Es ist: 20-09-2019, 01:08
Es ist: 20-09-2019, 01:08 Hallo, Gast! (Registrieren)


Unterm Rabenschwarm
Beitrag #1 |

Unterm Rabenschwarm
Oder
Nacht entsteht gedankenlos und in beiläufiger Starre


Das Holz der Schatten knarrt schon seine Weile, die es braucht, sich für eine Richtung zu entscheiden. Westwärts verglimmt letztes Wolkgetier, Vogelharz glänzt auf den Stufen. Ich spür’ die Abstinenz des Waldes und er klammert sich an meinen Traum. Du, Liebe, bist der Kutschfahrten müde und schläfst zwischen uns beiden.
Der Schweiß der Stadt verlässt’s Revier, zum Nebelgott berufen. Dem Wind befiehlt etwas Kaltes, „Bewache den Baum!“.

Die Sonnenallüren sind vergessen fast, in Amseltrögen flüstert Laub. Das Holz der Schatten schweigt. Zwei Straßenkerzen stottern ihre Monologe übers Trottoir, wo Sperrmüll die Vergängnis mästet. Schwarze Fassaden gier’n nach Schnee und die Gosse rührt zu Tränen. Sind’s Autotüren, die schlagen? Blecherne Hast wählt letztendlich zwischen Rost und Staub. Mond erscheint geneigt, handbemalt, und im ersehnten Wald verästet. Du, Liebe, wirst von Flüssen träumen und mich an deren Ufern wähnen.

Besorgnis der geleerten Häfen. Ich teile kaum Erfahrung in zwei Haufen. Ein Wald entwächst meiner Kammer, die in sich, papiergebärend, widerkehrt. Verwuchert nur Signale einer anderen Gewalt, bevor ein Strom mein ICH versenkt.
Zeit pocht durch Schläfen wie durch Vorhangschlaufen, an denen ein Knecht, sich schicksalswehrend, Perspektiven quert. Du, Liebe, ahnst keinen Hinterhalt, wenn die off’ne Tür den Spalt dir schenkt.

Das Jammern der Straßen macht immun gegen Angst. Kopfsteingeläster. Fremd sind die Sterne auch ohne Kalkül, nur Holz frisst sich feist an Elektrizität. Wolkgetiere brüllen mit Schaum vor den Mäulern, mir bricht Mond seinen Eid. Er ist.
Ein Karaokeleben, was du verlangst. ‚Respekt, Vertrauen, Gefühl’. Was in meinem Wald geschrieben steht. Liebe, du beschläfst die Komparsen eines Baumes, den niemand je fällt.

Ich bin voller Neid.
Und vermisst.
Die Schatten des Holzes sind meine Welt.


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Beitrag #2 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Hallo PoLet,

ich habe dein Werk sicher ein Dutzend Mal durchgelesen. Beim ersten Mal wollte ich nur entspannen und habe mich sozusagen in deine Geschichte fallen lassen. Jetzt sehe ich es immer noch mehr als Beschreibung einer Szenenstimmung. Den ersten Satz fand ich besonders schön.
Insgesamt hatte ich einerseits einen waldähnlichen Großstadtbezirk vor Augen, zwischen Slum und Blockhaussiedlung. Andererseits dachte ich zwischendurch auch an das Innenleben, gerade die Emotionen eines Menschen. Beides schließt sich natürlich nicht unbedingt aus. Natürlich kann ich auch vollkommen falsch liegen, aber in diesem Licht hat mir deine Geschichte sehr gut gefallen und wenn ich gerade in der einen oder anderen Weise in Aufruhr war, dann war diese Geschichte immer sehr entspannend. Sorry, wenn's ein bisschen albern klingt.
Sieh das hier auch weniger als Kommentar als vielmehr eine Rückmeldung. Denn diese Geschichte hat eine Antwort so was von verdient. Auch wenn diese hier nicht sonderlich viel zu sagen hat.

Hat mir wirklich gut gefallen.

LG,
rex.

