Literatopia

Normale Version: Das gewisse Etwas
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Hai Hai

Ich schreibe des Öfteren kurze Geschichten und überlege mir auch immer wieder Plot für allfällige Bücher. Eigentlich sind die Ideen denke ich allgemein relativ gut und auch meinen Schreibstil habe ich im Griff, nur verwerfe ich meine Buch-Ideen immer bereits nach wenigen Seiten (Gut, eines hatte über 90), weil ich finde, das gewisse Etwas fehlt. Dasjenige Etwas, was ein Buch lesenswert und erinnerungswürdig macht, aber ihm auch eine unverkennbare Note gibt.

Nehmen wir als Beispiel Eragon. Die Geschichte ist zwar ziemlich geklaut, wie auch hier im Forum bisweilen erwähnt wird, aber das ganze Drachenreiter, Alte Sprache-Zeugs hat doch seinen Charme.
Oder die Saga des Dunkelelfen mit Drizzt und seiner Raubkatze.

Bei meinen Geschichten geht es nur um normale Männer und Frauen, manchmal Zauberer etc. aber das alles hat in meinen Augen nicht wirklich tiefgang leider.

Naja, mein Problem ist ein bisschen schwierig zu beschreiben, aber ich zähle darauf, dass ihr versteht was ich meineIcon_wink
Wie haltet es ihr anderen Geschichtenschreiber mit der Originalität und Tiefe euerer Texte?

Gruss
Nachtmahr
Hallo Nachtmahr,

ich denke bei deiner Frage sehr schnell an Joe Abercrombie, der meine: die Trilogie hab ich schon früh geschrieben, aber dann Jahre lang rasten lassen. Er meinte dann auch, dass er erst spät und durch Leben den sarkastischen "Ton" gefunden hat, der seine Schreibe so besonders macht. Das ist ein Beispiel. Eines von vielen, die man sicherlich überall in der Literatur findet. Ich glaube jeder Autor muss lange für sich selbst suchen, was das "gewisse Etwas" bei ihm ist und wie er es bestmöglich in Szene setzt. Ich persönlich mache mir ehrlich gesagt keine große Gedanken über Originalität. Ich schreibe was ich schreibe und sehe mich als "Lehrling". Es muss mir Spaß machen und ich muss für mich meinen, dass es lesenswert ist, wegen den Kleinigkeiten, dem Zwischenmenschlichen. Schon dagewesen ist nämlich viel. Es kommt schlicht auf die Darstellung an, die Sichtweise und da sieht jeder etwas anderes.

Wenn du dich selbst langweilst, wirst du auch den Leser langweilen. Versuch einfach mal ein paar Dinge. Schreib besonders schnörkellos oder eben das Gegenteil. Probiers mit Sarkasmus, mit Schlichtheit, Charme. Überzeiche und unterzeichne solange, bis du dich selbst unterhälst, bis du selbst das wirklich schreiben willst - dann machst du schon mal vieles richtig. Dann hast du schon mal das wichtigste gefunden: Motivation. Erst dann würd ich soweit gehen und mich fragen, was ich für Leser ändern will, wie ich dann noch Mainstream mischen will, um Massentauglich zu sein und ob das überhaupt jemals mein Ziel wäre.

So viel zu meinen Gedanken hierzu! Icon_smile

Liebe Grüße,
Sternchen
Hallo Nachtmahr,
ich vermute mal deine Frage zielt darauf, was denn nun das „gewisse Etwas“ ist. Ich denke, diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Da ist das pauschalieren, mal wieder schwierig.
Nehmen wir mal z.B. Eragon. Ich kann jetzt nicht unbedingt behaupten, dass ich das supertoll fand. Du zählst da als „gewisses Etwas“ die Sprache etc. auf, für mich hat da viel mehr der Charme die Verbindungen mit den Drachen ausgemacht.
Ansonsten würd ich mal behaupten, dass für mich die Charaktere am Wichtigsten sind. Die Geschichten der Charaktere, die ich symphatisch fand, oder die einfach interessant sind, bleiben mir im Gedächtnis. Oder auch gut recherchierte Sachen, die mich einfach tief mit in die Welt genommen haben, da macht dann die Atmosphäre das gewisse Etwas aus.
Ich denke das „gewisse Etwas“ kann viel sein, es liegt immer am persönlichen Geschmack was es nun ist.
Bei meiner eigenen Schreibe bin ich mir nicht sicher, was es da ist. Die Atmosphäre? Auf die leg ich immer Wert. Der Stil? Von dem behauptet wird das ich einen habe. Oder die interessanten/seltsamen Charaktere? Von denen gibt’s immer mehr. Ich hab keine Ahnung.
Ansonsten: Schreib einfach das, was du auch selbst gerne lesen möchtest. Dann kommt man glaube ich auf einen guten Weg.

