Es ist: 15-11-2019, 18:32
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Die Federn des Windes - 3
Beitrag #1 |

Die Federn des Windes - 3
Im Übrigen lässt mich bei dem ganzen Federn-SpamKrimskrams eine ganz bestimmte Frage nicht los: Das Ding ist meines Erachtens zu lang, um es ganz zu posten (26 Teile), andererseits habe ich so das üble Gefühl, dass das Ganze mit Feedback weitaus besser sein könnte. Wie sieht das aus, findet ihr, dass 26 Teile zu viel des Guten sind?

Die Federn des Windes
Teil 0/25-Teil 1/25-Teil 2/25-Teil 3/25-Teil 4/25-Teil 5/25-Teil 6/25-Teil 7/25-Teil 8/25-Teil 9/25-Teil 10/25-Teil 11/25

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3
2010

Besitzergreifend strecken die blauen Linien ihre Enden nach ihr aus, weben sie mehr und mehr ein und machen sie zu einem wehrlosen Insekt im Spinnennetz der Magie.
Kalte Schatten berühren ihren Nacken und sie spürt sie wieder – die Kraft, pure Kraft, lauernd auf Zerstörung und den Moment, in dem sie die Kontrolle verliert. Und er kommt bald, das weiß sie. Viel zu bald, und sie wird es nicht verhindern können.
Nicht sie, aber er.
Erwartungsvoll schließt sie die Augen, kämpft die Angst nieder, den diffusen Wunsch, der immer stärker wird, hofft, erdolcht die Hoffnung und sieht ihrer Auferstehung zu, weicht der sich aufbäumenden Kraft und der Gewalt der Linien aus –
„Nein!“ Ihre Konzentration zersplittert und –


Merle saß aufrecht in ihrem Bett, den Mund zu einem Schrei geöffnet. Das Bellen eines Hundes im Dorf drang durch das offene Fenster hinein, doch daran war nichts Ungewöhnlicheres als an dem Halbdunkel in ihrem Zimmer, dem gleichmäßigen Summen des Aquarienfilters und dem vergleichsweisen Lärm, den ihre Atemzüge in der Nachtstille verursachten.
Schon wieder dieser Traum. Kopfschüttelnd ließ sie sich zurück in ihr Kissen fallen und starrte die Zimmerdecke an, als könnte die ihr Antworten auf die Fragen geben, die sich Nacht für Nacht ansammelten, wenn sie aus diesem oder einem ähnlichen Albtraum aufgewacht war. Und immer endet er gleich. Irgendeine Lichtung, diese Linien. Und „er“, wer auch immer das ist. Und wer schreit am Ende „Nein“?
Sie war sich sicher, dass sie die Stimme irgendwoher kannte, aber weder im Traum noch nach dem Aufwachen fiel ihr ein, woher. Und wer mochte diese Person sein, die sie nie sah, von der sie aber wusste, dass sie da war?
Die Linien sind der einzige Anhaltspunkt, den ich habe. Das Ganze hat etwas mit der Magie und der Gabe zu tun.
Der Filter ihres Aquariums gurgelte und riss sie damit aus ihren Gedanken, lenkte ihre Aufmerksamkeit auf den immer noch bellenden Hund und den bläulich flackernden Streifen Mondlicht, der sich durch das Fenster in ihr Zimmer geschlichen hatte.
Dieser Hund ist aber auch nervig. Was der wohl für eine Katze gesehen hat, dass er sich darüber so aufregen muss?
Mit einem Seufzer rutschte sie unter der Bettdecke hervor, erschauerte, als ihre nackten Füße die Kälte des Bodens aufsaugten und tappte zum Fenster, um dann ruhig und vielleicht sogar traumlos weiterschlafen zu können. In den letzten Nächten war sie mehr als nur einmal aufgewacht, entsetzt von einem Geschehen, das sie nicht beeinflussen konnte und das ihr dadurch mehr Angst einjagte als die Aussicht auf eine mündliche Leistungskontrolle, für die sie nicht gelernt hatte. Immer war sie am nächsten Morgen müder als sonst gewesen, und einmal hatte sie so laut geschrien, dass ihre Mutter auf einmal im Zimmer stand und sie fragte, was sie geträumt hatte. Merle wusste selbst nicht, warum sie gelogen hatte, aber ihre wilde Geschichte von einem haarigen Monster, dass sie durch die Gegend jagte, schien auszureichen.
Du solltest weniger essen, wenn du ins Bett gehst, war Muttis Ratschlag gewesen, gefallen zwischen einem fragenden Augenbrauenheben und einem nervös scheinenden Lächeln, das Merle nur noch mehr beunruhigte. Sie kam nicht umhin, sich zu fragen, was ihre Mutter eigentlich wirklich dachte und was sie aus der plötzlichen Veranlagung ihrer Tochter, jede Nacht Albträume zu haben, schloss.
Ich sollte mir genau dieselbe ausdruckslose Miene antrainieren, die sie auch immer aufsetzt, wenn man sie nach Dingen fragt, über die sie nicht reden will. Sie weiß mehr, als sie zeigt. Und wenn Mutti Geheimnisse vor mir hat, Geheimnisse, die mich vielleicht betreffen, kann ich auch Geheimnisse vor ihr haben. Zumal sie davon nicht mal betroffen ist.
Eine Hand am Fenstergriff, erstarrte Merle im sanften Lied des Windes, das sich in das Hundebellen mischte.
Der Wind. Überrascht wandte sie sich um und entdeckte die Linien, von denen sie geträumt hatte, im Mondlicht. Es ist so, als hätte er eine Botschaft. Als würde ein besonderer Geruch in ihm liegen, aber das ist nicht so. Sonst ist noch alles genau so wie vorhin, als ich das Fenster aufgemacht habe. Was ist da eigentlich los?
Ihre Neugierde war geweckt und innerhalb kürzester Zeit warf sie sich eine Jacke über und schlüpfte in die nächstbeste Hose, die ihr Schrank hergab. Für einen Moment zögerte sie am Treppenabsatz – was, wenn ihre Eltern aufwachen würden und wissen wollten, wohin sie unterwegs war? – dann bemühte sie sich, die knarrenden Stufen möglichst zu meiden. Früher hatte sie es immer geliebt, in einem renovierten Bauernhaus mit urigen Holztreppen zu leben, aber gerade jetzt hasste sie es. Niemand konnte sich von oben nach unten schleichen, ohne das halbe Haus aufzuwecken.
Trotz des unvermeidlichen Knarrens erfolgte aber wie durch ein Wunder keine Reaktion und Merle gelangte ungehört aus der Tür auf den Hof.

Das Wispern des Windes trug bereits die erste Kühle des nahenden Herbstes mit sich und vertrieb den letzten Rest der Tagsommerwärme von den Pflastersteinen, die sich gegen die Nacht gewehrt hatte. Merle fröstelte in ihren Hausschuhen.
Was mache ich eigentlich hier draußen? Hier ist nichts. Alles so wie immer.
Selbst das Bellen war nun verstummt, wahrscheinlich hatte der Hund beschlossen, seine Stimme zu schonen oder die Katze Katze sein zu lassen. Merle fühlte sich wie in einem schlechten Film. Das spätere Opfer ist durch ein seltsames Geräusch nach draußen gelockt worden, sieht sich um, findet nichts. Beinahe will es schon wieder zurückkehren, doch dann bewegt sich etwas im Schatten, und untermalt von dramatischer Musik, schleicht sich eine dunkle Gestalt heran. Etwas blitzt im Mondlicht auf, dann ertönt ein Schrei – und der Bildschirm wird schwarz. In der nächsten Szene umringen Polizisten und aufgelöste Verwandte die blutüberströmte Leiche, aber es ist zu spät, zu …
Etwas Warmes presste sich an Merles Bein und schlabberte ihr die Hand ab.
„Rhea!“, entfuhr es ihr. „Was machst du denn hier?“ Der Border Collie sah sie unschuldig hechelnd an und ließ sich auf den Boden plumpsen. Natürlich, von einem Hund kann ich keine Antwort erwarten. Oder doch?
Der Gedanke war ebenso verlockend wie abwegig. Wenn es möglich war, über die Gabe mit Falken zu sprechen, wie verhielt es sich dann mit anderen Tieren? Oder Menschen? Wo lagen die Grenzen der Magie? Merle hatte die Idee der Telepathie immer geliebt und ihre scheinbare Umsetzung in der Kommunikation mit den Falken beflügelte ihre Fantasie mehr, als es jedes Buch oder jeder Film je gekonnt hätten.
Aber Brekja hatte nicht davon gesprochen, als sie Merle die Gabe erklärt hatte. Ja, sie hatte etwas von einer besonderen Bindung mancher Menschen, die sie Federn nannten, an die Falken und die Fähigkeit des Heilens über die Magie erzählt. Doch nichts davon war ein Hinweis auf die ungeahnten Möglichkeiten, die die Gabe noch bieten konnte.
‚Rhea‘, rief sie versuchsweise den Namen des Hundes, so wie sie Brekja rufen würde. Rhea kratzte sich unbeteiligt mit der Hinterpfote am Ohr und sah sie dann wieder erwartungsvoll an. Es gab keine Anzeichen dafür, dass die Hündin überhaupt etwas anderes gehört hatte als die Geräusche der Nacht und des Windes, der auffrischte und Merle beharrlich ins Gesicht stupste, als wolle er sie auf etwas aufmerksam machen, das ihr bisher entgangen war.
Na, dann halt nicht. Es wird kalt, ich sollte wieder reingehen.
Als Merle Anstalten machte, umzukehren, sprang Rhea auf und schoss bellend über den Hof, um das Bauernhaus, dorthin, wo die ungenutzte Scheune langsam verrottete. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, viel in ein nicht benötigtes Gebäude zu investieren und so war die Scheune von rein optischen Wert, efeuverziert und wettergebräunt.
Mensch, Rhea. Was willst du denn da hinten?, seufzte Merle innerlich und schüttelte den Kopf. Was auch immer den Hund dazu bewegt hatte, zur Scheune zu laufen, sie würde es nicht herausfinden. Es schien ihr auch nicht wichtig – wahrscheinlich war es sowieso nur eine Katze, oder Rhea hatte ihr neues Schlafquartier an der Scheune aufgeschlagen.