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #3 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Hej Rex,

ok, ich betrachte Deinen kommentar als rückmeldung, kein problem. Icon_cool
Ich wüsste auch gar nicht, was man kommentieren sollte...-
ansonsten bist Du mit Deinem lichtschein bestimmt nicht ganz verkehrt.
"Geschichte" ist übrigens ein recht großer begriff für dieses dings.
Wie dem auch sei,
ich danke Dir für die "Rückmeldung"!
Bleibe entspannt und albern,
grüße,
poLet


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Beitrag #4 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Ein schöner Text.

Regt Gedanken an. Rudimentär keck provoziert er krampfartiges Naserümpfen
in positivem Sinn. Einfach strukturiert, aber auch holzig, bis sehr morsch und
matschig, so präsentiert er sich. Sehr hölzern präsentiert sich das Ambiente,
und das ist auch gut so. Doch auch sämig und faserig liegt er da, ein »Textoid«,
fast schon obszön, was ebenfalls ein wenig muffig ist. Sonntäglicher Mief und
splittrige Dunkelheit, so flegelt sich der geschwächte Textbolide im Morast der
Mark meines Geistes und trieft Buchstaben für Buchstabe, durch das
geschlossene Tor meiner permanent angerosteten Aufmerksamkeit.

Ja, so habe ich versucht, mich Deinem Text zu nähern. Er ist anregend.
Das gefällt mir. Vielschichtig ist er, wenn auch an einigen Stellen Satzbrocken
huschig abgelegt und ein wenig lieblos dahindrapiert zu sein scheinen. Ein
Beispiel: »Dem Wind befiehlt etwas Kaltes, „Bewache den Baum!“.« Ich bitte
Dich, das sind verschwitzte Wortschlappen. Das hast Du nicht nötig und sie
schmerzten mich beim Lesen. Da möchte ich lieber das hier von Dir lesen:
»Wolkgetiere brüllen mit Schaum vor den Mäulern, mir bricht Mond seinen Eid.«
Eigenwilliger Stil, aber markant und reizt zu klaren Bildern im Kopf, die man
gerne weiter verfolgen möchte. Schafft Du es, dass man sie weiterverfolgen
muss, dann ist das Ziel erreicht.

Fazit: Hier und da ein wenig mehr ästhetischer Feinschliff und
Konzentration auf das Erleben des Lesers, und schon wird für mich aus
diesem bereits scharfen Text, malsosalopp gesagt, eine frisch gekaufte
Rasierklinge. So jedenfalls meine Meinung. Icon_bussi

Immer parat: Glutamat Icon_panik

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Beitrag #5 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Smiley_emoticons_blush

Ähja, verheizung...sorry, VERZEIHUNG, dass ich erst jetzt auf Deinen kommentar eingehen werde.
Ja, Glutamat, ich bin...überrascht.
Mehrfach, um genau zu sein. Natürlich über Deine entgegnung, als auch über die tatsache, dass dieser text wohl von mir stammt. Tststs. Icon_rolleyes
Nun gut. Du schreibst:
Zitat:Vielschichtig ist er, wenn auch an einigen Stellen Satzbrocken
huschig abgelegt und ein wenig lieblos dahindrapiert zu sein scheinen.
und
Zitat: Schafft Du es, dass man sie ["klare Bilder im Kopf"] weiterverfolgen
muss, dann ist das Ziel erreicht.
und natürlich
Zitat: Hier und da ein wenig mehr ästhetischer Feinschliff und
Konzentration auf das Erleben des Lesers, und schon wird für mich aus
diesem bereits scharfen Text, malsosalopp gesagt, eine frisch gekaufte
Rasierklinge.
Eben, da liegt der friedhof der hasen. Ich würde mir ein genaueres lektorat wünschen, das mir die schwächen anzeigt. Ehrlich!
Anders: Deine GANZE meinung interessiert mich!
...
Übrigens finde ich
Zitat:so flegelt sich der geschwächte Textbolide im Morast der
Mark meines Geistes und trieft Buchstaben für Buchstabe, durch das
geschlossene Tor meiner permanent angerosteten Aufmerksamkeit.
wunderbar ausgedrückt!
Schönen dank für Deine aufmerksamkeit und Deine worte!

