Es ist: 15-11-2019, 19:54
Es ist: 15-11-2019, 19:54 Hallo, Gast! (Registrieren)


Bis aufs Grab
Beitrag #1 |

Bis aufs Grab
Bis aufs Grab

Die Sonne, sie brütet
mit seltener Kraft,
die Hitze, sie wütet,
und alles erschlafft.

Ich spende das Wasser
aus gießender Kann',
und alles wird nasser,
ich freu mich daran.

Und durstende Blüten,
sie leuchten mir frisch,
und wollen vergüten
verschwenderisch,

wohltuende Kühlung,
die ich ihnen gab:
wir bleiben auf Fühlung,
fernhin bis aufs Grab.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: Bis aufs Grab
Hej Hans Werner,

auch eines Deiner gedichte, das mir gefällt.
Trotzdem ein paar (kleinliche) anmerkungen:
oh, ich selbst hatte immer und habe noch eine kommataschwäche, deshalb kann ich durchaus daneben liegen, aber das komma nach "..., sie brütet"
würde ich weglassen.
Im Zackschen sinne würde ich auch an die "Kann" einen apostroph zur
Kann' setzen.
Und schließlich hatte ich beim lesen der 3.strophe eine andere betonung des 4.verses im mund, als Dein gedicht mir angeboten hat.
Bei "verschwenderisch" will ich immer die erste silbe betonen...nuja, ich halt.

Wie schon angedeutet, mag ich Dein gedicht sehr gerne. Es hat etwas fein sentimentales, etwas tröstliches, was das unausweichliche besänftigt.
Das bild der blumen, die nach leben dürsten als gegensatz zu einer sengenden, ermüdenden sonne.
(Komisch, gerade fällt mir im angesicht des LyrIchs Luthers apfelbaum ein...)
Aus dem -eigentlich- banalen vorgang des gießens von blumen bei großer trockenheit entwickelt sich ein kreislauf menschlichen lebens, zumindest lese ich diesen heraus.

Schöne grüße,
poLet


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: Bis aufs Grab
Hallo PoLet

vielen Dank für Deine freundliche Antwort auf ein Gedicht, das irgendwie gar nichts Besonderes sein will, sondern ganz bescheiden daherkommt.
Die kleinen Anmerkungen, die gar nicht "kleinlich" sind, sondern sehr berechtigt, werde ich nachher sofort umsetzen. Obwohl ich selbst in sprachlichen Dingen eigentlich eher akribisch bin, entgehen mir beim Schreiben oft solche Kleinigkeiten.
Zur Betonung des Wortes "verschwenderisch" möchte ich von meinem Gefühl aus sagen, dass der Hauptton doch nach der Vorsilbe "ver" auf "schwen-" derisch liegt. Ich weiß, in diesem Vers fehlt eigentlich eine Silbe, nämlich die daktylische, die bei allen drei andern Strophen vorhanden ist. Aber trotzdem würde ich es gerne so belassen, um dem Wort "verschwenderisch" mehr Gewicht zu geben.

Was mich aber an Deiner Antwort besonders freut, ist die Tatsache, dass Dich die letzte Zeile, die doch so einen überhaupt ganz anderen Blickwinkel in das Gedicht bringt, nicht stört. Ich muss gestehen, dass die Vokabel "Grab" zunächst vielleicht um des lieben Reimes willen an diese Stelle sprang. Aber als der Satz einmal dastand, wollte ich ihn, obwohl mir nicht ganz wohl dabei war, stehen lassen. Vielleicht war es auch nur der alltägliche Umstand, dass ich kurz vor dem Schreiben am Grab meiner Mutter war und die Blumen gegossen habe. Dann aber dachte ich auch, dass die Begleitung von Blumen, zu denen man ein Leben lang gut war, auch über den Tod hinaus etwas Tröstliches sein könnte.

Mit herzlichem Gruß

Hans Werner


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: Bis aufs Grab
Hallo Hans Werner,
mir hat dein Gedicht sehr gut gefallen. Man befindet sich schon nach den ersten Zeilen gedanklich im Hochsommer. Du beschreibst alles sehr treffend Icon_smile.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme