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Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel (Alan Bradley)
Geschrieben von Lukas
Montag, der 04. April 2011

Penhaligon (September 2010)
Hardcover, Seiten: 352
Preis 19,99€
ISBN: 978-3764530297

Genre: Krimi


Klappentext

Nie zuvor hat die junge Flavia de Luce einen so aufregenden Theaterabend erlebt: Der begnadete Puppenspieler Rupert Porson schlägt das Publikum in seinen Bann, und beim furiosen Finale gibt es sogar eine echte Leiche. Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln. Nur die brilliante Hobbydetektivin Flavia findet heraus, dass jemand die elektrische Anlage der Bühne manipuliert hat. Doch schon bald stellt sich die bange Frage, ob die neugierige Flavia ganz allein gegen den Strippenzieher in diesem mörderischen Marionettenspiel bestehen kann ...


Rezension

Wenig Zeit ist vergangen, seit Flavia de Luce im Gurkenbeet von Buckshaw - dem Anwesen der de Luces - eine Leiche gefunden hat. Trotz ihres jungen Alters von 11 Jahren hat sie letztendlich den Fall ganz alleine gelöst. In Anbetracht des ländlich englischen Lebens in den 1950er Jahren eine gefährliche aber nachvollziehbare Beschäftigung.
Als Flavia vor Langeweile fast vergeht, kommt wie ein Geschenk des Himmels ein berühmter Puppenspieler im Dorf an. Eine Autopanne hat ihn unfreiwillig in das Dorf geführt. Diesem Unglück und der Überredungskunst des Pfarrers ist es zu verdanken, dass der Künstler gleich zwei Auftritte am folgenden Sonntag in der Kirche aufführt. Mit einer traumhaften Inszenierung stellt der Puppenspieler sein Können unter Beweis. Gleichzeitig erlaubt er sich aber einen makabren Spaß, der die Neugierde der kleinen Detektivin weckt. Vor einigen Jahren ist ein Junge erhängt im Wald gefunden worden. Ein Unfall, wie es letztendlich hieß. Doch plötzlich erstrahlt die ganze Sache in einem neuen Licht. Flavias zweiter Fall kann losgehen.

Dieses verschlafene Nest hat so viele Leichen im Keller, dass sie aus Platzmangel schon auf den Straßen herumzuliegen scheinen. In nur wenigen Wochen hat Flavia de Luce einen weiteren Fall zu beackern. Glücklicherweise kommt es dem neugierigen Mädchen wie gerufen, Mord und Totschlag scheinen sie anzuziehen wie die Motte das Licht. Vor allem kann sie ihr Hobby, die Chemie, immer wieder anwenden.
"Mord ist kein Kinderspiel" beginnt sehr ruhig, beinahe langweilig, wäre da nicht die bezaubernde Sprache von Alan Bradley. Aus der Sicht von Flavia zwingt er mit der neunmalklugen Art seiner Heldin dem Leser ein Lachen ins Gesicht auf. Das Augenmerk liegt zunächst auf dem Alltag der Protagonistin. Wieder lässt sie es sich nicht nehmen, ihre nervenden Schwestern zu belästigen und den ein oder anderen Giftanschlag auf sie auszuüben. So oft wie möglich lässt sie sich aber entschuldigen und verschwindet zur Kirche, wo der Puppenspieler mit seiner Begleiterin die Bühne aufbauen. Bis etwas Erwähnenswertes passiert, dauert es seine Zeit, doch dann legt Flavia so richtig los. Mit Gladys - ihrem Fahrrad - streift sie wie eine kleine Miss Marple von Haus zu Haus, um so viele Hinweise zu bekommen wie möglich. Mit ihrer Gewieftheit setzt sie ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen.
Die komplette Geschichte ist durchdacht, offenbart keine Logiklöcher und ist - ohne konstruiert zu wirken - unmöglich zu durchschauen. Bradley verzichtet auch auf übertriebene Wendungen und bleibt somit realitätsnah. Er vergisst nie das Alter der Protagonisten und lässt sie nicht zu einer Überheldin mutieren. Der Fall und seine Auflösung bieten somit keine übertriebenen Höhenflüge. Dennoch ist Flavia überaus klug und der Fall knifflig. In der Obhut der sittenhaften Nachkriegszeit bekommt sie klassische Literatur und Musik eingetrichtert. Fernsehen ist noch nicht stark verbreitet und Internet ist höchstens in Science-Fiction Büchern zu finden. Stattdessen wühlt Flavia in Büchern über Chemie oder morbide Geschichten von Giftmördern herum und saugt das Wissen in sich ein wie ein Schwamm. Eine gute Voraussetzung für eine Ermittlerin.

Der Star des Buches ist also Flavia und weniger der Kriminalfall. Aber auch die anderen Charaktere büßen nichts an ihrer Lebendigkeit ein. Die Personen, die schon im Vorgängerband zu finden waren wie der Gärtner und die lästermäulige Köchin, werden ein weiteres Mal vertieft und für die Neuen wie Flavias Tante aus London werden viele Detail offenbart. So werden auch sie ein wichtiger Teil für die Geschichte. Einzig die Polizisten scheinen mit dem Kopf in den Wolken zu stecken, da sie so ziemlich nichts selbst hinbekommen. Hier scheint Bradley einen kleinen Knick in der Realität vorgenommen zu haben, aber sonst könnte Flavia nicht so strahlen.

Zugegeben: Die deutsche Aufmachung ist wirklich sehr gelungen. Im Gegensatz zu der englischen Ausgabe, deren Cover kaum erwähnenswert ist, ist das hiesige sehr schrullig und erinnert stark an morbide Leckerbissen wie "The Addams Family". Dafür ist es aber sehr irreleitend, denn die erweckten Erwartungen werden nicht erfüllt. Was Leser, die sich mehr als einen Krimi erwartet haben, enttäuscht zurück lässt. Ebenso ist der deutsche Titel eine Fehlentscheidung. "Mord ist kein Kinderspiel" entbehrt jeglicher Kreativität. Zumindest im direkten Vergleich mit dem original Titel: The Weed that Strings the Hangman's Bag.


Fazit

Flavia ist einfach eine bezaubernde Figur, deren clevere aber auch ironische Art, das Lesen zu einem Genuß machen. Mit einer handfesten Kriminalstory und dem englischen Erzählstil überzeugt Alan Bradley ein weiteres Mal. "Mord ist kein Kinderspiel" - mindestens so gut wie sein Vorgänger.


Pro und Kontra

+ Flavia de Luce ist ein fantastischer Charakter
+ liebevoller Erzählstil
+ durchdachter und undurchschaubarer Fall
+ humorvoll und spannend zugleich
+ sehr schönes Buchcover, ...

- ... das einige unerfüllte Erwartung weckt
- einfallsloser deutscher Titel

Beurteilung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu Flavie de Luce - Mord im Gurkenbeet (1)

Rezension zu Flavia de Luce - Halunken, Tod und Teufel (3)

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Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 30. Dezember 2018
 

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