Schönes,
poLet


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Beitrag #6 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Der Friedhof der Hasen wird von den Wölfen im Winter dringend gesucht. Icon_cool

Immer parat: Glutamat Icon_panik

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Beitrag #7 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Eieieieiei - ...dramatismen, dramatismen, wie sollen wir so den Herbst erst überstehen?
Icon_confused

Gutes,
poLet


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Beitrag #8 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Wann ist Anfang? Ist er Frühling? Vielleicht das Ende eines Jahres? Ich kann es nicht sagen. Es mag sein, dass der Sommer das Ende anzeigt. Doch was wäre, wenn es der Herbst ist, den wir zu überstehen versuchen? Unsere Sache scheint es zu sein, den Anfang zu bestimmen. Ein Datum kann er sein, das Ziehen der Vögel oder das Aufspringen der Weidenkatzen. Die Raben werden es wissen. Ganz sicher werden sie den Anfang kennen. So lasst uns doch die Raben fragen. Icon_slash

Immer parat: Glutamat Icon_panik

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Beitrag #9 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Hallo Polet.

Aneinandergereihte Worte, die einen Satz ergeben, müssen noch lange keinen Sinn ergeben. Genausowenig, wie sie auch klingen müssen. Aber auf eine subtile Art und Weise klingen die Worte, als wären sie dafür geschaffen worden, genau hier und jetzt so dazustehen.

Es mag sein, dass es streng genommen hier hin gehört. Und das es streng genommen auch keine Geschichte ist. Eher eine Beschreibung eines Momentes, oder eher einer Empfindung.

Wenn man es sich als ausformuliertes Gedicht vorstellt, ist es unterteilt in fünf Verse, die aufeinander aufbauen.

Zu I.)
Zitat:Das Holz der Schatten knarrt schon seine Weile, die es braucht, sich für eine Richtung zu entscheiden. Westwärts verglimmt letztes Wolkgetier, Vogelharz glänzt auf den Stufen. Ich spür’ die Abstinenz des Waldes und er klammert sich an meinen Traum. Du, Liebe, bist der Kutschfahrten müde und schläfst zwischen uns beiden.
Der Schweiß der Stadt verlässt’s Revier, zum Nebelgott berufen. Dem Wind befiehlt etwas Kaltes, „Bewache den Baum!“.

Tatsächlich habe ich hier den Eindruck, es wäre ein Raum. Die Wände nicht so sehr als Abgrenzung, eher mit Holz verkleidet und nur zu drei Seiten umschlossen. Eine Bühne, die vor dem LyrProsIch im Dunkel versinkt. Und die Gedanken der Gefühle entschwirren dem lichten Rampenlicht.
Stark in diesem Zusammenhang ist die Liebe, die nicht nur zwischen dem Ich und dem nicht vorhandenen Wald liegt, sondern auch der (rumpelnden) Kutschfahrten müde geworden ist.
(Wobei man jetzt überlegen könnte, ob dies tatsächlich sinnbildlich so gewollt war: das Leben als Kutschfahrt mit einem Gespann von ein zwei Pferden. Über Stock und Stein, durch alle Unanehmlichkeiten des Alltags hinweg. Es schaukelt schonmal und gemütlich wird es wohl woanders sein.
Oder aber es wurde intuitiv gesetzt. Aus dem Herzen heraus, dass in Bahnen um Deine Zunge kreist.)

Zu II.)
Zitat:Die Sonnenallüren sind vergessen fast, in Amseltrögen flüstert Laub. Das Holz der Schatten schweigt. Zwei Straßenkerzen stottern ihre Monologe übers Trottoir, wo Sperrmüll die Vergängnis mästet. Schwarze Fassaden gier’n nach Schnee und die Gosse rührt zu Tränen. Sind’s Autotüren, die schlagen? Blecherne Hast wählt letztendlich zwischen Rost und Staub. Mond erscheint geneigt, handbemalt, und im ersehnten Wald verästet. Du, Liebe, wirst von Flüssen träumen und mich an deren Ufern wähnen.

Ein endzeitliches BIld, was hier gemalt wird. Wenn schon schwarze Fassaden nach Schnee - also Weiß, also nur ein Helligkeitszustand, also noch nicht einmal eine Farbe - gieren, ist die Dunkelheit nicht nur zu sehen, sondern steckt auch in den Wertigkeiten. (Wobei mir Nietzsche einfällt: Umwertung aller Werte, aber das ist ein anderes Thema.)
Interessant zu sehen, dass die Fahrt der Liebe einer Kutschfahrt gleicht, aber die Automobile finden nur als Blech eine Erwähnung.

Zu III.)
Zitat:Besorgnis der geleerten Häfen. Ich teile kaum Erfahrung in zwei Haufen. Ein Wald entwächst meiner Kammer, die in sich, papiergebärend, widerkehrt. Verwuchert nur Signale einer anderen Gewalt, bevor ein Strom mein ICH versenkt.
Zeit pocht durch Schläfen wie durch Vorhangschlaufen, an denen ein Knecht, sich schicksalswehrend, Perspektiven quert. Du, Liebe, ahnst keinen Hinterhalt, wenn die off’ne Tür den Spalt dir schenkt.

Der Wald, der zu Buche schlägt? Aus dem Ich heraus und zurück, geschwängert über die Finger mit den Gedanken aus dem Kopf des Ichs, dass den Wald erst gebar?
Zwar schön - und auch verständlich - dargestellt, aber eine beachtliche Schleife, die wieder zurückführt.
(Im Übrigen auch der letzte Satz schön geschrieben. Anstelle eines 'und plötzlich wie von Zauberhand öffnet sich die Tür' eben ein geschenkter Spalt, den die Tür - und nur die - der Liebe schenkt. Im Grunde sind außer dem LyrProsIch keine weiteren Menschen vorhanden. Ein Stillleben?)

Zu IV.)
Zitat:Das Jammern der Straßen macht immun gegen Angst. Kopfsteingeläster. Fremd sind die Sterne auch ohne Kalkül, nur Holz frisst sich feist an Elektrizität. Wolkgetiere brüllen mit Schaum vor den Mäulern, mir bricht Mond seinen Eid. Er ist.
Ein Karaokeleben, was du verlangst. ‚Respekt, Vertrauen, Gefühl’. Was in meinem Wald geschrieben steht. Liebe, du beschläfst die Komparsen eines Baumes, den niemand je fällt.

Nach meinem Empfinden die stärkste der Strophen. Das Jammern der Straßen als Synonym für die Allgemeinheit, die auch hier nur den unterschwelligen Ton von Statisten trägt. (Oder des Publikums?) Dann noch die Sterne, zwar detailiert erklärt mithilfe von Zahlen, Entfernungsangaben, Zeitabständen und anderen Details - aber dennoch fern und fremd bleiben. Nicht greifbar. Im Gegensatz zum Karaokeleben, was aufgezwungen erscheint. Ein Remix, ein Nachmachen von anderen Leben, welches - alleine durch die Wertung des LyrProsIchs - nicht angenommen werden möchte. (Es aber wird, weil es sein muss?)
Im letzten Satz fällt das Beschlafen heraus - aber ich interpretiere es eher als 'Begatten eines Baumes'.

Zu V.)
Zitat:Ich bin voller Neid.
Und vermisst.
Die Schatten des Holzes sind meine Welt.


Und hier überlege ich, was mit den Schatten des Holzes gemeint sein könnte: die Bühne des Lebens? Oder - wenn man sich den Prozess anschaut: Baum, abgeholzt, verarbeitet zu irgendwas - der zerstörerische Effekt am Beginn der Verarbeitung? Womit der eher düstere Grundton wieder auftaucht.

