Literatopia

Normale Version: Überlegungen bevor man schreibt
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Hi Leute,

Ich weiß nicht genau ob das hier schonmal gefragt wurde, aber wenn doch dann wäre ich dankbar für Hinweise :D

Was ich aber gerne wissen würde ist, wie viel Recherche und Gedanken ihr euch im Vorfeld macht bevor ihr anfangt etwas zu schreiben?

Überlegt ihr sehr, wie ihr die Charaktere gestaltet und wie sich die Handlung aufbauen soll, oder schreibt ihr einfach mal drauf los und schaut was passiert?

Ich persönlich habe nämlich oft einfach irgendwas im Kopf, was ich dann zu schreiben beginne ohne vorher viel zu überlegen.

Liebe Grüße EntE :D
Hey EntE,

bei mir entstehen Geschichten meist aus Szenen, die mir spontan in den Kopf gekommen sind, inspiriert durch Musik oder irgendwas, was ich beobachtet habe. Dann schreibe ich ein bisschen und schaue, ob sich da eine Story draus entwickeln lässt oder nicht.

Wenn das klappt, dann kommt eine grobe Planung. Wer sind die Protagonisten, welche Eigenschaften haben sie, was motiviert sie und wohin führt ihr Weg. Überraschungen und Änderungen nicht ausgeschlossen, aber es hilft ungemein, wenn man die grobe Richtung kennt und nicht ins Blaue hineinschreibt. Dann bleibt man nämlich meistens nach wenigen Kapiteln hängen und kommt nicht weiter.

Der Anfang braucht nicht unbedingt Planung, aber wenn man etwas Längeres wie eine Novelle oder einen Roman schreiben möchte, sollte man sich zumindestens grob überlegen, wo es hingehen soll und wie man dahin kommt. Die Details kann man sich dann auch während dem Schreiben überlegen.

Aber jeder Mensch ist anders, es gibt auch manche, die planen tatsächlich jedes Kapitel vorher und machen sich Listen, was passieren soll, welche Figuren dabei sind, welche Atmosphäre das Kapitel haben solll usw. ... ich gehöre zu denen, die nur die Eckpunkte planen und den Rest in Tagträumen weiterspinnen Icon_wink

Viele Grüße

- Zack
Danke, dass hift mir schon mal weiter Icon_wink 

Ich arbeite nämlich gerade an einem Buch (den Anfang habe ich hier übrigens vor kurzem gepostet, falls jemand interesse hat Smiley_emoticons_blush Icon_lol ), zumindest soll es das mal werden, und stagniere damit ein wenig.

Ich glaube ein Grund dabei ist, dass ich mal wieder einfach losgeschrieben habe und mir erst jetzt Gedanken über den Ablauf und vorallem über die Charaktere mache. Ich mache mir auch etwas Sorgen darüber, dass ich meine Pro- und Antagonisten nicht so rüberbringen kann wie ich es gerne hätte und sie dann einfach oberflächlich und langweilig werden.

Aber es tut gut zu wissen, dass sich auch andere erst später Gedanken über die Einzelheiten machen.
Hi ihr zwei,

ich habe mal gestöbert und tatsächlich einen Thread gefunden, der sich mit dem Thema Planung beschäftigt. *klick*

Dennoch kurz meine eigenen Erfahrungen: Bei Kurzgeschichten ist es die Planung eigentlich weniger ein Problem: Hier kann man recht schnell zum Ende kommen und kann sich auch schnell einen Überblick verschaffen. Wobei ich auch hier sagen muss, dass es auf den Inhalt ankommt. Bei einem Krimi zum Beispiel, muss man schon schauen, wann man welche Infos preisgibt, damit die Geschichte funktioniert. Icon_wink

Bei meinem Roman ist es tatsächlich so, dass ich da recht planlos dran rumscheibe. Ich weiß zwar wo es hingehen soll, aber der Weg dahin ist kaum geplant. Das führt dazu, dass ich immerwieder hängenbleibe, weil ich nicht genau weiß, was als nächstes passiert. Die Charaktere hingegen sind schon relativ ausgearbeitet, was aber bei der Handlung wenig hilft. Da ich selbst merke, wie schwer mir das weiterschreiben fällt, würde ich bei einem Roman unbedingt zur Planung raten. Zumindest in groben Eckpunkten, damit man immer Stationen hat, an denen man entlanggehen kann. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady
Hi Lady.

Danke für den Link  Icon_smile

Das werde ich mir definitiv in den nächsten Tagen durchlesen.
Hallo EntE.

Planung ist das halbe Leben. Das hätte ich zumindest bis vor einem Leben gesagt. Im richtigen Alltag zu planen wird zunehmends schwieriger, aber bei dem (aktuellen, völlig hirnrissigen, aus der Not geboren und der Luft geholten, im Auto zwischen 120 und 250 km/h entstandenen) Projekt brauche ich sie. Irgendwie zwingend, weil ansonsten viele Details nicht ihre Wirkung entfalten können. Mit zunehmender Zeit, wo man über die Idee nachdenkt, wird alles klarer, weiter, und tiefer, als es beim ersten Gedankenblitz tatsächlich war.

Die einzelnen 'Ideen' in die große zu integrieren ist die eine Sache. Was anderes ist es, wenn man vorhat, spannend zu schreiben. Dann kann man nicht einfach alle notwendigen Informationen in den lyrischen Blumentopf schmeißen. Man muss sie dosiert einsetzen, zeitversetzt und so - beinahe - nebensächlich, dass die Wirkung viel größer wird.
Also nicht nur: 'Was schreibe ich wann wie und wo?' Sondern auch: 'Wann enthülle ich was wie und wo?'