Liebe Grüße,
Lady
Hallo und vielen Dank für eure schnelle Antworten.

@Sternchen: Eigentlich wollte ich nicht auf sprachliche Merkmale und Mittel hinaus, denn die sind ganz klar eine Übungssache, sondern vielmehr auf inhaltliche. Im zweiten Teil deines Kommentars gehst du dann mehr auf meine Gedanken ein. Wie gesagt, das Problem ist hauptsächlich, dass ich nichts finde, was die Geschichte für andere besonders Lesenswert macht.
Klar, eine Reise voller Gefahren, diplomatisches Ränkeschmieden, wunderbare Landschaften und grausige Scharmützel, gewürzt mit ein wenig Liebe ist nie verkehrt. Aber irgendwie ist das alles relativ trivial. Die Suche nach etwas Besonderem(z.B Person die sich zu mächtigem Magier entwickelt, grosser Krieger, seltsame Wesen) ist das was mir schwerfällt. Entweder schon zigmal dagewesen oder irgendwie dämlich.

@Lady: Ich meinte bei Eragon jetzt auch eher das ganze Zeugs rund um die Drachen und ihre Reiter, die geistige Verbindung und die, man muss es zugeben, originellen Charaktere. Da war eine gewisse Warmherzigkeit drin die das Interesse am weiteren fortgang der Geschichte ernsthaft aufrecht erhält.

Gruss
Nachtmahr
Hallo Nachtmahr,

ich muss schmunzeln, weißt du, denn ich denke doch das du jede noch so simple Reise - hundert mal dagewesen - mit einer überzeugenden Umsetzung sehr wohl gut verkaufen kannst. Und die Umsetzung liegt nun einmal an den Situationen, welche ausgewählt werden, und ganz klar dem Stil. Entweder kannst du das eine besonders toll, oder das andere. Ne Mischung aus beide wäre wohl perfekt, bekommen aber auch nur wenige so richtig richtig toll hin, wie ich finde. Mich eingeschlossen. Situation, gewählte Sichtweise und Lebenseinstellung, plus Stil: wenn das passt, musst du dir keine großen, großen Gedanken darum machen, die Handlung höchst außergewöhnlich zu beschreiben. Außer du strebst die richtig High Fantasy an, die ja gerade durch neue Ideen glänzen könnte. Ist halt immer die Frage, WAS du schreiben willst. Freilich muss oder kann man bei jedem Sub-Genre auch hier auf Kleinigkeiten achten. Ich bleib trotzdem gern beim Wörtchen WIE.

Liebe Grüße,
Sternchen
Hallo. Icon_smile
Kennst du Rebecca Gablé? Eine Historik-Autorin. Eigentlich schreibst sie auch eine ganz gewöhnliche Reise durch das Leben (meistens das einer fiktiven, dem englischen Königshaus nahen Familie). Aber durch originelle Ideen und gute Umsetzung erreicht sie dennoch das große Ziel: sie unterhält. Also es geht nicht nur um die Idee. Icon_wink
Ich hatte eigentlich nie ein großes Problem mit Ideen, mehr die Ausformulierung ist finde ich das Schwere. Bei meinem Großprojekt fange ich jetzt zum Beispiel nochmal ganz im Kleinen an und plane gewissermaßen die ganze Welt von Anfang an, weil ich festgestellt habe, dass einige Elemente anderen Bücher sehr stark ähneln. Außerdem bekomme ich so vielleicht eine Art inhaltliche Tiefe. Stilistisch ist natürlich nochmal eine andere Frage, aber da brauche ich, glaube ich, zunächst erst mal nur viel Übung. Icon_wink
LG,
rex
Stimmt. Gablé macht eigentlich auch immer fast das gleiche. Es liegt bei ihr - wie ich sie kenne - auch eher an der Umsetzung als an allem anderen. Ausgenommen "Hiobsbrüder". Da hat die Idee, die Besonderheit der Charaktere ungemein bestochen und eingenommen! Icon_smile

Liebe Grüße,
Sternchen
Ja, die Charaktere waren da wirklich sehr besonders. Vor Allem Regy fand ich wahnsinnig gut dargestellt!
Ohja. Uh ... der hat mir auch gut gefallen. Ich hab endlich auch schon den neuen Band von ihr auf dem Nachtisch. Band drei der Waringham-Saga. Leider hab ich Band 2 nicht gelesen, mich aber zumindest informiert. Ich bin dennoch gespannt, ob es in einem Ton zum ersten Teil weitergeht oder sie sich neues einfallen lässt. Selbst wenn ersteres: bei ihr ist das fast nie, nie schlimm! Icon_smile

Ein gutes Beispiel, Rex!
Muss man schon sagen.