Merles Füße bewegten sich allein nach dem Dirigat der blauen Linien, die aus dem Boden krochen und mehr und mehr ihren Körper einwebten, bis er aussah wie von Spinnennetzen oder einem parasitären Pilz überzogen. Der Riegel, der die Holztüren normalerweise verschloss, war aufgebrochen und schwankte traurig im warmen Atem des Windes.
Warm? Vorhin war es doch noch kalt. Woher kommt die Wärme?
Blaue Linien verzierten die Efeuranken, kletterten an ihnen empor bis unter das Dach und in die von verzogenen Holzläden dürftig verschlossenen Fensteröffnungen, drangen in den Bauch der Scheune vor und sammelten sich in den flackernden Schatten, die sie erfüllten. Knarrend öffnete sich eine Hälfte der Scheunentür und zupfte einladend an Merles Fesseln.
Dunkelheit. Warum ist es hier nicht dunkel?
Wärme wurde zu Hitze, Schimmer zu hellen Flammen und die Schatten zu Rauch, der sich seinen Weg in den Nachthimmel suchte. Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.
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Teil 4


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Beitrag #2 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hallöchen!

Ich wurde gestern Abend hierauf aufmerksam gemacht, holte prompt bis an diese Stelle auf und nun haben wir den Salat. In dem Moment, als ich den ersten Absatz las, war klar, dass ich dir einen Kommentar hinterlassen muss und dabei wollte ich auch eigentlich ausführlich sein, weiß aber nicht, inwiefern ich das kann, weil ich gerade einfach so begeistert bin. Versuchen wir es einfach.

Manchmal passiert es, dass man sucht und sucht und weiß eigentlich überhaupt nicht wonach so genau und gibt es irgendwann auf, weil man es einfach nicht findet. Aber dann verspricht deine Geschichte hier, genau das zu werden. Was ich damit sagen möchte: Ich bin gerade so sehr fasziniert von deinem Schreibstil. So lebendig, es kommt so ein besonderes Gefühl rüber und die Magie, die Magie kommt an ♥ Überhaupt beschreibst du die Magie auf so hübsche Weise.

Und der Inhalt dabei, diese Sache mit den Falken, die einfach Interesse weckt, die Zeitebenen, die Charaktere. Außen und innen passen wunderbar zusammen, die Formatierung tut ihr Übriges. Der Hund heißt Rhea und auch wenn es vielleicht albern klingt, ist das in dem Moment ein mächtiger Grund zum Grinsen für mich gewesen. Genau wie manche dieser Sätze, die Vermutung, dass der Hund seine Stimme schonen will, so was macht aus einem guten Text ein Leseerlebnis.

Aber dann hörst du an so einer Stelle auf und ich frage mich: Wie kannst du da nur aufhören und wo ist bitte der Rest? Denn lass dir eines gesagt sein: 26 Teile hiervon sind ganz gewiss nicht zu viel, ganz im Gegenteil, es wäre unerhört, uns nicht bis ganz zum Schluss lesen zu lassen!

[An dieser Stelle würde Gemecker stehen, wenn ich da was hätte. Also belasse ich es bei Gefangirle, bis mir eventuell doch noch was einfällt.]

Grüße von Sephi

"Siehst du die beiden Mädels, die am Tisch sitzen wie zwei frierende Spatzen auf einem Zweig? Siehst du, wie eng ihre Fäden verwoben sind?" - Die Fäden des Schicksals ~ ReaperRoadtrip
Immer.

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Beitrag #3 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hey,
Die Geschichte ist echt klasse! Ich finde ebenfalls das 26 Teile nicht im geringsten zu viel sind. Es ist echt schade das du an so einer Stelle aufgehört hast zu schreiben, denn es wurde so spannend.

Generell liebe ich Geschichten mit Magie. In so einer Art wie du deine Geschichte geschrieben hast, also das mit den Linien und so kannte ich noch nicht. Aber eine tolle Idee. Auch wie du die Gedanken der Hauptperson beschreibst ist interessant.Pro

Mir wird nicht klar wie die Person heißt, aber das liegt wahrscheinlich daran das ich den 1. Teil nicht gelesen habe.Icon_slash

LG Alb


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Beitrag #4 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Erst einmal danke euch beiden für den Kommi.

Hejka, Sephi!

(21-10-2014, 08:54)Sephigruen schrieb: Ich wurde gestern Abend hierauf aufmerksam gemacht, holte prompt bis an diese Stelle auf und nun haben wir den Salat. In dem Moment, als ich den ersten Absatz las, war klar, dass ich dir einen Kommentar hinterlassen muss und dabei wollte ich auch eigentlich ausführlich sein, weiß aber nicht, inwiefern ich das kann, weil ich gerade einfach so begeistert bin. Versuchen wir es einfach.
Aufmerksam gemacht? Macht da jemand heimlich ungerechtfertigte Werbung? Icon_fies

Zitat:Manchmal passiert es, dass man sucht und sucht und weiß eigentlich überhaupt nicht wonach so genau und gibt es irgendwann auf, weil man es einfach nicht findet. Aber dann verspricht deine Geschichte hier, genau das zu werden. Was ich damit sagen möchte: Ich bin gerade so sehr fasziniert von deinem Schreibstil. So lebendig, es kommt so ein besonderes Gefühl rüber und die Magie, die Magie kommt an ♥ Überhaupt beschreibst du die Magie auf so hübsche Weise.
Smiley_emoticons_blush
Ich kann dir nicht versprechen, dass die Federn dieses Versprechen halten, aber ich gebe mir Mühe 

Zitat:Und der Inhalt dabei, diese Sache mit den Falken, die einfach Interesse weckt, die Zeitebenen, die Charaktere. Außen und innen passen wunderbar zusammen, die Formatierung tut ihr Übriges. Der Hund heißt Rhea und auch wenn es vielleicht albern klingt, ist das in dem Moment ein mächtiger Grund zum Grinsen für mich gewesen. Genau wie manche dieser Sätze, die Vermutung, dass der Hund seine Stimme schonen will, so was macht aus einem guten Text ein Leseerlebnis.
Was mich da interessiert: Gibt es einen Grund, warum dich der Hundename zum Grinsen bringt? Unser Familienhund hat auch einen Grinsenamen: Der heißt Urmel. Und durch den Zwingernamen, weil es ein reinrassiger, unterforderter Deutscher Schäferhund ist, wird das Ganze noch ulkiger: Urmel vom Balakteich Mrgreen

Zitat:Aber dann hörst du an so einer Stelle auf und ich frage mich: Wie kannst du da nur aufhören und wo ist bitte der Rest?
Icon_fies Mrgreen

Zitat:Denn lass dir eines gesagt sein: 26 Teile hiervon sind ganz gewiss nicht zu viel, ganz im Gegenteil, es wäre unerhört, uns nicht bis ganz zum Schluss lesen zu lassen!
Gut, gut, ihr habt mich ja überzeugt. Vielleicht lasse ich mir ja einen Rhythmus für die Veröffentlichung einfallen, damit ich mit dem Kommentieren anderer Texte nicht ganz ins Hintertreffen gerate (was mir sowieso passiert). Wie wäre es mit alle zwei Wochen ein neuer Teil? Dann wären wir irgendwann Ende August/Anfang September 2015 fertig Icon_ugly
Viele Grüße,
Eselfine
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Hallo, Alb.

