Es ist: 28-09-2022, 21:10
Es ist: 28-09-2022, 21:10 Hallo, Gast! (Registrieren)


VR: Blaues Blut (453 d.D)
Beitrag #47 |

RE: VR: Blaues Blut (453 d.D)
Mehrfach drehten sich Köpfe nach dem jungen Diener um. Bedienstete mit dem Wappen der Dravar’kesh auf dem Ärmel sah man öfter in diesem Teil der Stadt, wo die Straßen breit und gepflastert waren. Bei diesem aber erstreckte sich unter dem linken Auge ein violett verfärbter Streifen, der so gar nicht zu dem feinen Rock passen wollte. Der junge Mann jedoch schien die Blicke nicht zu bemerken, sondern eilte mit erhobenem Kopf die Straßen entlang. Dass er sich hinter seiner gelangweilten Mine gerade eine halbe Biographie zurecht legte, konnte man nicht ahnen.
Arjuk war sehr zufrieden mit sich. Niemand hielt ihn auf, nirgends sah ihm sein Gesicht auf Flugblättern entgegen, und eine gute Stunde vor Sonnenuntergang waren die meisten Passanten ohnehin damit beschäftigt, ihr Tagwerk zu beenden. Da er sich bei Bron nicht nur mit Bashkars Abenteuern, sondern auch mit Wasser, Seife und Kamm näher beschäftigt hatte, musste er auch wieder einigermaßen gepflegt wirken. Er war vielleicht etwas jung für einen Schriftgelehrten, doch da die Leute in den letzten Jahren begonnen hatten, ihn älter zu schätzen als er war, hatte er Spielraum nach oben. Das einzige, das ihm wirklich Kopfzerbrechen bereitete, war sein blaues Auge.
Zu spät hörte er die Stimmen, das Klirren der Schwerter. Arjuk stockte fast das Herz, als die Patrouille um die Ecke bog und ihm direkt entgegen kam.
Das war's! Aus! Sie konnten seine Ähnlichkeit mit dem Prinzen unmöglich übersehen!
...aber nur die Ähnlichkeit. Arjuk biss die Zähne zusammen. Mit einem schnellen Blick erfasste er die Lage: Seine Straßenseite - und damit sein Gesicht - lagen im Schatten. Und der Anführer der Patrouille war nur ein einfacher Wachmann, einer, der es gewohnt war, sich von anderen diktieren zu lassen.
Arjuk zwang sich, seine Schritte weder zu verlangsamen, noch zu beschleunigen. Er war schon fast an der Patrouille vorbeigelaufen, als ihn eine Stimme zurückrief:
„He, Kleiner! Stehen bleiben!“
Arjuks Brauen fuhren in die Höhe. <Kleiner>?! Oh nein, auf diese Weise wurden keine Prinzen gefangen...
Seufzend wandte sich Arjuk um. „Lasst mich raten,“ sagte er in aller Langeweile, die er aufbringen konnte, „Ihr wollt mich vor den Herzog schleppen, weil ihr mich für Nystrad haltet.“
„Ja, aber...“
„Ihr könnt von Glück sagen, dass Ihr den Falschen erwischt habt,“ unterbrach Arjuk den Wachmann ungerührt. „Oder ist <Kleiner> vielleicht eine angemessene Anrede für den Neffen des Herzogs? Der echte Prinz würde Euch wahrscheinlich auf der Stelle bei seinem Onkel anschwärzen.“
Innerlich grinste Arjuk gehässig. Natürlich war dieser Idiot auch noch zwei Zentimeter kleiner als er. Bring deinen Leuten erst mal Respekt bei, bevor du mich finden willst, Vulun!
Der Wachmann schien nun jedoch seine erste Überraschung überwunden zu haben.
„Ganz schön große Klappe für jemanden, der gerade auf der Anklagebank sitzt,“ erwiderte er. „Was macht Ihr so spät noch auf der Straße?“
„Ich bin auf dem Weg zur Bibliothek des Rats der Drei,“ antwortete Arjuk prompt, „um ein paar wichtige Dinge für den Herzog abzuholen. Und spät unterwegs bin ich ausschließlich deshalb, weil ich vor Euch bereits zwei anderen Holzköpfen in Uniform genau das gleiche erklären musste.“
„Holzköpfe in Uniform. Aha.“ Die Wachleute wechselten einen Blick untereinander. Irgendwann würde Arjuk noch lernen müssen, seine Diener auf subtilere Weise runter zu machen. „Wir sind im Auftrag des Herzogs unterwegs, junger Mann, also haltet besser Eure Zunge im Zaum.“
„Ich bin auch im Auftrag des Herzogs unterwegs.“ Mit liebenswürdigem Lächeln tippte Arjuk auf das Wappen auf seiner Schulter. „Und ich habe meinen Auftrag persönlich von ihm entgegen genommen... Guten Abend.“
Arjuk wollte kurzerhand an den Wachen vorbei gehen, aber der Anführer stellte sich ihm in den Weg.
„Einen Moment noch. Was ist mit Eurem Auge passiert? Das sieht nicht nach einem Mann aus, der am Hof arbeitet.“
„Euer Kollege hielt es für eine gute Idee, den vermeintlichen Prinz Nystrad mit Gewalt zu Herzog Dravar’kesh zu schleppen,“ erklärte Arjuk säuerlich. „Ich kann wohl von Glück reden, dass er mir nicht gleich den Kopf abschlug. Versteht Ihr jetzt, warum ich in dieser Stadt einen halben Tag brauche, um ein paar Pergamente abzuholen?“
Der Wachmann zögerte. Wie alle Diener hatte er schreckliche Angst, einen Fehler zu machen. Natürlich wäre es ein weit größerer Fehler, den Boten des Herzogs von der Arbeit abzuhalten, als einen potenziellen Prinzen laufen zu lassen - das musste ihm klar gemacht werden.
„Ich folge Euch sehr gerne zum Herzog,“ sagte Arjuk sanft, „wenn Ihr mir vielleicht die Unterlagen aus der Bibliothek in den Palast zaubern könntet? Dort müssen sie nämlich noch heute angelangen. Sonst wird irgendjemand dafür büßen müssen.“
Adelige können sehr rachsüchtig sein.
„Also gut, wir lassen Euch zur Bibliothek gehen,“ lenkte der Wachmann ein. „Aber nur in unserer Begleitung.“
Arjuk zuckte scheinbar gleichgültig die Schultern, doch in seinem Kopf rasten seine Gedanken. Nun musste er aufpassen wie ein Schießhund, um sich nicht zu verraten - und sich nebenbei schnellstens etwas einfallen lassen, wie er die Patrouille los wurde! Der Wachmann dachte wohl, dass sich bereits in der Bibliothek schnell zeigen würde, ob er es nur mit einem Aufschneider zu tun hatte - zu Recht...
Wie lange würde er sich noch durchimprovisieren können? Während Arjuk möglichst gelassen mit dem Anführer plauderte, schickte er ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel. Immerhin brauche ich mir keine Sorgen zu machen, die Bibliothek nicht zu finden, dachte er ironisch, als der Wachmann neben ihm wie selbstverständlich seine Schritte durch die Straßen lenkte.
„Wie alt ist der Junge aus Noato eigentlich?“, fragte er beiläufig, und reagierte entrüstet auf die Antwort: „Sehe ich etwa aus wie zwanzig?“
Er wusste nicht, ob seine Zersetzungstaktik wirkte, aber er fühlte sich sicherer, wenn er über den Prinzen sprach. „Warum durchsucht Ihr nicht die Häuser? Es ist ja schon fast eine Beleidigung, anzunehmen, Nystrad sei so dumm, sich auf offener Straße zu zeigen. Andererseits ist dem Kerl wohl einiges zuzutrauen, wenn er sich ausgerechnet in Kayro’har aufhält... Ich werde dem Herzog jedenfalls nahe legen, Flugblätter zu verteilen, damit diese lästigen Verwechslungen endlich aufhören.“
„Ein Porträt sollte eigentlich schon heute auf der Wache eintreffen,“ erwiderte der Anführer und Arjuk musste sich zusammenreißen, um nicht erschrocken zusammen zu zucken. „Keine Ahnung, warum das alles wieder so lange dauert.“
Als vor ihnen das Ratsgebäude auftauchte, war Arjuk in Schweiß gebadet. So viele Götter in so kurzer Zeit hatte er wohl noch nie zuvor in seinem Leben angerufen, doch sie hatten ihm kein Wunder geschickt, keinen plötzlichen Blitzschlag, der die Patrouille zu Staub verbrannte, vor allem aber keine durchschlagende Idee für seine Rettung. Blieb nur zu hoffen, dass sie ihm wenigstens Milena schickten.

Das Ratsgebäude war ein zweigeschossiger Bau. Wie Speichen erstreckten sich drei Seitenarme von dem Hauptgebäude weg, jeweils mit einem kleineren Nebengebäude, das nur Magiern der jeweiligen Magierichtung zugänglich war. Das kreisrunde Hauptgebäude aber konnte von allen Magiern und Nichtmagiern besucht werden, wenn nicht gerade Versammlungen darin abgehalten wurden - und da sich die Magieschulen eher gezwungenermaßen zusammen setzten, kam dies nicht all zu häufig vor. Arjuk hatte das Gebäude des Rats der Drei, in dem eine der größten Bibliotheken Athalems untergebracht war, nie selbst betreten, wohl aber vom Turm des Palastes aus gesehen, wenn sein Cousin ihm von dort aus die Stadt von oben zeigte.
„Ich bin sofort wieder da,“ versicherte Arjuk den Wachen und stieg schnell die Stufen zu dem weit geöffneten Eingangsportal hinauf. Wie zu erwarten war, kamen seine selbsternannten Kindermädchen sofort rasselnd hinterher gehastet. Wäre auch zu schön gewesen... Allmählich wurde es wirklich eng.
Kaum hatte Arjuk einen Schritt auf den mit Marmor ausgelegten, von hohen Säulen getragenen Gang gesetzt, wieselte etwas aus dem Studierzimmer neben dem Tor heraus und auf ihn zu. „Ah, ein Besucher! Guten Tag!“, rief der Mann, der in erster Linie aus einem mächtigen Bart und einer wallenden Robe, in zweiter Linie aus einer blitzblanken Glatze und einer Knollennase bestand. Auf den Beinen gehalten wurde das klapprige Gebilde von einem Gehstock.
„Nanu, was ist denn hier los?“ Der Mann musterte verblüfft die Patrouille, die Arjuk eingeholt hatte.
Arjuk fasste sich. Schnell schaltete er von <überaus wichtiger Mann> auf <Opas kleiner Liebling> um. „Seid gegrüßt,“ sagte er höflich. „Bitte entschuldigt dieses peinliche Theater, aber ich werde schon seit heute morgen ständig für Nystrad gehalten.“
„Tatsächlich? Also, ich muss schon sagen.“ Der Bibliothekar stemmte aufgebracht seine Ärmchen in die krummen Hüften. „Einen gelehrten jungen Mann in Uniform bis in die Bibliothek zu verfolgen. Diese Stadt wird immer verrückter.“
Arjuk schielte nervös in den Gang. Vuluns Palast rückte bedrohlich näher, von Milena war nicht ein Rockzipfel zu sehen und noch weniger von seiner Rettung...
„Kennt Ihr diesen Mann?“ Der Wachmann schien sich nicht recht entscheiden zu können, ob ihm die Angelegenheit peinlich oder bitterernst war. „Er sagt, er müsse Unterlagen für den Herzog abholen.“
„Unterlagen?“ Zum wiederholten Mal an diesem Tag stand Arjuk kurz vor einer Herzattacke, als sich auf der ohnehin schon zerfurchten Stirn des Bibliothekars noch einige zusätzliche Täler auftaten. „Samirs Unterlagen wurden doch bereits alle abgeholt. Sein Studierzimmer ist leer geräumt. Wollt Ihr etwa noch einmal die Wände auf Geheimfächer abklopfen, als hätte er etwas zu verbergen?“
„Ist Euch dieser Mann hier bekannt?“, wiederholte der Wachmann seine Frage.
„Ja.“ - Einen Moment lang drohten Arjuks Gesichtszüge zu entgleisen. - „Das heißt, nein,“ verbesserte sich der Bibliothekar schnell, „wir haben uns noch nicht persönlich getroffen, aber mir wurde bereits gesagt, dass Samirs Stelle neu besetzt wurde.“ Er schüttelte betrübt den Kopf. „Könnt Ihr mir sagen, warum der Mann entlassen wurde?“
Danke!!! Danke!!! Danke!!!
Das Geschenk der Götter war unerwartet klein und verschrumpelt ausgefallen, doch nichtsdestotrotz war Arjuk den Freudentränen nahe. Einen Moment lang hätte er das Männchen am liebsten umarmt und auf den Glatzkopf geküsst. - Einen sehr kurzen Moment lang.
„Tut mir leid, aber ich bin zu Stillschweigen verpflichtet,“ hörte er sich selbst antworten. „Ich soll das Zimmer noch einmal überprüfen. Der Herzog wünscht es so.“
Das Geschenk der Götter zuckte bedauernd seine mageren Schultern. „Ihr werdet nicht einen Pergamentfetzen mehr darin finden, aber wenn Ihr es mit eigenen Augen sehen wollt...“
Arjuk wollte. Er hatte zwar wieder einmal nicht die geringste Ahnung, was hier eigentlich vor sich ging, aber allmählich wunderte er sich über nichts mehr. Als sich nun auch noch der Wachmann räusperte und sich förmlich für seine Aufdringlichkeit entschuldigte, war Arjuk selig. In seinem Glückszustand fiel ihm nicht einmal eine angemessen bissige Verabschiedung für die Patrouille ein.
Fehlte nur noch Milena. Während Arjuk seinem eifrig voraus trippelnden Geschenk folgte, blickte er in jeden Saal, an dem sie vorbeigingen, doch die junge Frau war nirgends zu sehen. Irritiert runzelte Arjuk die Stirn. Wie in aller Welt hatte sie sich eigentlich vorgestellt, hier herein zu kommen? Doch nicht etwa in dem einfachen Kleid, das Mina ihr gegeben hatte?
„Ich gratuliere Euch zu Eurer Stelle,“ plapperte der Bibliothekar freundlich. „In Eurem Alter ist es nicht selbstverständlich, vom Herzog persönlich beauftragt zu werden. Darf ich mich nach Eurem Namen erkundigen?“
„Mein Name ist Tajan,“ antwortete Arjuk.
„<Mein Name ist Tajan>,“ wiederholte der Bibliothekar. „Ihr habt eine seltsame Art, Euch auszudrücken. Nun ja, Ihr seid nicht der einzige Ausländer in Kayro’har.“
Innerlich stöhnte Arjuk entnervt auf. Nun trug er schon Vuluns Wappen auf der Schulter, da verriet ihn sein Dialekt! Arjuk beschloss, die Bemerkung zu übergehen, und fragte auf’s Geradewohl: „Sagt, ist die Bibliothek wirklich so veraltet, wie behauptet wird?“
„Ich fürchte ja,“ seufzte der Bibliothekar. „Nur die Historiker kommen hierher, und wer interessiert sich heutzutage schon noch für Geschichte?“
Volltreffer. Das Geschenk der Götter verlor sich ohne Umschweife in einem langen Monolog über seine geliebte Bibliothek. Vorerst würde Arjuk keine weiteren unangenehmen Fragen zu seiner Identität beantworten müssen.
„Wirklich bedauerlich, dabei könnte es ein großartiger Ort des Wissens und Lernens sein, aber die Magier haben kein Interesse daran, Wissen an Nichtmagier Preis zu geben und umgekehrt. - Bitte schön, hier entlang.“
Der dürre Bibliothekar wies ihn eine marmorne Treppe hinauf. Arjuk zögerte kurz. Eigentlich war es an der Zeit, sein Geschenk elegant wieder loszuwerden, Milena zu suchen und von hier zu verschwinden. Aber die Worte dieses geschwätzigen Männchens hatten ihn neugierig gemacht. Samir, Vuluns Berater, und Samir, der in Noato gestempelte Pergamentschnipsel für verzweifelte Prinzen verkaufte... Zufall?
„Das Studierzimmer befindet sich im Obergeschoss,“ erklärte der Bibliothekar mit einem entschuldigenden Lächeln.
Arjuk folgte ihm. Er steckte schon zu lange in dieser aberwitzigen Geschichte, um noch an irgendwelche Zufälle zu glauben. Im Obergeschoss erwartete ihn ein nicht ganz so ausladender, aber ebenso in Marmor gelegter Gang. Dagegen war das Studierzimmer, das der Bibliothekar nun aufschloss, überraschend klein und bescheiden: Ein hölzernes Schreibpult, leere Regale an der Wand, zwei Fenster, kein einziges Buch.
