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Einsam im Winter - Druckversion

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Einsam im Winter - Hans Werner - 09-10-2011



Der milde Schnee macht alles weicher,
die Hecken, Bäume und die Sträucher,
bedeckt er sanft mit Sahnehäubchen,
blitzsauber sind sie, ohne Stäubchen.

Doch manchmal doppelt sich die Last,
und stöhnend biegt der Baum den Ast,
es scheint ihm alles gar zu schwer,
er sehnt den warmen Frühling her.

Die Wolken türmen sich am Himmel,
grauweiß wie widerlicher Schimmel,
sie öffnen ihre luftigen Schleusen,
und Schnee fällt aus den Wassergeusen.

Ein Hase hoppelt übern Schnee,
vergeblich sucht er grünen Klee,
er spitzt die Lauscher, guckt nach oben
und kann das weiße Nass nicht loben.

Vom Berghang kommen hergeglitten
die frohen Kinder auf den Schlitten,
sie freuen sich der Winterpracht,
die Schlittenfahren möglich macht.

Die alten Menschen haben Sorgen,
wenn sie zur Kirche gehn am Morgen,
so fürchtet ihre Körperschwäche
die eisgefrorne glatte Fläche.

Versonnen schau ich auf die Fluren
auf jene frisch getretene Spuren,
es wächst ein Leid aus ihrer Saat,
weil mich das Glück verlassen hat.