Zitat:Die Geschichte ist echt klasse! Ich finde ebenfalls das 26 Teile nicht im geringsten zu viel sind. Es ist echt schade das du an so einer Stelle aufgehört hast zu schreiben, denn es wurde so spannend.
Icon_fies
Ich glaube, das sollte ich sogar noch öfter machen.


Zitat:Mir wird nicht klar wie die Person heißt, aber das liegt wahrscheinlich daran das ich den 1. Teil nicht gelesen habe.
Nein, eigentlich dürfte das nicht daran liegen. Sie heißt Merle; Rhea ist der Hund.

Viele Grüße,
Eselfine


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Beitrag #5 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hi Eselfine,

wir haben einen Kommentiertag und ich dadurch endlich Gelegenheit, weiter meinen Senf zu Deiner Geschichte zu geben. Icon_ugly

Sechsundzwanzig Kapitel ist jetzt nicht unbedingt so viel, wenn man die Geschichte nur lesen will, aber Kommentieren erfordert erheblich mehr Zeit, und so ist es für den Kommentierenden schon aus zeitlichen Gründen schwer, dranzubleiben. Ich denke, das wichtigste ist, dass alle Teile Deiner Geschichte durch einen Klick aufrufbar sind. Manchmal übersieht man, dass zu einer Geschichte schon vorher etliche Teile existieren.
Zumindest für mich macht es keinen Sinn, in z.B. Kapitel dreizehn einzusteigen und dann zu kommentieren, weil ich ja null Ahnung vom Vorhergehenden hätte und damit auch nicht kompetent sein kann.
Aber das ist meine Meinung und andere sehen das vielleicht anders. Ansonsten ist es ja eine Spezialität von einigen hier, gleich ganze Reihen - hallo Dread Wave - auf einmal zu posten, und ich bin drauf reingefallen, weil ich das aktuell online gestellte Kapitel gelesen und direkt kommentiert habe und hinterher feststellen musste, dass da noch etliche Folgen vorher waren ( das lag nicht an Dread, ich war einfach zu schnell und er hatte die anderen Teile noch nicht eingestellt) und ich meinen Kommi ganz anders hätte gestalten können, wenn ich die auch alle gelesen hätte.

So, Schluss mit dem Geschwafel ( hach, ich werde auf meine alten Tage doch echt noch redselig Icon_lachtot )

Was passiert hier in der Szene?
Merle wacht auf durch einen Traum, den sie regelmäßig träumt und der ihr Sorgen macht. Sie weiß von der Gabe und ist auf der Suche nach ihr, bzw. nach Antworten auf ihre Fragen. Heute nacht ist sie zusätzlich beunruhigt durch das Gebell eines Hundes und etwas, das der Wind ihr mitteilt, treibt sie dazu, hinauszugehen und nachzusehen. Sie schleicht aus dem Haus, nur um sich zu fragen, was sie da eigentlich macht, und beschließt, wieder hineinzugehen. Ihr Hund läuft plötzlich laut bellend zur Scheune und sie hinterher. Hier bemerkt sie erst warme Luft, dann Hitze und letztendlich Feuer. Sie hört Sirenen aus dem Dorf, die ihr Todeslied singen.

Ich habe hier in wenigen Sätzen zusammengefasst, was ich da herauslese. Jetzt versuche ich aufzudröseln, was daran für mich nicht funktioniert und was ich sehr schön finde.

Zitat:Das Bellen eines Hundes im Dorf drang durch das offene Fenster hinein, ...
Hier ist es der Hund im Dorf, aber als Merle rausgeht, ist es ihr Hund Rhea, der beunruhigt ist. Da das Feuer in der Scheune auf dem Hof ausbricht, ist es sehr wahrscheinlich, dass Rhea bellt, oder zumindest winselt. Das wäre für mich ein gewichtiger Grund, nachsehen zu gehen, aber nicht, weil ein Hund im Dorf bellt - das geschieht sicher häufig.

Im Handlungsverlauf stört mich das mehrmalige Erwähnen, dass der Hund wohl einer Katze begegnet ist, die ihn aufregt. Das mag ja so sein, aber auf mich wirken solche Dopplungen langweilig und ich verliere dann schnell das Interesse - aber das bin eben ich.

Das Verhältnis von Merle zu ihrer Mutter wird hier beleuchtet und das birgt für mich ziemliches Potenzial, um mich den beiden näher zu bringen. Deshalb würde ich auch in Merles Gedanken nicht "Mutti" schreiben, sondern "Anna". Der Name ruft mir nochmal ins Gedächtnis, was ich mit Anna schon erlebt habe und hilft mir, mich in Deinen Zeitsprüngen zurecht zu finden. Natürlich denken Töchter in der Regel an "Mutti" - aber das finde ich hier einfach nicht spannend, das andere schon. Mrgreen
Ich würde diesen Part mit Merles Mutter sogar noch ausbauen. Noch deutlicher unbeantwortete Fragen einbringen, Merle darüber nachsinnieren lassen, warum Anna so und so handelt und Merle es nicht versteht. Um einen Konflikt in diese Mutter-Tochter-Beziehung zu integrieren, den es mit Sicherheit gibt. Das würde für mich die beiden Figuren noch eine Spur interessanter machen.

Zitat:Der Wind. Überrascht wandte sie sich um und entdeckte die Linien, von denen sie geträumt hatte, im Mondlicht. Es ist so, als hätte er eine Botschaft. Als würde ein besonderer Geruch in ihm liegen, aber das ist nicht so. Sonst ist noch alles genau so wie vorhin, als ich das Fenster aufgemacht habe. Was ist da eigentlich los?
Das überrascht mich jetzt. Merle treibt der Wind hinaus und nicht die geheimnisvollen Linien, die sie jetzt direkt vor Augen hat und die das ganze Mysterium ihres Traumes und ihrer Gabe ausmachen?
Ich möchte an dieser Stelle, wo sie den Linien wahrhaftig begegnet, mehr von ihrer Angst und Unsicherheit spüren. Und ich möchte einen handfesten Grund dafür haben, warum Merle sich nicht unter ihrer Bettdecke verkriecht oder zu ihren Eltern läuft um Schutz zu suchen oder Antworten zu bekommen. Klar, wenn sie einen Konflikt mit iher Mutter austrägt, ist es die letzte Adresse, an die sie sich freiwilig wendet. Oder aber sie ist zu neugierig, die Linien schlagen sie zu sehr in den Bann. Ob so oder so, ich möchte das mehr spüren, damit ich Merles Handlung besser nachvollziehen kann. Und - wie schon gesagt - ich sehe immernoch die Linien als treibende Kraft hinter ihrer Handlung und nicht den Wind Icon_wink

Wie spürt man einen besonderen Geruch im Wind, der dann doch garnicht da ist? Letzten Endes geht es um Feuer in einer Scheune. Ich würde dann doch vielleicht lieber schreiben, dass Merle glaubt, ihre Sinne täuschen sie. Ich bin hier jedenfalls gestolpert über das "das ist nicht so."

Zitat:Merle fühlte sich wie in einem schlechten Film. Das spätere Opfer ist durch ein seltsames Geräusch nach draußen gelockt worden, sieht sich um, findet nichts. Beinahe will es schon wieder zurückkehren, doch dann bewegt sich etwas im Schatten, und untermalt von dramatischer Musik, schleicht sich eine dunkle Gestalt heran. Etwas blitzt im Mondlicht auf, dann ertönt ein Schrei – und der Bildschirm wird schwarz. In der nächsten Szene umringen Polizisten und aufgelöste Verwandte die blutüberströmte Leiche, aber es ist zu spät, zu …
Etwas Warmes presste sich an Merles Bein und schlabberte ihr die Hand ab.
Das finde ich beim dritten Mal lesen eigentlich ziemlich gut, nur die Gänsehaut, die es eigentlich hervorrufen könnte, hat sich bei mir nicht eingestellt aufgrund von Formulierungen, die Du zuvor benutzt hast, und die mich leider störend davon abgelenkt haben.
Z: B.
Zitat:Selbst das Bellen war nun verstummt, wahrscheinlich hatte der Hund beschlossen, seine Stimme zu schonen oder die Katze Katze sein zu lassen.
Hier hätte mit ein einfaches "Das Bellen war verstummt" ganz kurz die Info vermittelt, dass es still geworden ist. Stille, Dunkelheit und Merles seltsamer Drang, die unheimlichen Linien - das reicht Icon_wink
Oder schon vorher:
Zitat:Was mache ich eigentlich hier draußen? Hier ist nichts. Alles so wie immer.
Da für mich der Wind nicht die Motivation sein konnte, überhaupt raus zu gehen, stört mich dieser Satz. Ich finde es spannender, wenn Du beschreibst, dass da ein Zwang hinter Merles Handlung ist, Neugier, Erwartung oder etwas unbestimmtes anderes, was sie treibt. Damit wird der Satz aber überflüssig. Dann würde sie vielleicht eher feststellen, dass alles normal zu sein scheint und sie sich etwas einbildet. Aber für mich passt auch das nicht, denn die Linien sind ja real vorhanden und sichtbar und nun steht Merle verunsichert da und weiß nicht, was sie tun soll. Das ist das, was ich mit Deiner Figur empfinde.

Zitat:Was auch immer den Hund dazu bewegt hatte, zur Scheune zu laufen, sie würde es nicht herausfinden. Es schien ihr auch nicht wichtig – wahrscheinlich war es sowieso nur eine Katze, oder Rhea hatte ihr neues Schlafquartier an der Scheune aufgeschlagen.

Merles Füße bewegten sich allein nach dem Dirigat der blauen Linien, die aus dem Boden krochen und mehr und mehr ihren Körper einwebten, bis er aussah wie von Spinnennetzen oder einem parasitären Pilz überzogen. Der Riegel, der die Holztüren normalerweise verschloss, war aufgebrochen und schwankte traurig im warmen Atem des Windes.
"... sie würde es nicht herausfinden." Und dann das "Merles Füße bewegten sich allein ..." Das ist mir zu unbestimmt, und das Wort "Dirigat" stört mich. Hier gibt es einen Zwang, der von Anfang an da war und Merle zum Handeln bewegt, und das würde ich deutlicher herausstellen. Die Linien zwingen sie und sie sollte eigentlich wirklich Angst haben. Ich jedenfalls - und ich bin kein Weichei - würde mir ernsthaft Sorgen machen, wenn ich eine unheimliche Gabe, die ein Machtpotential besitzt, hätte, dazu eine Mutter, die seltsame Geheimnisse hütet, die mit mir zu tun haben und dann noch diesen wiederkehrenden Traum, und dann begegne ich diesen Linien.
Zitat:Wärme wurde zu Hitze, Schimmer zu hellen Flammen und die Schatten zu Rauch, der sich seinen Weg in den Nachthimmel suchte. Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.
Eigentlich ein gut klingender Schlusssatz, aber zeitlich für mich nicht umsetzbar. Wenn die Flammen schon so hoch wären, dass die Feuerwehrsirenen heulen, dann wäre Merle garnicht erst in die Scheune gegangen, hätte vorher schon einwandfrei Brandgeruch im Wind bemerkt. Die Perspektive ist die ganze Zeit über bei ihr, aber den letzten Satz wird sie kaum gedacht haben.
Oder ich befinde mich auf dem Holzweg und die Sirenen haben nichts mit der Feuerwehr zu tun - dann kann ich sie aber nirgendwo hinstecken. In jedem Fall leuchtet es nicht ein, warum Merle in eine vermutlich brennende Scheune geht - es sei denn, sie hat einen gewichtigen Grund. Damit wären wir wieder bei dem Zwang durch die Linien Icon_slash
Möglicherweise habe ich Dinge falsch verstanden oder vorherige Kapitel auch nicht mehr so präsent, bitte korrigiere mich, wenn ich mich geirrt habe. Inhaltlich bin ich jetzt zu Ende. Ich finde die Geschichte in jedem Fall so spannend, dass ich weiterlesen möchte.
Am Schreibstil stören mich bei Dir nur ganz wenige Formulierungen, wie z.B.
Zitat:Trotz des unvermeidlichen Knarrens erfolgte aber wie durch ein Wunder keine Reaktion und Merle gelangte ungehört aus der Tür auf den Hof.
Da bin ich leider doof pingelig - sowas schleicht sich bei mir selber ab und zu ein Icon_rolleyes
Ich finde insgesamt Deine Bilder sehr schön, Dein Schreibstil angenehm zu lesen und freue mich über die nächsten Kapitel.

Liebe Grüße von slainte music


Mich kann man nicht komprimieren!

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Beitrag #6 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hallo Eselfine,

wir haben uns leider schon länger nicht mehr gelesen, was mit Zeitmangel zu tun hatte, aber ich will, nein, ich muss jetzt endlich wieder was hinterlassen. Auch wenn es jetzt vielleicht nur ein winziger Absatz von geringer Bedeutung ist. Smiley_emoticons_blush

Ganz ehrlich, ich finde die Geschichte genial. Es lässt sich sehr flüssig lesen, ist wirklich schön beschrieben und auch spannend genug, dass ich die Teile jetzt so nach und nach durchsuchten werde. Wie von den Vorschreibern schon gesagt, finde ich 26 Teile auch nicht zu lang, ich würde mich freuen, wenn du mehr einstellst. Oder, vielleicht sogar noch besser, es mal mit einem Anschreiben versuchst. Potenzial hat die Geschichte auf alle Fälle, unangenehme Stellen hab ich jetzt spontan keine gefunden. Das mag sich jetzt vielleicht alles etwas hetzerisch anhören, aber ich glaube wirklich, dass du gute Chancen hättest, damit etwas zu erreichen.
Es ist natürlich deine Entscheidung, ob du versuchen willst, deine Schreiberei an den Mann zu bringen. Ich will dir auch nichts einreden. Aber ich wollte dich doch zumindest mal darauf hinweisen, dass die Federn genug Potenzial besitzen, um irgendwann mal im Regal zu stehen Icon_wink Ein Plätzchen findet sich bestimmt noch ^^

So, ich hoffe, ich hab dich jetzt nicht zu sehr vollgeblubbert - ein sinnvoller Kommentar war es jetzt nun wirklich nicht, aber vielleicht hole ich das noch nach. Wenn die Zeit es wieder zulässt.

Ansonsten: gern gelesen! Icon_smile

LG Reisbällchen

PS: Das mit der brennenden Scheune hab ich jetzt auch nicht so ganz verstanden - ich dachte, sie folgt der Hündin nicht. Und dann müsste sie ja auch eigentlich früher schon die Flammen sehen und so. Ich persönlich würde nicht so einfach in eine brennende Scheune reinmarschieren.
Ach, Moment... Sie folgt den Linien bzw die Linien führen sie. Stimmt. Da war was. Hab ich wohl was überlesen Icon_wink Jetzt fragt sich nur, wieso die Linien sie da hinführen ^^

Schreiben ist die Kunst, den Worten das Leben einzuhauchen, das man selbst besitzt. Denn genau das macht es so lebendig.

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Beitrag #7 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hej, ihr beiden.
Vorab erst einmal vielen, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, zu kommentieren 
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@slainte

(07-12-2014, 17:40)slainte schrieb:
Zitat:Sechsundzwanzig Kapitel ist jetzt nicht unbedingt so viel, wenn man die Geschichte nur lesen will, aber Kommentieren erfordert erheblich mehr Zeit, und so ist es für den Kommentierenden schon aus zeitlichen Gründen schwer, dranzubleiben. Ich denke, das wichtigste ist, dass alle Teile Deiner Geschichte durch einen Klick aufrufbar sind. Manchmal übersieht man, dass zu einer Geschichte schon vorher etliche Teile existieren.
Weißt du, ich habe auch schon darüber nachgedacht, es so zu machen wie z.B. Lanna bei Im Schatten einer Nacht (war es doch, hoffe ich), wo alles oben verlinkt war. Bis jetzt scheue ich nur den Mehraufwand, der dahinter steckt und mit jedem weiteren Post etwas fühlbarer wird. Ich bin bis jetzt davon ausgegangen, dass es reicht, den vorherigen Part am Anfang des Postes und den nächsten Part am Ende des Posts zu verlinken, und dass man die Position des Posts in der Geschichte an der Ziffer ablesen kann. Andererseits hast du natürlich recht: Woher soll denn ein Leser wissen, dass vor der 1 noch die 0 kam, und vor der nicht etwa noch die -1 (damit hat mich Dread vor einiger Zeit mal sehr wirksam verwirrt, weil der Anfang einfach nicht auffindbar war)? Vielleicht setze ich mich mal hin und füge die Links ein. Sobald man das einmal gemacht hat, kann man ja hin- und herkopieren sowie ergänzen (und besser jetzt als bei Teil 21, dann wird es unübersichtlicher).

