Literatopia

Normale Version: Der erste Satz - was war für Euch der Beste?
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Hallo alle zusammen,

Romananfänge entscheiden in den meisten Fällen darüber, ob ein Buch gelesen wird oder nicht.
Deshalb dachte ich, dass man hier mal eine kleine Sammlung der schönsten und interessantesten Romananfänge zusammenstellen könnte.


Also:
Welcher Anfang (Satz/Sätze/Absatz) ist für euch am schönsten bzw. interessantesten. Icon_smile
Und vielleicht noch einen kleinen Kommentar dazu, was als Anfang eurer Meinung nach gar nicht geht? Icon_igitt

LG
Lilith
Ich sage gleich vorweg: Es wird ein Antibeispiel.

Ich mag diesen Anfang gar nicht leiden - er stammt aus dem ersten Buch, das ich jemals beendet habe. Ziemlich unglorreich. Vielleicht bin ich vermessen, ihn hier einzustellen, wo mit den Buchanfängen vielleicht etwas anderes gemeint ist, aber man kann mir ja Bescheid sagen, wenn ich es herausnehmen soll ...

Zitat:Wenn ein Tier existiert, dass Schönheit, Eleganz, Ausdauer, Belastbarkeit und enorme Trittsicherheit in sich vereint, dann findet man es in Nurmadin, denn es sind die Nuritos, von wilden Urpferden abstammende und kunstvoll gezüchtete Pferde, die sich zu gut für die hügelige Landschaft eignen und auch Reisegepäck oder Verkaufswaren von Händlern über die schmalen Pfade des Hurikam, des großen Gebirges, welches sich durch den nördlichen Teil Nurmadins erstreckt, tragen. Nurmadin selber hat eine wechselhafte Seele: Im Norden grün und hügelig, während weiter südlich weite Grasflächen die Erde bedecken, um schließlich in weiße, warme Sandstrände überzugehen, an denen sich das Meer glitzernd türkis oder tosend grau windet, mal träge, manchmal voller Energie. In es hinein fließt der Negrom, der schwarze Fluss, der sich durch ganz Nurmadin zieht, vom Norden zum Süden, doch seine Arme reichen in alle Himmelsrichtungen.
Viele Nurmadiner leben in Dörfern oder Siedlungen, die häufig aus fünfzehn bis vierzig Hütten bestehen, mit Gemeinschafts- und Ratshütten, Versammlungs- und Lagerhäusern. Es gibt auch fahrende Händler und in fast jedem Ort Bauern und Züchter, Metzger und mehr, aber es gibt auch Städte, groß und eindrucksvoll. Es leben viele Menschen in den Städten, denn die meisten sind von Menschen gegründet worden. Aber diese Welt gehört nicht nur uns, Gruppen von Elfen haben sich in den Wäldern angesiedelt und mit uns allen kamen auch die Heilweyner. Sie sehen aus wie Menschen, haben ähnliche Bedürfnisse und Verlangen. Aber doch sind die Heilweyner nicht menschlichen Geblüts, denn ihre Gabe ist die Natur an sich, die sich ihnen wie den Elfen offenbart. Sie sprechen die Sprache der Tiere und ihre Kenntnisse über Pflanzen und die Erde an sich sind enorm.

[...] So geht es noch eeeeewig weiter. Infodump ohne Ende, keine Spannung, keine Handlung, nicht einmal eine Person. Das finde ich persönlich ziemlich uninteressant, wenn ich es nett ausdrücken soll Icon_rolleyes Es passiert nichts und mit den meisten Informationen kann man zunächst einmal nichts anfangen. Ein bisschen Landschaftsbeschreibung am Anfang finde ich in Ordnung, als eine Art Zoom bis zu einer Person, die dann irgendwie agiert - aber kann sich bei diesem Anfang irgendjemand vorstellen, dass das ein spannendes Buch aus der "Ich"-Perspektive werden soll? Also ich würde dieses Buch sicher sofort wieder aus der Hand legen, wenn ich in der Buchhandlung stehen würde ...

Lieben Gruß,
Trinity

Sigurd

Warum denn ?, der Anfang ist doch gut.
Sprachlich brilliant und inhaltlich eine gute Einführung in die Welt, um die es geht.
Die Aktion, der Konflikt und die Handlung, die folgen ja bestimmt noch, oder?