Liebe Grüße,
Sternchen
Hallo Nachtmahr,

das gewisse Etwas ist, wie der Name schon sagt, irgendetwas, das eine Geschichte besonders lesenswert macht. Es können viele unterschiedliche Dinge sein, von denen einige in den Posts davor schon genannt wurden, wie zB. ein ungewöhnlicher Schreibstil oder eine originelle Idee.

Zitat:Klar, eine Reise voller Gefahren, diplomatisches Ränkeschmieden, wunderbare Landschaften und grausige Scharmützel, gewürzt mit ein wenig Liebe ist nie verkehrt. Aber irgendwie ist das alles relativ trivial. Die Suche nach etwas Besonderem(z.B Person die sich zu mächtigem Magier entwickelt, grosser Krieger, seltsame Wesen) ist das was mir schwerfällt. Entweder schon zigmal dagewesen oder irgendwie dämlich.

Du zählst hier bereits ein paar Dinge auf, die in einer Geschichte vorkommen können und du behauptest sie seien trivial.
Doch wer sagt das? - Man kann solche Dinge mit ein bisschen Charme und guten Charakteren würzen und dann hat man auch etwas Besonderes. Eine Kombination aus Personen, Orten und Dialogen, die deinem Kopf entsprungen sind und die eine wunderbare Geschichte erzählen.

Dieses gewisse Etwas, das man sucht, ist eigentlich automatisch da, wenn man eine Geschichte voller Leidenschaft und Hingabe schreibt. Ich finde eine - wie du es nennst - triviale Handlung genauso spannend wie eine etwas ungewöhnlichere, wenn sie gut erzählt ist.
Es muss also nicht immer etwas Neues sein, über das man schreibt.
Ich finde es ist wichtig, dass das, was man schreibt, einem selbst gefällt. Dann hat man auch automatisch mehr Motivation und Spaß bei der Schreiberei.

Zitat:Wie gesagt, das Problem ist hauptsächlich, dass ich nichts finde, was die Geschichte für andere besonders Lesenswert macht.

Schau zuerst auf dich selber. Gefällt dir deine eigene Geschichte? Wenn sie dir gefällt kannst du dich auch mit deinen Lesern beschäftigen.
Man kennt es Autoren an, wenn ihm seine eigene Geschichte nicht gefällt. Diese Einstellung kommt dann auch automatisch beim Leser an.

Zitat:Nehmen wir als Beispiel Eragon. Die Geschichte ist zwar ziemlich geklaut, wie auch hier im Forum bisweilen erwähnt wird, aber das ganze Drachenreiter, Alte Sprache-Zeugs hat doch seinen Charme.
Oder die Saga des Dunkelelfen mit Drizzt und seiner Raubkatze.

Das ist deine eigene Meinung. Ein andere kann diese Bücher grottenschlecht finden. Die Frage, ob ein Buch gut ist, ist wie ich finde sehr subjektiv. Deshalb rate ich dir wie oben schon erwähnt: Finde deine eigene Geschichte mit deinen Charakteren und deinen Orten und Dialogen, die dir gefallen und dann werden die Zweifel verschwinden.

Zitat:Bei meinen Geschichten geht es nur um normale Männer und Frauen, manchmal Zauberer etc. aber das alles hat in meinen Augen nicht wirklich tiefgang leider.

Du suchst also nach so einem gewissen Etwas im Hinblick auf den Inhalt/Plot der Geschichte. Auch das Leben eines "normalen" Menschen kann spannend sein. Du bist der Autor. Du kannst den Verlauf der Geschichte bestimmen. Lass einen Krieg ausbrechen und genau dieser normale Mensch entpuppt sich als Held? Ein normaler Junge wächst auf einem Bauernhof auf udn als er älter wird entdeckt er, dass er magische Kräfte besitzt, als er versehentlich die Scheune mit einem Feuerball in Brand steckt.

Natürlich stellt sich hier die Frage nach der Originalität. Etwas Neues, noch die dagewesenes ist schwer zu finden und noch schwerer dann auch noch aufs Papier zu bringen. Man kann sich ja an seinen Lieblingsbüchern orientieren und ein paar Dinge abschauen und diese Elemente dann miteinander kombinieren. Man erhält etwas Neues aus etwas Altem.
Auch hierbei wieder der Rat: Gut ist, was dir gefällt.


MfG
Dramweida
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