Zitat:Zumindest für mich macht es keinen Sinn, in z.B. Kapitel dreizehn einzusteigen und dann zu kommentieren, weil ich ja null Ahnung vom Vorhergehenden hätte und damit auch nicht kompetent sein kann.
Das ist ein Argument, das man nicht von der Hand weisen kann.

Zitat:Aber das ist meine Meinung und andere sehen das vielleicht anders. Ansonsten ist es ja eine Spezialität von einigen hier, gleich ganze Reihen - hallo Dread Wave - auf einmal zu posten, und ich bin drauf reingefallen, weil ich das aktuell online gestellte Kapitel gelesen und direkt kommentiert habe und hinterher feststellen musste, dass da noch etliche Folgen vorher waren ( das lag nicht an Dread, ich war einfach zu schnell und er hatte die anderen Teile noch nicht eingestellt) und ich meinen Kommi ganz anders hätte gestalten können, wenn ich die auch alle gelesen hätte.
Das ist mir auch schon ein ganz paar Mal passiert. Und um ehrlich zu sein – manchmal sehe ich bei Dread auch nicht durch Icon_wink

Zitat:
Zitat:Das Bellen eines Hundes im Dorf drang durch das offene Fenster hinein, ...
Hier ist es der Hund im Dorf, aber als Merle rausgeht, ist es ihr Hund Rhea, der beunruhigt ist. Da das Feuer in der Scheune auf dem Hof ausbricht, ist es sehr wahrscheinlich, dass Rhea bellt, oder zumindest winselt. Das wäre für mich ein gewichtiger Grund, nachsehen zu gehen, aber nicht, weil ein Hund im Dorf bellt - das geschieht sicher häufig.
Ja. Wenn ich so an mein kleines polnische Piekary denke – da haben die Hunde in der Tat jede Nacht mindestens drei Stunden Bellkonzert gegeben. Und unser Haushund – Wera – war daran nur selten beteiligt, aber wenn doch, dann ebenso ausdauernd. Und dann bin ich tatsächlich schon eher geneigt gewesen, mal unter der warmen Bettdecke hervorzukriechen, die Nachtluft hereinzulassen und an der Dachrinne vorbeizulugen, um zu gucken, welcher Igel dort unten herumstreunt. Oder eben Katze.
Das Problem ließe sich lösen, indem ich einfach das „im Dorf“ wegnehme. Oder meinst du, dass man im Halbschlaf sofort weiß, dass es der eigene Hund ist, der dort ziemlich nah dran bellt? Könnte ja auch der des Nachbarn sein.

Zitat:Im Handlungsverlauf stört mich das mehrmalige Erwähnen, dass der Hund wohl einer Katze begegnet ist, die ihn aufregt. Das mag ja so sein, aber auf mich wirken solche Dopplungen langweilig und ich verliere dann schnell das Interesse - aber das bin eben ich.
Ich fand es jetzt nicht so schlimm – auf akute Dopplungen reagiere ich inzwischen etwas empfindlicher als noch vor zwei Jahren, aber manchmal entgeht mir auch ganz einfach etwas. (Manchmal? Oft.) Es ging mir darum (und hier kommt die an den Haaren herbeigezogene Rechtfertigung Icon_wink), zu zeigen, dass die Erklärung „Katze“, die irgendwie nicht zutreffen kann, weil es Gründe gibt, die dagegen sprechen, trotzdem immer wieder herangezogen wird, um das Unerklärliche auszusperren.

Zitat:Das Verhältnis von Merle zu ihrer Mutter wird hier beleuchtet und das birgt für mich ziemliches Potenzial, um mich den beiden näher zu bringen. Deshalb würde ich auch in Merles Gedanken nicht "Mutti" schreiben, sondern "Anna". Der Name ruft mir nochmal ins Gedächtnis, was ich mit Anna schon erlebt habe und hilft mir, mich in Deinen Zeitsprüngen zurecht zu finden. Natürlich denken Töchter in der Regel an "Mutti" - aber das finde ich hier einfach nicht spannend, das andere schon.
Anfangs hatte ich dort tatsächlich „Anna“ stehen, später habe ich „Mutti“ draus gemacht, eben weil Töchter meist nicht an den Vornamen ihrer Eltern denken (außer gewisse Leute, die ihre Eltern allgemein schon immer mit deren Vornamen ansprechen). Entweder ich stoße den Leser mit der Nase auf die Verwandschaftsverhältnisse – Anna ist Merles Mutter – und behalte den Wiedererkennungseffekt, oder ich gestalte Merles Denken in Bezug auf ihre Mutter (für mich) glaubwürdiger. Es hat beides seine Reize, und ich habe mich für die letztere Variante entschieden.

Zitat:Ich würde diesen Part mit Merles Mutter sogar noch ausbauen. Noch deutlicher unbeantwortete Fragen einbringen, Merle darüber nachsinnieren lassen, warum Anna so und so handelt und Merle es nicht versteht. Um einen Konflikt in diese Mutter-Tochter-Beziehung zu integrieren, den es mit Sicherheit gibt. Das würde für mich die beiden Figuren noch eine Spur interessanter machen.
*denkt darüber nach*

Zitat:[quote]Der Wind. Überrascht wandte sie sich um und entdeckte die Linien, von denen sie geträumt hatte, im Mondlicht. Es ist so, als hätte er eine Botschaft. Als würde ein besonderer Geruch in ihm liegen, aber das ist nicht so. Sonst ist noch alles genau so wie vorhin, als ich das Fenster aufgemacht habe. Was ist da eigentlich los?
Das überrascht mich jetzt. Merle treibt der Wind hinaus und nicht die geheimnisvollen Linien, die sie jetzt direkt vor Augen hat und die das ganze Mysterium ihres Traumes und ihrer Gabe ausmachen?
Ah, dieses Überbleibsel aus der Vorversion. Ursprünglich war der Wind der Motivator, durch die Linien ist er nun zur Begleiterscheinung geworden. Entweder ich gehe da noch mal rein oder ich ziehe wieder eine Erklärung bei den Haaren herbei: Die Linien nimmt Merle zwar wahr und sie sind ihr auch nicht ganz geheuer, aber die Kraft, die die Linien auf sie auswirken spürt sie nicht. Eher noch stellt sie fest, dass der Wind (etwas doch recht Offensichtliches – Wind kann ich irgendwie schlechter ignorieren als irgendwas, was ich sehe, wohl eine persönliche Sache) irgendwie anders ist. Oder scheint.

Zitat:Ich möchte an dieser Stelle, wo sie den Linien wahrhaftig begegnet, mehr von ihrer Angst und Unsicherheit spüren. Und ich möchte einen handfesten Grund dafür haben, warum Merle sich nicht unter ihrer Bettdecke verkriecht oder zu ihren Eltern läuft um Schutz zu suchen oder Antworten zu bekommen. Klar, wenn sie einen Konflikt mit iher Mutter austrägt, ist es die letzte Adresse, an die sie sich freiwilig wendet. Oder aber sie ist zu neugierig, die Linien schlagen sie zu sehr in den Bann. Ob so oder so, ich möchte das mehr spüren, damit ich Merles Handlung besser nachvollziehen kann. Und - wie schon gesagt - ich sehe immernoch die Linien als treibende Kraft hinter ihrer Handlung und nicht den Wind Icon_wink
Neugier. Es ist Neugier. Und die seltsame, fatale Anziehungskraft der Linien, von der sie aber noch nichts weiß.

Zitat:Wie spürt man einen besonderen Geruch im Wind, der dann doch garnicht da ist? Letzten Endes geht es um Feuer in einer Scheune. Ich würde dann doch vielleicht lieber schreiben, dass Merle glaubt, ihre Sinne täuschen sie. Ich bin hier jedenfalls gestolpert über das "das ist nicht so."
Hm, das ist wohl etwas plump formuliert, da hast du recht.

Zitat:
Zitat:Merle fühlte sich wie in einem schlechten Film. Das spätere Opfer ist durch ein seltsames Geräusch nach draußen gelockt worden, sieht sich um, findet nichts. Beinahe will es schon wieder zurückkehren, doch dann bewegt sich etwas im Schatten, und untermalt von dramatischer Musik, schleicht sich eine dunkle Gestalt heran. Etwas blitzt im Mondlicht auf, dann ertönt ein Schrei – und der Bildschirm wird schwarz. In der nächsten Szene umringen Polizisten und aufgelöste Verwandte die blutüberströmte Leiche, aber es ist zu spät, zu …
Etwas Warmes presste sich an Merles Bein und schlabberte ihr die Hand ab.
Das finde ich beim dritten Mal lesen eigentlich ziemlich gut, nur die Gänsehaut, die es eigentlich hervorrufen könnte, hat sich bei mir nicht eingestellt aufgrund von Formulierungen, die Du zuvor benutzt hast, und die mich leider störend davon abgelenkt haben.
Zuvor? (Ach, vielleicht sollte ich mal weiterlesen Icon_wink)

Zitat:Z: B.
Zitat:Selbst das Bellen war nun verstummt, wahrscheinlich hatte der Hund beschlossen, seine Stimme zu schonen oder die Katze Katze sein zu lassen.
Hier hätte mit ein einfaches "Das Bellen war verstummt" ganz kurz die Info vermittelt, dass es still geworden ist. Stille, Dunkelheit und Merles seltsamer Drang, die unheimlichen Linien - das reicht
Zu viel des Guten, ups.

Zitat:Oder schon vorher:
Zitat:Was mache ich eigentlich hier draußen? Hier ist nichts. Alles so wie immer.
Da für mich der Wind nicht die Motivation sein konnte, überhaupt raus zu gehen, stört mich dieser Satz. Ich finde es spannender, wenn Du beschreibst, dass da ein Zwang hinter Merles Handlung ist, Neugier, Erwartung oder etwas unbestimmtes anderes, was sie treibt. Damit wird der Satz aber überflüssig. Dann würde sie vielleicht eher feststellen, dass alles normal zu sein scheint und sie sich etwas einbildet. Aber für mich passt auch das nicht, denn die Linien sind ja real vorhanden und sichtbar und nun steht Merle verunsichert da und weiß nicht, was sie tun soll. Das ist das, was ich mit Deiner Figur empfinde.
Du empfindest das Richtige, nur meine sprachliche Unfähigkeit hat es mich nicht ausdrücken lassen. Also wäre so etwas in die Richtung „Werde ich langsam verrückt, weil ich das Ganze sehe und es aber rein logisch nicht möglich sein kann?“ angebrachter? (Das habe ich mir eigentlich für einen anderen Chara aufgespart. Dreimal darfst du raten, welcher Icon_wink)

Zitat:
Zitat:Was auch immer den Hund dazu bewegt hatte, zur Scheune zu laufen, sie würde es nicht herausfinden. Es schien ihr auch nicht wichtig – wahrscheinlich war es sowieso nur eine Katze, oder Rhea hatte ihr neues Schlafquartier an der Scheune aufgeschlagen.

Merles Füße bewegten sich allein nach dem Dirigat der blauen Linien, die aus dem Boden krochen und mehr und mehr ihren Körper einwebten, bis er aussah wie von Spinnennetzen oder einem parasitären Pilz überzogen. Der Riegel, der die Holztüren normalerweise verschloss, war aufgebrochen und schwankte traurig im warmen Atem des Windes.
"... sie würde es nicht herausfinden." Und dann das "Merles Füße bewegten sich allein ..." Das ist mir zu unbestimmt, und das Wort "Dirigat" stört mich. Hier gibt es einen Zwang, der von Anfang an da war und Merle zum Handeln bewegt, und das würde ich deutlicher herausstellen. Die Linien zwingen sie und sie sollte eigentlich wirklich Angst haben. Ich jedenfalls - und ich bin kein Weichei - würde mir ernsthaft Sorgen machen, wenn ich eine unheimliche Gabe, die ein Machtpotential besitzt, hätte, dazu eine Mutter, die seltsame Geheimnisse hütet, die mit mir zu tun haben und dann noch diesen wiederkehrenden Traum, und dann begegne ich diesen Linien.
„Merles Füße bewegten sich allein nach dem Dirigat der blauen Linien“ – im Sinne von: Merle tut da nicht viel dazu, sie folgt einfach, ohne darüber nachzudenken, ja ohne Angst zu empfinden. Ich finde das nur immer so plakativ, wenn ich schreibe „Sie müsste eigentlich Angst haben, hat aber keine“, weshalb ich das weggelassen habe. Vielleicht wird es dadurch unglaubwürdig oder schwammig, vielleicht bin ich nicht in der Lage, sprachlich zu zeigen, dass die Linien die Angst ersticken, wenn denn welche vorhanden ist, dass Menschen seltsam handeln, obwohl sie es besser wissen müssten, einfach, weil sie nicht mehr denken, nur reagieren.

Zitat:
Zitat:Wärme wurde zu Hitze, Schimmer zu hellen Flammen und die Schatten zu Rauch, der sich seinen Weg in den Nachthimmel suchte. Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.
Eigentlich ein gut klingender Schlusssatz, aber zeitlich für mich nicht umsetzbar. Wenn die Flammen schon so hoch wären, dass die Feuerwehrsirenen heulen, dann wäre Merle garnicht erst in die Scheune gegangen, hätte vorher schon einwandfrei Brandgeruch im Wind bemerkt. Die Perspektive ist die ganze Zeit über bei ihr, aber den letzten Satz wird sie kaum gedacht haben.
Oder ich befinde mich auf dem Holzweg und die Sirenen haben nichts mit der Feuerwehr zu tun - dann kann ich sie aber nirgendwo hinstecken. In jedem Fall leuchtet es nicht ein, warum Merle in eine vermutlich brennende Scheune geht - es sei denn, sie hat einen gewichtigen Grund. Damit wären wir wieder bei dem Zwang durch die Linien Icon_slash
Zur zeitlich Umsetzung, die durchaus problematisch ist, wie ich nachvollziehen kann: Ich bin a) davon ausgegangen, dass die Sirenen (Feuerwehrautowagensirenen im Sinne von Blaulicht) heulen, weil jemand bei der Feuerwehr angerufen hat (zeitlich umsetzbar, weil erste Rauchschwaden von Merle in ihrer Wanderung vielleicht gar nicht mehr wahrgenommen werden – siehe Kapitel 5 (was nicht erklärt, warum weder Anna noch Tim ihre Tochter sehen) und deshalb die Flammen gar nicht so riesenhaft lodern müssen, b) ein Brandbeschleuniger verwendet wurde, c) ein riesenhafter Zwang durch die Linien herrscht und d) Satz 1 eine Zeitspanne von vielleicht zehn Minuten umfasst.
Das sind viele Voraussetzungen, und ich kann verstehen, wenn das dir nicht reicht, wenn es zu konstruiert klingt. Aber ich bin irgendwie momentan noch nicht bereit, mich von dem letzten Satz zu trennen.

Zitat:Am Schreibstil stören mich bei Dir nur ganz wenige Formulierungen, wie z.B.
Zitat:Trotz des unvermeidlichen Knarrens erfolgte aber wie durch ein Wunder keine Reaktion und Merle gelangte ungehört aus der Tür auf den Hof.
Da bin ich leider doof pingelig - sowas schleicht sich bei mir selber ab und zu ein
*g* Doppelt hält besser, eines meiner heimlichen Mottos.

Zitat:Ich finde insgesamt Deine Bilder sehr schön, Dein Schreibstil angenehm zu lesen und freue mich über die nächsten Kapitel.
Danke 
Liebe Grüße,
Eselfine
_____________________________________________________________________________________________

Hallo, Reisbällchen.

(26-12-2014, 13:02)Reisbällchen schrieb: Hallo Eselfine,

wir haben uns leider schon länger nicht mehr gelesen, was mit Zeitmangel zu tun hatte, aber ich will, nein, ich muss jetzt endlich wieder was hinterlassen. Auch wenn es jetzt vielleicht nur ein winziger Absatz von geringer Bedeutung ist.
Zeitmangel ist auch mein heimlicher Kreativitäts- und Guter-Vorsatz-Killer. Leider.