HGruß, Sigurd
Es freut mich, dass du meinen Stil lobst Smiley_emoticons_blush - allerdings finde ich persönlich unschön, dass das über eine Seite lang ist (dies ist ja nur ein Teil) und keine Handlung enthält. Wenn man sich so etwas bei einem Film vorstellen würde, wäre das eine von der Hauptperson gesprochene Einleitung (die richtig einfallsreich mit "Mein Name ist Neya" endet Icon_ugly ).
Allerdings zeigt das doch, wie unterschiedlich die verschiedenen Leute einen "guten Anfang" definieren Icon_smile

Lieben Gruß,
Trinity
"Maebelle VanCamp Waltman verschwand an einem Oktobertag von der Kali Oka Road, einem Tag, an dem der Duft der Kudzutrauben in dichten Schwaden über der Kreideschlucht aufstieg. Es war ein träger, scheinbar endlos währender Nachmittag, erfüllt von jenem goldenen Herbstlicht, das man nur am Mississippi antrifft."

Am Ende dieses Sommers - Carolyn Haines

Nur ein kurzer Absatz, der aber sofort die Stimmung des gesamten Romans einfängt und enen sofort in diese träge, schläfrige Stimmung eines viel zu heißen Sommertages in einer staubigen Straße in einem kleinen Ort der sechziger versetzt. Ich hatte mir vorher eigentlich nicht so viele Gedanken über besonders schöne Romananfänge gemacht, aber als ich deinen Beitrag gelesen hatte, fiel mit sofort dieses Buch ein.

"Sonntag, 23. August. In meinem Zimmer/Regen

10:00 Dad hat Besuch von Onkel Eddie und natürlich sind sie reingekommen und mussten hier rumschnüffeln und rausfinden, was ich mache. Wenn Onkel Eddie (der kal ist wie 'ne Billardkugel) noch ein einziges Mal zu mir sagt: "Muss die Glatze mal wieder gewienert werden?", dann bring ich mich echt um. Er rafft es wohl einfach nicht, dass ich nicht mehr im Spielanzug stecke. Am liebsten würde ich aufschreien: "Ich bin vierzehn, Onkel Eddie! Ich platze vor Fraulichkeit, ich trage schon einen BH! Na gut, er sitzt noch ein bisschen locker und rutscht mir zum Hals rauf, wenn ich zum Bus laufe ... aber das Potenzial ist da, du Kahlkopf."


FrontalKnutschen - Louise Rennison

Mrgreen Okay, vielleicht kein Anfang, bei dem man denkt "Wow, das ist aber schön beschrieben" aber ich liebe direkte Einstiege und wenn ich schon bei den ersten Sätzen lachen muss, umso besser.

"Die Welt hatte Zähne, und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte."

Das Mädchen - Stephen King

Ich liebe diesen Satz. Nicht nur wegen dem Roman. Und er ist einfach nicht aus meinem Kopf zu kriegen. Ich höre ihn immer mal wieder durch meine Gehirnwindungen wandern, ohne vorher das Buch gelesen zu haben.

So, dann noch mal eine kurze Anmerkung zu dem, was gar nicht geht.
Endlose Landschaftsbeschreibungen, die sich über Seiten hinwegziehen, oder allgemein Anfänge, die mehr aus Beschreibung als aus Handlung bestehen.
Schlimm finde ich auch (weil ich jedes Mal wieder drauf reinfalle) diese typischen Anfänge aus Mary Higgins Clark oder Joy Fielding Romanen. Ich sag immer "Frauen-Krimis" dazu. Ein super spannender Einstieg, meistens aus der Sicht des Opfers erzählt, dass am Ende des Prologs natürlich auch stirbt und dann - geht es lötzlich weiter mit der jungen, gutaussehenden Journalistin und dem eigenbrötlerischen missverstandenen Cop, die erst mal ihre eigenen Probleme zu bekämpfen haben, anstatt an dem Fall zu arbeiten. Diese Effekthascherei nervt und der Aufbau eines solchen Romans ist auch jedes Mal derselbe. Wenn ich so einen Anfang lese, bin ich auch erst mal sehr skeptisch, denn die Geschichte geht in den seltensten Fällen so spannend weiter, wie sie angefangen hat.

