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DIE BLUTKRISTALLKRIEGE Buch 1 (KAPITEL 1 - Teil 10)
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DIE BLUTKRISTALLKRIEGE Buch 1 (KAPITEL 1 - Teil 10)
Ort: In der antiken mesopotamischen Stadt Uruk
Zeit: 3133 vor Christus
Handlung: Ein Drache greift die Stadt an!


Der fliegende Riese gewann mit zwei Flügelschlägen schnell wieder an Höhe. Nachdem ihr Herr abgesprungen war, folgte sie weiter seinem Befehl. Dabei sah sie sich nicht etwa als untergeordneter Diener, sondern eher als gleichberechtigter Partner einer Beziehung, die jeder Seite zum Vorteil gereichte. Der Herr konnte zwar nicht fliegen, sorgte aber mit seinen anderen Möglichkeiten für eine weitere Verbreitung ihrer Art, als es sonst möglich gewesen wäre. Und die Herren schützten auch noch mit ihnen zusammen die Brutkolonien. Der Riese spürte, dass es bald wieder soweit sein würde, und sie ihre Eier ablegen musste, denn das riesige flugfähige Tier war ein trächtiges Weibchen. Aber um ihre Eier und somit die nächste Generation möglichst kräftig ausfallen zu lassen, musste sie mehr fressen als sonst. Besonders wenn sie einen so langen Weg fliegen musste, wie sie das zusammen mit ihrem Herren gerade getan hatte. Von ihrer heimatlichen Landmasse aus waren sie in Richtung der aufgehenden Sonne über eine große Wasserfläche geflogen, hatten dann eine weitere große Landmasse überquert ohne Rast einzulegen, um schließlich möglichst schnell hier an ihr Zielgebiet zu kommen. Sie fragte sich nicht, warum sie hier waren. Der Herr hatte es so angeordnet, also war es richtig. Und jetzt konnte sie bereits die fliehenden Lebewesen auf ihrem künstlichen Festungsberg erkennen. Einer der hohen steinernen Türme war das Ziel, welches ihr der Herr zugewiesen hatte. Auch in ihrer neuen Heimat waren stets diese Türme ihr Ziel, denn auf ihnen konnte sie ruhen und hatte eine gute Aussicht über die Umgebung. Doch in den Festungen der Heimat lebten die Herren, und die Lebewesen, die jetzt vor ihr wegrannten, waren dort sinnvolle Arbeiter, die sie nicht fressen durfte. Hier hingegen waren sie Beute!
Doch gerade als die riesige Kreatur zur Landung auf dem Turm ansetzen wollte, drängte sich eine fremde Stimme in ihren Kopf. Ein fremder Einfluss versuchte sie von ihrem Ziel abzubringen, doch es zählte nur der Wille ihres Herren, der bereits seit vielen Sonnenzyklen mit ihr geflogen war. Seit frühester Kindheit hatte sie gelernt nur auf seine Befehle zu hören, also fiel es ihr relativ leicht, diesen neuen und störenden Einfluss von irgendwo außerhalb in den Hintergrund zu drängen, und sich weiter auf die Jagd vorzubereiten. Da erregte bereits ein einzelnes Lebewesen ihre Aufmerksamkeit. Es schaute sie als Einziges direkt an, und winkte ihr noch mit lächerlich schwachen Ärmchen zu sich herab. Ein erstes Häppchen für sie. Ihre Ohren nahmen fremdartige Worte ohne Sinn wahr, die von diesem Lebewesen kamen, und daher bedeutungslos waren. Einige kleine hölzerne Stäbchen wurden nach ihr geworfen, die jedoch schadlos von ihrer harten Haut abprallten, und sie dabei lediglich anregten. Somit wurde ihr Jagdinstinkt geweckt, und sie ließ abermals ihren Schrei über das neue Jagdrevier schallen.

Nur einen Flügelschlag später hatte die Kreatur den Turm erreicht, und schneller als ein Mensch schauen konnte schnappte der Kopf des Riesen nach vor, und die überdimensionalen Kiefer schlossen sich um den Priester. Die Bestie hatte ihn nicht erhört. Erst aus der Nähe war die gewaltige Größe dieses Wesens zu erkennen, für das die Menschen noch nicht einmal einen passenden Namen hatten. Nur in sehr alten mündlich überlieferten Geschichten war die Rede von behörnten riesigen fliegenden Kreaturen, welche die Grenzen zu den Unterlanden bewachten, und Eindringlinge verschlingen konnten. Eine solche Geschichte, die angeblich bis weit in die Zeit vor der ersten Zivilisation zurückreichte, hatte auch Taarokot Akaatem im Kopf gehabt, als er während seiner langen Reise zum Tor der Unterwelt zum ersten mal dieser Kreatur begegnet war. Er hatte ihr damals spontan den Namen Khumbawa gegeben, denn die ungenaue Beschreibung eines Wächters der Unterwelt aus jener uralten Legende schien perfekt zu diesem Monstrum zu passen. Auch jetzt noch wusste er keinen besseren Namen für diese Kreatur, von der er niemals angenommen hatte, dass sie sich so weit von ihrem Wächterplatz entfernen würde. Ein fataler Irrtum!
Vielleicht hätte er doch persönlich mit dem Stadtgott Baluum über diese Begegnung sprechen sollen, anstatt diese Sache einzig den Priestern zu überlassen. Sie schienen sich da ein falsches Bild von diesem Wesen zurechtgelegt zu haben, zumindest einige von ihnen. Während seiner wilden Flucht nahm sich Taarokot vor, den Stadtgott bei der nächsten Gelegenheit direkt zu fragen, ob er diese Kreatur kannte, falls er das hier irgendwie überleben sollte.
Als der Heerführer gerade auf die hintere Mauer des Turmes kletterte, sprang auch der letzte Bogenschütze in den Turm hinein auf ein niedrigeres Level, wo er sich in eine finstere Ecke drückte und so auf Schutz hoffte. Über ihm hörte er die Knochen des Priesters im Maul der übergroßen Bestie splittern. Zu seinem Entsetzen sah er dann auch noch, wie das schwarze Monstrum seine kräftigen Krallen in die Wand des Turmes schlug, um sich ausgerechnet hier niederzulassen. Auch von seinem obersten Heerführer war keine Spur mehr zu sehen. Vielleicht hatte auch er bereits das Schicksal des Priesters erlitten. Mit zitternden Händen legte der Bogenschütze einen weiteren Pfeil an und versuchte die Bestie von unten her zu treffen. Vielleicht war am Hals eine Schwachstelle.

Auf der Mauer brach Panik aus, als sich das fliegende Ungetüm immer weiter näherte und dabei immer größer wurde. Es hatte sich einen der beiden höchsten Türme als Ziel ausgesucht, die zu beiden Seiten des Hauptstadttores aufragten. Vielleicht auch nur deshalb, weil an ihnen die blutroten Flaggen von Uruk munter im Wind flatterten. Noch nie hatte hier ein Mensch eine so große Kreatur gesehen, und alleine von ihrem Anblick her kroch die Furcht in die Herzen der Menschen. Ganz zu schweigen von den durchdringenden abgehackten Schreien, die dieses Tier ausstieß.
Die Farbe seiner beiden gewaltigen Flügel erinnerte an die Flaggenfarbe von Uruk. Sein Schädel besaß gewaltige Kiefer mit Zähnen wie Dolche, und ein genau wie die Flügel blutroter Nackenschild mit Hörner grenzte ihn vom übrigen Körper ab, der bis auf einen roten Rückenstreifen schwarz wie die Nacht war. Zwei stechenden gelblichen Augen schien nicht das geringste zu entgehen.
In dem Moment als die scharfen Krallen des Riesen die obere Mauerkrone des Turmes zum Einsturz brachten und Ziegelsteine nach unten polterten, reagierte die Menschenmenge auf der Mauer mit blankem Entsetzen. Alle diejenigen, welche vorhin noch frohen Herzens auf die Stadtmauer gestiegen waren, um das Ende der Kämpfe draußen vor der Stadt zu bejubeln, wollten nun so schnell wie möglich wieder zurück nach unten. Hauptsache weg von dem unheimlichen Geschöpf, das wie ein zu groß geratener schwarz roter Vogel nun den einen Turm dominierte. Doch dabei behinderten sich die Menschen natürlich gegenseitig. In dem Gedränge kam es zu rücksichtslosen Rempeleien und schließlich zu Stürzen. Auch die Bogenschützen verließen jetzt den einen Turm, da sie endlich erkannt hatten, dass ihre sonst so wirkungsvollen Waffen hier versagten.
Und während alleine durch das Gewicht des Riesen immer mehr Mauerteile nach unten stürzten, stieß sich Taarokot mit voller Kraft vom Turm ab. Hinter ihm war der sinnlose Redeschwall des Priesters verstummt, und wurde durch das Krachen von Stein und Knochen ersetzt. Der gemeinsame Aufschrei der Menschen auf der Mauer wurde schnell leiser, als der Heerführer mit rasender Geschwindigkeit dem Boden entgegen fiel. Dieser Tag würde noch mehr Opfer fordern. Sein letzter Gedanke galt Baluum, dann schlug er hart auf, und ihm wurde schwarz vor seinen Augen.

Unten im Hauptwasserkanal der Stadt war gerade ein Fischer mit seinem Sohn unterwegs. Die Versorgung mit Nahrung musste auch während kriegerischer Auseinandersetzungen gewährleistet sein, also dirigierte er mit seinem langen Ruder das hölzerne Boot in Richtung des künstlich ausgehobenen Sees inmitten des Stadtgebietes, um die dort gezüchteten Fische zu fangen.
Merkwürdige schrille Schreie hallten durch die Stadt. Vielleicht ein neues Kriegshorn? Der Fischer wusste nichts mit dem fast schmerzhaft schrillen abgehackten Ton anzufangen, der zum Glück nur abgeschwächt den Wasserkanal erreichte. Vermutlich kam der seltsame Ton von außerhalb der Mauer.
Plötzlich hob sein Sohn, der vorne im Boot stand, einen Arm und deutete nach oben: „ Papa, ist das der Rhuuk? Aber ich war brav. Zu mir kommt er nicht, oder?“
Verblüfft folgte der Fischer dem ausgestreckten Arm des Kindes und erstarrte regelrecht.
Das Märchen vom Rhuuk war eine unheimliche Geschichte jener Zeit, um schlimme Kinder zu mehr Arbeit und sorgsameren Umgang mit kleineren Geschwistern zu motivieren. Danach würde ein riesiger Vogel von einer Wolke aus stets alle Kinder beobachten. Und wenn er fand, dass eines von ihnen besonders schlimm war, dann würde er sich mit seinen übergroßen Schwingen von der Wolke abstoßen, zur Erde hernieder fahren und das unartige Kind mit Haut und Haaren fressen.
Jedes Kind in Uruk und in den benachbarten Städten kannte diese Geschichte. Und jedes Kind hatte auch Angst vor dem bösen Rhuuk. Daher funktionierte diese Geschichte, und die Eltern erzählten sie gerne immer und immer wieder. Natürlich wussten die Erwachsenen, dass dieses Märchen nur frei erfunden war, aber sie fanden auch das es nichts schadete, wenn die Kleinen nicht nur die Götter respektierten, sondern auch den stets wachsamen Vogel Rhuuk.
Und nun sah der Fischer oben auf einem der Wehrtürme der Stadtmauer ein Wesen sitzen, das durchaus der erfundene Rhuuk sein konnte! Dieses Tier war so gewaltig, das es den ganzen Turm für sich beanspruchte. Und es flatterte ständig mit seinen gewaltigen roten Flügeln, so als ob es einen Halt suchen würde. Noch nie hatte der Fischer ein solches Wesen gesehen. Sofort dachte er an einen Dämon aus der Unterwelt, der durch irgend einen Umstand sein Reich verlassen hatte, um sich dort oben niederzulassen. Und genau in dem Augenblick als der Fischer hoch sah, sprang ein Mann von ganz oben in weitem Bogen in die Tiefe.
Dass es sich um einen Soldaten handelte, erkannte der Fischer an dem metallischen Glänzen seiner Rüstung. Offensichtlich wollte er sich mit dem Sprung vor diesem Wesen in Sicherheit bringen. Mitten im Sturz krachte er gegen ein hölzernes Gelände und riss es ebenfalls mit in die Tiefe. Dann tauchte er in einer großen Wasserfontäne in den Kanal ein. Und noch während der Fischer beobachtete, wie von einem anderen Boot aus Menschen ins Wasser sprangen um zu helfen, verwarf er seinen Plan zum See zu fahren. Überhastet wandte er sich ab und stürzte zu seinem Ruder. Mit kräftigen Stößen der langen Stange lenkte er sein Boot in eine Abzweigung des Hauptkanals und steuerte einen Steg an. Dort nahm er seinen geschockten Sohn in den Arm, stieß die nächstbeste Türe auf, und versteckte sich in einem Kellergewölbe. Er wusste nicht was draußen vorging, aber er wollte damit nichts zu tun haben. Heute würde es eben keinen frischen Fisch geben.

