Es ist: 22-11-2019, 05:33
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Die Götter der Germanen - Teil 8
Beitrag #1 |

Die Götter der Germanen - Teil 8
Wie befohlen meldete sich Hahn Montag Morgen um acht Uhr im Amt fünf im RSHA, wurde von einer Sekretärin Nebes gebeten, Platz zu nehmen und wartete darauf, vorgelassen zu werden.
Hannes Einfallsreichtum und ihrer freundlichen, lieben Art verdankte er, dass das Wochenende ohne weitere Krisen vergangen war. Jetzt hatte er Muße sich in Gedanken mit der Kriminalpolitik zu beschäftigen.
Er wunderte sich immer mehr, denn seine Eignung für diese Art Tätigkeit würde er allerbestens mit ‚umstritten’ beschreiben. War er zur Bestrafung versetzt worden oder zur Belohnung? Aber zur Bestrafung wäre er irgendwo in den Osten zur Truppe kommandiert worden und zur Belohnung gab es keinen Grund. Was war es dann? Hatte es mit dem toten SS-Mann zu tun? Waren hohe Kreise mit dem Fall beschäftigt? Hatten diese hohen Herren sich vielleicht sogar die Finger schmutzig gemacht? Blutig vielleicht?
Er riss sich von dem SS-Mann los. Es war nicht mehr sein Fall und die Versetzung würde sich im Gespräch mit Nebe klären.
Darum sah Hahn sich in dem Vorzimmer um. Die Ecke in der er saß, war mit zwei Stühlen und einem Tisch ausgestattet, alles aus Holz und nach einer Weile wurde das Sitzen ziemlich unbequem, wie Hahn schmerzhaft feststellte. Dieses Arrangement war wohl als Warteecke für unliebsame Besucher gedacht. Neben ihm saßen sich zwei Sekretärinnen schweigend an einem Tisch gegenüber und tippten. Langsam begann das Klackern der Tasten und Typenräder, Hahn auf die Nerven zu gehen. Über die beiden Sekretärinnen war nicht viel zu sagen, beide mittleren Alters, weder schön noch hässlich. Die Schwarzhaarige hatte ihm gesagt, er müsse kurz warten, Gruppenführer Nebe befinde sich noch in einer Besprechung mit einem Gruppenführer vom Amt VI B.
„Deutsch-Italienisches Einflussgebiet“, hatte sie noch hinzugefügt, nachdem sie seinen verständnislosen Blick gesehen hatte. Dann tippte sie stur weiter.
Hahn schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen und wurde abrupt durch die sich öffnende Tür Nebes unterbrochen. Ein Gruppenführer der allgemeinen SS verließ das Büro und Hahn erstarrte. Er erkannte ihn sofort wieder, obwohl er ihn nur zwei Mal bei Besuchen bei seiner Einheit gesehen hatte. Eugen Steimle. Kommandeur der Sonderkommandos 4a der Einsatzgruppe C.
Hahn krampfte seine Hände zusammen, um die vor ihm auftauchenden Bilder aus seinem Russland zu verscheuchen.
Steimle sah ihm ins Gesicht, erkannte ihn aber nicht. Er grüßte kurz nickend und verschwand, während Hahn im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Ein glattrasierter Mann mit grauem, kurzem Haar und den Kragenspiegeln eines SS-Gruppenführers erschien in der Tür.
„Hauptsturmführer Hahn?“

