den Trent Adams nicht identifizieren konnte. Ein Rüssel zuckte unruhig im Gesicht des Wesens umher, als es sich näher beugte. „Das wird Kiri interessieren.“
Trent Adams wollte eine Frage stellen, aber seine Kehle produziert bloß ein heiseres Krächzen. Das Wesen blieb auf halbem Weg zur in der Wand eingelassen Kommunikationskonsole stehen und drehte sich halb um. „Versuchen sie nicht zu sprechen. Es wird ihnen nur Schmerzen bereiten, solange wir die Mittel nicht abgesetzt haben. Und machen sie sich keine Mühen, die Handschellen sind fest.“ Dann ging es zu der Konsole und drückte den Rufknopf. „Kiri,“ sagte es, „unser blinder Passagier ist wach.“

coco:
Lautlos schlich Lilifer durchs Unterholz, balancierte über die Trittsteine im Sumpf. Immer wieder musste sie sich umdrehen. „Pssst! Fremder, pass doch auf!“ Der Mann, den sie gefunden hatte, war ein hofflungsloser Tollpatsch; er konnte einfach nicht treten, ohne ein Geräusch zu verursachen. In ihrem Ärger und ihrer Angst vor den Siedlern entging ihr vollkommen, dass Will mehr als doppelt so groß und schwer war und daher naturgemäß kaum eine Chance hatte, ihr eleganter zu folgen.
Ihre Pfade durch den Wald führten eng am Boden entlang, unter umgestürzten Baumstämmen hindurch und über klebrige Rinnsale. Gerade führte sie Will den Bach entlang, der den Wald vom Sumpf trennte. Die Furt glitzerte im ersten Morgenlicht. Doch es war noch dunkel genug, dass Lilifer sie übersehen hätte, wenn sie diesen Weg nicht schon viermal gegangen wäre.
„Halt“, flüsterte sie. „Ab hier musst du genau in meine Fußabdrücke treten.“
Mit der Selbstsicherheit eines Kindes, das das Fürchten noch nicht gelernt hatte, setzte sie den ersten Stiefel in die schleimige Flüssigkeit, zog den zweiten nach und spazierte so über die wenigen festen Stellen im Flussbett. In der Mitte des Moorbachs schaute sie sich kurz nach dem Begleiter um, zischte „Komm schon!“ und starrte dann wieder angestrengt nach unten, um den nächsten Trittstein unter der Wasseroberfläche auszumachen. Schließlich erreichten ihre ausgestreckten Hände die dickeren Fasern des Wurzeltellers, der am anderen Ufer aus dem Bach ragte. Daran zog sie sich aus dem Wasser, kletterte ans Ufer. „Komm schon!“
Als sie zurück blickte, packte sie fast die Wut. Der laute Erwachsene war auch noch stecken geblieben! Einen guten Meter von der Baumwurzel entfernt, zerrte Will an seinem linken Bein, das bis zum Knie im Schlamm steckte. Still fluchend klammerte sie sich mit dem rechten Arm an die dickste Wurzel, verhakte beide Stiefel unter dem Baumstamm und reichte ihm die linke Hand.
Der Himmel schimmerte im ersten Grünblau des Morgens, als sie den Mann endlich an Land gezerrt hatte. Wie gut, dass Regenwetter ist, dachte sie. An einem wolkenlosen Vormittag wäre es bald hell gewesen, aber tiefhängende Gewitterboten schenkten ihnen Schutz vor dem Tageslicht.
„Warum bist du nicht in meine Fußstapfen getreten?“ fragte sie im Flüsterton.
„Bin ich doch, ehrlich!“ Will schaute auf sie herab. Von ziemlich weit oben. Zum erstenmal kam Lilifer der Gedanke, dass der Boden, über den sie auf ihrer Futtersuche immer lief, keine schweren Lasten trug. Sie konnte sich in dieser Gegend frei bewegen, weil sie leicht genug war, um nicht zu versinken. Und schmal genug, um durch Ritzen und Löcher zu kriechen. Ebenso klein genug, um sich nicht den Kopf zu stoßen. „Komm jetzt!“, zog sie ihn in den Blickschutz einer dichten Dornenhecke.