Das war's dann auch von mir. Bin mal gespannt, was andere so sagen. Und du Lilith, hast deine eigene Meinung ja auch noch nicht kundgetan Icon_fies
@ Trinity

Solche Beschreibungen (wenn nötig) sollten lieber durch Handlung aufgelockert werden. Und als Anfang, da stimme ich dir zu, läd es nicht gerade dazu ein weiterzulesen. Icon_nosmile

Aber eigentlich wollte ich hier eine Sammlung der SCHÖNEN Anfänge. Sei es aus euern Lieblingsbüchern oder einfach nur solche, die ihr als sehr gelungen empfandet. Vielleicht sogar aus Büchern, deren Anfang vielleicht wunderbar war und die sich dann als totalen Flop erwiesen haben. Egal. Es geht hier um den Beginn der Lust auf mehr macht. Icon_jump
Verzeih, Lilith, ich sagte ja, ihr dürft Icon_aufsmaul , wenn es zu blöd wird Icon_smile

Und deswegen habe ich hier aus einem meiner Lieblingsbücher, "Der Gesang der Orcas" von Antje Babendererde, den Anfang zitiert, den ich wirklich schön finde ...

Zitat:Die Knie ans Kinn gezogen und meine Arme fest darum geschlungen, hockte ich auf der blauen Holzbank, meinem Lieblingsplatz. Hier, auf dem jüdischen Friedhof in Berlin Weißensee, hatte die Stille einen ganz eigenen Klang. Die vielen Geräusche der Stadt und der Straßenlärm blieben ausgesperrt hinter dicken, hohen Mauern. Sie umgaben den alten Friedhof wie ein Festungswall. Es waren dunkle Mauern aus Sandstein, bewachsen mit Efeu, Farnen und Moosen in den verschiedensten Grüntönen. Die Luft unter den dicken Kronen der hohen Bäume war kühl und schwer und über allem lag der Atem längst vergangener Zeiten.

Eine tolle Atmosphäre, ich fühle mich bei jedem Lesen wieder an diesen wunderbaren Ort versetzt, als säße ich mit Sofie in dieser schönen Einsamkeit, auf dem kühlen Holz, das aus unerfindlichen Gründen blau angestrichen ist. Icon_smile
Ich kann mich wie immer nicht entscheiden welche Buchanfänge mir am besten gefallen, daher mal die vier besten, die mir sofort bei der Frage in den Sinn kommen.

1. Da währe der Anfang von Tintenherz von Cornelia Funke. Der Anfang ihres Buches, bzw. der erste Satz hat (wenn ich mich richtig erinnere) ja auch einen Preis für den besten ersten Satz in einem Jugendbuch bekommen.

"Es fiel Regen in jener nacht, ein feiner, wispernder Regen. Noch viele jahre später musste Meggie bloß die Augen schlißen und schon hörte sie ihn, wie winzige Finger, die gegen die Scheibe klopften. Igenwo in der Dunkelheit bellte ein Hund und Meggie konnte nicht schlafen, so oft sie sich auch von einer Seite auf die andere drehte...."

Mir gefällt dieser Anfang besonders gut da man gleich in die Stimmung des Chrakters und in die ganze Atmosphäre eintaucht, man ist sofort mitten in der Geschichte.

2. Ein vollkommen anderes Genre: Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remaque. Seit langem eins meiner Lieblingsbücher, auch wenn es eine ziemlich schreckliche Geschichte erzählt.

"Wir liegen neun Kilometer hinter der Front. Gestern wurden wir abgelöst; jetzt haben wir den Magen voll weißer Bohnen mit Rindfleisch und sind satt und zufrieden. Sogar für abends hat jeder noch ein Kochgeschirr voll fassen können; dazu gibt es außerdem doppelte Wurst- und Brotportionen - das schafft. So ein Fall ist schon lange nicht mehr dagewesen: der Küchenbulle mit seinem roten Tomatenkopf bietet das Essen direkt an; jedem der vorbeikommt winkt er mit seinem Lffel zu und füllt ihm einen Kräftigen Schlag ein. er ist ganz verzweifelt, weil er nicht weiß wie er seine Gulaschkanone leerkriegen soll. Tjaden und Müller haben ein paar Waschschüsseln aufgetreiben und sie sich bis zum Rand gestrichen voll geben lassen, als Reserve. Tjaden macht das aus Freßsucht, Müller aus Vorsicht. Wo Tjaden das läßt, ist allein ein Rätsel. Er ist und bleibt ein magerer Hering.
Das Wichtigste aber ist, daß es auch doppelte Rauchportionen gegeben hat. Für jeden zehn Zigarren, zwanzig Zigaretten und zwei Stück Kautabak, das ist sehr anständig. ich habe meinen Kautabak mit Katczinsky gegen seine Zigaretten getauscht, das machtz für mich vierzig Zigaretten. Damit langt man schon einen Tag."

