Literatopia

Normale Version: Sex in Jugendbüchern
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Eins vorweg: Ich bin dafür, dass mehr Sex in Jugendbüchern vorkommt.
Um es genauer zu sagen: Ich bin dafür, dass Sex nicht totgeschwiegen wird.

Die Rede ist nicht von Pornographie, mir geht es auch nicht um den Appell, dass sich fortan jedes Jugendbuch um (den ersten) Sex drehen soll. Ich rede vielmehr von dem Tabu der Sexualität, das in den meisten Jugendbüchern vorherrscht. Mich beschäftigt dieses Phänomen schon länger, ausschlaggebend, dass ich mich hier zu Wort melde, ist das Jugendbuch Dieser wilde Ozean den wir Leben nennen von Steinkellner, in dem doch tatsächlich vollkommen vorbehaltlos Sex dargestellt wird. Fast als wäre nichts Anrüchiges dabei. ( Icon_wink )

An dieser Stelle hoffe ich, dass ihr ordentlich in die Tasten hämmert und mir Beispiele von Büchern bringt, die sich an ein jugendliches Publikum richten und sexuelle Erfahrungen nicht außen vor lassen. Denn meine Beobachtungen zeigen, dass die Buchwelt kein Problem damit hat, Gewalt in all ihren Facetten (angefangen bei verbalen Angriffen über eine Ohrfeige bis Mord) darzustellen, doch bereits ein Zungenkuss als anstößig gilt.
Ein Buch, das (wieder mal) diesen krassen Gegensatz bewiesen hat, ist Ashes, Brennendes Herz von Bick. Gewalttechnisch wird da mit einem unerschöpflichen Sortiment an Brutalität aufgewartet, während es zwischen der Protagonistin und ihrem love interest gerade mal zu einem Bussi kommt. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass es a) solche Bücher (für Jugendliche) gibt und b) sie erfolgreich sind.

Sollten Jugendbücher - neben dem obligatorischen Futter für die Phantasie - nicht eine Hilfestellung geben, sich in dem Dschungel, den man Leben nennt, zurechtzufinden, ein Gefühl des Wiedererkennens und soger Lösungsansätze vorschlagen? Die meisten Menschen werden in ihrem Leben sexuell aktiv. Gerade in jungen Jahren können sich schlechte Erfahrungen extrem negativ auswirken, ist es da nicht hilfreich, die eigenen Unsicherheiten in Protagonist*innen zu entdecken, festzustellen, dass weder der nackte Körper noch die Interaktion mit anderen schmutzig ist? Dass Masturbation kein Grund, sich zu schämen, ist?

Hunderte von Seiten zitterten junge Mädchen mit Bella, um schlussendlich mit der Hochzeitsnacht belohnt zu werden, die sage und schreibe einen ganzen Satz lang war, weil die Autorin so über Sex schreiben wollte, wie sie es ihren eigenen Kindern zumuten konnte. Währenddessen hat diese aber kein Problem, Gewalt darzustellen (ich habe jetzt nur den Film vor Augen, wo Personen geköpft werden, weiß also nicht, ob diese Todesart auch so im Buch geschildert wird, aber da Meyer auch das die Finger im Spiel hat, ist das jetzt kein großer Unterschied).

In welcher Zeit² leben wir, in der es Kindern und Jugendlichen eher zugetraut wird, mit Gewalt umzugehen als mit Sexualität?


² Ja, ja, die Grimmsch'en Märchen sind auch nichts für Zartbesaitete. Wir sind also nicht die erste Generation, die Angst vor Sex hat.
Hey Sniffu,

da fällt mir spontan "Die Legende von Shikanoko" ein, eine Dilogie, die in einem phantastischen mittelalterlichen Japan spielt. Die Handlung erstreckt sich über viele Jahre und so werden die jungen Charaktere erwachsen, mit allem, was dazugehört.