Hahn setzte sich vor den großen, eichenen Schreibtisch Nebes, der blitzblank geputzt und sauber aufgeräumt war. Keine Memos, nicht abgelegte Papiere oder Befehle trübten den Eindruck deutscher Ordnung und Sauberkeit. Die einzelne Akte auf dem Tisch war lag akkurat ausgerichtet in der Mitte.
Der hagere Achtundvierzigjährige ging federnden Schrittes um den Tisch herum, setzte sich und richtete seinen Blick direkt auf Hahn.
„Ich will nicht um den heißen Brei herum reden, Hahn. Ich erhielt persönlich den Befehl unseres Reichsführers, Sie zu versetzen. Nach Paris. Zu Oberg. Das bedeutet zur Gestapo, sollten Sie den Herrn nicht kennen. Es ist etwas ungewöhnlich, den obersten Direktor der Kriminalpolizei des Reiches mit der Versetzung eines Hauptsturmführers zu ...“, Nebe zögerte, „...nehmen Sie es mir nicht übel, ich sage mal: zu beleidigen. Und weil unser hochgeschätzter Reichsführer selbst den Befehl unterschrieben hat, ließ ich mir ihre Akte für dieses Gespräch kommen.“
Er öffnete die Akte, sagte noch „Nur die für die Polizeiarbeit wichtigen Daten“, und las dann die Daten ab. „Abitur 1931. Ebenfalls 1931 Eintritt in die Ordnungspolizei. Immer wieder Lehrgänge. Warum sind Sie nicht studieren gegangen?“
Hahn hob wie entschuldigend Schultern und Hände. „Meiner Familie fehlte das nötige Geld.“
„Das ist ein Grund. 1936 Bewerbung an der SS-Junkerschule Bad Tölz. Angenommen und Teilnahme am ersten Kurs. Kurz vor Abschluss der Junkerschule unehrenhaft entlassen, weil sie einen Kameraden bei einer Schlägerei mit einem Dozenten unterstützten.“
Nebe sah ihm in die Augen, und ihm schien zu gefallen, was er sah, denn er begann ein wenig zu grinsen. Dann las er weiter.
„Aufnahme in die Kripo, Besuch diverser Kurse der Reichspolizeischule, ein Vermerk über Kompetenzüberschreitung bei einem Devisenschmuggelfall im Frühjahr 1942.“ Nebe zögerte kurz und hob versonnen den Blick. „Ah, ich erinnere mich, ein unerfreulicher Vorgang, Hahn.“ Jetzt grinste Nebe unverholen.
„Im August 42 freiwillige Meldung zu den Einsatzgruppen, zwei Monate bei der Einsatzgruppe C, Sonderkommando 4a, auf eigenen Wunsch in die Heimat versetzt.“ Jetzt grinste er. „War hart in Russland. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, ich war Leiter der Einsatzgruppe B. Aber gut. Seither weiter Dienst bei der Kripo Wittenberg, ein paar Belobigungen und gute Beurteilungen. Ohne weitere besondere Vermerke.“
Wieder sah Nebe auf, aber diesmal schloss er die Akte und positionierte sie, ohne hinzuschauen, sorgsam in die Mitte.
„Hahn, wie haben Sie sich die Aufmerksamkeit des Reichsführers, und somit die meinige, zugezogen?“
„Das weiß ich nicht, Gruppenführer.“
„Soso. Gut, anders gefragt: An welchen Fällen haben Sie in letzter Zeit gearbeitet “
„Seit ich aus dem Osten zurück bin, waren es normale Fälle, kein Mord, ein paar Diebstähle, Körperverletzungen und andere Kleinigkeiten eben“, unterschlug Hahn den Mord an dem SS-Mann.
„Kein Fall, in den irgendjemand aus der Partei oder SS verstrickt war?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Und uneigentlich?“
„Na ja, vor sechs Tagen wurde ich zu einer Leiche gerufen. Die Gestapo hat dann den Fall übernommen. Es war ein Jude“, blieb Hahn vorsichtig.
„Und was ist daran so ungewöhnlich? Kommen Sie Hahn, ich muß Ihnen doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen, oder? Haben Sie vertrauen zu mir. Wenn ich Ihnen schaden wollte, wären Sie jetzt auf dem Weg zu Oberg in Paris. Oder in die andere Richtung.“
Hahn nickte schwach. Nebes Argument war logisch und er erzählte dem obersten Kriminalbeamten des Reiches von der Leiche des Waffen-SS-Mannes.
„Soso. Ein Jude, der keiner ist.“ Nebe schloß die Augen.
„Ihr Versetzungsbefehl kam vom Reichsführer. Gut, Hahn, das könnte die Ursache Ihrer Versetzung sein. Die Gestapo hat den Fall übernommen, und Gestapo-Müller traue ich gar nicht. Dass der Reichsführer Ihnen aus einer Laune heraus seine Aufmerksamkeit schenkt, halte ich für unwahrscheinlich. Aber beide mischen sich immer wieder in meine Angelegenheiten. So wie jetzt.“ Sinnend starrte er Hahn an.
„Ich habe in ihrem Versetzungsbefehl geschrieben, dass Sie der Abteilung A, Kriminalpolitik, zugeteilt werden. Deswegen, weil es mir schon letzte Woche ungewöhnlich vorkam und siehe da, ich hatte wieder den richtigen Riecher. Es ist ein politischer Vorgang und sie kommen in die Kriminalpolitik.“ Nebe lachte über seinen schwachen Witz, während Hahn nur die Mundwinkel nach oben zog.
„Gut, ich teile dem Reichsführer mit, dass sie aufgrund spezieller … hm … egal, mir wird etwas einfallen, vorerst in Berlin verbleiben. Bei mir. Ich denke, diese Weigerung werde ich vier Wochen durchhalten können, wenn der Reichsführer nicht so besonders an Ihnen interessiert ist. Das sollte reichen, wir haben Spuren genug. Ist der Reichsführer an Ihnen interessiert, gehen Sie morgen nach Paris zu Oberg. Dann kann ich nichts für sie tun.“ Jetzt lächelte Nebe ihn freudlos an.
„In der Kriminalpolitik werden Sie niemandem auffallen. Sie werden sogar überhaupt nicht in Erscheinung treten und nicht für die Abteilung arbeiten. Niemand wird wissen, dass Sie überhaupt da sind. Als z.b.V. und auf meinen persönlichen Befehl werden Sie der Sache nachgehen. Finden Sie alles heraus, was es herauszufinden gibt. Fangen Sie mit der Leiche an und geben Sie ihr ihren Namen und ihre Identität zurück. Und dann ab nach Gut Weidenau.“
Damit war sein Auftrag klar und Hahn strahlte verhalten. Er hatte seinen Fall zurück. Inoffiziell nur, aber er würde weiter ermitteln können. Was hätte er, Hahn, wohl in der Kriminalpolitik tun können? Während Nebe aufstand und mit dienstlichen Details fort fuhr, tätschelte der Reiter sein Pferd.
„Meine Sekretärin wird Ihnen ein Büro zuweisen. Sie arbeiten alleine und berichten nur an mich. Selbst mit dem Führer werden Sie nicht ohne meine Erlaubnis reden. Falls doch, finden Sie sich in Stalingrad wieder. Das war’s“
Nebe hatte seine einssiebenundsiebzig zur vollen Größe aufgerichtet.
„ Zu Befehl, Gruppenführer! Heil Hitler!“
„Heil Hitler!“ Nebe begleitete Hahn zur Tür und gab einer der beiden Sekretärinnen den Befehl, einen Raum im Keller als Büro für Hauptsturmführer Hahn vorbereiten zu lassen.
„Bevor ich’s vergesse Hauptsturmführer, willkommen im Reichskriminalpolizeiamt im Reichssicherheitshauptamt!“ Dann schloß Nebe die Tür hinter sich.

Am nächsten morgen war Hahns Büro eingerichtet. Ein alter Küchentisch würde als Schreibtisch genügen müssen, dazu zwei normale, unbequeme Holzstühle und ein paar leere Blätter.
Fenster hatte der Kellerraum keine, kalt, feucht und muffig war er zudem, und die nackte Glühbirne an der Decke tauchte sein Büro auch nicht in ein angenehmes Licht Aber wenigstens hatte er ein Telefon.

Am frühen Vormittag wurde Hahn Zeuge deutscher Effizienz und Gründlichkeit. Er wurde schon bei der Postverteilung berücksichtigt und erhielt den Brief aus dem Zentralregister. Ungeduldig riss er den Umschlag auf, las die Nachricht und war freudig erstaunt:
Die Fingerabdrücke gehörten einem Josef Baumgarten, Schlosser, geboren 23.03.1913 in Berlin. Verurteilt zu einem Jahr Zuchthaus im Jahre 1933. Heirat am 20.7.1938. Eintritt in die allgemeine SS am 2.7.1936, in die Verfügungstruppe der SS am 9.02.1940. Wohnhaft in Berlin, keine Kinder.
Weitere Informationen waren keine enthalten.
Als er dann den Brief zurück in den Umschlag steckte, spürte Hahn wie etwas flauschiges, weiches auf seinen Schultern gelegt wurde. Er blieb ganz ruhig sitzen und dann kam ein Gewicht auf seine Schultern. Sein Reiter legte die Decke und den Sattel auf. Er stöhnte unwillkürlich auf und setzte sich vorsichtshalber an seinen Tisch.

Die Leiche war also ein Mann der Waffen-SS gewesen. Und er war zu Tode gefoltert worden. Oder war er verhört worden? Wenn ja, von wem? Die Waffen-SS konnte es nicht sein. Hätte die ein Hühnchen mit ihm zu rupfen gehabt, wäre er in einem Strafbataillon an der Ostfront verschwunden. Wenn es die Gestapo war, dann wäre die Aufregung um die Leiche verständlich. Die Waffen-SS würde nicht zulassen, dass einer Ihrer Männer von der Gestapo verhört und getötet würde. Aber Opfer von Gestapo-Verhören tauchten nie wieder auf. Und was hatte das RuSHA und das Judenreferat damit zu tun? Der Mann war sicher kein Jude und es war auch keine neue Waffe an ihm ausprobiert worden.
Das Interesse so vieler Stellen an diesem Mann und die Lügen über diesen Waffen-SS-Mann hinterließen einen vermoderten, pelzigen Geschmack auf seiner Zunge. Wie morgens nach einer Nacht mit zu viel Wodka.
Hahn wusste, wen er nach Josef Baumgarten fragen konnte.

Er hängte sich an die Fersen dieses Josef Baumgarten und rief Karl Weinmann, einen Stubenkameraden aus der Zeit auf der SS-Junkerschule Bad Tölz, an. Weinmann hatte nach Abschluss der Schule in verschiedenen SS-Ämtern gearbeitet und war schließlich im SS-Führungshauptamt gelandet. Sie hielten sehr sporadischen Kontakt.
„Karl, hier Hahn, Walter Hahn!“
Sein Gesprächspartner zögerte kurz und Hahn wollte schon zu Erklärungen ansetzen.
„Walti, gibt’s dich noch? Von dir hab ich ja ewig nichts gehört!“
„Ja, ich weiß, Karl! Ich bin jetzt nach Berlin versetzt worden. Du, wir sollten uns unbedingt mal bei einem Bier zusammensetzen. Wie wär’s nächste Woche?“
„Einverstanden!“, lachte Weinmann, „Aber deswegen rufst Du mich nicht an, oder?“
„Genau. Ich habe ein Problem und muss dich um einen Gefallen bitten. Es kann sein, dass wir einen eurer Männer tot gefunden haben. Ich bräuchte alles, was Du über einen Josef Baumgarten, Jahrgang 1913, geboren in Berlin, hast. Wir kommen in dem Fall nicht weiter und dieser tote Baumgarten kann uns vielleicht wichtige Informationen liefern. Aber dafür muss ich wissen, wer er ist. Wärst Du so gut und würdest mir seine Akte schicken?“
„Walti, dir sollte doch bekannt sein, dass wir keine Akten herausgeben. Schon gar nicht an euch. Du kannst dich höchstens an das Hauptamt wenden. Vielleicht haben die was für euch. Da kann ich Dir nicht helfen. Wann trinken wir nächste Woche ein Bier? Oder zwei?“
„Jetzt tu nicht so, Karl! Denke an die alten Zeiten und hilf mir auch einmal.“ Hahn sagte das nicht gerne, aber nach all den nächtlichen Lern- und Trinkeinheiten, den kleinen Betrügereien und Schummeleien in Bad Tölz war Karl ihm noch einiges schuldig.
„Mich interessiert nur, was dieser Mann in den letzen drei Jahren gemacht hat. Du musst doch irgendwas tun können!“
Die Antwort kam zögernd.
„Ich könnte vielleicht die entsprechenden Seiten abschreiben. Vielleicht komme ich auch einmal alleine an eine Vervielfältigungsmaschine. Wenn es kein ganzer Roman ist. Aber versprechen kann ich’s dir nicht.“
„Das wäre anständig, Karl! Wie schnell?“
„Du, ich kann mich da ganz schön in die Nesseln setzen. Einen Zeitpunkt kann ich Dir nicht garantieren. Kann sein daß ich’s bis morgen hab’, vielleicht erst nächste Woche oder nie.“
„Morgen ist großartig.“
„Ich hab’ nicht morgen gesagt. Ich kann gar nichts garantieren. Es hängt davon ...“
„Du schaffst das schon bis morgen. Schick es mir ins Amt fünf A im RSHA vorbei. Und danke, Karl. Ich ruf’ Dich mal wieder an. Heil Hitler!“
Bevor weitere Einwände kommen konnten oder Weinmann nach einem konkreten Termin fragte, legte Hahn auf und schob dann das Telefon über den Tisch von sich weg.