Bei diesem Buch mag ich den Anfang, weil hier (die folgenden Seiten gehen ähnlich weiter) sofort beschrieben wird was eigenldich das einzige ist was für diese jugen Soldaten noch zäht: den Krieg überlegen, etwas zu Essen und die Kameratschaft. Man erfährt erst im Laufe des Buches wie anders sich doch diese Jugen Mäner sich ihr Leben vorgestellt haben und wie eine einzige Entscheidung ihr Leben grundlegend verändert hat.

3. Dies ist wieder ein Fantasiebuch, aber ein absoluter Klassiker und mein liebstes Fantasiebuch seit über 15 Jahren. Die unendliche Geschichte von Michael Ende, die ihr sicher alle kennt.

"Diese Inschrift stand auf der Glastür eines kleinen Ladens, aber so sah sie natärlich nur aus, wenn man vom Inneren des dämmrigen Raumes durch die Schreibe auf die Straße hinausblickte.
Draußen war ein grauer kalter Novembermorgen, und es regnete in Strömen. Die Troßen liefen am Glas herunter und über die geschnörkelten Buchstaben. Alles, was man durch die Scheibe sehen konnte, war eine regenfleckige mauer auf der anderen Straßen seite.
Plötzlich wurde die Tür so heftig aufgerissen, daß eine kleine Traube von Messingglöckchen, die über ihr hing, aufgeregt zu bimmeln begann und sich eine ganze Weile nicht wieder beruhigen konnte."

Auch hier steigt man gleich in die Stimmung ein mal ganz abgesehen davon das Michael Ende sowieso sehr schöne Bilder schreibt.

4. Das letzte Buch meiner Liste ist wohl gerade wieder in Mode gekommen Icon_ugly jedenfalls lesen es mitlerweile wohl sogar die Teenies wieder (Twilight sei dank Icon_ugly ).
Der vierte Buchanfang gehört zu Stolz und Vorurteil von Jane Austen.

"Es ist eine Wahrheit, über die sich alle Welt einig ist, daß ein unbeweibter Mann von einigem Vermögen unbedingt auf der Suche nach einer Lebensgefährtin sein muß.
Welcher Art die Gefühle und Wünsche eines solchen mannes im übrigen auch immer sein mögen, diese Wahrheit hat eine so unumstößliche Geltung, daß er schon bei seinem ersten Auftauchen von sämtlichen umwohnenden Familen als rechtmäßiger Besitzer der eien oder andren Töchter angesehen wird."

Dier erste Absatz zeigt sofort die Zwänge, Vorurteile und Konventionen die dieses Buch und das Handeln der Hauptpersonen so gravierend bestimmen. Man bekommt sofort das Gefühl das die äußeren Gesellschaftlichen Zwänge hier eine große Rolle spielen werden. Nach diesem Absatz geht es mit einem Gespräch zwischen Mr. und Mrs. Bennet weiter, in dem diese Annahme sofort bestätigt wird. Ein sehr schönes Buch, jedoch schwanke ich ob ich mich darüber freuen soll das es momentan wieder so in.
Interessant ist es, wenn man sich die bisherigen Ergebnisse mal so ansieht, dass die meisten Bücher eurer Auswahl damit beginnen, wovon in „Schreibratgebern“ immer abgeraten wird: Beschreibungen der Umgebung und/oder des Wetters. Letzteres soll eines der schlimmsten Fehler überhaupt sein. Icon_confused


So, nun aber zu meinen Favoriten:

Cody McFadyen – Das Böse in uns

Sterben ist eine einsame Sache.
Das Leben aber auch.
Wir alle verbringen unser Leben im tiefsten Inneren einsam und allein.
Ganz gleich, wie viel wir mit den Menschen teilen, die wir lieben, irgendetwas halten wir stets zurück ...
... Manchmal ist das Geheimnis in unserem Innern etwas Riesiges und Düsteres – ein Ungeheuer, das direkt hinter uns lauert und dessen Atem wir zwischen den Schulterblättern spüren.


***

Paul Cleave – Die Stunde des Todes

Sie suchen mich heim, wenn ich schlafe. Ihre bleichen Gesichter starren mich an, ihre sanften Stimmen beschwören mich: Wach auf, wach auf. Sie kommen, um mich an die Nacht zu erinnern, daran, was ich getan habe. Sie lächeln nicht, und sie machen mir keine Vorhaltungen; sie sind bloß da und starren mich an. Ich möchte alleine sein, einfach nur vergessen, aber ich habe keine Stimme, mit der ich sie auffordern könnte, zu verschwinden. Ich habe Angst vor dem, was sie wollen, obwohl ich längst weiß, was es ist. Sie sind hier, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Mich ihren Hass spüren zu lassen. Und ich teile ihre Gefühle. Sie können mich nicht anfassen, denn sie sind bloße Geister. Genauso wenig wie ich sie berühren kann, um sie beiseitezuschieben. Doch Worte allein reichen nicht aus, um sie zu vertreiben. Ich starre in ihre Augen und sehe die Schuld, die ich spüren soll, und ich spüre sie, spüre kaum noch etwas anderes. Mit einem Schrei im Mund, den ich gerade noch zurückhalten kann, komme ich zu mir. Er schmeckt nach Blut und Tod. Ich lasse diesen Albtraum hinter mir, doch nichts ändert sich. Es ist fünf Uhr nachmittags, und ich bin schweißgebadet.
Ich reibe mir die Augen. Die Geister verschwinden, aber ihre Botschaft hängt immer noch im Raum. Es gab eine Zeit, da war ich morgens außerstande, Schuld oder Schmerz zu empfinden. Aber das war, bevor die Stunde des Todes anbrach und das Böse mich an der Hand nahm und mir vom Tod erzählte.


Etwas lang, aber ich musste es unbedingt bis zu diesem letzten Satz schreiben, den ich so genial finde.

***

Hier mal ein Beispiel aus einem Buch, das sehr interessant anfängt, aber schon nach drei Seiten absolut einschläfernd wird.

Vena Cork – Galerie der Angst

Die Spitze des Messers schnitt ins Fleisch, und als die ersehnte Flüssigkeit seinen nackten Bauch purpurn erblühen ließ, verspürte er Erleichterung.
Doch das, was in ihm brodelte, war zu mächtig, um durch einen einzigen armseligen Schnitt besänftigt zu werden. Er stand kurz vor einer Explosion. Was das Messer befreit hatte, war ein Rinnsal verglichen mit dem Strom aus Magma, der in ihm tobte.


***

Nun noch zwei lustige Anfänge:

Fiona Walker – „Heiraten macht mich nervös“

Als Tash French frühmorgens die Toilettenspülung zog, fiel ihr ein großer Eiszapfen direkt auf den Kopf.

***

Tommy Jaud – Millionär

Ein drittel der Menschheit ist bekloppt. Manchmal ist es auch die Hälfte, das hängt vom Wetter ab. Unsinn? Vielleicht erklärt mir dann ja mal jemand, warum fast alle Fußgänger bei den ersten Regentropfen sofort ein unfassbar blödes Gesicht machen und die Schultern hochziehen. Glauben sie im Ernst, sie würden durch eine dämliche Grimasse und hochgezogene Schultern auch nur einen einzigen Tropfen weniger Regen abkriegen? Das ist eine rhetorische Frage mit einer sehr, sehr traurigen Antwort: Sie glauben es!
Aber auch ohne Niederschlag ist die Beklopptenquote bedenklich hoch. Wer, wenn nicht ein Bekloppter, kommt zum Beispiel auf die Idee, urinfarbenen Kloreiniger herzustellen?


***
"Schön" trifft es nicht ganz, aber sehr interessant und stimmungsvoll:

"The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel." (aus "Neuromancer" von William Gibson)

Der Satz verkörpert den Stil des Romans und beinhaltet sowohl die gelungene Metaphorik des Buches, als auch die düstere Atmosphäre. Einfach ein durch und durch gelungener Anfang!
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