Ich finde, die Autorin (Lian Hearn) hat einen sehr guten Weg gefunden, Sexualität ganz natürlich einzubauen, nichts totzuschweigen, aber auch nicht pornografisch auszubreiten. Da das Setting mittelalterlich ist, wird oft eine Ausdrucksweise wie "er legte sich zu ihr in dieser Nacht" benutzt, wo dann klar ist, was Sache ist. Bei den Protagonisten wird auch etwas mehr beschrieben, aber ganz leicht und unaufgeregt, man kann die Emotionen der Charaktere gut nachvollziehen, ihre Unsicherheit und ihr Begehren. So mancher Charakter macht sogar Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht, was so ganz nebenbei eingeflochten wurde und einem daher ganz normal erscheint.

Ansonsten fällt mir noch "Songs of Revolution" von Emma Trevayne ein, eine wirklich kreative Jugenddystopie. Der Protagonist Anthem ist bisexuell und es gibt so manch erotische Szene, die sehr gelungen ist Icon_smile

Viele Grüße

- Zack
Super, Zack, danke! Die Titel sind auf meine To-Read-Liste gesetzt. Icon_smile
In einem schon in die Jahre gekommenen Buch (Angeline Bauer: Liebesromane schreiben, 2004) bin ich über die Thematik gestolpert. Die Altersgruppen werden wie folgt definiert:

 9 - 11 J, reine Kinderbücher, Themen: Schule, Abenteuer, Tiere.
11 - 13 J, beginnende Freundschaft, keine Liebesszenen, eher Schule, Familie.
12 - 15 J, erste Liebe sollte dabei sein
Weiters wird auch festgehalten, dass zwei Jahre zwischen Lesepublikum und Protagonist*innen liegen sollten. (S. 74)

Jetzt ist natürlich die Frage, wie Liebesszenen definiert werden, denn laut der Rechnung, wären die Protagonist*innen 13 +, was in meinen Augen ein ziemlich empfängliches Alter für Erfahrungen mit der ersten Liebe ist. Liebe und Sex werden hier augenscheinlich in einen Topf geworfen. Dass das nicht Hand in Hand gehen muss, wäre auch ein nennenswerter Aspekt, der (in Jugenbüchern) nicht ausgespart werden sollte.
Hi Sniffu,


tatsächlich fällt mir aus dem Fantasy Genre nicht viel Material ein. Bei Robin Hobb wirst du fündig, mehr weiß ich jetzt gerade auch nicht.

Aus anderen Genres gibt es aber schon sehr viele Jugendbücher, in denen den ersten Erfahrungen mit Liebe / Sexualität einen großen Platz eingeräumt wird oder die sich thematisch sogar nur darum drehen. Das ist teils schon richtig gute Aufklärung. Sie spielen halt eher im Alltag von heutigen Jugendlichen. Auch im historischen Roman für Jugendliche fallen mir mehrere Beispiele ein. Fantasy ist sich vielleicht zu cool und zu episch für sowas "profanes"... ? Sollte sie aber nicht sein, da stimme ich dir zu ...

Twilight erscheint mir (aus den Filmen + aus Erzählungen von Lesern) eher als Beispiel dafür, wie Liebe und angedeutete Sexualität auf keinen Fall laufen sollte. Icon_irre Echt bedenklich, dass sowas als Liebesroman kursiert...


Grüße

ichigo


P.S. Songs of Revolution ist notiert.
Hallo Ichigo,

ich freue mich über deinen Kommentar Icon_smile

Mein größtes Problem ist das Ungleichgewicht von Gewalt und Sex/Erotik in der Literatur. Gewalt wird normalisiert dargestellt, Androhung von (körperlicher) Gewalt ist gang und gäbe, ein Faustkampf auf 400 Seiten auch nichts Außergewöhnliches, wohingegen körperliche Intimität bei jeder Gelegenheit idealisiert, tabuisiert und zensiert wird. Während Gewalt scheinbar gar nicht explizit genug dargestellt werden kann, erfahren sexuelle/erotische Inhalte eine gegenteilige Behandlung, indem sie möglichst subtil verarbeitet werden sollen.