Prasselnder Regen tanzte auf dem Meer, hüpfte in Hagelkörnern über den Bohlendamm und wühlte den Strand auf. Dumpf und grau, dennoch taghell, erwachte der Morgen und zeigte das Raumschiff, nur noch zehn Meter enternt. Es nützte nichts, man würde sie sehen können.
„Über den Wellenbrecher und dann von hinten“, erklärte Lilifer ihre Alternativ-Route. Ein flacher Ausläufer einer Steilküste umrahmte den Strand. Er ragte einige Meter ins Meer, wobei er eine weite Kurve bis knapp hinter das Raumschiff beschrieb. Im Schutz einer Mauer, von der sie nicht wusste, ob sie vor Flut schützte oder den äußeren Rand des Dorfes markierte, warf sie sich auf die Knie und bedeutete Will, ebenfalls zu krabbeln. Von landeinwärts aus unsichtbar, krochen die beiden Gestalten zum Wellenbrecher-Felsen. Lilifer robbte durch ein Loch im Gestein und wollte ihren Weg auf der anderen Seite fortsetzen. Wieder machte der Erwachsene Probleme: Seine breiten Schultern passten nicht durch den Tunnel.
„Verdammt, ich pass da nicht durch“, hörte sie von hinten. Was nun? Für einen Moment war ihr danach, einfach allein weiter zu kriechen. War doch nicht ihr Problem, dass der Fremde zu groß für diesen Planeten war! Sie lauschte in die Stille und überlegte, was passieren könnte, wenn sie Will hier zurück ließ. Scheiße. Natürlich würde er den Siedlern von ihr erzählen, noch vor Mittag würde man das Raumschiff stürmen ... nun ja, immerhin wäre sie dann wieder mit Rosalie zusammen. Verdammte Scheiße, sie musste den Typen nunmal hinter den Felsen kriegen. Sie lauschte in die Stille ... die Stille, ja, es war doch völlig still!
„Ich halte Wache und sag dir, wann du klettern kannst!“ Nase und Ohren in den Wind und Augen auf! Sie horchte auf Laute, spähte rundum nach Menschen und gab Will schließlich ihr Okay. Wenigstens Klettern kann er, dachte Lilifer, als Will wieder hinter ihr her krabbelte. Als die Felsenkette das Meer erreichte, schwammen sie mit den Füßen und hielten sich am Gestein fest. Lilifers Raumanzug war zwar wasserdicht, aber verdammt schwer. Die Stiefel zogen sie nach unten. Mit brennenden, steifen Fingern in zerkratzten Handschuhen lag sie letzten Endes auf dem Dach und schraubte die Luke auf. Endlich zu Hause!
Auf der anderen Seite des Waldes, in einem sanfter gelandeten Schiff, trat Kreuzfahrtkapitän Kirjas vor den ersten Gefangenen seines Lebens. „Wie gehts ihm, Vic?“
„Och, im Prinzip gehts ihm gut, glaub ich“, erwiderte Tenivic. „Nur schade, dass der Doktor im Hafen geblieben ist. Wir haben keinen Experten an Bord, der definitiv sagen könnte, wie gut es ihm geht.“
Noch immer waren Kirjas keine Fragen eingefallen, die er dem blinden Passagier hätte stellen können. Wer er war, was er hier wollte, wie lange er schon an Bord war - der Typ würde sowieso nur Märchen erzählen. Also konnten sie sich jede Befragung sparen. Seinen Anzug auseinander zu nehmen, schien mehr zu versprechen. Zögernd wandte er sich dem Kleiderständer zu, an dem ein recht exotischer Overall hing.
„Das Ding hat er getragen? Dann wollen wir doch mal sehen ... ach ja, es geht schon nichts kaputt, wenn er quaken kann. Welchen Hahn muss ich zu drehen, damit welches Mittel abgesetzt wird?“
Tenivic, noch immer an der Konsole, warf einen Blick ins Handbuch und zählte die Drehknöpfe am Rahmen der medizinischen Liege ab. „Dritter von links ... der Orange-Weiße. Du stehst näher dran, mach mal!“
„Ähm ... mach mal was?“
„Dreh ihn bis zum Anschlag rein, dann kann Herr Niemand in etwa zehn Minuten wieder sprechen.“

Saryn:
Trent Adams spürte, wie sein Körper sich mit einem gewaltigen Schlag wehrte, als das Mittel abgesetzt wurde, dass unter anderem seine Stimmbänder lähmte. Ein Name (Telpecin) und eine Bezeichung (hilft gegen Dekompressions- und Druckschäden, lähmt Ligamentum vocale und in seltenen Fällen den Laryn) raste durch seinen Kopf. Er schrie vor Schmerz, hätte es getan, wenn er gekonnt hätte, aber das MIttel ließ so schnell nicht in seiner WIrkung nach.