Weinmanns Brief aus dem SS-Führungshauptamt wurde am nächsten morgen von der jungen Frau, die die Post besorgte, ausgeteilt. Sein Kollege aus früheren Tagen musste sich gestern sofort an die Arbeit gemacht haben. Lächelnd setzte sich Hahn und las den handschriftlichen Brief.
Josef Baumgarten. Er überflog die Ihm bekannten Daten und begann erst beim interessanten Teil, zu lesen.
9.02.1940: Eintritt in die Verfügungstruppe der SS als Oberscharführer. Der SS-Standarte „Der Führer“ zugeteilt. Auf eigenen Wunsch zur Waffen-SS-Division „Totenkopf“ versetzt. Befördert zum Untersturmführer. Ritterkreuz und Beförderung zum Obersturmführer, weil er persönlich im Nahkampf fünf Panzer der Russen geknackt hatte, worauf diese den Angriff abbrachen. Am 3.01.1943 beim Wachdienst einem Partisanenanschlag der Résistance zum Opfer gefallen.

Nicht besonders viel. Er stützte den Kopf auf die Hand.
Ritterkreuzträger. Das bekam man nicht für gute Führung. Da brauchte man schon Mut oder hatte einen entsprechenden Dienstgrad und gab die richtigen Befehle. Baumgarten war in der Hierarchie zu niedrig, um einen Orden aufgrund seiner Befehle zu erhalten.
Hahn war enttäuscht.


„Soso. Die Résistance hat ihn gefoltert und getötet? Und er taucht eine Woche später im Reich als misshandelter, toter Jude wieder auf?“ Nebe sah Hahn gerade ins Gesicht.
„Hahn, dieser Sepp ist genauso unbedeutend wie Sie. Und trotzdem erregen sie eine Aufmerksamkeit, die mehr als ungewöhnlich ist.“ Nebe erhob sich von seinem Stuhl, trat ans Fenster und beobachtete eine Weile schweigend den kaum vorhandenen Verkehr. „Sie werden zur „Totenkopf“ fliegen und herausfinden was an diesem Mann so besonderes war.“
„Die Waffen-SS gibt der Kripo keine Auskünfte, Gruppenführer.“
„Bis heute Abend werde ich einen Ausweis für Sie haben, der Sie berechtigt, als SS-Mann bei der Waffen-SS zu ermitteln. Vielleicht kann ich einen mit der Unterschrift des Reichsführers beschaffen. Mein Riecher sagt mir, daß hier eine Sauerei unter den Teppich gekehrt werden soll. Und Sie, Hahn, werden für mich herausfinden was für eine. Sagen Sie mir, warum Josef Baumgarten sterben musste.“ Nebe drehte sich wieder zu ihm. „ Sie wohnen in der Nähe?“
„In der Pension ‚Zum Alten Fritz’.“
„Soso. Gut. Hahn, machen Sie sich fertig für eine Reise zur „Totenkopf“. Ich werde herausfinden wo die Division liegt und den Flug organisieren. “
Dann drehte Nebe sich wieder dem Fenster zu.

Glossar:
Oberg, Carl: Höherer SS- und Polizeiführer in Paris, somit Chef der Gesapo und des SD von Paris. Er bekämpfte die Résistance mit Geiselerschießungen.
SS-Division Totenkopf: Militärische Formation, die hauptsächlich aus Mitgliedern der Totenkopf-Standarten bestand. Gegründet auf Befehl Theodor Eickes, Kommandant des KZ Dachau, der mit "seiner Truppe" dann regelrecht "in den Krieg zog". Hatte Anfangs schwere Verluste zu beklagen. Wird zu Ende des Krieges mit der Ordnungszahl 3 geführt.
Steimle, Eugen: Vor dem Krieg SD-Büro-Chef in Stuttgart, im Krieg Einsatzgruppenleiter in Russland, dann im RSHA
z.b.V. : Abkürzung für „zur besonderen Verwendung“.