Auf einem der Dächer der Stadt bremste der junge Amesh seinen flotten Lauf aus vollem Tempo ab und starrte ungläubig nach vor zur Mauer. Der junge Prinz von Uruk war die letzten Minuten damit beschäftigt gewesen seine Wachen abzuschütteln, die ihm sein übermächtiger Vater in all seiner Fürsorglichkeit zur Seite gestellt hatte.
Doch plötzlich waren die Wachen vergessen, die ihn verzweifelt versuchten einzuholen, um ihn zurück in den königlichen Palast zu bringen. Amesh hatte sich der Mauer bereits soweit angenähert, dass die beiden beflaggten Türme, welche das Haupttor flankierten, höher und höher wurden je näher er ihnen kam, als er einen großen Schatten auf einem der Türme bemerkte. Genau aus dieser Richtung trug der Wind jene seltsamen abgehackten schrillen Schreie heran, die er bereits seit einiger Zeit gehört hatte, ohne sie richtig einordnen zu können.
Der Schatten entfaltete sich und gebar ein paar riesige rote Flügel, die einen offensichtlich gewaltigen Schädel umrahmten. Ein riesiger schrecklicher Vogel hatte sich auf dem Turm niedergelassen! Die scharfen Augen des jungen Prinzen erkannten sogar Zähne im Schnabel des Ungeheuers. Aber gab es das überhaupt, einen Vogel mit Zähnen? Und wenn er genauer hinsah war er auch unsicher, ob er überhaupt einen Schnabel an dem merkwürdigen Tier sah. Sein Herzschlag beschleunigte sich unwillkürlich. Könnte es sich bei dem seltsamen Tier dort oben um den sagenhaften Vogel Rhuuk handeln? War er gekommen, um ihn jetzt wegen seiner Taten zu holen? Seine sonst so klaren Gedanken wurden plötzlich von Furcht überschattet. Sein Vater hatte ihm genau wie seine Erzieher immer wieder vor diesem Geschöpf gewarnt, das alle Kinder beobachtete, um sich in einem geeigneten Moment das Unartigste von ihnen zu schnappen.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter. Aus dem Augenwinkel heraus erkannte er die Wache, welche ihm über die Dächer gefolgt war. Doch er war nun dankbar dafür, dass sich dieser Mann nicht hatte abschütteln lassen wie andere. Völlig entgeistert fragte der junge Amesh: „Was ist das für ein Tier dort oben? Holt mich jetzt der Rhuuk?“
Auch der Wächter starrte nun verblüfft nach oben. Die gewaltige Kreatur auf dem Turm schnappte gerade nach einer Fahnenstange und knickte sie ab, als wäre sie bloß ein dünner Grashalm.
Instinktiv krallte sich seine Hand um den Oberarm des jungen Prinzen, für dessen Sicherheit er zu garantieren hatte.
„Ich weiß nicht was das dort oben ist, mein Prinz. Aber bei Gefahr sollte man nicht so schutzlos auf dem Dach stehen bleiben. Wir müssen hinunter. Sofort!“
Ohne zu zögern zog der Wächter seinen Prinz zu einer der Türen und schlug sie auf. Hastig eilten die beiden alte knarrende Stufen nach unten. Prinz Amesh ließ sich willenlos mitziehen. Er war jetzt wirklich froh darüber, dass ihm sein Vater den Wächter nachgeschickt hatte.
Aber konnten sie dem Rhuuk so einfach entkommen? Oder war dieses Wesen oben auf dem Turm gar nicht der Rhuuk, sondern etwas viel Schlimmeres? Vielleicht ein Dämon aus den finstersten Untiefen der Welt? Er hatte bereits genug Geschichten über schreckliche Lebewesen am Rand der Welt gehört, die auf unvorsichtige Reisende lauern sollten.
Automatisch setzte er einen Fuß vor den anderen. Sein Wächter zerrte ihn tiefer und tiefer irgendwo hinein. Doch würde der Schutz ausreichend sein? Eine Türe wurde zugezogen und Finsternis umgab ihn. Und Stille. Amesh hörte den Wächter leise keuchen.
„Hier bleiben wir vorerst, mein Prinz. Ganz ruhig jetzt.“
Amesh hörte wie der Wächter sein Schwert zog. Aber würde ein Schwert gegen eine so große Kreatur helfen, wenn er das Dach herunter riss, um ihn zu holen? Amesh dachte an seinen Vater, den Himmelskönig von Uruk. Er würde sicherlich einen Weg finden, diese Bestie zu besiegen. Ganz bestimmt. Er war stark und konnte jedes Untier töten.
„Sind wir sicher hier?“, fragte Amesh leise in die Finsternis hinein.
Der Wächter antwortete nicht. Stattdessen drang einer der seltsam schrillen Schreie von draußen herein. Eine Gänsehaut überzog den Rücken des kleinen Prinzen. Und als er zu Zittern begann, legte sich die starke Hand des Wächters um seine Schulter und drückte ihn. Amesh war dankbar dafür.
In diesem Moment erkannte er, dass sein Vater die ganze Zeit über recht gehabt hatte. Das Leben war kein Spiel, und die Welt war auch kein Spielplatz für kleine Prinzen.
Amesh wünschte sich, dass die Bestie draußen einfach wegfliegen würde. Ab nun würde er artiger sein und auch seinem Vater gehorchen. Das würde er ihm versprechen, wenn er ihn das nächste mal sah.