Er spürte, wie etwas in seinem Brustkorb reagierte, das sich seltsam fremd anfühlte. Gleißend hell raste etwas durch sein Hirn, den Bruchteil einer Sekunde lang. Es waren Worte, Ziffern und Buchstaben.
Wenn er wieder wach wurde, ahnte er, würde er sich auf eine Befragung vorbereiten müssen. Jetzt aber war er erstmal allein in der um sich greifendenSchwärze seines Inneren Universums.
Allein bis auf einige Fragmente...
BeI02en U6anets mOONB and st66B
In II2 2IU6esness of BU6O2
A strugB62 OO6l be BI26IONB BOon
IO 2NU 6N 6B2 O6U U6O2

coco:
Vic drehte ein Auge zu seinem Patienten um, der seltsame Bewegungen zu machen versuchte. Ein Rhythmus, den er nicht einordnen konnte, summte in seinem Kopf. „Immer locker bleiben...“, wies er den Fremden zurecht, „...ups, nu isser eingeschlafen. Kiri, du wärst ein miserabler Arzt.“ Leise begann er, vor sich hin zu murmeln, während er die Taschen des Funktionsanzugs durchsuchte.
„Ich mach doch nur, was du mir auf die Finger diktierst“, verteidigte sich der Kapitän. auch in seinem Hinterkopf wippte ein Rhythmus, wie die Worte eines alten Gedichtes, das er nicht einordnen konnte. Um den Ohrwurm loszuwerden, konzentrierte er sich auf Vics Gemurmel, bis er ein paar Wortfragmente verstand. Komisch, genau daran hatte er auch gerade gedacht!
„Between planets moons and stars“, fiel er schließlich in gerade hörbarem Flüsterton ein.
„In the endlessness of space“, rezitierte Vic weiter.
„A struggle will be starting soon“, wie kam dieser Text nur in seinen Kopf?!
„To end an...“ Auf einmal stockte Vic.
„To end an age old ... anything. Irgendwas.“ Auch Kirjas war sich nicht sicher, wie der Vierzeiler weiterging.
Kapitän und Maschinist hielten inne und starrten sich an. Was ging hier vor? Während sie sich mit den Besitztümern des Eindringlings beschäftigt hatten, war beiden gleichzeitig dasselbe Gedicht eingefallen. Nein, nicht eingefallen - keiner konnte sich erinnern, es je zuvor gehört zu haben. Es war regelrecht aus den Taschen dieses riechbar zu lang getragenen Kleidungsstücks gekrochen.
Kirjas ließ alles fallen und hob die leeren Handflächen in die Luft. Mit ausgestreckten Tentakeln stand Tenivic auf und sprang so weit zurück, wie es das enge Zimmer zuließ.
„Hier hinten ist es ruhig“, rief er seinem Chef zu, „das heißt ... es ist ... ich muss es nicht mehr ständig denken.“
Sofort machte auch Kirjas einen Satz zurück und lehten sich flach an die hintere Wand. Tatsächlich fiel eine mentale Klammer, die er zuvor gar nicht wahrgenommen hatte, von ihm ab. Sein Verstand war plötzlich frei, obwohl im gar nicht bewusst gewesen war, dass etwas seine innere Stimme kontrolliert hatte. Der Ohrwurm eines unvollständigen Vierzeiler war verstummt.
„Telepathische Sender“, quetschte Kirjas durch seine angespannten Lippen. „Ich dachte, die wären noch Science Fiction. Aber der da...“
„Es muss sie wirklich geben. Der da“, zwei von Tenivics tanzenden Tentakeln deuteten auf die Liege, „hat definitiv einen in der Hosentasche.“
Trotz intakter Umweltkontrollen lief es dem Kreuzfahrtkapitän eiskalt den Rücken herunter. Sie hatten es offenbar mit Technologien zu tun, die der Normalbürger nur aus Groschenromanen kannten. Die es eigentlich gar nicht gab, nein, also, die man üblicherweise für Zukunftsmusik hielt.
