Literatopia

Normale Version: Adventskalender mal anders
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Hallo liebe Leute und Leutchen!

Ich liebe Schokolade zwar, hasse es aber, mir vorschreiben zu lassen, wann ich naschen darf, ergo fange ich ziemlich wenig mit dem traditionellen Adventskalender an. Andererseits finde ich mich immer wieder im Kreatief und brauche einen (was heißt einen, Verdacht auf Steißbeinbruch) Arschtritt, um in die Gänge zu kommen, dementsprechend ist ein Schreibadventskalender ganz nach meinem Geschmack.

Wie funktioniert's?

Ihr braucht 24 vollkommen willkürlich gewählte Texte, das können die ersten Bücher in euren Regalen sein oder auch die Leitartikel der Tageszeitung. Ich persönlich fische irgendein Buch heraus und arbeite mich dann durch die 23 nachfolgenden.

Wie geht's dann weiter?

Am 1.12. schlage ich das erste Buch auf und lese den ersten Satz. Aus diesem bastle ich dann eine kurze Passage, ein nettes Stück Prosa oder auch Lyrik, das meine kleine Geschichte erzählt. Am 2.12. geht es dann mit dem nächsten Buch bei Satz 2 usw. weiter.

Hier ein kleines Beispiel, tun wir mal so, es wäre schon der 1.12.:

(Wolfgang Hohlbein - Azrael)
Artner nannte es nur das Haus der Pein - ich aber sah darin die Seele unserer Nation, das Rückgrat unseres Staates, auf dem Gartenzwerge heranwuchsen, die, wenn sie einmal groß und fett wären, den Garten grün und saftig machten und dafür sorgten, dass die Bäume weiter Früchte trugen. So war Artner eben, als Direktor hatte er keine sonderlich hohe Meinung über seine Schule.

Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam so einen kleinen Adventskalender bespielen. Icon_smile Außerdem erhalten wir so auch ein bisschen Einblick in unsere Bibliotheken. Icon_cool
Wie angekündigt, allerdings mit reichlich Verspätung (wer will, kann noch immer einsteigen)

1.12.

(Alla Awilowa - Ein Tropfen im Meer)

Meine ersten Kindheitserinnerungen reichen zurück bis in mein viertes Lebensjahr. Was gut ist. Denn bis dahin hatte ich schon das Töpfchengehen erlernt und peinliche "Windelüberraschungen" gehörten der Vergangenheit an.
2.12.

(Jan de Hartog - Die Pest auf Borneo)

Der junge Dr. med. Anton Zorgdrager mußte gegen die unvernünftige Niedergeschlagenheit ankämpfen, die ihn vorübergehend überkam, als er spätabends mit Sack und Pack in das Hospiz des Chrsitlichen Vereins Junger Männer in Batavia hineinstolperte. Der Name war nichts als ein Euphemismus. Seitdem die Pest ausgebrochen war, war klar, dass die jungen Männer auch nicht mehr viel älter würden. Dass Anton Zorgdrager zu den ältesten zählte, ignorierte er geflissentlich. Genauso wie das anhaltende Brennen in seiner Brust.
3. 12.

(Jessamyn West - Laub im Wind)

Aber wenn die Converses Fremden eine Vorstellung davon geben wollten, wo ihr Anwesen lag, nannten sie Blue Glass. Denn Green Glass wäre irreführend gewesen, es klang Green Grass zu ähnlich, das sich am anderen Ende der Stadt befand. Dort hausten die Equals, eine Bagage, die sich für die Gleichberechtigung aller Rassen und Klassen einsetzte, etwas, wovon die Converses nichts wissen wollten.
4.12.

(David Conover - Ich kauf' dir eine Insel)

Sie dachte einen Augenblick nach. Was machte sie mit einer Insel? Seit wann war eine Halskette oder eine Einladung in ein nettes Restaurant out? Diesmal hatte Jimmy es wirklich übertrieben.
5.12.

(Rudolf Braunburg - Piratenkurs)

Es wechselte täglich. Nein, nicht der Kapitän den Kurs, sondern das Schiff seine Meinung, wohin es sie steuern sollte. Noch hatte sich niemand getraut, dem Kapitän mitzuteilen, dass das Schiff ein Eigenleben entwickelt hatte, doch man hoffte, dass er Lunte riechen würde, wenn statt Palmen die ersten Eisberge am Horizont auftauchten.
6.12.

(Dorthy Eden - Die Spur führt durch die Wälder)

Der überschlanken Willa mit dem scharf geschnittenen, neugierigen Gesicht war das Leben nie groß genug gewesen - ein Grund für ihre Neigung, allem, womit sie selber in Berührung kam, übertriebene Bedeutung beizulegen. Darum überraschte es auch niemanden, dass sie eines Tages urplötzlich an der Kreuzung aus dem Auto sprang und einer Spur folgte, die sie für die Fährte von Rentieren hielt. Niemand sagte ihr, dass sie eigentlich von den Kühen stammte, die der Bauer Fritz täglich ausführte.
7. 12.

(Frederick Forsyth - Die Hunde des Krieges)

Zwainzig Schritt von einer Constellation, die schon auf dem Vorfeld wartete, brachte der Pilot der DC 4 seine Maschine zum Stehen und kletterte heraus. "Also", räusperte er sich, "stimmt das, was man munkelt? Ist es wirklich wahr?"
Voller Stolz trat der Captain zu ihm, ein majestätisches Biest von einem Bernhardiner an der Leine.
"Es stimmt!", verkündete dieser im Bariton, "ab dem heutigen Tag werden unsere besttrainierten Hunde als Piloten eingesetzt!"
Dass er das noch erlebte. Er wollte wütend sein, doch die Vorstellung eines Chihuahuas im Cockpit erheiterte ihn.
8. 12.

(Ronald Johnston - Die schwarzen Kamele)

Jeder Nerv in ihm war aufs höchste angespannt, ein Zustand, der ihm noch aus der Zeit vertraut war, da er über das Scheichtum von Qashran geherrscht, die verschiedenen Kräfte innerhalb des Stammes ausbalanciert und eine Ölgesellschaft gegen die andere, Fremde gegen Fremde ausgespielt hatte. Damit hatte es ein jähes Ende gehabt, als er in einem Moment der Unachtsamkeit die baumwollfarbenen Kamele - der ganze Stolz des Nachbarscheichs -  aus den Augen gelassen hatte. Ehe er sich versehen hatte, waren diese in eine Ölpfütze gestolpert und seitdem nur noch als "die schwarzen Kamele" bekannt. Seitdem war er ein geächteter Mann und verdammt dazu, Spott und Hohn zu erleiden.
9. 12.

(Coretta Scott King - Mein Leben mit Martin Luther King)

Ich möchte gern Dr. King sprechen. Wer möchte das nicht?, erwiderte ich, ohne die Entrüstung in meiner Stimme zu unterdrücken. Seit seiner großartigen Rede dachten entweder die einen, sie wären mit ihm gut Freund und könnten ihn mal nebenbei so zum Kaffeeplausch anklingeln oder die anderen glaubten, sie müssten ihm mal ordentlich die Meinung geigen. Auf nichts davon hatte ich wirklich Bock. Doch ich war zum Telefondienst eingeteilt und musste das Beste aus der Situation machen.
"Was kann ich für Sie tun?"
"Ich hätte einmal einen xxlarge Burger und große Pommes. Kommt die Sauce mit dazu?"
Und dann gab es natürlich die Saublöden, die zu dumm waren, ein Telefonbuch richtig zu lesen.
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