Folgende Warnungen sind aufgetreten:
Warning [2] count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable - Line: 867 - File: showthread.php PHP 7.2.30 (FreeBSD)
File Line Function
/showthread.php 867 errorHandler->error



Es ist: 05-07-2020, 17:56
Es ist: 05-07-2020, 17:56 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Götter der Germanen - Teil 2
Beitrag #1 |

Die Götter der Germanen - Teil 2
„Ja, das sehe selbst ich!“, lachte Hahn beinahe auf, als er die erwartete trockene Antwort hörte. Beinahe grinsend fragte er dann „Und wie ist er gestorben?“
„Dieser Mensch ist möglicherweise keines natürlichen Todes gestorben“, waren Doktor Mauls mürrische Worte und Hahn lächelte innerlich nicht mehr. Maul könnte ihm ja wenigstens sagen, was er bis jetzt wusste.
Doktor Maul war kein Rottenführer der Wachsturmbanne, also konnte Hahn ihn auch nicht so behandeln. Und er würde es auch schon aus Respekt nicht tun. Hahn erwiderte nichts, betrachtete die Leiche ärgerlich.
„Nein wirklich? Das hätte ich wohl ohne Sie nicht herausgefunden“, ätzte Hahn dann doch, seinen Unmut im Zaum haltend.
Dabei hörte er, wie ein weiterer Wagen über den knarrenden Schnee fuhr, oben an der Straße hielt und der Motor nach einem kurzen aufjaulen kläglich erstarb. Türen wurden geöffnet und fielen mit einem dumpfen, satten Ton wieder in die Schlösser.
„Im Ernst, Hahn, was soll ich Ihnen sagen? Todeszeit ? Wir haben Januar, und einen saukalten noch dazu. Vor zehn Stunden genauso gut wie gestern Abend oder vor einer Woche. Todesursache? Keine Ahnung, bin mir da noch nicht sicher, vielleicht verblutete er. Ich muss ihn auseinander nehmen, dann weiß ich es genau. Wollen Sie der Sektion beiwohnen? Es ist schon eine Weile her, seit ich die Ehre Ihrer Anwesenheit hatte.“ Jetzt war es an Doktor Maul zu grinsen und er tat es ausgiebig.
Hahn hatte nur einmal zugesehen, 1937, ganz am Anfang seiner Karriere. Er wurde direkt von der SS-Junkerschule Bad Tölz hierher versetzt und Doktor Maul sezierte drei Tage später eine zwei Wochen alte Leiche. Damals hatte er sich die Seele aus dem Leib gekotzt.
Hahn registrierte Doktor Mauls Grinsen und wusste, dass das Gedächtnis des Anderen noch funktionierte.
Wenn Du wüsstest, was ich seitdem alles erlebt habe, würdest Du jetzt am Boden knien und kotzen, dachte Hahn, sagte aber nichts und verbot sich selbst, an seine Erlebnisse zu denken.
„Heil Hitler, meine Herren. Wo ist der Jude?“
Mehr oder weniger aus dem Nichts erklang die Stimme direkt neben Hahn und riss ihn aus seinem Kampf gegen seine Erinnerungen. Er hatte die Annäherung der Personen aus dem frisch vorgefahrenen Wagen vollkommen überhört. Oder sie mussten sich angeschlichen haben.
Von Ton und Lage der Stimme alarmiert, drehte Hahn sich langsam der Stimme zu, fand den Weg zurück in das Hier und Jetzt. Und bis er sich voll umgedreht hatte, waren Tonfall und Worte der Stimme analysiert und er wusste, dass er jemanden vor sich hatte, der das Befehlen gewohnt war. Jemanden, der keinen Widerspruch duldete und der Anblick des Mannes bestätigte diesen Eindruck.