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Beitrag #2 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 8
Moin - und zum (vorerst) letzten Mal.

Zitat:obwohl er ihn nur zwei Mal bei Besuchen
Nicht eher "zweimal"?

Zitat:Wieder sah Nebe auf, aber diesmal schloss er die Akte und positionierte sie, ohne hinzuschauen, sorgsam in die Mitte.
Und das charakterisiert diesen Mann sehr treffend, wie ich finde.

Zitat:Haben Sie vertrauen zu mir.
... Vertrauen ...

Hui - also entweder war der Kaffee nicht stark genug, oder die Uhrzeit - oder ich habe tatsächlich keine Fehlerchen mehr gefunden. Gut - dann zum (vorerst) abschließenden Urteil:

Es schmeckt metallisch, wenn ich diese Geschichte lese - und das war damals auch so. Grau, düster - eine Welt, die am Abgrund steht und in der trotzdem die absurdesten Dinge geschehen. Was hier fasziniert, ist die Interaktion (nicht nur der Personen und Handlungen untereinander) zwischen dem Leser und dieser dunklen Zeit, die viele Menschen entweder immer noch ausblenden oder missinterpretieren. Alleine für den Versuch müsste man Dir einen Oskar an die Brust tackern - denn es ist eine Gratwanderung.

LG
D.

Edit:
Und habe ich irgendwie nicht dazugeschrieben: Auch Deine Mühe, die nötigen Informationen zusammenzutragen und die Beziehung zwischen den einzelnen Institutionen zu zeigen, verdient eigentlich stehende Ovationen - denn selbst heute ist es nicht so einfach, diese klar zu erfassen. Darüber hinaus gefallen mir auch die kleinen Spracheinlagen, wie beispielsweise "Sauereien" - das ist tatsächlich der Jargon - oder besser gesagt die primitive Sprachebene - auf der damals kommuniziert wurde. Es sind auch die kleinen Dinge, die hier am Rande begeistern.

D.


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Beitrag #3 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 8
Hey Teja!

So, nun auch den letzten Teil für diesmal geschafft - und wieder voller Erwartungen auf die Fortsetzungen. Der Fall wird langsam ein bisschen klarer, in diesem Teil gab's jede Menge neue Informationen. Ich bin zwar noch nicht ganz so sicher, in wie weit sie der Wahrheit entsprechen und wie sie Hahn weiter helfen können, aber sie sind eben da und ich fand es sehr interessant, wie die Leiche einen Namen und ein Stückchen Vergangenheit bekommen hat.
Und froh und ein wenig überrascht, auf welch merkwürdigem Wege er dann doch noch "seinen" Fall zurückbekommen hat.
Zukunftsmusik anstatt Tod in Paris.
Hört sich gut an! Mrgreen
Außerdem war es eine große Überraschung, dass gerade dieser Mann, von dem bisher nichts Gutes zu erwarten war, ihm weitergeholfen hat, mehr noch - ihn bei einer Sache unterstützt, in der er sich selber gut in den Finger schneiden könnten. Aber er ist wohl genau so neugierig wie Hahn, was es an dieser Sache zu vertuschen gibt...
Die Frage un Ahlers rückt ein wenig in den Hintergrund, aber ich bin sicher, dass du zu gegebener Zeit wieder an ihn denken wirst, genau wie an die Trennng von Hanne, die auch noch aussteht.
Genug Material, um die Spannung zu halten!
Wieder sehr gut geschrieben, ich hab mal wieder nichts zu meckern. Mrgreen

Ein bisschen wortlos diesmal, aber gut... mir fällt beim nächsten Mal sicher wieder mehr ein. Mrgreen

Zitat:Die einzelne Akte auf dem Tisch war lag akkurat ausgerichtet in der Mitte.
Bei solchen Szenen frage ich mich immer, ob die das absichtlich vorbereiten, nochmal ausmessen, um sicherzugehen, dass es auch ganz korrekt ist... auf jeden Fall ist dieser Nebe ein wirklich glänzendes Beispiel für die Ordnungsliebe!
Zitat:Wieder sah Nebe auf, aber diesmal schloss er die Akte und positionierte sie, ohne hinzuschauen, sorgsam in die Mitte.
Okay, nicht nachmessen...
Es gibt Menschen, denen scheint die Pedanterie irgendwie im Blut zu liegen.
Zitat:„Und was ist daran so ungewöhnlich? Kommen Sie Hahn, ich muß Ihnen doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen, oder? Haben Sie vertrauen zu mir. Wenn ich Ihnen schaden wollte, wären Sie jetzt auf dem Weg zu Oberg in Paris. Oder in die andere Richtung.“
Naja, wenigstens muss er nicht direkt nach Paris. Diese Wendung war ziemlich überraschend und von dir gut gewählt. Hoffentlich geht das auch weiterhin gut, hoffentlich bleiben ihnen diese vier Wochen Ultimatum, die Nebe gibt.
Und hoffentlich fliegen sie nicht auf...
Sonst gehts ihnen - wie schon gesagt - sicher beiden nicht gut...
Zitat:und Gestapo-Müller traue ich gar nicht.
Icon_lachtot Weiß nicht, aber über Gestapo-Müller musste ich irgendwie lachen. Auch wenns für die Leute damals sicher nur eine ganz normale Bezeichnung war.
Zitat:„Walti, gibt’s dich noch? Von dir hab ich ja ewig nichts gehört!“
"Walti" ist ja auch süß - obwohl ich ihn für den Spitznamen sicher getreten hätte. Mrgreen