Insgesamt bin ich beim ersten Satz hängen geblieben, der etwas einfühlsames ausdrückt. Beinahe scheint es mir so, als wäre er tatsächlich nicht nur ein Titel oder der Beginn dessen, sondern auch ein Ergebnis, das vorweggeschickt wurde. Das Nachfolgende nur noch als tiefergehende Erklärung.

Anmerkungen:
Zitat:auch über die tatsache, dass dieser text wohl von mir stammt.
Von wem sonst?

Bestes.

LGD.


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Beitrag #10 |

RE: Unterm Rabenschwarm
Hej Dreadnoughts,

lange habe ich mich um eine entgegnung herumgedrückt, aber wissend, es gibt kein entrinnen! Zwar sehr unhöflich und unkollegial, so lange zu schweigen, aber ich habe auf den günstigsten zeitpunkt gehofft...nunja.
Also:
Zitat:Aneinandergereihte Worte, die einen Satz ergeben, müssen noch lange keinen Sinn ergeben. Genausowenig, wie sie auch klingen müssen. Aber auf eine subtile Art und Weise klingen die Worte, als wären sie dafür geschaffen worden, genau hier und jetzt so dazustehen.

Es mag sein, dass es streng genommen hier hin gehört. Und das es streng genommen auch keine Geschichte ist. Eher eine Beschreibung eines Momentes, oder eher einer Empfindung.

Wenn man es sich als ausformuliertes Gedicht vorstellt, ist es unterteilt in fünf Verse, die aufeinander aufbauen.
In etwa so?

Das Holz der Schatten
knarrt schon seine Weile,
die es braucht, sich für eine
Richtung zu entscheiden.
Westwärts verglimmt
letztes Wolkgetier,
Vogelharz glänzt auf den Stufen.
Ich spür’ die
Abstinenz des Waldes
und er klammert sich
an meinen Traum.
Du, Liebe,
bist der Kutschfahrten müde
und schläfst
zwischen uns beiden.
Der Schweiß der Stadt
verlässt’s Revier,
zum Nebelgott berufen.
Dem Wind befiehlt etwas Kaltes,
„Bewache den Baum!“.

...usf. Würde den lyriker in mir nicht vollends befriedigen, daher 'LyrPro', genau. Aber das weißt Du ja.

Ein 'Eremitengedicht'? Abstraktionen ("Holz der Schatten") und gegenständliches ("Schatten des Holzes") als wandel? Fortkommen? Oder symbolhaftes vergewissern des moments am ende des textes?
Soviel geträumt wird ja bei mir eher selten. (Fiel mir gerade so auf.)

Du meinst zu I.:
Zitat:Wobei man jetzt überlegen könnte, ob dies tatsächlich sinnbildlich so gewollt war: das Leben als Kutschfahrt mit einem Gespann von ein zwei Pferden. Über Stock und Stein, durch alle Unanehmlichkeiten des Alltags hinweg. Es schaukelt schonmal und gemütlich wird es wohl woanders sein.
Oder aber es wurde intuitiv gesetzt. Aus dem Herzen heraus, dass in Bahnen um Deine Zunge kreist.
- eher etwas von beidem. Wobei schon bei dem gesamten text 'geschmack' und 'geruch' der wörter einen 'sinn' ergeben sollen, und keine tatsächliche begebenheit.

Zu II.:
Zitat:Ein endzeitliches BIld, was hier gemalt wird. Wenn schon schwarze Fassaden nach Schnee - also Weiß, also nur ein Helligkeitszustand, also noch nicht einmal eine Farbe - gieren, ist die Dunkelheit nicht nur zu sehen, sondern steckt auch in den Wertigkeiten. (Wobei mir Nietzsche einfällt: Umwertung aller Werte, aber das ist ein anderes Thema.)
Interessant zu sehen, dass die Fahrt der Liebe einer Kutschfahrt gleicht, aber die Automobile finden nur als Blech eine Erwähnung.
- ist da nicht ein wimmernder grundton von einsamkeit? (Um den begriff DEPRESSION mal zu vermeiden.) Finsternis? Die finsternis eines mit-sich-verlorenen?
Ach ja, "Du, Liebe,..." ist als anrede gemeint. Also als persönliche.

