Es ist: 22-11-2019, 13:49
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Winterkälte
Beitrag #1 |

Winterkälte
Das Land liegt starr und kalt danieder.
Der Winter hat es fest im Griff.
Am Ofen tauen schmerzend Glieder.
Es schläft im Eis das alte Schiff.

Der Wind weht kalt von Nord Nord Ost,
er peitscht den Schnee auf hartem Boden
und gierig raubt der Winterfrost
von Mund und Nase warmen Odem.

Es friert die Luft mir in der Lunge.
Das Leben stirbt in kalter Pracht
und leis' sag ich mit schwerer Zunge,
der Grog wärmt gut in dieser Nacht.

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Hyperion am Bellarmin


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Beitrag #2 |

RE: Winterkälte
Hallo demon,

unfassbar, dass noch niemand dieses Gedicht kommentiert hat. Es ist sehr klar und damit auch für Lyrik-Einsteiger geeignet Icon_wink ...

Sehr schön finde ich zudem wieder den Rhythmus, den du mit scheinbarer Leichtigkeit aufrechterhältst (man weiß ja nicht, ob du lange daran geschliffen hast oder ob dir das Versmaß schon im Blut liegt).

Das Gedicht erzeugt direkt Winteratmosphäre und spätestens ab der zweiten Strophe hatte ich das Bild eines kleinen Hauses auf einer Hallig in der Nordsee, von einem Fischer, der heimkehrt, durch die unwirtliche Kälte nach Hause kommt und sich mit Alkohol wärmt.

Auch wenn alles sehr düster und kalt ist, ist das Bild vom Winter irgendwie "positiv" - es eben Winter, so, wie er ist und sein soll, natürlich kalt. Die Welt steht still, das Leben ruht, es ist zwar nicht leicht, aber es gehört zum Leben dazu.

Mir hats gut gefallen! Icon_smile

Viele Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Winterkälte
Hai,

tja, ich kann mich Zack schon wieder nur anschließen Mrgreen
Noch beisteuern könnte ich vieleicht folgendes:

Die erste Strophe wirkt auf mich als einzige eine Spur gezwungen gereimt. Aus reinem Gefühl heraus würde ich am Ende der ersten Zeile ein Komma setzen und die letzte Strophe eventuell so schreiben (Aber wie immer nur meine persönliche Meinung: ) :

Es schläft / steckt / liegt im Eis das alte Schiff

Ansonsten ein schönes Gedicht!

Grüße
sandy

Mit Worten kann man die Welt aus den Angeln hebeln

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Beitrag #4 |

RE: Winterkälte
Hallo Zack, hallo Sandy,

vielen dank für eure Kommentare. Ich habe mir im laufe der Jahre das Versmaß erarbeitet. Sneaky machte mich damals auf Nachtwelten darauf aufmerksam. Er und LeVampyre von Gedichte.com unterrichteten mich dann in der Theorie. Besonders half mir dann eine Anwendung auf die Lyriker, die das Versmaß erkannte und Fehler wie eine Rechtschreibprüfung markierte. Leider gibt es dieses Forum nicht mehr. Mit anderen Worten, es wäre ein harter, langer Weg gewesen, wenn ich nicht ausschließlich nach dem Lustprinzip geschrieben hätte. Icon_wink So hat es halt Jahre gedauert.

Vielen Dank für deinen Verbesserungsvorschlag Sandy. "Es schläft im Eis" ist gekauft. Es geht doch nichts über konstruktive Kritik um besser zu werden.

Liebe Grüße

demon17

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Hyperion am Bellarmin


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