Ich finde es gut, dass es eigens Bücher gibt, die sich mit Sexualität für Heranwachsende auseinandersetzen.
Aber ich finde auch, dass es Bände über die Moral der Gesellschaft(en) spricht, wenn (unterschwellige) Gewalt in so gut wie jedem Buch vorkommt, doch Sex/Erotik entweder stiefmütterlich vorkommt oder Leitthema sein muss, um überhaupt Erwähnung zu finden. Einen goldenen Mittelweg gehen die wenigsten Bücher. Ich lasse mir gerne Gegenbeispiele geben, vielleicht habe ich bis jetzt auch nicht die richtigen Bücher gelesen.

Exkurs in die Erwachsenenliteratur:
Meiner Meinung nach werden Sex und Erotik auch oft zweckentfremdet, indem sie als negative Stilmittel eingesetzt werden. Madame Bovary steht stellvertretend für das Sujet, dass Erotik Hand in Hand mit der Norm zuwiderhandelndem Verhalten geht, das, laut vorherrschender gesellschaftlicher Moral, sanktioniert wird und schwerwiegende Konsequenzen nach sich zieht. Erotik und (impliziter) Sex sind immer wiederkehrende Motive in diesem Roman, der zum Kanon der Weltliteratur gezählt wird, finden aber nur in verpönter Weise Erwähnung. Romane, in denen Sex/Erotik positiv konnotiert vorkommen, laufen eher Gefahr sofort unter dem Stempel "Erotikroman" zu laufen, in völliger Ignoranz darüber, welche eigentlichen Genres bedient werden. Damit kommt es zu einer Stereotypisierung von Romanen, die außer einer anschaulichen Darstellung von Sex eigentlich nichts gemeinsam haben.
Ich erinnere mich an eine Diskussion aus der Selfpublisher-Szene, wo über die Kategorisierung eines Romans auf Amazon diskutiert wurde, ab wann ein Roman unter Erotik laufen sollte (sobald Erotik als Hauptkategorie angegeben wird, fällt das Buch aus allen anderen Rankings, wenn ich mich nicht irre). Es gibt ja sehr wohl Erotikromane, in denen es nur um das Eine geht, aber es gibt eben auch Romane, wo Erotik zwar vorkommt, diese aber nicht das Um und Auf ist. Diese Kategorisierungspolitik auf Amazon trägt zu einer Tabuisierung von Erotik bei, wenn alles über einen Kamm geschert wird.

EDIT: Siehe Bootcamp von Morton Rhue. In diesem Jugendbuch wird physische und psychische Gewalt explizit dargestellt, in einem Maß, das das Buch mMn eigentlich für ein jugendliches Publikum disqualifiziert. Sex bzw. eine "Liebesbeziehung" spielt allein in dem Kontext eine Rolle, dass der Protagonist von seiner zehn Jahre älteren Lehrerin verführt wurde (in dem Fall wird die Verführerin nicht als pädophil gebrandmarkt, nein, es ist der minderjährige Protagonist, der zur Verantwortung gezogen und bestraft wird). Jetzt ein ganz böser Gedanke: Wird Erotik / Sex (ausgenommen in sogenannten Erotikromanen) womöglich nur eingesetzt, um sich einen Grund zu basteln, weibliche Figuren mit Bedeutung in der Geschichte zu generieren, weil einem sonst nichts Besseres einfällt, wozu sich weibliche Charaktere eignen? (Das ist jetzt der Exkurs zum Exkurs)

Ich hätte noch viel mehr dazu zu sagen, will den Faden aber auch nicht unter dem Geröll meiner Gedanken begraben. Ich hoffe, ich habe deutlich gemacht, worum es mir geht.^^
Hey Sniffu,

Ich finde einen normalen Umgang mit Sexualität auch nicht schlecht.
Muss aber auch sagen, dass Bücher die sich nur mit diesem Thema befassen, auch in Jugendbüchern, sehr im Vormarsch zu sein scheinen.