Der Mann in der Uniform eines Sturmbannführers war von stattlicher Größe und Breite mit einem grauen und kantigen Gesicht. Er trug den Einheitsmantel, einen blauen Schal und für alle sichtbar hielt er die silbrig glänzende, metallene Erkennungsmarke der Gestapo in der schwarz behandschuhten, rechten Hand. Schals waren selten und blau auch, wusste Hahn, aber vielleicht hatte er Beziehungen oder seine Frau hatte ihn selbst gestrickt und gefärbt.
Kommt geschlichen wie man es von einem Angehörigen der Gestapo erwarten kann, dachte Hahn, den Blick auf die Gestalt gerichtet.
Er war Beamten der Gestapo aufgrund persönlicher Erfahrungen nicht sehr zugetan und hatte in den letzten Jahren sogar eine ausgesprochene Abneigung gegen sie entwickelt. Zu oft hatte er schon Verwarnungen erhalten. Meist ging es um Zuständigkeiten und immer hatten sie Recht behalten. Verdammte Geheime.
„Heil Hitler, Sturmbannführer. Wer beehrt uns an diesem unwirtlichen Ort?“
„Oh, Entschuldigung Hauptsturmführer. Darf ich mich vorstellen? Sturmbannführer Ahlers, vom hiesigen Oberabschnitt, Geheime Staatspolizei.“
„Hauptsturmführer Hahn, Kriminalpolizeiamt Wittenberg. Interessieren Sie sich nicht für die Leiche, Sturmbannführer?“
„Die Leiche?“ Indigniert sah Ahlers auf Hahn herab. Dann, ganz plötzlich, glomm Erkennen in Ahlers Augen auf und ein wissendes Lächeln erschien auf seinen Lippen. Hahn erkannte Ahlers Vorbereitungen auf einen Streit.
“Ach so, na klar. Die Leiche. Entschuldigen Sie, dass ich nicht gleich draufgekommen bin“, lächelte Ahlers, dann räusperte er sich und fuhr fort. „Ich bekam einen Anruf aus Berlin und soll hier einen toten Juden in Empfang nehmen. Dieser Fall fällt in die Zuständigkeit der Gestapo und wir haben Anweisung direkt aus dem Reichssicherheitshauptamt, diesen Fall zu übernehmen.“
Hahn wusste, was „Anweisung direkt aus dem Reichssicherheitshauptamt“ bedeutete. Trotzdem widersprach er, und folgte damit einer inneren Regung, wie einer verschlafenen Zuckung kurz vor dem Aufwachen, einem Reflex, der auf seiner Abneigung gegen die Geheimen beruhen musste. Die andere Alternative für die Regung, ein noch schlafender Reiter in seinem Kopf, ließ ihn sich kurz und unbemerkt schütteln.
„Sturmbannführer, die Identität der Leiche ist nicht geklärt, genauso wenig wie die Ursache des Todes. Die Kriminalpolizei Wittenberg hat die Ermittlungen übernommen. Es kann also keine Rede davon sein, dass Sie diesen Fall übernehmen oder gar die Leiche in Empfang nehmen. Jedenfalls nicht ohne Befehl einer mir vorgesetzten Stelle.“ Hahn wuchs während dieser Worte um einige Zentimeter und Streitlust, gepaart mit seiner allgemeinen Wut auf die Geheimen, blitzte in seinen Augen. Er würde die Leiche auf keinen Fall abgeben. Außer auf einen Vorgesetztenbefehl.
Ahlers lächelte ihn an, blies dann in seine behandschuhten Hände. Eine genau kalkulierte Geste, die das Gefühl von Minderwertigkeit in Hahn weckte.
„Und?“, fragte Ahlers. Mehr nicht, und es reichte, um Hahn zu zeigen, dass Ahlers der Meinung war, der Befehlshabende hier zu sein.
Er sah Hahn an, winkte kurz mit der Hand und einen Schritt seitlich versetzt bauten sich hinter Ahlers zwei dunkle Gestalten auf. Sie mussten wohl etwas abseits im Schatten gewartet haben, traten natürlich in den langen, dunklen Einheitsmänteln auf, die ihnen irgendwie angewachsen schienen.