Zitat:Ganz ehrlich, ich finde die Geschichte genial. Es lässt sich sehr flüssig lesen, ist wirklich schön beschrieben und auch spannend genug, dass ich die Teile jetzt so nach und nach durchsuchten werde. Wie von den Vorschreibern schon gesagt, finde ich 26 Teile auch nicht zu lang, ich würde mich freuen, wenn du mehr einstellst. Oder, vielleicht sogar noch besser, es mal mit einem Anschreiben versuchst. Potenzial hat die Geschichte auf alle Fälle, unangenehme Stellen hab ich jetzt spontan keine gefunden. Das mag sich jetzt vielleicht alles etwas hetzerisch anhören, aber ich glaube wirklich, dass du gute Chancen hättest, damit etwas zu erreichen.
Es ist natürlich deine Entscheidung, ob du versuchen willst, deine Schreiberei an den Mann zu bringen. Ich will dir auch nichts einreden. Aber ich wollte dich doch zumindest mal darauf hinweisen, dass die Federn genug Potenzial besitzen, um irgendwann mal im Regal zu stehen Icon_wink Ein Plätzchen findet sich bestimmt noch ^^
Icon_shocked
Ich habe irgendwann zwischen 2010 und 2012 festgestellt, dass es drei Gründe gibt, warum ich nicht veröffentlichen möchte. Warum mir das Internet reicht. 1) Es gibt immer andere, die besser sind als ich. Die ein Buch im Regal mehr verdienen. Weil ich Schreiben behandele wie meine zahllosen anderen Hobbys (insbesondere Zeichnen, Klarinette spielen, Computerspiele, Aquaristik): Alles irgendwie, aber keines so richtig. Und was die ganzen künstlerischen Sachen betrifft: Weil ich nichts so richtig mache, werde ich auch nie so gut werden wie die, die eines richtig machen, und weil mich eines richtig machen aber nicht ganz auslastet bzw. bis ins Allerletzte interessiert, bleibe ich dabei, viele Dinge nicht so richtig zu machen. Und nicht sehr gut darin zu werden. 2) Ich muss nicht bekannt werden, um zufrieden zu sein – andersherum fühle ich mich wohler. 3) Ich lese gerne und profitiere damit vom Buchmarkt, aber insgesamt betrachte ich die ganze Maschinerie wie einen guten Fleischwolf. Am Ende gibt es immer nur Hackepeter und Tränen. Icon_wink

Zitat:Ansonsten: gern gelesen! Icon_smile
Danke 

Liebe Grüße,
Eselfine

Zitat:PS: Das mit der brennenden Scheune hab ich jetzt auch nicht so ganz verstanden - ich dachte, sie folgt der Hündin nicht. Und dann müsste sie ja auch eigentlich früher schon die Flammen sehen und so. Ich persönlich würde nicht so einfach in eine brennende Scheune reinmarschieren.
Ach, Moment... Sie folgt den Linien bzw die Linien führen sie. Stimmt. Da war was. Hab ich wohl was überlesen Icon_wink Jetzt fragt sich nur, wieso die Linien sie da hinführen ^^
Die Linien führen sie dort hinein, das stimmt. Und warum – tja, die arme Merle hat leider eines der billigsten Lose gezogen. Oder jemand hat eine besonders gute Lebensversicherung auf sie abgeschlossen. Icon_ugly
Nochmal liebe Grüße,
Eselei


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Beitrag #8 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Ohai!

(06-12-2014, 15:02)Eselfine schrieb: Aufmerksam gemacht? Macht da jemand heimlich ungerechtfertigte Werbung? Icon_fies

Sagen wir, jemand unterhielt sich mit mir über interessante Dinge und dies hier wurde nebenbei erwähnt und ich fand her.

Zitat:Smiley_emoticons_blush
Ich kann dir nicht versprechen, dass die Federn dieses Versprechen halten, aber ich gebe mir Mühe 

Du bist auf dem besten Wege :D

Zitat:Was mich da interessiert: Gibt es einen Grund, warum dich der Hundename zum Grinsen bringt? Unser Familienhund hat auch einen Grinsenamen: Der heißt Urmel. Und durch den Zwingernamen, weil es ein reinrassiger, unterforderter Deutscher Schäferhund ist, wird das Ganze noch ulkiger: Urmel vom Balakteich Mrgreen

Musste einfach an die Mutter von Romulus und Remus denken und war auch mal kurz davor, eine Hündin in einer Story so zu nennen (es wurde dann Diana) :3 Und awwww. Das ist ja echt richtig putzig (und eine Abwechslung dazu, dass alle Schäferhunde, die ich kenne und kannte, Rex heißen ...)

Nun gut, dann mach ich mich mal auf zu den neuen Teilen, da hab ich ja echt was aufzuholen! Find ich gut.

~ Sephi

"Siehst du die beiden Mädels, die am Tisch sitzen wie zwei frierende Spatzen auf einem Zweig? Siehst du, wie eng ihre Fäden verwoben sind?" - Die Fäden des Schicksals ~ ReaperRoadtrip
Immer.

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Beitrag #9 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hallo Eselfine,

langsam begreife ich deine Geschichte: als Puzzle. Du reichst mit jedem Kapitel einen Auszug, richtest den Blick auf einen Moment, auf einen Zeitpunkt. Wir wissen, wie es ausgeht: Merle wird sterben, aber es wird nicht vorbei sein. Und jetzt bewegen wir uns wie langsam wogende Wellen auf ihren Tod hin. Oder auf die Umstände, die ihn begleiten. Oder auf den Kern der Prophezeiung, auf den Grund von Merles Geschichte. Und mit jeder Welle, die am Ufer bricht, wird die Sicht etwas klarer - und von hier oben, von den Felsen aus, ist jeder Spritzer der Gischt ein Stück Erkenntnis.

Erkenntnisse aus diesem Teil: Vielleicht stirbt Merle bei einem Scheunenbrand. Sie träumt vom Kontrollverlust, von purer Kraft, von Zerstörung, ... aber auch von Auferstehung, also sieht sie ihren eigenen Traum, fühlt sich dorthin gezogen von den blauen Linien, die immer Magie bedeuten. Sie kann nicht schlafen, schleicht sich nach draußen und ihr Hund führt sie zur Scheune, die Linien führen sie zur Scheune. Sie spricht mit sich selbst und läuft dabei - Schritt für Schritt für Schritt - ihrem Unheil entgegen mit schlafwandlerischer Sicherheit. Aber sie ist doch wach, sie sieht alles, und lässt sich doch treiben.
Was in diesem Kapitel deutlich wird - und damit habe ich nicht gerechnet -: Sie versteht ihre Magie doch weniger als gedacht. Ihr wurde nur erklärt: Du kannst mit einem Falken sprechen, mit Midja, und deine Magie kann heilen, kann gutes vollbringen. Über den Ursprung und die Kunst dieser Magie scheint sie wenig zu wissen. Nur dass sie in blauen Linien sichtbar wird. Sie scheint auch keine Chance zu haben, diese Magie zu erproben. Aber worin liegt dann die Magie? Welche Kraft zieht sie aus ihr?
Das wissen bislang scheinbar weder wir Leser noch Merle selbst.
Doch da ist die leise Vermutung, Anna könnte es wissen. Schließlich war sie damals dabei, als die Prophezeiung im Kreis der Falken besprochen wurde, als ein Plan ausgeheckt wurde, gegen die Federn vorzugehen. Die Federn, die Menschen sind. Wie es scheint: ein Begriff, den die Falken für sie gefunden haben.
Wenn die Menschen Federn sind, dann sind sie zugleich ein Teil der Falken und ein Schutz für sie: vor Kälte, vor Wind. Gleichzeitig sind Federn aber auch der Teil der Falken, der ohne Verlust verloren gehen kann - zumindest wenn es nur einzelne sind. Und die Menschen holen also auf ...
... bisher habe ich die Verbindung zwischen den magisch-begabten Menschen und den Falken als freundschaftlich verstanden. Die Falken als Stütze. Wenn jetzt aber die magisch-begabten Menschen Federn sind und von ihnen Gefahr ausgeht, ... dann ist das Urvertrauen, das Merle und Anna in ihre Falken haben, vielleicht fehl am Platz. Mal sehen, zwischen welchen Figuren am Ende der Konflikt ausbricht.

