Literatopia

Normale Version: Welker Mond
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Welker Mond

Aus den Neongrüften der Apathie,
dem Gemisch aus Diesel und Kot,
entschleust sich Morgen, wabernd rot
und pulsgleich durch die Lethargie
einer totgesäugten Brust;

in der Zukunft liegt Verlust
leiberdick auf den Wegen –

(dem Blick entgegen
schwärmen heimische Vögel
ums Futterhaus,

hellgebälkt,

fressen fast
mechanisch
in zielloser Schmelze)

wir schlachteten Pelze
einst, ruhten im Stroh,
sahen wir mechanisch aus?

Der Mond welkt.
Hallo polet,

für ein Gedicht von dir unterbrech ich sogar mein Suppenessen Icon_wink

Nach dem Wiederlesen seh ich vor mir: Bauernhof. Und: 2 Interpretationen.

Nummer1 geht in Richtung sterbende Liebe. Ein neonbeleuchtetes Zimmer, eine durchwachte, apathische Nacht, ein roter Morgen (jaja, am Bauernhof - Diesel, Kot). Ein Eingeständnis - "totgesäugt", "Verlust" - es gibt keine Zukunft für das hier. Es ist schal. Leer. Blick aus dem Fenster in den Morgen; Vögel picken Futter, ohne zu denken, gleichförmig, mechanisch - Gedankensprung:
"einst, ruhten im Stroh,
sahen wir mechanisch aus?"

Ein (rethorische) Fragen an den/die Andere. Evtl. Erinnerung an den Beginn der Beziehung bzw. auch in die Richtung "wann haben wir begonnen zu sterben? Wann ist aus Romantik Gewohnheit geworden?"

"Der Mond welkt" - Sinnbild der sterbenden Romantik.



Nummer2: Frühmorgens. Neongrüfte, Apathie, Diesel und Kot - Stall. Wabernd rot, leergesäugte Brüste, Verlust leiberdick - Schlachtvieh. Ein Vogelintermezzo (Stallfenster?).
mechanisch - Assoziation:
"wir schlachteten Pelze
einst, ruhten im Stroh,
sahen wir mechanisch aus?"

Ein Hinterfragen, Erinnern, Unwohlsein. Schlachten und im Stroh ausruhen. Mechanisch - Menschlichkeit?
"Der Mond welkt" - es wird Tag.



Ich tendiere hin und her. Is halt so. Nummer1 wär mir lieber. Aber ein Gedicht ist kein Wunschkonzert Icon_wink

lg
lu (Suppe essend)
Heja lu,
(nachträglich "Guten Appetit!") -
gleich ran hier:
Zitat:Nach dem Wiederlesen seh ich vor mir: Bauernhof. Und: 2 Interpretationen.
..."Bauernhof"? Icon_confused Ja, klar, wegen "Diesel und Kot"...aber als stadtbürger auch nicht ungewöhnlich...ich mein', hej, all die alten Mercedesse und TDIidiotie an den lauten kreuzungen, und all die tauben und hunde und kneipenheimkehrer, die es nicht bis nach hause schaffen (ok, DAS ist natürlich nur literarische gedankenfreiheit!)...- eigentlich sollten die "Neongrüfte" auf etwas UNländliches hinweisen...aber Du hast ja recht, auch in kuhställen hängen neonröhren. Icon_smile
Es ist ein poLetarischer blick auf den empfundenen zustand eines Jetzt und Hier.
Und ja, eher 'endromantik'. Triebhaftes wird zu mechanik. Die freiheit ist tot.

Danke Deinem kommentar, dem lesen und denken,
lieben gruß,
poLet
*lach*

OK, keine Kühe für polet -- und keine Interpretationsorden für lu Mrgreen Icon_wink

lass mich nochmal lesen.. hm. Ich glaub, die Vögel und das Stroh haben mich auf den Bauernhof gebracht. Nimm's nicht weiter ernst Icon_wink

Aber: Freiheit ist nie tot. Und wenn ich am Tag, an dem ich sterbe, noch beschließe, eine neue Sprache zu lernen. Bis zum Ende frei. Es kommt nur auf die Definition an, und wieviel du dafür hergeben willst (kannst) - sprach die Lohnsklavin Icon_wink

naja. ich bin heute nicht ganz ernst zu nehmen.
lg
lu
Ach lu,
Du kriegst von mir die 'Silberne Kuhglocke' für Deine anteilnahme und Dein verständnis! Mrgreen

Und ob freiheit tot ist oder tod frei...achgottchen...ein andermal.

Liebe grüße vom
mammonjünger
poLet

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