Zu III. schreibst Du:
Zitat:Der Wald, der zu Buche schlägt? Aus dem Ich heraus und zurück, geschwängert über die Finger mit den Gedanken aus dem Kopf des Ichs, dass den Wald erst gebar?
Zwar schön - und auch verständlich - dargestellt, aber eine beachtliche Schleife, die wieder zurückführt.
(Im Übrigen auch der letzte Satz schön geschrieben. Anstelle eines 'und plötzlich wie von Zauberhand öffnet sich die Tür' eben ein geschenkter Spalt, den die Tür - und nur die - der Liebe schenkt. Im Grunde sind außer dem LyrProsIch keine weiteren Menschen vorhanden. Ein Stillleben?)
- "Stillleben" trifft es doch gut, meine ich. Ansonsten: ortsbeschreibung.
Die "Kammer", das zimmer. "Papiergebärend" der 'einsame po et' mit tinteverschrammten fingern, am fenster sitzend, von wäldern und kutschen und frauen träumend, die er gern gekannt hätte oder gerne vergäße?

Zu IV.:
Zitat:Nach meinem Empfinden die stärkste der Strophen. Das Jammern der Straßen als Synonym für die Allgemeinheit, die auch hier nur den unterschwelligen Ton von Statisten trägt. (Oder des Publikums?) Dann noch die Sterne, zwar detailiert erklärt mithilfe von Zahlen, Entfernungsangaben, Zeitabständen und anderen Details - aber dennoch fern und fremd bleiben. Nicht greifbar. Im Gegensatz zum Karaokeleben, was aufgezwungen erscheint. Ein Remix, ein Nachmachen von anderen Leben, welches - alleine durch die Wertung des LyrProsIchs - nicht angenommen werden möchte. (Es aber wird, weil es sein muss?)
Im letzten Satz fällt das Beschlafen heraus - aber ich interpretiere es eher als 'Begatten eines Baumes'.
- eine 'fremdheit' im gewohnten, eine 'unerfüllbarkeit', eine 'leere'?
"Begatten eines Baumes"...hej.
Das 'beschlafen von komparsen' als eifersüchtiges indiz einer alibihandlung?

Zu V.:
Zitat:Und hier überlege ich, was mit den Schatten des Holzes gemeint sein könnte: die Bühne des Lebens? Oder - wenn man sich den Prozess anschaut: Baum, abgeholzt, verarbeitet zu irgendwas - der zerstörerische Effekt am Beginn der Verarbeitung? Womit der eher düstere Grundton wieder auftaucht.
- hier also der wandel von "Holz der Schatten" zum "Schatten des Holzes".
Gut, doch davor: "Ich bin voller Neid." Ok, aber "Und vermisst." hängt
mit
Zitat: Ich spür’ die Abstinenz des Waldes und er klammert sich an meinen Traum.
zusammen. Warum? Tja, gottchen, warum...-
das durchleben dunkler erinnerungen (Holz der Schatten) am einsamen waldesrand (Schatten des Holzes)...zumindest gefühlt.
...
Puuh, das schlaucht, mein freund! Icon_cool
...
Zitat:Insgesamt bin ich beim ersten Satz hängen geblieben, der etwas einfühlsames ausdrückt. Beinahe scheint es mir so, als wäre er tatsächlich nicht nur ein Titel oder der Beginn dessen, sondern auch ein Ergebnis, das vorweggeschickt wurde. Das Nachfolgende nur noch als tiefergehende Erklärung.
- so kannst Du das gerne betrachten!

Ich entschuldige mich nochmal für die lange schweigezeit zu Deiner sehr ausführlichen auseinandersetzung mit diesem text
und danke Dir herzlich dafür!

Schönes,
poLet


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