„Wir müssen nochmal in den Sendebereich“, beschloss Kirjas nach ein paar stummen Sekunden. „Wir haben nur den Anfang gehört. Der wichtige Teil, irgendwas Konkretes, fehlt noch.“
„Und dann?“ Entgeistert starrten Vics schwarze Kugelaugen zurück. „Mal angenommen, dieses ... Ding liest dir wieder nur ein Gedicht vor, anstatt dich gleich fernzusteuern. Was machen wir dann mit der Information?“
„Das wird sich zeigen. Kommt halt drauf an, was drin steht.“
Schon gemerkt, dass wir am Ar...Ende der Welt festsitzen und null Funkkontakt zu nichts haben? Kiri, wir könnten eh nichts ausrichten, also spar dir das Experiment!“
Kirjas zögerte, doch letzten Endes siegte die Neugierde.
Between planets moons and stars
Das konnte absolut überall sein.
In the endlessness of space
Ebenso.
A struggle will be starting soon
Der erste sinnvolle Vers. Was sollte nach langer Zeit beendet werden? Das könnte einen Hinweis darauf liefern, wo die Sache beginnen würde. Worum es ging, war im relativ egal. Wichtig war, sich von diesem Ort - dem unbenannten Irgendwo - fernzuhalten.

dread:
Der Atem des Mädchens ging nun schon seit etwa einer halben Stunde regelmäßig. Beim Ausatmen machte ihre Nase ein leicht trötendes Geräusch. Will erhob sich von dem improvisierten Deckenlager, das sie ihm als Ruhestätte zugewiesen hatte, und schob eine Hand in seinen Stiefel, wo sie auf einen handlichen Universalinjektor stieß.
Er drehte das Kontrollrädchen auf „Narkose“ undstellte eine niedrige Dosis ein, dann drückte er das Gerät Lilifer vorsichtig in den Nacken und betätigte den Injektionsknopf. Der Körper des Mädchens erschlaffte sichtlich ein wenig mehr und ihr Atem wurde langsamer. Kider fühlte kurz den Puls, dann wickelte er sie stärker in ihre Decke und legte seine darüber, damit sie beim Aufwachen nicht auskühlte. Schließlich war sie nur ein kleines Mädchen und Will kein Monster.
Als er aufstand fuhr ein dumpfer Schmerz in seine Hüfte und entlockte ihm einen unterdrückten Fluch. Schnell stellte er den Injektor auf Opiat.
„Und einen für den Papa.“
Nachdem sich eine leichte, angenehme Taubheit in seiner Hüftgegend breitgemacht hatte, schlich Kider leise aus der Kommandozentrale des Schiffes. Es tat gut, seinen Körper die Dinge tun zu lassen, die ihm dank seinem Training und seiner edlen Herkunft in Fleisch und Blut übergegangen waren - endlich musste er sich nicht mehr anstellen wie ein ungeschickter, vertrottelter Schiffbrüchiger.
Automatisch schlug er den Weg zum Laderaum ein - und erstarrte.
Mitten im Gang des Schiffs stand eine hochgewachsene Gestalt, die eine Kutte zu tragen schien. Kider brauchte nicht mehr Licht, um zu wissen, dass es sich um eine graue Kutte handelte, mit einer Kapuze, die das Gesicht ganz verbarg.
„William Kider.“ Die Stimme war leise, doch schien sie das ganze Schiff auszufüllen. Kider verneigte sich tief.
„Wir gaben dir den Auftrag, eine dir bekannte Person aufzuspüren. Dieser Auftrag hat nun keine Priorität mehr. Auf diesem Planeten befindet sich ein weiteres Schiff, und in diesem Schiff befindet sich der Bote.
Unser Satellit hier hat ihn erhört, doch die Botschaft ist... Unvollständig.
Du musst nun den Boten finden, und den Mann, der ihn bei sich trägt. Ihnen darf kein Leid geschehen, doch dürfen sie auch mit niemandem sprechen.
Die anderen Wesen an Bord dieses Schiffes sind irrelevant, doch töte niemanden, der etwas wissen könnte.“
Maka nickte gehorsam.