Die Leute wissen, wie man Eindruck hinterlässt, dachte Hahn trotz seiner Abneigung bewundernd.
„Ich gehe wieder, meine Herren. Wenn Sie sich einig sind, schicken Sie mir doch die Leiche vorbei. Oder auch nicht. Einen schönen Abend noch!“, verabschiedete sich Doktor Maul, während er sich niemand bestimmten ansehend erhob.
Und mit einem „Ach ja, Heil Hitler!“, verschwand er schleunigst mit seinem Assistenten.
Mauls wenige Worte hatten gereicht, Hahn seine Beherrschung wieder finden zu lassen und die einzige Waffe zu entdecken, der Ahlers vermutlich nichts entgegenzusetzen hatte. Einen schriftlichen Befehl. Und Hahn setzte seine Waffe ein.
„Sturmbannführer, solange sie nicht irgendeinen schriftlichen Befehl des Geheimen Staatspolizeiamtes oder einer mir vorgesetzten Stelle vorweisen können, werde ich diesen Fall nicht hergeben.“, stellte Hahn seine Position klar. Er gab damit aber auch zu, dass er einen Befehl der obersten Leitungsbehörde der Gestapo akzeptieren würde. Bevor Ahlers etwas sagen konnte, sprach Hahn weiter.
„Dazu kommt, dass niemand weiß, wer die Leiche war. Vielleicht war es ein Jude, dann wäre es ihr Fall. Vielleicht war es aber auch ein normaler Volksgenosse, dann fällt er in unsere Zuständigkeit. Oder es war ein Soldat der Wehrmacht, dann gehört der Fall der Geheimen Feldpolizei.“ Hahn sah, wie Ahlers antworten wollte, aber er spielte jetzt mit ihm, war am Zug und kam Ahlers erneut zuvor.
„Haben Sie einen schriftlichen Befehl?“, fragt Hahn langsam.
„Nein, es wurde telefonisch durchgegeben! Schauen Sie sich die Leiche doch an!“ Er drehte die Leiche mit dem Fuß erneut auf den Rücken. „Jüdische Gesichtszüge! Eindeutig! Dieser Fall gehört uns und damit Schluss! Oder muss ich erst auf meinen Rang hinweisen, Hauptsturmführer?“
Hahn lächelte ungläubig, antwortete dann aber nicht mehr lächelnd
„Gut, dass man dem armen Kerl den Schwanz abgeschnitten hat. Außerdem hat Ihr Rang im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizei gar nichts zu bedeuten, Sturmbannführer“, stellte Hahn fest. Ahlers hatte eben einen Fehler gemacht. Er hatte seinen höheren Dienstgrad erwähnt. Ätzend betonte Hahn den Status seines Gegenübers.
„Ohne schriftlichen Befehl werde ich Ihnen die Leiche nicht überlassen können, Sturmbannführer Ahlers“, lächelte Hahn ihn an, tat so, als wartete er auf eine Antwort, und fuhr dann doch fort. „Haben Sie einen schriftlichen Befehl, Sturmbannführer Ahlers?“
Ohne schriftlichen Befehl konnte auch die Gestapo nicht machen, was sie wollte. Selbst die Gestapo war nicht allmächtig, obwohl es für Außenstehende oft so aussah.
Ahlers gab immer noch keine Antwort und Hahn sah, wie er ihn musterte, sah in den Augenwinkeln auch, dass sich alle anderen Beteiligten, bis auf Ahlers Begleiter, von den beiden zurück gezogen hatten.
Jetzt grübelst Du, was? Damit hast Du nicht gerechnet, Ahlers? Ohne Befehl bleibt die Leiche hier. Ich sehe es an deinem Gesicht, du findest nichts, um mir den Fall doch noch abzunehmen. Dein Gesicht wird immer länger, Sturmbannführer Ahlers von der Geheimen Staatspolizei.