Wobei ich mich da manchmal frage, ob das gut dargestellt wurde?

Also ich muss sagen eine Bella war mir lieber als eine Miss Steele. Ohne jemandem dabei auf die Füße trefen zu wollen. Mir war Er auch nicht sympathisch. Und viele die es gelesen haben dürfen ruhig wissen dass Sexualität vielfältig ist, aber nicht alles ein Muss ..

Also ja, ich finde normalen Umgang damit auch gut. Auch wenn die irren inneren Dialoge vielleicht mal geschildert werden, die man als Jugendlicher vielleicht führt, wenn man jemand neues kennen lernt und vielleicht nicht immer ganz weiss was man will. Oder eben genau schon.

Aber ja. Ich finde es generell schwer “erotisch” zu schreiben, oder etwas zu lesen, ohne dass es meistens echt billig klingt.

Da ist mir die einfach Ansage, wir hatten Sex, und er war gut, noch am Liebsten :D
Oder wie weiter oben, wenn historisch, dass sich jemand nachts zu einem legt, finde ich nett beschrieben. (Statt diese abgefransten Wörter die meiner Meinung nach Penise und Vulvas/Vaginas nicht sonderlich appetitlich darstellen)

Hoffe ich bin nicht zu weit abgeschweift Icon_smile

Mein Beitrag dazu *lach*

Eltair

Ps: was Gewalt angeht, stimmt. Was Bootcamp angeht: müssen leider in Echt viele Jugendlichen dran glauben. Genauso wie Gewalt und Mobbing an Schulen. Ich glaube auch nicht dass man es fördern sollte, aber es ist genauso ein Thema wie Sexualität.
Hi Eltair,

Zitat:Also ich muss sagen eine Bella war mir lieber als eine Miss Steele.

Wobei das zwei gegensätzliche Extreme sind. In Twilight wird der Sex gerade mal mit einem Satz abgefertigt à la "Sie gingen ins Bett" und am nächsten Morgen war dann das Bettgestell in Mitleidenschaft gezogen (oder vermenge ich da Buch mit Film? Im Film hat auf jeden Fall das Bett daran glauben müssen Icon_lol ). Irgendwo habe ich damals ein Interview gelesen, in dem Meyer meinte, sie möchte die Sexszene so schreiben, dass ihre Kinder sie guten Gewissens lesen könnten. Als Elternteil ist diese Aussage sicher verständlich, als Schriftstellerin halte ich sie für fragwürdig. Es ist schon klar, dass persönliche Wertvorstellungen in den Texten weitertransportiert werden, aber ich finde, man sollte als schreibende Person zwischen privater Person und textproduzierender Person, die für ein größeres Publikum schreibt bzw. schreiben will, unterscheiden können. Ich sage nicht, dass Twilight mehr Sex braucht, denn diese weichgespülte "Szene" (ob ein Satz diese Bezeichnung verdient?) passt ja zum Romankomplex, der ein Zeichen seiner Zeit ist.