„Dieser Auftrag ist von so großer Wichtigkeit, dass wie beschlossen haben, dir Hilfe zu senden. Einer deiner Brüder und ein Thomas werden bald zu deiner Unterstützung kommen, doch die Zeit reicht nicht, um auf sie zu warten.“
„Wie finde ich dieses Schiff?“ Kider spürte ein warmes Gefühl in der Brust. Sie hatten ihn ausgewählt, um einen wichtigen Auftrag auszuführen. Es erfüllte ihn mit Glück wie die Befriedigung eines lang verlorenen Grundbedürfnisses.
„Ich werde dir das Schiff zeigen. Komm her, Sohn.“
Die Gestalt in der Kutte streckte die Hand aus und berührte Kiders Stirn. Schwärze brach über ihn herein.
Als William Kider sich von seiner Bewusstlosigkeit erholt hatte und langsam aufstand, war das Taubheitsgefühl in seiner Hüfte verschwunden, doch er spürte auch keinen Schmerz. Er wusste nun, wie das Schiff aussah, das er suchte, wo es zu finden war und wie es hieß.
„Pellenore, ich komme.“ Flüsterte Kider, während er in den spärlich bestückten Waffenraum von Lilifers Schiff trat.

Saryn:
Trent Adams schlug die Augen auf. Das Drängen war stiller, die Verwirrung in seinem Schädel war ein Stück klarer geworden. Er hatte das Gefühl, einen Sinn in all dem zu erkennen, auch wenn er immer noch nicht genau hinter die Vorhänge seiner Identität schauen konnte.
Als die Worte in seinem Kopf aufgetaucht waren, war ein Teil seines Zweifels verschwunden. Sie waren von außen gekommen, nicht aus dem Schiff, wohl aber von diesem Planeten. Etwas in diesem Raum - sogar etwas in unmittelbarer Nähe hatte sie aufgefangen und war ... erwacht?
Trent Adams sah sich um. Die beiden anderen Individuen im Raum diskutierten, eines - der Mensch - trat näher zur Liege. Sein Ziel schien der Overall zu sein, der daneben lag. Zum ersten Mal registrierte Trent Adams, dass er bis auf einen, bis zu den Knien reichenden medizinischen Bodysuit nackt war. Er schob den Gedanken beiseite. Er war nicht wichtig, wohl aber die nächsten Augenblicke.
Die Worte verstummten.
Trent Adams sah den verwirrten Blick des Mannes in der Kapitänsuniform, so als hätte er sie ebenfalls hören können und war nun überrascht, dass sie fort waren.
Die Deckenlampen flackerten eine Sekunde lang, als es zu einer plötzlichen Stromschwankung kam und Trent Adams reagiert.
Der Strom war nur einen Augenblick lang fort, aber das war eine durchaus ausreichende Zeitspanne. Mit einem Klicken sprangen seine Fesseln auf und er bewegte sich.
Als sie sich wieder schlossen hatte er bereits beide Hände frei und richtete sich in Sitzposition auf. Von einem Nebentisch schnappte er sich ein Metallschälchen und warf es nach der Steuerkonsole am Fußende der Liege. Die Fußfesseln öffneten sich. Mit einem Mal war er auf den Beinen.
Der Kapitän taumelte erschrocken zurück und wäre gestürzt, wenn er nicht mit dem Rücken gegen die nahe Narkosestation gestoßen wäre.
Trent Adams bewegte sich abermal schneller, als er selbst für möglich gehalten hatte. Von einem nahem Tablett schnappte er sich ein Skalpell und mit einem Mal war er bewaffnet.
„Keine Bewegung,“ rief er. „Ich will euch nichts tun!“
Und mit der Bewegung ließ er das Skalpell wieder fallen, sodass es mit einem hellen Klingen auf den Metallboden der Krankenstation traf.
Er schätze die beiden Individuen nicht als Feinde ein und würde sie nicht zu solchen machen, solange es nicht nötig war. Vielleicht reichte es eine Zeit lang, sie mit einigen Informationen zu füttern über das wenige, dass er wusste - von seinem geistigen Zustand würde er ihnen aber sicher nichts erzählen. „Bitte,“ sagte er in beruhigendem Tonfall. „Bleiben sie ruhig. Die Situation ist anders, als sie denken.“ Mit langsamen Bewegungen zog er den Overall zu sich heran und griff in die Tasche. Seine Finger ertasteten das Rechteck der ID-Karte. Mit einer minimalen Bewegung fügte er dem digitalen Lesestreifen einen langen Kratzer zu, der ihn unbrauchbar machen würde. Dann ertasteten seine Hände etwas anderes und er erschrak. Daran hatte er nicht mehr gedacht, seit...