„Vor ein paar Tagen sah es hier noch ganz anders aus,“ sagte der Bibliothekar und schloss die Tür hinter sich. „Dann hat der Herzog alles leer räumen lassen.“
Täuschte er sich, oder hatte sich sein Unterton kaum merklich gewandelt? Arjuk wandte sich zu dem Mann um - und erstarrte. Das Lächeln des Bibliothekars hatte nichts Treuseliges mehr.
„Hier oben sollten wir unter uns sein. Wir können offen miteinander reden... Arjuk y Nystrad.“

Es dauerte eine Schrecksekunde, bis sich Arjuks Herz bereit erklärte, weiterzuschlagen.
„Das ist eine Verwechslung,“ sagte er schnell. „Wie ich bereits vorhin sagte...“
„Vorhin sagtet ihr, dass Ihr bereits seit dem frühen Morgen verwechselt werden. Der Prinz wird aber erst seit dem Nachmittag gesucht.“
Arjuk fuhr ein Fluch über die Lippen, doch der Bibliothekar lächelte nur freundlich. „Ich habe Euch gerade vor Eurem Onkel gerettet. Was veranlasst Euch dazu, zu glauben, ich sei nicht auf Eurer Seite?“
Deine schmalen wässrigen Augen, Glatzkopf, dachte Arjuk. Aber das musst du nicht erfahren.
„Ihr habt Recht,“ lenkte er ein. „Ich... danke Euch für Eure Hilfe.“
„Ich habe es nicht für Euch getan,“ erwiderte der Mann trocken, „sondern für Athalem. Euer Onkel darf Euch niemals finden. Ist Samir tot?“
Der Mann stand unverändert auf seinen Stock gestützt, aber etwas an seiner Haltung gefiel Arjuk nicht. Aus den Augenwinkeln inspizierte er den Stuhl und merkte ihn sich als mögliche Waffe vor. Wenn es nötig werden sollte, konnte das kleine klapprige Männchen nicht allzu schwer niederzuschlagen sein.
„Ich kenne keinen Samir,“ antwortete Arjuk vorsichtig.
„Möglicherweise hat er auch unter dem Namen Seyjuk oder Mirtas agiert,“ erklärte der Bibliothekar. „Er wollte nach Noato, um Euch umzubringen.“
Arjuk blinzelte. Hatte der Mann <umbringen> gesagt?
„Keine Sorge,“ beruhigte ihn der Bibliothekar. „Es war nicht meine Idee. Ich bin erleichtert, zu sehen, dass er gescheitert ist.“
Arjuk war zu keinem Urteil fähig, ob dies ernst gemeint war. Er wusste, dass er Entsetzen oder Angst empfinden sollte, aber er fühlte sich wie in dicke Watte gepackt.
„Hat er irgendetwas erzählt? Gibt es Menschen, mit denen er gesprochen haben könnte?“, bohrte der alte Mann - der plötzlich gar nicht mehr so alt erschien - weiter. Geschenke, die er sich gar nicht gewünscht hatte, hatte Arjuk schon immer gehasst. Wenn er Pech hatte, entpuppte sich dieses hier als eine ganz große Mogelpackung.
„Wie gesagt, ich habe keine Ahnung,“ wiederholte er wahrheitsgemäß.
„Versteht mich nicht falsch, aber die Informationen, die Samir hatte, sind in seinem Grab am Besten aufgehoben,“ erklärte der Bibliothekar. „Er hat hier für Dravar’kesh eine Recherche gemacht. Am Anfang sah es aus wie eine nette kleine Familiengeschichte. Nur deshalb hat er mich hinzu gezogen. Und nun bin ich anscheinend der einzige, der mehr über die Ergebnisse weiß, als der Herzog persönlich.“
Wunderbar. Genau das hatte ich mir von dieser Bibliothek erhofft, dachte Arjuk sarkastisch.
„Also...“, begann er vorsichtig, „warum sollte ich jetzt noch mal umgebracht werden?“
Der Mann blickte ihn an... blickte ihn mitleidig an.
„Weil Ihr der Erbe einer mächtigen Waffe seid,“ sagte er. „Dummerweise kann die Waffe nicht zerstört werden. Also meinte Samir, es wäre für Athalem das Beste, wenn der Träger dran glaubt.“
Und das war alles gar nicht deine Idee, was? Arjuk musste raus hier. Jetzt sofort. Er sprang vor, doch bevor er den Bibliothekar auch nur berühren konnte, traf ihn etwas Hartes unterhalb des Brustkorbes (Solarplexus). Der Stock, auf den sich der Mann gestützt hatte...
Arjuk taumelte zurück. Ihm wurde schwarz vor Augen.

Papa, Liam hat mir Fes weggenommen! Komm zu mir, Amir, komm. Nein, Mama, ich heiße Andamir. Andamir Dravar’kesh. Wie oft soll ich dir noch sagen, du sollst mich Kalil nennen. Wann kommst du wieder, Onkel Riyuk? Du wirst mich mitnehmen, wenn du aus Noato fliehst. Du vertraust mir doch, Arjuk? Arjuk? Arjuk? Hör auf damit, Jo, du weißt genau, dass du sie nie heiraten wirst. Wo warst du nur? Deine Mutter ist sehr krank. Verabschiede dich gut, mein Sohn. Mein Schlangensohn.

Arjuk blinzelte. Ihm war speiübel. Verdammter Wein! Er hatte zu viel getrunken. Er rieb sich die unangenehm schmerzende Stelle unter seinem Brustkorb, wo ihn der...
Der Bibliothekar! Arjuk fuhr in die Höhe. Im letzten Moment presste er sich die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien.
Nicht schreien. Nicht bewegen. Einfach nicht bewegen. Ganz ruhig.
Arjuk versuchte, seinen Atem zu beruhigen. Sein Blick irrte panisch durch den kleinen Raum. Die Tür war mit hundertprozentiger Sicherheit abgeschlossen. Unter den Fenstern ging es zwei Stockwerke in die Tiefe. Der Stuhl... war ein Stuhl eine geeignete Waffe gegen drei schmale schwarze Schlangen, die sich in wenigen Schritten Entfernung auf dem Boden ringelten?
Arjuk lehnte sich gegen die Wand. Dieses <Geschenk> war keine Mogelpackung gewesen. Es war ein leibhaftiger Dämon!
Allmählich wäre es an der Zeit für einen deiner genialen Einfälle, Milena! Sonst werde ich wohl bald im Jenseits mit meiner Mutter darüber lachen, dass ich ausgerechnet von ihrem Wappentier umgebracht wurde. - In jedem Fall kann die Gesellschaft nur besser werden...


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VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Mira - 06-03-2008, 20:33
RE: Athalem: Blaues Blut - von Ichigo - 19-04-2008, 18:58
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 21-09-2008, 17:58
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-09-2008, 13:10
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 02-10-2008, 00:57
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 03-10-2008, 12:44
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 04-10-2008, 13:50
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 07-10-2008, 00:16
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RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 23-10-2008, 20:15
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 23-10-2008, 21:05
RE: VR: Blaues Blut - von Mira - 25-10-2008, 16:53
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-10-2008, 17:35
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 28-10-2008, 01:29
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 28-10-2008, 16:01
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 31-10-2008, 13:30
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 06-11-2008, 15:01
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 10-11-2008, 00:04
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 13-11-2008, 22:32
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 16-11-2008, 19:02
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 26-11-2008, 02:49
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 10-01-2009, 19:11
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 15-01-2009, 21:37
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 08-02-2009, 02:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 07-03-2009, 20:08
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 12-03-2009, 22:45
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Dende - 19-03-2009, 22:16
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 19-03-2009, 22:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-05-2009, 22:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 03-06-2009, 21:59
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 01-09-2009, 22:17
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-09-2009, 00:41
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 01-10-2009, 23:04
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-11-2009, 19:19
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 20-07-2010, 13:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 31-07-2010, 23:21
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 23-02-2011, 00:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 11-05-2011, 21:00
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 12-05-2011, 01:49
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 05-10-2012, 19:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 14-10-2012, 18:02
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-05-2021, 15:50
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 19-05-2021, 20:46
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 29-07-2021, 22:32

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