Ich finde, in den Twilightbüchern wird die Doppelmoral von Erotik/Sex und Gewalt schön sichtbar. Sex bleibt unerwähnt, aber Enthauptungen werden dargestellt. Das ist mal das Eine. Aber Gewalt wird auf einer ganz anderen, perfideren Ebene stilisiert und idealisiert. Edwards stalkendes Verhalten wird romantisiert und damit als etwas Erstrebenswertes dargestellt. Dass Bella aufhört zu funktionieren, nur weil er aus ihrem Leben verschwindet, setzt dem Ganzen die Krone auf, denn darin liegt die Botschaft: Sie ist ohne ihn nicht lebensfähig, sie braucht ihn, um ein vollwertiger Mensch zu sein. Psychische Gewalt wird hier unter dem Deckmantel von Romantik und Liebe propagiert. Wenn man sich anschaut, wie gewaltig die Resonanz auf Twilight damals war, kann man sich vorstellen, wie groß der Einfluss war und ist. Gerade junge Mädchen, in einem Alter, wo die Persönlichkeit noch im Wachsen ist, sind auf das Phänomen aufgesprungen. Natürlich muss Fiktion in Buch von der Realität unterschieden werden, doch prägend ist sie allemal. Das Motiv des "abusive Stalkers" hat es vor Twilight gegeben und wird es auch in Zukunft geben, keine Frage, Twilight vielleicht gerade wegen der Charakterisierung von Edward so beliebt geworden, was ich für äußerst bedenklich halten würde.

Zu etwas Positiverem:

Ich bin vor kurzem auf das wunderbare Buch "Wie ich es will" von Katarina von Bredow gestoßen, in dem es um eine ungeplante Teenagerschwangerschaft geht. Die Darstellung von (dem ersten) Sex ist einfühlsam und realistisch beschrieben, aber, man kann es sich denken: Es geht halt hauptsächlich darum bzw. um die daraus resultierende Schwangerschaft. Das schwedische Original stammt aus 2006 und die deutsche Originalausgabe aus 2009. Der Umgang mit Sex und Verhütung wird anschaulich und natürlich beschrieben, von einem Tabu kann keine Rede sein. Schade finde ich es, dass der Kindsvater, auch ein Teenager, als Antagonist inszeniert wird, während die Protagonistin in ihrer Rolle als werdende Mutter aufgeht. Bisschen weniger Stereotypen wären da gut gewesen.

Anderes Beispiel für positive Darstellung von Sex: "Forever..." von Judy Blume von 1975. Hier steht das erste Mal im Fokus, aber wieder wird der Junge als negative Kraft dargestellt, die zum Sex drängt (habe ich hier schon über das Buch gesprochen? Ich habe gerade ein Déjà-vu, während ich tippe^^).

Man merkt, diese Bücher richten sich eindeutig an ein weiblich definiertes Zielpublikum, was vielleicht Hand in Hand mit der Ansicht geht, Verhütung wäre Frauensache. Ich fände es schönt, wenn es mehr Bücher gäbe, die ein gesundes Verhältnis zu Sex und Verhütung hätten, ohne dass es das Hauptthema ist.

Zitat:Ps: was Gewalt angeht, stimmt. Was Bootcamp angeht: müssen leider in Echt viele Jugendlichen dran glauben.

Das möchte ich gar nicht in Abrede stellen und es ist wichtig, dass es Bücher gibt, die auch unangenehme Themen ansprechen und behandeln. Bootcamp in der Form ist für mich aber einfach nicht lesenswert, weil Gewalt sein einziges Argument ist. Gewalt in einer Form, die ich Jugendlichen nicht zutrauen möchte. Ich habe selbst sehr früh begonnen, Horrorfilme wie Saw etc. anzuschauen, aber ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Gewalt in Film und in Buch. Gewalt in Büchern nimmt mich viel mehr mit, weil ich a) alleine damit bin (Filme kann man in Gruppen schauen), b) je nach Vorstellungskraft die Szenen viel heftiger wirken können als einmal Kamera draufhalten und c) es keine Altersbeschränkung bei Büchern gibt, sodass es auch keine Sensibilisierung für die unterschiedlichen Grade an Gewalt gibt wie bei Filmen.
Bootcamp hätte sich meiner Meinung besser als Sachbuch gemacht als als Roman. Ohne das "erklärende" Nachwort funktioniert das Buch auch nicht mal noch, denn das Buch kann, was Handlungsverlauf, Spannungsbogen und Charaktere betrifft, in meinen Augen nicht für sich stehen. Wenn es da keine Parallelen zur Realität gäbe, stünde das Buch im luftleeren Raum und nur die immer wiederkehrende, sich steigernde Brutalität würde es daran hindern, vor lauter Bedeutungslosigkeit zu implodieren.