Und während unten in der Stadt immer mehr Leute Schutz in ihren Häusern suchten, nachdem sie die bedrohlich wirkende Kreatur oben auf dem Turm entdeckt hatten, war auf der Stadtmauer die Panik perfekt. All jene Bürger von Uruk, die vorhin die Stiegen hoch gelaufen waren um ihren Stadtgott zu sehen, schrien jetzt wild durcheinander, während sie sich rücksichtslos gegenseitig anrempelten, um schneller zum Durchgang des nächsten Turmes zu gelangen, hinter dem sie einen Abgang wussten.
Über ihnen auf dem Turm hatte sich eine Kreatur aus der Unterwelt niedergelassen, und starrte mordlüstern auf den Tumult der Menschen hinab. Sie alle hatten mitangesehen, wie ein Priester von den gewaltigen Kiefern der Bestie zermalmt und gefressen worden war. Und nun hatte jeder Angst das nächste Opfer zu werden. Es wurde brutal gedrängt, geschoben und gestoßen. Schließlich fielen die ersten Menschen in der hektischen Menge zu Boden, und machten damit das Durcheinander umso perfekter.

Die Kreatur auf dem Turm hatte mittlerweile den Priester komplett verschluckt, daher sah sich die Mutter der kommenden neuen Brut nach weiterer Nahrung um. Solange kein nächster Befehl ihres Herren eintraf, hatte sie hier freie Wahl. Und gerade als ihr Blick auf die fliehenden Menschen unter ihr fiel, traf eines der Holzstäbchen dieser Wesen von unten aus dem hohlen Turm heraus ihren Hals. Selbstverständlich war sie dadurch nicht verletzt worden, aber ihre Aufmerksamkeit wurde nun nach unten in den Turm gelenkt, auf dem sie saß. Wieder spürte sie wie ihre Halsdrüsen anschwellten. Und nun war kein Herr da, der sie zügelte. Ihre natürlichen Triebe übernahmen zusammen mit ihrem unstillbaren Hunger nach frischem Fleisch die Kontrolle über ihren Verstand. In immer schneller werdendem Rhythmus spannte sie ihre Halsmuskulatur an, und pumpte dadurch ihre Sekrete an die richtige Stelle. Gleichzeitig senkte sie ihren Kopf und suchte nach frischer Beute. Doch diesmal würde sie die Nahrung vorverdauen. Mit ihrem Feueratem!

Wie ein bedrohlicher unheilvoller Schatten, der den Himmel verdunkelte, wirkte die Kreatur aus der Sicht des einsamen Bogenschützen, der sich alleine in einer Ecke unterhalb des umlaufenden hölzernen Wehrganges versteckt hatte. Einer verzweifelten Idee folgend hatte er einen Pfeil auf den Hals der riesigen Bestie über ihm abgeschossen, der jedoch völlig wirkungslos abprallte. Doch nun senkte sich als Reaktion darauf der riesige Schädel des Wesens in den Turm herab, und der Bogenschütze erblickte seinen Tod in den kalten gelben Augen des monströsesten Wesens, das er jemals in seinem Leben erblickt hatte.
Gleich darauf erlosch das Leben in seinem Körper, denn ein sonnenheißer Gluthauch ließ seinen Körper in einer knappen Sekunde verkohlen. Doch der feurige Strahl aus dem Maul der Bestie gewann weiter an Intensität, und durch die beiden Zugänge zur Mauer hinaus fand das Feuer auch seinen weiteren Weg, genauso wie weitere Opfer.
Ein kurzer Aufschrei der vielen Menschen auf der Mauer war alles, was man noch von ihnen hörte. Dann ging die Welt für sie in einer Orgie aus Feuer und Vernichtung unter.

Die Geschichte der Menschheit ist eine nähere Betrachtung wert!

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