...hatte er schon einmal daran gedacht?
Warum erinnerte er sich erst jetzt, dass er dieses Objekt dem Mann abgenommen hatte, dem die ID-Karte gehörte?
Er bemühte sich, seine Gefühle nciht bis in sein Gesicht vordringen zu lassen und zog die ID-Karte hervor. Das andere Objekt würde er sich bei Gelegenheit in Ruhe ansehen.
Jetzt galt es diese Situation zu entschärfen.
Er hielt die Karte erst in Richtung des Menschen, dann des Nichtmenschen, sodass sie beide sie lesen konnten. „Ich gehöre zum Naval Investigative Service der Allianz.“
Die Karte bewies es...

coco:
Was sollte der Unsinn, sollte er etwa Sinn ergeben? Die drei dünnen Hörner auf Tenivics Kopf stellten sich senkrecht auf. Die Aura eines Nicht-Iuvekaners war schwer zu erfassen; speziell die Gefühlswelt eines Terraners war zu abartig, also nein, andersartig natürlich. Dennoch tastete der Maschinist mit starr aufgerichteten Fühlern nach einem Zeichen.
„Verwirrt“, sagte er schließlich, in seinem ruhigsten Tonfall.
Kirjas nickte und versuchte, sich an den Psycho-Kurs damals an der Akademie zu erinnern. Wie sprach man nochmal einen schwerst Gestörten an? „Sie sind krank. Bitte beruhigen Sie sich. Zu größeren Kraftakten sind Sie aufgrund der Medikamente gar nicht fähig. Darf ich Ihre Karte prüfen?“
Der halbnackte Patient hielt ihm die ID-Karte hin. Bewegungslos. Kirjas nahm sie und hielt sie vor die Konsole in der Wand. „Computer, verifiziere die Signatur gegen den lokalen Cache!“ Ohne Kontakt zum Datennetz seiner Flotte konnte der Computer nur bereits bekannte Identitäten überprüfen, aber vielleicht hatten sie ja Glück ... hatten sie nicht. Das rotes Fehlersymbol leuchtete an der Wand auf, daneben ein knapper Text:
**** Karte nicht lesbar. Hardware-Fehler. ****
Wie gut er diese Meldung doch kannte! Auf seinen letzten beiden Kreuzfahrten hatten sich diverse gelangweilte Teenager als Besatzungsmitglieder verkleidet und versucht, mit ID-Imitaten in die Küche zu kommen. Eine Pest war das! Seit der Souvenier-Laden an Bord neben Plastikspielzeug und affigen T-Shirts auch Scherzartikel wie die falschen ID-Karten bekannter Persönlichkeiten anbot, lauerte auf jedem Deck ein Pseudo-Popstar oder ein hoher Politiker. Nach einem kurzen Scan ließ er solche Spaßvögel immer zur Kinderbetreuung abtransportieren. Plötzlich erinnerte er sich an die letzte Lieferung, die noch unverkauft im verschlossenen Laden lag: Billige Plastikschnipsel, die von außen wie ID-Karten der zewesidischen Polizei aussahen. Warum nicht auch Ermittler der Allianz? So schlecht war er noch nie verarscht worden.
„Na fein“, kommentierte er die Karte. Autsch - Jetzt hatte er sich zu fest auf die Zunge gebissen! „Fein, ja, von diesen IDs haben wir noch eine Kiste unter der Theke. Besitzen Sie weitere Ausweisdokumente?“
„Sie wurde beschädigt“, erwiderte der Fremde, „sie müssen mir glauben, bitte! Machen Sie die Lage nicht schlimmer!“
Hinter seinem Rücken wisperte eine gerade noch hörbare Stimme „Käpt'n, Ich hab keine Lust mehr.“
Im selben Augenblick flimmerte die Luft, Tenivic hatte ein Kraftfeld quer durch den Raum aktiviert. Als Kirjas sich umdrehte, sah er eine Wand voller fremder Schriftzeichen. Offenbar hatte Vic das Handbuch in dem irrwitzigen Dialekt seines Heimatdorfs durchgeblättert, so dass der Gefangene, der ihnen gegenüber stand und die Anzeige sehen konnte, nicht verstand, dass er gerade die Bedienungsanleitung für „Zwangsmaßnahmen zum Schutz aggressiver Patienten“ studierte.
„Hab gerade herausgefunden, dass wir drei Emitter-Paare haben. Heißt, das Kraftfeld kann die Krankenstation entlag drei verschiedener Linien teilen. Nächster Absatz: Kältespray. Das Ding, das da oben in der Decke sitzt, ist ein Duschkopf. Darf ich ihn mal abkühlen?“
„Nein, um Himmels Willen!“ Nichts lag Kirjas ferner, als den Patienten wütend zu machen. „Können wir ihn nicht einfach wieder ruhigstellen?“
--------------------------------
Schwammige Schatten schubsten sie, Lilifers Lungen lechzten nach Luft, bewegungslos rannte sie. Kam nicht voran, wurde in ein tiefes Loch gezogen. Schweiß perlte auf ihrer realen Stirn, während der Traum sie in glutheißem Sturm austrocknete. Keuchend wachte sie auf, beide Hände fest in die Decken verkrallt.
Sollte sie die Augen öffnen? Sie wollte nicht. Es war so warm in der Dunkelheit unter der Decke, so beruhigend. Obwohl von Ruhe keine Rede sein konnte. Jeder Atemzug war ein krankhaftes Fiepen, ihr Hals brannte wie Feuer. Warum fiel es ihr das Luftholen so schwer?
Ein Allergieschock. Hoch mit dir, Mädchen, es ist schließlich nicht dein erster! Mit einem Ruck setzte sie sich auf und zwang sich zu husten. Von dem plötzlichen Blutgschmack auf ihrer Zunge wäre ihr früher übel geworden, aber heute erinnerte er sie nur an das Spray in ihrer Hosentasche. Wo war es ... da! Beim ersten Sprühstoß konnte sie nicht rechtzeitig einatmen, der zweite traf aber und ihr Brustkorb entspannte sich. Erschöpft sank sie zurück auf den Boden und starrte nach oben.
Der letzte Allergieschock war schon Monate her. Sie hatte es niemals versäumt, ihr Essen zu scannen. War nie ohne Schutzanzug nach draußen gegangen. Wie also hatte es passieren können? Langsam, wie tröpfelndes Gel, sickerte die Erinnerung zurück. Sie hatte jemanden getroffen. Auch den Mann hatte sie gescannt, bevor er die Luftschleuse verlassen hatte. Nein, er konnte keine Allergene eingeschleppt haben, zumindest nicht auf seiner Oberfläche. Zuletzt hatte er da drüben geschlafen, wo jetzt ... die zerknüllte Decke lag!
Inzwischen fühlte sie sich stark genug, um aufzustehen. Etwas nasses lief ihr über die Wange, mit dem Zipfel des Kissenbezugs wischte sie das Gemisch aus Eiter und Blut ab. Vor einer spiegelnden Stahltür bemerkte sie, dass sie es nur verschmiert hatte, und machte einen Abstecher ins Bad.
Nachdem sie ihre schwarzen Locken halbwegs gebändigt und die Eiterblasen mit extrastarker Heilcreme vertrieben hatte, machte sie sich auf den Weg durchs Schiff. Nach ein paar Metern kehrte sie um, holte ihre Atemschutzmaske und zog die hauchdünnen Iso-Handschuhe bis zu den Schultern hoch. Sie wusste ja nicht, mit welcher Substanz sie in Berührung gekommen war und wie das passiert sein konnte. Das Zeugs war im Schiff, also musste sie aufpassen. Scheiße! Dabei war diese Raumkapsel jahrelang absolut rein gewesen, niemals hatte sie hier drinnen ein Anfall heimgesucht! Scanner für jeden Mist, früh anerzogene Vorsicht - und doch hatte der dusselige Besucher etwas eingeschleppt. In Schutzkleidung setzte sie ihren Rundgang fort.

Saryn:
Trent Adams war minder erstaunt, dass sein Täuschungsmanöver offensichtlich fehlschlug. Er hätte es selbst nur schwer geglaubt, aber der Versuch war es wert gewesen.
Als sich im nächsten Augenblick jedoch das Kraftfeld aktivierte, war er überrascht. Gleichzeitig verfluchte er sich innerlich, weil er nicht auf den Nichtmenschen geachtet hatte.