Anmerkungen:
Zitat:Besitzergreifend strecken die blauen Linien ihre Enden nach ihr aus, weben sie mehr und mehr ein und machen sie zu einem wehrlosen Insekt im Spinnennetz der Magie.
Ich lese hier immer "ihre Finger" ... Icon_wink
Zitat:Merle fröstelte in ihren Hausschuhen.
Warum zieht sie denn keine richtigen Schuhe an?
Zitat:und untermalt von dramatischer Musik, schleicht sich eine dunkle Gestalt heran
kein Komma
Zitat:und ihre scheinbare Umsetzung in der Kommunikation mit den Falken beflügelte ihre Fantasie mehr, als es jedes Buch oder jeder Film je gekonnt hätten.
mehr, als es ein Buch oder ein Film je gekonnt hätten
Zitat:. Ja, sie hatte etwas von einer besonderen Bindung mancher Menschen, die sie Federn nannten, an die Falken und die Fähigkeit des Heilens über die Magie erzählt.
Vorschlag: "mancher Menschen, den Federn, an die Falken
"und (von) der Fähigkeit des Heilens über die Magie"
Vorschlag: Zieh das Prädikat nach vorn, damit der Satz sich nicht so zieht, z.B.: "Ja, sie hatte etwas erzählt von einer besonderen Bindung ..."
Zitat:und so war die Scheune von rein optischen Wert,
von rein optischem Wert
Zitat:Der Riegel, der die Holztüren normalerweise verschloss, war aufgebrochen und schwankte traurig im warmen Atem des Windes.
Hier musst du deutlicher machen, dass sie zur Scheune geht. Denn im vorherigen Absatz klang es noch so, als würde sie nicht zur Scheune gehen ("Was auch immer den Hund bewegt hatte, zur Scheune zu laufen, sie würde es nicht herausfinden.") Ich erschließe es hier aus dem Zusammenhang, aber du musst schon sagen, zu welchem Gebäude die Holztüre gehört. Icon_wink
Zitat:Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.
Bezieht sich "ihr" auf die Sirenen oder auf Merle?
Mit Absicht so offen gelassen oder lese ich es nur schräg. Ich schätze, es ist Merles Todeslied.

Liebe Grüße
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #10 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hallo Libbi.

Es ist Weihnachtspause und nach zweieinhalb Monaten unter Strom komme ich langsam dazu, mal die ganzen Dinge abzuarbeiten, die für "Das kann man essen, das kann man rauchen und damit kann man ganz wunderbar jemanden umbringen" sowie "Hasen sind keine Nagetiere" zurückstehen mussten. Also auch deine viel zu lange unbeantwortet gebliebenen Kommentare!

(07-09-2015, 14:39)Libertine schrieb: langsam begreife ich deine Geschichte: als Puzzle. Du reichst mit jedem Kapitel einen Auszug, richtest den Blick auf einen Moment, auf einen Zeitpunkt. Wir wissen, wie es ausgeht: Merle wird sterben, aber es wird nicht vorbei sein. Und jetzt bewegen wir uns wie langsam wogende Wellen auf ihren Tod hin. Oder auf die Umstände, die ihn begleiten. Oder auf den Kern der Prophezeiung, auf den Grund von Merles Geschichte. Und mit jeder Welle, die am Ufer bricht, wird die Sicht etwas klarer - und von hier oben, von den Felsen aus, ist jeder Spritzer der Gischt ein Stück Erkenntnis.
Zumindest ist das mein Ziel. Die Puzzlestruktur entstand aus meiner Unfähigkeit, die Geschichte chronologisch zu erzählen und vor allem auch zu schreiben, und als mir das klar wurde, dachte ich, ich kann es ja ganz dabei belassen ... allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es mir gelungen ist.

Zitat:Erkenntnisse aus diesem Teil: Vielleicht stirbt Merle bei einem Scheunenbrand. Sie träumt vom Kontrollverlust, von purer Kraft, von Zerstörung, ... aber auch von Auferstehung, also sieht sie ihren eigenen Traum, fühlt sich dorthin gezogen von den blauen Linien, die immer Magie bedeuten. Sie kann nicht schlafen, schleicht sich nach draußen und ihr Hund führt sie zur Scheune, die Linien führen sie zur Scheune. Sie spricht mit sich selbst und läuft dabei - Schritt für Schritt für Schritt - ihrem Unheil entgegen mit schlafwandlerischer Sicherheit. Aber sie ist doch wach, sie sieht alles, und lässt sich doch treiben.
Was in diesem Kapitel deutlich wird - und damit habe ich nicht gerechnet -: Sie versteht ihre Magie doch weniger als gedacht. Ihr wurde nur erklärt: Du kannst mit einem Falken sprechen, mit Midja, und deine Magie kann heilen, kann gutes vollbringen. Über den Ursprung und die Kunst dieser Magie scheint sie wenig zu wissen. Nur dass sie in blauen Linien sichtbar wird. Sie scheint auch keine Chance zu haben, diese Magie zu erproben. Aber worin liegt dann die Magie? Welche Kraft zieht sie aus ihr?
Das wissen bislang scheinbar weder wir Leser noch Merle selbst.
Es ist interessant, deine Gedanken dazu zu lesen. Ja, Merle hat eigentlich keine Ahnung von dem, was da in ihr steckt. Aber sie vertraut der Magie blind, ein bisschen so wie ein Beutetier, das sich von seinem Jäger täuschen lässt und deshalb vertrauensvoll in die Falle geht - oder halt das Lamm zur Schlachtbank.
Die einzige Kraft, die sie momentan daraus zieht, ist die Verbindung zu den Falken. Mehr hat sie eigentlich nicht davon, aber sie vertraut darauf, mehr zu erfahren.

Zitat:Doch da ist die leise Vermutung, Anna könnte es wissen. Schließlich war sie damals dabei, als die Prophezeiung im Kreis der Falken besprochen wurde, als ein Plan ausgeheckt wurde, gegen die Federn vorzugehen. Die Federn, die Menschen sind. Wie es scheint: ein Begriff, den die Falken für sie gefunden haben.
Wenn die Menschen Federn sind, dann sind sie zugleich ein Teil der Falken und ein Schutz für sie: vor Kälte, vor Wind. Gleichzeitig sind Federn aber auch der Teil der Falken, der ohne Verlust verloren gehen kann - zumindest wenn es nur einzelne sind. Und die Menschen holen also auf ...
... bisher habe ich die Verbindung zwischen den magisch-begabten Menschen und den Falken als freundschaftlich verstanden. Die Falken als Stütze. Wenn jetzt aber die magisch-begabten Menschen Federn sind und von ihnen Gefahr ausgeht, ... dann ist das Urvertrauen, das Merle und Anna in ihre Falken haben, vielleicht fehl am Platz. Mal sehen, zwischen welchen Figuren am Ende der Konflikt ausbricht.
Soweit war es ja dann doch nicht so verwirrend Icon_ugly

Anmerkungen, die jetzt hier nicht mehr erscheinen, werde ich einfach übernehmen.

Zitat:Anmerkungen:
Zitat:Besitzergreifend strecken die blauen Linien ihre Enden nach ihr aus, weben sie mehr und mehr ein und machen sie zu einem wehrlosen Insekt im Spinnennetz der Magie.
Ich lese hier immer "ihre Finger" ... Icon_wink
Na, dann machen wir doch mal "Finger" draus Icon_wink

Zitat:
Zitat:Merle fröstelte in ihren Hausschuhen.
Warum zieht sie denn keine richtigen Schuhe an?
Das ist tatsächlich eine gute Frage, die ich nicht überzeugend beantworten kann. Ich hatte bloß dieses Bild vor Augen, sie lässt alles stehen und liegen und rennt runter, um zu gucken, was da los ist ... Wahrscheinlich renne ich selbst zu oft in Hausschuhen los Icon_wink

Zitat:
Zitat:Der Riegel, der die Holztüren normalerweise verschloss, war aufgebrochen und schwankte traurig im warmen Atem des Windes.
Hier musst du deutlicher machen, dass sie zur Scheune geht. Denn im vorherigen Absatz klang es noch so, als würde sie nicht zur Scheune gehen ("Was auch immer den Hund bewegt hatte, zur Scheune zu laufen, sie würde es nicht herausfinden.") Ich erschließe es hier aus dem Zusammenhang, aber du musst schon sagen, zu welchem Gebäude die Holztüre gehört.
Oh, ok. Hatte das mit dem Hund eher so gemeint, dass sie ja nicht in den Hund reingucken kann und es deshalb nicht herausfinden wird, aber durchaus zur Scheune läuft Icon_wink

Zitat:
Zitat:Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.
Bezieht sich "ihr" auf die Sirenen oder auf Merle?
Mit Absicht so offen gelassen oder lese ich es nur schräg. Ich schätze, es ist Merles Todeslied.
Ursprünglich bezog es sich nur auf Merle. Aber in der Doppeldeutigkeit finde ich es auch ganz hübsch.

Danke dir auf jeden Fall für den Kommentar!

Viele Grüße,
Eselfine


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