Ps.: Ich finde, man kann gar nicht von dem Thema abschweifen, da sich am Tabu von Sexualität und dem Okay von Gewalt in (Jugend-)Büchern sehr viel Lebensrealität widerspiegelt.
Hi Sniffu,

Ja, also in Twilight gab es auch einiges das ich nicht mochte. Was du als Stalker Wesen beschreibst etc. wird in vampirromanen doch oft so dargestellt und will am ende das eine vermitteln: der einsame wolf dessen herz von einer dame erobert wird - oder in dem fall einer teenagerin. Und das ohne ihn nicht sein ... ja, die erkenntnis dass man alleine auch wer ist, fehlt einigen, manchmal auch mir, aber ich glaube gerade in solchen büchern verdeutlicht es diese herzzerreissende liebe, erfüllung von allem, was vielleicht nicht realistisch ist aber ankommt, da jeder rgendwie auf der suche nach seinem gegenüber ist.

Wie gesagt, ich kann dich verstehen.

Und Horrorfilme kann ich zb überhaupt nicht leiden. Die Erkenntnis dass unser Hirn das nicht unterscheiden kann, hat das nur unterstützt, aber ich war generell nie dessr Gewalt typ.

Sorry für die kleinschreibung, mein Gerät hat nicht fliessend funktioniert..

Ahm, ich finde übrigens auch, wenn Meyer etwas wollte dass ihre Kinder lesen können, kann man ja ein gesundes Verhältnis zu Sex aufbauen. Vl ging es ihr aber schlicht mehr um den emotionalen Liebesaspekt als des sexes. Wobei .. ich kann mich kaum mehr an die Bücher erinnern.

Wie gesagt, weniger Gewalt ist sicher willkommen, und ein gesundes Bild von Sex, zumal es was Werbung und Co angeht eh schon ziemlich ausgebeutet wird.

Aber ein Thema über das man lange reden könnte.

Im Moment scheint seit fifty shades im übrigen aber gerade in den Jugendbüchern auch sex im Vormarsch zu sein. Ich glaub diese After Passion Reihen und dann gubts da noch zwei drei - aber sorry, ich hab keines gelesen, und mir fallen die titel gerade auch nicht ein. Und wie sie sich lesen lassen, weiss ich dadurch auch nicht.

Lg

Eltair
Hi Eltair

Zitat:Im Moment scheint seit fifty shades im übrigen aber gerade in den Jugendbüchern auch sex im Vormarsch zu sein.

Meinst du wirklich? Mein Eindruck war viel eher, dass sich dadurch ein Softporn-Genre für ein New Adult Zielpublikum (ab  ca 20 Jahre) etabliert hat, nicht aber, dass Jugendbücher von einem Trend dahingehend betroffen wären. Im Klappentext von After (genialer Titel übrigens  Icon_lol) steht, es handle sich um eine Protagonistin, die auf die Uni kommt - als Jugendbuch würde ich das nicht mehr einordnen.

Ich kenne Heidi nur als Anime gesehen, das zu Grunde liegende Buch habe ich nie gelesen. Heute habe ich auf 3sat im Literaturclub die Besprechung über die Heidi-Kinderbücher verfolgt und wenn mich nicht alles täuscht (bin heute etwas damisch, darum nicht ganz auf der Höhe), wurde da das Fehlen von jeglicher Form von Erotik (zB. Heirat etc) mit einer Form von Emanzipation verglichen. Die Frauenbilder sollen in Heidi unterirdisch sein, aber dieser andere Aspekt wurde lobend hervorgetan. Ich finde es spannend, dass schon allein das Fehlen von Faktoren, die einer Emanzipation (weiblicher) Figuren entgegenwirken, als Emanzipation ausgelegt werden.
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