Jeffrey Deaver hatte mal angedeutet, dass er in seinem Haus unterm Dach die Wände vollschreibt, mit Handlungslinien, Ebenen, Aufklärungspunkten, etc. Und nach einem fertigen Buch tapeziert er eben alles neu.
(Wers kann ...)

Ich empfehle eine Flipchart, oder einfach ein weißes Blatt Papier. Oder einen ganzen Block davon.
Wahlweise, und das ist auch eine Empfehlung, schreibe ich das alles im Kopf nieder, denke in unpassenden Momenten daran, variiere die Szenen oder spiele mit den Darstellern und probiere herum. Die Vorgehensweise eignet sich besonders bei langweiligen Familienfeiern, Geburtstagen, Busfahrten, oder Seminaren, die man aufgrund der geistigen Abwesenheit wiederholen muss.

Icon_wink

VGD.
Da in der Shoutbox etwas Schreibfrust zu spüren ist, möchte ich dieses Topic wiederbeleben.

Zunächst noch der Hinweis auf "Plotter, Pantser und Plantser":
Plotter = Planen alles vor und schreiben das Buch dann mehr oder weniger runter
Pantser = schreiben ins Blaue hinein
Plantser = Mischung
Das Internet ist voll von genaueren Beschreibungen, einfach mal googeln.
Was man dabei auch schnell sieht ist, die Methode ist je nach Person und manchmal sogar je nach Projekt unterschiedlich.

Ich kann generell empfehlen, auch online mal nach Schreibtipps und Schreibvorbereitung zu suchen, in online Foren oder auf Autorenwebseiten. Das hier habe ich mir aus dem DSFO-Forum abnotiert, da es mich zutiefst beeindruckt hat:

Zitat:Rahmenvertrag mit mir selbst
Wieso will ich das Buch schreiben?
Was ist mein Ziel mit dem Buch? - Prämisse, Genre etc.?
Bis wann ist der erste Entwurf fertig?
Wann darf der Spinner (Kreative) arbeiten? Wann hat er zu schweigen?
Wann darf der Chirurg (Kritiker) den Text sezieren? Wann hat er zu schweigen? (Niemals Spinner und Chirurg gleichzeitig!)
Welche Vertragsstrafen gibt es? (Die Strafen müssen empfindlich sein.)

Vorarbeiten
1. Spannungsbogen abstecken / Bojen setzen: Nach dem Drei-Akte-Schema oder nach dem Beat-Sheet von Snyder die Geschichte einteilen.
2. Annäherung an den Charakter (z.B. nach James Frey)
3. Ein Dokument mit 100 Seiten erstellen. Jede Seite steht für eine Szene oder ein Sequel. Zunächst nur die "Bojen" eintragen (z.B. Seite 25 (d.h. 25%): Beginn Zweiter Akt, Luke Skywalker stellt fest, dass seine Tante und Onkel getötet wurden, und schließt sich Obi-Wan an.). Die weißen Seiten dazwischen sind der große Spielbereich, auf dem ich Ideen entwickle, wie ich zu den Bojen komme. Hier kann ich hin und her schieben, löschen etc. ohne schon Stunden ins schreiben investiert zu haben. Am Ende über die Umsetzung der jeweiligen SItuation (Seite) entscheiden (Szene oder Sequel).
 

Leider hatte ich ganz vergessen, dass ich mir das notiert habe, daher habe ich es noch nicht ausprobiert. Mich spricht diese Methode sehr an, allerdings glaube ich, dass die Methode alleine zu stark auf Plotter ausgerichtet ist.
Zusätzlich würde ich daher immer auch noch "Erkundungstouren" schreiben, also Szenen, auf die ich einfach Lust habe und die mir durch das Schreiben dann Inspiration und Ideen geben.

Ich versuche gerade erst noch, in diesen Fluss hinein zu kommen.
Ich sehe das mittlerweile als Jonglieren.
Der Schreibprozess hat den Teil Planen/Recherchieren/Konzept/Struktur, den Teil Ideen/Farbe/Details/Freude und den Teil Sprache. Das sind drei Jonglierbälle, die man abwechselnd in die Luft wirft. Das wichtigste ist, einen Rhythmus zu finden und aufrecht zu erhalten. Und bei allen hilfreichen Tipps und Methoden zählt am Ende des Tages, genau in sich reinzuhören, was als nächstes dran ist. So sehe ich es zumindest im Moment.
Den Rhythmus muss ich erst noch finden. Dieses 100-Seiten Dokument mit Hin- und Herschieben klingt nach der digitalen Version deiner Pinnwand. Das ist mir doch analog bedeutend lieber. 

Der Plotter klingt definitiv nach mir zur Zeit. Zu viele Fakten, von denen jeder einzelne eine relevante Rahmenbedingung ist... Und dann noch eine spannende, logische Geschichte zwischen die Fakten schreiben? Unmöglich ohne genaue Planung würde ich behaupten, außer vielleicht, man ist so interessiert am Thema, dass man die Fakten längst auswendig weiß und voraussetzt.

Auf jeden Fall werde ich diese Methoden zum Planen mal probieren, sobald ich mich durch meine Bücher gearbeitet habe.
Ja mir ist später auch aufgefallen, dass ich das 100SeitenDokument auch an die Pinnwand pinnen kann (dann eher mit Kärtchen). Aber das Konzept "eine Seite bzw ein Kärtchen = eine Szene" finde ich sehr hilfreich, und auch dass man sich dementsprechend drei Akte einteilt. Für mich ist das ganze auf Papier wahrscheinlich auch besser als digital, zumindest solange sich noch viel bewegt. Sobald etwas mehr Stabilität herrscht, kann ich es mir auch digital wieder vorstellen.