Er konnte seine Schadenfreude nicht ganz unterdrücken. Langsam, aber immer unübersehbarer, breitete sie sich auf Hahns Gesicht aus. Kein Grinsen, nein, soweit hatte Hahn sich im Griff, es war mehr eine Art Strahlen. Sein erster Sieg über die Gestapo lag in greifbarer Nähe.
„Ich stehe hier im Namen des Führers, des Reichsführers-SS, des Reichssicherheitshauptamtes und der Geheimen Staatspolizei. Ich verlange, dass Sie mir den Fall ohne weitere Weigerungen übergeben, Hauptsturmführer“, befahl Ahlers dann einfach im Kasernenhofton.
„Ohne Befehl bleibt die Leiche ...“, Hahn ließ den Satz unvollendet und gefiel sich in der Rolle des Siegers, kostete sie voll aus. Leider war Ahlers Gesicht in dem herrschenden Dämmerlicht der Fahrzeuglampen einfach nur grau und Hahn konnte nicht genau sehen, ob er rot wurde. Aber er unterstellte es ihm einfach, und machte sich damit seinen Sieg noch köstlicher.
„Zum letzten Mal, Hauptsturmführer! Sie übergeben mir jetzt den Fall und den Juden!“
Hast Du es immer noch nicht kapiert, Ahlers? hätte Hahn beinahe gefragt, konnte sich aber gerade noch zurück halten.
„Sturmbannführer, wenn Sie einen schriftlichen Befehl hätten ...“, Hahn genoss die Worte, ließ sich jedes einzelne auf der Zunge zergehen.
Ahlers sah Hahn fest in die Augen, wollte ihn niederzwingen. Aber Hahn hielt stand.
Abrupt, ohne ein weiteres Wort, drehte sich Ahlers um und stampfte durch den Schnee, nicht weniger als leise und schleichend wie er gekommen war. Eher wie eine massige Rangierdampflok, voller Kraft und Zorn, einen Güterzug suchend, an der sie ihre Kraft und ihren Zorn erproben konnte.
„Auf Wiedersehen, Sturmbannführer Ahlers! Heil Hitler!“
Jetzt endlich konnte er sich ein Grinsen erlauben, tat es auch ausgiebig, während er Ahlers Abgang genoss.
Dann warf er einen Blick in die Runde. Es war dunkel und dazu wesentlich kälter geworden. Er winkte Müller zu sich und beide machten sich daran, die Kisten, die noch auf dem LKW waren, zu untersuchen.
Danach verabschiedete sich Hahn.
„Morgen Mittag will ich Ihren Bericht auf meinem Schreibtisch haben. Mit allen Namen, Einheiten und Dienstnummern der Beteiligten. Ebenso das Protokoll mit den Angaben des Fahrers, des Beifahrers und des Begleitkommandos. Im Übrigen warten Sie hier. Ich schicke einen Wagen vorbei, um die Leiche abzuholen.“
Er wandte sich zum Gehen ab, drehte sich aber schnell wieder um.
“Bevor Sie die Leiche übergeben, notieren Sie sich Namen und Nummer des Abholers und des Fahrzeugs. Fügen Sie beides dem Protokoll bei, nicht daß dieser Ahlers doch noch die Leiche kriegt. Heil Hitler, Wachtmeister Müller!“
„Heil Hitler, Hauptsturmführer!“, hörte Hahn den Wachtmeister Müller noch sagen, während er durch den Schnee zu seinem Wagen stapfte.


Glossar, diesmal ganz kurz:

Reichssicherheitshauptamt (RSHA) - Die Leitungsbehörde von Sipo, Gestapo und der polizeilichen Aufgaben der SS
SS-Junkerschule - Schule für den militärischen Nachwuchs der Waffen-SS


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Nachrichten in diesem Thema
Die Götter der Germanen - Teil 2 - von Teja - 23-05-2008, 17:05
RE: Die Götter der Germanen - Teil 2 - von lu - 02-06-2008, 16:50
RE: Die Götter der Germanen - Teil 2 - von lu - 10-06-2008, 19:39

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme