Literatopia

Normale Version: wie konnte ich bloß
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Du
weißt es
natürlich
wieder
besser

wie konnte ich
das bloß
übersehn

meine Tat
so ruchlos
und hart
vergällt dir
dein Leben
...


und
meins


...


Hallo Quantensprung,

ein sehr offenes Gedicht, das viel Interpretationsspielraum lässt. Ich mag solche Gedichte, die mit sehr einfacher Sprache viel verstecken - oder offenlegen.

Hier könnte es nahezu alles sein. Eine harte, ruchlose Tat. Ein Mord? Ein Vertrauensbruch? Betrug? Oder nur eine versalzene Suppe?

Interessant ist das Besserwissen: Was weiß Du besser? Hätte es die "Tat" verhindert oder besser gemacht? Darauf gibst du keine Antwort, nur dass es beide betrifft. Dass es beiden das Leben vergällt? Also nimmt? Oder vielleicht auch nur ändert, grundlegend, für einen Moment ein gutes Stück aus der Bahn wirft.

Mir gefällt, dass du so offen bleibst und doch hätte ich mir einen kleinen Hinweis gewünscht. Aber das ist subjektiv. Einziges Manko ist für mich der Titel, er wird dem Gedicht irgendwie nicht gerecht. Da müsste etwas mit einem, höchstens zwei Wörtern stehen, denn mehr hast du in keinem Vers und von dieser Kürze lebt das Gedicht. In welche Richtung ... das hängt davon ab, wie dein Gedicht gemeint ist. Oder wie vage du es halten willst.

Mir gefällt es.

Liebe Grüße,
Libertine
Hallo Libertine!

Es freut mich, dass du mir deine Gedanken zu meinem Gedicht mitteilst.
Ich mag es auch, weil es auf so viele Situationen passt.
Welche Situation ich beim Schreiben des Gedichts im Kopf hatte, weiß ich nicht mehr, aber mir fallen einige ein, die in Frage kämen.

Der Titel ist leider recht einfallslos, ich weiß, mit diesem Problem habe ich öfter zu kämpfen.

Es freut mich aber auf jeden Fall, dass es dir gefallen hat Icon_smile

LG
Quantensprung


Hallo Quantensprung,

jetzt lese ich doch alle Deine Gedichte mit ganz anderen Augen. Irgendwie berühren sie mich persönlich und ich habe immer das Gefühl, ich müsste darauf reagieren, sprachlich wie inhaltlich.

Der Text ist so kurz und so alltäglich, und doch so voller Dramatik. Das beginnt schon mit der ersten Strophe. In den Wörtern "natürlich" und "wieder" kommt zum Ausdruck, dass es sich um ein Gewohnheitsverhalten handelt, einen Dauerkonflikt, der sich über lange Zeit eingeschliffen hat. Der Satz ist voller Ironie, aber auch Ausdruck einer inneren Verbitterung.

Zitat:Du
weißt es
natürlich
wieder
besser

Nun ist interessant, dass in dem konfliktträchtigen Dialog die aktive Rolle anscheinend auf der Seite des lyrischen Ichs ist. Da ist von einer Tat die Rede, sie wird apostrophiert mit "ruchlos und hart", man zögert, ob das aus der Sicht des feindlichen Partners oder aus der eigenen Sicht gesprochen ist. Zumindest hat das lyrische Ich Schuldgefühle.

Zitat:meine Tat
so ruchlos
und hart
vergällt dir
dein Leben

Aber nun kommt der Nachsatz, der wie eine heftige Pointe wirkt. Drei Punkte und danach ein langer Abstand im Druckbild zwingen den Sprecher zu einer Pause. Jetzt wird der Text im eigentlichen Sinne erst dramatisch, weil sich die "Tat", von der die Rede ist, nicht nur gegen den anderen richtet, sondern auch gegen sich selbst. Der Unglückliche fühlt die Spitze des Dolchs, mit dem er eigentlich den andern treffen wollte, an seiner eigenen Kehle.

Zitat:...


und
meins

Liebe Grüße

Hans Werner
Hallo Hans Werner!

Ich freue mich immer sehr, wenn du meine Gedichte liest und kommentierst.

Zitat:jetzt lese ich doch alle Deine Gedichte mit ganz anderen Augen. Irgendwie berühren sie mich persönlich und ich habe immer das Gefühl, ich müsste darauf reagieren, sprachlich wie inhaltlich.

Ich muss gestehen, es sind auch sehr persönliche Gedichte.

Zitat:In den Wörtern "natürlich" und "wieder" kommt zum Ausdruck, dass es sich um ein Gewohnheitsverhalten handelt, einen Dauerkonflikt, der sich über lange Zeit eingeschliffen hat. Der Satz ist voller Ironie, aber auch Ausdruck einer inneren Verbitterung.

Zitat:
Du
weißt es
natürlich
wieder
besser

Genauso hab ich es gemeint.

Zitat:Da ist von einer Tat die Rede, sie wird apostrophiert mit "ruchlos und hart", man zögert, ob das aus der Sicht des feindlichen Partners oder aus der eigenen Sicht gesprochen ist. Zumindest hat das lyrische Ich Schuldgefühle.

Der feindliche Partner empfindet die Tat tatsächlich als "ruchlos und hart", aus der Sicht des lyrischen Ich aber ist diese Aussage ironisch gemeint - mit einem bitteren Beigeschmack - es sieht die Reaktion des Partners als überzogen und nicht angemessen an.
Schuldgefühle möchte ich es nicht nennen, eher eine Art leichter Resignation.

Zitat:... weil sich die "Tat", von der die Rede ist, nicht nur gegen den anderen richtet, sondern auch gegen sich selbst. Der Unglückliche fühlt die Spitze des Dolchs, mit dem er eigentlich den andern treffen wollte, an seiner eigenen Kehle.

Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, dass diese "Tat" als geplant zu verstehen ist, sondern als unbeabsichtigt Passiertes.
Die Tat fällt insofern auf das lyrische Ich zurück, als die Reaktion des Partners eine ist, welche dem Ich das Leben schwer macht.

Danke für deine Gedanken!

Ganz liebe Grüße
Quantensprung