Fehlerchen:
Zitat:Am nächsten morgen war Hahns Büro eingerichtet. Ein alter Küchentisch würde als Schreibtisch genügen müssen, dazu zwei normale, unbequeme Holzstühle und ein paar leere Blätter.
groß schreiben...
Zitat:Weinmanns Brief aus dem SS-Führungshauptamt wurde am nächsten morgen von der jungen Frau, die die Post besorgte, ausgeteilt.
Wieder groß schreiben...
Zitat:Vielleicht kann ich einen mit der Unterschrift des Reichsführers beschaffen. Mein Riecher sagt mir, daß hier eine Sauerei unter den Teppich gekehrt werden soll.
dass...

Ganz liebe Grüße,
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #4 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 8
Hallo ihr zwei,

ich fang mal in der richtigen Reihenfolge an, ohne große Umschweife und Entschuldigung.

Hi Lain,

Zitat:So, nun auch den letzten Teil für diesmal geschafft - und wieder voller Erwartungen auf die Fortsetzungen. Der Fall wird langsam ein bisschen klarer, in diesem Teil gab's jede Menge neue Informationen. Ich bin zwar noch nicht ganz so sicher, in wie weit sie der Wahrheit entsprechen und wie sie Hahn weiter helfen können, aber sie sind eben da und ich fand es sehr interessant, wie die Leiche einen Namen und ein Stückchen Vergangenheit bekommen hat.
Und froh und ein wenig überrascht, auf welch merkwürdigem Wege er dann doch noch "seinen" Fall zurückbekommen hat.
Haha, schön, dass es noch spannend ist. Es wendet sich jetzt alles zum Guten, ne? Mrgreen Mrgreen Mrgreen
Keine Ostfront, kein Paris, schön in Berlin bleiben und knobeln.
Aber: Ne, so bleibt es nicht.
Nicht ganz einfach war, der Leiche die Identität zu geben, weil ich keine Ahnung von Kriminalistik hatte. Und der Kriminalistik dieser Zeit erst recht nicht.

Zitat:Zukunftsmusik anstatt Tod in Paris.
Hört sich gut an!
Jepp. Hoffen wir mal.

Zitat:Außerdem war es eine große Überraschung, dass gerade dieser Mann, von dem bisher nichts Gutes zu erwarten war, ihm weitergeholfen hat, mehr noch - ihn bei einer Sache unterstützt, in der er sich selber gut in den Finger schneiden könnten. Aber er ist wohl genau so neugierig wie Hahn, was es an dieser Sache zu vertuschen gibt...
Nebe finde ich eine der faszinierendsten Figuren dieser Zeit. Mittendrin und doch nie richtig dabei.
Ich glaube, ich mag den richtiggehend. Wie er sich durch diese Zeit windet, seinen Posten behält, und trotzdem seine Eisen überall im Feuer hatte.

Zitat:Genug Material, um die Spannung zu halten!
Wieder sehr gut geschrieben, ich hab mal wieder nichts zu meckern.
Ein bisschen wortlos diesmal, aber gut... mir fällt beim nächsten Mal sicher wieder mehr ein.
Wortlos ist gut. Es bedeutet ja auch, dass es gefallen hat und gut geworden ist. Da freu ich mich. *strahlt

Zitat:Es gibt Menschen, denen scheint die Pedanterie irgendwie im Blut zu liegen.
Und wie! Was glaubst du, wie viele Stunden ich mit meinem Chef schon darüber debattiert habe, warum mein Schreibtisch nicht aufgeräumt ist. Und das waren nicht alles witzige Gespräche. *gggggggg

Zitat:Naja, wenigstens muss er nicht direkt nach Paris. Diese Wendung war ziemlich überraschend und von dir gut gewählt. Hoffentlich geht das auch weiterhin gut, hoffentlich bleiben ihnen diese vier Wochen Ultimatum, die Nebe gibt.
Und hoffentlich fliegen sie nicht auf...
* sich die Hände reibt und das Grinsen nur noch operativ aus seinem Gesicht kriegen wird

Zitat:Weiß nicht, aber über Gestapo-Müller musste ich irgendwie lachen. Auch wenns für die Leute damals sicher nur eine ganz normale Bezeichnung war.
Es war ein üblicher Spitzname, wie Reichsheini auch. Aber während Reichsheini nur selten in irgendwelchen Büchern erwähnt wird, ist Gestapo-Müller eine Bezeichnung, die sehr häufig, auch für Bildunterschriften, verwendet wird. Ich find beide Spitznamen klasse.

Zitat:"Walti" ist ja auch süß - obwohl ich ihn für den Spitznamen sicher getreten hätte.
Looooool! Icon_lachtot

So, und die Fehlers mach ich raus, sobald ich dazu komme.

Danke für deine Meinung und dein Kommi. War wie immer sehr aufschlussreich für mich.

CU,
Teja

So, Dread, zu dir.

Zitat:Zitat:
Wieder sah Nebe auf, aber diesmal schloss er die Akte und positionierte sie, ohne hinzuschauen, sorgsam in die Mitte.
Und das charakterisiert diesen Mann sehr treffend, wie ich finde.
Jepp. Finde ich auch. Weiß was er tut, ist sich sehr sicher, kennt sich aus und kann sich raushalten. Mittendrin und doch nie richtig dabei.

Zitat:Hui - also entweder war der Kaffee nicht stark genug, oder die Uhrzeit - oder ich habe tatsächlich keine Fehlerchen mehr gefunden. Gut - dann zum (vorerst) abschließenden Urteil:
Keine Fehler? Seeeeeehr gut! Liegt aber wahrscheinlich an Dread’s Plantagentrunk!

Zitat:Es schmeckt metallisch, wenn ich diese Geschichte lese - und das war damals auch so. Grau, düster - eine Welt, die am Abgrund steht und in der trotzdem die absurdesten Dinge geschehen. Was hier fasziniert, ist die Interaktion (nicht nur der Personen und Handlungen untereinander) zwischen dem Leser und dieser dunklen Zeit, die viele Menschen entweder immer noch ausblenden oder missinterpretieren. Alleine für den Versuch müsste man Dir einen Oskar an die Brust tackern - denn es ist eine Gratwanderung.
Danke. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Dieses Urteil nehme ich mit Freuden an. *sich die getackerte Brust reibt

Zitat:Auch Deine Mühe, die nötigen Informationen zusammenzutragen und die Beziehung zwischen den einzelnen Institutionen zu zeigen, verdient eigentlich stehende Ovationen - denn selbst heute ist es nicht so einfach, diese klar zu erfassen. Darüber hinaus gefallen mir auch die kleinen Spracheinlagen, wie beispielsweise "Sauereien" - das ist tatsächlich der Jargon - oder besser gesagt die primitive Sprachebene - auf der damals kommuniziert wurde. Es sind auch die kleinen Dinge, die hier am Rande begeistern.
Auch dazu kann ich nicht mehr sagen als: Danke. Ich hab unzählige Augenzeugenberichte gelesen, um die Sprache einigermaßen einfangen zu können.

So, und nachdem ich jetzt ganz rot geworden bin, schließe ich dieses Kommi mit einem breiten Grinsen, einem:

„Ich wünsch dir was!“

und dem gewohnten

CU,
Teja


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Beitrag #5 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 8
Hi Teja!

Zitat: Wie befohlen meldete sich Hahn Montag Morgen um acht Uhr im Amt fünf im RSHA,
Bisher waren die Zahlenangaben in römischen Ziffern, das würde ich hier bei Amt fünf beibehalten »Amt V«, oder gibt es da einen Grund, warum es als Zahl geschrieben wird?

Ja, kaum ist Hanne aus der Szene, ist der SS-Mann wieder relevant Icon_wink Aber schön, dass Hahn sich jetzt doch die Gedanken macht!

Zitat: um die vor ihm auftauchenden Bilder aus seinem Russland zu verscheuchen.
Die Bilder wären übrigens auch ein netter Ansatzpunkt, um Hahn zu beleuchten und ihm Vergangenheit zu geben. Eine Nacht, in der er schweißgebadet aus einem Albtraum hochschreckt oder so, zum Beispiel.
Aber bei dem Satz hier speziell verstehe ich das »seinem Russland« nicht so genau. Das Russland in seinen Erinnerungen? Ein eigenes Russland, das er im Kopf hat?

Zitat: Hahn setzte sich vor den großen, eichenen Schreibtisch Nebes, der blitzblank geputzt und sauber aufgeräumt war.
Okee, damit ist eindeutig bewiesen, dass Nebe der Mann hinter dem Schreibtisch ist Mrgreen

Zitat: denn er begann ein wenig zu grinsen.
nimms mir nicht übel, aber allmählich entwickel ich eine Allergie dagegen *lach*

Zitat: Jetzt grinste Nebe unverholen.
„Im August 42 freiwillige Meldung zu den Einsatzgruppen, zwei Monate bei der Einsatzgruppe C, Sonderkommando 4a, auf eigenen Wunsch in die Heimat versetzt.“ Jetzt grinste er.

Und wenn er nicht gestorben ist (oder Karies bekommen hat), dann grinst er noch heute? Icon_ugly

Zitat: Wenn ich Ihnen schaden wollte, wären Sie jetzt auf dem Weg zu Oberg in Paris.
Ja aber? … er hat doch am Anfang des Gesprächs gesagt, dass er den Befehl hat, Hahn zu versetzen. Heißt das, er wird den Befehl nicht befolgen? Klang bisher für mich nicht so. Also ich dachte jetzt, er will Hahn noch bissl ausquetschen, bevor er ihn abschiebt.
Wobei ich vermute, dass da auch viel Unwissen mitspielt, wer jetzt wen da eigentlich nicht mag und wer mit wem zusammenarbeitet. Ich kann mir nichtmal die Namen von den ganzen Ämtern merken, geschweige denn, wer mit wem und so. Aber der Reichsführer … das ist doch Hitler oder nicht? Oder das SS-Oberhaupt, weil mir Wiki sagt, Reichsführer-SS wäre ein Titel *grübel* Auf jeden Fall aber jemand ganz weit oben. Und da würde Nebe sich einfach so einem Befehl widersetzen, ohne besonderen Grund?

Zitat: „Gut, ich teile dem Reichsführer mit, dass sie aufgrund spezieller … hm … egal, mir wird etwas einfallen, vorerst in Berlin verbleiben. Bei mir. Ich denke, diese Weigerung werde ich vier Wochen durchhalten können, wenn der Reichsführer nicht so besonders an Ihnen interessiert ist
Aber warum? Warum hilft der Nebe ihm, macht sich mächtige Feinde? Die einzige Erklärung, die ich mir aus dem Text ziehen kann: Weil er Gestapo und SS nicht mag. Ja, aber mei, wenn es in Deutschland offenbar von Leuten gewimmelt hat, die ungehorsam sind, nur weil die anderen doof sind, dann wärs doch nie so weit gekommen.
Ich betone nochmal, dass ich mich in der Zeit nicht auskenne – aber mir kommt das alles merkwürdig vor, dass da offenbar niemand Befehle beachten muss und trotzdem keinen Ärger bekommt. Dass da keine großen Gründe hinter dem Handeln stehen sondern Nichtigkeiten und gekränkter Stolz.

Zitat: spürte Hahn wie etwas flauschiges, weiches auf seinen Schultern gelegt wurde. Er blieb ganz ruhig sitzen und dann kam ein Gewicht auf seine Schultern. Sein Reiter legte die Decke und den Sattel auf.
?? … Und ich dachte, ich hätte die Reitersache für mich geklärt. Aber nun ist er real? Also, ich denke nicht, aber das Flauschige, Weiche? Wenn Hahn es spürt … vielleicht:
»glaubte Hahn zu spüren ..«? oder legt da echt jemand etwas auf seine Schultern?
Ich les ja sonst Fantasy, vielleicht nagt das deshalb so an mir *lach* Aber der Reiter wird so penetrant ständig erwähnt … das kann ja nicht nur eine normale Neurose oder sowas sein

Zitat: Aber Opfer von Gestapo-Verhören tauchten nie wieder auf.
Naja, vielleicht weil sie in unvermerkten Kisten durch die Gegend gefahren werden? Weil das ein Unfall war und es nicht geplant war, dass der Tote auftaucht? Also Gestapo-Verhör ist für mich eine der naheliegendsten Vermutungen, und auch eine sehr schlüssige.

Zitat: und dieser tote Baumgarten kann uns vielleicht wichtige Informationen liefern.
Naja, der TOTE kann die Infos sicher nicht mehr liefern. Sie könnten höchstens in seinem Umfeld gefunden werden, oder in seiner Vergangenheit könnte es Hinweise geben.

Zitat: Vielleicht komme ich auch einmal alleine an eine Vervielfältigungsmaschine.
Irgendwo in den ersten Teilen war von einem Kopiergerät die Rede, wenn ich mich nicht vollständig täusche. Warum dann hier die umständliche Beschreibung? Oder ist eine Vervielfältigungsmaschine kein Kopierer?

Joa, am Ende wieder die Frage, warum Nebe so sauviel für Hahn und den toten Juden riskiert. Immerhin will er einen Ausweis fälschen?

Weißt du, es kommt mir so vor, als wäre das hier nur ein grober Entwurf, eine … Skizze, schon recht ausgearbeitet und mit vielen Details, aber eben noch nicht das fertige Werk in all seiner Pracht. Teilweise lose Fragmente, die noch verbunden werden müssen, teilweise leere Figuren, Masken noch, die nicht vollständig ausgefüllt werden. Die Handlung ist da, die treibenden Punkte sind da, aber die Kleinigkeiten fehlen (mir). Es geht Schlag auf Schlag voran, ohne dass man sich als Leser mal näher mit einer der Figuren beschäftigen kann, sie kennen- und verstehen lernt.
Das find ich für mich sehr sehr schade, weil ich das Setting wirklich interessant finde, zumal es nicht so »Nazihaft« verpackt ist, sondern da einfach mehrere Parteien sind, die für ihre Ziele arbeiten und sich dabei gegenseitig in die Quere kommen. Es steht (noch?) nicht so im Vordergrund.
Auch Hahn hat einige sehr gute Punkte, an denen man ansetzen könnte, um ihn zu einem sympathischen Protagonisten aufzubauen, der dennoch Ecken und Kanten hat.
Solche Geschichten »ärgern« mich eigentlich am meisten. Die guten bzw. die, die mir gefallen, lese ich und lobe sie. Die »schlechten« kann ich links liegen lassen oder gebe dem Autor Grundlagen-Tipps. Aber Geschichten wie diese, wo ich so viele gute Möglichkeiten sehe und eigentlich schon alles da ist – da würd ich am liebsten in den Tisch beißen.
Arbeitest du noch dran? Mach was draus! Das kann richtig, richtig gut werden, wenn du den Raum dafür schaffst.
Meine Meinung – ganz sicher nicht Dreh- und Angelpunkt der Welt

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

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What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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