Er analysierte die Lage und kam zu dem Entschluss, dass es ersteinmal galt, Schadensbegrenzung zu betreiben. Wie er hier rauska, konnte er später noch beschließen. „Glauben sie, dass diese Aktion nötig war? Ich habe nicht vor, ihnen Probleme zu bereiten, ganz abgesehen davon, dass sie sogar in der Überzahl sind.“
„Sie sind immer noch ein blinder Passagier und damit habe ich sowieso das Recht, sie festzusetzen,“ gab der Kapitän zurück.
Trent Adams zog fragend die Brauen hoch. „Blinder Passagier? Sehen sie in der Passagierliste nach, ich bin eingetragen als Trent Adams. Ein Deckname,“ fügte er hinzu. Dann beschloss er, dass er ihnen mehr bieten musste. Es würde nicht schaden, die Wahrheit wenigstens teilweise zu enthüllen. „Wissen sie warum sie hier sind?“ Bevor einer von ihnen antworten konnte, fuhr er fort. „Der Hyperraumsturm, der sie hierhin verschlagen hat, war kein lokales Ereignis. Sie können damit rechnen, dass es überall in der Galaxis zu ähnlichen Phänomenen gekommen ist. Aber was immer diesen unfreiwilligen Sprung ausgelöst hat...“ Ist hier an Bord. Doch soweit kam er nicht. Eine laute Alarmsirene übertönte ihn. Die Köpfe seiner unbeholfenen Kerkermeister zuckten herum.
„Etwas nähert sich dem Orbitabschnitt über unserer Landeposition,“ erklärte der Kapitän dem Nichtmenschen, scheinbar vergessend oder gleichgültig darüber, dass Trent Adams mithören konnte. „Ich habe die Sensoren so eingestellt, dass sie Alarm schlagen, sobald sie eien mögliche Rettungsmannschaft erfassen.“
Trent Adams hörte nicht länger zu. Etwas hatte sein Bewusstsein berührt, kaum mehr als ein sanfter Windhauch, kaum spürbar - aber da...
Etwas war hier...
Es kam ihm gleichsam vertraut vor, als auch fremd.
Es war nicht an Bord des Schiffes, nichteinmal in der Nähe, sondern... bloß da.
Auf diesem Himmelskörper. Und es hatte ihn für einen winzigen Augenblick berührt.
Er erschauerte.
Was er gespürt hatte war ...
Ein Tier, dass aus dem Schlaf geschreckt war - etwas, dessen Aufmerksamkeit sich mit raubtierhafter Aggression von einer anderen Aufgabe abgewandt hatte, um sich dem Neuankömmling - dem Schiff im Orbit zu widmen.
Dann war es fort, hinterließ ein Gefühl drohenden Unheils - ohne herauszustellen, wem es gelten würde.
Trent Adams schlug mit der flachen Hand gegen das Kraftfeld und zuckte zurück, als er einen leichten Schlag erhielt. „Hören sie! Geben sie sich dem Schiff nicht zu erkennen! Warten sie ab, aber tun sie nichts!“
Der Kapitän sah ihn ungläubig an. „Und eine Chance auf Rettung ausschlagen?“ Er schüttelte den Kopf. „Tenivic, lade das Sensor-Interface auf diese Konsole. Bis zur Brücke ist es zu weit,“ wies er den Nichtmenschen an, der sofort mit einer Imitation eines menschlichen Nickens den Befehl befolgte.
Mit einem Flimmern erschien die Kreisrunde RECOTRAD-Übersicht an der Wand. Ein grauer Kreis kennzeichnete den Planeten, ei roter Leuchtpunkt stellte das eingetroffene Schiff dar. „Kannst du es identifzieren?“
„Nein, es sendet keine lesbare ID aus. Aber es nähert sich definitiv dem Planeten.“
„Piraten?“
Schlimmer, dachte Trent Adams, sagte aber nichts. Er erkannte das eigentümliche Signal. Dieses Schiff sendete wohl eine ID aus, aber sie entsprach keiner Kennungsvorschrift der Allianz.
Was wollten sie hier?
Er konnte es nicht sagen, aber die Erinnerung an die Raubtierpräsenz ließ nichts Gutes erahnen.
--------------------------------
--------------------------------
In der Lautlosigkeit des Weltalls glitt die H